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Parlamentarischer Abend in Berlin präsentierte Forschung „Made in Braunschweig“

Parlamentarischer Abend der Stadt Braunschweig mit bundesweit führenden Forschungseinrichtungen aus Braunschweig am 30. November in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin.  Bildnachweis: photothek/TU Braunschweig
Parlamentarischer Abend der Stadt Braunschweig mit bundesweit führenden Forschungseinrichtungen aus Braunschweig am 30. November in der Landesvertretung Niedersachsen in Berlin. Bildnachweis: photothek/TU Braunschweig

Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Was bedeuten die technologischen
Entwicklungen für unser gesellschaftliches Zusammenleben und wie verändert
diese Transformation die Arbeitswelt? Um diese Fragen ging es bei dem
gemeinsamen Parlamentarischen Abend der Stadt Braunschweig mit bundesweit
führenden Forschungseinrichtungen aus Braunschweig am 30.11.2023 in der
Landesvertretung Niedersachsen in Berlin. Die Botschaft: In der Region
Braunschweig entsteht die Mobilität von morgen als Gemeinschaftsprojekt.

Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum, der den
Parlamentarischen Abend initiiert hatte, begrüßte die rund 200 Gäste aus
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien. Grußworte kamen von Hubertus
Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, Olaf Lies, Niedersächsischer
Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung und Hartmut
Höppner, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr.

In den Kurzvorträgen gaben die Forschungseinrichtungen Einblicke in
unterschiedliche Aspekte ihrer Arbeit und präsentierten ihre Projekte in
dem Zukunftsfeld mit all seinen Chancen und Herausforderungen. Dabei wurde
deutlich, dass Braunschweig mit seinen wissenschaftlichen und
wirtschaftlichen Netzwerken ein produktives Feld für interdisziplinäre
Forschungskooperationen auf Testfeldern und in Reallaboren bietet.
Übergeordnetes Ziel ist es, Grundlagen für eine sichere automatisierte und
vernetzte Mobilität zu entwickeln und in anwendungsorientierten und
digital durchgängigen Szenarien auf die Straße zu bringen.

So forscht das Institut für Verkehrssystemtechnik am Deutschen Zentrum für
Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig an der Gestaltung des
Arbeitsplatzes der Technischen Aufsicht. Denn noch ist das automatisierte
Fahren nicht Realität auf unseren Straßen. Für eine schnellere Einführung
der selbstfahrenden Fahrzeuge braucht es nicht nur die Unterstützung durch
eine vernetzte Infrastruktur, sondern auch durch eine Fernüberwachung.
Diese kann ein Remote Operator übernehmen, der das Fahrzeug unterstützt –
insbesondere in Situationen, welche die Fähigkeiten der Fahrzeugautomation
übersteigen. Solche Themen, „Human Factors“ genannt, werden beim DLR
verknüpft mit Know-How zum Verkehrssystem, zu Fahrzeugkonzepten, zu
Künstlicher Intelligenz und vielem mehr.

Auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt mit Sitz in Braunschweig
beschäftigt sich mit der Mobilität von morgen. Mit ihrer messtechnischen
Expertise wollen die Forschenden sicherstellen, dass das „Tanken“ an der
E-Ladesäule auch mit automatisiert fahrenden Fahrzeugen funktioniert. Beim
Parlamentarischen Abend stellten sie das mobile Prüfsystem ELVIS (Electric
Vehicle Charger Inspection System) vor, das Ladesäulen direkt vor Ort
messtechnisch überprüfen kann. Dabei gibt ELVIS der Ladesäule vor, ein
„tankendes“ Fahrzeug zu sein und misst die wirklich übertragene
Energiemenge.

Mittels VR-Technologie konnten die Gäste beim Parlamentarischen Abend auch
das Forschungszentrum TI-CAR der PTB besichtigen. Das Zentrum soll
eingerichtet werden, um komplexe Sensorsysteme von automatisierten
Fahrzeugen und deren Datenvernetzung sowohl in realen als auch in
virtuellen Testfahrten genau zu untersuchen und neue Mess- und
Prüfverfahren zu entwickeln.

Um eine Markteinführung der Technologien zum autonomen Fahren zu
ermöglichen und sie damit in die breite Anwendung zu bringen, gibt es noch
einige Hürden zu nehmen – neben technischen Themen u.a. die
gesellschaftliche Akzeptanz sowie politische und rechtliche
Rahmenbedingungen. Wie das gelingen kann, untersuchen Wissenschaftler der
TU Braunschweig im Projekt MIAMy, einer von elf Transformations-Hubs zum
autonomen Fahren deutschlandweit. Das Niedersächsische Forschungszentrum
Fahrzeugtechnik (NFF) der Technischen Universität Braunschweig und weitere
Institute der TU widmen sich diesem Vorhaben und vielen anderen Aspekten
der Mobilitätsforschung. Im Rahmen des Parlamentarischen Abends stellen
sie den ersten selbstfahrenden Shuttle RAION vor, der Mitte 2024 am
Braunschweiger Forschungsflughafen als Personenshuttle zum Einsatz kommen
wird. Zukünftig wären autonom fahrende Shuttle ein Lösungsansatz für den
ÖPNV im ländlichen Raum.

Für Volkswagen Financial Services sorgt die Digitalisierung, die sich
durch nahezu alle Lebensbereiche zieht, auch dafür, dass sich das Kauf-
und Nachfrageverhalten vieler Kundinnen und Kunden im Automobilvertrieb
verändert. Dabei wird der flexible Zugang zum Fahrzeug besonders für die
jüngeren Generationen immer relevanter. Im Mittelpunkt steht zunehmend die
Nutzung des Fahrzeugs und nicht das unmittelbare Eigentum. Das hat
Auswirkungen auf die Strategie von Automobilunternehmen. Die Volkswagen
Financial Services spielen an dieser Stelle eine Schlüsselrolle beim
Aufbau einer Mobilitätsplattform und einer Mobilitäts-App für die Kunden
der Marken des Volkswagen Konzerns.

Die Vorträge hielten Prof. Dr. Roman Henze, (Technische Universität
Braunschweig – NFF), Prof. Dr. Michael Ortgiese, (Deutsches Zentrum für
Luft- und Raumfahrt), Dr. Thorsten Schrader, (Physikalisch-Technische
Bundesanstalt), Prof. Dr. Simone Kauffeld (Technische Universität
Braunschweig – NFF), Dr. Christoph Leicht (Physikalisch-Technische
Bundesanstalt), Prof. Dr. Axel Hahn (Deutsches Zentrum für Luft- und
Raumfahrt) sowie Dr. Christian Dahlheim (CEO, Volkswagen Financial
Serivces). Ein Speeddating zum Abschluss des offiziellen
Veranstaltungsteils gab Gelegenheit für weitere Fragen und lud zum
persönlichen Austausch mit den Forschenden ein.

Stimmen zum Parlamentarischen Abend:

Dr. Thorsten Kornblum, Oberbürgermeister Stadt Braunschweig: "Vom heutigen
Abend geht ein beeindruckendes Signal aus. Zum ersten Mal ist es uns
gelungen, die auf dem Gebiet der digitalen und autonomen Mobilität
führenden Forschungseinrichtungen aus Braunschweig zusammenzubringen, um
sich in Berlin zu präsentieren. Als Zentrum der forschungsintensivsten
Region Europas und starker Innovations- und Wirtschaftsstandort gestalten
wir in Braunschweig die Zukunft der Mobilität aktiv mit und sind Vorreiter
auf dem Gebiet der intelligenten Verkehrsinfrastruktur. Ich danke unseren
Partnern, mit denen wir diese Dynamik in Zukunft noch weiterausbauen
werden."

Prof. Dr. Angela Ittel, Präsidentin Technische Universität Braunschweig:
"Unsere Arbeit an Lösungen für die Mobilität der Zukunft ist ein
Leuchtturm in Braunschweig, deutschlandweit und international. Wir sehen
uns als Gestalterin gesellschaftlicher Transformationen. Deshalb
betrachten wir Mobilität nicht nur aus der Perspektive des technologischen
Fortschritts, sondern auch und insbesondere aus der Sicht der
gesamtgesellschaftlichen Folgen. Mit demselben Ansatz und derselben hohen
Priorität verfolgen wir drei weitere Schnittstellenthemen: nachhaltige
Luftfahrt, Infrastrukturbau für die urbane Mobilität und energieeffiziente
Computerhardware auf der Basis von Licht."

Prof. Dr. Cornelia Denz, Präsidentin Physikalisch-Technische
Bundesanstalt: "Die Automobilindustrie ist ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor für Deutschland und befindet sich in einem der größten
Transformationsprozesse ihres Bestehens. Die Prüfung bzw. Validierung
automatisierter Fahrzeuge wird zunehmend aus einer metrologischen
Perspektive betrachtet: Industrie braucht Zertifizierung! Genau das
stellen wir als PTB durch verlässliche und vertrauenswürdige Messtechnik
und Messverfahren sicher. Und: Für den Aufbau einer metrologisch digitalen
Qualitätsinfrastruktur ist die frühzeitige Einbindung der Metrologie in
die politische Diskussion auf nationaler, europäischer und internationaler
Ebene zwingend erforderlich."

Prof. Dr. Karsten Lemmer, DLR-Vorstandsmitglied für Innovation, Transfer
und wissenschaftlichen Infrastrukturen: "DLR-Forschung findet immer
schnell den Weg in die Anwendung. Die gemeinsame Forschung des DLR mit der
Industrie skaliert Ideen zu Innovationen. Gleichzeitig dienen die
Forschungsanlagen und Testfelder des DLR beispielsweise Behörden dazu,
regulatorische Fragen für die ,Mobilität von morgen‘ wissenschaftlich zu
beleuchten. So schaffen wir unverzichtbare Voraussetzungen für das
automatisierte und vernetzte Fahren der Zukunft. Eine gute Investition in
die Innovationspipeline – gestern, heute und morgen."

Dr. Christian Dahlheim, Volkswagen Financial Services AG: "Um unsere
Mobilitätsplattform erfolgreich zu betreiben, benötigen wir als Volkswagen
Financial Services umfangreiches Wissen im Bereich Data Analytics und
Künstlicher Intelligenz. Hierfür ist der Austausch zwischen Wissenschaft
und Wirtschaft essentiell und bei uns seit langem gelebte Praxis. Dies ist
ein großer Erfolgsfaktor der Region Braunschweig."

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Clean Sky 2 »MFFD«: Bahn frei für Roboter – Schweißen thermoplastischer Flugzeugrumpfstrukturen

Die »MFFD«-Montage-Forschungsplattform mit eingerüsteten thermoplastischen Rumpfschalen bei der Fraunhofer-Gesellschaft in Stade  © Fraunhofer IFAM
Die »MFFD«-Montage-Forschungsplattform mit eingerüsteten thermoplastischen Rumpfschalen bei der Fraunhofer-Gesellschaft in Stade © Fraunhofer IFAM

Erfolgreiches »MFFD«-Stakeholder-Event in Stade mit wegweisenden
Ergebnissen für die automatisierte Montage thermoplastischer
Flugzeugrumpfstrukturen

Am 28. November 2023 fand ein Stakeholder-Event mit etwa 100 Teilnehmenden
im Kontext des »Multi Functional Fuselage Demonstrator« (»MFFD«) am
Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung
IFAM im Forschungszentrum CFK NORD in Stade statt. Unter Beteiligung der
europäischen Projektpartner wurde ein umfassender Überblick zum aktuellen
Status des Demonstrators geboten. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem
fortschrittlichen Montageprozess mittels thermoplastischer
Schweißverfahren sowie der Vorstellung der bereits vorintegrierten
thermoplastischen Ober- und Unterschale.

Der »MFFD« dient als Forschungsplattform dem Ziel, die im Rahmen des von
der EU geförderten Clean Sky 2-Projekts »Large Passenger Aircraft«
entwickelten Technologien aller beteiligten Partner im 1:1-Maßstab und im
Zusammenspiel praktisch zu erproben. Das Event fokussierte insbesondere
auf den in dieser Größenordnung einzigartigen, automatisiert ablaufenden
Montageprozess mittels thermoplastischer Schweißverfahren sowie die
Präsentation der bereits fertiggestellten vorintegrierten
thermoplastischen Ober- und Unterschale.

Zentrales Element des Stakeholder-Events war die Vorstellung
automatisierter Montageprozesse zum thermoplastischen Schweißen der
Längsnähte am Rumpf. Die Projektpartner demonstrierten eindrucksvoll, wie
diese innovativen Technologien nicht nur die Effizienz der Fertigung
steigern, sondern auch die strukturelle Integrität der Flugzeuge
verbessern. Dieser Fortschritt markiert einen bedeutenden Meilenstein in
Richtung zukünftiger Flugzeugbauweisen, Flugzeugproduktionstechnologien
und Flugzeugmaterialien.

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung waren die thermoplastischen
Rumpfhalbschalen des »MFFD«, die als ausgerüstete Module zur Verfügung
gestellt wurden. Diese überzeugten insbesondere aufgrund des hohen Grades
der Vorintegration, der deutlichen Reduktion der Anzahl verwendeter Niete
durch die Bauweise und der hierdurch erzielten Gewichtsreduktion.
Einerseits eröffnet dabei die automatisierte Vorintegration eine hohe
Effizienzsteigerung mit Blick auf eine Hochratenproduktion in der zivilen
Luftfahrt, weil nicht mehr wie bisher alle Bauteile in den geschlossenen
Rumpf gebracht und dort montiert werden müssen; andererseits ist die
erzielte Gewichtsreduktion entscheidend für die Treibstoffeffizienz von
Flugzeugen.

Die Veranstaltung diente nicht nur der Präsentation von Ergebnissen,
sondern auch dem intensiven Austausch der Stakeholder, darunter
Luftfahrtunternehmen, Forschungseinrichtungen, Technologiepartner und
Fördermittelgeber. Die Diskussionen förderten das Verständnis für die
Herausforderungen sowie Chancen im Bereich der thermoplastischen
Flugzeugstrukturen und legten den Grundstein für künftige Kooperationen.

Die Organisatoren sind äußerst zufrieden über die rege Beteiligung und das
Interesse der Teilnehmenden. Die gezeigten Fortschritte unterstreichen die
Relevanz und das Potenzial dieser wegweisenden Technologien für die
Zukunft der Luftfahrtindustrie.

Am »MFFD« beteiligte Projektpartner:
•       Acroflight Ltd, Witham, UK
•       Aernnova Aerospace S.A., Vitoria, Spanien
•       Aeromechs srl, Aversa, Italien
•       AIMEN – Asociación de Investigación Metalúrgica del Noroeste, O
Porriño, Spanien
•       Airbus
•       Aitiip Centro Tecnológico, Zaragoza, Spanien
•       ALPEX Technologies GmbH, Mils, Österreich
•       BCC – Brunel Composites Centre, University London, UK
•       CETMA – Centro di Ricerche Europeo di Technologie, Design e
Materiali, Brindisi, Italien
•       CT Engineering Group – Ct Ingenieros Aeronauticos de Automocion e
Industriales Slu, Madrid, Spanien
•       CTI Systems, Lentzweiler, Luxembourg
•       Diehl Aviation Laupheim GmbH, Laupheim, Deutschland
•       Diehl Comfort Modules GmbH, Hamburg, Deutschland
•       DLR – Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt, ZLP Augsburg,
Deutschland
•       DLR – Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt, ZLP Stade,
Deutschland
•       Element Materials Technology, Sevilla, Spanien
•       FADA – Andalusian Foundation for Aerospace Development / CATEC –
Center for Advanced Aerospace Technologies, Sevilla, Spanien
•       FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG, Fulda, Deutschland
•       Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Chemische
Technologie ICT Pfinztal, Deutschland
•       Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik
und Angewandte Materialforschung IFAM, Stade, Deutschland
•       Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Gießerei-,
Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV, Augsburg, Deutschland
•       Fraunhofer-Gesellschaft, Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und
Strahltechnik IWS, Dresden, Deutschland
•       GKN Aerospace, Fokker Aerostructures BV, Papendrecht, Niederlande
•       GKN Aerospace, Fokker ELMO BV, Hoogerheide, Niederlande
•       HSLU – Hochschule Luzern, Luzern, Schweiz
•       KVE Composites Group, The Hague, Niederlande
•       LSBU – London South Bank University, London, UK
•       NLR – Royal Netherlands Aerospace Centre, Marknesse, Niederlande
•       Ostseestaal GmbH & Co KG, Stralsund, Deutschland
•       Premium AEROTEC, Augsburg, Deutschland
•       Rescoll, Pessac Cedex, Frankreich
•       SAAB AB, Stockholm, Schweden
•       SAM XL, Delft, Niederlande
•       Techni-Modul Engineering, Coudes, Frankreich
•       Technische Universität München, Lehrstuhl für Carbon Composites,
München, Deutschland
•       Technische Universiteit Delft, Delft, Niederlande
•       TWI – The Welding Institute, Cambridge, UK
•       UPAT – University of Patras, Patras, Griechenland
•       XELIS GmbH, Herford, Deutschland

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"Invasive Ameisen entziehen sich unseren Angriffen"

nvasive Ameisen verzichten selektiv auf Giftköder und entziehen sich so
dem wirksamsten Bekämpfungsmittel

Invasive Ameisen sind wirtschaftlich kostspielig und ökologisch
verheerend, und die meisten unserer Ausrottungsversuche sind gescheitert.
Nun haben Forscher der Universität Buenos Aires und der Universität
Regensburg herausgefunden, dass diese Ameisen die umweltfreundlichste und
wirksamste Bekämpfungsmethode - Giftköder -, umgehen können, indem sie
diese schnell aufgeben, bevor die Ameisen getötet werden können. Die
Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Fachmagazin Nature
veröffentlicht.
Die durch invasive Ameisen verursachten Kosten sind schwindelerregend:
eine aktuelle Studie schätzt sie auf 52 Milliarden US-Dollar. Die
ökologischen Kosten der Ameiseninvasion sind jedoch vielleicht noch
schlimmer: Invasive Ameisen verdrängen die einheimischen Ameisen,
destabilisieren die Ökosysteme und bringen sogar Wirbeltiere wie Seevögel
an den Rand der Ausrottung. Viele Länder haben Millionen für
Bekämpfungsmaßnahmen ausgegeben, aber zwei Drittel der Ausrottungsversuche
sind gescheitert. Niemand weiß wirklich, warum.

„Ich habe jahrelang gegen Ameisenbefall gekämpft“, sagte Dr. Roxana Josens
(Universidad de Buenos Aires), die die Studie leitete. „Ich habe Giftköder
ausgelegt, um die Ameisen zu töten, und sie verschwanden - aber nur dort,
wo die Köder lagen. Die Ameisen auf der anderen Seite der Wand waren noch
sehr lebendig. Also fragte ich mich: Töte ich sie wirklich, oder tricksen
uns die Ameisen aus?“ Um dies zu testen, ließen die Forscher*innen
argentinische Ameisen von zwei verschiedenen Nahrungsquellen fressen. Es
kamen immer mehr Ameisen, bis schließlich Hunderte von Ameisen gefüttert
wurden. Dann wurde eine der Nahrungsquellen gegen eine identische
ausgetauscht, die ein Insektengift enthielt, das die Ameisen aber trotzdem
sehr gerne fraßen. Innerhalb weniger Stunden begann die Zahl der Ameisen
an der Giftnahrung zu sinken, bis nach 6 Stunden nur noch 20 % übrig
waren. Die Zahl der Ameisen auf dem nicht vergifteten Futter blieb jedoch
hoch. „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der Rückgang der Ameisen am
Futter darauf zurückzuführen ist, dass die Ameisen starben“, sagt Daniel
Zanola, der das Experiment durchführte. „Im Labor ließen wir die Ameisen
das giftige Futter trinken und beobachteten sie genau - nur sehr wenige
starben innerhalb von 6 Stunden.“ Die Ameisen wurden auch nicht satt -
sonst würde auch die ungiftige Nahrungsquelle Ameisen verlieren. Weitere
Untersuchungen zeigten, dass die Ameisen das giftige Futter nicht wegen
seines Geschmacks ablehnen. Irgendwie erkannten die Ameisen das Futter als
giftig und ließen es selektiv liegen, um den schädlichen Auswirkungen zu
entgehen.
„Das ist eine große Sache“, sagt Dr. Tomer Czaczkes vom Lehrstuhl für
Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Regensburg, der ebenfalls
an der Studie mitgearbeitet hat. „Erstens könnte dies erklären, warum es
uns nicht gelingt, diese invasiven Ameisen in Schach zu halten. Aber es
könnte noch schlimmer sein: Der Rückgang von 80 %, den wir feststellen,
ist sehr ähnlich wie bei vielen anderen „erfolgreichen“
Bekämpfungsmaßnahmen. Aber haben diese früheren Bekämpfungsmaßnahmen die
Ameisen dann wirklich getötet, oder wurden sie ebenfalls umgangen? Wir
wissen es einfach nicht. Ich vermute, es war eine Mischung aus beidem“, so
Dr. Czaczkes.
„Kürzlich haben mehrere Forscher herausgefunden, dass Ameisen über clevere
Methoden verfügen, um sich gegen natürliche Feinde und Krankheitserreger
zu verteidigen“, sagt Dr. Josens. „Es sieht so aus, als ob sie ihre
'soziale Immunität' auch zur Verteidigung gegen unsere Köder einsetzen
könnten.“
Das Team arbeitet nun intensiv daran herauszufinden, wie genau die Ameisen
ihre Verteidigung erkennen und koordinieren.

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Systemische Therapie für Kinder und Jugendliche wird Leistung der gesetzlichen Krankenversicherungen

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat in seiner heutigen Sitzung eine
Ergänzung seiner Psychotherapie-Richtlinie beschlossen. Systemische
Psychotherapie ist nun auch für Kinder und Jugendliche eine
Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenkassen.

Systemische Therapie deckt dabei die Behandlung des gesamten Spektrums
psychischer Störungen ab und richtet den Blick auf vielfältige Ressourcen
der jungen Patientinnen und Patienten. Diese werden weniger als
individuell Erkrankte gesehen, sondern als Menschen, die vor psychischen
Entwicklungsaufgaben stehen. Ein weiterer Fokus Systemischer Therapie
liegt auf der sozialen Umgebung, in der die Kinder und Jugendlichen leben,
der Unterstützung der im System vorhandenen Lösungsimpulse sowie der
Würdigung bisheriger Lösungsversuche. Für einen möglichst unmittelbaren
und nachhaltigen Therapieerfolg können daher wichtige Bezugspersonen z.B.
ganze (Patchwork-)Familien sowie weitere wichtige Menschen aus dem
Netzwerk in die Behandlung mit einbezogen werden. Wie auch bei den
Erwachsenen können Therapiesitzungen im Mehrpersonensetting durchgeführt
werden.

Bereits 2019 hat der G-BA als oberstes Beschlussgremium im
Gesundheitswesen die Systemische Therapie für erwachsene Patientinnen und
Patienten als Kassenleistung anerkannt. Den gesetzlich Versicherten steht
somit eine weitere Behandlungsmöglichkeit neben den bisherigen Angeboten
der verhaltenstherapeutischen und psychoanalytisch begründeten Verfahren
zur Verfügung.

Prof. Dr. Matthias Ochs, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für
Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) betont: „Die
Anerkennung durch den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie erfolgte
bereits 2008 gemeinsam mit der Systemischen Therapie für Erwachsene. Der
G-BA bestätigt diese Ergebnisse nun und die Versorgungslandschaft erhält
ein breit aufgestelltes, evidenzbasiert gut wirksames neues Verfahren.“
Auch Diplom-Psychologin ilke Crone, Vorstand der Systemischen Gesellschaft
(SG), äußert sich anerkennend: „Wir freuen uns, dass nun endlich dieser
letzte Schritt im Anerkennungsprozess gemacht wurde. Damit wird die
Landschaft der kassenfinanzierten Psychotherapien reicher und diverser in
Zeiten, in denen wir Diversität in der Versorgung dringend benötigen“.

Die beiden systemischen Fachverbände DGSF und SG sowie der Verbund für
systemische Psychotherapie (VfSP) als berufspolitische Vertretung, haben
sich seit Jahren dafür eingesetzt, dass gesetzlich Versicherte die
Möglichkeit einer solidarfinanzierten Systemischen Therapie erhalten. Ein
besonderes Anliegen sind ihnen dabei die Kinder und Jugendlichen. Prof.
Dr. Enno Hermans, Vorsitzender des VfSP zeigt sich hoch zufrieden: „Die
psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wurde in den letzten
Jahren, unter anderem durch die Pandemie, auf eine harte Probe gestellt.
Dass sich das Versorgungsangebot nun um den systemischen Ansatz erweitert,
ist eine sehr gute Nachricht für Kinder, Jugendliche und deren Familien.“

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