AWMF: Gute Gesundheitsversorgung durch Digitalisierung von qualitätsgesichertem Leitlinienwissen fördern
Im Rahmen ihrer Delegiertenkonferenz diskutierten Expertinnen und Experten
der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften e.V. (AWMF) am Wochenende die Rolle von Leitlinien als
Kern eines umfassenden, digitalen Wissensmanagements für die
Gesundheitsversorgung der Zukunft. Im Rahmen eines Projekts der AWMF
sollen Leitlinien digitalisiert werden, um das dort enthaltene Wissen für
sämtliche digitale Anwendungen und unterschiedliche Leistungsbereiche im
Gesundheitssystem zielgerechter verfügbar zu machen.
Die AWMF hat darüber hinaus ihre Forderung nach einer nationalen Strategie
zur Digitalisierung bekräftigt. Dazu gehört auch die Nutzbarkeit von
verlässlichen Daten aus der Forschung und Gesundheitsversorgung. Dies kann
jedoch nur dann gelingen, wenn alle Daten interoperabel aufbereitet sind.
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Die medizinischen Leitlinien, die sich im Leitlinienregister der AWMF
befinden, fassen den jeweils aktuellen Stand des Wissens zusammen und
bilden damit die Grundlage für vertrauenswürdige Entscheidungen in der
Behandlung von Patientinnen und Patienten. „Damit Ärztinnen und Ärzte
zusammen mit den betroffenen Personen informierte Entscheidungen treffen
können, ist es wichtig, dass die evidenzbasierten Informationen aus den
Leitlinien am Ort der Behandlung, dem sogenannten „Point of Care“,
verfügbar sind“, erläuterte Professor Dr. med. Rolf-Detlef Treede,
Präsident der AWMF. Um dies sicherzustellen, arbeitet die AWMF derzeit
intensiv an der Digitalisierung des Leitlinienregisters.
Das gesammelte medizinische Wissen der Leitlinien nutzen heute schon
zahlreiche Stellen und Akteure im Gesundheitssystem – beispielsweise im
Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten, bei der
Bereitstellung von Gesundheitsinformationen für die Bürgerinnen und Bürger
oder der Zulassung von neuen Medikamenten. „Für die Zukunft kommt es
darauf an, Leitlinienwissen für die einzelnen Anwendungsbereiche einfacher
zugänglich zu machen. Dazu wollen wir die Chancen der Digitalisierung
nutzen und die Daten interoperabel machen, also über Systemgrenzen hinweg
nutzbar“, erläuterte Professor Dr. Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts
für Medizinisches Wissensmanagement (AWMF-IMWi). Das schaffe auch die
Voraussetzung dafür, dass digitale Gesundheitsanwendungen Daten direkt aus
den Leitlinien ziehen und integrieren können.
Die AWMF hat den Ausbau eines digitalen Leitlinienregisters im Rahmen von
Forschungsprojekten vorbereitet und den Start selbst finanziert. Für den
vollständigen Ausbau des Leitlinienregisters, das den Anforderungen der
Fachgesellschaften entspricht, strebt die AWMF jedoch eine unabhängige
Förderung an. „Die digitale und interoperable Verfügbarkeit medizinischen
Wissens trägt unmittelbar dazu bei, die Gesundheitsversorgung zu
verbessern. Das liegt im Interesse der gesamten Gesellschaft. Umso
wichtiger ist eine solide, unabhängige Finanzierung, die vom
Gesundheitssystem getragen wird“, erläuterte Treede. Die Umsetzung müsse
natürlich begleitend beforscht werden. Die AWMF hat dazu dem Gemeinsamen
Bundesausschuss (G-BA) einen Themenschwerpunkt zur Förderung
vorgeschlagen.
Dass die digitale Verfügbarkeit medizinischen Wissens viele Chancen
bietet, die medizinische Versorgung kontinuierlich zu verbessern und neue
Therapien zu entwickeln, weiß auch Dr. Stefanie Weber vom Bundesinstitut
für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die digitale Aufbereitung
von Daten aus vielen unterschiedlichen Quellen und deren Kombination mit
Kenntnissen aus klinischen Studien und dem Leitlinienwissen, bietet eine
große Chance, die Patientensicherheit in Zukunft weiter zu verbessern“,
erläuterte Weber bei der AWMF-Delegiertenkonferenz. Eine wichtige
Voraussetzung, dass diese Daten miteinander kombiniert werden können, sind
einheitliche Terminologien. „So können Daten automatisch verarbeitet und
über die Sektorengrenzen hinweg beispielsweise gezielt nach Mustern sowie
Informationen durchsucht werden“, so die Expertin. Das BfArM arbeitet
derzeit an entsprechenden Systemen und kooperiert dabei auch mit der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), um die Entwicklung weltweit
voranzutreiben.
Das ausführliche Konzept zur Digitalisierung des Leitlinienregisters der
AWMF finden Sie hier:
<https://www.awmf.org/fileadmi
/20211018_AWMF-Konzept_Leitlin
*** Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. ***
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
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Gegründet 1962 mit dem Ziel, gemeinsame Interessen stärker gegenüber dem
Staat und der ärztlichen Selbstverwaltung zu positionieren, erarbeitet die
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wissenschaftlichen und politischen Raum. Die AWMF ist Ansprechpartner für
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