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International vergleichende Bildungs- und Migrationsforschung: LIfBi veröffentlicht neuartiges Datenangebot CILS4NEPS

Mit CILS4NEPS stellt das Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi)
erstmals ein Scientific-Use-File für Forschungszwecke zur Verfügung, der
Daten des Projekts "Children of Immigrants Longitudinal Survey in Four
European Countries" mit den Daten der "NEPS-Startkohorte 4 – Klasse 9"
zusammenführt und harmonisiert. Die Kombination der beiden Datenquellen
erschließt gänzlich neue Forschungspotenziale im Bereich der
vergleichenden Bildungs- und Migrationsforschung. Unter anderem ermöglicht
es CILS4NEPS, Informationen der NEPS-Startkohorte 4 für internationale
Vergleiche mit England, den Niederlanden und Schweden zu nutzen.

Der im Rahmen einer Projektförderung von KonsortSWD erstellte Scientific-
Use-File CILS4NEPS ist ein Gemeinschaftsprodukt des Mannheimer Zentrums
für Europäische Sozialforschung (MZES, Universität Mannheim) und des
Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi, Bamberg). Er bietet
Forschenden einen umfangreichen harmonisierten Datensatz mit 34.000
Befragten, der Informationen aus der Studie CILS4EU (Wellen 1-3) und der
NEPS-Startkohorte 4 (Wellen 1-6) miteinander vereint. Damit stellt
CILS4NEPS eine wertvolle Bereicherung für nationale und internationale
Analysen dar, da für bestimmte (z. B. ethnische oder soziale) Gruppen
sowie für bestimme Ereignisse (z. B. Übergänge in bestimmte Schul- oder
Ausbildungsformen) nunmehr eine deutlich erhöhte Stichprobengröße
verfügbar ist sowie eine Anschlussfähigkeit an entsprechende Daten aus
England, den Niederlanden und Schweden gewährleistet ist.

Bei CILS4EU handelt es sich um eine internationale Längsschnittstudie in
Deutschland, England, den Niederlanden und Schweden, welche die
strukturelle, kulturelle, soziale und emotionale Integration von jungen
Menschen mit und ohne Migrationshintergrund untersucht.

Im Rahmen der NEPS-Startkohorte 4 werden seit 2010 junge Menschen in
Deutschland seit der 9. Jahrgangsstufe begleitet und umfangreiche
Längsschnittdaten zu deren Kompetenzentwicklung und ihren
Bildungsprozessen in formalen, nicht-formalen und informellen Kontexten
erhoben.

Der Zugang zu den Daten von CILS4NEPS ist kostenfrei via
Ferndatenverarbeitung über das Forschungsdatenzentrum des LIfBi möglich.
Voraussetzung für die Nutzung der Daten sind der Abschluss einer CILS4EU-
Datennutzungsvereinbarung mit der GESIS und eines NEPS-
Datennutzungsvertrags mit dem LIfBi. Weitere Informationen finden Sie auf
der Webseite: https://www.neps-data.de/Datenzentrum/Daten-und-
Dokumentation/Startkohorte-Klasse-9/CILS4NEPS

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Daniel Fuß https://www.lifbi.de/de-
de/Start/Institut/Personen/Person/account/1104?name=Fu%C3%9F,Daniel

Originalpublikation:
Dollmann, J., Horr, A., Arnold, L., Kerzner, V., Schmidt, R., Weber, F., &
Weißmann, M. (2023). CILS4NEPS - A Harmonised Dataset Based on CILS4EU and
NEPS SC4, Scientific Use File 1.0. FDZ-LIfBi, Bamberg.
https://doi.org/10.5157/CILS4NEPS:SUF:1.0

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Fünf Jahre Zertifikatsstudiengang Interreligiöse Mediation an der Universität Augsburg

Mit dem Zusatzzertifikat Interreligiöse Mediation wurde an der Universität
Augsburg vor fünf Jahren ein Angebot für (Lehramts)studierende wie
Lehrkräfte etabliert, welches die fachliche und pädagogische Ausbildung um
interreligiöse und friedenspädagogische Kompetenzen ergänzt. Das Jubiläum
des Erweiterungsstudiengangs zeigt deutlich, dass dieser Ansatz am Lernort
Schule wichtiger ist als je.

Schulen sind Orte, an denen das grundlegende Verständnis unserer Kinder
und somit der nächsten Generationen für interkulturelles und
interreligiöses Zusammenleben geschaffen wird. Der Umgang mit religiöser
Vielfalt am Lernort Klassenzimmer benötigt spezielle Kompetenzen, die im
Zertifikatsstudiengang Interreligiöse Mediation (ZIM) vermittelt werden.
„Die Möglichkeit hier an der Universität Augsburg eine derartige
interreligiöse und damit auch friedenspädagogische Professionalisierung
für Lehramtsstudierende sowie Referendarinnen, Referendare und Lehrkräfte
anzubieten, ist nach fünf Jahren ein gelungenes Modell“, sagt Prof. Dr.
Elisabeth Naurath. „Gerade in der heutigen Zeit sehen wir, wie wichtig es
ist, das Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen ist fördern“.

Die Professorin für Evangelische Religionspädagogik und Didaktik des
Religionsunterrichts hat den Erweiterungsstudiengang vor fünf Jahren
gemeinsam mit Prof. Dr. Georg Langenhorst, Lehrstuhlinhaber für Didaktik
des katholischen Religionsunterrichts und Religionspädagogik, ins Leben
gerufen.

Judentum, Christentum, Islam und weitere Weltreligionen

Das Zusatzzertifikat Interreligiöse Mediation richtet sich als
Ergänzungsstudium an Studierende der Pädagogik und Geisteswissenschaften
und des Lehramts sowie Lehrkräfte aller Fächerkombinationen und
Schularten.

Das Zertifikat erschließt pädagogische Grundlagen interreligiöser Bildung
und friedenspädagogischer Perspektive sowie relevantes Grundwissen über
Judentum, Christentum und Islam im Kontext weiterer Weltreligionen und
philosophischer Traditionen ein. Die Prävention religiös bedingter
Diskriminierungserfahrungen steht hierbei im Fokus.
Vertiefungsmöglichkeiten in den Bereichen der Kindheits- oder
Jugendforschung, des interreligiösen Umgangs mit den konstitutiven
Schriften, der Theologie des Interreligiösen Dialogs, ethischen oder
juristischen Aspekte interreligiöser Begegnungen und Projekte runden das
Angebot ab.

„Dabei sind uns authentische Einblicke in die Perspektiven ihrer
Religionen wichtig“, meint Prof. Dr. Georg Langenhorst. Neben den Kursen
der Dozierenden werden regelmäßig Gastvorträge aus verschiedenen
Richtungen der Weltreligionen angeboten.
Philip Timm, der gerade den Erweiterungsstudiengang belegt, meint: „Mich
hat das Bestreben nach einem Miteinander, in dem jede Religion ihren Platz
hat, beeindruckt. Es ist inspirierend zu sehen, wie Vertreterinnen und
Vertreter unterschiedlicher Religionen dieses Ziel mit viel Herzblut
verfolgen.“

Elisabeth Naurath erklärt: „Übergreifend fließt aber auch umweltethische
Bildung mit ein, die auf Fragen des Klimaschutzes, der Klimaresilienz und
der Klimagerechtigkeit eingeht. Daneben ist die Prävention von
Diskriminierung – insbesondere von Antisemitismus – ein anderer wichtiger
Bestandteil“.

Viele Religionen in den Klassen

In den Schulklassen von Dr. Dr. Jasmin Kriesten sind viele Religionen
vertreten. „Der Austausch über die gelebten religiösen Rituale bei den
Kindern zu Hause ist immer bereichernd. Sie stellen Fragen und wünschen
sich das Gespräch über Feiertage, Gottesvorstellungen und individuelle
religiöse Erfahrungen. Ich bin mit meinem Wissen aus dem ZIM niemals
unvorbereitet, kann mich somit offen in den Austausch begeben und den
Kindern so gerecht werden“, sagt die Referendarin. Außerdem ermögliche das
Erweiterungsstudium, sich im Schulleben zu engagieren und Aspekte, die zur
interreligiösen Zusammenarbeit sehr relevant sind, einzubringen – zum
Beispiel, wenn es darum geht, multireligiöse Feiern zu gestalten.

Als Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für
Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe der Bayerischen Staatsregierung
weist Dr. Ludwig Spaenle auf die Bedeutung der Hochschulen für die
Antisemitismusprävention in der Bildungsarbeit hin. Das Augsburger
Zusatzzertifikat Interreligiöse Mediation habe hier eine Vorreiterrolle,
so Spaenle anlässlich des Jubiläums. Es gebe bereits Interesse anderer
Standorte, von Augsburg zu lernen.

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Nächtliches Kunstlicht im Fokus: Das internationale Forschungs- und Ausbildungsprogramm GAME am GEOMAR

Verändert künstliches Licht bei Nacht die Zusammensetzung
mariner Lebensgemeinschaften in flachen Küstengewässern, und macht es
einen Unterschied, ob es sich dabei um gelbes oder um weißes Licht
handelt? Diesen Fragen sind die 19 internationalen Studierenden des
diesjährigen GAME-Projektes an zehn verschiedenen Orten auf der ganzen
Welt nachgegangen. Das weltweit einzigartige internationale Forschungs-
und Ausbildungsprogramm für Studierende der Meereswissenschaften wird
bereits seit 21 Jahren am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
angeboten. Die Anmeldefrist für eine Teilnahme 2024 läuft noch bis Ende
Januar.

19 Studierende, zehn Länder und eine gemeinsame Forschungsfrage: Das war
das GAME-Projekt 2023. „GAME“ steht für „Globaler Ansatz durch Modulare
Experimente“ (Global Approach by Modular Experiment) und ist ein weltweit
einzigartiges internationales Forschungs- und Ausbildungsprogramm für
Studierende der Meereswissenschaften, das seit 2002 am GEOMAR Helmholtz-
Zentrum für Ozeanforschung Kiel angeboten wird. Dabei arbeiten deutsche
und internationale Studierende in Zweierteams zusammen. Ein Teammitglied
stammt immer von einer deutschen Universität, das andere von einem der
GAME-Partnerinstitute. Im Jahr 2023 musste leider aufgrund einer
kurzfristigen Absage ein Student am Standort in Malaysia alleine arbeiten.

Auch der 21. GAME-Jahrgang hatte seine Arbeit wieder im März in Kiel
begonnen. Hier trafen sich alle 19 teilnehmenden Studierenden, um in einem
vierwöchigen Kurs den Versuchsaufbau für die diesjährige gemeinsame
Forschungsfrage zu erarbeiten. Im April ging es dann nach Island, Israel,
Finnland, Malaysia, Japan, Kroatien, Kap Verde, Chile, Spanien und
Portugal. Ein halbes Jahr forschten die Zweier-Teams gemeinsam vor Ort,
bevor sie ab Oktober ihre Ergebnisse in Kiel zusammenführten und
auswerteten. Zum Abschluss haben die jungen Wissenschaftler:innen ihre
Ergebnisse nun an verschiedenen Universitäten in Norddeutschland
präsentiert.

Aus wissenschaftlicher Sicht ermöglicht das Programm etwas ganz
Besonderes: Da bei GAME das identische Experiment zu einer ökologischen
Fragestellung zeitgleich an verschiedenen Standorten auf der ganzen Welt
durchgeführt wird, werden global vergleichbare Ergebnisse gewonnen. In
diesem Jahr ging es dabei – wie schon in den beiden Jahren zuvor – um
Lichtverschmutzung. Die Fragestellung lautete: „Beeinflusst künstliches
Licht bei Nacht die Diversität und Zusammensetzung von Hartboden-
Lebensgemeinschaften?“ Oder anders gefragt: Welche Arten siedeln sich auf
Untergründen wie Felsen, Dalben, Spundwänden oder auch Schiffsrümpfen an,
wenn das Wasser nachts von künstlichem Licht erhellt wird? Und macht es
einen Unterschied, ob die Lampe gelbes oder weißes Licht abgibt?

„Künstliches Licht als Form der Umweltverschmutzung wurde im marinen
Bereich lange vernachlässigt“, sagt Projektleiter Dr. Mark Lenz, „hier
findet langsam ein Umdenken statt.“ Mit seinen GAME-Studierenden ist der
Meeresökologe Vorreiter auf diesem Gebiet – und die diesjährigen
Ergebnisse können sich sehen lassen. Dr. Lenz: „Wir haben zum Teil starke
Effekte gesehen, das Licht scheint einen sehr großen Einfluss zu haben.“
Besonders interessant: Da die Experimente an Standorten mit sehr
unterschiedlichen Tageslichtverhältnissen durchgeführt wurden – von
Island, wo es im Sommer fast nie dunkel wird, bis nach Malaysia, das so
nah am Äquator liegt, dass Tag und Nacht dort fast immer gleich lang sind
– fallen die Ergebnisse sehr unterschiedlich aus.

„Wir konnten ein sehr starkes Wachstum unter dem Einfluss von weißem Licht
beobachten“, berichtet beispielsweise Amelie Muntschick, die zusammen mit
ihrer Tandem-Partnerin Isia Sousa aus Mindelo auf der kapverdischen Insel
São Vicente geforscht hat. „Die Artenvielfalt ist nach der Erstbesiedelung
stark zurückgegangen, es konnten sich also einige wenige Arten
durchsetzen, die aber sehr viel Biomasse erzeugten.“ Das könnte ein
interessantes Ergebnis für Bootsbesitzer sein, die mit Bewuchs kämpfen.

Die Kieler Studentin ist dankbar, dass sie die Erfahrung machen durfte,
ein eigenes Forschungsprojekt von Beginn an aufzusetzen und dennoch nicht
allein zu sein: „Wir haben alle Arbeitsschritte im Team gemacht. Es gibt
so unglaublich viele Herausforderungen auf dem Weg“, sagt sie und schaut
Isia Sousa an. Die nickt: „Es ist wirklich immer wieder überraschend,
jeden Tag passiert irgendetwas, für das man eine Lösung finden muss. Und
wenn man es dann geschafft hat – das sind die Highlights.“ Die junge
Kapverdierin ist noch im Bachelor-Studium, die meisten anderen werden im
Rahmen von GAME ihre Masterarbeit schreiben.

Doch jetzt touren sie erst einmal durch die norddeutschen
Hochschulstandorte, um ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren und für
GAME zu werben – die Vorbereitungen für den 22. Jahrgang laufen bereits.
Der wird sich mit der Frage beschäftigen, wie sich nächtliches Kunstlicht
auf das Wachstum, die Photosynthese-Leistung und die
Verteidigungsfähigkeit von Makroalgen auswirkt. Bewerbungen sind noch
möglich bis zum 31. Januar.

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Nachhaltigkeit als demokratischen Prozess gestalten

Der Nachhaltigkeitsbeirat des Landes Brandenburg hat zum Thema „Sozialer
Zusammenhalt in einer offenen Gesellschaft, Demokratie als Lebensform“
Empfehlungen für die Landesregierung erarbeitet. Sie wurden am 8. Januar
2024 übergeben. Die Empfehlungen beruhen auf einem Policy Brief, in dem
das Autorenteam eine ressortübergreifende Strategie empfiehlt, um die
Themen soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und eine hohe Lebensqualität für
alle unter Anerkennung der planetaren Grenzen integrativ anzugehen.

Am gemeinsamen Gespräch von Beirat und Landesregierung nahmen neben den
Beiratsmitgliedern die Bevollmächtigte des Landes beim Bund,
Staatssekretärin Friederike Haase, sowie Sozialministerin Ursula
Nonnemacher, Wirtschaftsminister Jörg Steinbach und Bildungsminister
Steffen Freiberg teil.

In dem Policy Brief weist das Autorenteam um Prof. Ortwin Renn, früherer
Direktor des RIFS, darauf hin, dass die Forderung nach mehr Nachhaltigkeit
beim politischen Handeln nicht in erster Linie als Klima- und
Umweltpolitik zu verstehen sei, sondern weiter gefasst werden müsse. „Denn
politische Programme zur Nachhaltigkeit wirken sich auch direkt und
indirekt auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur aus“, gibt
Beiratsvorsitzender Renn zu Bedenken.

Für die Landesregierung erklärt Staatssekretärin in der Staatskanzlei,
Friederike Haase: „Die Empfehlungen des Nachhaltigkeitsbeirates geben uns
wichtige Hinweise, die wir in unserem politischen Handeln berücksichtigen
wollen. Nachhaltigkeit kann nicht auf die selbstverständlich wichtigen
Themen Umwelt und Klima eingeengt werden. So wirkt die soziale Dimension
in nahezu alle Politikbereiche und ist deswegen ebenso ein unverzichtbarer
Bestandteil von nachhaltigem Handeln. Sie ist das Fundament, auf dem das
soziale Miteinander, eine wehrhafte Demokratie und der gesellschaftliche
Zusammenhalt auch in Brandenburg aufbauen. Die Landesregierung wird das
bei der Weiterentwicklung der Landesnachhaltigkeitsstrategie mit
einbeziehen.“

In seinen Empfehlungen definiert das Autorenteam für die Landesregierung
vier wesentliche Ziele: Zunächst seien Fairness und soziale Gerechtigkeit
zu nennen, dann der soziale Zusammenhalt und die Identifikation mit dem
demokratischen Gemeinwesen, zudem eine soziale, wirtschaftliche sowie
kulturelle Teilhabe und Beteiligung, zu guter Letzt zählten Gesundheit und
Wohlbefinden dazu.

Querschnittsaufgabe für alle

In seiner auf dem Policy Brief aufbauenden gemeinsamen Stellungnahme rät
der Beirat dazu, vor dem Hintergrund der tatsächlichen Situation vor Ort
konkrete Maßnahmen nach einer entsprechenden Analyse zu entwickeln. Zudem
müssten die sozialen Nachhaltigkeitsziele identifiziert, in Strategien und
Maßnahmen umgesetzt und dann in die Gesellschaft, in alle Ressorts der
Landesregierung und in die Politik kommuniziert werden. „Wir empfehlen der
Landesregierung, einen verbindlichen Nachhaltigkeits-Check vorzunehmen –
und zwar, bevor über die Vergabe von Fördermitteln entschieden oder der
Haushalt aufgestellt wird“, sagt Prof. Renn.

Dass soziale Nachhaltigkeit die sozialen und kulturellen Voraussetzungen
für ein dauerhaft friedliches und gerechtes Zusammenleben ermöglicht, ist
eine Folgerung des Beirates. Jedoch seien diese Ziele erreichbar, wenn sie
als Querschnittsaufgabe für alle Ministerien und Behörden verbindlich
verankert würden. Zudem müssten in dieser Frage Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Probleme und
Herausforderungen identifizieren und Lösungen für die verantwortlichen
Entscheidungsinstanzen entwerfen.

Der Beirat hebt zudem hervor, dass soziale Nachhaltigkeit im Zielkonflikt
mit anderen Zielen der Nachhaltigkeit stehen könne. Diese seien zu
benennen und konstruktiv zu bearbeiten, denn Nachhaltigkeit sei als
demokratischer Prozess zu leben. Wenn es Veränderungen gebe, müssten
Menschen aller Generationen und gesellschaftlicher Gruppen die Möglichkeit
haben, sie mitgestalten zu können, um sie später mitzutragen. Menschen
sollen nicht nur über fertige Konzepte abstimmen, sondern von Anfang an
bei der Konzeptentwicklung in einer sie ansprechenden und ihnen
angemessenen Form beteiligt werden. Widersprüche und Konflikte sollen
wahrgenommen und anerkannt werden, bevor eine gemeinsame Lösung gesucht
werde.

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Brandenburgs Nachhaltigkeitsbeirat besteht aus Prof. Ortwin Renn, Prof.
Gesine Grande, Prof. Ottmar Edenhofer, Prof. Uta Steinhardt, Silke Hansen
und Rüdiger Kuhn. Er wurde im Februar 2021 vom Kabinett eingesetzt, um die
Landesregierung bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele zu beraten und
zu unterstützen.

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