Zum Hauptinhalt springen

Kinder zum Test eines Resilienz-Fragebogens gesucht

Leibniz-Institut für Resilienzforschung und Psychologisches Institut der
JGU starten Studie – Test eines Fragebogens, der die Fähigkeit erfassen
soll, sich von Stress zu erholen

Das Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR) und das Psychologische
Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) starten eine neue
Studie, um herauszufinden, wie man bei Kindern die Widerstandsfähigkeit
gegen Stress gut ermitteln kann. Es gibt dazu bereits einen Resilienz-
Fragebogen aus dem Jahr 2008, der aber zunächst für Erwachsene entwickelt
worden war. Nun soll ermittelt werden, ob dieser Fragebogen auch für
jüngere Kinder geeignet ist. „Bevor wir den Fragebogen einsetzen, wollen
wir mit unserer Studie zunächst feststellen, ob Kinder den Sachverhalt
verstehen, was sie darüber denken und welche Meinung sie haben“, sagt
Studienleiterin Annika Edelmann vom LIR. Dazu werden Kinder im Alter von 7
bis 12 Jahren gesucht, die an einem Interview von etwa 45 Minuten Dauer
teilnehmen möchten. Für die Kinder gibt es als Dankeschön eine kleine
Überraschung, Eltern erhalten eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro.

Erfassung der individuellen Stressresistenz für Prävention und Therapie
wichtig

Die Resilienzforschung beschäftigt sich damit, was Menschen gegen
Stressbelastungen widerstandsfähig, also resilient, macht. Als Teil dieser
Forschungen wird die individuelle Stressresilienz erfasst. Dies dient
beispielsweise dazu, die Wirksamkeit von Maßnahmen zur
Gesundheitsförderung zu überprüfen oder die Ressourcen von Kindern zu
ermitteln. Um neben ausführlichen Erhebungen auch einen schnellen
Überblick über die individuelle Stressresilienz zu bekommen, kann die
„Brief Resilience Scale“ als Maßstab dienen. Hier müssen sechs Aussagen
beurteilt werden, zum Beispiel die Aussage „Ich neige dazu, mich nach
schwierigen Zeiten wieder schnell zu erholen“.

Der Einsatz des kurzen Fragebogens könnte auch für Kinder geeignet sein,
allerdings finden in dieser Altersspanne noch wichtige Reifungsprozesse im
Gehirn statt. Daher sollte zuerst überprüft werden, ob sie die Aussagen
verstehen und auf sich übertragen können.

Befragung durch geschulte Mitarbeiterin der JGU anhand eines Leitfadens

Im Rahmen der Studie ist eine Befragung durch eine geschulte Mitarbeiterin
der Universität Mainz vorgesehen. Für das Interview wurde eigens ein
Leitfaden erstellt, der die Aussagen des Fragebogens sowie weitere
Nachfragen zum Verständnis und den Antwortprozessen der Kinder enthält.
Damit alle relevanten Aussagen der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer
möglichst umfassend ausgewertet werden können, wird das Interview per
Audio aufgezeichnet. Alle Daten werden vertraulich behandelt und sämtliche
Vorschriften zum Datenschutz eingehalten. Die Ethik-Kommission des
Psychologischen Instituts der JGU, der das Vorhaben zur Prüfung vorgelegt
wurde, hat keine Bedenken erhoben.

Bei Interesse an einer Studienteilnahme können sich Eltern von Kindern,
die zwischen 7 und 12 Jahre alt sind, an Annika Edelmann wenden unter der
E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. oder der Telefonnummer 06131
8944843. Details zu der Studie sind unter https://lir-mainz.de/news
/kinderforscher-innen-zwischen-7-und-12-jahren-gesucht
zu finden.

Weitere Links:
https://lir-mainz.de – Leibniz-Institut für Resilienzforschung
https://www.klinische-psychologie-und-neuropsychologie.uni-mainz.de/ -
Abteilung für Klinische Psychologie und Neuropsychologie
https://lir-mainz.de/news/kinderforscher-innen-zwischen-7-und-12-jahren-
gesucht - Homepage des Projekts

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
M. Sc. Annika Edelmann
Abteilung für Klinische Psychologie und Neuropsychologie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 8944843
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
https://www.klinische-psychologie-und-neuropsychologie.uni-
mainz.de/abteilungsmitglieder/annika-edelmann-m-sc/

  • Aufrufe: 31

Digital Future Challenge 2024: Die Gewinner stehen fest

Kindgerecht und datenbasiert: EduPin gewinnt Studierenden-Wettbewerb mit
digitalem Ansteck-Pin für die anonyme Aufzeichnung der Bewegungsdaten von
Kindern.
Digitalminister Dr. Volker Wissing hebt Innovationskraft junger Generation
hervor.
Digital Future Challenge sucht nach ethisch verantwortungsvollen Lösungen
für Künstliche Intelligenz und stellt Preisgelder in Höhe von 10.000 Euro
bereit.

Das Team von EduPin (Technische Universität München) hat die Digital
Future Challenge DFC#4 mit einem digitalen Ansteck-Pin für Kinder
gewonnen, der automatisiert Hilfestellung im Verkehr gibt und die
Bewegungsdaten der Kids anonym aufzeichnet und für die Verkehrsplanung zur
Verfügung stellen kann. Besonders überzeugend fand die Jury, dass
hierdurch eine datenbasierte und kindgerechte Verkehrsplanung in Kommunen
möglich wird, die zu höherer Verkehrssicherheit führt. Der von der
Initiative D21 und der Deloitte-Stiftung ausgerichtete Studierenden-
Wettbewerb suchte nach Best-Practice-Lösungen für einen
verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Ökologische und
soziale Aspekte und eine Governance-Perspektive standen dabei im Fokus.
Die KI-Lösung von EduPin hat diese Anforderungen vorbildlich umgesetzt.
Alexander Wiener von EduPin erklärt: „Wo wir mit dem Gerät selber landen,
ist noch ziemlich offen. Wir haben uns bereits mit Partnern über
Weiterentwicklungsmöglichkeiten ausgetauscht. Auch PD hat uns mitgeteilt,
dass sie im Austausch mit Leitern von mehreren Kommunen stehen, die den
EduPin ausprobieren möchten. Die erste Version des EduPins könnten wir in
den nächsten sechs Monaten fertig entwickelt haben.“

An der vierten Edition nahmen über 50 Studierendenteams aus der ganzen
Bundesrepublik teil, diese hatten bis Ende November 2023 ihre Ideen
eingereicht. Eine Jury wählte fünf Finalistenteams aus, die ihre Projekte
stetig weiterentwickelten und beim Finale am 8. Februar 2024
präsentierten:
•       AI Allies (Ludwig-Maximilian-Universität München) mit einer
inklusiven Gestaltung von Chatbots für den Kund*innenservice
•       BeyondTheBarrier (HTW Berlin) mit einer KI für biasfreie
Interaktionen, die Kundenbedürfnisse der Conversational AI’s
zusammenführt, die beispielsweise Chatbots zugrunde liegen
•       EduPin (TU München) mit einem digitalen Ansteck-Pin für Kinder,
der Bewegungsdaten anonym aufzeichnet und Kommunen bei der datenbasierten,
kindgerechten Verkehrsplanung hilft
•       GridHarmony (TU Hamburg) mit einer App, die KI-gestützt Vorschläge
für faire Stromverteilung macht und dabei nachhaltige Entscheidungen durch
ein Stromguthaben belohnt
•       PowerBalance (TU München) mit einer Energieplattform, die
Haushalte unterstützt, ihren Verbrauch anzupassen, Kosten zu sparen und
als Gemeinschaft die Energiewende voranzubringen.

Bei der Umsetzung arbeiteten die Studierendenteams eng mit Unternehmen und
Organisationen zusammen, die mit konkreten „Use Cases“ nach passenden KI-
Lösungen suchten. Die studentischen Teams setzten sich intensiv mit Fragen
der Ökobilanz, vorurteilsfreien Interaktion und nachhaltigen Steuerung
auseinander und brachten gelungene Beispiele für einen
verantwortungsbewussten Umgang mit KI hervor.

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr fördert die Digital Future
Challenge, Bundesminister Dr. Volker Wissing übernahm die Schirmherrschaft
des Wettbewerbs und kommentierte zum Finale: „Künstliche Intelligenz ist
ein echter Gamechanger. Sie wird unsere Effizienz, die Art, wie wir
arbeiten und denken massiv verändern. Es ist daher wichtig, dass wir uns
alle mit dieser Technologie auseinandersetzen und herausfinden, wo KI
unser Leben besser machen kann. Das große Interesse an der diesjährigen
Digital Future Challenge zeigt: Junge Menschen wollen hier aktiv
mitgestalten und dazu beitragen, dass KI zum Guten eingesetzt wird. Diese
Innovationskraft müssen wir entfesseln, indem wir Freiräume für
Innovationen schaffen, Technologieoffenheit fördern und bürokratische
Hürden für junge Gründerinnen und Entwickler abbauen.“

Marc Reinhardt, Präsident der Initiative D21, kommentiert: „In Zeiten, in
denen generative KI oft als riskant diskutiert wird, zeigen viele
Studierendenprojekte ermutigend, dass dies nicht unausweichlich, sondern
gestaltbar ist. KI kann verantwortungsvoll genutzt werden und darüber
hinaus sogar in vielen Anwendungsfällen Nachhaltigkeit und positive
soziale Auswirkungen fördern. Ich bin zuversichtlich, dass die junge
Generation als Entscheidungsträger*innen von morgen mit Hilfe von KI
wichtige Impulse für die öko-digitale Transformation und die Nutzung von
KI setzen wird.“

Der alljährliche Studierendenwettbewerb Digital Future Challenge macht es
sich zur Aufgabe, Verantwortungsbewusstsein im Sinne von Corporate Digital
Responsibility unter jungen Menschen zu wecken. In der vierten Edition im
Wintersemester 2023/24 stand der verantwortungsvolle Umgang mit
Künstlicher Intelligenz im Fokus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer
hatten die Aufgabe, den ökonomischen Nutzen von KI mit ethischen
Wertvorstellungen wie Nachhaltigkeit, Ökologie und sozialen Impact zu
vereinbaren. Hierbei kooperierten die Studierenden mit Organisationen wie
adesso, Bertelsmann Stiftung, Deutsche Telekom, Honda Research Institute
Europe, IBM, ING, PD, ReFrastructure und Telefónica O2. Preisgelder in
Höhe von 10.000 Euro standen zur Verfügung.

Über die Jury
Der Jury gehörten an: Eva Achterhold (LMU München), Ben Brake
(Bundesministerium für Digitales und Verkehr), Maria Hinz (Barmer), Yara
Hoffmann (Journalistin), Simone Kaiser (CeRRI, Fraunhofer IAO), Prof. Dr.
Cordula Meckenstock & Tobias Fausch (BayWa), Dr. Andreas Nauerz (Bosch
Digital), Prof. Dr. Frank Passing (International University), Heidi
Schultz (SAP), Dr. Christina Strobel (Algo Trust).

  • Aufrufe: 31

Zwei Jahre Krieg: Grünen-Anhänger unterstützen Waffenlieferungen an die Ukraine am stärksten

Im EU- und US-Wahljahr 2024 spitzt sich die Situation für die Ukraine zu.
In der EU sowie in Deutschland steht zwar weiterhin eine Mehrheit hinter
den Hilfen für die Ukraine, das gilt aber vor allem für Anhänger:innen der
Parteien der Mitte. Mehrheitsfähig über alle
Parteidifferenzen hinweg ist jedoch eine gemeinsame europäische
Verteidigungspolitik: 87 Prozent aller EU-Bürger:innen und 86 Prozent
aller Deutschen unterstützen diese.

Gütersloh, 14. Februar 2024. Zwei Jahre nach Beginn des russischen
Angriffskrieges sind fast neun von zehn Bürger:innen in Deutschland und
Europa der Ansicht, dass die EU eine gemeinsame Verteidigungspolitik
braucht. Eine Mehrheit der europäischen und der
deutschen Bürger:innen spricht sich weiterhin dafür aus, die Ukraine
politisch und militärisch zu unterstützen. Mehrheitlich befürworten sie
Waffenlieferungen, die Aufnahme von Geflüchteten sowie das Ziel,
Energieunabhängigkeit von Russland zu erreichen. Der Aufnahme der Ukraine
in die EU stehen die meisten EU-Bürger:innen ebenfalls positiv gegenüber.
Die Deutschen allerdings sehen diesen Plan mittlerweile kritischer. Wenige
Monate vor der Wahl zum Europäischen Parlament zeigen neue eupinions-
Daten, was die Menschen in Deutschland und in der EU über die Ukraine-
Politik denken und wie sich die Einstellungen unterscheiden – je nachdem,
welcher Partei sie nahestehen. eupinions ist das europäische
Meinungsforschungsinstrument der Bertelsmann Stiftung. Die Ergebnisse
beruhen auf einer Befragung im Dezember 2023 von rund 13.300 Bürger:innen
in der gesamten EU und 1.800 in Deutschland.

Geringe Unterstützung bei Anhängerschaft von AfD und BSW

Waffenlieferungen an die Ukraine unterstützen in Deutschland vor allem die
Anhänger:innen der Parteien der Mitte. Am stärksten fällt die Zustimmung
mit 78 Prozent bei den Unterstützer:innen der Grünen aus. Ihnen folgen die
SPD-Anhänger:innen mit 74 Prozent, die der FDP mit 72 Prozent und die der
CDU/CSU mit 65 Prozent.

An den politischen Rändern stellt sich das Bild anders dar. Vor allem
Anhänger:innen der AfD lehnen die Unterstützung der Ukraine weitgehend ab:
82 Prozent sind gegen Waffenlieferungen, 76 Prozent gegen die Aufnahme
ukrainischer Flüchtlinge und 81 Prozent lehnen einen ukrainischen EU-
Beitritt ab. Auch Anhänger:innen des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW)
tragen die Unterstützung der Ukraine deutlich weniger mit, als die
Regierungsparteien und die Union. Während 56 Prozent aller Befragten der
Ansicht sind, dass Deutschland auch bei steigenden Kosten die
Unabhängigkeit von russischer Energie vorantreiben sollte, befürworten
dies lediglich 42 Prozent der Anhängerschaft des BSW. "Wir beobachten EU-
weit eine stärkere Unterstützung für die europäische Ukraine-Politik bei
denjenigen, die sich politisch Links oder Mitte-Links positionieren. Diese
zeigt sich besonders bei ‚harten‘ Themen wie Waffenlieferungen“, sagt
Isabell Hoffmann, Europa-Expertin der Bertelsmann Stiftung und
Projektleiterin von eupinions. "Bündnis 90/Die Grünen beispielsweise haben
sich seit Kriegsbeginn klar positioniert und deutlich kommuniziert. Damit
haben sie ihre Anhänger:innen in dieser schwierigen politischen Situation
mitgenommen. Aber auch bei der SPD und der FDP sehen wir einen
‚Regierungsbonus‘. Unterstützer:innen von Regierungsparteien tendieren
dazu, die Positionen ‚ihrer‘ Regierung mitzutragen. Der Effekt ist auch in
Frankreich oder Italien deutlich zu beobachten.“ Insgesamt betrachtet hat
die Zustimmung der EU-Bürger:innen zur Ukraine-Politik seit Kriegsausbruch
nachgelassen, sie bewegt sich aber noch immer auf recht hohem Niveau.

Zustimmung zum EU-Beitritt der Ukraine in Deutschland am geringsten

Bemerkenswert ist, dass die Zustimmung für einen EU-Beitritt der Ukraine
in Deutschland am geringsten ausfällt. EU-weit unterstützen ihn 60
Prozent. Auch in allen anderen separat erhobenen sechs Mitgliedstaaten
befürwortet ihn eine Mehrheit. Nur in Deutschland spricht sich eine
Mehrheit gegen einen EU-Beitritt der Ukraine in den kommenden Jahren aus.
52 Prozent sind dagegen. "Überall in der EU sehen wir, dass der Wunsch die
Ukraine zu unterstützen stark ist, aber die Sorge vor hohen Kosten ist es
auch“, erklärt Hoffmann. Dazu passt: 69 Prozent der deutschen Befragten
glauben, dass der Wiederaufbau der Ukraine eher eine wirtschaftliche
Belastung als eine Chance darstellen wird – auch das der höchste Wert im
Vergleich. Diese Bedenken müsse sowohl die EU- als auch die Bundespolitik
gerade im Vorfeld der Wahlen zum Europäischen Parlament im Juni ernst
nehmen, sagt die Expertin. "Die anstehenden Wahlen in den USA und in der
EU sind für die Ukraine, aber auch für die europäische Sicherheitsordnung
von entscheidender Bedeutung. Sollte es zu einem Regierungswechsel in den
USA kommen, kommen auf Europa große sicherheitspolitische Unsicherheiten
zu. Donald Trump hat das amerikanische Engagement in Europa immer wieder
infrage gestellt. Die EU-weit große Mehrheit für eine europäische
Verteidigungspolitik unterstützt politische Entscheider:innen in der EU,
die dringend erforderliche Stärkung der eigenen Sicherheit entschieden
angehen wollen“, betont Isabell Hoffmann.

Zusatzinformationen:
"eupinions“ ist das europäische Meinungsforschungsinstrument der
Bertelsmann Stiftung, das zusammen mit Dalia Research entwickelt wurde.
Alle drei Monate werden Bürger:innen aller EU-Mitgliedstaaten zu
europäischen Themen befragt. Die Befragung für die vorliegende Auswertung
fand im Dezember 2023 in der gesamten EU statt und ist mit einer
Stichprobengröße von 13.299 Personen repräsentativ für die EU insgesamt
sowie für die Mitgliedstaaten Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien,
Niederlande, Polen und Spanien.

  • Aufrufe: 24

Neues E-Fuels-Projekt soll internationale Schifffahrt klimaneutral machen

Der Transport auf den Ozeanen muss viel umweltfreundlicher werden. Dies
ist das Ziel des neuen, mit 17 Mio. EUR geförderten europäischen Projekts
GAMMA, bei dem Unternehmen und Forscher aus Europa ein Frachtschiff so
umrüsten werden, dass es mit klimaneutralen Kraftstoffen versorgt wird.

60.000 Tonnen Frachtzuladung

So viel Fracht kann der Frachter der TOPIC-Flotte, der als
Demonstrationsplattform für das neue EU-Projekt GAMMA dient, über die
Weltmeere transportieren. Der Seefrachtverkehr benötigt große Mengen an
Treibstoff, der heute hauptsächlich aus fossilen Brennstoffen besteht. Mit
dem Innovationsprojekt GAMMA, das im Januar 2024 begann, arbeitet nun ein
Team europäischer Partner daran, dies zu ändern.
Das sagt Kjartan Due Nielsen, Innovationsmanager beim isländischen
Maschinenbauunternehmen Verkís, das das GAMMA-Projekt leitet.
"Im Namen aller Partner kann ich sagen, dass wir stolz und dankbar sind,
dass die Europäische Kommission das GAMMA-Projekt und die Bemühungen um
eine umweltfreundlichere Ausrichtung der internationalen Schifffahrt
unterstützt. Wir werden einen Massengutfrachter mit hochinnovativen
Technologien nachrüsten und während einer Demonstrationskampagne beweisen,
dass es möglich ist, die Stromgeneratoren durch ein neues Kraftstoffsystem
zu ersetzen, das mit E-Kraftstoffen betrieben wird. Nach der Demonstration
der Machbarkeit dieses Konzeptes innerhalb von GAMMA kann als nächster
Schritt der Austausch der Hauptmotoren eines Schiffes erfolgen, um eine
vollständige Energiewende zu erzielen. Das Projekt kann für die
Schifffahrt der der Zukunft ein grüner Wegbereiter sein", sagt Kjartan Due
Nielsen.

Klimaziele bis 2050

Heute werden 80 bis 90 Prozent des gesamten Welthandels über lange
Strecken per Schiff abgewickelt. Daher bietet die Umstellung des
Seeverkehrs auf umweltfreundliche Kraftstoffe ein erhebliches Potenzial
für klimaschonende Emissionsreduzierungen. Die Internationale
Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat sich zum Ziel gesetzt, die
Treibhausgasemissionen des Sektors bis 2050 auf nahezu Null zu reduzieren.
Das auf fünf Jahre angelegte GAMMA-Projekt wird dazu beitragen, sagen
Vertreter des Start-up-Unternehmens Aurelia, das sich auf die Entwicklung
von Konzepten für klimafreundliche Schiffe spezialisiert hat.
"Dazu gehören die technischen Aufgaben, welche die Integration neuer
umweltfreundlicher Technologien in ein Schiff beinhalten, ohne seine
Betriebsfähigkeit zu beeinträchtigen. Die Integration wird auf einem
Kompromiss zwischen Gewicht, Volumen, Kosten und vor allem Sicherheit
beruhen. Unsere Herausforderung besteht darin, zu berücksichtigen, wie
sich die Systeme auf das bestehende Schiff auswirken werden, und die
Sicherheit bei allen Vorgängen zu gewährleisten. In diesem Projekt werden
wir eine Reihe von technischen Kompetenzen der 16 europäischen Partner zum
Nutzen aller miteinander verbinden", sagt Elena Prato, die zusammen mit
Tomas Veiga, Emmanuel Viglione und anderen Kollegen von Aurelia die Fäden
der technischen Projektkoordinierung in GAMMA zusammenführt.

Strom aus Wasserstoff und grünen Brennstoffen

Es wird ein innovatives Brennstoffsystem installiert. Ammoniak und grünes
Methanol werden auf dem Schiff gelagert und dann mit Cracker- und
Reformertechnologien in Wasserstoff umgewandelt. Der Wasserstoff wird
gereinigt und dann mit Brennstoffzellen in Elektrizität umgewandelt, die
das Schiff mit elektrischer Energie versorgt und damit die mit fossilen
Brennstoffen betriebenen Hilfsgeneratoren ersetzt.
Darüber hinaus sind die Partner noch einen Schritt weiter gegangen, denn
ein Teil der Energie, die für die Umwandlung in Wasserstoff erforderlich
ist, wird durch erneuerbare Energien bereitgestellt, in diesem Fall durch
Photovoltaikmodule, die auf den Lukendeckeln des Frachters installiert
werden.
Das Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme (IMM) liefert
die Umwandlungstechnologie, Amnis Pura die Aufbereitung des
wasserstoffreichen Gasgemisches und die Brennstoffzelle wird von Ballard
Power Systems Europe geliefert, während die PV-Paneele von der
italienischen Firma Solbian bereitgestellt werden.
"Wir verfügen über jahrzehntelange Erfahrung im Bereich innovativer grüner
Kraftstoffe und freuen uns daher darauf, mit unserer Forschung zur
Umwandlung von E-Kraftstoffen in Wasserstoff zu GAMMA beizutragen und die
neuen grünen Technologien im Rahmen des Projekts voranzubringen.
Vielleicht lassen sich die Ergebnisse von GAMMA auch in anderen Bereichen
des Verkehrssektors anwenden, etwa im Land- und Luftverkehr. Wir freuen
uns auf die Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern, um das Klima
der Zukunft sowie Wachstum und Beschäftigung zum Nutzen aller zu stärken",
sagt Dr. Gunther Kolb, Geschäftsbereichsleiter Energie, Fraunhofer-
Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme.

Klimafreundlicherer Sektor

Die Schifffahrtsindustrie wird sich schnell an die neuen IMO-Vorschriften
anpassen müssen, da die meisten bereits existierenden Handelsschiffe mit
herkömmlichen fossilen Brennstoffen betrieben werden. Das bedeutet, dass
neue Schiffe bereits 2030 weder kommerziell noch technisch
wettbewerbsfähig sein werden, wenn nicht in Schiffe mit neuer Technologie
investiert oder existierende Schiffe mit umweltfreundlicheren Technologien
nachgerüstet werden.
ANT Topic, technischer und operativer Leiter der TOPIC-Flotte und Partner
von GAMMA, erklärt, dass die Umstellung auf umweltfreundliche Technologien
Hand in Hand mit den Kerndienstleistungen des Unternehmens geht:
"ANT war schon immer sehr daran interessiert, in grüne Technologien zu
investieren. Wir freuen uns, dass wir gleichgesinnte Partner gefunden
haben, um neue Technologien und innovatives Denken an Bord zu bringen. Das
GAMMA-Projekt wird fortschrittlichste maritime Technologien und minimale
Belastung der Umwelt bieten, ohne die Betriebseffizienz und Flexibilität
unserer Schiffe zu beeinträchtigen", sagt Alex Albertini, ANT Topic Srl.
Zur Bewertung der Nachhaltigkeit der Technologien im Rahmen des Projekts
wird das Politecnico di Milano eine Well-to-Wake-Analyse durchführen und
die CO2-Emissionen berechnen.

Mehr über das GAMMA-Projekt

Das Gamma-Projekt begann im Januar 2024 und hat eine Laufzeit von fünf
Jahren. Das Innovationsprojekt wurde mit 13 Mio. EUR aus dem
Rahmenprogramm "Horizone Europe" der Europäischen Kommission für
Innovation gefördert. Das Gesamtbudget beläuft sich auf 17 Mio. EUR, und
die komplexe Antragsstellung wurde von Inspiralia geleitet. Gamma steht
für Green Ammonia and Biomethanol fuel MAritime Vessels und involviert 16
Partner aus Europa:
Verkís (Island), ANT Topic (Italien), Fraunhofer IMM (Deutschland),
Aurelia (Niederlande), Ballard (Dänemark), Sea Green Engineering
(Italien), Energy Cluster Denmark (Dänemark), SINTEF (Norwegen), Solbian
(Italien), Amethyste (Frankreich), Elkon Elektrik (Türkei), Politecnico di
Milano (Italien), ARM Engineering (Frankreich), RINA (Deutschland), Amnis
Pura (Portugal) and Dotcom (Italien).

  • Aufrufe: 19