Parlamentarischer Abend in Berlin präsentierte Forschung „Made in Braunschweig“
Wie sieht die Mobilität der Zukunft aus? Was bedeuten die technologischen
Entwicklungen für unser gesellschaftliches Zusammenleben und wie verändert
diese Transformation die Arbeitswelt? Um diese Fragen ging es bei dem
gemeinsamen Parlamentarischen Abend der Stadt Braunschweig mit bundesweit
führenden Forschungseinrichtungen aus Braunschweig am 30.11.2023 in der
Landesvertretung Niedersachsen in Berlin. Die Botschaft: In der Region
Braunschweig entsteht die Mobilität von morgen als Gemeinschaftsprojekt.
Braunschweigs Oberbürgermeister Dr. Thorsten Kornblum, der den
Parlamentarischen Abend initiiert hatte, begrüßte die rund 200 Gäste aus
Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien. Grußworte kamen von Hubertus
Heil, Bundesminister für Arbeit und Soziales, Olaf Lies, Niedersächsischer
Minister für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung und Hartmut
Höppner, Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Verkehr.
In den Kurzvorträgen gaben die Forschungseinrichtungen Einblicke in
unterschiedliche Aspekte ihrer Arbeit und präsentierten ihre Projekte in
dem Zukunftsfeld mit all seinen Chancen und Herausforderungen. Dabei wurde
deutlich, dass Braunschweig mit seinen wissenschaftlichen und
wirtschaftlichen Netzwerken ein produktives Feld für interdisziplinäre
Forschungskooperationen auf Testfeldern und in Reallaboren bietet.
Übergeordnetes Ziel ist es, Grundlagen für eine sichere automatisierte und
vernetzte Mobilität zu entwickeln und in anwendungsorientierten und
digital durchgängigen Szenarien auf die Straße zu bringen.
So forscht das Institut für Verkehrssystemtechnik am Deutschen Zentrum für
Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig an der Gestaltung des
Arbeitsplatzes der Technischen Aufsicht. Denn noch ist das automatisierte
Fahren nicht Realität auf unseren Straßen. Für eine schnellere Einführung
der selbstfahrenden Fahrzeuge braucht es nicht nur die Unterstützung durch
eine vernetzte Infrastruktur, sondern auch durch eine Fernüberwachung.
Diese kann ein Remote Operator übernehmen, der das Fahrzeug unterstützt –
insbesondere in Situationen, welche die Fähigkeiten der Fahrzeugautomation
übersteigen. Solche Themen, „Human Factors“ genannt, werden beim DLR
verknüpft mit Know-How zum Verkehrssystem, zu Fahrzeugkonzepten, zu
Künstlicher Intelligenz und vielem mehr.
Auch die Physikalisch-Technische Bundesanstalt mit Sitz in Braunschweig
beschäftigt sich mit der Mobilität von morgen. Mit ihrer messtechnischen
Expertise wollen die Forschenden sicherstellen, dass das „Tanken“ an der
E-Ladesäule auch mit automatisiert fahrenden Fahrzeugen funktioniert. Beim
Parlamentarischen Abend stellten sie das mobile Prüfsystem ELVIS (Electric
Vehicle Charger Inspection System) vor, das Ladesäulen direkt vor Ort
messtechnisch überprüfen kann. Dabei gibt ELVIS der Ladesäule vor, ein
„tankendes“ Fahrzeug zu sein und misst die wirklich übertragene
Energiemenge.
Mittels VR-Technologie konnten die Gäste beim Parlamentarischen Abend auch
das Forschungszentrum TI-CAR der PTB besichtigen. Das Zentrum soll
eingerichtet werden, um komplexe Sensorsysteme von automatisierten
Fahrzeugen und deren Datenvernetzung sowohl in realen als auch in
virtuellen Testfahrten genau zu untersuchen und neue Mess- und
Prüfverfahren zu entwickeln.
Um eine Markteinführung der Technologien zum autonomen Fahren zu
ermöglichen und sie damit in die breite Anwendung zu bringen, gibt es noch
einige Hürden zu nehmen – neben technischen Themen u.a. die
gesellschaftliche Akzeptanz sowie politische und rechtliche
Rahmenbedingungen. Wie das gelingen kann, untersuchen Wissenschaftler der
TU Braunschweig im Projekt MIAMy, einer von elf Transformations-Hubs zum
autonomen Fahren deutschlandweit. Das Niedersächsische Forschungszentrum
Fahrzeugtechnik (NFF) der Technischen Universität Braunschweig und weitere
Institute der TU widmen sich diesem Vorhaben und vielen anderen Aspekten
der Mobilitätsforschung. Im Rahmen des Parlamentarischen Abends stellen
sie den ersten selbstfahrenden Shuttle RAION vor, der Mitte 2024 am
Braunschweiger Forschungsflughafen als Personenshuttle zum Einsatz kommen
wird. Zukünftig wären autonom fahrende Shuttle ein Lösungsansatz für den
ÖPNV im ländlichen Raum.
Für Volkswagen Financial Services sorgt die Digitalisierung, die sich
durch nahezu alle Lebensbereiche zieht, auch dafür, dass sich das Kauf-
und Nachfrageverhalten vieler Kundinnen und Kunden im Automobilvertrieb
verändert. Dabei wird der flexible Zugang zum Fahrzeug besonders für die
jüngeren Generationen immer relevanter. Im Mittelpunkt steht zunehmend die
Nutzung des Fahrzeugs und nicht das unmittelbare Eigentum. Das hat
Auswirkungen auf die Strategie von Automobilunternehmen. Die Volkswagen
Financial Services spielen an dieser Stelle eine Schlüsselrolle beim
Aufbau einer Mobilitätsplattform und einer Mobilitäts-App für die Kunden
der Marken des Volkswagen Konzerns.
Die Vorträge hielten Prof. Dr. Roman Henze, (Technische Universität
Braunschweig – NFF), Prof. Dr. Michael Ortgiese, (Deutsches Zentrum für
Luft- und Raumfahrt), Dr. Thorsten Schrader, (Physikalisch-Technische
Bundesanstalt), Prof. Dr. Simone Kauffeld (Technische Universität
Braunschweig – NFF), Dr. Christoph Leicht (Physikalisch-Technische
Bundesanstalt), Prof. Dr. Axel Hahn (Deutsches Zentrum für Luft- und
Raumfahrt) sowie Dr. Christian Dahlheim (CEO, Volkswagen Financial
Serivces). Ein Speeddating zum Abschluss des offiziellen
Veranstaltungsteils gab Gelegenheit für weitere Fragen und lud zum
persönlichen Austausch mit den Forschenden ein.
Stimmen zum Parlamentarischen Abend:
Dr. Thorsten Kornblum, Oberbürgermeister Stadt Braunschweig: "Vom heutigen
Abend geht ein beeindruckendes Signal aus. Zum ersten Mal ist es uns
gelungen, die auf dem Gebiet der digitalen und autonomen Mobilität
führenden Forschungseinrichtungen aus Braunschweig zusammenzubringen, um
sich in Berlin zu präsentieren. Als Zentrum der forschungsintensivsten
Region Europas und starker Innovations- und Wirtschaftsstandort gestalten
wir in Braunschweig die Zukunft der Mobilität aktiv mit und sind Vorreiter
auf dem Gebiet der intelligenten Verkehrsinfrastruktur. Ich danke unseren
Partnern, mit denen wir diese Dynamik in Zukunft noch weiterausbauen
werden."
Prof. Dr. Angela Ittel, Präsidentin Technische Universität Braunschweig:
"Unsere Arbeit an Lösungen für die Mobilität der Zukunft ist ein
Leuchtturm in Braunschweig, deutschlandweit und international. Wir sehen
uns als Gestalterin gesellschaftlicher Transformationen. Deshalb
betrachten wir Mobilität nicht nur aus der Perspektive des technologischen
Fortschritts, sondern auch und insbesondere aus der Sicht der
gesamtgesellschaftlichen Folgen. Mit demselben Ansatz und derselben hohen
Priorität verfolgen wir drei weitere Schnittstellenthemen: nachhaltige
Luftfahrt, Infrastrukturbau für die urbane Mobilität und energieeffiziente
Computerhardware auf der Basis von Licht."
Prof. Dr. Cornelia Denz, Präsidentin Physikalisch-Technische
Bundesanstalt: "Die Automobilindustrie ist ein bedeutender
Wirtschaftsfaktor für Deutschland und befindet sich in einem der größten
Transformationsprozesse ihres Bestehens. Die Prüfung bzw. Validierung
automatisierter Fahrzeuge wird zunehmend aus einer metrologischen
Perspektive betrachtet: Industrie braucht Zertifizierung! Genau das
stellen wir als PTB durch verlässliche und vertrauenswürdige Messtechnik
und Messverfahren sicher. Und: Für den Aufbau einer metrologisch digitalen
Qualitätsinfrastruktur ist die frühzeitige Einbindung der Metrologie in
die politische Diskussion auf nationaler, europäischer und internationaler
Ebene zwingend erforderlich."
Prof. Dr. Karsten Lemmer, DLR-Vorstandsmitglied für Innovation, Transfer
und wissenschaftlichen Infrastrukturen: "DLR-Forschung findet immer
schnell den Weg in die Anwendung. Die gemeinsame Forschung des DLR mit der
Industrie skaliert Ideen zu Innovationen. Gleichzeitig dienen die
Forschungsanlagen und Testfelder des DLR beispielsweise Behörden dazu,
regulatorische Fragen für die ,Mobilität von morgen‘ wissenschaftlich zu
beleuchten. So schaffen wir unverzichtbare Voraussetzungen für das
automatisierte und vernetzte Fahren der Zukunft. Eine gute Investition in
die Innovationspipeline – gestern, heute und morgen."
Dr. Christian Dahlheim, Volkswagen Financial Services AG: "Um unsere
Mobilitätsplattform erfolgreich zu betreiben, benötigen wir als Volkswagen
Financial Services umfangreiches Wissen im Bereich Data Analytics und
Künstlicher Intelligenz. Hierfür ist der Austausch zwischen Wissenschaft
und Wirtschaft essentiell und bei uns seit langem gelebte Praxis. Dies ist
ein großer Erfolgsfaktor der Region Braunschweig."
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