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Deutschlandweit einzigartig: Prof. Dr. Heike Rittner übernimmt den Lehrstuhl für Schmerzmedizin

Prof. Dr. Heike Rittner übernimmt den ersten Lehrstuhl für Schmerzmedizin in Deutschland.  UKW / Daniel Peter
Prof. Dr. Heike Rittner übernimmt den ersten Lehrstuhl für Schmerzmedizin in Deutschland. UKW / Daniel Peter

Zum 1. November hat Prof. Dr. Heike Rittner den neu eingerichteten
Lehrstuhl für Schmerzmedizin an der Medizinischen Fakultät übernommen. Es
ist der bislang einzige Lehrstuhl dieser Art in Deutschland / Vielfältige
Angebote für Patienten / Etablierte Forschungsgruppe

Würzburg. Die Universitätsmedizin Würzburg stärkt die Schmerzmedizin. Zum
1. November hat Prof. Dr. Heike Rittner den neu eingerichteten Lehrstuhl
für Schmerzmedizin an der Medizinischen Fakultät übernommen. Es ist der
bislang einzige Lehrstuhl dieser Art in Deutschland.

Prof. Rittner leitet seit 2021 das Zentrum für interdisziplinäre
Schmerzmedizin (ZiS) der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie,
Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie am
Universitätsklinikum Würzburg, zudem ist sie Wissenschaftliche
Koordinatorin der Klinischen Forschungsgruppe KFO5001 „ResolvePAIN“. Dort
werden die Mechanismen der Schmerzauflösung untersucht. „Mit dem nun
etablierten Lehrstuhl wird die Bedeutung der Schmerzmedizin am Standort
Würzburg nochmals deutlich gestärkt. Das ist auch eine große Anerkennung
für die Forschungsgruppe und für die Arbeit des Zentrums am
Universitätsklinikum“, betont der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof.
Dr. Matthias Frosch.

Molekulare Mechanismen im Blickpunkt

In der durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten
Forschungsgruppe steht die Frage im Vordergrund, warum bei manchen
Menschen Schmerzen trotz bestehender Schäden abklingen, während bei
anderen Patienten die Schmerzen chronisch werden. „Dabei wollen wir
speziell die molekularen Mechanismen der Schmerzauflösung besser
verstehen, um personalisiert und passgenau zu therapieren. Das wird in den
kommenden Jahren ein wichtiger Forschungsschwerpunkt bleiben“, erklärt
Prof. Rittner. Insgesamt neun Arbeitsgruppen umfasst die Forschungsgruppe.

Im Bereich der Krankenversorgung umfasst das ZiS am UKW verschiedene
Schwerpunkte. Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachdisziplinen und
Therapeutinnen und Therapeuten unterschiedlicher Berufsgruppen arbeiten
hier Hand in Hand. Neben der ambulanten Behandlung bietet die eigene
Schmerztagesklinik auch ein Angebot für Patientinnen und Patienten an, die
eine interdisziplinäre multimodale Schmerztherapie benötigen. Dabei werden
verschiedene Therapieelemente aufeinander abgestimmt miteinander
kombiniert. Moderne Therapien wie ambulante Versorgungsformen oder der
Einsatz virtueller Realität werden in Studien zunächst erprobt, um dann
den Patientinnen und Patienten zur Verfügung zu stehen. Ähnliche Programme
finden in Zusammenarbeit mit der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
und der Kinderklinik am UKW statt.

Interdisziplinäre Versorgung gewinnt an Bedeutung

„In Zukunft werden ambulante und interdisziplinäre Versorgungsangebote für
Patientinnen und Patienten zusätzlich an Bedeutung gewinnen. Daher wollen
wir auch die Zusammenarbeit sowohl innerhalb des UKW mit gemeinsamen
therapeutischen Angeboten sowie mit den niedergelassenen Kolleginnen und
Kollegen weiter ausbauen“, sagt Prof. Dr. Meybohm, Direktor der Klinik und
Poliklinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und
Schmerztherapie am Universitätsklinikum Würzburg.

Hintergrund:
In Deutschland sind mehr als 23 Millionen Personen von langanhaltenden,
chronischen Schmerzen betroffen. Weltweit leiden immer mehr Menschen an
chronischen Rückenschmerzen oder Kopfschmerzen. Dabei hat oft der Schmerz
seine ursprüngliche Warnfunktion verloren und beeinträchtigt das Leben
dieser Menschen enorm.
Prof. Rittner: „Wenn der Schmerz trotz leitliniengerechter Therapie nach
drei bis vier Monaten nicht zurückgeht, sollte man eine Expertin oder
einen Experten für Schmerzmedizin aufsuchen, denn dann besteht leider die
Gefahr einer Chronifizierung des Schmerzes.“

Zur Person:
Prof. Dr. Heike Rittner ist Fachärztin für Anästhesiologie und
Schmerztherapeutin. Sie arbeitet seit 2008 am Universitätsklinikum
Würzburg. Zuvor war sie 2 Jahre an der Mayo Clinic in den USA sowie an der
Charité in Berlin tätig, wo sie 2008 habilitierte. Sie verfügt über die
Zusatzbezeichnungen „Palliativmedizin“ und „Spezielle Schmerztherapie“.

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Forschende mahnen, dass der Vorteilsausgleich für die biologische Vielfalt einen radikal neuen Ansatz erfordert

Grundsätze eines neuen multilateralen ABS-Systems für digitale Sequenzinformationen auf der Grundlage eines neuen Konzepts für den Vorteilsausgleich  Davide Faggionato/Leibniz-Institut DSMZ
Grundsätze eines neuen multilateralen ABS-Systems für digitale Sequenzinformationen auf der Grundlage eines neuen Konzepts für den Vorteilsausgleich Davide Faggionato/Leibniz-Institut DSMZ

Experten betonen die Notwendigkeit, bei der Entwicklung eines neuen
internationalen Mechanismus zur Aufteilung der Vorteile aus der Nutzung
digitaler Sequenzinformationen (DSI) mit der Vergangenheit zu brechen

Gemeinsame Pressemitteilung Alliance of Bioversity International und CIAT
und Leibniz-Institut DSMZ

(Rom/Braunschweig - 3. November 2023): Auf der COP-15-Tagung 2022
erzielten die Unterzeichnenden des Übereinkommens über die biologische
Vielfalt ein neues Abkommen, das sogenannte Kunming-Montreal Global
Biodiversity Framework, das Bestimmungen zur Einrichtung eines separaten,
multilateralen Mechanismus für den Vorteilsausgleich für die Nutzung von
"digitalen Sequenzinformationen" (DSI) enthält. DSI sind biologische
Daten, die mit genetischen Ressourcen verbunden sind oder von diesen
abgeleitet werden, wie Nukleotidsequenzen und epigenetische, Protein- und
Metabolitdaten. In einer neuen Analyse des Policy Forum, die in der
Zeitschrift Science (doi 10.1126/science.adj1331) veröffentlicht wurde,
betonen die Forschenden, dass der internationalen Gemeinschaft nur ein
kleines Zeitfenster zur Verfügung steht, um ein einfaches, harmonisiertes,
effektives und transformatives Rahmenwerk für den Vorteilsausgleich bei
DSI zu entwickeln. Die Autoren empfehlen, dass dieser neue Rahmen mit der
bisherigen Art und Weise, wie Länder den Zugang und Vorteilsausgleich für
biologisches und genetisches Material geregelt haben, brechen sollte.

Amber Hartman Scholz, Leiterin der Abteilung Science Policy und
Internationalisierung am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von
Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig, und Mitautorin der
Analyse, sagt, dass die Hypothese des Vorteilsausgleichs im Grunde
genommen kaputt zu sein scheint. "Wenn wir einen neuen Mechanismus für
digitale Sequenzdaten entwickeln, sollten wir uns darauf konzentrieren,
die Ergebnisse zu sichern, die Umgehung zu reduzieren und alles zu
vereinfachen", sagt Scholz. "Wenn die internationale Politikgemeinschaft
ein neues System für den Vorteilsausgleich für digitale Sequenzdaten
entwickelt, müssen wir aus der Vergangenheit lernen, sonst werden wir im
digitalen Zeitalter noch mehr scheitern."
Michael Halewood, Wissenschaftler bei der Allianz von Bioversity
International und CIAT sowie der CGIAR Genbanken-Initiative, stimmt dem
zu. "Die praktisch kostenlose, unbegrenzt reproduzierbare und
allgegenwärtige Natur von DSI hat die international anerkannten Systeme
für den Zugang und Vorteilsausgleich (access and benefit sharing, ABS) an
einen Scheideweg gebracht und droht, sie in den Graben zu treiben", sagt
er. "Ein neues harmonisiertes ABS-System für DSI sollte auf den Lehren
aufbauen, die wir aus den Versuchen, genetisches Material zu regulieren,
gezogen haben. Dieses neue System muss koordiniert, einfach, universell
anwendbar und unumgänglich sein."

Die Zeit schreitet voran
Seit über 30 Jahren schmiedet die internationale Gemeinschaft immer wieder
internationale Abkommen, um die Nutzenden von biologischem und genetischem
Material, das aus vielen verschiedenen Ländern stammt, zu verpflichten,
die Gewinne oder Ausbildungsmöglichkeiten und die Forschungszusammenarbeit
mit den Bereitstellern dieser Materialien zu teilen. Wenn beispielsweise
ein neues Medikament in einem Land unter Verwendung von Proben einer
endemischen Art aus einem anderen Land entwickelt wird, dann sollte das
Bereitsteller-Land von dieser Entwicklung "profitieren". "Diese Bemühungen
waren weitgehend erfolglos, zum einen, weil die bisher entwickelten ABS-
Systeme dazu neigen, an ihrem eigenen bürokratischen Gewicht zu scheitern.
Sie sind so konzipiert, dass sie jeden einzelnen Akt des Zugangs und der
Nutzung jedes genetischen Materials bei der Entwicklung neuer
kommerzieller Produkte auf kleinstem Raum regeln. Zum anderen sind sie
ziemlich leicht zu umgehen, indem man sich auf legalem Wege genetisches
Material aus unregulierten Quellen beschafft", sagt Halewood.
Hinzu kommt, dass das Aufkommen schneller, kostengünstiger
Genomsequenzierungstechnologien in Verbindung mit offen zugänglichen
Infrastrukturen für die gemeinsame Nutzung digitaler Sequenzinformationen
den Zugang und die Nutzung eines potenziell unbegrenzten Spektrums
genetischer Sequenzen ermöglicht, ohne dass man auf das zugrunde liegende
genetische Material zugreifen muss. Darüber hinaus hat die Anwendung
künstlicher Intelligenz auf biologische Datensätze dieses Potenzial noch
erweitert. Die Verlagerung des Schwerpunkts auf digitale
Sequenzinformationen bietet die Gelegenheit, ein besseres Gesamtsystem zu
entwickeln, das die Versprechen früherer internationaler Vereinbarungen
zum Vorteilsausgleich wirklich einlöst.

Konfrontation mit der Zukunft
Die Forschenden werten die Entscheidung der COP-15 als Anerkennung der
Tatsache, dass der derzeitige transaktionsbasierte
Vorteilsausgleichsmechanismus für DSI nicht realistisch ist. Sie weisen
auch darauf hin, dass ein Mechanismus erforderlich ist, der mit dem
offenen Zugang zu biomolekularen Daten aus der ganzen Welt für alle
biologischen Daten vereinbar ist und über mehrere UN-Abkommen hinweg
harmonisiert wird.
Scholz merkt an: "Wenn die politischen Entscheidungsträger die
Verhandlungen im Vorfeld der COP16 aufnehmen und mit der Einrichtung
dieses neuen DSI-Mechanismus beginnen, müssen sie ihre historischen
Verhandlungspositionen neu überdenken, sie zurücksetzen und sich von den
gewünschten Ergebnissen für den Vorteilsausgleich leiten lassen. Die
Vergangenheit zeigt uns einen Weg in die Zukunft, der breiter und mutiger
ist als vor 30 Jahren".

Hintergrundinformation:
•       CBD COP15 - 15/9. Digital sequence information on genetic
resources
•       KMGBF - Target 13. Fair and equitable sharing of benefits from
genetic resources, digital sequence information and associated traditional
knowledge
•       Digital sequence information will influence who benefits from
biodiversity
•       DSI Scientific Network - CBD COP15 Outcome Statement
•       DSI Scientific Network - Submission of views on issues for further
consideration for digital sequence information on genetic resources

DSMZ-Pressekontakt:
PhDr. Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ-
Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Tel.: 0531/2616-300
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Über die Allianz von Bioversity International und CIAT
Die Allianz von Bioversity International und dem Internationalen Zentrum
für tropische Landwirtschaft (CIAT) liefert forschungsbasierte Lösungen,
die die landwirtschaftliche Biodiversität nutzen und die
Nahrungsmittelsysteme nachhaltig verändern, um das Leben der Menschen zu
verbessern. Die Lösungen der Allianz richten sich gegen die globalen
Krisen der Unterernährung, des Klimawandels, des Verlusts der biologischen
Vielfalt und der Umweltzerstörung. Mit neuartigen Partnerschaften schafft
die Allianz Fakten und setzt Innovationen durch, um Nahrungsmittelsysteme
und Landschaften so zu verändern, dass sie den Planeten erhalten, den
Wohlstand fördern und die Menschen in einer Klimakrise ernähren. Die
Allianz ist Teil der CGIAR, einer globalen Forschungspartnerschaft für
eine ernährungssichere Zukunft. www.alliancebioversityciat.org

Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische
Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen,
Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische
Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen
gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-
Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen
Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für
Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig
anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr.
511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als
Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit,
biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu
hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das
zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus
Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 85.000 Kulturen sowie Biomaterialien
und hat rund 220 Beschäftigte. www.dsmz.de

Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 97 selbständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.
Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den
übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten
wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte
Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im
Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und
informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-
Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der
Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In-
und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen
Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern
Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die
Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.500 Personen, darunter 11.500
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute
liegt bei 2 Milliarden Euro. www.leibniz-gemeinschaft.de

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Klein aber oho ! Die Mehlbeere ist Baum des Jahres 2024

Die Mehlbeere im Herbst: Früchte und Blätter (auf der Unterseite dicht filzig behaart)  Boris Mittermeier, LWF
Die Mehlbeere im Herbst: Früchte und Blätter (auf der Unterseite dicht filzig behaart) Boris Mittermeier, LWF

Mit der Echten Mehlbeere (sorbus aria) wurde ein
heimischer Laubbaum zum Baum des Jahres 2024 gewählt, den viele Menschen
vermutlich noch gar nicht kennen. Auch für die Holzverwertung spielt diese
Baumart gegenüber anderen Laubbäumen wie Eiche, Buche, Ahorn, Esche oder
Linde eine Nebenrolle. Und mit Baumhöhen von maximal 15 – 20 Metern ist
die Mehlbeere vergleichsweise eher ein Zwerg – waldökologisch hingegen ist
sie ein wahrer Riese!

„Wir begrüßen es sehr, dass die Echte Mehlbeere zum Baum des Jahres 2024
gekürt wurde“, freut sich Dirk Schmechel, Pressesprecher der Bayerischen
Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF). „Insbesondere für den
Waldnaturschutz und für strukturreiche Bergwälder ist die Mehlbeere in
Bayern extrem wertvoll!“

Beispielsweise hat die Mehlbeere für den Vogelschutz im Wald eine
herausragende Bedeutung: Bei Untersuchungen in England wurden 18
Vogelarten beim Verzehr der rötlichen Mehl – Beeren beobachtet: Amsel,
Sing-, Mistel-, Rot- und Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Mönchsgrasmücke,
Star, Aaskrähe, Eichelhäher, Elster, Ringeltaube, Gimpel, Grün-, Buch-
und Bergfink, Kohl- und Blaumeise.

Und an unseren heimischen Arten der Gattung Sorbus – Mehlbeeren,
Elsbeeren, Vogelbeeren und Speierling - konnten Forscher bislang auch 157
pflanzenfressende Insekten- und Milbenarten nachweisen. Davon sind 31
Arten auf die Mehlbeere (lateinisch: Sorbus aria) spezialisiert. Damit
liegen die Sorbus-Arten im Vergleich zu den anderen heimischen Gehölzen
zwar im letzten Drittel, das kann aber durchaus auch daran liegen, dass
bislang an der Gattung Sorbus vergleichsweise weniger geforscht wurde.

Die Hauptvorkommen der Mehlbeere in Bayern liegen in den Alpen mit
Vorbergen, wo sie bis in 1500 m Höhe gute Wuchsbedingungen findet. Für den
alpinen Bergwald ist die Mehlbeere – mit einem Baumartenanteil von ca. 4 %
- nach Buche, Bergahorn und Vogelbeere sogar die viert-häufigste
Laubbaumart in der Waldverjüngung. Insgesamt wurden auf den ca. 200
Inventurflächen der Schutzwaldsanierung, bei den jeweils letzten Aufnahmen
der LWF ca. 10.000 Mehlbeeren in der Verjüngung erfasst.

Doch auch im Frankenjura und auf der Fränkischen Platte finden wir in
Bayern die Mehlbeere, in den ostbayerischen Mittelgebirgen fehlt sie
hingegen fast gänzlich.

In letzter Zeit häufen sich Meldungen aus der Forstpraxis, vor allem aus
sehr trockenen unterfränkischen Wäldern, dass die Mehlbeere – dort wo
Buche, Eiche und Kiefern besonders an Trockenstress leiden – Mehlbeeren
noch vital und grün aussehen.
„Auch wenn wir dazu momentan noch keine wissenschaftlichen Daten und
Fakten haben, deuten die Aussagen der Praktiker doch darauf hin, dass die
Mehlbeere auf Grund ihrer hohen Trockenheitstoleranz eine wichtige Rolle
im Zukunftswald spielen wird,“ so LWF-Pressesprecher Dirk Schmechel.

Darüber hinaus gibt es noch viel mehr Wissenswertes zur Mehlbeere: So wird
zum Beispiel die Schwedische Mehlbeere (Sorbus intermedia – ein Hybrid aus
Mehl-, Vogel- und Elsbeere) häufig im urbanen Raum angepflanzt. Ihren
Namen bekam die Mehlbeere, weil ihre gemahlenen Samen in früheren Zeiten
gelegentlich dem Mehl beigemischt wurden um es zu strecken oder Backwaren
süßer zu machen.

Die Bayerische Landesanstalt wird der Mehlbeere daher im Jahr 2024 eine
Tagung und eine Broschüre „LWF-Wissen – Beiträge zur Mehlbeere“ widmen.

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Ein Netzwerk für Künstliche Intelligenz

(v.r.n.l.) Der Koordinator des KI-Zentrums MV Emil Löffler im Gespräch mit seinen Kollegen Dr. Hannes Grunert und Felix Hauptmann.  Dörte Rahming
(v.r.n.l.) Der Koordinator des KI-Zentrums MV Emil Löffler im Gespräch mit seinen Kollegen Dr. Hannes Grunert und Felix Hauptmann. Dörte Rahming

Anwendungsmöglichkeiten für Künstliche Intelligenz (KI) gibt es in vielen
Unternehmen – sie müssen nur gefunden und umgesetzt werden. An dieser
Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis vermittelt seit 2020 das
Zentrum für Künstliche Intelligenz in MV an der Universität Rostock.

Entstanden ist ein Netzwerk aus Forschern, die alle denkbaren Kompetenzen
im Bereich KI mitbringen, und Unternehmern verschiedener Branchen. Der
Verbund erstreckt sich über ganz Mecklenburg-Vorpommern und wächst ständig
weiter.
Auf Seiten der Forschung gehören unter anderem die Hochschulen in
Stralsund und Wismar sowie die Universität Greifswald dazu, außerdem das
Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung in Rostock. Auch
erfolgreiche Firmen aus dem Land wie Planet AI, deeeper.technology oder
GWA Hygiene sind in dem Netzwerk aktiv. Sie alle nutzen KI bereits und
können ihre Erfahrungen weitergeben.
„Das Zentrum bündelt die Kompetenz, welche KI-Methodik oder welches
Verfahren für eine bestimmte Aufgabe am besten geeignet ist oder wer sich
am besten damit auskennt“, sagt Prof. Kurt Sandkuhl, Inhaber des
Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Uni Rostock und einer der
Initiatoren. „Wir wollen uns im eigenen Land ja keine Konkurrenz machen,
sondern sollten zusammenarbeiten.“
Angeboten werden sowohl kostenlose Breiten- als auch Tiefenberatung sowie
individuelle Coachings für kleine und mittelständische Unternehmen. „Für
die Breitenberatung organisieren wir größere Veranstaltungen oder
Workshops“, erklärt Koordinator Emil Löffler. „Dabei wollen wir generell
informieren und neue Kontakte ermöglichen.“ Einmal im Monat gibt es den
KI-Livestream, in dem Experten über Möglichkeiten, Grenzen und Angebote
sprechen.

Beratung nach Maß

Für viele Unternehmen wichtig ist die individuelle Beratung. Besonders
Technologie-affine Startups nutzen diese Möglichkeit. „Dabei finden wir
heraus, welches Problem es gibt und ob es eine KI-Lösung dafür geben
könnte. Falls ja, greifen wir auf unser Forschungsnetzwerk zurück“, so
Löffler weiter. Jeder der beteiligten Wissenschaftler bringe spezielle
Kenntnisse ein, die je nach Anwendungsfall genutzt werden könnten. „Sie
geben das gern weiter, weil sie an der Umsetzung ihrer Forschung in der
Praxis interessiert sind.“ Wenn alles zusammenpasst, treten Informatiker
und Unternehmer in die Tiefenberatung ein.

KI geeignet für viele Branchen

Ein Beispiel für gelungene Beratung ist die Dr. Diestel GmbH, ein
Rostocker Unternehmen für Lüftungs-, Klima- und Kältetechnik. Gemeinsam
mit der Uni Rostock und der Hochschule Wismar wurde ein Projekt aufgelegt,
in dem es um die Wartung derartiger Anlagen geht. Der Informatiker Dr.
Hannes Grunert erläutert, wie hier KI eingesetzt werden kann: „Einerseits
sollen Störungen erkannt werden, aber auch durch vorsorgliche Wartung
verhindert werden. Und die Anlage soll energiesparender betrieben werden.“
Manchmal wird ein Raum geheizt, obwohl niemand darin ist. Oder die Kühlung
eines anderen Raumes soll nur zu bestimmten Zeiten laufen. Dafür wertet
die KI große Datenmengen aus. „Daraus lassen sich Regeln ableiten, die
vorher niemand bedacht hatte. Die Energieeinsparung der Anlage kann bis zu
einem Drittel betragen“, so Grunert weiter.

Etliche Firmen, die beim KI-Zentrum beraten wurden, arbeiten im
Gesundheitswesen, auf dem Energiesektor oder in der maritimen Wirtschaft.
Und es gibt sogar Beispiele, in denen Technologie-orientierte Unternehmen,
die selbst längst mit KI arbeiten, sich zu bestimmten Fragestellungen beim
Zentrum beraten lassen. „Das Netzwerk funktioniert also in alle
Richtungen“, sagt Löffler.

Finanziert wird das KI-Zentrum MV bis Ende 2023 aus Mitteln des
Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). Ein Folgeantrag ist
bereits gestellt.
Das Projekt kooperiert auch mit dem Zukunftszentrum MV, das kleine und
mittelständische Unternehmen unter anderem zu Digitalisierung und KI
berät.

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