Prof. Dr. Heike Rittner übernimmt den ersten Lehrstuhl für Schmerzmedizin in Deutschland. UKW / Daniel Peter
Zum 1. November hat Prof. Dr. Heike Rittner den neu eingerichteten Lehrstuhl für Schmerzmedizin an der Medizinischen Fakultät übernommen. Es ist der bislang einzige Lehrstuhl dieser Art in Deutschland / Vielfältige Angebote für Patienten / Etablierte Forschungsgruppe
Würzburg. Die Universitätsmedizin Würzburg stärkt die Schmerzmedizin. Zum 1. November hat Prof. Dr. Heike Rittner den neu eingerichteten Lehrstuhl für Schmerzmedizin an der Medizinischen Fakultät übernommen. Es ist der bislang einzige Lehrstuhl dieser Art in Deutschland.
Prof. Rittner leitet seit 2021 das Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg, zudem ist sie Wissenschaftliche Koordinatorin der Klinischen Forschungsgruppe KFO5001 „ResolvePAIN“. Dort werden die Mechanismen der Schmerzauflösung untersucht. „Mit dem nun etablierten Lehrstuhl wird die Bedeutung der Schmerzmedizin am Standort Würzburg nochmals deutlich gestärkt. Das ist auch eine große Anerkennung für die Forschungsgruppe und für die Arbeit des Zentrums am Universitätsklinikum“, betont der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Matthias Frosch.
Molekulare Mechanismen im Blickpunkt
In der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsgruppe steht die Frage im Vordergrund, warum bei manchen Menschen Schmerzen trotz bestehender Schäden abklingen, während bei anderen Patienten die Schmerzen chronisch werden. „Dabei wollen wir speziell die molekularen Mechanismen der Schmerzauflösung besser verstehen, um personalisiert und passgenau zu therapieren. Das wird in den kommenden Jahren ein wichtiger Forschungsschwerpunkt bleiben“, erklärt Prof. Rittner. Insgesamt neun Arbeitsgruppen umfasst die Forschungsgruppe.
Im Bereich der Krankenversorgung umfasst das ZiS am UKW verschiedene Schwerpunkte. Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen und Therapeutinnen und Therapeuten unterschiedlicher Berufsgruppen arbeiten hier Hand in Hand. Neben der ambulanten Behandlung bietet die eigene Schmerztagesklinik auch ein Angebot für Patientinnen und Patienten an, die eine interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie benötigen. Dabei werden verschiedene Therapieelemente aufeinander abgestimmt miteinander kombiniert. Moderne Therapien wie ambulante Versorgungsformen oder der Einsatz virtueller Realität werden in Studien zunächst erprobt, um dann den Patientinnen und Patienten zur Verfügung zu stehen. Ähnliche Programme finden in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie und der Kinderklinik am UKW statt.
Interdisziplinäre Versorgung gewinnt an Bedeutung
„In Zukunft werden ambulante und interdisziplinäre Versorgungsangebote für Patientinnen und Patienten zusätzlich an Bedeutung gewinnen. Daher wollen wir auch die Zusammenarbeit sowohl innerhalb des UKW mit gemeinsamen therapeutischen Angeboten sowie mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen weiter ausbauen“, sagt Prof. Dr. Meybohm, Direktor der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg.
Hintergrund: In Deutschland sind mehr als 23 Millionen Personen von langanhaltenden, chronischen Schmerzen betroffen. Weltweit leiden immer mehr Menschen an chronischen Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Dabei hat oft der Schmerz seine ursprüngliche Warnfunktion verloren und beeinträchtigt das Leben dieser Menschen enorm. Prof. Rittner: „Wenn der Schmerz trotz leitliniengerechter Therapie nach drei bis vier Monaten nicht zurückgeht, sollte man eine Expertin oder einen Experten für Schmerzmedizin aufsuchen, denn dann besteht leider die Gefahr einer Chronifizierung des Schmerzes.“
Zur Person: Prof. Dr. Heike Rittner ist Fachärztin für Anästhesiologie und Schmerztherapeutin. Sie arbeitet seit 2008 am Universitätsklinikum Würzburg. Zuvor war sie 2 Jahre an der Mayo Clinic in den USA sowie an der Charité in Berlin tätig, wo sie 2008 habilitierte. Sie verfügt über die Zusatzbezeichnungen „Palliativmedizin“ und „Spezielle Schmerztherapie“.
Grundsätze eines neuen multilateralen ABS-Systems für digitale Sequenzinformationen auf der Grundlage eines neuen Konzepts für den Vorteilsausgleich Davide Faggionato/Leibniz-Institut DSMZ
Experten betonen die Notwendigkeit, bei der Entwicklung eines neuen internationalen Mechanismus zur Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung digitaler Sequenzinformationen (DSI) mit der Vergangenheit zu brechen
Gemeinsame Pressemitteilung Alliance of Bioversity International und CIAT und Leibniz-Institut DSMZ
(Rom/Braunschweig - 3. November 2023): Auf der COP-15-Tagung 2022 erzielten die Unterzeichnenden des Übereinkommens über die biologische Vielfalt ein neues Abkommen, das sogenannte Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework, das Bestimmungen zur Einrichtung eines separaten, multilateralen Mechanismus für den Vorteilsausgleich für die Nutzung von "digitalen Sequenzinformationen" (DSI) enthält. DSI sind biologische Daten, die mit genetischen Ressourcen verbunden sind oder von diesen abgeleitet werden, wie Nukleotidsequenzen und epigenetische, Protein- und Metabolitdaten. In einer neuen Analyse des Policy Forum, die in der Zeitschrift Science (doi 10.1126/science.adj1331) veröffentlicht wurde, betonen die Forschenden, dass der internationalen Gemeinschaft nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung steht, um ein einfaches, harmonisiertes, effektives und transformatives Rahmenwerk für den Vorteilsausgleich bei DSI zu entwickeln. Die Autoren empfehlen, dass dieser neue Rahmen mit der bisherigen Art und Weise, wie Länder den Zugang und Vorteilsausgleich für biologisches und genetisches Material geregelt haben, brechen sollte.
Amber Hartman Scholz, Leiterin der Abteilung Science Policy und Internationalisierung am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig, und Mitautorin der Analyse, sagt, dass die Hypothese des Vorteilsausgleichs im Grunde genommen kaputt zu sein scheint. "Wenn wir einen neuen Mechanismus für digitale Sequenzdaten entwickeln, sollten wir uns darauf konzentrieren, die Ergebnisse zu sichern, die Umgehung zu reduzieren und alles zu vereinfachen", sagt Scholz. "Wenn die internationale Politikgemeinschaft ein neues System für den Vorteilsausgleich für digitale Sequenzdaten entwickelt, müssen wir aus der Vergangenheit lernen, sonst werden wir im digitalen Zeitalter noch mehr scheitern." Michael Halewood, Wissenschaftler bei der Allianz von Bioversity International und CIAT sowie der CGIAR Genbanken-Initiative, stimmt dem zu. "Die praktisch kostenlose, unbegrenzt reproduzierbare und allgegenwärtige Natur von DSI hat die international anerkannten Systeme für den Zugang und Vorteilsausgleich (access and benefit sharing, ABS) an einen Scheideweg gebracht und droht, sie in den Graben zu treiben", sagt er. "Ein neues harmonisiertes ABS-System für DSI sollte auf den Lehren aufbauen, die wir aus den Versuchen, genetisches Material zu regulieren, gezogen haben. Dieses neue System muss koordiniert, einfach, universell anwendbar und unumgänglich sein."
Die Zeit schreitet voran Seit über 30 Jahren schmiedet die internationale Gemeinschaft immer wieder internationale Abkommen, um die Nutzenden von biologischem und genetischem Material, das aus vielen verschiedenen Ländern stammt, zu verpflichten, die Gewinne oder Ausbildungsmöglichkeiten und die Forschungszusammenarbeit mit den Bereitstellern dieser Materialien zu teilen. Wenn beispielsweise ein neues Medikament in einem Land unter Verwendung von Proben einer endemischen Art aus einem anderen Land entwickelt wird, dann sollte das Bereitsteller-Land von dieser Entwicklung "profitieren". "Diese Bemühungen waren weitgehend erfolglos, zum einen, weil die bisher entwickelten ABS- Systeme dazu neigen, an ihrem eigenen bürokratischen Gewicht zu scheitern. Sie sind so konzipiert, dass sie jeden einzelnen Akt des Zugangs und der Nutzung jedes genetischen Materials bei der Entwicklung neuer kommerzieller Produkte auf kleinstem Raum regeln. Zum anderen sind sie ziemlich leicht zu umgehen, indem man sich auf legalem Wege genetisches Material aus unregulierten Quellen beschafft", sagt Halewood. Hinzu kommt, dass das Aufkommen schneller, kostengünstiger Genomsequenzierungstechnologien in Verbindung mit offen zugänglichen Infrastrukturen für die gemeinsame Nutzung digitaler Sequenzinformationen den Zugang und die Nutzung eines potenziell unbegrenzten Spektrums genetischer Sequenzen ermöglicht, ohne dass man auf das zugrunde liegende genetische Material zugreifen muss. Darüber hinaus hat die Anwendung künstlicher Intelligenz auf biologische Datensätze dieses Potenzial noch erweitert. Die Verlagerung des Schwerpunkts auf digitale Sequenzinformationen bietet die Gelegenheit, ein besseres Gesamtsystem zu entwickeln, das die Versprechen früherer internationaler Vereinbarungen zum Vorteilsausgleich wirklich einlöst.
Konfrontation mit der Zukunft Die Forschenden werten die Entscheidung der COP-15 als Anerkennung der Tatsache, dass der derzeitige transaktionsbasierte Vorteilsausgleichsmechanismus für DSI nicht realistisch ist. Sie weisen auch darauf hin, dass ein Mechanismus erforderlich ist, der mit dem offenen Zugang zu biomolekularen Daten aus der ganzen Welt für alle biologischen Daten vereinbar ist und über mehrere UN-Abkommen hinweg harmonisiert wird. Scholz merkt an: "Wenn die politischen Entscheidungsträger die Verhandlungen im Vorfeld der COP16 aufnehmen und mit der Einrichtung dieses neuen DSI-Mechanismus beginnen, müssen sie ihre historischen Verhandlungspositionen neu überdenken, sie zurücksetzen und sich von den gewünschten Ergebnissen für den Vorteilsausgleich leiten lassen. Die Vergangenheit zeigt uns einen Weg in die Zukunft, der breiter und mutiger ist als vor 30 Jahren".
Hintergrundinformation: • CBD COP15 - 15/9. Digital sequence information on genetic resources • KMGBF - Target 13. Fair and equitable sharing of benefits from genetic resources, digital sequence information and associated traditional knowledge • Digital sequence information will influence who benefits from biodiversity • DSI Scientific Network - CBD COP15 Outcome Statement • DSI Scientific Network - Submission of views on issues for further consideration for digital sequence information on genetic resources
DSMZ-Pressekontakt: PhDr. Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ- Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH Tel.: 0531/2616-300 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Über die Allianz von Bioversity International und CIAT Die Allianz von Bioversity International und dem Internationalen Zentrum für tropische Landwirtschaft (CIAT) liefert forschungsbasierte Lösungen, die die landwirtschaftliche Biodiversität nutzen und die Nahrungsmittelsysteme nachhaltig verändern, um das Leben der Menschen zu verbessern. Die Lösungen der Allianz richten sich gegen die globalen Krisen der Unterernährung, des Klimawandels, des Verlusts der biologischen Vielfalt und der Umweltzerstörung. Mit neuartigen Partnerschaften schafft die Allianz Fakten und setzt Innovationen durch, um Nahrungsmittelsysteme und Landschaften so zu verändern, dass sie den Planeten erhalten, den Wohlstand fördern und die Menschen in einer Klimakrise ernähren. Die Allianz ist Teil der CGIAR, einer globalen Forschungspartnerschaft für eine ernährungssichere Zukunft. www.alliancebioversityciat.org
Über das Leibniz-Institut DSMZ Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen, Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz- Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr. 511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit, biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 85.000 Kulturen sowie Biomaterialien und hat rund 220 Beschäftigte. www.dsmz.de
Über die Leibniz-Gemeinschaft Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 97 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz- Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.500 Personen, darunter 11.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 2 Milliarden Euro. www.leibniz-gemeinschaft.de
Die Mehlbeere im Herbst: Früchte und Blätter (auf der Unterseite dicht filzig behaart) Boris Mittermeier, LWF
Mit der Echten Mehlbeere (sorbus aria) wurde ein heimischer Laubbaum zum Baum des Jahres 2024 gewählt, den viele Menschen vermutlich noch gar nicht kennen. Auch für die Holzverwertung spielt diese Baumart gegenüber anderen Laubbäumen wie Eiche, Buche, Ahorn, Esche oder Linde eine Nebenrolle. Und mit Baumhöhen von maximal 15 – 20 Metern ist die Mehlbeere vergleichsweise eher ein Zwerg – waldökologisch hingegen ist sie ein wahrer Riese!
„Wir begrüßen es sehr, dass die Echte Mehlbeere zum Baum des Jahres 2024 gekürt wurde“, freut sich Dirk Schmechel, Pressesprecher der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). „Insbesondere für den Waldnaturschutz und für strukturreiche Bergwälder ist die Mehlbeere in Bayern extrem wertvoll!“
Beispielsweise hat die Mehlbeere für den Vogelschutz im Wald eine herausragende Bedeutung: Bei Untersuchungen in England wurden 18 Vogelarten beim Verzehr der rötlichen Mehl – Beeren beobachtet: Amsel, Sing-, Mistel-, Rot- und Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke, Star, Aaskrähe, Eichelhäher, Elster, Ringeltaube, Gimpel, Grün-, Buch- und Bergfink, Kohl- und Blaumeise.
Und an unseren heimischen Arten der Gattung Sorbus – Mehlbeeren, Elsbeeren, Vogelbeeren und Speierling - konnten Forscher bislang auch 157 pflanzenfressende Insekten- und Milbenarten nachweisen. Davon sind 31 Arten auf die Mehlbeere (lateinisch: Sorbus aria) spezialisiert. Damit liegen die Sorbus-Arten im Vergleich zu den anderen heimischen Gehölzen zwar im letzten Drittel, das kann aber durchaus auch daran liegen, dass bislang an der Gattung Sorbus vergleichsweise weniger geforscht wurde.
Die Hauptvorkommen der Mehlbeere in Bayern liegen in den Alpen mit Vorbergen, wo sie bis in 1500 m Höhe gute Wuchsbedingungen findet. Für den alpinen Bergwald ist die Mehlbeere – mit einem Baumartenanteil von ca. 4 % - nach Buche, Bergahorn und Vogelbeere sogar die viert-häufigste Laubbaumart in der Waldverjüngung. Insgesamt wurden auf den ca. 200 Inventurflächen der Schutzwaldsanierung, bei den jeweils letzten Aufnahmen der LWF ca. 10.000 Mehlbeeren in der Verjüngung erfasst.
Doch auch im Frankenjura und auf der Fränkischen Platte finden wir in Bayern die Mehlbeere, in den ostbayerischen Mittelgebirgen fehlt sie hingegen fast gänzlich.
In letzter Zeit häufen sich Meldungen aus der Forstpraxis, vor allem aus sehr trockenen unterfränkischen Wäldern, dass die Mehlbeere – dort wo Buche, Eiche und Kiefern besonders an Trockenstress leiden – Mehlbeeren noch vital und grün aussehen. „Auch wenn wir dazu momentan noch keine wissenschaftlichen Daten und Fakten haben, deuten die Aussagen der Praktiker doch darauf hin, dass die Mehlbeere auf Grund ihrer hohen Trockenheitstoleranz eine wichtige Rolle im Zukunftswald spielen wird,“ so LWF-Pressesprecher Dirk Schmechel.
Darüber hinaus gibt es noch viel mehr Wissenswertes zur Mehlbeere: So wird zum Beispiel die Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia – ein Hybrid aus Mehl-, Vogel- und Elsbeere) häufig im urbanen Raum angepflanzt. Ihren Namen bekam die Mehlbeere, weil ihre gemahlenen Samen in früheren Zeiten gelegentlich dem Mehl beigemischt wurden um es zu strecken oder Backwaren süßer zu machen.
Die Bayerische Landesanstalt wird der Mehlbeere daher im Jahr 2024 eine Tagung und eine Broschüre „LWF-Wissen – Beiträge zur Mehlbeere“ widmen.
(v.r.n.l.) Der Koordinator des KI-Zentrums MV Emil Löffler im Gespräch mit seinen Kollegen Dr. Hannes Grunert und Felix Hauptmann. Dörte Rahming
Anwendungsmöglichkeiten für Künstliche Intelligenz (KI) gibt es in vielen Unternehmen – sie müssen nur gefunden und umgesetzt werden. An dieser Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis vermittelt seit 2020 das Zentrum für Künstliche Intelligenz in MV an der Universität Rostock.
Entstanden ist ein Netzwerk aus Forschern, die alle denkbaren Kompetenzen im Bereich KI mitbringen, und Unternehmern verschiedener Branchen. Der Verbund erstreckt sich über ganz Mecklenburg-Vorpommern und wächst ständig weiter. Auf Seiten der Forschung gehören unter anderem die Hochschulen in Stralsund und Wismar sowie die Universität Greifswald dazu, außerdem das Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Rostock. Auch erfolgreiche Firmen aus dem Land wie Planet AI, deeeper.technology oder GWA Hygiene sind in dem Netzwerk aktiv. Sie alle nutzen KI bereits und können ihre Erfahrungen weitergeben. „Das Zentrum bündelt die Kompetenz, welche KI-Methodik oder welches Verfahren für eine bestimmte Aufgabe am besten geeignet ist oder wer sich am besten damit auskennt“, sagt Prof. Kurt Sandkuhl, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Uni Rostock und einer der Initiatoren. „Wir wollen uns im eigenen Land ja keine Konkurrenz machen, sondern sollten zusammenarbeiten.“ Angeboten werden sowohl kostenlose Breiten- als auch Tiefenberatung sowie individuelle Coachings für kleine und mittelständische Unternehmen. „Für die Breitenberatung organisieren wir größere Veranstaltungen oder Workshops“, erklärt Koordinator Emil Löffler. „Dabei wollen wir generell informieren und neue Kontakte ermöglichen.“ Einmal im Monat gibt es den KI-Livestream, in dem Experten über Möglichkeiten, Grenzen und Angebote sprechen.
Beratung nach Maß
Für viele Unternehmen wichtig ist die individuelle Beratung. Besonders Technologie-affine Startups nutzen diese Möglichkeit. „Dabei finden wir heraus, welches Problem es gibt und ob es eine KI-Lösung dafür geben könnte. Falls ja, greifen wir auf unser Forschungsnetzwerk zurück“, so Löffler weiter. Jeder der beteiligten Wissenschaftler bringe spezielle Kenntnisse ein, die je nach Anwendungsfall genutzt werden könnten. „Sie geben das gern weiter, weil sie an der Umsetzung ihrer Forschung in der Praxis interessiert sind.“ Wenn alles zusammenpasst, treten Informatiker und Unternehmer in die Tiefenberatung ein.
KI geeignet für viele Branchen
Ein Beispiel für gelungene Beratung ist die Dr. Diestel GmbH, ein Rostocker Unternehmen für Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik. Gemeinsam mit der Uni Rostock und der Hochschule Wismar wurde ein Projekt aufgelegt, in dem es um die Wartung derartiger Anlagen geht. Der Informatiker Dr. Hannes Grunert erläutert, wie hier KI eingesetzt werden kann: „Einerseits sollen Störungen erkannt werden, aber auch durch vorsorgliche Wartung verhindert werden. Und die Anlage soll energiesparender betrieben werden.“ Manchmal wird ein Raum geheizt, obwohl niemand darin ist. Oder die Kühlung eines anderen Raumes soll nur zu bestimmten Zeiten laufen. Dafür wertet die KI große Datenmengen aus. „Daraus lassen sich Regeln ableiten, die vorher niemand bedacht hatte. Die Energieeinsparung der Anlage kann bis zu einem Drittel betragen“, so Grunert weiter.
Etliche Firmen, die beim KI-Zentrum beraten wurden, arbeiten im Gesundheitswesen, auf dem Energiesektor oder in der maritimen Wirtschaft. Und es gibt sogar Beispiele, in denen Technologie-orientierte Unternehmen, die selbst längst mit KI arbeiten, sich zu bestimmten Fragestellungen beim Zentrum beraten lassen. „Das Netzwerk funktioniert also in alle Richtungen“, sagt Löffler.
Finanziert wird das KI-Zentrum MV bis Ende 2023 aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Ein Folgeantrag ist bereits gestellt. Das Projekt kooperiert auch mit dem Zukunftszentrum MV, das kleine und mittelständische Unternehmen unter anderem zu Digitalisierung und KI berät.