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Die Achillesferse der Künstlichen Intelligenz: Warum Diskriminierung ein ungelöstes Problem bleibt

Eine aktuelle Studie der DHBW Stuttgart am Studienzentrum
Dienstleistungsmanagement hat die Fähigkeit der Künstlichen Intelligenz
(KI) zur Erkennung diskriminierender Inhalte in Bildern und Werbeanzeigen
untersucht und dabei sowohl beeindruckende Fortschritte als auch
bestehende Grenzen aufgezeigt.

In der umfassenden Untersuchung wurde die KI mit einer Vielzahl von
Bildern und Werbeanzeigen konfrontiert und um eine Bewertung gebeten.
Darunter befanden sich unter anderem 60 Werbeanzeigen, die der Deutsche
Werberat in der jüngeren Vergangenheit gerügt hatte. Die erzielten
Ergebnisse zeigen, dass die KI eine erstaunlich hohe Fähigkeit besitzt,
Diskriminierungen in Werbeanzeigen mit einer beeindruckenden
Treffsicherheit zu identifizieren (F1 Score: 0.949). So wurden die vom
Deutschen Werberat gerügten Werbeanzeigen in aller Regel von der KI als
potenziell diskriminierend eingeschätzt. Gleichzeitig erfolgte bei den
nichtdiskriminierenden Werbeanzeigen ein solcher Hinweis in den meisten
Fällen nicht.

Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund beeindruckend, da die KI noch
vor zehn Jahren erhebliche Schwierigkeiten hatte, die in einem Bild
dargestellten Objekte korrekt zu klassifizieren. In der Zwischenzeit und
dank Millionen von Bildern hat die KI gelernt, weitgehend treffsicher
zwischen einem Hund und einer Katze zu unterscheiden. Die rasanten
Fortschritte der KI werfen die Frage auf, wo derzeit die Grenzen der KI
verlaufen. „Wir wollten wissen, inwiefern die KI ein diskriminierendes
Verhalten erkennt, wenn man dieser nur eine Werbeanzeige zur Verfügung
stellt und diese auffordert, die Anzeige zu bewerten“, erläutert Studentin
Helen Beckers das Vorgehen bei der Studie.

Algorithmische Diskriminierung

Dies ist von besonderer Relevanz angesichts des massiven Anwachsens von
Diskriminierung durch Algorithmen, die Menschen aufgrund von Geschlecht,
Religion, Weltanschauung, Rassismus oder Herkunft benachteiligen können.
Dieser Aspekt gewinnt an Bedeutung, da Diskriminierung durch Algorithmen
zunehmend zu einem ernsten Problem wird, das verschiedene Bereiche wie
Bewerbungsverfahren, Kreditvergabe, Medizin und die Berechnung der
Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftäter*innen betrifft.

ChatGPTs Fähigkeit zur Aufdeckung von Sexualisierung und Stereotypen

Besonders aufschlussreich ist die Erkenntnis, dass ChatGPT Sexualisierung
und stereotypisches Denken aufdecken kann. Eine modifizierte Anzeige mit
vertauschten Geschlechterrollen zeigte, dass die KI auch in umgekehrten
Konstellationen Diskriminierung identifizieren kann. „Diese
unterschiedliche Bewertung durch ChatGPT in den zwei Szenarien
unterstreicht die Fähigkeit, Diskriminierung auch in umgekehrten
Konstellationen zu identifizieren“, nennt Student Sven Peter als weitere
Erkenntnis aus der Studie.

Grenzen und Herausforderungen bei der Diskriminierungserkennung durch KI

An die Grenzen stieß die KI jedoch bei der Identifizierung weiterer Formen
der Diskriminierung, wie der Objektivierung, der Respektlosigkeit sowie
des Machtmissbrauchs. „Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die
Notwendigkeit, KI-Systeme weiterzuentwickeln, um Diskriminierung
effektiver zu erkennen und zu verhindern“, berichtet Student Marius Funk.
Die Studie wirft wichtige Fragen auf, wie KI-Technologien in der Zukunft
eingesetzt werden können, um Diskriminierung in verschiedenen Bereichen zu
bekämpfen und die Gleichberechtigung zu fördern.

Studienzentrum Dienstleistungsmanagement

Die Studie wurde unter Leitung von Prof. Dr. U. Bucher am Studienzentrum
Dienstleistungsmanagement an der DHBW Stuttgart durchgeführt. Das
Studienzentrum Dienstleistungsmanagement bereitet die Studierenden auf
verantwortungsvolle betriebswirtschaftliche Tätigkeitsfelder in
innovativen und kundenorientierten Projekten sowie in vielfältigen
Funktions- und Servicebereichen von Dienstleistungsunternehmen vor.

Die DHBW Stuttgart:
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg Stuttgart gehört mit rund 8.000
Studierenden in Bachelor und Masterstudiengängen zu den größten
Hochschuleinrichtungen in den Regionen Stuttgart und Oberer Neckar. In
Kooperation mit rund 2.000 ausgewählten Unternehmen und sozialen
Einrichtungen bietet sie mehr als 60 national und international
anerkannte, berufsintegrierte Studienrichtungen in den Bereichen
Wirtschaft, Technik, Sozialwesen und Gesundheit an. Die Bachelor-
Studierenden wechseln im dreimonatigen Rhythmus zwischen der Hochschule
und dem Ausbildungsbetrieb, dem Dualen Partner. Auf diese Weise sammeln
sie bereits während der Studienzeit Berufserfahrung. Finanzielle
Unabhängigkeit, sichere Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch außergewöhnlich
hohe Übernahmequoten, kleine Kursgruppen und die internationale
Ausrichtung bieten den Studierenden enorme Vorteile. Über den
Bachelorabschluss hinaus bietet die DHBW ein duales Masterprogramm an.
Weitere Informationen unter: www.dhbw-stuttgart.de

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Altkleidersortierung 4.0

Ein zweites Leben für Kleidungsstücke: Forscher*innen entwickeln neue
Verfahren zur automatisierten Sortierung von Altkleidern und
Textilabfällen

Das Förderband beschleunigt stark. Ein breiter Lichtstreifen fällt auf
eine weiße Bluse bevor sie in einen Korb fällt. Ein gelber Pullover rollt
an, wird gescannt, dann eine blaue Jeans und ein roter Mantel. Fotos der
gescannten Kleidungsstücken erscheinen auf einem Bildschirm sowie
Informationen über den Produkttyp, Farbe und Zielgruppe. Der schwarze
Textilscanner, entwickelt von einem Forscher*innenteam von TU Berlin, FU
Berlin und der Firma circular.fashion, hat das Potential, die
Altkleidersortierung zu revolutionieren und so das Second-Hand-Geschäft
deutlich attraktiver zu machen. Ein dringend notwendiger Schritt, schaut
man sich die Klimabilanz von Kleidung an. Ausgelöst durch den Fast-
Fashion-Trend verursacht die Modebranche schätzungsweise acht Prozent der
weltweiten CO2 Emissionen.

„Bisher werden Altkleider händisch sortiert. Ein zeitaufwändiger Prozess,
jedes Kleidungsstück muss zwei bis drei Mal in die Hand genommen werden,
bis Produktart und Qualitätszustand feststehen“, sagt Karsten Pufahl vom
TU-Fachgebiet für Nichtlineare Optik, der die Forschung im Projekt leitet.
Ist der gelbe Pullover in einem guten Zustand, stammt von einer
hochwertigen Marke oder entspricht den aktuellen Modetrends, eignet er
sich für den inländischen oder westeuropäischen Second-Hand-Markt. Diese
Ware wird laut Pufahl in der Branche Creme-Ware genannt, mit der sich das
meiste Geld verdienen lässt. Die Nachfrage nach Second-Hand-Kleidung
steigt, Flohmärkte, Online-Verkaufsplattformen und auch große Modeketten
bieten bereits getragene Kleidung an. Was nicht mehr tragbar ist, wird zu
Wischlappen, Malerfließ oder Autositzfüllungen verarbeitet. Der Rest der
deutschen und europäischen Alttextilien wird hauptsächlich nach Afrika
exportiert, oft auch unbrauchbare Kleidung. Das wird sich wohl in naher
Zukunft ändern. Die Europäische Union will durchsetzen, dass nicht mehr
nutzbare Kleidung nicht mehr in Drittstaaten exportiert wird und dort
Abfall verursacht. So muss zukünftig in Europa mehr sortiert werden, wofür
es aktuell zu wenig Fachpersonal gibt.

KI gestützten Bildanalyse

Genau hier setzt das Projekt CRTX an. Der schwarze Scanner ist mit einer
KI gestützten Bildanalyse ausgestattet, die schon jetzt sekundenschnell
die Produktart erkennt und ob sich das Kleidungsstück für den Second-Hand-
Markt eignet oder eher recycelt werden soll. Ein weiterer Vorteil: Das
Team um Karsten Pufahl beobachtet den aktuellen Modemarkt um Trends zu
erkennen, trainiert damit die KI und hilft so den Second-Hand-Händlern,
auf die Wünsche der Kund*innen direkt eingehen zu können. Dadurch sollen
Kleidungsstücke vermehrt ein zweites Leben finden. In Zukunft soll der
Scanner noch weitere Produktmerkmale erkennen und so eine bestmögliche
Verwertung ermöglichen. An dieser hochwertigen Sortierung wird im
Folgeprojekt gearbeitet, dass seit Mitte des Jahres läuft und durch das
Bundesministerium für Wirtschaft und Klima mit rund 2,3 Millionen Euro
gefördert wird, davon 1,3 Miollionen Euro für die TU Berlin. Aktuell steht
der Scanner bei einem großen Recyclingunternehmen in Hamburg, wo die KI
anhand von tausenden Kleidungsstücken verschiedene Qualitätsstufen lernen
soll. Interessenten für das Endprodukt gibt es bereits, eine
Patentanmeldung läuft ebenfalls.

Faser-zu-Faser-Recycling

In einem zweiten Teil des Projekts hat sich das Team der Sortierung für
das Faser-zu-Faser-Recycling gewidmet, bei dem aus Alttextilien Garn von
gleicher Qualität gewonnen wird und danach zu einem neuen Textilprodukt
verarbeitet werden kann. Diese hochwertige Recyclingmethode wird bisher
noch wenig genutzt, weil die Fasererkennung mit der bisher genutzten
Nahinfrarot-Spektroskopie zu ungenau ist. Bei wenigen Textilien, wie
weißen Bettlaken oder Jeans, lässt sich mit einiger Gewissheit sagen, aus
welchem Material sie bestehen und welche Schadstoffe sie beinhalten,
sodass daraus neue Textilien entstehen können. Schwieriger ist das bei
Kleidung, die oft aus einem Gemisch unterschiedlicher Fasern besteht. Im
Rahmen von CRTX hat Karsten Pufahl mit seinen Kolleg*innen ein Verfahren
entwickelt, das mittels Raman-Spektroskopie jede Textilart präzise
erkennen kann. Die Raman-Spektroskopie, die häufig in der Laboranalytik
verwendet wird, hatte bisher ein Problem mit Fluoreszenz. Weil organische
Materialien, aus denen auch Textilien bestehen, fluoreszieren, stören sie
die Messung. Das Forscher*innenteam hat das Verfahren derart
weiterentwickelt, dass diese Störung nicht mehr besteht.

Schadstofferkennung

Sogar bestimmte Schadstoffe können nun in den Textilien gemessen werden.
„Das ist nicht ganz so trivial, weil es kompliziert ist, sowohl die
Schadstoffe zu besorgen, als auch belastete Kleidung zu finden, die man
zum antrainieren der Software auf die Erkennung von Schadstoffen
benötigt“, sagt Karsten Pufahl. Noch sei zudem nicht klar, welches
konkrete Verfahren sich für Faser-zu-Faser-Recycling durchsetzen werde.
Aktuell gibt es eine klaffende Lücke zwischen den Sortieranforderungen
seitens der Recycler*innen und dem technisch Machbaren in der
Materialerkennung. Hier brauche es, laut Pufahl, mehr Offenheit und
weiteren Austausch auf beiden Seiten, um herauszufinden, wie genau die
Lücke geschlossen werden kann. Es wäre ein wichtiger Schritt, um Fasern
gleicher Qualität und frei von Schadstoffen zurückzugewinnen und daraus
neue, schadstofffreie Textilprodukte anfertigen zu können – ganz im Sinne
der Kreislaufwirtschaft.

Weiterführende Informationen:

Webseite des Projekts crtx.ai <https://crtx.ai/>
Webseite des Projekts fashionsort.ai <https://fashionsort.ai/>

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Grüner Wasserstoff: BAM kooperiert mit Namibia in Erforschung wegweisender Pilotanlage

Illustration der Cleanergy-Pilotanlage unweit Walvis Bay, Namibia.  Cleanergy
Illustration der Cleanergy-Pilotanlage unweit Walvis Bay, Namibia. Cleanergy

Namibia verfügt über nahezu einzigartige Bedingungen
für die Produktion von grünem Wasserstoff und ist damit ein idealer
Kooperationspartner, um den wachsenden Bedarf an erneuerbaren
Energieträgern in Europa zu decken. Die Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung (BAM) kooperiert mit Namibia bei der
Erforschung einer Wasserstoff-Pilotanlage und -tankstelle. Ziel ist es,
gemeinsam wissenschaftliche Erkenntnisse für das Upscaling von grünen
Wasserstofftechnologien zu gewinnen und ein hohes Sicherheitsniveau für
die Wasserstoffwirtschaft in beiden Ländern zu gewährleisten.

Berlin, 16.11.2023. Namibia verfügt über nahezu einzigartige Bedingungen
für die Produktion von grünem Wasserstoff und ist damit ein idealer
Kooperationspartner, um den wachsenden Bedarf an erneuerbaren
Energieträgern in Europa zu decken. Die Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung (BAM) kooperiert mit Namibia bei der
Erforschung einer Wasserstoff-Pilotanlage und -tankstelle. Ziel ist es,
gemeinsam wissenschaftliche Erkenntnisse für das Upscaling von grünen
Wasserstofftechnologien zu gewinnen und ein hohes Sicherheitsniveau für
die Wasserstoffwirtschaft in beiden Ländern zu gewährleisten.

Das Forschungsprojekt wird in der hochmodernen Wasserstoff-Pilotanlage
einige Kilometer außerhalb von Walvis Bay durchgeführt. Hierbei handelt es
sich um das derzeit fortschrittlichste Projekt für grünen Wasserstoff im
Land. Die Initiative hat weltweit bereits große Aufmerksamkeit erregt,
sowohl die Vereinten Nationen als auch die EU haben an ihr großes
Interesse bekundet. Die Fertigstellung der 5-Megawatt-Pilotanlage ist in
nur zehn Monaten geplant. Ihr Hauptziel ist die Produktion von 200 Tonnen
grünem Wasserstoff pro Jahr, der für verschiedene lokale Anwendungen u.a.
in Namibias Hafen-, Bergbau- und Transportsektor, wie auch im Straßen- und
Schienenverkehr, verwendet werden soll.

Testfeld für die künftige Wasserstoffproduktion

Die Pilotanlage dient nicht nur der Deckung des lokalen Energiebedarfs,
sondern ist auch ein wichtiges Testfeld für die Wasserstoffproduktion und
-handhabung sowie für die damit verbundenen Komponenten und die
Infrastruktur. Es handelt sich um die erste Anlage dieser Art in Namibia,
die das Land zusammen mit anderen Projekten an die weltweite Spitze in
diesem Bereich stellen. Das Projekt ist eine bemerkenswerte
Innovationsleistung und ein Beweis für das Engagement von Cleanergy
Solutions Namibia, einem Joint Venture des namibischen Unternehmens
Ohlthaver & List Group und dem belgischen Cleantech-Unternehmen CMB.TECH,
für nachhaltige Energielösungen.

"Unsere Mission ist es, die grüne Energiewende in Namibia voranzutreiben,
indem wir der führende Produzent von grünem Wasserstoff werden, die
Kohlenstoffemissionen reduzieren und das Wirtschaftswachstum ankurbeln.
Dabei nutzen wir die Solarenergieanlage von Olthaver & List und die
Expertise von CMB.TECH in der Wasserstoff- und Ammoniaktechnologie. Wir
sind sehr erfreut über die Zusammenarbeit mit der BAM, die von der
University of Namibia unterstützt wird. Dankbar sind wir Prof. Dr.
Böllinghaus von der BAM und seinem Team für ihren Einsatz, einen echten
Wandel in diesem Bereich und in der Thematik voranzutreiben," erklärt Eike
Krafft, Gruppenleiter bei Olthaver & List und Cleanergy Solutions Namibia.

Forschung soll sicheres Upscaling ermöglichen

Die BAM und ihr namibisches Pendant, das Namibia Green Hydrogen Institute
(NGHRI) an der University of Namibia (UNam), wurden von Cleanergy
eingeladen, als Forschungspartner an dem bahnbrechenden Projekt
mitzuwirken. Hauptziel der Forschung ist es, durch intensive
Untersuchungen zur Materialkompatibilität mögliche Schäden in den neuen
Produktionsanlagen zu vermeiden und damit Risiken zu reduzieren. Die aus
dieser Forschung gewonnenen Erkenntnisse werden zum sicheren und
effizienten Upscaling der Produktion von Wasserstoff und seinen Derivaten,
wie z. B. Ammoniak, beitragen. Darüber hinaus zielt die Forschung darauf
ab, den Aufbau von personellen Kapazitäten und die Verbreitung von Wissen
in Namibia zu stärken.

Der gegenseitige wissenschaftliche Austausch wird durch eine Gruppe von
Doktoranden aus Namibia erreicht. Diese werden in den nächsten drei Jahren
zum Thema Materialverträglichkeit forschen. Der Großteil ihrer Forschung
wird im Kompetenzzentrum H2Safety@BAM der BAM stattfinden, einzelne
Aspekte aber auch in der Pilotanlage in Walvis Bay. Dieser Ansatz wird es
ihnen ermöglichen, ihr Wissen in den Prozess des Hochskalierens in Namibia
einzubringen. Zudem werden sie wissenschaftliches und technisches Personal
im Land ausbilden.

Im Fokus: Innovative Werkstoffe für Wasserstoff

"Durch unser gemeinsames Forschungsprogramm werden wir innovative
Werkstoffe für geschweißte Transportleitungen, Rohrleitungssysteme und
Speichertanks identifizieren und so dazu beitragen, die Sicherheit und
Nachhaltigkeit grüner Wasserstofftechnologien zu verbessern", so Prof.
Dr.-Ing. Thomas Böllinghaus, Leiter der Abteilung Komponentensicherheit
der BAM, der das Projekt auf deutscher Seite leitet. Er fügt hinzu: "Das
Forschungsprogramm wurde sorgfältig konzipiert, damit beide Länder davon
profitieren und Vertrauen in die grüne Wasserstoffindustrie Namibias
haben.

Der Schwerpunkt liegt auf Sicherheit, Nachhaltigkeit, Kapazitätsaufbau und
wirtschaftlichem Wandel, was mit den Zielen der Industrialisierung
Namibias übereinstimmt. Wir sind unseren namibischen Partnern,
insbesondere Eike Krafft, Direktor von Cleanergy, und Prof. Dr. Kenneth
Matengu, Vizekanzler der Universität von Namibia, sehr dankbar für ihre
unschätzbaren technischen Beiträge und die Unterstützung der
Forschungsinfrastruktur für das Namibia Green Hydrogen Research Institute
(NGHRI) an der UNam."

Das Projekt an der BAM mit einem Budget von über 1 Million Euro wird vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das BMBF
stellt zudem einen Förderbeitrag von mehr als 10 Millionen Euro für die
Cleanergy-Pilotanlage in Namibia zur Verfügung.

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Hohenheimer Rieslingapfel: Verschollen geglaubte Obstsorte kehrt heim

Der Hohenheimer Rieslingapfel kehrt zurück an die Universität Hohenheim.  Lucas Pacholet
Der Hohenheimer Rieslingapfel kehrt zurück an die Universität Hohenheim. Lucas Pacholet

Mit einer Pflanzaktion der Universität Hohenheim und der Stadt Stuttgart
nehmen die Hohenheimer Gärten zwei Exemplare der alten Sorte wieder in
ihre Obhut.

Seine Früchte sind klein, sauer und eignen sich vor allem für Most: Die
Vorzüge des Hohenheimer Rieslingapfels sind gewiss nicht auf den ersten
Blick zu erkennen. Doch der Genussfaktor ist in diesem Fall nicht das
Entscheidende. Alte Obstsorten sind vielmehr ein Baustein zur Bewahrung
der genetischen Vielfalt. Der Hohenheimer Rieslingapfel galt als
verschollen, bis Hobby-Pomologen einen alten Baum in Altbach entdeckten.
Nun ist er an die Universität Hohenheim in Stuttgart zurückgekehrt – an
seinen Ursprungsort, an dem er um 1870 gezüchtet wurde.

Zwei unscheinbare Apfelbäumchen sind die Stars der Pflanzaktion in den
Hohenheimer Gärten: Am 22. November 2023 ziehen sie an ihren Platz
südöstlich des Schlosses, liebevoll eingepflanzt unter dem Beifall ihrer
Retter. Denn es sind besondere Bäume mit einer außergewöhnlichen
Geschichte.

„Der Hohenheimer Rieslingapfel wurde vor 150 Jahren an der damaligen
Landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim gezüchtet“, berichtet Dr. Robert
Gliniars, Kustos der Hohenheimer Gärten. „Die Sorte galt als verschollen,
und dass sie heute wieder zu uns ins Landesarboretum zurückkehrt, freut
uns sehr. Das ist vor allem der Spürnase der Sortenfahnder zu verdanken
und dem Engagement der Streuobstfachstelle.“

Ehrenamtliches Engagement rettet alte Obstsorten

Eine der Spürnasen ist Rudolf Brenkel. Der Ehrenvorsitzende des Obst- und
Gartenbauvereins Altbach wusste schon vor Jahren von einem ungewöhnlichen
Altbaum auf einer Streuobstwiese bei Altbach „Der Großvater der Besitzerin
war Baumwart in Hohenheim und wohl recht aktiv beim Veredeln“, berichtet
Brenkel.

„Über meine Vereinstätigkeit lernte ich Eckart Fritz kennen und zeigte ihm
den Baum.“ Der Pomologe und Sortenspezialist erkannte den Rieslingapfel.
„Mir war erst gar nicht bewusst, dass dies eine kleine Sensation ist“,
räumt Brenkel ein. Und hier kommt die zweite Spürnase ins Spiel: „Erst als
Lucas Pacholet 2019 mit mir Kontakt aufnahm, wurde mir die Bedeutung
klar.“

Der Hohenheimer Absolvent und Lehramtsstudent an der Universität Stuttgart
teilt Brenkels Begeisterung: Er kümmert sich in seiner Freizeit nicht nur
um seine eigene Streuobstwiese, sondern fahndet ebenfalls nach verschollen
geglaubten Obstsorten. „Die alten Sorten sind meist robuster und weniger
anfällig, etwa gegen Krankheiten“, erklärt er, „und vor allem auch ein
Kulturgut mit Geschichte.“

Auch wenn Brenkel aus heutiger Sicht feststellt, dass es „eine Strafarbeit
sein dürfte, diese kleinen Früchte in ausreichender Menge aufzulesen“ –
frühere Generationen zeigten sich vom Hohenheimer Rieslingapfel
begeistert. Erstmals erwähnt 1874 in der „Rheinischen Gartenschrift“, wird
die Sorte in den „Pomologischen Monatsheften“ 1880 näher beschrieben. Der
Wein aus diesen Äpfeln erinnere „in Farbe, Geschmack und Feuer an den aus
den Rieslingtrauben gewonnenen Traubenwein“, weshalb „Garteninspector
Schüle in Hohenheim“ der Sorte ihren Namen gab.
> Zum Sortensteckbrief: https://www.uni-
hohenheim.de/fileadmin/uni_hohenheim/Aktuelles/Uni-
News/Pressemitteilungen/Steckbrief_Hohenheimer_Rieslingapfel.pdf


Streuobstfachstelle sorgt für Erhalt der Sorten

Um diesen exzellenten „Weinapfel“ zu retten, haben die beiden versierten
Hobby-Pomologen auch mit Jochen Berger von der Streuobstfachstelle der
Stadt Stuttgart Kontakt aufgenommen. „Hohenheim war vor 150 Jahren einer
der Ausgangspunkte für Sortenzüchtungen, von hier aus wurden sie in ganz
Süddeutschland verteilt“, erklärt er. „Heutzutage wird ein
Standardsortiment von vielleicht 25 Sorten in fast jeder Baumschule
angeboten. Doch lokale Sorten sind oft, wenn überhaupt, nur noch als
einzelne Bäume anzutreffen.“

Sie zu retten, unterstütze die Stadt Stuttgart. „Denn die Zeit läuft uns
davon, die Altbäume sterben nach und nach ab.“ Um den Rieslingapfel für
den Streuobstanbau zu erhalten, hat er Auftragsveredelungen mit den
Reisern des Altbaumes veranlasst. „Denn Streuobstwiesen sind nicht nur ein
prägendes Kulturgut, sondern mit die artenreichsten Lebensräume, die wir
in Mitteleuropa haben.“

Genetische Vielfalt im Fokus der Hohenheimer Gärten

Die Bewahrung der genetischen Vielfalt ist auch eine der Hauptaufgaben der
Hohenheimer Gärten, betont Dr. Gliniars. „Die alten Sorten bergen ein
genetisches Potenzial, das uns nicht verloren gehen sollte. Die Erbanlagen
könnten in der Züchtung interessant werden, um neue Sorten resistenter zu
machen.“

Für den Hohenheimer Rieslingapfel kam die Rettung gerade noch rechtzeitig.
„Der alte Baum ist eine abgängige Ruine“, berichtet Brenkel, „obwohl er
jedes Jahr noch einige Äpfel trägt.“ Doch mit den beiden Bäumen in
Hohenheim und weiteren Exemplaren im Freilichtmuseum Beuren, Altbach und
Wiesbaden sei die Sorte erst einmal gesichert, meinen die Fachleute.
Demnächst wird es auch noch einen Baum mehr geben: „Auf meiner
Streuobstwiese ist gerade ein Baum abgängig“, verrät Pacholet. „Da wird
dann ein Rieslingapfel hinkommen.“

HINTERGRUND: Hohenheimer Gärten

Die Hohenheimer Gärten sind eine wissenschaftliche Einrichtung der
Universität Hohenheim. Sie umfassen vier unterschiedlich gestaltete
Gartenteile. Großflächig bieten sie abwechslungsreiche und eindrucksvolle
Gartenlandschaften. Der Erhalt von pflanzlicher Biodiversität ist zentrale
Aufgabe der Gärten. Insgesamt werden in den Hohenheimer Gärten rund 6.000
Pflanzenarten kultiviert. Das Landesarboretum Baden-Württemberg, also der
Exotische Garten und der Landschaftsgarten, beherbergt etwa 2.500
Gehölzarten. Im Hohenheimer Schlosspark sind rund 360 Gehölzarten
gepflanzt. Zusätzlich sind über 2.000 wild vorkommende Tier- und
Pflanzenarten erfasst und brachten der Universität Hohenheim im Juli 2023
den Titel „artenreichster Campus Europas“ ein.
Hohenheimer Gärten: https://gaerten.uni-hohenheim.de/

HINTERGRUND: Streuobstfachstelle der Landeshauptstadt Stuttgart

Die Streuobstfachstelle ist eine Einrichtung des Amts für Umweltschutz der
Stadt Stuttgart. Sie informiert rund um das Thema Streuobst, berät zu
Pflegemaßnahmen und bietet über den städtischen Naturschutzfonds
attraktive Fördermöglichkeiten von der Pflanzung bis zum Obstbaumschnitt.
Mehr Infos:
https://www.stuttgart.de/leben/umwelt/naturschutz/streuobstwiesen.php

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