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Vortrag: Wie Satelliten Treibhausgasemissionen sichtbar machen

Vortrag: Wie Satelliten Treibhausgasemissionen sichtbar machen
Eva-Marie Metz erläutert in der Ruperto Carola Ringvorlesung, welchen
Beitrag Satellitendaten zur Erforschung des Klimawandels leisten

Mithilfe von Satelliten können Treibhausgase wie Kohlenstoffdioxid in
unserer Atmosphäre vom All aus gemessen werden. „Wie Satelliten
Treibhausgasemissionen sichtbar machen und die Erforschung des
Klimawandels unterstützen“ erläutert Eva-Marie Metz, Doktorandin am
Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg. Ihr Vortrag ist Teil
der Ruperto Carola Ringvorlesung, die im Wintersemester den Titel
„ÜberMorgen – Junge Forscher:innen der Universität Heidelberg“ trägt.
Damit will die Universität aufzeigen, wie der wissenschaftliche Nachwuchs
mit seiner Forschung dazu beiträgt, den großen Herausforderungen unserer
Zeit zu begegnen. Die Veranstaltung mit Eva-Marie Metz findet am 22.
Januar 2024 in der Aula der Alten Universität statt und beginnt um 18.15
Uhr.

Anhand aktueller Forschungsergebnisse wird Eva-Marie Metz aufzeigen,
welche Rolle Satellitenmessungen in der Klimawandelforschung und im
Klimaschutz einnehmen können. Neue Satelliten mit hoher räumlicher
Auflösung ermöglichen es zum Beispiel, CO2 in Emissionsfahnen von
Kraftwerken zu fotografieren. So können nach den Worten der Referentin
künftig Kraftwerksemissionen aus dem All wissenschaftlich bestimmt werden.
Auch die Ökosysteme der Erde lassen sich mithilfe von Satellitendaten
untersuchen. Der Vortrag thematisiert in diesem Zusammenhang, wie die
Ökosysteme CO2 aufnehmen und auch abgeben, insbesondere im Hinblick auf
Klimaveränderungen. Eva-Marie Metz untersucht im Rahmen ihrer Doktorarbeit
mithilfe von Satellitendaten den Austausch von Kohlenstoffdioxid zwischen
Land-Ökosystemen und der Atmosphäre auf kontinentaler Skala.

Die Ruperto Carola Ringvorlesung ist Teil eines Konzepts von Fokusthemen.
Damit will die Universität Heidelberg zweimal jährlich gesellschaftlich
relevante Forschungsfragen in unterschiedlichen Formaten an die breite
Öffentlichkeit herantragen. In der aktuellen Reihe, die sich dem
Fokusthema SCHWACH & STARK widmet, geben Nachwuchswissenschaftlerinnen und
Nachwuchswissenschaftler unterschiedlicher Fachdisziplinen Einblicke in
ihre Forschung zu den Bedingungen für eine lebenswerte Gesellschaft der
Zukunft. Anliegen der Reihe ist es, mit der interessierten Öffentlichkeit
ins Gespräch darüber zu kommen, wie sich gesellschaftliche
Herausforderungen – seien es Klimawandel, Gesundheitssystem oder
Stadtentwicklung – meistern lassen und welchen Beitrag Wissenschaft dazu
leisten kann.

Dem Vortrag mit Eva-Marie Metz folgen im laufenden Wintersemester zwei
weitere Veranstaltungen, die jeweils montags in der Aula der Alten
Universität stattfinden. Beginn ist um 18.15 Uhr. Aufzeichnungen der
Vorträge sind zu einem späteren Zeitpunkt abrufbar auf heiONLINE, dem
zentralen Portal der Ruperto Carola mit Vorträgen, Diskussionsrunden und
Veranstaltungen in digitalen Formaten.

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Wegweisende Erkenntnisse zur Behandlung von Blutstrominfektionen gewonnen

Studie belegt Wirksamkeit und Sicherheit einer oralen Antibiotikatherapie
in Tablettenform bei Blutstrominfektionen durch Staphylococcus aureus.
Bislang sind Infusionen der Behandlungsstandard.

Eine internationale klinische Studie unter der Leitung von Professor Dr.
med. Achim Kaasch, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und
Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und
Professor Dr. med. Harald Seifert, ehemaliger stellvertretender Direktor
des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der
Uniklinik Köln, konnte entscheidende neue Erkenntnisse zur Behandlung von
Blutstrominfektionen mit dem Erreger Staphylococcus aureus (SAB) gewinnen.
Die Forschungsarbeit zeigt, dass bei Patient:innen mit niedrigem Risiko
für das Auftreten von Infektionskomplikationen eine frühzeitige Umstellung
auf eine orale Antibiotikatherapie genauso wirksam und sicher ist wie die
Fortsetzung der herkömmlichen intravenösen Behandlung. Für Patient:innen
ermöglicht dieser neue Therapieansatz eine einfachere Behandlung und eine
schnellere Entlassung aus dem Krankenhaus. Die Ergebnisse der Studie, an
der neben Forschenden in Magdeburg und Köln auch Wissenschaftler:innen der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des Deutschen Zentrums für
Infektionsforschung (DZIF) beteiligt waren, sind in dem Fachjournal The
Lancet Infectious Diseases veröffentlicht worden.

Das Bakterium Staphylococcus aureus ist weltweit einer der häufigsten
Krankheitserreger, der schwere Blutstrominfektionen – auch Sepsis oder
Blutvergiftung genannt – verursachen kann. Schätzungsweise 30.000 Menschen
erkranken in Deutschland jedes Jahr allein an dieser Infektion, etwa 25
Prozent der Betroffenen versterben in den ersten 3 Monaten. Professor
Kaasch erklärt: „Wenn eine SAB nicht ausreichend behandelt wird, besteht
die ernsthafte Gefahr, dass die Infektion auf andere Körperteile
übergreift. Selbst nach einer erfolgreichen Behandlung kann sich eine
Infektion oft über mehrere Monate hinweg negativ auf den Genesungsprozess
der Betroffenen auswirken.“

Eine herkömmliche Behandlung von SAB erfolgt für mindestens 14 Tage mit
intravenös verabreichten Antibiotika im Krankenhaus. Die Untersuchung der
Forschungsgruppe fokussierte sich auf die Frage, ob bei Patient:innen mit
SAB eine orale Therapie mit Tabletten genauso effektiv ist wie die
herkömmliche intravenöse Behandlung. „Wir haben herausgefunden, dass eine
frühzeitige Umstellung auf eine orale Antibiotikatherapie nach 5 bis 7
Tagen einer intravenösen Behandlung genauso sicher und wirksam ist, wie
die etablierte intravenöse Standardtherapie“, so Kaasch. Dennoch sei laut
dem Mikrobiologen eine sorgfältige Beurteilung von Patient:innen auf
Anzeichen und Symptome erforderlich, um zu klären, ob
Infektionskomplikationen bereits vorliegen. Nur wenn diese ausgeschlossen
sind, könne eine orale Umstellungstherapie in Betracht gezogen werden.

Die Ergebnisse dieser wegweisenden Studie markieren einen entscheidenden
Fortschritt in der Behandlung von Staphylococcus aureus
Blutstrominfektionen und bieten Hoffnung auf eine verbesserte Versorgung
von Patient:innen weltweit. „Mit diesen Erkenntnissen eröffnet sich die
Möglichkeit, die Behandlung zu vereinfachen und Patientinnen und Patienten
schneller zu entlassen“, betont Kaasch.

In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler:innen verschiedene Fragen
zur Diagnose und Behandlung von SAB untersuchen. „Besonders relevant ist
nun die Prüfung einer Umstellung auf eine orale antibiotische Therapie
nach initialer intravenöser Behandlung auch bei Patient:innen mit
komplizierten Staphylococcus aureus Blutstrominfektionen“, erläutert
Professor Seifert von der Kölner Universitätsmedizin und Initiator der
Studie. „Dazu liegen bislang noch keine Erkenntnisse vor.“

Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann betonte: „Es ist kein
Zufall, dass diese wegweisende internationale Studie unter Federführung
der Universitätsmedizin Magdeburg entstanden ist. Sie steht in vielen
Bereichen für Medizinforschung der Spitzenklasse, von der neben
Wissenschaft und akademischer Lehre auch zahlreiche Patientinnen und
Patienten profitieren. Dabei hat sich gerade die Mikrobiologie unter
Leitung von Prof. Kaasch in den vergangenen Jahren national wie
international einen beachtlichen Namen gemacht. Die Tatsache, dass hier
erzielte Forschungsergebnisse weltweit Beachtung finden, stärkt auch den
Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt insgesamt.“

Bei der durchgeführten Studie handelt es sich um eine multizentrische,
kontrollierte klinische Nichtunterlegenheits-Studie.  Sie wurde an 31
Standorten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Spanien
durchgeführt. Eine solche Studie soll zeigen, dass eine neue
Behandlungsmethode gleichwertige Ergebnisse zur etablierten Behandlung
erzielt. Insgesamt wurden Daten von über 5.000 Patient:innen erhoben. Die
Studie schloss 213 Teilnehmer:innen ein, wobei 108 der oralen Gruppe und
105 der intravenösen Gruppe zufällig zugeteilt wurden. Sie wurde gefördert
durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Achim Kaasch, Direktor am Institut für Medizinische
Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität
Magdeburg, Telefon: +49-391-67-13392, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Prof. Dr. med. Harald Seifert, ehemaliger stellvertretender Direktor am
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der
Uniklinik Köln, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Originalpublikation:
Originalpublikation: Efficacy and safety of an early oral switch in low-
risk Staphylococcus aureus bloodstream infection (SABATO): an
international, open-label, randomised, controlled, non-inferiority trial;
The Lancet Infectious Diseases; 18.01.2024; DOI
https://doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00756-9

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Therapieangebot für Kopfschmerz bei Kindern und Jugendlichen wird ausgebaut

Zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen leiden regelmäßig unter
Kopfschmerzen, mehr als 20 Prozent fehlen deshalb wiederholt im
Unterricht. // Ein Kinder- und Jugendkopfschmerzprogramm hilft betroffenen
Familien mit interdisziplinären Konzepten. // Das Universitätsklinikum
baut das Angebot gemeinsam mit der AOK PLUS in Sachsen aus.

Mehr als zwei Drittel der Jugendlichen in Deutschland leiden regelmäßig
unter Kopfschmerzen. Fast die Hälfte der jugendlichen Migränepatientinnen
und
-patienten werden auch im Erwachsenenalter aufgrund von Migräne behandelt.
Durch das Fehlen von Biomarkern werden Kopfschmerzen bei Kindern oft nicht
als ernstzunehmende Erkrankung wahrgenommen, Diagnostik und Therapie nicht
konsequent verfolgt. Die Kopfschmerzambulanz am Universitätsklinikum Carl
Gustav Carus Dresden bietet betroffenen Familien über das Dresdner
Kinder-/Jugendkopfschmerzprogramm (DreKiP) die Möglichkeit zu einer
multimodalen Therapie. Gemeinsam mit der Krankenkasse AOK PLUS hat sich
das Uniklinikum nun auf die weitere Finanzierung der Therapie geeinigt.
Der Vertrag dazu wurde an diesem Dienstag, 16. Januar 2024, unterzeichnet.
Gemeinsamer Wille der Partner: Das Versorgungnetz soll sachsenweit
ausgebaut werden. „Erneut gelingt es uns, gemeinsam mit der AOK ein
wichtiges Angebot für die Region zu stärken und zukunftsfähig zu machen.
Darüber freuen wir uns sehr“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer
Vorstand am Uniklinikum Dresden.

Eine Studie an Dresdner Schulen hat ergeben, dass 70 Prozent der
Schülerinnen und Schüler mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen haben.
Rund fünf Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden unter
schweren kopfschmerzbedingten Einschränkungen im Alltag, verändern dadurch
ihr Verhalten und können nicht zur Schule gehen. Das wiederum hat
Auswirkungen auf den Bildungsweg der Betroffenen. In der
Kopfschmerzambulanz für Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum
Dresden wurde in den vergangenen Jahren eine Therapiestrategie etabliert,
bei der sowohl biologische als auch psychische und soziale Faktoren von
wiederkehrenden Kopfschmerzen berücksichtigt werden. Die
Kinderkopfschmerzambulanz befindet sich im UniversitätsSchmerzCentrum im
Haus 15 und kooperiert im Rahmen des Programms eng mit der Kinderklinik
des Uniklinikums.

Am Beginn der Schmerzbehandlung steht die diagnostische Einordnung der
Kopfschmerzen durch einen Facharzt oder eine Fachärztin. Allein zwischen
2015 und 2019 stieg die Zahl der Kopfschmerzdiagnosen bei Kindern und
Jugendlichen um 44 Prozent an. „In den anschließenden Corona-Jahren mit
Schulschließungen und Homeschooling kamen noch einmal deutlich mehr Fälle
dazu“, sagt Prof. Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz am
Uniklinikum. Sobald ein Kind in das Therapieprogramm aufgenommen wird,
muss es in einem Kopfschmerzkalender oder einer App die Häufigkeit, die
Stärke und mögliche Begleiterscheinungen dokumentieren. Migräne und
Kopfschmerzen vom Spannungstyp sind die häufigsten Kopfschmerzen. Zur
Therapie werden nichtmedikamentöse Verfahren wie Entspannungstechniken und
Ausdauersport, Biofeedback und Schlafhygiene eingesetzt. Auch die
Reduktion von Stress spielt eine wichtige Rolle. Bei akutem
Migränekopfschmerz kommen entsprechende Medikamente zum Einsatz.

Zentraler Baustein in der Behandlung der jungen Patientinnen und Patienten
ist die Gruppentherapie. In acht Modulen befassen sich sechs bis acht
Kinder und Jugendliche mit den Themen Stressmanagement,
Entspannungstechniken und körperlicher Aktivierung. An drei Sitzungen
nehmen auch die Eltern teil. Die Auslöser für Kopfschmerzen bei Kindern
und Jugendlichen sind vielfältig: Lange Phasen der Konzentration,
Flüssigkeits- oder Bewegungsmangel, zu wenig Schlaf oder seelischer Stress
können den Schmerz auslösen oder verstärken. Darum ist es so wichtig, dass
die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie ihre Eltern so viel wie
möglich über Kopfschmerzen wissen. Das ist der Ausgangspunkt für das
biopsychoedukative Therapiekonzept DreKiP.

Im Januar 2016 startete das ambulante, interdisziplinäre und bislang
spendenfinanzierte Therapieprogramm DreKiP am Uniklinikum. Die Erfahrungen
und Inhalte aus den vergangenen Jahren werden nun als besondere Versorgung
für die Versicherten der Krankenkasse AOK PLUS angeboten. Der Vertrag
wurde am heutigen Dienstag, 16. Januar 2024, von Prof. Michael Albrecht,
Medizinischer Vorstand am Uniklinikum, Frank Ohi, Kaufmännischer Vorstand,
und Rainer Striebel, Vorstandvorsitzender der AOK PLUS, unterzeichnet.

Versorgungsnetz in Sachsen wird ausgebaut

„Den betroffenen Kindern und Jugendlichen gelingt es nach dem Abschluss
des Programms besser mit ihren Kopfschmerzen umzugehen, durch mehr
körperliche Aktivität und eigenständiges Anwenden von
Entspannungstechniken erhöht sich die Selbstwirksamkeit und der Alltag
gelingt zu Hause und in der Schule besser“, sagt Prof. Michael Albrecht.
„Diese einzelnen Aktivitäten sind wichtige Elemente, mit denen es den
Kindern und Jugendlichen gelingen kann, ihrem Kopfschmerz nachhaltig zu
begegnen. Bisher hat die Hochschulmedizin Dresden für dieses wichtige
Angebot die Verantwortung als Maximalversorger in der Region übernommen.
Mit dem jetzt geschlossenen Vertrag gehen wir einen wichtigen Schritt in
die richtige Richtung, um das Therapieprogramm langfristig anzubieten und
regional in Sachsen auszubauen.“

„Kopfschmerz ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Kindern und
Jugendlichen. Trotzdem sind passende Behandlungsmöglichkeiten bisher kaum
vorhanden. Zusammen mit dem Uniklinikum Dresden gehen wir dies nun an“,
sagt Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS. „Chronische
Kopfschmerzen haben einen erheblichen Einfluss auf den Alltag der Kinder
und Jugendlichen. Durch die multimodale Zusammenarbeit von Ärztinnen und
Ärzten sowie Therapeutinnen und Therapeuten erhalten sie eine auf ihre
Bedürfnisse abgestimmte Behandlung, unabhängig davon, ob sie in der Stadt
leben oder nicht“, so Rainer Striebel zum Start des Versorgungsvertrages
Kinder- und Jugendkopfschmerz am Uniklinikum.

Erklärtes Ziel der Partner ist es, das Versorgungsnetz des am Uniklinikum
entwickelten Kopfschmerzprogramms sachsenweit auszubauen. Ein erster
Standort wird jetzt in der Kinderklinik des Städtischen Klinikums Görlitz
etabliert, dann folgen Chemnitz und Leipzig.

Wie stark häufiger Kopfschmerz den Alltag von Kindern und Jugendlichen
beeinträchtigt und wie wichtig eine entsprechende Therapie ist, weiß auch
Familie Müller aus Bannewitz. „Mit Beginn der Pubertät klagte unsere
Tochter Vivien immer wieder über Kopfschmerz, der mal stärker, mal
schwächer war“, sagt Christiane Müller. Zwar waren die Schmerzen nicht so
schlimm, dass Vivien länger nicht zur Schule gehen konnte. „Sie hat sich
immer durchgebissen.“ Dennoch suchten ihre Eltern Hilfe bei der
Kinderärztin. „Bis zur Kopfschmerzdiagnose war es allerdings ein langer
Weg, weil in den zahlreichen Untersuchungen – auch im MRT – keine
körperlichen Ursachen gefunden wurden.“ Letztlich empfahl die Kinderärztin
das Therapieprogramm DreKiP am Uniklinikum. „Das hat Vivien sehr
geholfen“, sagt Christiane Müller. Maltherapie, Sport wie Klettern und
Gymnastik, Ernährungsumstellung - -all das habe Vivien dabei unterstützt,
besser mit dem Kopfschmerz umzugehen. Bis heute ist Sport ein wichtiger
Bestandteil ihres Alltags. Inzwischen ist Vivien 18 Jahre alt und macht
eine Ausbildung zur Erzieherin. Mit dem nun geschlossenen
Versorgungsvertrag werden AOK-Versicherte noch zügiger in das
Therapieprogramm am Uniklinikum aufgenommen.

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Effektiver Datenschutz als Erfolgsfaktor für die digitale Arbeitswelt

Beschäftigte haben erhebliche Bedenken, wie am Arbeitsplatz mit ihren
Daten umgegangen wird. Würde der Beschäftigtendatenschutz effektiver die
Privatsphäre schützen, könnten davon auch Unternehmen profitieren. Der
jüngste „bidt Impuls“ des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale
Transformation der Bayerischen Akademie der Wissenschaften beleuchtet die
zentralen Herausforderungen des Datenschutzes am Arbeitsplatz. Fünf
Empfehlungen könnten sowohl das Vertrauen der Beschäftigten in den
Datenschutz stärken als auch die Interessen der Unternehmen wahren.

•       Aktuell ist der Beschäftigtendatenschutz in Deutschland
fragmentiert und muss an die digitalisierte Arbeitswelt angepasst werden.
Menge und Komplexität der verarbeiteten Beschäftigtendaten nehmen stetig
zu – eine konsistente rechtliche Grundlage fehlt.
•       Das Eckpunktepapier von BMI und BMAS (2023) sowie die
Datenstrategie-Roadmap der Bundesregierung (2023) fokussieren einzelne
Aspekte. Die tatsächliche Wahrnehmung der Beschäftigten wird bislang
jedoch wenig einbezogen.
•       Basierend auf empirischen Erkenntnissen benennen die Autorin Mena
Teebken und der Autor Thomas Hess die fünf großen
Datenschutzherausforderungen und geben Empfehlungen für eine Verbesserung
des Beschäftigtendatenschutzes.
•       Der Ansatz: Hohe und einheitliche Datenschutzstandards schützen
die Privatsphäre von Beschäftigten und bieten zugleich Vorteile für
Unternehmen.

Der „bidt Impuls“ mit dem Thema „Mehr ist mehr: Besserer
Beschäftigtendatenschutz für umfassende Nutzung von Arbeitsplatzdaten“ ist
hier zu finden: https://www.bidt.digital/publikation/mehr-ist-mehr-
besserer-beschaeftigtendatenschutz-fuer-umfassende-nutzung-von-

arbeitsplatzdaten/

Die top fünf Herausforderungen für den Datenschutz

Teebken und Hess kritisieren den aktuellen Fokus auf Einzelaspekte und
plädieren für eine ganzheitliche Bewertung des Themas. Dazu zählen fünf
wesentliche Datenschutzherausforderungen, die der Logik der sogenannten
Datenlebenszyklen am Arbeitsplatz entsprechen:

1.      Generierung von Daten: Beschäftigte hegen Bedenken vor allem im
Hinblick auf die Art der Daten, eine mangelnde explizite Einwilligung,
eine übermäßige Sammlung sowie generell einen Kontrollverlust.
2.      Analyse und Verarbeitung von Daten: Beschäftigte befürchten eine
implizite Überwachung und Leistungsbeurteilung sowie die Schaffung von
Mitarbeiterprofilen, etwa auf Basis von künstlicher Intelligenz.
3.      Speicherung: Beschäftigte äußern erhebliche Bedenken, insbesondere
hinsichtlich der Speicherdauer und einer Speicherung außerhalb der
Europäischen Union.
4.      Interne und externe Empfänger: Beschäftigte haben Sorge, dass
unautorisierte Akteure Zugang zu ihren privaten Daten erhalten könnten.
5.      Umsetzung der Regulation im Unternehmen: Beschäftigte sind
unsicher in Bezug auf die Umsetzung von Datenschutzregeln in Unternehmen
und die Wirksamkeit staatlicher Regulierung.

Vertrauen durch Schutz: Weniger Bedenken, mehr Daten

Teebken betont in diesem Zusammenhang die positiven Auswirkungen hoher
Standards beim Beschäftigtendatenschutz und sieht Handlungsbedarf:
„Meinungen, Bedenken und Bedürfnisse der Beschäftigten werden bislang
nicht ausreichend einbezogen. Die Forschung zeigt aber, dass effektiver
Datenschutz das Vertrauen der Beschäftigten erhöht und somit
Privatheitsbedenken reduziert. Auf dieser Basis wächst auch die
Bereitschaft, Daten zur Verfügung zu stellen. Das gesteigerte Vertrauen
schafft eine positive Dynamik, in der Beschäftigte und Arbeitgeber
gleichermaßen von digitaler Arbeit und damit verbundener
Datenverfügbarkeit profitieren können.“

Fünf Empfehlungen: So müsste der Datenschutz angepasst werden

Wie der Datenschutz am Arbeitsplatz effektiver gestaltet werden kann,
hängt von verschiedenen Faktoren ab. Teebken und Hess leiten aus den
identifizierten Herausforderungen fünf Empfehlungen für einen besseren
Beschäftigtendatenschutz ab:

1.      Datenerfassung verantwortungsbewusst steuern – etwa durch
Beschränkung auf relevante und notwendige Daten, für die der Gesetzgeber
klare Richtlinien oder Beispiele bereitstellt.
2.      Haftung und Transparenz beim Einsatz künstlicher Intelligenz
sicherstellen – durch einen klaren gesetzlichen Rahmen und ethische
Standards.
3.      Datenspeicherung klar begrenzen – insbesondere durch
regulatorische Vorgaben zur Dauer der Datenspeicherung und klare
Richtlinien zur internationalen Datenübertragung.
4.      Datenschutz für interne und externe Empfänger gewährleisten – vor
allem durch effektive Regelungen des Gesetzgebers und der Arbeitgeber.
5.      Beschäftigte sensibilisieren, Transparenz fördern – etwa durch
Vereinfachung der Datenschutzgesetze und Bereitstellung verständlicherer
Anleitungen.

Hintergrund: Update erforderlich – der Beschäftigtendatenschutz ist nicht
mehr zeitgemäß

In Deutschland existiert derzeit kein spezifisches Gesetz zum Schutz von
Beschäftigtendaten, relevante Bestimmungen sind stattdessen über
verschiedene Gesetze verteilt. Der aktuelle Beschäftigtendatenschutz ist
daher fragmentiert und nicht mehr zeitgemäß. Die Bundesregierung setzte
sich mit ihrer Datenstrategie 2021 daher zum Ziel, dieses Problem zu
lösen. Im April 2023 veröffentlichten das Bundesministerium für Arbeit und
Soziales (BMAS) und das Bundesministerium des Inneren und für Heimat (BMI)
ein Eckpunktepapier zur Überarbeitung des Beschäftigtendatenschutzes. In
ihrer Roadmap der Datenstrategie strebte die Bundesregierung das vierte
Quartal 2023 für die Einführung des überarbeiteten
Beschäftigtendatenschutzgesetzes an. Noch ist jedoch keine
Weiterentwicklung des Beschäftigtendatenschutzes erfolgt. Welche Aspekte
darin enthalten sein müssten, skizziert die neue Publikation.

Mena Teebken ist am bidt unter anderem für das Forschungsprojekt
„Determinanten der Datenpreisgabe am digitalen Arbeitsplatz“ tätig. Mehr
unter: https://www.bidt.digital/forschungsprojekt/determinanten-der-
datenpreisgabe-am-digitalen-arbeitsplatz/

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