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Museumspodcast »Das Grüne Sofa«: »American Heiner – Darmstadt als frühes Zentrum der Paläontologie«

Podcast »Das Grüne Sofa«  Grafik: StudioKrimm, Berlin
Podcast »Das Grüne Sofa« Grafik: StudioKrimm, Berlin

Prof. Dr. Friedemann Schrenk, Leiter der Sektion Paläoanthropologie am
Senckenberg Forschungsinstitut und Professor für Paläobiologie der
Wirbeltiere an der Goethe - Universität, Frankfurt am Main im Gespräch mit
Dr. Oliver Sandrock, Kurator für Fossile Wirbeltiere am Hessischen
Landesmuseums Darmstadt

Paläontologie ist ein Fachbegriff, der einer breiten Öffentlichkeit wohl
nicht so leicht über die Lippen kommen dürfte. Im ersten Moment vermag
kaum jemand zu sagen, welche Wissenschaft dahintersteckt? Leichter wird
die Zuordnung, sobald von Knochenfunden aus prähistorischer Zeit, deren
Ausgrabung und vergleichende Untersuchung die Rede ist. Plötzlich wird die
erdgeschichtliche Entwicklung greifbar, ebenso die Faszination an
einschneidenden Kalt- und Warmzeiten auf unserer Erde vor Jahrmillionen
und an damals existierenden Tieren und Hominiden.

Allerdings wissen die wenigsten, dass das beschauliche Großherzogtum
Darmstadt um 1800 eine wichtige Rolle dabei spielte, die Paläontologie –
also die Lehre von den Lebewesen und Lebewelten der geologischen
Vergangenheit – als eigenständige Wissenschaft zu begründen.

Zur Klärung dieser These hat Dr. Oliver Sandrock keinen geringeren als den
bekannten deutschen Paläoanthropologen Prof. Dr. Friedemann Schrenk zu
sich auf das »Grüne Sofa« gebeten. Der seit vielen Jahren am
Forschungsinstitut Senckenberg tätige Wissenschaftler, der auch eine
Professur an der Frankfurter Goethe - Universität inne hat, ist vor allem
für seine Hominiden-Forschungen im afrikanischen Malawi, Tansania und
Kenia international anerkannt. Von 1989 bis 1999 war er am Hessischen
Landesmuseum Darmstadt beschäftigt.

Aus dieser Zeit ist ihm das sicher berühmteste Skelett des Museums
vertraut. Das Mammut americanum, besser bekannt als Mastodon, ist nun ab
25. März 2022 der Star der großen Sonderausstellung »American Heiner – Ein
Mammut macht Geschichte« in Darmstadt. Die Ereignisse, die sich um diesen
spektakulären prähistorischen Fund ranken, sind so abenteuerlich und mit
so vielen Persönlichkeiten auf zwei Kontinenten verbunden, dass sie in
dieser Podcast-Folge nicht unerwähnt bleiben. Dass darin auch die
Ursprünge der Paläontologie zu suchen sind, belegen nicht nur die in
diesem Zusammenhang in Erscheinung tretenden Namen wie z. B. Johann
Heinrich Merck, Georges Cuvier, Alexander von Humboldt, Charles Wilson
Peale, Charles Darwin oder Johann Jakob Kaup sondern auch die
gesellschaftspolitischen Umbrüche zwischen 1760 und 1860, in der sich die
Evolutionstheorie erst allmählich gegen das vorherrschende christliche
Weltbild durchsetzen konnte. Darmstadt war maßgeblich daran beteiligt.

Der Museumspodcast »Das Grüne Sofa« wird im zweimonatigen Turnus
veröffentlicht. Die Zuhörer*innen erwarten Gespräche mit prominenten
Künstler*innen und Spezialist*innen über aktuelle Projekte oder kommende
Sonderausstellungen des Hauses.

Autor*innen
Prof Dr. Friedemann Schrenk und Dr. Oliver Sandrock

Produzent*innen:
Felix von Boehm und Team, art/beats

Idee und Konzeption für diese Folge:
Dr. Lutz Fichtner, Prof. Dr. Friedemann Schrenk und Dr. Oliver Sandrock

Projektleitung und Redaktion:
Dr. Lutz Fichtner und Yvonne Mielatz-Pohl

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Oliver Sandrock

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Daten, Fakten, Handlungsempfehlungen: Wie sicher ist die Energieversorgung ohne russisches Erdgas?

Mögliche Maßnahmen und resultierende Folgen im Falle eines Importstopps von russischem Erdgas für unterschiedliche Zeithorizonte.  Forschungszentrum Jülich
Mögliche Maßnahmen und resultierende Folgen im Falle eines Importstopps von russischem Erdgas für unterschiedliche Zeithorizonte. Forschungszentrum Jülich

Russland ist der wichtigste Erdgaslieferant für Deutschland und Europa.
Mit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine scheint ein kompletter
Importstopp denkbar. Um mögliche Folgen für die Energieversorgung in
Deutschland zu ermitteln, haben Wissenschaftler:innen des Instituts für
techno-ökonomische Systemanalyse am Forschungszentrum Jülich detaillierte
Analysen durchgeführt. Die daraus abgeleiteten Kernaussagen und
Handlungsempfehlungen zeigen, in welchem Umfang und auf welche Art sich
der Wegfall russischer Erdgasimporte auf verschiedenen Zeitskalen,
innerhalb weniger Tage, Monate und Jahre, kompensieren lässt.

Deutschland ist bei der Energieversorgung – wie ganz Europa – in einem
hohen Maße auf Importe angewiesen. Über 70 Prozent der in Deutschland
benötigten Energie kommt aus dem Ausland. Im Falle des Energieträgers
Erdgas ist diese Abhängigkeit besonders ausgeprägt. Rund 94 Prozent werden
importiert, über die Hälfte davon stammt aus Russland. Aufgrund des Kriegs
in der Ukraine wird es aktuell für möglich gehalten, dass diese russischen
Erdgasimporte als mögliche Sanktionsmaßnahme eingestellt werden.

Der Wegfall russischer Erdgasimporte wirft jedoch kritische Fragen
hinsichtlich der Energieversorgung auf: Wie kann der Importstopp innerhalb
weniger Tage oder Monate kompensiert werden? Welche Rolle könnten
zusätzliche Flüssigerdgas-Lieferungen spielen? Wie lange können
Erdgasspeicher mögliche Versorgungsengpässe überbrücken? Und welche
Strategien gibt es, um mittel- und langfristig unabhängiger vom russischen
Gas zu werden?

Wissenschaftler:innen des Instituts für Techno-ökonomische Systemanalyse
(IEK 3) des Forschungszentrums Jülich haben detailliierte Analysen
durchgeführt und daraus entsprechende Handlungsempfehlungen abgeleitet.
Ihre Berechnungen ermöglichen es, Kompensationsmöglichkeiten und
Alternativen zu russischen Erdgasimporten nicht nur qualitativ, sondern
auch quantitativ einzuschätzen.

Die Kernaussagen und Handlungsempfehlungen im Überblick:

Kurzfristig ein Drittel der russischen Erdgasimporte verzichtbar

Ein vollständiger Lieferstopp russischen Erdgases ließe sich nicht
vollständig innerhalb weniger Tage kompensieren. Durch Einsparungen könnte
kurzfristig auf etwa ein Drittel des nach Deutschland gelieferten Erdgases
aus Russland verzichtet werden. Die sektorübergreifenden Maßnahmen
beinhalten beispielsweise eine Änderung des Heizverhaltens in Haushalten
sowie im Bereich Gewerbe Handel und Dienstleistungen, konkret: die
Absenkung der Raumtemperatur um 1 bis 2 Grad Celsius. Weiterhin wurde der
vermehrte Einsatz alternativer Energieträger in industriellen Anlagen
angenommen sowie der Ersatz von Gas- durch Kohlestrom, wenngleich
letzterer mit zusätzlichen CO2-Emissionen verbunden ist.

Mittelfristig Importstopp in wenigen Monaten handhabbar, aber ambitioniert

In einem Zeitraum von wenigen Monaten könnte ein Lieferstopp von
russischem Erdgas in einer europäischen Anstrengung kompensiert werden.
Insbesondere die Energieversorgung der Haushalte und des Gewerbes über den
nächsten Winter könnte gesichert werden. Notwendig hierfür wären
allerdings Einschränkungen bei der Nachfrage, wie sie schon als
kurzfristige Maßnahmen vorgestellt wurden. Zusätzlich ist außerdem eine
intensivere Nutzung von verflüssigtem Erdgas (LNG, englisch liquified
natural gas) erforderlich sowie eine staatlich geregelte
Vorratsspeicherung von Erdgas.

Über alternative Bezugswege lässt sich ausbleibendes Erdgas aus Russland
innerhalb weniger Monate im Wesentlichen nur durch zusätzliche Importe von
LNG ersetzen. Der Transport von LNG ist nicht auf bestehende Pipelines
angewiesen. Stattdessen kann es aus Ländern wie den USA, Australien und
Katar mit großen Schiffen nach Europa gebracht werden. Ein deutscher
Alleingang aus der russischen Importabhängigkeit ist hier nicht
ausreichend. Es bedarf vielmehr einer gesamteuropäischen Anstrengung und
Strategie. Denn Russland hält nicht nur in Deutschland, sondern auch in
der EU einen großen Anteil an den Erdgasimporten, über 40 Prozent sind es
europaweit. Erforderlich wäre daher eine konzertierte europäische
Beschaffungsstrategie für LNG mit langfristigen Verträgen, um eine höhere
Auslastung der bestehenden LNG-Terminals zu erzielen. In der Vergangenheit
wurden die bestehenden Kapazitäten in den europäischen Nachbarländern
nicht vollständig genutzt.

Verschärft wird die Abhängigkeit von russischem Gas derzeit noch durch die
Lage bei den Gasspeichern. Deutschland verfügt über die größten
Erdgasspeicherkapazitäten in Europa. Etwa 20 Prozent davon befinden sich
im Besitz russischer Firmen. Bislang setzte man vorrangig auf
marktwirtschaftliche Anreize, um sicherzustellen, dass die vorhandenen
Speicher für den Winter ausreichend gefüllt werden. Doch diese reichen,
wie die letzten Monate gezeigt haben, nicht aus. Die in russischem Besitz
befindlichen Speicher wurden nicht aufgefüllt, ohne dass ein
marktwirtschaftlicher Grund hierfür ersichtlich wäre. Zukünftig ist daher
eine staatlich geregelte strategische Gasbevorratung notwendig, die
ausreichende Speicherfüllstände zu bestimmten Zeitpunkten garantiert. Das
in Vorbereitung befindliche Gesetz zur Gasspeicherbevorratung wird hier in
den nächsten Monaten Abhilfe schaffen.

Mittel- bis langfristige Diversifizierung von Energieimporten

Der Bau von LNG-Terminals in Deutschland erscheint unumgänglich, um
mittel- und langfristig innerhalb weniger Jahre alternative Transportwege
für den Bezug von Erdgas zu erschließen. Deutschland verfügt aktuell noch
über keine LNG-Terminals. Derzeit geplant ist der Aufbau einer Kapazität
von maximal 30 Milliarden Kubikmeter, was etwa einem Drittel des heutigen
Erdgasbedarfs entspricht. Diese geplante Kapazität sollte schnellstmöglich
fertiggestellt werden. Um die Treibhausgasneutralität Deutschland und die
Wirtschaftlichkeit der Terminals langfristig zu gewährleisten, sollten
diese zukunftsorientiert konzipiert werden, sodass sie auch für eine
zukünftigen Versorgung mit Wasserstoff genutzt werden können.

Ebenfalls notwendig für die Abwendung vom russischen Gas sind Einsparungen
beim Verbrauch. Diese betreffen insbesondere die Haushalte und Industrie.
Diese stellen sowohl EU-weit als auch in Deutschland die größten
Verbraucher dar. Es gilt daher, die Durchführung von
Energieeinsparmaßnahmen wie die Wärmedämmung von Gebäuden weiter zu
forcieren. Darüber hinaus ist der Austausch von Gasheizungen durch
Wärmepumpen zu beschleunigen. Beide Maßnahmen bewirken eine signifikante
Einsparung von Erdgas und ebnen den Weg für eine treibhausgasneutrale
Energieversorgung. Die Maßnahmen sollten durch entsprechende zusätzliche
Förderprogramme vorangetrieben werden, um eine schnelle Umsetzung zu
erreichen.
Langfristige Unabhängigkeit durch Energieeffizienz und erneuerbare
Energien

Die Energiewende führt schließlich langfristig dazu, dass Erdgas für die
Energieversorgung immer mehr an Relevanz verliert. In einer
treibhausgasneutralen Energieversorgung im Jahr 2045 spielt Erdgas
praktisch keine Rolle mehr, wie die Analysen des Instituts für Techno-
ökonomische Systemanalyse (IEK-3) zeigen. Heute importiert Deutschland
noch über 70 Prozent der insgesamt benötigen Energie. Im Jahr 2045 werden
es nur noch gut 20 Prozent sein – bei sinkendem Energieverbrauch. Der
Ausbau der Erneuerbaren – Windkraft, Photovoltaik, Bioenergie- sollte
daher massiv vorangetrieben werden und ist neben den Verbesserungen der
Energieeffizienz die nachhaltigste Option, um sich aus der
Importabhängigkeit zu befreien.

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Datenmengen verstehen, mathematische Modelle anwenden: Neuer internationaler Master an der TU Freiberg

Mathematik-Studentinnen analysieren und interpretieren Daten.  Crispin Mokry  TU Bergakademie Freiberg / C. Mokry
Mathematik-Studentinnen analysieren und interpretieren Daten. Crispin Mokry TU Bergakademie Freiberg / C. Mokry

Der englischsprachige Studiengang Mathematics for Data and Resources
Sciences führt in vier Semestern zum Abschluss Master of Science und
richtet sich an Absolventinnen und Absolventen eines grundständigen
Studiums. Bewerben können sich Interessenten mit einem ersten
berufsqualifizierenden Hochschulabschluss im Fach Mathematik zum kommenden
Wintersemester. Die Bewerbungsfrist endet am 15. April 2022.

„Ob Klimawandel, Risiken durch Extremwetter, Ressourcenknappheit oder
Kreislaufwirtschaft – die großen Herausforderungen der Zukunft generieren
schon heute große Datenmengen, die richtig gelesen, modelliert und
interpretiert werden müssen“, sagt Prof. Marcus Waurick, Mathematik-
Professor an der TU Bergakademie Freiberg. „Zum Verständnis der
Zukunftsfragen rund um Daten, Geo und Ressourcen, braucht es Fachkräfte,
die mathematische Modelle verstehen und anwenden können“, so der
Fachberater für den Studiengang weiter.

Mathe für Big Data und Geo-Daten

Hier setzt der neue internationale Masterstudiengang Mathematics for Data
and Resources Sciences an. „Studierende können sich in den beiden
Anwendungsgebiete Big Data und maschinelles Lernen oder Geodaten und
Geomathematik spezialisieren oder legen einen Fokus auf die mathematische
Forschung“, erklärt Prof. Marcus Waurick. Dafür werden mathematische
Probleme aus der Anwendung in eigens für den Studiengang erstellten
Ringvorlesungen diskutiert. Während des dritten Semesters können
Studierende mit der Master-Arbeit beginnen und bis zum Ende des vierten
Semesters abschließen.

Vielseitige berufliche Tätigkeiten für Absolventinnen und Absolventen

„Da das Verständnis von großen Datenmengen in fast jeder Branche
unumgänglich ist, haben künftige Absolventinnen und Absolventen beste
Berufsaussichten in einem internationalen Umfeld. Aber auch in Sachsen
bieten sich vielseitige Beschäftigungsmöglichkeiten in IT, Automobil- oder
Finanzindustrie sowie in der Unternehmensberatung“, verspricht Fachberater
Prof. Marcus Waurick. Wer ein mindestens viermonatiges Praktikum in
Industrie und Wirtschaft absolviert, kann dieses auf die Masterarbeit
anrechnen lassen.

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DGfI Stellungnahme zum Internationalen Tag des Versuchstiers am 24.04.2022

Die DGfI weist zum Internationalen Tag des Versuchstiers auf die Bedeutung
von Tierversuchen für die Erforschung immunologischer Mechanismen und
Therapiestrategien im Bereich Infektion, Krebs und Autoimmunerkrankungen
hin. Dabei gelten immer die sogenannten 3R-Regeln der EU, die u.a. zum
Ziel haben, Tierversuche auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Die DGfI weist zum Internationalen Tag des Versuchstiers auf die Bedeutung
von Tierversuchen für die Erforschung immunologischer Mechanismen und
Therapiestrategien im Bereich Infektion, Krebs und Autoimmunerkrankungen
hin. Dabei gelten immer die sogenannten 3R-Regeln der EU, die u.a. zum
Ziel haben, Tierversuche auf das notwendige Minimum zu reduzieren.

Die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Immunologie sind
Immunologen/innen, die die Mechanismen des angeborenen und des erworbenen
Immunsystems erforschen und dabei zentrale Fragestellungen adressieren:
Wie lösen Viren, Bakterien und andere Pathogene Krankheiten aus und wie
kann man daraus Impfungen gegen Krankheitserreger und Therapien für die
Behandlung von Infektionskrankheiten entwickeln? Welche Mechanismen setzt
das Immunsystem zur Abwehr von Krebszellen ein, welche Ausweichstrategien
finden sich bei Tumoren und wie kann man daraus neue Tumortherapien
entwickeln? Welche immunologischen Mechanismen sind an der Entstehung von
Autoimmunerkrankungen oder Allergien beteiligt und welche Strategien für
deren Behandlung ergeben sich aus diesem Wissen? Teile dieser
Forschungsfragen lassen sich inzwischen mit Hilfe von Zellkultursystemen
in vitro oder Computermodellen untersuchen. Da jedoch ein intakter
Organismus in seiner Komplexität bisher nicht in ausreichendem Maß
künstlich nachgebildet werden kann, können Tierversuche nicht vollständig
durch Zellkulturen und Computermodelle ersetzt werden. Daher sind für die
immunologische Grundlagenforschung, sowie für die Entwicklung von
immunologischen Therapie-strategien und Medikamenten immer auch
Tierversuche notwendig, auch um die Sicherheit und Wirksamkeit neuer
Substanzen beurteilen zu können. Sie werden jedoch stets auf das
notwendige Minimum beschränkt, sind genehmigungspflichtig und unterliegen
sehr strengen Auflagen und Kontrollen durch die zuständigen
Aufsichtsbehörden.

Tierversuche am Beispiel der Krebs- und Impfstoffforschung

Die aktuelle Coronavirus-Pandemie hat das Thema „Infektionskrankheiten“
wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Dabei darf nicht vergessen
werden, dass die Entwicklung der mRNA-basierten Corona-Impfstoffe auf der
Forschung an Impfstoffen gegen Krebszellen aufbauen konnte. Seit
Jahrzehnten wird international und auch in Deutschland an Impfstrategien
geforscht, um die körpereigene Abwehr gegen Krebszellen zu stärken und
Tumorwachstum zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen. Dabei sind auch
Tierversuche unersetzlich, denn ohne sie könnte kein Nachweis für die
Wirksamkeit der neuen Behandlungen erbracht werden. Als Ergebnis dieser
Forschung stehen nun etliche neue Therapiestrategien zur Verfügung, die es
vor wenigen Jahren noch gar nicht gab, die aber bereits heute phänomenale
Erfolge bei der Behandlung von einstmals hoffnungslosen Erkrankungen
ermöglichen. Auch für die mehr als 20 Jahre Entwicklungsarbeit in der
Erforschung der sogenannten mRNA-Technologie als Beispiel für eine
gezielte Krebsimmuntherapie waren Tierversuche notwendig, um deren
Wirksamkeit nachweisen zu können. Auf Basis der Erkenntnisse aus dieser
Impfstoffforschung gegen Krebszellen konnten dann in Rekordzeit Impfstoffe
gegen COVID 19 entwickelt werden, für deren klinische Zulassung auch
Tierversuche notwendig waren. Die so erprobten Impfstoffe haben inzwischen
Millionen Menschenleben durch den Schutz vor einem schweren COVID
19-Verlauf retten können.

Das 3R-Prinzip zur Minimierung von Tierversuchen

Tierversuche sind in der medizinischen Forschung unerlässlich. Eine der
wichtigsten Grundsätze ist dabei das 3R-Prinzip – Replace
(Vermeiden/Ersetzen) – Reduce (Verringern) – Refine (Verbessern). Diese
Richtlinie gibt vor, dass Tierversuche soweit wie möglich durch
Alternativmethoden ersetzt werden müssen (Replace). Zudem müssen Studien
so gestaltet werden, dass die Zahl der Versuchstiere auf ein Minimum
reduziert wird (Reduce). Die Haltungs- und Untersuchungsmethoden müssen
zudem darauf ausgelegt sein, den Stress für die Versuchstiere zu
minimieren (Refine). Alle Tierversuchsanträge in Deutschland werden nach
diesem Prinzip begutachtet. Tierversuche dürfen nur nach entsprechender
Genehmigung durchgeführt werden und werden dabei genau kontrolliert. Damit
wird sichergestellt, dass in Deutschland keine unnötigen Tierversuche
durchgeführt werden.

Referenz: Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung GmbH, Braunschweig,
https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/thema/internationaler-tag-des-
versuchstiers/

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