Intelligentes Stadtbahnfenster geht in den Feldtest
Forschungsergebnisse zum Projekt SmartMMI unter der Federführung der HKA
werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
Ein Blick auf das Stadtbahnfenster – und schon ist der Fahrgast sowohl
über das vorbeiziehende Museum als auch über seine Anschlussverbindung
informiert. Denn diese Informationen werden auf der zukünftig
halbtransparenten Displayscheibe, dem SmartWindow, eingeblendet. Was 2017
nach Science-Fiction klang, hat das Forschungsprojekt SmartMMI unter der
Leitung der Hochschule Karlsruhe (die HKA) weitgehend Realität werden
lassen – in einem Zweisystem-Stadtbahnwagen der Albtal-Verkehrs-
Gesellschaft mbH (AVG).
Im aktuell laufenden Feldtest wird das im Projekt entwickelte SmartMMI-
System unter Berücksichtigung der Vorgaben zur Coronapandemie erprobt.
Dazu wurde die SmartMMI-App der Öffentlichkeit zugänglich gemacht sowie
das SmartWindow in einem Zweisystem-Stadtbahnwagen der AVG eingebaut. Die
Fahrgäste können mit dem SmartWindow interagieren und gewünschte
Informationen auf der Scheibe anzeigen lassen, beispielsweise den
Liniennetzplan, Anschlussinformationen oder die Sehenswürdigkeiten entlang
der Bahnstrecke, soweit diese bereits datentechnisch in das SmartMMI-
System aufgenommen worden sind.
Innerhalb einer sechsmonatigen Feldtestphase werden die Anwendungen bis
zum Frühjahr 2022 evaluiert. Mithilfe dieser Nutzerstudien soll
herausgefunden werden, in welchen Situationen und unter welchen Umständen
die Fahrgäste mit dem SmartWindow interagieren. Sie geben somit Aufschluss
über die Potenziale und zukunftsfähigen Weiterentwicklungen solcher
interaktiven Fahrgastinformationssysteme.
„Wir wollen mit dem SmartMMI transparente Displaytechnologien für
Fahrgäste des ÖPNV zur greifbaren Realität werden lassen. Aktuelle und
hochrelevante Informationen finden sodann direkt den Weg zu den Fahrgästen
– und machen den ÖPNV mit digitalen Technologien attraktiver“ sagt
Professor Schlegel, der als Leiter des Instituts für Ubiquitäre
Mobilitätssysteme an der HKA auch das Gesamtprojekt koordiniert.
Das Forschungsvorhaben „Modell- und kontextbasierte Mobilitätsinformation
auf Smart Public Displays und Mobilgeräten im öffentlichen Verkehr“
(SmartMMI) mit einem Projektvolumen von 2,86 Mio. Euro wurde vom
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen
der Innovationsinitiative mFUND von Oktober 2017 bis Juni 2021 gefördert.
Als Partner waren die ANNAX GmbH, die AVG mbh, die MENTZ GmbH und die USU
Software AG mit beteiligt. Die Verkehrsbetriebe Karlsruhe und der
Karlsruher Verkehrsverbund unterstützten das Projekt ebenfalls.
Mit dem Ziel, den Öffentlichen Verkehr weiterzuentwickeln und dem Fahrgast
eine „Mobility Experience“ zu ermöglichen, stellt das Projekt SmartMMI die
Verbesserung der Informationsversorgung von Fahrgästen entlang ihrer
Mobilitätskette in den Vordergrund. Damit sollen Fahrgäste
situationsgerecht über Störungsfälle, Planungsänderungen, touristische
Zielen oder zu den entlang der Strecke erhältlichen Services informiert
werden. Mit dem derzeit laufenden Feldtest beginnt die Erprobung aller
dazu entwickelten Systeme.
Im Rahmen des Projekts SmartMMI erarbeiteten die fünf Projektpartner aus
Industrie und Forschung neue Technologien von der Datenerfassung und
Datenintegration bis hin zur Visualisierung der Daten. Dabei setzte das
Projekt auf die Erforschung und Erprobung kontextsensitiver
Datenbereitstellung von Mobilitätsdaten auf speziell entwickelten
intelligenten teiltransparenten Display-Scheiben, die in Fahrzeugen des
Öffentlichen Personennahverkehrs eingebaut werden können. Drüber hinaus
besteht die Möglichkeit das persönliche mobile Endgerät mit den
intelligenten Display-Scheiben zu koppeln. Dazu wurde die SmartMMI-App
entwickelt die eine personifizierte Fahrgastinformation ermöglicht.
Weiterhin können damit am Smartphone geplante Fahrten in das SmartMMI-
Fahrzeug mitgebracht und damit eine Reisebegleitung auf dem großen und
interaktiven Display im Fahrzeug aktiviert werden. Auch das Mitnehmen von
am SmartWindow gerechneten Fahrten ist mithilfe der mobilen App möglich.
Damit lassen sich Umstiege problemlos bewältigen.
Die Projektpartner entwickelten hierfür neue Technologien für die
Erfassung und Integration verschiedener Informationen aus
unterschiedlichen Datenquellen. Dabei setzte das Konsortium auf den
Einsatz von Big Data und Smart Data Technologien und die Integration von
spezifischen ÖV-Daten auf Basis der neuesten, selbst mitentwickelten
Standards mit Open Data und Daten von Drittanbietern. Die Daten werden
semantisch aufgewertet, um eine intelligente Integration und vor allem
Selektion der relevanten Daten zu ermöglichen – also ein „Verstehen“ auch
durch Systeme. Hierzu dienen Kontextinformationen, die die aktuelle
Situation der Fahrgäste beschreiben und dadurch das System befähigen, auf
die Situation zugeschnittene Daten auszuwählen und diese nutzer- und
situationsgerecht aufzubereiten. So werden zum Beispiel sensitive Daten in
geeigneter Aufbereitung auf dem Smartphone des Nutzers angezeigt, während
allgemeine, ergänzende Informationen auf dem teiltransparenten SmartWindow
des Fahrzeugs dargestellt werden. Somit kann diese größere Fläche für mehr
Details und die Realität überlagernde Hinweise eingesetzt werden.
Visualisierungskonzepte können unter anderem dazu genutzt werden, für
einen Fahrgast ergänzend zu seiner persönlichen Route weitere
Informationen über die Strecke bereitzustellen, beispielsweise zum Wetter
oder zu touristischen Attraktionen.
Im Projekt wurden semantische Konnektoren entwickelt, die ÖV-Daten
aufwerten und mit weiteren, entlang der Reisekette relevanten Daten
optimal verknüpfen. Mithilfe dreier Prototypen wurde ein intelligentes
Reiseinformationssystem erforscht und entwickelt, das Fahrgäste während
ihrer Reise im ÖV in jeder Situation bestmöglich unterstützen soll. So
trägt das Projekt grundlegend dazu bei, die Attraktivität des ÖV als
ökologische, zeitsparende und preiswerte Alternative zum Automobilverkehr
weiterzuentwickeln.
Die Einführung solcher SmartMMI-Fenster hängt entscheidend vom Erhalt
weiterer Fördermittel ab. Als nächster Schritt ist im Rahmen eines
weiteren Forschungsprojekts die Entwicklung eines serientauglichen
SmartMMI-Fensters angedacht.
Über den mFUND des BMVI
Im Rahmen mFUND fördert das BMVI seit 2016 datenbasierte Forschungs- und
Entwicklungsprojekte für die digitale und vernetzte Mobilität 4.0. Die
Projektförderung wird ergänzt durch eine aktive fachliche Vernetzung
zwischen Akteuren aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Forschung und
durch die Bereitstellung von offenen Daten auf dem Portal mCLOUD. Weitere
Informationen finden Sie unter www.mfund.de.
- Aufrufe: 47