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Kindheit und Jugend in Bayern im frühen Mittelalter: Was die Zähne über Ernährung und Migration verraten

Die Forscherinnen untersuchen die 1.500 Jahre alten Zähne auf Fehlbildungen im Zahnschmelz, sogenannte Stressmarker  Harbeck  SNSB - Staatssammlung für Anthropologie München
Die Forscherinnen untersuchen die 1.500 Jahre alten Zähne auf Fehlbildungen im Zahnschmelz, sogenannte Stressmarker Harbeck SNSB - Staatssammlung für Anthropologie München

Neue Untersuchungen zeigen, dass Kinder im frühen Mittelalter Bayerns
teilweise viel länger gestillt wurden als heute. Zudem stammen viele
Frühbayern, die um 500 nach. Chr. im Alpenvorland bestattet wurden,
ursprünglich offenbar aus ganz anderen Herkunftsgebieten, wo sie auch
anders ernährt wurden. Ein Forscherteam um die SNSB-Anthropologin Michaela
Harbeck und LMU-Doktorandin Maren Velte analysierte für ihre Studie
menschliche Zähne aus diversen archäologischen Fundstätten in Bayern. Ihre
Erkenntnisse veröffentlichen die Forscher:innen in den wissenschaftlichen
Zeitschriften PLOS ONE sowie Archaeological and Anthropological Sciences.

Zähne werden während der Kindheit gebildet und im Laufe eines Lebens kaum
umgebaut. Sie fungieren als „Archiv der Kindheit“. Ein Forscherteam um die
Anthropologin PD Dr. Michaela Har-beck, Kuratorin an der Staatssammlung
für Anthropologie München (SNSB-SAM) und die LMU-Doktorandin und
Projektmitarbeiterin an der Staatssammlung, Maren Velte, konnte durch
Isotopen-Analysen an den Zähnen erwachsener Menschen des Frühen
Mittelalters Informationen über deren früheste Lebensphase gewinnen.
Strontiumisotopen beispielsweise geben Hinweis auf die geografische
Herkunft eines Menschen, aus Analysen von Kohlenstoff und Stickstoff
ziehen die Forscher:innen Rückschlüsse auf die Ernährung. Die sogenannte
serielle Isotopenanalyse zeigt den Verlauf der Ernährung von der Geburt
bis zu einem Alter von etwa 20 Jahren. Die Anthropolog:innen können sogar
den Umstellungsprozess von Muttermilch auf feste Nahrung im Säuglings- und
Kleinkindalter der Menschen ablesen. Für ihre Arbeit analysierten die
Anthropolog:innen Zähne von Menschen, die im Frühmittelalter,
hauptsächlich in der Zeit um 500 n. Chr. auf verschiedenen Friedhöfen in
Bayern bestattet wurden.

Komplexes Einwanderungsgeschehen

Der Ursprung des heutigen Europas geht auf eine Periode zurück, die als
Völkerwanderungszeit bekannt ist. In dieser Zeit zwischen der Spätantike
und dem Mittelalter endet das weströmische Reich und ein tiefgreifender
kultureller und politischer Wandel findet statt. Viele Städte, Dörfer und
Siedlungen haben ihre Ursprünge in dieser Zeit. Im südlichen Bayern geht
im sechsten Jahrhundert aus der ehemaligen römischen Provinz Raetia
secunda das bayerische Herzogtum hervor. Welche Rolle Migration in diesem
Prozess spielte, wird bis heute diskutiert. Die Analysen stabiler Isotope
des Strontiums von über 150 frühmittelalterlichen Menschen zeigt, dass
gegen Ende des 5. Jahrhunderts überdurchschnittlich viele Menschen aus
anderen Herkunftsgebieten in die Region des heutigen Südbayern
einwanderten, Männer ebenso wie Frauen. „Wir können zwar für viele
Individuen die genauen Herkunftsgebiete nicht eingrenzen, aber wir können
zeigen, dass sie aus vielen verschiedenen Regionen kamen”, erläutert
Michaela Harbeck, Hauptautorin der Studie, ihre Ergebnisse.

Auch einige für Bayern untypische Ernährungsmuster weisen auf die
ausländische Herkunft mancher der bestatteten Menschen hin. Insbesondere
einige Frauen, die genetisch gesehen aus Südosteuropa stammen und auch
über eine besondere Schädelform verfügen, haben sich in ihrer Kindheit und
Jugend zu einem Großteil von Hirse ernährt. Hirse wird in jedoch in Bayern
zu dieser Zeit nur selten angebaut, ist aber in Osteuropa oder sogar Asien
häufig zu finden. „Offenbar sind diese Frauen in anderen Kulturkreisen
außerhalb Bayerns aufgewachsen. Bei einigen Frauen konnten wir sogar den
Zeitpunkt ihres Ernährungswechsels und damit wohl auch ihrer Einwanderung
nach Bayern eingrenzen. Viele der Frauen aus Südosteuropa sind
beispielsweise nicht als Jugendliche oder junge Frauen in die Region
gekommen - wie man es vielleicht im Rahmen von Heiratsmigration zu dieser
Zeit erwarten würde - sondern waren weit über 20 Jahre alt, als sie sich
in Bayern niederließen“, so Michaela Harbeck weiter.

Abstillen und Beikost

Bei einigen Individuen konnte die Ernährung von der Geburt bis zum ca.
zehnten Lebensjahr detailliert rekonstruiert werden, so auch die
Umstellung von Muttermilch auf feste Nahrung. Die Analysen zeigen, dass
Frauen in Spätantike und Frühmittelalter ihre Kinder weitaus länger
stillten als heutzutage. Maren Velte, wies im Rahmen ihrer Doktorarbeit
nach: „Die Entwöhnung von der Muttermilch war bei den meisten untersuchten
Frühbayern erst im dritten Lebensjahr abgeschlossen. Vor allem Frauen mit
ausländischer Herkunft sind in ihrer Kindheit offenbar länger gestillt
worden. Solch lange Stillzeiten kennt man beispielsweise von nomadischen
Völkern.“

„Entwöhnungsstress“

Grundsätzlich stellt der Entwöhnungsprozess, d.h. die allmähliche
Zufütterung von Nahrungsmitteln, die nach und nach die Muttermilch
ersetzen, ein gesundheitliches Risiko für einen Säugling dar. So sind
Kinder dann verstärkt Krankheitserregern oder Mangelernährung ausgesetzt.
Fehlbildungen im Zahnschmelz, die als sogenannte Stressmarker gelten,
zeigen in welchem Lebensalter Kinder solchen Belastungen ausgesetzt waren.
Besonders großen „Entwöhnungsstress" hatten offenbar Säuglinge, die in der
Zeit nach den gesellschaftlichen Umbrüchen in Bayern aufwuchsen: Im 7.
Jahrhundert lassen sich besonders viele dieser stressbedingten
Veränderungen der Zähne während der Kindheit beobachten. Die
Forscher:innnen vermuten hier einen Zusammenhang mit einigen grundlegenden
Veränderungen in der Ernährung der Kindheit, besonders hinsichtlich der
Beikost, genaueres könnten zukünftige Forschungen zeigen.

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Leibniz-Senat bestätigt Exzellenz der Forschungen am LIKAT Rostock

Beim Evaluierungsbesuch präsentierten LIKAT-Mitarbeitende in der Technikumshalle nicht nur Fachthemen, sondern diskutierten auch Arbeitsbedingungen, Zufriedenheit und Wünsche am „Arbeits- und Ausbildungsplatz LIKAT“ mit den Kommissionsmitgliedern.  LIKAT
Beim Evaluierungsbesuch präsentierten LIKAT-Mitarbeitende in der Technikumshalle nicht nur Fachthemen, sondern diskutierten auch Arbeitsbedingungen, Zufriedenheit und Wünsche am „Arbeits- und Ausbildungsplatz LIKAT“ mit den Kommissionsmitgliedern. LIKAT

Dem Leibniz-Institut für Katalyse in Rostock werden nach seiner
diesjährigen Evaluation „hervorragende Forschungsergebnisse“ bescheinigt,
die „international stark wahrgenommen“ werden. Der Senat der Leibniz-
Gemeinschaft empfiehlt Bund und Ländern ausdrücklich, die gemeinsame
Finanzierung der Forschungseinrichtung weiterzuführen. Nachzulesen im
soeben veröffentlichten Bericht des Senats, der das Institut Anfang des
Jahres durch ein unabhängiges Expertengremium begutachten ließ.

Mit seiner Forschung schafft das Leibniz-Institut für Katalyse, kurz
LIKAT, wissenschaftliche Grundlagen für Verfahren und Kreislaufprozesse,
die für das Ziel einer klimaneutralen Gesellschaft und für
ressourcenschonendes Wirtschaften essentiell sind. Das Institut stützt
sich dabei auch auf eine solide Expertise aus 70 Jahren
Katalysatorentwicklung in Rostock. Es zählt in diesem Bereich heute zu den
größten Forschungseinrichtungen in Europa und konnte die Kommission bei
seiner jüngsten Evaluierung im Januar 2023 erneut überzeugen: seit der
letzten Bewertung im Jahre 2016 habe sich das Institut „hervorragend
weiterentwickelt“, halten die Gutachter in ihrem Bericht fest. Zu den
„Highlights“ der Forschungsergebnisse gehörten Arbeiten zur Entwicklung
chemischer Verfahren auf der Basis von erneuerbaren Rohstoffen anstelle
fossiler Quellen, wie Erdöl und Erdgas.

Zu den Kriterien für die Einschätzung der wissenschaftlichen Güte eines
Forschungsinstituts zählen u.a. Anzahl und Reichweite von Beiträgen in
Fachzeitschriften oder Büchern sowie angemeldeten Patenten. Die Reichweite
wird daran gemessen, wie häufig die „Paper“ zitiert werden. Darüber hinaus
zählt die Relevanz der Forschung für die Gesellschaft, also die
Möglichkeit, die Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen. „Das
Institut überführt Forschungsergebnisse […] sehr erfolgreich in die
Anwendung“, heißt es im Gutachten. Allein in den Jahren 2019 bis 2021
waren LIKAT-Forscherinnen und -Forscher an 86 Patentanmeldungen beteiligt
und überführten zehn chemische Prozesse aus dem Labor in die industrielle
Produktion.

Als weiteres Kriterium für die Bewertung von Forschungsleistungen werden
die Gewinnung sogenannter Drittmittel herangezogen, zusätzliche von den
Forscher:innen des LIKAT eingeworbenen Forschungsmitteln. Diese schätzt
der Leibniz-Senat als „bemerkenswert hoch“ ein, sie kämen zu 41 Prozent
aus der Wirtschaft. Überhaupt erweise sich das LIKAT mit jährlich rund 50
Kooperationsprojekten als geschätzter Forschungspartner im In- und
Ausland. Das 2022 eröffnete Transfertechnikum „Catalysis2Scale“ erweitere
„die Kapazitäten des LIKAT, Projekte in den Pilotmaßstab zu überführen,
signifikant“.
Das Institut bietet wissenschaftlichem Nachwuchs „hervorragende
Entwicklungsmöglich-keiten“, heißt es im Evaluationsgutachten weiter.
Zwischen 2019 und 2021 promovierten insgesamt 81 Personen, bei einer
angemessenen Promotionsdauer zwischen drei und vier Jahren.

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft bekräftigt das LIKAT in seinem Wunsch,
alle gemeinsamen Professuren mit der Universität Rostock auf W3-Niveau zu
heben. Ferner wurde angeregt, ein eigenes, auf die spezifischen Instituts-
Anforderungen zugeschnittenes Doktorandenprogramm zu entwickeln und den
Anteil an Frauen im wissenschaftlichen Bereich, insbesondere auf
Leitungsebene, zu erhöhen.
Das LIKAT freue sich „über die ausgesprochen positive Bewertung“, heißt es
in der Stellungnahme des Instituts. Das Senats-Gutachten gebe wesentliche
Impulse, das LIKAT wissenschaftlich und organisatorisch
weiterzuentwickeln. Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden bereits
umgesetzt.

Leibniz-Gemeinschaft evaluiert im Turnus

Alle Leibniz-Einrichtungen werden spätestens alle sieben Jahre durch ein
unabhängiges Expertengremium evaluiert, um eine objektive Einschätzung zur
inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Institute zu liefern. Der
Bericht dieses Gremiums ist Grundlage für die Empfehlung, ob eine
Einrichtung weiterhin durch Bund und Länder finanziert werden sollte oder
nicht.
Die Verantwortung für das Evaluierungsverfahren hat die Gemeinsame
Wissenschaftskonferenz (GWK) generell dem extern besetzten Senat der
Leibniz-Gemeinschaft übertragen. Er stützt sich dabei auf die Vorschläge
des ebenfalls extern besetzten Senatsausschusses Evaluierung (SAE). Neben
einigen Mitgliedern des Senats gehören dem SAE weitere
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, die nicht an Leibniz-
Einrichtungen arbeiten, sowie Vertreterinnen und Vertreter von Bund und
Ländern.

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Hochschule für Musik und Theater München schreibt zum ersten Mal Gender & Diversity Award für ihre Studierenden aus

Der Gender & Diversity Award der HMTM wurde am 21.11.23 im Rahmen der Veranstaltung
Der Gender & Diversity Award der HMTM wurde am 21.11.23 im Rahmen der Veranstaltung "detect the unknown" in München vorgestellt. Severin Vogl HMTM

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) schreibt zum ersten
Mal den Gender & Diversity Award für ihre Studierenden aus. Mit dem Preis
stärkt die HMTM die künstlerische und wissenschaftliche Auseinandersetzung
ihrer Studierenden mit den Themenfeldern Gender & Diversity. Der
Wettbewerb soll Studierende ermutigen, sich im Rahmen künstlerischer und
wissenschaftlicher Arbeiten und Produktionen explizit mit Themen im
Bereich Gender, Diversität und Inklusion im Kontext der Künste
auseinanderzusetzen, um so die kontinuierliche Weiterentwicklung von
gender- und diversitätsbezogener Forschung zu fördern.

Unter dem Titel »#detect the unknown – Diversität in der Kunst Raum geben«
wurden der Preis und die Ausschreibung in einer öffentlichen
Auftaktveranstaltung am Dienstag, den 21. November 2023 in der Arcisstraße
12 vorgestellt. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sprachen Dorte Lena
Eilers (Professorin für Kulturjournalismus und Gleichstellungsbeauftragte
der HMTM), Elisa Erkelenz (Outer National), Konstantin Udert (Detect
Classic Festival), Tizian Jost (Professor für Jazz-Klavier am Jazz
Institut der HMTM), Meike Harms (Bühnenpoetin), Laudine Dard (Harfenistin
und Alumna der HMTM) sowie Laure Cazin (Sängerin und Studentin an der
HMTM). Die Diskussion wurde eingerahmt von einem Spoken Word-Vortrag der
Bühnenpoetin Meike Harms sowie vielfältigen künstlerischen Beiträgen von
Studierenden und Alumni verschiedener Ausbildungsbereiche der HMTM.

Prof. Dr. Sonja Stibi, Vizepräsidentin für Lehrentwicklung, Diversität und
Forschung an der HMTM und Professorin für Musikvermittlung:
»Der Award greift gesellschaftlich relevante Themen auf und honoriert
einfallsreiche Konzepte unserer Studierenden. Er setzt ein Zeichen, soll
ermutigen, neue Themen, Figuren, Fragestellungen, künstlerische Praxen und
Werke sicht- und hörbar zu machen, und bildet eine Plattform für
inspirierende Konzepte, Maßnahmen und persönliches Engagement. Im
Idealfall gelingt es, dass der Award in die Lehre, Arbeitsbereiche und
Veranstaltungen der Hochschule zurückstrahlt und Veränderungsprozesse für
mehr Vielfalt in der Kunst in Gang bringt.«

Prof. Dorte Eilers, Beauftragte für die Gleichstellung von Frauen in
Wissenschaft und Kunst an der HMTM und Professorin für Kulturjournalismus:
»Ungleichbehandlung hat mitunter damit zu tun, dass wir uns der
Stereotypen, die dahinterliegen, gar nicht bewusst sind. Mädchen greifen
in der Musikschule eher zur Geige als zur Posaune; Symphoniekonzerte
werden fast ausschließlich mit Werken des klassischen, europäischen Kanons
bestückt – und in den Medien fällt dies niemandem auf. Der Award zeichnet
Studierende aus, die mit kreativen, künstlerischen, wissenschaftlichen
Mitteln zeigen, dass unser Kunstbetrieb, wenn er sich öffnet, so
vielfältig sein kann wie die Welt, die uns umgibt.«

Laure Cazin, Studentin an der HMTM in den Studiengängen Gesang und
Chorleitung:
»Für mich ist dieser Award verbunden mit der Hoffnung, dass sich in dem
sehr konservativen Bereich der (klassischen) Musik endlich mehr verändert.
Dass man Kunst und gesellschaftliche Problematiken nicht mehr trennt,
sondern eng miteinander verknüpft. Ich hoffe auf zahlreiche und spannende
Bewerbungen von uns Studierenden!«

Der Gender & Diversity Award ist mit 500,- Euro dotiert und wird durch
eine Jury, bestehend aus Lehrenden der HMTM, einem Mitglied des
Gleichstellungsteams der Hochschule sowie zwei Studierenden, einmal
jährlich für bis zu drei Konzepte vergeben.

Die Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ist ein Begegnungsort
von Menschen, Ideen, Kunst und Kultur und eine Gemeinschaft von Menschen
unterschiedlicher ethnischer, kultureller oder sozialer Herkunft,
verschieden in Weltanschauung, körperlicher und seelischer Verfassung,
Alter, Geschlecht, sexueller Identität und Orientierung. Vor diesem
Hintergrund lebt und fördert die HMTM Diversität und setzt sich für
Antidiskriminierung und Inklusion ein. Sie versteht Diversität als
integralen Bestandteil von Qualität in Studium und Lehre.

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9. Biennale Tanzausbildung 2024 erstmals zu Gast an der Ballett-Akademie der HMTM in München

Biennale Tanzausbildung 2023  Sibylle Nunez Dias  AK|T - Ausbildungskonferenz Tanz/
Biennale Tanzausbildung 2023 Sibylle Nunez Dias AK|T - Ausbildungskonferenz Tanz/

19.–25. Februar 2024: 9. Biennale Tanzausbildung 2024 München zum Thema
»Ideals and Role Models. Best Practice in Dance« - Vorbilder und Ideale
aus ästhetischer und ethischer Sicht. Mit Gästen und jeweils Großen ihres
Fachs wie Alexei Ratmansky, Germaine Acogny, Julie Shanahan, Simone
Sandroni, Craig Davidson, Eisa Jocson, Michael Freundt, Anne do Paço,
Julian MacKay u.a.

Der Bundeswettbewerb Biennale Tanzausbildung kommt unter dem Titel »Ideals
and Role Models. Best Practice in Dance« 2024 zum ersten Mal nach München:
Vom 19. bis zum 25. Februar 2024 wird die 9. Ausgabe der Biennale
Tanzausbildung von der Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und
Theater München (HMTM) ausgerichtet, der einzigen staatlichen
Ausbildungsstätte für professionellen Bühnentanz in Bayern. Als zentrales
Projekt der Ausbildungskonferenz Tanz (AK|T), dem Forum für Austausch und
Begegnung von Studierenden und Lehrenden der professionellen Tanz-
Ausbildungsinstitutionen in Deutschland, bietet die 9. Biennale
Tanzausbildung 2024 München wichtige Einblicke in aktuelle Entwicklungen
im Tanz und gibt dadurch auch Impulse für die jeweilige lokale Szene.

Im Fokus des Programms der 9. Biennale Tanzausbildung 2024 München stehen
die Auseinandersetzung mit den ästhetischen und ethischen Aspekten von
Idealen und Vorbildern im Tanz. Unter dem Titel »Ideals and Role Models.
Best Practice in Dance« geht es um das Hinterfragen und Reflektieren von
Diversität und Vielfalt im professionellen Tanz und in der professionellen
Tanzausbildung im Mittelpunkt der internen Workshops, Lectures und der
öffentlichen Veranstaltungen, insbesondere einem Fach-Symposium am Freitag
(23.2.). Der Umgang mit diesen Themenfeldern in kreativen Prozessen, unter
ethischen Fragestellungen sowie im Kontext mit gesellschaftlichen und
sozialen Entwicklungen wird dabei ebenso beleuchtet wie die Rolle der
zunehmenden Digitalisierung und der sozialen Medien und deren Auswirkungen
auf die Kunstform Tanz.

Für die internen Workshops mit den Studierenden, ein gemeinsames
Choreografie-Projekt, das im Rahmen der Biennale Tanzausbildung entwickelt
wird, und das geplante Fach-Symposium konnten weltweit renommierte Gäste
gewonnen werden, die unterschiedliche Aspekte von Diversität, Idealen und
Rollenbildern im Tanz repräsentieren: Alexei Ratmansky New York City
Ballet (New York), die Choreografin und Gründerin der senegalesischen
École de Sable, Germaine Acogny (Dakar), Julie Shanahan vom Tanztheater
Wuppertal Pina Bausch (Wuppertal), Simone Sandroni (Brüssel), Anne do Paço
(Wien), Craig Davidson (Zürich), Eisa Jocson (Manila), Julian MacKay
(München) und Michael Freundt (Berlin) u.a.

Prof. Dr. Sonja Stibi, Vizepräsidentin für Lehrentwicklung, Diversität und
Forschung an der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM): »Dass
die 9. Biennale Tanzausbildung 2024 an unserer Ballett-Akademie in München
zu Gast ist, ist für uns ein weiterer Ansporn zur Weiterentwicklung
unserer Tanzausbildung. Die Auseinandersetzung mit Idealen und Vorbildern
im Tanz ist ein Thema, das aktuelle gesellschaftliche und künstlerische
Diskussionen aufgreift. Höchste künstlerische Leistungen stehen in Balance
mit Gesundheit, Respekt und Diversität. Dies in der Ausbildung zu
gewährleisten, ist unser Anspruch an der HMTM. Die Biennale Tanzausbildung
2024 leistet hierzu einen wichtigen Beitrag.«

Prof. Jan Broeckx, Leiter der Ballett-Akademie der HMTM: »Die 9. Biennale
Tanzausbildung 2024 München wird für unsere Ballett-Akademie weitere
wichtige Impulse ganz im Sinne unseres pädagogischen Konzepts liefern, das
wir im Jahr 2020 eingeführt haben. Unsere Studierenden stellen wir
ganzheitlich als Menschen in den Mittelpunkt unserer Ausbildung und
verbinden dies mit der Tradition der Waganowa-Methode im Ballett. Die
Reflexion von Rollen, Idealen und Vorbildern sowohl in der künstlerischen
Praxis als auch auf ethischer Ebene, wie jetzt im Rahmen der Biennale
Tanzausbildung oder 2022 bei unserem Symposium Tanzausbildung im Wandel,
ist eine wichtige Ergänzung unserer Ausbildungsinhalte.«

David Russo und Anna Beke, Lehrende der Ballett-Akademie der HMTM und
Vertreter*innen für das kuratorische Team der Münchner Ausgabe der
Biennale Tanzausbildung: »Ideale und Rollenbilder spielen gerade im Tanz
eine grundlegende, da auch körperliche Rolle. Mit der 9. Biennale
Tanzausbildung 2024 München wollen wir alle Teilnehmenden ermutigen, neue
Einsichten in Bezug auf Ideale zu suchen, Fragen zu stellen, gemeinsam zu
reflektieren und sich selbst in diesen spezifischen Kontext zu setzen und
positive Impulse aufzunehmen. Wir hoffen auf wichtige Impulse für die
gesamte deutsche Tanzausbildung.«

Im Rahmen der 9. Biennale Tanzausbildung 2024 München werden Studierende
und Lehrende aus neun staatlichen Tanzausbildungsstätten in Deutschland
zusammenkommen (das Ballettzentrum Hamburg – John Neumeier, die Folkwang
Universität der Künste Essen, die Hochschule für Musik und Darstellende
Kunst Frankfurt am Main, die Hochschule für Musik und Tanz Köln mit ihrem
Zentrum für Zeitgenössischen Tanz, die HMTM mit ihrer Ballett-Akademie,
das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz in Berlin, die Staatliche
Ballettschule Berlin, die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende
Kunst Mannheim / Akademie des Tanzes sowie die Palucca Hochschule für Tanz
Dresden. Außerdem sind fünf internationale Ausbildungsinstitutionen vor
Ort: Budapest Contemporary Dance Academy Hungary, Royal Conservatoire of
Dance the Hague, l’École de Sable Senegal, National Ballet School of
Canada, Taipei National University of the Arts Taiwan.

An fünf Abenden in der Muffathalle München kann sich das tanzinteressierte
Publikum dabei auf öffentliche Veranstaltungen freuen. Am Freitag, 23.
Februar 2024 findet das öffentliche Fach-Symposium zum Thema der 9.
Biennale Tanzausbildung 2024 München statt. Anmeldung und Vorverkauf
beginnen am 1. Dezember 2023.

Das Programm der 9. Biennale Tanzausbildung wird durch das kuratorische
Team konzipiert und umgesetzt, bestehend aus den HMTM-Lehrenden David
Russo, Anna Beke, Jan Broeckx, Simone Geiger-Liebreich und Isabelle Severs
sowie als künstlerische Beraterin Bettina Wagner-Bergelt.

Die 9. Biennale Tanzausbildung 2024 München ist eine Veranstaltung der
Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München in
Zusammenarbeit mit dem Muffatwerk München, gefördert vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung, dem Bayerischen Staatsministerium für
Wissenschaft und Kunst und dem Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

Hintergrund:

Ausbildungskonferenz Tanz und Biennale Tanzausbildung
Der Bundeswettbewerb Biennale Tanzausbildung ist das wichtigste gemeinsame
Projekt der nationalen Ausbildungskonferenz Tanz (AK|T), die sich als
Forum für den Austausch und die Begegnung von Studierenden und Lehrenden
versteht. Mitglieder der AK|T sind zehn staatlich anerkannte
Tanzausbildungsinstitutionen in Deutschland. Seit 2008 findet die Biennale
Tanzausbildung an wechselnden Orten statt. Sie wird vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung als Bundeswettbewerb zur Förderung des
tänzerischen Nachwuchses finanziert.

Ballett-Akademie der HMTM
Die Ballett-Akademie der Hochschule für Musik und Theater München ist die
einzige staatliche Ausbildungsstätte für professionellen Bühnentanz in
Bayern und wird seit 2010 von Prof. Jan Broeckx geleitet. Jedes Jahr
trainieren in den Gebäuden in der Wilhelmstraße in München zwischen 40 und
50 Studierende im Bachelor-Studiengang Tanz (verteilt auf drei Jahrgänge)
sowie ca. 70 Jungstudierende, die noch während ihrer Schulzeit ihrer
besonderen Begabung im Ballett folgen. Ausgangspunkt der Ausbildung ist
die Waganowa-Methode, seit Oktober 2020 bildet das pädagogische Konzept
der Ballett-Akademie, das die ganzheitliche Wahrnehmung der jungen
Tänzer*innen in seinen Mittelpunkt stellt, die verbindliche Grundlage der
Ausbildungsarbeit.
Die Ballett-Akademie wurde 1995 von Konstanze Vernon gegründet. Als
Kooperation der Ballett-Akademie, des Bayerischen Staatsballetts und der
Heinz Bosl-Stiftung ist auch das Bayerische Junior Ballett München eine
wichtige Schnittstelle zur Arbeit in einer professionellen Kompagnie.

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