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35 Jahre weltweite Abflussdaten: Das Global Runoff Data Centre feiert Jubiläum

Das GRDC ist seit 1988 an der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG)
angesiedelt und feiert in diesem Jahr sein 35-jähriges Bestehen. Seit
seiner Gründung ist die Kernaufgabe des GRDC historische Abflussdaten zu
sammeln, diese zu pflegen und internationalen Forschungsprojekten zur
Verfügung zu stellen. Ziel ist es, das GRDC als digitalen Dienstleister
für globale Abflussdaten weiterzuentwickeln.

Die hydrologische Größe "Abfluss" ist eine wichtige Variable im globalen
Wasserkreislauf sowie für das Wasserressourcenmanagement. Abfluss ist
zudem eine relevante Klimavariable, da der Eintrag von Süßwasser in die
Weltmeere Einfluss auf die Temperaturverteilung, den Salzgehalt der Meere
und auf ozeanografische Zirkulationssysteme hat. „Das GRDC beherbergt die
umfangreichste globale Datenbank von qualitätsgeprüften Abflussdaten,
sogenannten Jahrbuchdaten oder historischen Daten. Wir sammeln nur Tages-
und Monatsmittelwerte – keine ungeprüften Echtzeitdaten“, sagt Dr. Simon
Mischel, der kürzlich seinen Dienst als neuer Leiter des Datenzentrums
angetreten hat.

Derzeit liegen in der Datenbank Abflussdaten von etwa 10.700 Stationen aus
160 Ländern vor. „Unsere Statistik zeigt, dass GRDC-Daten in den letzten
beiden Jahren von Nutzenden aus mehr als 130 Ländern angefordert wurden“,
erklärt der Geograph. Die Anwender/-innen der Datenbank reichen von
Studierenden, welche die Daten für Abschlussarbeiten benötigen, bis hin zu
internationalen Forschungsprogrammen und Organisationen, die weltweite
Untersuchungen durchführen. An einigen davon ist das GRDC auch selbst
beteiligt, wie beispielsweise dem „State of Global Water Resources“
Bericht der WMO sowie dem Bericht des „Global Climate Observing System
(GCOS)“, dessen Ergebnisse direkt in die UN-Klimakonferenzen einfließen.

Wichtiger Partner in der UN Water Family

„Der Abfluss ist nur einer von vielen wichtigen hydrologischen Parametern.
Daher arbeiten wir u. a. eng mit dem Internationalen Zentrum für
Wasserressourcen und Globalen Wandel (ICWRGC) zusammen, welches ebenfalls
an der BfG angesiedelt ist“, sagt Simon Mischel. Am ICWRGC werden zwei
weitere globale Wasserdatenzentren geführt, nämlich das GEMS/Water
Datenzentrum (GWDC), das im Auftrag des Umweltprogramms der Vereinten
Nationen Wasserqualitätsdaten sammelt sowie das Internationale
Bodenfeuchtenetzwerk ISMN. Weltweit gibt es weitere globale
Wasserdatenzentren, die alle zusammen für die Erfassung unterschiedlicher
Parameter des hydrologischen Kreislaufs zuständig sind (z. B. für
Grundwasser, Isotopen, See- oder Gletscherbeobachtungen).

Diese Zentren werden von anderen Nationen und unter verschiedenen
Schirmherrschaften betrieben. Sie stellen wichtige Partnerdatenzentren für
das GRDC dar. Die Zusammenarbeit erfolgt beispielsweise im Rahmen des
Globalen Terrestrischen Netzwerks für Hydrologie (GTN-H), welches im
ICWRGC mit Mandat von der WMO organisiert wird und ein Programm vom Global
Climate Observing System GCOS ist. In diesem internationalen Netzwerk ist
das GRDC ein starker Partner in der sogenannten UN Water Family und trägt
wesentlich zum Berichtswesen der Vereinten Nationen bei.

Digitaler Dienstleister für globale Abflussdaten

„Der rasante technische Fortschritt im Bereich Daten und Digitalisierung
eröffnet uns viele neue Möglichkeiten“, sagt der GRDC-Leiter. So arbeitet
das GRDC aktiv daran, die Datensätze entsprechend den FAIR-Prinzipien
(Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) verfügbar zu machen. Dazu
gehört die Anwendung freier Software und das Angebot, den Nutzenden die
Daten über Datenrepositorien und Programmierschnittstellen zur Verfügung
zu stellen. Ein Meilenstein ist hier die kürzlich erfolgte
Veröffentlichung des Caravan-Datensatzes, mit dem den Forschenden ein
Teildatensatz freier GRDC-Stationen inklusive meteorologischer Daten und
Einzugsgebietsattribute angeboten wird.

Anspruch des Zentrums ist es, das GRDC als digitalen Dienstleister für
globale Abflussdaten weiter zu entwickeln und an der BfG weiter zu
betreiben. Grundlagen dazu sind u. A. eine zuverlässige Dateninfrastruktur
und wie oben schon erwähnt die internationale Zusammenarbeit mit weiteren
Datenzentren und den vorhandenen Partnern.

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Klimahack für die Stahlindustrie: Neues Verfahren macht Roheisenherstellung nachhaltiger

Mehrere hundert Millionen Tonnen CO2 pro Jahr in der weltweiten
Stahlproduktion einsparen – das wollen Forschende des Karlsruher Instituts
für Technologie (KIT) und der Industriepartner SMS group mit einem neuen
Verfahren vorantreiben. Dieses basiert auf der Modernisierung bestehender
Hochofentechnologie mit moderaten Investitionen und wurde bereits
erfolgreich in einer Pilotanlage demonstriert. Die Forschenden berichten
in der Fachzeitschrift Energy Advances. (DOI:
https://doi.org/10.1039/D3YA00227F)

Rund acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gehen auf das Konto der
Stahlindustrie. „Das muss sich ändern – und zwar schnell“, sagt Professor
Olaf Deutschmann vom Institut für Technische Chemie und Polymerchemie
(ITCP) des KIT. Langfristig gebe es dank neuer Wasserstofftechnologien
zwar eine klimaneutrale Perspektive, doch bis dafür weltweit ausreichend
grüner Wasserstoff zur Verfügung stehe und neu gebaute Anlagen in Betrieb
gingen, vergingen noch einige Jahre: „In der Klimakrise haben wir dafür
keine Zeit, wir müssen schon jetzt gegensteuern.“ Schnell einen deutlichen
Effekt auch in konventionellen Anlagen erzielen ließe sich mit einem neuen
Verfahren, das seine Forschungsgruppe gemeinsam mit dem Industriepartner
SMS group mit Paul Wurth Entwicklungen und dem Start-up omegadot aus dem
KIT demonstriert hat. „Das Potenzial ist enorm. Wir erwarten, dass sich
durch die Nachrüstung bestehender Hochöfen bei moderaten
Investitionskosten etwa zwei bis vier Prozent der weltweiten direkten
CO2-Emissionen einsparen lassen“, so Deutschmann.

Neues Verfahren reduziert Emissionen und spart Energie

Das neue Verfahren setzt beim Rohstoff Eisen an, den die Stahlwerke meist
direkt aus Bergbauerzen gewinnen, in denen er in oxidierter Form vorliegt.
Üblicherweise erfolgt die Reduktion, also das Entfernen des Sauerstoffs,
mithilfe von Koks im Hochofen. Dieser liefert nicht nur als Brennstoff die
notwendige Energie für die Schmelze, sondern dient gleichzeitig auch als
Reduktionsmittel für die chemische Reaktion. „Koks wird speziell für
diesen Zweck in einem energieintensiven Prozess aus fossiler Kohle
gewonnen“, sagt Philipp Blanck vom ITCP, der eng mit SMS group an der im
Stahlwerk integrierten Pilotanlage zusammengearbeitet hat. „In unserem
Verfahren recyceln wir CO2 aus dem Hochofengas mit Kokereigas, um ein
Synthesegas mit hohem Wasserstoffanteil zu produzieren, das als Koksersatz
im Hochofen genutzt werden kann.“

Um eine bestehende Anlage nachzurüsten, müssen vorhandene
Heißwinderzeuger, auch Cowper genannt, modifiziert werden. In diesen
Cowpern werden dann Methan und CO2 aus dem Kokereigas zusammen mit CO2 aus
dem Hochofengas zu Synthesegas, einem Gemisch aus Wasserstoff und
Kohlenmonoxid, umgesetzt. Dieser Prozess, die sogenannte
Trockenreformierung, erfordert eine hohe Temperatur, die zum großen Teil
aus der Prozesswärme des Hochofens gewonnen wird. Das Synthesegas wird
anschließend in den Hochofen eingeblasen und unterstützt dort die
Reduktion des Eisenoxids. „Pro Tonne erzeugtem Stahl können so
signifikante Mengen an Koks eingespart werden, was wiederum die
spezifischen CO2-Emissionen um bis zu zwölf Prozent senkt“, so Blanck.

Erfolgreiche Demonstration mit Industriepartnern

Demonstration und Validierung des Verfahrens erfolgten bei der Aktien-
Gesellschaft der Dillinger Hüttenwerke (Dillinger) im Saarland. Der
Transfer wurde auch durch die Zusammenarbeit mit der omegadot software &
consulting GmbH, einer Ausgründung aus dem KIT, ermöglicht. Das auf
Industriesoftware spezialisierte Start-up entwickelt eine Software, die
eine präzise Simulation und Visualisierung des Verfahrens ermöglicht und
das Scale-up hin zu einer Industrieanlage maßgeblich unterstützt.

Die Pilotanlage wird von SMS group gemeinsam mit den Partnern Dillinger
und Saarstahl, die Stahl mit weniger CO2-Emissionen produzieren wollen, in
Dillingen betrieben. „Es ist wichtig zu betonen, dass die Integration des
neuen Verfahrens in das Werk nur ein erster Schritt in der Transformation
der Stahlindustrie sein wird“, sagt Gilles Kass aus der
Forschungsabteilung bei SMS group, der ebenfalls an dem Artikel
mitgearbeitet hat.
(mhe)

Details zum KIT-Zentrum Energie: https://www.energie.kit.edu/

Kontakt für diese Presseinformation:

Dr. Martin Heidelberger, Pressereferent, Tel.: +49 721 608-41169, E-Mail:
<Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.>

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und
vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den
globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie,
Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 800
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in
Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften
zusammen. Seine 22 300 Studierenden bereitet das KIT durch ein
forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle
Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die
Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und
Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und
Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Das KIT ist eine der
deutschen Exzellenzuniversitäten.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter:
https://www.kit.edu/kit/presseinformationen.php

Originalpublikation:
Philipp Blanck, Gilles Kass, Klaus Peter Kinzel, Olaf Deutschmann: Dry
reforming of steelworks off-gases in a pilot plant integrated into a steel
mill: influence of operating parameters; Energy Advances, 2023. DOI:
10.1039/d3ya00227f
https://pubs.rsc.org/en/content/articlehtml/2023/ya/d3ya00227f

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Grippe-Impfung: Darauf sollten Herzpatienten achten

Schutz vor Grippe ist für Herzpatienten besonders wichtig, Impfung auch
jetzt noch ratsam. Risiko für Herzbeteiligung lässt sich verringern.
Steigende Corona-Infektionszahlen: STIKO rät zu Auffrischimpfung

Für Patienten mit Herzerkrankungen wie Vorhofflimmern, koronare
Herzkrankheit (KHK), Herzklappenerkrankungen oder Herzschwäche
(Herzinsuffizienz) ist es besonders wichtig, das Herz vor einer
zusätzlichen Schädigung durch eine Grippe (Influenza) zu schützen. Zum
einen ist ihr Risiko, schwer an der Grippe zu erkranken oder eine
Folgeinfektion zu erleiden, deutlich erhöht. Und eine echte Grippe
(Influenza) wirkt sich bei etwa jedem zehnten Erkrankten zusätzlich auch
auf das Herz aus, z. B. in Form einer Myokarditis. „Auch ein Entgleisen
der Herzschwäche bis hin zur Krankenhauseinweisung kann durch einen
schweren Krankheitsverlauf einer Grippevirus- oder Pneumokokkeninfektion
verursacht sein. Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sollten sich
gegen das Influenzavirus und gegen Pneumokokken, die Haupterreger einer
Lungenentzündung, impfen lassen“, betont der Kardiologe und
Intensivmediziner Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer, Vorstandsvorsitzender
der Deutschen Herzstiftung. Eine Pneumokokken-Impfung wird auch Menschen
ab 60 Jahren oder Jüngeren mit einem besonderen Gesundheitsrisiko wie eine
chronische Lungenerkrankung empfohlen.
Angesichts aktuell steigender Covid-19-Infektionszahlen macht die
Herzstiftung auch auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO)
(1) zu Auffrischimpfungen gegen Covid-19 für Personen mit erhöhtem Risiko
für schwere Covid-19-Verläufe aufmerksam. Zusätzlich zur Basisimmunität
verringern weitere Auffrischimpfungen gegen Covid-19 das Risiko für
schwere Krankheitsverläufe, Hospitalisierungen und Covid-19-bedingte
Todesfälle.

Grippe-Impfung: Für wen und wann empfohlen?
Bester Zeitraum für die Grippeschutzimpfung ist von Oktober bis November.
Aber auch wenn die Grippewelle im Dezember und Januar startet, kann man
sich noch impfen lassen. Eine Impfung wird vor allem folgenden
Personengruppen empfohlen:
- Älteren Menschen ab dem 60. Lebensjahr
- Menschen mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung infolge einer
Grunderkrankung, beispielsweise chronischen Atemwegserkrankungen oder
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes
- Schwangeren
- Medizinischem Personal und Betreuern von Risikopatienten
- Beschäftigten in Einrichtungen mit hohem Publikumsverkehr

Wichtig zu wissen: Die Grippe-Impfung bietet keinen hundertprozentigen
Schutz vor einer Ansteckung, u.a. weil sich Grippeviren jährlich
verändern. Deshalb muss die Grippe-Impfung auch jedes Jahr neu erfolgen.
Herzstiftungs-Experten raten zur Vierfachimpfung wegen des besseren
Schutzes im Vergleich zu einer Dreifachimpfung. Diese schützt nur vor den
Influenza-A-Viren und einem Influenza-B-Virusstamm, die Vierfachimpfung
hingegen schützt zusätzlich vor einem weiteren Influenza-B-Virusstamm. Die
Wirkung ist also breiter. Weitere Informationen zur Grippe-Impfung und zu
Maßnahmen für einen besseren Schutz vor Infektionen wie Hygiene-
Vorkehrungen (Händewaschen) bietet die Herzstiftung unter
https://herzstiftung.de/grippeimpfung-und-grippewelle

Herzbeteiligung: Warum Grippeviren das Herz angreifen können
Dass Grippeviren für Herzpatienten gefährlich werden können, hat mehrere
Gründe. Zum einen bleiben die Viren nicht ausschließlich in den Atemwegen,
sondern breiten sich im ganzen Körper aus und können auch das Herz
angreifen. Zum anderen ist die Lunge speziell bei Patienten mit
Herzschwäche besonders anfällig. „Bei einer Herzschwäche kann sich
aufgrund der verringerten Pumpleistung Blut in die Lungen zurückstauen“,
erklärt Prof. Voigtländer, Ärztlicher Direktor des Agaplesion Bethanien-
Krankenhauses in Frankfurt am Main. Dadurch werde das Organ anfälliger für
Infektionen. „Ein Entgleisen der Herzschwäche, die sogenannte
Herzdekompensation, ist ein Notfall und häufig die Folge eines
zusätzlichen Ereignisses. Das können Herzrhythmusstörungen, ein
plötzlicher Blutdruckanstieg, Fehler bei der Medikamenteneinnahme, aber
auch Infektionskrankheiten wie Grippe oder Covid sein.“ Eine rechtzeitige
Grippe-Impfung oder eine an die neuen Coronavirusvarianten angepasste
Auffrischimpfung trägt dazu bei, dieses Risiko einer Dekompensation zu
verringern.

Vorsicht auch bei grippalem Infekt geboten
Die meisten Infektionen der oberen Atemwege werden nicht durch
Influenzaviren, sondern durch andere Viren wie Adenoviren oder Rhinoviren
hervorgerufen. Man spricht dann vom grippalen Infekt im Unterschied zur
echten Grippe (Influenza) – auch wenn mitunter die Symptome ähnlich sind.
Allerdings kann auch ein grippaler Infekt eine Herzbeteiligung wie eine
Herzmuskelentzündung (Myokarditis) – wenn auch seltener als Influenzaviren
– begünstigen, vor allem, wenn sich der Erkrankte nicht genügend schont
und auskuriert. Infos über die Symptome einer Herzbeteiligung unter:
https://herzstiftung.de/sport-nach-erkaeltung

Covid-19-Auffrischimpfungen wird Risikogruppen empfohlen
Nachweislich kritisch ist auch eine Infektion mit SARS-CoV-2 für
Herzkranke. Gerade aktuell steigen auch wieder die
Covid-19-Infektionszahlen. Weil durch die Auffrischimpfung das Risiko für
schwere Krankheitsverläufe, Hospitalisierungen und Covid-19-bedingte
Todesfälle verringert wird, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO)
(1) daher Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Covid-19-Verläufe
zusätzlich zur Basisimmunität weitere Auffrischimpfungen gegen Covid-19,
das sind
- Personen ab 60 Jahren,
- Personen ab dem Alter von 6 Monaten, die aufgrund einer Grundkrankheit
(z. B. chronische Erkrankungen der Atmungsorgane, chronische Herz-
Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes, Adipositas) besonders
gefährdet sind, schwer an Covid-19 zu erkranken,
- BewohnerInnen in Einrichtungen der Pflege.

Ebenso empfiehlt die STIKO weitere Auffrischimpfungen
- Personen mit einem erhöhten arbeitsbedingten Infektionsrisiko
(medizinisches oder pflegerisches Personal),
- Familienangehörige und enge Kontaktpersonen von Personen unter
immunsuppressiver Therapie, die durch eine Covid-19-Impfung selbst nicht
sicher geschützt werden können.

Allen Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren (inklusive Schwangere)
empfiehlt die STIKO den Aufbau einer Basisimmunität – sofern nicht schon
im Zuge der Pandemie vorhanden. Dafür muss das Immunsystem dreimal Kontakt
mit Bestandteilen des Erregers gehabt haben, davon mindestens zweimal
durch die Impfung und einmal mit dem Erreger selbst (Infektion). Aktuell
sind für die Auffrischimpfung an die neuen Virusvarianten angepasste
Impfstoffe von mehreren Herstellern zugelassen. Beide Schutzimpfungen –
gegen Grippe und gegen Covid-19 – können übrigens an einem Tag
durchgeführt werden. Ein Kombi-Impfstoff ist allerdings noch in der
Entwicklung.

Literatur:
(1) Robert Koch-Institut (RKI), COVID-19-Impfempfehlung (Stand:
18.9.2023): https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/COVID-
Impfen/FAQ_Liste_STIKO_Empfehlungen.html

STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung, in: Robert Koch-Institut,
Epidemiologisches Bulletin 21/2023 vom 25. Mai 2023, Seiten 2-3:
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2023/Ausgaben/21_23.pdf?__blob=publicationFile

Service:
Informationen zur Grippe-Impfung und zu Maßnahmen für einen besseren
Schutz vor Infektionen wie Hygiene-Vorkehrungen (Händewaschen) bietet die
Herzstiftung unter https://herzstiftung.de/grippeimpfung-und-grippewelle

Wie erkenne ich, dass mein Herz infolge einer Grippe geschädigt ist? Und
wie lange muss ich nach einer Erkältung, einem grippalen Infekt oder einer
Grippe mit dem Sport pausieren? Antworten auf diese und viele weitere
Fragen gibt Sportkardiologe Prof. Dr. med. Jürgen Scharhag vom
Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung unter
https://herzstiftung.de/sport-nach-erkaeltung

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„Insectopolis“ - ISOE vergibt Kunststipendium zum Thema Insektenvielfalt in der Stadt

Um den Trend des weltweiten Insektenschwunds aufzuhalten, müssen Insekten
Lebensräume zurückgewinnen, in Agrarlandschaften wie in Städten.
Voraussetzung dafür ist, dass Menschen wertschätzend auf Insekten und ihre
Ökosystemleistungen blicken und die Bereitschaft aufbringen, zum
Insektenschutz beizutragen. Hierfür werden im Forschungsprojekt SLInBio
unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung
Erlebnisräume entwickelt, in denen Bürger*innen die Vielfalt der Insekten
auf positive Weise erleben können – etwa durch künstlerische Arbeiten zum
Wert der Insektenvielfalt im öffentlichen Raum. Für eine solche Arbeit
vergibt das ISOE im Zuge des Projekts nun ein Stipendium.

Nicht nur Wissenschaft und Forschung können Ergebnisse hervorbringen, die
den Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen verändern helfen. Auch
Kunst kann dazu anregen, Fragen zu komplexen Themen auf einer persönlichen
wie auch gesellschaftlichen Ebene so zu reflektieren, dass transformative
Kräfte entstehen – eine Grundvoraussetzung für Veränderungen. „In der
Verbindung von Kunst und Wissenschaft liegt deshalb ein großes Potenzial
für sozial-ökologische Transformationen“, sagt ISOE-Biodiversitätsforscher
Florian Dirk Schneider.

Dieses Potenzial macht sich das transdisziplinäre Forschungsprojekt
SLInBio unter der Leitung des ISOE zunutze, das sich dem Erhalt von
Insektenvielfalt in der Stadt widmet: „Im Zusammenspiel von
wissenschaftlichen Erkenntnissen und künstlerisch-ästhetischen
Perspektiven können nicht nur neue Erlebnis- und Denkräume entstehen“,
erklärt Schneider, „die Kommunikation zwischen unterschiedlichen
Disziplinen kann auch neues Wissen und dringend notwendige neue Narrative
hervorbringen, mit denen sich Menschen für den Schutz der Insektenvielfalt
gewinnen lassen.“

Wissen um notwendige Koexistenz von Insekten und Menschen fördern

Um diese Kommunikation zu unterstützen, schreibt das ISOE-Forschungsteam
von SLInBio das Projektstipendium „Insectopolis“ aus, das sich an im
Rhein-Main-Gebiet ansässige Künstler*innen wendet. Es ist eingebettet in
ein transdisziplinäres Begleitprogramm und hat zum Ziel, den ko-
produktiven Prozess zwischen Kunst und Wissenschaft zu fördern. Gesucht
wird eine künstlerische Arbeit für den öffentlichen Raum im Stadtgebiet
von Frankfurt am Main, die sich dem Thema Insektenbiodiversität widmet und
den städtischen Diskurs zu diesem Thema anregt.

„Wir sind gespannt auf Bewerbungen und Projektvorschläge, die das
Potenzial haben, die bestehenden Beziehungen zwischen Menschen und
Insekten zu reflektieren“, sagt Nina Queissner, die das Projekt
„Insectopolis“ als künstlerische Kuratorin begleitet. „Im Kern geht es
darum, Betrachter*innen des Werks über eine ästhetische Erfahrung dafür zu
sensibilisieren, dass die Koexistenz von Menschen und Insekten eine
zwingende Voraussetzung zum Leben und Überleben im Anthropozän bedeutet.“

Bewerbungsschluss für „Insectopolis“ am 31. Januar 2024

Die Bewerbungsskizzen, die bis 31. Januar 2024 eingereicht werden können,
sollen entsprechend Bezug nehmen auf die vielfältigen Beziehungen zwischen
Menschen und Insekten sowie deren ineinander verschränkten Lebensräume und
Lebensbedingen in der Stadt. „Insectopolis“ wird zwischen April und Juli
2024 in enger Kooperation mit ISOE-Forschenden und den
Partnerorganisationen wie dem Palmengarten der Stadt Frankfurt am Main
oder dem Senckenberg Naturmuseum realisiert.

Der ausgewählte Projektvorschlag wird durch ein Honorar für die
Konzeptualisierung und Recherche in Kooperation mit den Forschenden sowie
die Umsetzung inklusive Ausstellungsrecht mit einem Gesamtbetrag in Höhe
von 5000 € vergütet. Zusätzlich wird für die Realisierung der
Projektarbeit im öffentlichen Raum ein Sachkostenbudget in Höhe von 4500 €
zur Verfügung gestellt.

Detailliertere Informationen zu Teilnahmebedingungen und Bewerbungsprozess
unter www.isoe.de/insectopolis.

Über das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am
Main

Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der
Nachhaltigkeitsforschung. Es entwickelt wissenschaftliche Grundlagen und
zukunftsweisende Konzepte für sozial-ökologische Transformationen. Hierfür
forscht das ISOE transdisziplinär zu globalen Problemen wie
Wasserknappheit, Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Landdegradation
und findet tragfähige Lösungen, die ökologische, gesellschaftliche und
ökonomische Bedingungen berücksichtigen.

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