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Intelligentes Stadtbahnfenster geht in den Feldtest

Die sechsmonatige Feldtestphase in der Karlsruher Stadtbahn bis zum Frühjahr 2022 dient der Evaluierung der Anwendungen  Luca Gallina  HKA
Die sechsmonatige Feldtestphase in der Karlsruher Stadtbahn bis zum Frühjahr 2022 dient der Evaluierung der Anwendungen Luca Gallina HKA

Forschungsergebnisse zum Projekt SmartMMI unter der Federführung der HKA
werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
Ein Blick auf das Stadtbahnfenster – und schon ist der Fahrgast sowohl
über das vorbeiziehende Museum als auch über seine Anschlussverbindung
informiert. Denn diese Informationen werden auf der zukünftig
halbtransparenten Displayscheibe, dem SmartWindow, eingeblendet. Was 2017
nach Science-Fiction klang, hat das Forschungsprojekt SmartMMI unter der
Leitung der Hochschule Karlsruhe (die HKA) weitgehend Realität werden
lassen – in einem Zweisystem-Stadtbahnwagen der Albtal-Verkehrs-
Gesellschaft mbH (AVG).

Im aktuell laufenden Feldtest wird das im Projekt entwickelte SmartMMI-
System unter Berücksichtigung der Vorgaben zur Coronapandemie erprobt.
Dazu wurde die SmartMMI-App der Öffentlichkeit zugänglich gemacht sowie
das SmartWindow in einem Zweisystem-Stadtbahnwagen der AVG eingebaut. Die
Fahrgäste können mit dem SmartWindow interagieren und gewünschte
Informationen auf der Scheibe anzeigen lassen, beispielsweise den
Liniennetzplan, Anschlussinformationen oder die Sehenswürdigkeiten entlang
der Bahnstrecke, soweit diese bereits datentechnisch in das SmartMMI-
System aufgenommen worden sind.

Innerhalb einer sechsmonatigen Feldtestphase werden die Anwendungen bis
zum Frühjahr 2022 evaluiert. Mithilfe dieser Nutzerstudien soll
herausgefunden werden, in welchen Situationen und unter welchen Umständen
die Fahrgäste mit dem SmartWindow interagieren. Sie geben somit Aufschluss
über die Potenziale und zukunftsfähigen Weiterentwicklungen solcher
interaktiven Fahrgastinformationssysteme.

„Wir wollen mit dem SmartMMI transparente Displaytechnologien für
Fahrgäste des ÖPNV zur greifbaren Realität werden lassen. Aktuelle und
hochrelevante Informationen finden sodann direkt den Weg zu den Fahrgästen
– und machen den ÖPNV mit digitalen Technologien attraktiver“ sagt
Professor Schlegel, der als Leiter des Instituts für Ubiquitäre
Mobilitätssysteme an der HKA auch das Gesamtprojekt koordiniert.

Das Forschungsvorhaben „Modell- und kontextbasierte Mobilitätsinformation
auf Smart Public Displays und Mobilgeräten im öffentlichen Verkehr“
(SmartMMI) mit einem Projektvolumen von 2,86 Mio. Euro wurde vom
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen
der Innovationsinitiative mFUND von Oktober 2017 bis Juni 2021 gefördert.
Als Partner waren die ANNAX GmbH, die AVG mbh, die MENTZ GmbH und die USU
Software AG mit beteiligt. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe und der
Karlsruher Verkehrsverbund unterstützten das Projekt ebenfalls.

Mit dem Ziel, den Öffentlichen Verkehr weiterzuentwickeln und dem Fahrgast
eine „Mobility Experience“ zu ermöglichen, stellt das Projekt SmartMMI die
Verbesserung der Informationsversorgung von Fahrgästen entlang ihrer
Mobilitätskette in den Vordergrund. Damit sollen Fahrgäste
situationsgerecht über Störungsfälle, Planungsänderungen, touristische
Zielen oder zu den entlang der Strecke erhältlichen Services informiert
werden. Mit dem derzeit laufenden Feldtest beginnt die Erprobung aller
dazu entwickelten Systeme.

Im Rahmen des Projekts SmartMMI erarbeiteten die fünf Projektpartner aus
Industrie und Forschung neue Technologien von der Datenerfassung und
Datenintegration bis hin zur Visualisierung der Daten. Dabei setzte das
Projekt auf die Erforschung und Erprobung kontextsensitiver
Datenbereitstellung von Mobilitätsdaten auf speziell entwickelten
intelligenten teiltransparenten Display-Scheiben, die in Fahrzeugen des
Öffentlichen Personennahverkehrs eingebaut werden können. Drüber hinaus
besteht die Möglichkeit das persönliche mobile Endgerät mit den
intelligenten Display-Scheiben zu koppeln. Dazu wurde die SmartMMI-App
entwickelt die eine personifizierte Fahrgastinformation ermöglicht.
Weiterhin können damit am Smartphone geplante Fahrten in das SmartMMI-
Fahrzeug mitgebracht und damit eine Reisebegleitung auf dem großen und
interaktiven Display im Fahrzeug aktiviert werden. Auch das Mitnehmen von
am SmartWindow gerechneten Fahrten ist mithilfe der mobilen App möglich.
Damit lassen sich Umstiege problemlos bewältigen.

Die Projektpartner entwickelten hierfür neue Technologien für die
Erfassung und Integration verschiedener Informationen aus
unterschiedlichen Datenquellen. Dabei setzte das Konsortium auf den
Einsatz von Big Data und Smart Data Technologien und die Integration von
spezifischen ÖV-Daten auf Basis der neuesten, selbst mitentwickelten
Standards mit Open Data und Daten von Drittanbietern. Die Daten werden
semantisch aufgewertet, um eine intelligente Integration und vor allem
Selektion der relevanten Daten zu ermöglichen – also ein „Verstehen“ auch
durch Systeme. Hierzu dienen Kontextinformationen, die die aktuelle
Situation der Fahrgäste beschreiben und dadurch das System befähigen, auf
die Situation zugeschnittene Daten auszuwählen und diese nutzer- und
situationsgerecht aufzubereiten. So werden zum Beispiel sensitive Daten in
geeigneter Aufbereitung auf dem Smartphone des Nutzers angezeigt, während
allgemeine, ergänzende Informationen auf dem teiltransparenten SmartWindow
des Fahrzeugs dargestellt werden. Somit kann diese größere Fläche für mehr
Details und die Realität überlagernde Hinweise eingesetzt werden.
Visualisierungskonzepte können unter anderem dazu genutzt werden, für
einen Fahrgast ergänzend zu seiner persönlichen Route weitere
Informationen über die Strecke bereitzustellen, beispielsweise zum Wetter
oder zu touristischen Attraktionen.

Im Projekt wurden semantische Konnektoren entwickelt, die ÖV-Daten
aufwerten und mit weiteren, entlang der Reisekette relevanten Daten
optimal verknüpfen. Mithilfe dreier Prototypen wurde ein intelligentes
Reiseinformationssystem erforscht und entwickelt, das Fahrgäste während
ihrer Reise im ÖV in jeder Situation bestmöglich unterstützen soll. So
trägt das Projekt grundlegend dazu bei, die Attraktivität des ÖV als
ökologische, zeitsparende und preiswerte Alternative zum Automobilverkehr
weiterzuentwickeln.

Die Einführung solcher SmartMMI-Fenster hängt entscheidend vom Erhalt
weiterer Fördermittel ab. Als nächster Schritt ist im Rahmen eines
weiteren Forschungsprojekts die Entwicklung eines serientauglichen
SmartMMI-Fensters angedacht.

Über den mFUND des BMVI
Im Rahmen mFUND fördert das BMVI seit 2016 datenbasierte Forschungs- und
Entwicklungsprojekte für die digitale und vernetzte Mobilität 4.0. Die
Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung
zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und
durch die Bereitstellung von offenen Daten auf dem Portal mCLOUD. Weitere
Informationen finden Sie unter www.mfund.de.

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Wald- und Holzforschung in Deutschland neu strukturieren

Trockenstress vieler Wälder in Deutschland / Harz 2019  André Künzelmann / UFZ
Trockenstress vieler Wälder in Deutschland / Harz 2019 André Künzelmann / UFZ

Wälder sind von großer Bedeutung für den Naturhaushalt und erbringen
vielfältige Ökosystemleistungen. Vor allem die Folgen des Klimawandels
lassen diese Fähigkeiten jedoch zunehmend schwinden und stellen damit auch
bisherige Bewirtschaftungskonzepte infrage. Eine Expert:innengruppe hat
nun im Auftrag der zwei Bundesministerien BMEL und BMBF Vorschläge
erarbeitet, um die nationale Forschung im Bereich Wald und Holz neu
auszurichten. Unter anderem wird die Gründung eines nationalen Zentrums
für Wald- und Holzforschung empfohlen. Das Konzept wurde heute durch Prof.
Folkhard Isermeyer (Thünen-Institut) und Prof. Georg Teutsch (UFZ), an die
zuständigen Bundesministerien übergeben.

Anlass für die Einsetzung der Expert:innengruppe waren vor allem die
Folgen des Klimawandels, die in vielen Wäldern deutlich sichtbar sind und
die Wirtschaft, Gesellschaft und Politik vor neue Herausforderungen
stellen. Um wissensbasiert darauf reagieren zu können, etwa bei der
Abschätzung von Risiken oder der Entwicklung von Strategien für den Schutz
und die nachhaltige Nutzung von Wäldern, ist Forschung gefragt.

Die Gruppe identifizierte vier Themenbereiche, in denen es mit Blick auf
die Folgen des Klimawandels besonders wichtig erscheint, die Forschung zu
stärken und gemeinsame Strategien für die Wald- und Holzwirtschaft in
Deutschland zu entwickeln: (1) Zukunftskonzepte für die
Waldbewirtschaftung, (2) Extremereignisse und Krisenmanagement, (3)
Holzbasierte Bioökonomie und (4) Holz im Bauwesen.

Um konkrete, wissensbasierte Lösungsoptionen für die Wald- und
Holzwirtschaft der Zukunft zu liefern, sollten die Forschungseinrichtungen
neue Maßstäbe in der Kooperation untereinander setzen und dabei
wissenschaftliche Exzellenz mit höchster praktischer Relevanz verbinden.
Die Expert:innengruppe schlägt daher vor, ein nationales Zentrum für Wald-
und Holzforschung einzurichten, das als vernetztes Zentrum errichtet und
von den bereits bestehenden Forschungseinrichtungen in Deutschland
gemeinsam getragen wird.

„Wir werden die Probleme nicht in den Griff bekommen, wenn wir uns nur
darauf beschränken, die bisher üblichen Projektförderungen mit mehr Geld
auszustatten. Deshalb zielt unser Konzept darauf ab, dass die
Forschungseinrichtungen der Länder und des Bundes ihre Kräfte stärker als
bisher bündeln und gemeinsam langfristige Forschungsstrategien
entwickeln“, sagt Prof. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-
Instituts.

Prof. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-
Zentrums für Umweltforschung (UFZ), ergänzt: „Ein solches nationales
Forschungszentrum hätte das Potenzial, innovative wissenschaftsbasierte
Lösungen für die großen Herausforderungen Klimaanpassung, Klimaschutz,
Biodiversität und Bioökonomie unter einem Dach und damit integrativ zu
entwickeln“.

Das Forschungszentrum soll in den oben genannten vier Themenbereichen
gemeinsame Forschungsstrategien entwickeln, Projektförderung organisieren,
hochwertige Infrastrukturen konzipieren und bestehende Infrastrukturen in
die gemeinsame Nutzung integrieren. Diese Infrastrukturen werden von der
Expert:innengruppe als ein Schlüsselfaktor für die künftige
Leistungsfähigkeit der deutschen Wald- und Holzforschung gesehen.

Neben bestehenden forstlichen Versuchsflächen, Datenbanken und
Modellsystemen wird vorgeschlagen, drei Infrastrukturtypen zu etablieren:
•       Wald-Reallabore, in denen innovative Waldbehandlungskonzepte einer
eingehenden wissenschaftlichen Analyse unterzogen werden. Parallel dazu
soll ein deutschlandweites Praxisnetzwerk etabliert werden, um auf einer
größeren Anzahl von Flächen Lösungskonzepte in Zusammenarbeit von
Forschung und Praxis untersuchen zu können.
•       Digitale Räume, Syntheseplattformen, die die vielfältigen
Datenbestände und -infrastrukturen der einzelnen Einrichtungen vernetzen
und mit den neuen Datenquellen, etwa aus den Wald-Reallaboren oder der
Fernerkundung verbinden. In einem gemeinsamen Auswertungsraum sollen
Methoden und Werkzeuge (z.B. Statistik, Künstliche Intelligenz, Modelle)
bereitgestellt und ausgetauscht werden.
•       Capacity building Forschungsergebnisse müssen für verschiedene
Zielgruppen (auch innerhalb der Wissenschaft) „übersetzt“ werden und gut
verwertbar sein. Konzepte und Materialen für Aus- und Weiterbildung,
Wissenstransfer in die Praxis oder Graduiertenschulen können gemeinsam und
in sinnvoller Arbeitsteilung effizienter entwickelt werden.

Die Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und für
Bildung und Forschung (BMBF) haben unter Beteiligung des Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Oktober 2020 eine
Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die vor dem Hintergrund der ökologischen
und ökonomischen Folgen des Klimawandels Vorschläge zur Stärkung der Wald-
und Holzforschung in Deutschland erarbeiten sollte. Die Arbeitsgruppe
bestand aus 16 Wissenschaftler:innen verschiedener deutscher
Universitäten, außeruniversitärer Forschungseinrichtungen sowie
Ressortforschungseinrichtungen des Bundes und der Länder und wurde
gemeinsam geleitet von Prof. Dr. Isermeyer (Präsident Thünen-Institut) und
Prof. Dr. Teutsch (Wissenschaftlicher Geschäftsführer Helmholtz-Zentrum
für Umweltforschung).

Originalpublikation:
"Stärkung der Wald- und Holzforschung in Deutschland"
Abschlussbericht der Arbeitsgruppe
https://www.ufz.de/index.php?de=48513

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Prototyp Natur: Besser sitzen mit Pilzen, Moostierchen und Spinnennetzen

Prototyp Natur: Besser sitzen mit Pilzen, Moostierchen und Spinnennetzen  © Niklas Günther - TransMIT
Prototyp Natur: Besser sitzen mit Pilzen, Moostierchen und Spinnennetzen © Niklas Günther - TransMIT

Bionisch inspiriertes Sitzsystem BOOST erhält Zuschlag beim BMBF-
Ideenwettbewerb „Biologisierung der Technik“ – Von der TransMIT betreutes
Verbundvorhaben bündelt das Wissen der beteiligten Projektpartner und
entwickelt neuartiges Sitzsystem für Nutzfahrzeuge, Bahnen und Busse nach
biologischem Vorbild

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligt im Rahmen
des Ideenwettbewerbs „Biologisierung der Technik“ für das Verbundvorhaben
BOOST die Förderung im Schwerpunkt Produktionsforschung. Gegenstand der
Förderung sind Einzel- oder Verbundprojekte, die anhand einer konkreten
technischen Fragestellung das Potenzial biologischer Ressourcen,
Verfahren, Prozesse oder Prinzipien für industrielle Anwendungen
aufzeigen. BOOST steht für „Biologisch inspiriertes Sitzsystem“ und
basiert auf der Kombination verschiedener biologischer Vorbilder. An dem
Projekt beteiligt sind unter anderem die Technische Hochschule
Mittelhessen (THM), die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und
die Grammer AG. Das Verbundvorhaben wird von der TransMIT Gesellschaft für
Technologietransfer mbH im Auftrag der THM betreut und vom TransMIT-
Kooperationsnetzwerk 3D-Druck und additive Fertigung – Bionik unterstützt.

Die Gestaltung und Fertigung eines leichten, komfortablen und
umweltfreundlichen Sitzsystems stellt gerade für den öffentlichen
Personennah- und -fernverkehr eine permanente und von zahlreichen kleinen
oder größeren Herausforderungen und Innovationsbedarfen geprägte Aufgabe
dar. Dabei steht nicht nur die allgemeine Attraktivität für die Nutzer im
Vordergrund, sondern beispielsweise auch gesundheitliche Aspekte etwa
durch eine lang andauernde physiologisch ungünstige Körperhaltung oder
mangelnde Blutzirkulation sowie ökologische Fragestellungen, die das
Recycling, CO2- und Schadstoffemissionen betreffen. Es besteht somit ein
hoher Bedarf für ein modernes Sitzsystem, umfassend ein Sitzkissen und
einen Kissenträger, die eine physiologisch angepasste Druckverteilung
gewährleisten und dementsprechend einen optimalen Kompromiss herstellen
zwischen harten, nicht verformbaren Sitzflächen und sehr nachgiebigen
Sitzflächen mit nachteilig starker Konturanpassung.

Vor diesem Hintergrund entwickeln die Projektpartner im Verbundvorhaben
BOOST ausgehend von mehreren Vorbildern aus der Natur ein neuartiges
Sitzsystem für Nutzfahrzeuge, Bahnen und Busse, das diesen Anforderungen
gerecht wird. Dabei gründet sich der Lösungsansatz sowohl auf den
Werkstoff als auch auf die Konstruktion und Fertigung. Bei der inneren
Struktur des Sitzkissens orientieren sich die Verbundpartner an den
Kammerstrukturen von Moostierchen-Kolonien sowie dem Federkörper eines
Bovists, während der Kissenträger nach dem Vorbild eines Spinnennetzes
konzipiert wird. Die Identifizierung dieser biologischen Vorbilder, die in
entsprechende technische Lösungen umgesetzt werden, resultiert
insbesondere aus eigens zu diesem Zweck durchgeführten Untersuchungen der
umfassenden Sammlungen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
sowie auf Arbeiten von Prof. Dr. Klaus Nicol, emeritierter Professor der
Biomechanik an der Universität Münster.

„Im gegenwärtigen Stand der Technik sind durchaus vielversprechende
Ansätze vorhanden, die aber in der Praxis noch nicht umgesetzt wurden“,
erläutert der Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Udo Jung vom Fachbereich
Maschinenbau, Mechatronik und Materialtechnologie an der THM und Leiter
des TransMIT-Zentrums für Leichtbau und Betriebsfestigkeit. „Wir verfolgen
nun mit dem Verbundvorhaben BOOST einen völlig neuen Ansatz, womit eine
ganze Reihe von Problemen gelöst werden können. So wird unser Sitzsystem
unter anderem eine große Dauerhaltbarkeit, eine erhöhte Resistenz
gegenüber Feuer und Vandalismus sowie zum Zwecke der Ressourcenschonung
und Emissionsreduktion bei Herstellung und Nutzung ein geringes Gewicht
aufweisen. Durch eine effektive Schwingungsdämpfung können wir auch einen
verbesserten Schutz des menschlichen Körpers vor Erschütterungen und
Stößen gewährleisten.“

„Tiere und Pflanzen sind seit jeher wichtige Ideengeber für technische
Innovationen aller Art“, betont Dr. Julia Intemann, Projektmanagerin für
den Wissenstransfer bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
„Durch unsere umfangreichen Sammlungen fossiler und rezenter Tier- und
Pflanzenarten verfügen wir in besonderer Weise über die Kompetenz zur
Identifizierung biologischer Vorbilder für technische Lösungen. Wir freuen
uns sehr, dass wir auf dieser Basis gemeinsam mit unseren Partnern einen
Beitrag zum Gelingen dieses spannenden Projektes leisten können.“ Dr.
Daniel Gerhard, Projektkoordinator bei der Grammer AG, ergänzt: „Bei
unseren Kunden und auf dem Markt insgesamt besteht ein dauerhaftes
Interesse an innovativen Lösungen, die im gesamten Produktspektrum neue
Anwendungen ermöglichen. Neben den umweltschonenden Aspekten durch
Leichtbau ist für uns die Erhöhung des Sitzkomforts eine wichtige
Zielstellung.“

Die Demonstratoren von Sitzkissen und Kissenträger sollen vorzugsweise
durch additive Fertigung als ein einziges integriertes Bauteil gefertigt
werden. Für die Herstellung von Demonstratoren auf Basis der simulierten
Kissenstrukturen sind additive Verfahren ideal geeignet. Daher greifen die
Verbundpartner zur Realisierung diverser Aufgaben im Rahmen des TransMIT-
Kooperationsnetzwerks 3D-Druck und additive Fertigung – Bionik auf
Dienstleister zurück, die auf unterschiedliche Werkstoffe und Verfahren
spezialisiert sind. Die prototypische Umsetzung erfolgt schließlich durch
den renommierten Sitzhersteller Grammer. Die Grammer AG ist spezialisiert
auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für Pkw-
Innenausstattung sowie von Fahrer- und Passagiersitzen für Offroad-
Nutzfahrzeuge, Lkw, Busse und Bahnen.

Mit der Förderung von Projekten im Rahmen des „Ideenwettbewerbs
Biologisierung der Technik“ beabsichtigt das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) das in Deutschland verfügbare Wissen im Hinblick auf
die technische Machbarkeit und die Umsetzung in industriellen Nutzen in
den beiden Schlüsseltechnologien „Neue Werkstoffe und Materialien“ und
„Produktionsforschung“ zur Geltung zu bringen. Die so gewonnenen
Erkenntnisse sollen Impulse für die weitere Ausgestaltung zukünftiger
BMBF-Förderaktivitäten im Kontext der „Biologisierung der Technik“ geben.
Im Rahmen der Ausschreibung werden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten
gefördert, die zu einer Erhöhung der Anwendungs- und Verwertungschancen
von bio-basierten Materialien und biologisch inspirierten Werkzeugen,
Methoden oder Vorgehensweisen im Bereich der Materialwissenschaft und
Werkstoffforschung oder der Produktentstehung und Produktionsprozesse
beitragen.

Mehr Informationen zum „Ideenwettbewerb Biologisierung der Technik“ unter:
https://www.zukunft-der-wertschoepfung.de/de/biologisierung-der-
technik-2259.html

Weitere Informationen zum Innovationscluster 3D-Druck und additive
Fertigung – Bionik unter: https://www.3ddruck-transmit.de/

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Wittener Preis für Gesundheitsvisionär:innen zeichnet innovative Start-up Ideen rund um chronische Krankheiten aus

Das Team hinter dem Wittener Preis für Gesundheitsvisionär:innen
Das Team hinter dem Wittener Preis für Gesundheitsvisionär:innen

Kreative Gesundheitsvisionärinnen und Gesundheitsvisionäre erhalten die
Möglichkeit, ihre innovativen Start-up-Ideen zu Präventions- und
Therapielösungen für chronische Krankheiten vorzustellen. Die Bühne dafür
bietet der mit 10.000 Euro dotierte Wittener Preis für
Gesundheitsvisionär:innen der Universität Witten/Herdecke. Interessierte
Start-ups können sich jetzt bewerben.

Am 4. November 2021 wird der Wittener Preises für
Gesundheitsvisionär:innen zum siebten Mal verliehen. Unter dem Motto
„Fighting Chronic Diseases: Let's empower digital innovators and
visionaries!“ erhalten Start-ups die Möglichkeit, ihre innovativen
Präventions- und Therapielösungen für chronische Erkrankungen vor einer
Jury aus Expertinnen und Experten zu pitchen. Ein Team mit Studierenden
der Medizin, der Psychologie und der Wirtschaftswissenschaft hat das Thema
entwickelt und übernimmt die Planung, Organisation und Umsetzung des
Wettbewerbs.

„Chronische Krankheiten betreffen allein in Deutschland Millionen
Menschen“ sagt Jonah Weist (22 Jahre), der an der Universität
Witten/Herdecke Management studiert, und erklärt die Zielsetzung des
Organisationsteams: „Wir suchen die besten Start-ups, die mit
digitalgestützten Präventions- und Therapielösungen chronischen
Krankheiten den Kampf ansagen.“ Seine Kommilitonin Fiona Keller (23 Jahre)
beschreibt ihre Motivation so: „Ich studiere Medizin, weil ich dazu
beitragen will, die Lebensqualität meiner zukünftigen Patientinnen und
Patienten zu verbessern. Chronisch Kranke haben oft lange Leidenswege,
deshalb freue ich mich schon darauf, spannende Start-ups und kluge Ideen
kennenzulernen, die Betroffenen, Angehörigen und unserer Gesellschaft
helfen.“

Ins Leben gerufen wurde der Wittener Preis für Gesundheitsvisionär:innen
von Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko bereits 2015. Die Inhaberin des
Lehrstuhls für Management und Innovation im Gesundheitswesen und
Prodekanin der Fakultät für Wirtschaft und Gesellschaft unterstreicht den
interdisziplinären Ansatz des Wettbewerbs: „Der Wittener Preis für
Gesundheitsvisionär:innen zeigt die Kernkompetenz der Universität, die
Disziplinen Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft zusammen zu denken. Es
ist schön, dass wir erneut ein so engagiertes und fachlich breit
aufgestelltes studentisches Organisationsteam am Start haben!“ Das
Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird aus dem Förderkreis der Universität
gestiftet. Zusätzlich erhalten die Sigerinnen und Sieger die Möglichkeit,
sich auf dem ATLAS Digitale Gesundheitswirtschaft (www.atlas-digitale-
gesundehitswirtschaft.de) als Leuchtturmprojekt zu positionieren.

2020 hat das Start-up Unternehmen Selfapy für seine digitale Lösung für
Menschen mit psychischen Belastungen – wie Depressionen, Angst- und
Panikstörungen – den Wittener Preis für Gesundheitsvisionär:innen
gewonnen. Mittlerweile hat das Unternehmen über 35.000 Nutzerinnen und
Nutzer auf dem Weg zu einem besseren Wohlbefinden unterstützt.

Bis zum 15. Oktober 2021 können sich Start-ups, Erfinderinnen und
Erfinder, Studierende, Freiberuflerinnen und Freiberufler, oder Genies
bewerben und begründen, was gerade sie als Gesundheitsvisionärin oder
Gesundheitsvisionär auszeichnet und wie ihr Projekt die gesellschaftlichen
Herausforderungen durch chronische Erkrankungen zu lösen versucht.
Interessierte können über die Website des Events den ersten Schritt wagen
und sich für den Wittener Preis für Gesundheitsvisionär:innen 2021
bewerben: www.gesundheitsvisionaere.de/bewerbung

Bei Rückfragen oder für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Jonah Weist mit einer E-Mail an gesundheitsvisionaere@uni-wh.de.

Malte Langer, 02302/926-931, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine
Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als
Modelluniversität mit rund 2.700 Studierenden in den Bereichen Gesundheit,
Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma
Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit
Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

www.uni-wh.de / blog.uni-wh.de / #UniWH / @UniWH

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