Prof. Mario Rüdiger ist neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin.
Prof. Mario Rüdiger ist neuer Präsident der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin. // Der Direktor des Zentrums für feto/neonatale Gesundheit am Uniklinikum bringt breite Expertise und Netzwerk ein. // Uniklinikum setzte Akzente bei der perinatalen Versorgung auch im ländlichen Bereich.
Prof. Mario Rüdiger, Direktor des Zentrums für feto/neonatale Gesundheit am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, ist zum Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) gewählt worden. Sein zweijähriges Engagement in diesem Amt hat er jetzt angetreten. Mit in das neue Amt bringt er eine breite Expertise in der Peri- und Neonatologie sowie Erfahrung beim Aufbau von Netzwerken zur breiten Versorgung von Schwangeren, Müttern sowie Neugeborenen – in der Stadt und im ländlichen Raum.
Prof. Dr. med. Mario Rüdiger, Jahrgang 1969, war nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger und dem Studium der Medizin zunächst an der Klinik für Neonatologie der Charité Berlin als Assistenzarzt tätig. Nach der Facharztprüfung im Jahr 2000 erhielt er die Schwerpunktbezeichnung Neonatologie und die Lehrbefähigung für das Fach Kinderheilkunde. Von 2004 bis 2008 war er als Klinischer Oberarzt sowie Leiter der Arbeitsgruppe „Pulmonary Research in Neonatology“ an der Klinik für Neonatologie der Medizinischen Universität Innsbruck tätig. Im März 2008 wurde er als Professor für Pädiatrie der Leiter des Fachbereiches Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Dresden. Seit 2019 hat er die deutschlandweit erste Professur für feto/neonatale Gesundheit inne.
Die DGPM ist die älteste wissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland, die eine optimale Betreuung von Schwangeren und Neugeborenen zum Ziel hat und Mitglieder verschiedener Fächer und Professionen vereint. Anfang Dezember trafen sich mehr als 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu dem alle zwei Jahre stattfindenden Kongress in Berlin. Der mittlerweile 31. Kongress der DGPM stand unter dem Motto „Cogito ergo sum“ und demonstrierte die Lebendigkeit der Fachgesellschaft. Prof. Mario Rüdiger hatte in diesem Jahr die Kongresspräsidentschaft übernommen.
Neben vielen wissenschaftlichen Themen wurde in einigen Sitzungen die Zukunft der perinatalen Versorgung sehr intensiv diskutiert. Dabei zeigte sich, dass das in Ostsachsen gestartete Konzept der engen Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen im Rahmen des Zentrums für feto/neonatale Gesundheit auch bundesweit die Chance bietet, den Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. „Jetzt müssen wir nur noch Wege finden, diese enge Zusammenarbeit in Netzwerken zu finanzieren“, so Marian Schemken von der AOK Plus. „Die Sitzung zur Zukunft der perinatalen Medizin mit verschiedenen Expertinnen und Experten hat sehr deutlich gezeigt, welche wichtigen Aufgaben auf mich als Präsident der DGPM warten“, sagt Mario Rüdiger. „Unsere Erfahrungen in Ostsachsen belegen, welchen Mehrwert erfolgreiche Netzwerke, kollegialer Austausch und ein starkes telemedizinisches Netz haben. Diese Impulse möchte ich nun deutschlandweit einbringen.“
„Erneut haben wir als Hochschulmedizin Dresden in einem Bereich Akzente gesetzt und die Versorgung von Patientinnen und Patienten verbessert. In diesem Fall kommt dies jungen Familien, Müttern und Neugeborenen zugute. Es ist unser Anspruch, Lösungen für die Versorgung der Menschen in der Fläche zu liefern. Das gelingt uns immer wieder und findet mit dem Engagement unserer Mitarbeitenden in den Fachgremien und -gesellschaften Wertschätzung“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand im Uniklinikum Dresden.
Insbesondere in ländlichen Räumen treffen Schrumpfung und demographischer Wandel auf schnell fortschreitende Erfordernisse der Transformation hin zu einer klimaneutralen und digitalen Gesellschaft. Vor allem ältere Menschen, in den Bereichen Daseinsvorsorge, Gesundheit, Pflege und Landwirtschaft sind davon betroffen. Dies stellt die Akteure vor Ort vor große Aufgaben.
Das an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und der Katholischen Hochschule Berlin angesiedelte Transferbündnis „Alterperimentale“ zielt darauf ab, die Lebensqualität älterer Menschen in der peripheren deutsch-polnischen Grenzregion durch gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen entwickelte Transferideen zu verbessern. Mit seinem innovativen Ansatz überzeugte das Netzwerk im Auswahlverfahren der Förderlinie „T!Raum - Innovationen für die Zukunft der Regionen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und wird bis August 2026 für drei Jahre mit zunächst insgesamt 5,9 Mio. Euro gefördert.
Im Fokus des Projektes „Alterperimentale“ stehen soziotechnische, sozialökologische und sozialräumliche Innovationen. Partizipativ und gemeinsam mit älteren Menschen sollen nachhaltige Lebens- und Arbeitswelten in ländlichen Räumen entstehen. Dabei soll nicht nur soziale Teilhabe gesichert werden. Es sollen insbesondere auch regional relevante Themen der Sozialen Arbeit, der Gerontologie und der Regionalentwicklung zusammen mit Praktikerinnen und Praktikern vor Ort bearbeitet und erforscht werden.
Bündniskoordinatorin Prof. Dr. Alexandra Retkowski und Inhaberin des Fachgebietes Soziale Dienstleistungen für strukturschwache Regionen an der BTU hebt hervor: “Auf Grundlage unserer wissenschaftlichen Expertise wollen wir Sozial-, Technologie- und Naturräume entwickeln, die ältere Menschen in allen Bereichen gut integrieren. Auf diese Weise sollen nachhaltige, gute Lebens- und Arbeitswelten entstehen, die vom Zusammenleben innerhalb einer engagierten Zivilgesellschaft geprägt sind. Unsere Praxisforschungsstellen fungieren dabei wie Werkstätten.”
Perspektivisch sollen sogenannte Praxisforschungsstellen in der Region etabliert und nachhaltig verankert werden. Die Praxisforschungsstellen fungieren als Orte des Austausches und des Wissenstransfers. Sie bereichern den wechselseitigen Lernprozess zwischen Wissenschaft und Praxis. Neben der bereits bestehenden Praxisforschungsstelle in Heinersdorf sollen zwei weitere in Cottbus und Görlitz gegründet werden. Das interdisziplinär aufgestellte Team besteht aus den Fachgebieten Soziale Dienstleistungen für strukturschwache Regionen und Regionalplanung an der BTU sowie der Professur Soziale Arbeit in der digitalisierten Gesellschaft an der Katholischen Hochschule Berlin und der Praxisforschungsstelle Heinersdorf. Vor diesem Hintergrund wird eine Verlängerung des Transferbündnisses um weitere sechs Jahre angestrebt.
Die zivilgesellschaftliche Initiative „Praxisforschungsstelle für Lebensmodelle im Alter auf dem Land“ in Heinersdorf im Landkreis Oder- Spree besteht bereits seit 2020. Sie bereichert das neue Projekt durch wertvolle Erfahrungen in der dreijährigen Zusammenarbeit zwischen Forschung, Gesellschaft und Praxis auf Augenhöhe. Diese bilden eine wichtige Grundlage für den neuartigen Transferansatz der Alterperimentale.
Die öffentliche Auftaktveranstaltung des Projekts findet am 25. April 2024 in der Projektregion statt. Dazu sind Akteur*innen aus Kommunen, den Verwaltungen, aber auch Vertreter*innen von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Organisationen aus den Bereichen Daseinsvorsorge, Gesundheit, Pflege und Landwirtschaft herzlich eingeladen sowie die interessierte Öffentlichkeit. Interessierte an der Gestaltung des Strukturwandels und der Bedingungen für gutes Altern auf dem Land können gerne Kontakt zum Netzwerk-Team aufnehmen oder den Newsletter abonnieren
Prof. Dr. Jürgen Meixensberger, emeritierter Direktor der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL)
Zur Behandlung kritisch Kranker mit ischämischen Infarkten, spontanen Subarachnoidalblutungen (SAB) mit rupturierten Aneurysma und spontanen intrakraniellen Blutungen entsprechend definierter Standards ist intensivmedizinische Neuro-Kompetenz gefragt. Diese gibt es in jedem neurovaskulären Netzwerk (NVN) – einem strukturierten Zusammenschluss von Kliniken zur Versorgung von Schlaganfallpatient:innen. Welche Rolle spielt die NeuroIntensivmedizin? Prof. Dr. Jürgen Meixensberger, Leipzig, weist auf die Grenzen einer vollumfänglichen Versorgung in der Praxis hin.
Interdisziplinäre neurovaskuläre Netzwerke (1) haben sich zum Ziel gesetzt, überregional neurovaskuläre Krankheitsbilder nach strukturierten, standardisierten Behandlungsprinzipien und -algorithmen zu behandeln, um bestmögliche Behandlungsergebnisse bei kritisch neurovaskulären Patienten zu erreichen. Verbesserte Behandlungsprozesse nach zeitgerechter, interdisziplinärer Entscheidungsfindung, insbesondere bei akuten zerebrovaskulär komplexen Erkrankungen, aber auch im Rahmen der elektiven Versorgung inzidenteller zerebrovaskulärer Malformationen (Aneurysma/Angiom), stellen Voraussetzungen dar, um neurologische und systemische Komplikationen zu minimieren und das neurologische Behandlungsergebnis zu verbessern.
In der Versorgung zerebrovaskulärer Patienten ist intensivmedizinische Neuro-Kompetenz in jedem NVN am koordinierenden Zentrum somit eine unabdingbare Voraussetzung und ein notwendiges Strukturmerkmal, um kritisch Kranke mit raumfordernden ischämischen Infarkten, spontanen Subarachnoidalblutungen (SAB) mit rupturierten Aneurysma und spontanen intrakraniellen Blutungen adäquat und entsprechend definierter Behandlungsstandards zu behandeln. Die Erfahrungen der NVN - Zertifizierung zeigen jedoch auf, dass eine vollumfängliche Versorgung in der Praxis aktuell in Deutschland auf eigenen spezifischen NeuroIntensivstationen nicht gewährleistet werden kann und die Behandlung auf interdisziplinären internistisch bzw. anästhesiologisch geführten Intensivstationen stattfindet (2). Um eine qualitativ adäquate Behandlung der kritisch erkrankten ZNS-Patienten zu gewährleisten, ist hierfür eine ausreichende personelle Vorort-Präsenz zu fordern, die über Neurokompetenz verfügt und diese gewährleistet.
Die Definition von Diagnostik- und Behandlungsstandards, deren strukturierte Schulung im intensivmedizinischen Team (ärztlich, therapeutisch und pflegerisch) und die Implementation in den klinischen Alltag stellen Voraussetzungen dar, um bestmögliche Behandlungsergebnisse zu erzielen und optimale Voraussetzungen für eine Neurorehabilitation zu schaffen (3). Die wissenschaftliche Evaluierung spezifischer Managementprotokolle zum Beispiel zur Behandlung der SAB und die Entwicklung weiterer Instrumente zur Abschätzung der Neuroprognose stellen eine wichtige Zukunftsaufgabe gerade im interdisziplinären Behandlungskontext dar. Hierdurch kann und muss weiteres evidenzbasiertes Wissen für eine bestmögliche Therapie und Prognoseabschätzung gewonnen werden (4). Alle an der Weiterentwicklung der NeuroIntensivmedizin Interessierten sind aufgefordert, im Interesse der Patienten hieran mitzuwirken.
(1) Interdisciplinary neurovascular network: A new structure for treatment of stroke and other cerebrovascular diseases in germany. O Busse, J Rother, J Faiss, GF Hamann, T Hupp, O Jansen et al. Nervenarzt 2013;84:1228-12-1232
(2) Interdisciplinary neurovascular networks: state of the art J Röther, O Busse, A Berlis, A Dörfler, Ch Groden, G Hamann, O Jansen, J Meixensberger, O Müller, J Regelsberger, H Steinmetz, H Vatter, W Weber, D Hänggi, D Nabavi Nervenarzt 2020 Oct,91 (10):902-907
(3) Long-term clinical trajectory of patients with subarachnoid hemorrhage: linking acute care and neurorehabilitation. A Lindner, L Brunelli, V Rass, BA Ianosi, M Gaasch, M Kofler, V Limmert, AJ Schiefecker, B Pfausler, R Beer, E Pucks-Faes, R Helbok Neurocrit Care 2023 Feb;38(1):138-148
(4) The use of standardized management protocols for critically ill patients with non.traumatic subarachnoid hemorrhage: a systemic review S Taran, V Trivedi, JM Singh, SW English, VA Neurocrit Care 2020 Jun;32(3):858-874
E-Autos werden klimafreundlicher: VDI analysiert die Ökobilanz von E-Autos, Plug-In-Hybriden und konventionell angetriebenen Fahrzeugen
• E-Autos und Plug-in-Hybride schneiden im Langzeittest bei der Klimabilanz am besten ab. • Ab 90.000 Kilometer Laufleistung sind E-Autos der Kompaktklasse klimafreundlicher als Verbrenner • Ökologischer Rucksack: Die tatsächliche Ökobilanz von Autos hängt von zahlreichen Faktoren ab: neben dem Produktionsstandort und dem verwendeten Energiemix bei der Fahrzeugherstellung kommt es auf die Antriebsart sowie den verwendeten Strommix beim Fahren an. • VDI stellt sieben Handlungsempfehlungen für den Umbau zum klimafreundlichen Mobilitätsland vor.
(Düsseldorf, 11.12.2023) Wann wird Autofahren grün? Die Transformation der Automobilwirtschaft in Deutschland zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist in vollem Gange. Das interdisziplinäre Expertengremium Antriebe der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik hat in einer umfangreichen Studie die Ökobilanz von E-Autos, Plug-In-Hybriden (Benzin/Diesel) sowie konventionell angetriebenen Autos (Diesel/Benzin) verglichen. Die VDI- Ökobilanzstudie hat dabei den Umwelteinfluss verschiedener Pkw- Antriebskonzepte von Kompaktklassefahrzeugen (z. B. VW ID.3, Ford Focus, Toyota Corolla Hybrid, VW Golf) untersucht. Kernergebnis: E-Autos dieser Fahrzeugklasse sind ab einer Laufleistung von 90.000 Kilometern klimafreundlicher als solche mit konventionellen Antrieben. In der Langzeitbetrachtung, die die VDI-Ingenieure und Ingenieurinnen in Zusammenarbeit mit dem Karlsruhe Institute of Technology (KIT) durchführten, schneiden bei einer Fahrzeug-Laufleistung von 200.000 Kilometern E-Auto und Hybrid-Fahrzeuge in ihrer Klimabilanz am besten ab, gefolgt von Diesel- und Benziner-PKW, die mit fossilen Kraftstoffen betankt werden.
„Bekanntlich hängt bei Autos die genaue Ökobilanz von zahlreichen Faktoren ab – dem Produktionsstandort, dem Energiemix bei der Produktion von Fahrzeug und Komponenten sowie dem genutzten Antrieb auf der Straße und der dabei verwendeten Energie. E-Autos und Hybridfahrzeuge starten durch die ressourcenintensive Herstellung der Antriebstechnologie bei ihrer Ökobilanz mit einem ökologischen Rucksack, da die Batterieproduktion heutzutage fast ausschließlich noch in Asien stattfindet. In der Langzeitbetrachtung setzen sich bei der Ökobilanz dann E-Autos und hybridbetriebene Fahrzeuge dauerhaft durch“, sagt Dr. Joachim Damasky, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik. „Für die klimafreundlichere Mobilität brauchen wir in Deutschland dringend den Ausbau der Erneuerbaren Energien, den Aufbau einer grünen Batterieproduktion, aber auch nachhaltig erzeugte Kraftstoffe für Bestandsfahrzeuge. Erst die grün produzierte Batterie und ihre Vormaterialien reduziert deren ökologischen Fußabdruck und macht die E-Mobilität wirklich klimafreundlich.“
Trotz ökologischem Rucksack: E-Autos und Plug-in-Hybride schneiden im Langzeitbetrieb am besten ab
Im Ökobilanz-Vergleich der Ingenieure und Ingenieurinnen schneiden bei einer angenommenen Laufleistung von 200.000 Kilometern, die das Fahrzeug auf der Straße fährt, E-Autos am besten ab. Sie verursachen im betrachteten Gesamtzeitraum – von der Fahrzeug- und Antriebsproduktion bis zum Ende der gefahrenen Kilometer – 24,2 Tonnen CO2. Auf Rang 2 liegen Plug-In-Hybride (wie der Toyota Corolla Hybrid) mit einem unwesentlich mehr CO2-Emissionen von 24,8 Tonnen. Diesel- und Benzinerfahrzeuge der Kompaktklasse (wie der Ford Focus, VW Golf) folgen mit deutlichem Abstand auf den Plätzen 3 und 4 und sind beim Betrieb mit 100 % fossilen Kraftstoffen für Treibhausgas-Emissionen von 33 Tonnen CO2 (Diesel) bzw. 37 Tonnen CO2 verantwortlich.
Der VDI untersuchte in der umfassenden Ökobilanz-Studie verschiedene Szenarien der Stromnutzung. Ab einer Fahrleistung von 90.000 Kilometern sind E-Autos der Kompaktklasse (wie der VW ID.3) in Deutschland klimafreundlicher als Autos mit konventionellen Kraftstoffen. Würde man in Deutschland künftig – wie von der Bundesregierung geplant – ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien für den Fahrzeugantrieb nutzen, wären E-Autos mit heutigem Standard im Jahre 2035 schon ab 60.000 gefahrenen Kilometern klimafreundlicher als Diesel- oder benzinbetriebene Fahrzeuge. Wird ein E-Auto mit fossil erzeugtem Strom betrieben, verschiebt sich der Wert auf 160.000 gefahrene Kilometer. „Wir müssen uns bei der Ökobilanz die Treibhausgasemissionen von Produktion, Laufzeit und Entsorgung anschauen. Erst die grün produzierte Batterie und ihre Vormaterialien macht die E-Mobilität klimafreundlich. Hier hat die Industrie in Zukunft einen großen Hebel für eine klimafreundlichere Mobilität, der heute leider noch nicht genutzt wird. Wir brauchen daher mehr Batterieproduktion Made in Germany, ein besseres Batterierecycling sowie den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien - sowohl in Form von grünem Strom als auch grünen Kraftstoffen. Die Ökobilanzstudie zeigt, dass es zu kurz gedacht ist, nur über den Verbrauch der Fahrzeuge zu reden“, sagt VDI-Fahrzeugexperte Joachim Damasky.
Zum Studiendesign: VDI-Ökobilanzstudie 2023
Die Ökobilanzanalyse analysiert den Umwelteinfluss verschiedener Pkw- Antriebskonzepte am Anwendungsfall von 2021 produzierten Kompaktklassefahrzeugen (z. B. VW ID.3, Ford Focus, Toyota Corolla Hybrid, VW Golf). Analysiert wurden die Treibhausgasemissionen, wenn das Auto in Deutschland fährt. Die angenommene Laufleistung je Fahrzeug beträgt 200.000 Kilometer unter Verwendung des Mittelwertansatzes (mittlerer Strommix) und des WLTP-Testverfahren ("Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure").
Die VDI-Studie wurde durchgeführt vom interdisziplinären Expertengremium Antriebe des VDI-Fachbereichs Kraftfahrzeugtechnik in der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik und durch das Karlsruhe Institute of Technologie (KIT) unterstützt. Die Methodik und Ergebnisse wurden einem Review-Verfahren durch das unabhängige Paul Scherrer Institut (PSI) unterzogen.
Mobilitätsland Deutschland: VDI-Handlungsempfehlungen für eine klimafreundliche Zukunft
„Die Ergebnisse zeigen, dass wir in vielen Bereichen einen erheblichen Handlungsbedarf haben. Aus Klimagesichtspunkten wird die Notwendigkeit unterstrichen, grüne Energieträger für die Produktion und den Betrieb von Kraftfahrzeugen zu nutzen. Zudem müssen wir im globalen Vergleich wieder stärker in Wertschöpfung in Deutschland und Europa investieren, insbesondere im Bereich der Batterie- und Zellfertigung“, so VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein. Um in Zukunft eine klimafreundliche Mobilität zu gewährleisten, hat der VDI auf Basis der Ökobilanzstudie sieben zentrale Handlungsempfehlungen für eine klimafreundliche Zukunft der Mobilität formuliert.
Die Handlungsempfehlungen im Überblick:
Ohne grünen Strom keine grüne E-Mobilität Wir brauchen für eine klimafreundlichere Mobilität in Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien. Allein der Umstieg auf Elektroautos und Hybridfahrzeuge wird nicht ausreichen, wenn der Strom „dreckig“ produziert wird. Der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft ist wichtig und wird die Klimabilanz der Elektroautos in der Nutzungsphase spürbar verbessern.
Erst grüne Batterien ermöglichen grüne E-Mobilität Die Batterieproduktion für Elektroautos muss zwingend mit regenerativer elektrischer Energie erfolgen, um Treibhausgasemission bei der Produktion gering zu halten. Die Studie zeigt, dass die Emissionen von batterieelektrischen Fahrzeugen entscheidend durch die Produktion der Batterien bestimmt werden. Hierbei spielt der jeweilige Produktionsort eine zentrale Rolle.
Standort D stärken: Batterien müssen in Deutschland und Europa mit erneuerbarem Strom nachhaltig produziert werden Eine Batterieproduktion in Deutschland und europäischen Ländern mit hohem erneuerbarem Energieanteil sorgt neben einer europäischen Wertschöpfung für eine bessere CO2-Bilanz der Autos. Die Studie zeigt, dass gerade Batterien aus China mit hohen Treibhausgasemissionen durch die Produktion belastet sind. Aber auch Produktionsstandorte in Europa mit einem hohen fossilen Stromerzeugungsanteil verursachen eine signifikante CO2-Belastung der Batterie.
E-Fuels sind ein wichtiger Technologiebaustein Wir leben in einer Zeit der Transformation. In dieser sind E-Fuels ein wichtiger Technologiebaustein für eine klimaneutrale Mobilität der Zukunft. Zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele im Verkehrssektor ist die Nutzung von klimaneutralen Kraftstoffen für die Bestandsflotte unabdingbar. Hierfür müssen umgehend die regulatorischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit die Industrie in eine entsprechende Skalierung der nachhaltigen Kraftstofferzeugung investiert.
Plug-In-Hybride leisten bei hohem elektrischen Fahranteil einen positiven Beitrag Um möglichst emissionsarm zu fahren, müssen Autofahrende auf den bestimmungsgemäßen Betrieb von Plug-in-Hybriden achten. D.h. sie müssen ihre Plug-in-Hybride prioritär und regelmäßig elektrisch laden, um einen hohen elektrischen Fahranteil zu erreichen.
Eine neue leichtere Fahrzugklasse M0 bietet für den urbanen Bereich zusätzliches Potenzial Eine neu zu schaffende Elektro-Kleinfahrzeug-Klasse M0 für den urbanen Bereich mit entsprechend kleinen Batterien, niedrigem Gewicht und geringer Stellfläche, aber keinen Abstrichen bei der Sicherheit, kann viele Mobilitätsbedarfe erfüllen.
F&E von Batterie-Recycling muss weiter vorangetrieben und zielgerichtet gefördert werden Um den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort zu stärken, muss in Deutschland verstärkt produziert und rezykliert werden. Die Studie sieht neben bereits erfolgten regulatorischen Vorgaben einen verstärkten Handlungsbedarf hinsichtlich des Recyclings der Traktionsbatterien von Elektroautos, insbesondere in der Forschung und Entwicklung sowie einer Skalierung auf einen industriellen Maßstab. Mit Blick auf Materialbedarf und -verfügbarkeit wird dem Thema Recycling künftig eine immer wichtigere Rolle zukommen.
Die Langfassung der VDI-Ökobilanzstudie 2023, das VDI Factsheet mit den Handlungsempfehlungen sowie Grafiken und weitere Informationen zum Studiendesign finden Sie hier: www.vdi.de/oekobilanz-studie
Fachlicher Ansprechpartner: Christof Kerkhoff Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik Telefon: +49 211 6214-645 E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
VDI als Gestalter der Zukunft Seit mehr als 165 Jahren gibt der VDI wichtige Impulse für den technischen Fortschritt. Mit seiner einzigartigen Community und seiner enormen Vielfalt ist er Gestalter, Wissensmultiplikator, drittgrößter technischer Regelsetzer und Vermittler zwischen Technik und Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Er motiviert Menschen, die Grenzen des Möglichen zu verschieben, setzt Standards für nachhaltige Innovationen und leistet einen wichtigen Beitrag, um Fortschritt und Wohlstand in Deutschland zu sichern. Der VDI gestaltet die Welt von morgen – als Schnittstelle zwischen Ingenieur*innen, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. In seinem einzigartigen multidisziplinären Netzwerk mit mehr als 135.000 Mitgliedern bündelt er das Wissen und die Kompetenzen, die nötig sind, um den Weg in die Zukunft zu gestalten.