Prof. Dr. Lutz Göcke und Laurin Müller Hochschule Nordhausen
Laurin Müller hat als erster Studierender den Studiengang „Digitales Produktmanagement“ an der Hochschule Nordhausen (HSN) mit einem Bachelor- Abschluss erfolgreich abgeschlossen. Welche Chancen bietet ein Abschluss im Studiengang Digitales Produktmanagement dem Absolventen?
Der Studiengang „Digitales Produktmanagement“ bietet den Studierenden die Möglichkeit an einer staatlichen Hochschule, fundierte Kenntnisse in den Bereichen digitale Produktentwicklung, User Experience, Datenanalyse und agiles Projektmanagement zu erwerben. Absolventinnen und Absolventen werden damit qualifiziert, in verschiedenen Bereichen der Digitalwirtschaft tätig zu sein. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von innovativen digitalen Produkten und der erfolgreichen Vermarktung derselben.
Digitale Produktmanager spielen eine entscheidende Rolle in der Digitalwirtschaft, da sie an der Entwicklung innovativer Produkte und von Geschäftsmodelle arbeiten. Laurin Müller hat während seines Studiums nicht nur die theoretischen Grundlagen dieses Bereichs erlernt, sondern auch praktische Fähigkeiten erworben, die er nun erfolgreich in seiner Karriere einsetzen kann. "Ich bin begeistert, als erster Absolvent des Studiengangs Digitales Produktmanagement meinen Abschluss zu feiern", sagte Laurin Müller. "Das Studium hat mir nicht nur fundiertes Fachwissen vermittelt, sondern auch die Möglichkeit geboten, mich persönlich weiterzuentwickeln und viele praktische Erfahrungen zu sammeln." Laurin Müller begann sein Studium an einer großen Universität, wechselte jedoch später zur Hochschule Nordhausen. Den Wechsel begründet der Bachelorabsolvent mit der konstant hohen Qualität des Studiengangs und der engen Betreuung an der Hochschule Nordhausen: „Ganz klar der Vorteil einer kleineren Hochschule“, so Müller.
Das praktische Studium und die Gelegenheit, anwendungsorientierte Projekte zu realisieren, haben Laurin Müller dabei unterstützt, sich auf eine Karriere im Bereich des digitalen Produktmanagements vorzubereiten. Durch die Förderung von Swiss Life Deutschland als dualer Student erhielt er tiefe Einblicke in die Praxis des digitalen Produktmanagements und konnte wertvolle berufliche Erfahrungen sammeln. Diese Erfahrungen führten dazu, dass Laurin Müller bereits vor Abschluss seines Studiums die Rolle des Product Owners im Bereich Mobile Application Development bei Swiss Life übernahm – eine Position, die er bis heute erfolgreich innehat und in dessen Kontext er unter anderem das zentrale Kundenportal weiterentwickelt.
Professor Lutz Göcke, Studiengangbeauftragter für den Bachelorstudiengang „Digitales Produktmanagement“ gratuliert Laurin Müller zu seinem Abschluss und wünschte ihm alles Gute für seinen weiteren Karriereweg. „Der Studiengang ‚Digitales Produktmanagement‘ ist ein wichtiger Baustein in unserem Portfolio, um den Fachkräftemangel in der Digitalwirtschaft entgegenzuwirken“, so Professor Göcke, „wir freuen uns, dass Herr Müller als erster Absolvent des Studiengangs so schnell einen erfolgreichen Einstieg in die Berufswelt gefunden hat. Sein Erfolg ist ein Beweis für die Qualität unserer Ausbildung und die Fähigkeiten unserer Studierenden, die den Anforderungen des digitalen Arbeitsmarktes gewachsen sind."
Dr. Andrea Koschinsky, Professorin für Geowissenschaften an der Constructor University, wurde in das Fachkollegium Atmosphären-, Meeres- und Klimaforschung der DFG gewählt. Quelle: Constructor University
Dr. Andrea Koschinsky, Professorin für Geowissenschaften an der Constructor University, ist in das Fachkollegium Atmosphären-, Meeres- und Klimaforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewählt worden. Damit entscheidet die Wissenschaftlerin in den kommenden vier Jahren darüber mit, welche Forschung in diesem Bereich in Deutschland betrieben wird.
Aufgabe der Fachkollegien der DFG ist die abschließende wissenschaftliche Bewertung der eingereichten Forschungsanträge, der Gutachten und des Begutachtungsverfahrens. Zudem machen sie den Vorschlag über Bewilligung oder Ablehnung an das abschließende Entscheidungsgremium der DFG.
Alle vier Jahre entscheiden rund 150.000 Wissenschaftler*innen per Wahl über die Zusammensetzung der Gremien. Mit einem Finanzvolumen von rund 3,9 Milliarden Euro und 31.750 geförderten Vorhaben (Stand: 2022) ist die DFG die mit Abstand wichtigste Quelle für Forschungsmittel in Deutschland.
„Ich freue mich über die Wahl und bin mir der Verantwortung, die sie mit sich bringt, bewusst“, sagt Andrea Koschinsky, die seit 2003 an der Constructor University lehrt und forscht, vor allem zu Fragen der Meeresforschung. Für die DFG war sie lange in verschiedenen Beratungskommissionen zur Ozeanographie und Erdsystemforschung tätig.
„An der neuen Aufgabe reizt mich die Möglichkeit, Dinge bewegen und Entscheidungen im Sinne einer bestmöglichen Wissenschaft beeinflussen zu können“, meint Koschinsky. Das dreiköpfige Fachkollegium für die Atmosphären-, Meeres- und Klimaforschung nimmt im April die Arbeit auf. Die Wissenschaftler*innen werden nicht nur forschungswürdige Projekte identifizieren, sondern wirken auch an der Weiterentwicklung der Förderprogramme der DFG und bei der Diskussion förderpolitischer Themen mit.
Diese Roboterzelle kann alle nötigen Arbeitsschritte ausführen, die für die Demontage ausgedienter Batteriesysteme nötig sind. Rainer Bez Fraunhofer IPA
»Energizing a Sustainable Industry« lautet das Motto der diesjährigen Hannover Messe. Die Themen Energie und Nachhaltigkeit sind auch ein umfassender Forschungsschwerpunkt des Fraunhofer IPA. Einblicke in laufende und Ergebnisse von bereits abgeschlossenen Forschungsprojekten präsentiert das Institut von 22. bis 26. April 2024 auf zwei Messeständen.
Zu den Messe-Leitthemen führt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA zahlreiche Forschungs- und Transferprojekte durch. Gleich mehrere Abteilungen beschäftigen sich mit Energieeffizienz, Wasserstofftechnologie oder Batteriezellenproduktion. Alle eint die Frage, wie sich der Ressourceneinsatz in der Produktion effizienter gestalten und Verschwendung vermeiden lässt. Dazu gehört beispielsweise die Abteilung Industrielle Energiesysteme mit Lösungsansätzen für maßgeschneiderte Energiesysteme. Den Schwerpunkt bilden dabei die Optimierung der Energieeffizienz, die Reduzierung von CO2-Emissionen und die Maximierung der Versorgungssicherheit.
Auf zwei verschiedenen Messeständen stellen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehrerer Abteilungen von 22. bis 26. April 2024 ihre Ergebnisse vor und geben Einblicke in laufende Forschungsprojekte:
• Baden-Württemberg International in Halle 12, Stand D15 • Fraunhofer-Gesellschaft in Halle 2, Stand B24
Gleichstrom für die Industrie
Die Solarzellen auf dem Dach und der Batteriespeicher auf dem Hof haben eines gemeinsam: Sie liefern beide Gleichstrom. Warum also nicht gleich die ganze Fabrik mit Gleichstrom betreiben? Das spart Energie und Ressourcen. So liegen die Einsparungen bei Infrastruktur, Logistiksystemen und Fertigungsrobotern zwischen acht und 20 Prozent. Die oft überdimensionierten Gleichrichter der einzelnen Maschinen entfallen und Bremsenergie kann in das Gleichstromnetz eingespeist werden. Ein Forschungsteam um Isabella Bianchini von der Abteilung Industrielle Energiesysteme am Fraunhofer IPA hat nun zusammen mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie ein Systemkonzept entwickelt, das die Einführung von Gleichstromnetzen in Fabriken ermöglicht. Einblicke in praktische Anwendungsbeispiele geben sie auf dem Messestand von Baden- Württemberg International: Halle 12, Stand D15.
CO2-Verbrauch von Unternehmen wird transparent
Konsequenter Klimaschutz erfordert einen ganzheitlichen Ansatz über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Im bereits abgeschlossenen Forschungsprojekt »Climate Solutions for Industries« (CS4I) hat ein Team um Christian Schneider von der Abteilung Industrielle Energiesysteme am Fraunhofer IPA zusammen mit Partnern aus der Industrie beispielsweise eine App entwickelt, mit der sich der sogenannte »True Carbon Footprint« eines Produkts über Unternehmensgrenzen hinweg ermitteln lässt. Denn Prozesse, die der Produktion vor- und nachgelagert sind, verursachen in manchen Fällen bis zu 70 Prozent der gesamten CO2-Emissionen. CS4I adressierte daher von der Beschaffung des Ausgangsmaterials über Investitionsentscheidungen, bis hin zur Auslieferung unterschiedliche Aspekte, damit Unternehmen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gleichzeitig berücksichtigen können. Als Entscheidungsgrundlage dient ein digitales Abbild der Maschinen und Anlagen. Einen Prototyp des offenen Plattformkonzepts, das CS4I hervorgebracht hat, zeigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Halle 12 auf Stand D15.
Künstliche Intelligenz erkennt Leckagen in Druckluftanlagen
Die teuerste Energie ist diejenige, die verschwendet wird: Schätzungen zufolge entweicht durchschnittlich etwa ein Drittel der Druckluft, die ein Unternehmen erzeugt, ungenutzt aus winzigen Löchern und undichten Verbindungsstücken. Die Kosten für diese Verschwendung belaufen sich schnell auf zehntausende Euro pro Jahr. Die Suche nach den Leckagen war bisher aufwendig. Doch nun haben das Fraunhofer IPA, die Universität Stuttgart und der Sensorhersteller Sick eine automatisierte Detektion entwickelt. Das Herzstück bildet ein Durchflusssensor, der laufend Massenstrom, Druck- und Temperaturverlauf erfasst. Ein intelligenter Algorithmus wertet diese Kurvenverläufe in Echtzeit aus und erkennt charakteristische Signaturen, die auf Leckagen hindeuten. Den aktuellen Stand der gemeinsamen Entwicklungsarbeit veranschaulicht ein Demonstrator auf dem Messestand von Baden-Württemberg International: Halle 12, Stand D15.
Produktiv, rein und nachhaltig: Innovationen für Batteriezellen
Noch wichtiger als Druckluft für die Produktion ist die Batteriezelle für das Elektroauto. Sie soll kompakt und möglichst leistungsstark sein – und vor allem sicher. Das stellt große Anforderungen an die Produktion. Wie die in Zukunft aussehen könnte, zeigen Forscherinnen und Forscher vom Zentrum für Digitalisierte Batteriezellenproduktion am Fraunhofer IPA. Ihr Ziel ist es, die gesamte Fertigungskette von Lithium-Ionen-Batterien im Labormaßstab aufzubauen und durchgängig zu digitalisieren. Im Vordergrund steht, die Produktivität unter Berücksichtigung von strengen ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen zu stabilisieren und zu steigern.
Zwingend erforderlich für die Batteriezellenproduktion sind eine absolut reine Umgebung und eine besonders geringe Luftfeuchtigkeit. Mit dem mobilen Trockenreinraumzelt DryCleanCAPE® hat ein Forschungsteam um Udo Gommel und Frank Bürger ein mobiles Reinraumsystem entwickelt. Damit lässt sich kostengünstig, schnell und flexibel eine reine und trockene Produktionsumgebung aufbauen, die ähnliche Luftreinheitsklassen erreicht wie hochwertige konventionelle Reinräume. DryCleanCAPE® besteht aus zwei unterschiedlichen Hüllen. Dabei entstehen Trockenheit sowie Partikel- und Chemikalienfreiheit unabhängig voneinander durch separate Luftaufbereitungseinheiten. Wie das DryCleanCAPE® aussieht und funktioniert, erfahren Messegäste in Halle 12 auf Stand D15.
Aber nicht nur die effiziente Herstellung von Batteriezellen unter reinen Bedingungen wird immer wichtiger, sondern auch das Recycling ausgedienter Batteriesysteme. Denn wenn alle Ankündigungen wahr werden, könnten bis 2030 weltweit fast 50 Millionen Elektroautos auf den Straßen unterwegs sein. Ihre Batterien enthalten wertvolle Rohstoffe wie Nickel, Kobalt, Mangan und Lithium, die wiederverwendbar sind. Im Forschungsprojekt »Industrielle Demontage von Batteriemodulen und E-Motoren« (DeMoBat) ist deshalb eine Roboterzelle mit ganz verschiedenen Werkzeugen entstanden, die alle nötigen Arbeitsschritte der Demontage ausführen kann und sich für sehr viele Batterietypen eignet. Mehr über das Projekt DeMoBat erfahren Messebesucher in Halle 12 auf Stand D15.
Industrielle Massenproduktion von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen
Neben Batterien gilt auch Wasserstoff als vielversprechender Energieträger, der sauber und vielseitig einsetzbar ist. Interessant ist Wasserstoff besonders für die Industrie und den Schwerlastverkehr. Damit aktuell noch emissionsintensive Prozesse durch Wasserstofftechnologien ersetzt werden können, besteht allerdings noch ein weitreichender Forschungsbedarf entlang der gesamten Wertschöpfungskette – angefangen bei der Produktion von Elektrolyseuren und Brennstoffzellen.
Sowohl Elektrolyseure als auch Brennstoffzellen werden momentan noch häufig im sogenannten Manufakturbetreib hergestellt, also mit viel Handarbeit. »Wenn Brennstoffzellen im Schwerlastverkehr den Verbrenner ablösen sollen, müssen sie in industrieller Massenproduktion, weitgehend automatisiert und entsprechend kostengünstig hergestellt werden«, sagt Erwin Groß von der Abteilung Unternehmensstrategie und -entwicklung am Fraunhofer IPA. Genau das ist einem Forschungsteam vom Fraunhofer IPA und vom Centrum für Digitalisierung, Führung und Nachhaltigkeit Schwarzwald (Campus Schwarzwald) nun gelungen. Im Projekt »H2FastCell« ist eine Roboterzelle entstanden, in der zwei Roboter in Sekundenschnelle Bipolarplatten und Membran Elektrodeneinheiten im Wechsel zu Brennstoffzellenstacks stapeln.
In einer ähnlichen Roboterzelle könnten in Zukunft auch Elektrolyseure massenhaft hergestellt werden, denn auch sie bestehen aus mehreren Schichten – zwei Elektroden und eine Protonen-Austausch-Membran (PEM) in der Mitte – und werden gestapelt. Im Forschungsprojekt »Industrialisierung der PEM-Elektrolyse-Produktion« (PEP.IN) soll bis Frühjahr 2025 aber nicht nur dieses sogenannte Stacking, sondern die gesamte Produktionslinie automatisiert werden – mit sämtlichen nachgelagerten Prozessen bis zum End-of-line Testing. Einblicke in die Forschungsprojekte PEP.IN und H2FastCell gibt es auf dem Messestand von Baden-Württemberg International: Halle 12, Stand D15.
Die gesamte Wasserstoff-Wertschöpfungskette rückt in den Blick
Noch einen Schritt weiter geht das Forschungsprojekt »Wandlungsfähige, energieflexible und vernetzte H2-Industrieforschungsplattform« (WAVE-H2) der Universität Stuttgart. Betrachtet wird hier ein ganzheitliches industrielles Energiesystem mit dem Fokus auf der Nutzung von Wasserstoff. Für insgesamt rund 36 Millionen Euro soll in den kommenden Jahren auf dem Campus der Universität Stuttgart und benachbart zum Campus Schwarzwald in Freudenstadt eine Industrieforschungsplattform aufgebaut werden. Sie soll unterschiedliche Technologieoptionen für die Erzeugung, Verteilung, Speicherung sowie den Verbrauch von Wasserstoff in einem vernetzten industriellen Energiesystem integrieren und so eine systematische Entwicklung und Erprobung innovativer Produktions- und Energietechnologien erlauben. Die Industrieforschungsplattform wird im industriellen Maßstab aufgebaut und betrieben. So können Firmen ihre Prozesse umrüsten und dort testen. Mehr über WAVE-H2 erfahren Messebesucher in Halle 12 auf Stand D15.
Verlustfreies Lackieren zur Oberflächenveredelung additiv gefertigter Bauteile
Additive Fertigungsverfahren sind längst in der industriellen Realität angekommen. Sie bieten eine hohe Flexibilität und ermöglichen neue Produkte und Lösungen in einer Vielzahl an Branchen. Allerdings weist die Oberfläche additiv gefertigter Bauteile bei fast allen gängigen Verfahren eine Porosität oder Rauigkeit auf, sodass eine entsprechende Nachbehandlung erforderlich ist. Dieser Thematik widmet sich ein Exponat des Fraunhofer-Verbunds Produktion. Es zeigt verschiedene Möglichkeiten auf, die Oberflächeneigenschaften additiv gefertigter Bauteile zu verbessern. Das Fraunhofer IPA präsentiert dabei die Technologie des verlustfreien Lackierens als eine Möglichkeit zur automatisierten Dekoration und Beschichtung von additiv gefertigten Kunststoffbauteilen. Hierbei fließt die Expertise aus den Bereichen Additive Produktion von Oliver Refle und Lackiertechnik von Oliver Tiedje ein. Optimierte Prozessführung in der additiven Fertigung kombiniert mit einer gezielten Nachbehandlung zur Glättung der Bauteiloberfläche bilden die Grundlage für die nachfolgende Lackierung ohne Entstehung von Lacknebel – mit Lacksystemen, die speziell auf die Oberflächeneigenschaften additiv gefertigter Kunststoffbauteile abgestimmt wurden. Damit sind hochwertige Bauteiloberflächen auch bei personalisierten Bauteilen wirtschaftlich realisierbar. Zu sehen ist das Exponat auf dem Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft: Halle 2, Stand B24.
2ndSCIN® – ein Maßanzug für Roboter
»Die Schlüsseltechnologien von morgen kommen nur mit Reinheitstechnik voran. Sie ist entscheidend: von der Batterieproduktion bis zur Biotechnologie«, sagt Udo Gommel, Leiter der Abteilung Reinst- und Mikroproduktion am Fraunhofer IPA. Um diesen Anforderungen zu genügen, haben Gommel und sein Team die Schutzumhüllung 2ndSCIN® entwickelt. Sie macht dynamische Automatisierungskomponenten wie zum Beispiel einen Roboter einsatzbereit für die ultrareine Produktion. 2ndSCIN® besteht aus einem luftdurchlässigen, beweglichen Textil. Je nach Anwendung können zwei oder mehr Schichten übereinanderliegen. Die Schichten werden jeweils mit Abstandshaltern separiert. In jedem Zwischenraum kann zum Beispiel Luft eingesaugt oder abgeführt werden. So können Partikel entfernt werden, die aus der Umgebung oder von der Automatisierungskomponente stammen. Die Zuführung von Spezialgasen in die Zwischenräume des Systems ermöglicht beispielsweise für Life-Science-Anwendungen die Sterilisation – sowohl von der eingehüllten Automatisierungskomponente als auch des Maßanzugs selbst. Die Textilschichten sind außerdem mit Sensoren ausgestattet, die kontinuierlich Parameter wie Partikelkonzentration, chemische Kontamination, Druck oder Feuchtigkeit messen. KI-basierte Algorithmen werten diese Sensordaten aus und ermöglichen eine vorausschauende Wartung und die Bewertung des aktuellen Sauberkeitszustands. Die Schutzumhüllung lässt sich in etwa einer Stunde wechseln und kann nach einer Dekontaminierung wiederverwendet werden. 2ndSCIN® ist auf dem Gemeinschaftsstand der Fraunhofer-Gesellschaft zu sehen: Halle 2, Stand B24.
Vorträge und Diskussionsrunden: Das Rahmenprogramm der Hannover Messe
Auch abseits der beiden Messestände werden Gäste im Zuge des Rahmenprogramms der Hannover Messe auf das Fraunhofer IPA treffen. So findet am Dienstag, 23. April, auf der Industrial Transformation Stage in Halle 3 das ganztägige Veranstaltungsformat »Industrial AI« statt. Dabei erhalten Interessierte Einblicke in gemeinsame Forschungsprojekte rund um das Thema Künstliche Intelligenz, die das Fraunhofer IPA zusammen mit namhaften Industriepartnern in Use Cases präsentiert.
Einen Tag später, am Mittwoch, 24. April, nimmt Professor Thomas Bauernhansl, der Institutsleiter des Fraunhofer IPA, auf der TechTransfer Conference Stage in Halle 2, Stand B02 ab 10:50 Uhr an der Podiumsdiskussion »Biointelligente Wertschöpfung im Maschinen- und Anlagenbau« teil. Er stellt dort zusammen mit Vertretern von der Universität Hohenheim, vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und von Festo die Ergebnisse einer neuen internationalen Benchmark- Untersuchung zum Thema Biointelligenz vor.
Daniela Richter leitet den Pflegepool am Universitätsklinikum Dresden. Gesundheits- und Krankenpfleger Daniel Gaudig hat hier seine berufliche Heimat gefunden. UKD/Michael Kretzschmar
Mit veränderter Strategie im Pflegepool geht das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus einen neuen Weg, um kurzfristige Personallücken zu schließen und gleichzeitig Mitarbeitenden in der Pflege höchste Flexibilität zu bieten. Der vor über 20 Jahren initiierte Pool hat jetzt eine Neukonzeption erfahren. Ziel ist es, noch individueller auf neue Mitarbeitende einzugehen, sie beim Einstieg in die Pooltätigkeit zu begleiten und ihnen auch in Hinblick auf die persönliche Karriereplanung Perspektiven aufzuzeigen. So wurde unter anderem ein Tandemmodell eingeführt, dass vorsieht, die Neuen im Pflegepool in 1:1-Betreuung in den ersten vier Wochen zu begleiten und zu unterstützen.
„Unser Pflegepool ist ein Erfolgsmodell, das Lösungen für mehrere Herausforderungen bietet. Wir können kurzfristig auf Personallücken eingehen und diese füllen. Gleichzeitig wollen wir jetzt mit attraktiven Anreizen die Pool-Pflegenden unterstützen und noch mehr Mitglieder rekrutieren“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden.
Wenn Mitarbeitende in der Pflege krank werden oder sich um ihre erkrankten Kinder kümmern müssen, geplante Weiterbildungen absolvieren oder über mehrere Monate ausfallen, kommt am Universitätsklinikum Dresden der Pflegepool zum Einsatz. Seit über 20 Jahren sind hier Mitarbeitende als Pflegeteam etabliert, die kurzfristig einspringen oder längere Personallücken kompensieren. Damit war das Dresdner Uniklinikum eines der ersten, das dieses Modell eingeführt hat. Derzeit gibt es über 40 Pflegekräfte im Pool. Der Bedarf ist weitaus höher – etwa doppelt so viele werden benötigt. Dabei liegen die Vorteile nicht allein nur beim Klinikum. Neben der beruflichen Flexibilität, die der Einsatz auf unterschiedlichen Stationen und in verschiedenen Fachbereichen mit sich bringt, profitieren die Pool-Mitarbeitenden von einer überdurchschnittlichen Dienstplansicherheit und Betreuung durch die Führungskraft sowie finanziellen Anreizen. „Die Chancen liegen in der Flexibilität. Durch den Einsatz auf unterschiedlichen Stationen lernen die Pflegenden ständig neue Dinge. Sie wachsen an der Verantwortung“, sagt Katrin Weigelt. Sie arbeitet seit 47 Jahre als Kinderkrankenschwester und Pflegedienstleiterin am Uniklinikum und engagiert sich nun als „Flexirentnerin“ überwiegend für dieses Pool-Team. Die Leitung liegt bei Daniela Richter, die seit 23 Jahren am Uniklinikum arbeitet.
Unterschieden wird zwischen kurzfristigen Einsätzen, die Woche für Woche geplant werden, und langfristigen Diensten, die bis zu sechs Monate andauern. Das Ziel ist stets gleich: personelle Ausfälle kompensieren. Zu den über 40 Pool-Pflegenden gehören auch Medizinische Fachangestellte, die speziell für Funktionsbereiche und Ambulanzen ausgebildet sind. Rekrutiert werden weitere Mitglieder aus den eigenen Reihen, aber auch von extern. Dabei betonen die Koordinatorinnen die starken Chancen für die berufliche Weiterentwicklung, die entweder in Richtung Führungsposition oder Fachexpertise gehen. Zehn bis 15 Anfragen nach personellem Support werden pro Woche von den einzelnen Stationen neu gemeldet – immer donnerstags werden nach Dringlichkeit die Lücken in den Plänen der Folgewoche gefüllt und Personal aus dem Pool angewiesen. „Die Mitarbeitenden auf den Stationen sind über jede Unterstützung dankbar. Das zeigt auch, wie sich festes Personal und Pool-Mitglieder begegnen. Wir erleben eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, sagt Daniela Richter. Damit dies gelingt, bekommen neue Mitglieder im Pool einen erfahrenen Pool-Mitarbeiter an die Seite gestellt. Das Tandem-Modell sieht vor, dass neue Mitarbeitende in den ersten vier Wochen begleitet werden. In ihrer ersten Woche ist die Pflegekraft noch nicht regulär auf der Station eingeplant, sondern läuft mit und lernt. Nach und nach arbeitet sie eigenständig und hat dabei den Tandem-Partner stets für Fragen an der Seite.
Daniel Gaudig hat im vergangenen Sommer als Gesundheits- und Krankenpfleger am Uniklinikum begonnen. Zuvor war er in einem anderen Krankenhaus in der Region tätig. Der 30-Jährige hat sich bewusst für den Pflegepool entschieden. Die Möglichkeit auf unterschiedlichen Stationen zum Einsatz zu kommen und dabei seine individuellen beruflichen Interessen zu verwirklichen, haben ihn angesprochen. „Ich scheue mich nicht vor neuen Herausforderungen und habe seitdem schon viel gelernt. Dabei hat mir auch geholfen, dass ich in einem Tandem eingearbeitet wurde. Diese Zeit war sehr wertvoll“, sagt er. Bisher war er als Pfleger in der Orthopädie und Unfallchirurgie und dann in der Dermatologie tätig, seit Dezember ist er im OP-Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie eingesetzt. „Es gefällt mir gut, dass der Job auf meine beruflichen Wünsche eingeht, ich Flexibilität und Individualität bei der Dienstplanung erlebe und immer dazulernen kann. So habe ich die Möglichkeit, vor allem Dinge zu tun, die mir besonders Spaß machen.“ Auf seinen Stationen hat er vor allem Teamwork und Zusammenhalt erfahren. „Die Kolleginnen und Kollegen sind froh und dankbar, dass wir sie unterstützen. Das spüren wir sehr. Und wir können untereinander und voneinander viel lernen.“
Neben bereits im Berufsalltag angekommenen Pflegekräften kann sich auch Medizinisches Personal aus nahezu jeder Klinik melden, die schon im Vorruhestand angekommen sind. Auf Stundenbasis werden auch sie im Pflegepool eingesetzt, selbstverständlich nach ihren konkreten Wünschen und Erfahrungen. Weiterhin sind Studierende im Pool vor allem für die Wochenenddienste verantwortlich.