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Hochschulbildung als Katalysator für den Wandel in Krisenregionen

In Kooperation mit dem jesuitischen Bildungswerk „Jesuit Worldwide
Learning – Higher Education at the Margins“ (JWL) bietet die Katholische
Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) in Krisenregionen und Armutsgebieten
vor Ort die Möglichkeit zur Hochschulbildung. Eine detaillierte Befragung
unter Absolventinnen und Absolventen in Ländern wie dem Irak, Afghanistan
oder Kenia zeigt nun, welchen Wert solche Angebote nicht nur für die
Studienden selbst, sondern auch innerhalb ihrer Gemeinschaften haben.

Ein Angebot der KU ist das „Learning-Facilitator-Programm“, welches
mittlerweile rund 500 Absolventinnen und Absolventen in zehn verschiedenen
Ländern wie dem Irak, Afghanistan, Kenia oder Sri Lanka zählt. Der
24-wöchige Kurs vermittelt den Studierenden die Kompetenzen, zu
Lehrkräften zu werden, die einen schülerzentrierten Unterricht innerhalb
und außerhalb von Schulen gestalten können. Und dies in Weltregionen, in
denen der Zugang zu einem Lehramtsstudium die Ausnahme ist. Der Lernstoff
wird sowohl online als auch vor Ort in Lernzentren vermittelt. Wie die
JWL-Studie darlegt, fungieren die Studierenden als Multiplikatorinnen und
Multiplikatoren von Bildung in ihrem Umfeld. „Die Rückmeldungen der
Absolventinnen und Absolventen bestätigen unsere Zielsetzung: Das Angebot
erweist sich als Katalysator für den Wandel und macht Lehrkräfte zu
Führungspersönlichkeiten, die auch über das Klassenzimmer hinaus wirken“,
betont KU-Präsidentin Prof. Dr. Gabriele Gien.

Das Learning-Facilitator-Programm befähige Lehrerinnen und Lehrer auch
dazu, zum Wohlergehen und Wachstum sowie einer Kultur des Lernens
beizutragen, die Engagement in der Gemeinschaft und gemeinsame
Verantwortung fördere. Prof. Dr. Rowena Roppelt, die an der School of
Transformation and Sustainability der KU die Zusammenarbeit mit JWL
gemeinsam Dr. Marina Tsoi und weiteren Mitarbeiterinnen koordiniert,
ergänzt: „Unsere Absolventinnen und Absolventen sind – wie sie schildern –
in der Lage, Konflikte zu lösen und Zusammenarbeit zu fördern. Sie fühlen
sich gestärkt und sind starke Vorbilder, die Normen in Frage stellen.“ Im
laufenden Wintersemester hätten sich allein in Afghanistan 58 Studierende
für das Learning Facilitator-Programm eingeschrieben, darunter 51 junge
Frauen. „Und das trotz aller Widrigkeiten, die die Bildungspolitik der
Taliban mit sich bringt, die alle Mädchen ab 12 Jahren von der
Hochschulbildung ausschließt. Das Learning Facilitator-Programm ist eine
Antwort auf den enormen Bedarf, jungen Frauen Zugang zu einer
Berufsausbildung zu verschaffen und sie zu befähigen, ihre jüngeren
Schwestern und Brüder in ihren Dörfern zu unterrichten“, so Roppelt.

Für die nun abgeschlossene Studie zur Wirksamkeit dieses Bildungsangebotes
wurden rund 50 Absolventinnen und Absolventen in Afghanistan, Guyana,
Indien, Irak, Kenia und Malawi befragt. Die Teilnehmenden schildern
tiefgreifende Veränderungen im Vergleich zur Unterrichtspraxis, die sie
selbst erlebt haben. „Wir sollten eine lernfreundliche Umgebung schaffen
und flexibler sein, weil jeder Schüler seine eigene Art zu lernen hat“,
äußerte ein Absolvent. Ein anderer Befragter, der den Kurs im kenianischen
Flüchtlingslager Kakuma absolviert hat, schildert, dass er seine
Unterrichtspraxis nun gewaltfrei gestaltet: „Früher neigte ich dazu, sehr
aggressiv zu sein […]. Jetzt jedoch genieße ich eine ausgezeichnete
Beziehung zu meinen Schülern, da sich meine Unterrichtstechniken von
damals bis heute deutlich gewandelt und verbessert haben."

Die Absolventinnen und Absolventen setzen sich – wie die Befragung
außerdem zeigt – häufig für den Zugang von Schülerinnen zur Bildung ein
und dienen auch als Vorbilder. In Afghanistan hob eine Absolventin diese
Rolle in ihrer Gemeinde hervor, indem sie Eltern dazu inspirierte, ihre
Töchter zur Schule zu schicken. Indem sie die Vorteile der Mädchenbildung
aufzeigte, trug sie dazu bei, die Einstellung zugunsten der Förderung
eines geschlechtergerechten Lernumfelds zu verändern.

Die Befragten betonten außerdem, wie sich die Bereitstellung von Bildung
auf die Stärkung der Gemeinschaft auswirkt. Ein Absolvent in Kenia
erzählt: „Dieser Kurs hat mich dazu gebracht, mir neue Ziele zur
Unterstützung von Gemeinschaft zu setzen. In meinem Dorf lernen die
meisten Kinder nicht oder sie gehen nicht zur Schule. Als ich diesen Kurs
begann, [...] bat mich mein Betreuer vor Ort, die Menschen in ihrem Dorf
zu unterrichten. [...] Dieser Kurs hat also wirklich eine Menge
Veränderung in mir bewirkt." Und das Learning-Facilitator-Programm
eröffnet auch den Studierenden selbst Perspektiven, die für sie bislang
nicht erreichbar erschienen: „Meine Eltern konnten es sich nicht leisten,
mich zum College zu bringen, ich bin jetzt in der Lage, das Ziel meiner
Eltern zu erreichen. Sie möchten diesem Projekt und dem Gründer dieses
Kurses dafür danken, dass sie das getan haben, was sie nicht für mich tun
konnten.“

Das Learning Facilitator-Programm wird in einem Blended-Learning-Format
angeboten. Die Kursinhalte sind über eine webbasierte Schulungsplattform
oder über die JWL Global ELearning App zugänglich, über die sich die
Inhalte auch für die Offline-Nutzung heruntergeladen lassen. Während des
gesamten Kurses müssen die Studierenden wöchentliche Aufgaben einreichen,
die Erfahrung, Reflexion und Aktion miteinander verbinden. Dazu gehört
auch der Erfahrungsaustausch in einer globalen Gemeinschaft von Lernenden,
die Studierende aus verschiedenen gemeinschaftlichen Lernzentren in einem
virtuellen globalen Klassenzimmer verbindet.

Während des gesamten Programms führen die Teilnehmer ein Abschlussprojekt
und ein Praktikum durch, bei dem sie die pädagogischen Grundsätze und
Praktiken in ihrer Lehrtätigkeit anwenden, um einen bestimmten Bedarf in
ihrer Gemeinde zu decken. Learning Facilitator-Studierende sind regelmäßig
in Kontakt mit Online-Moderatoren der KU, die für die akademische
Betreuung durch Feedback und die Benotung jedes Studierenden zuständig
sind. Die Studierenden profitieren auch von der Unterstützung vor Ort,
denn ein Lernmoderator ist dafür zuständig, die Diskussionen zweimal
wöchentlich in einem Lernzentrum zu leiten. Durch diese Präsenztermine
werden die Studierenden ermutigt, relevante Themen mit ihren Kurskollegen
zu diskutieren und die Relevanz der Kursinhalte in ihrem lokalen Kontext
zu erkennen.

Mehr Informationen zum Learning-Facilitator-Programm finden sich auf der
Homepage der School of Transformation and Sustainability der KU unter
<www.ku.de/sts/studienangebote>. Die ausführliche Studie in englischer
Sprache ist verfügbar unter <www.jwl.org/news-media>.

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Faktentreue beim Schreiben mit künstlicher Intelligenz: Spendenprojekt gestartet

Sprachmodelle basierend auf künstlicher Intelligenz wie ChatGPT
interagieren mit Nutzerinnen und Nutzern im Dialog und geben
vertrauenswürdig erscheinende Antworten. Doch sind die Auskünfte immer
richtig? Unabhängig von Auftraggebern und finanziert von privaten Spenden
befasst sich das Öko-Institut in seinem neuen Spendenprojekt mit den
spezifischen Risiken, aber auch mit den Chancen der neuen Sprachmodelle
auf Basis künstlicher Intelligenz (KI).

Falschen Informationen entgegenwirken
Wenn KI-Sprachmodelle trainiert werden, werten sie große Text- und
Datenmengen aus. Insbesondere beim Sprachmodell ChatGPT war es offenkundig
das primäre Entwicklungsziel, dass es auf jede Frage eine Antwort gibt,
die Qualität der Antwort ist nachrangig. Die Antworten können also
plausibel klingen, aber keine faktische Basis haben. So wird es für Laien
schwer, Fakten und Fiktion zu unterscheiden. Desinformationskampagnen,
insbesondere im Klimaschutzbereich, nehmen zu und können durch die
Werkzeuge der künstlichen Intelligenz erleichtert werden.
„Hier liegt eine große Gefahr, falsche Informationen können sich in der
Gesellschaft negativ auf die Akzeptanz von Maßnahmen und Instrumenten zum
Klimaschutz auswirken“, sagt Carl-Otto Gensch, Projektleiter am Öko-
Institut. Bei der Faktentreue der Antworten setzt das neu gestartete
Projekt an. Dort soll eine Methode entwickelt werden, um Antworttexte von
KI-Sprachmodellen zu wichtigen Themen des Umwelt- und Klimaschutzes zu
prüfen und auf ihre Faktentreue hin zu bewerten.

Einfacher Zugang zu Informationen
Außerdem analysiert das Projekt, wie sich die Faktentreue der Antworten
über einen bestimmten Zeitraum verändert und wie sehr sie von wohl
formulierten Eingabetexten, also den „prompts“, abhängt. Zudem wird
untersucht, ob umweltrelevante Informationen mit Hilfe der KI-
Sprachmodelle einfacher zugänglich sind. Und: Wie werden diese Modelle
bereits in der Wissensaufbereitung und -vermittlung genutzt?
„Besonders hier sind faktenbasierte Informationen erforderlich, da das die
Schnittstelle zwischen wissenschaftlicher Forschung und Kommunikation in
die Öffentlichkeit ist“, gibt der Leiter des Bereichs Produkte &
Stoffströme am Öko-Institut zu bedenken. „Das ist aber auch die große
Chance von KI. Komplexe Informationen zu Umweltthemen können in
verschiedenen Sprachstilen leicht aufbereitet werden und sind so für alle
Menschen leicht zugänglich.“
Anschließend an die Analyse leitet das Projektteam politische Empfehlungen
ab: Wie sollte ein regulatorischer Rahmen aussehen, um den möglichen
Risiken zu begegnen aber auch die Chancen durch KI-Sprachmodelle zu
erhöhen?
Spendenprojekte ermöglichen auftragsfreie, unabhängige Forschung am Öko-
Institut. In diesen Projekten untersuchen die Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler wichtige Grundlagen der nachhaltigen Transformation, die
unser gesellschaftliches Miteinander bestimmen und geben der Politik
Handlungsempfehlungen für sozial gerechte und ökologisch sinnvolle
Richtungsänderungen an die Hand.

Zum Spendenformular des Öko-Instituts mit weiteren Informationen zum
Spendenprojekt „Schreiben mit künstlicher Intelligenz – Fakten oder
Fiktion? Chancen und Risiken von KI-Sprachmodellen: Wie einfach ist es für
Nutzer*innen, verlässliche Informationen zu Klima- und Umweltschutzthemen
zu erhalten?“ (https://www.oeko.de/spendenprojekt2023)

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen
Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der
Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien,
wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal
umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg,
Darmstadt und Berlin vertreten.
www.oeko.de | Podcast | blog.oeko.de | Twitter | Instagram | Onlinemagazin

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Welt-COPD-Tag 15.11.: Wichtigste Vorbeugungsmaßnahme ist der Rauchstopp

Zum Welt-COPD-Tag am 15. November 2023 weisen der Beauftragte der
Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen und die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf das Rauchen als Hauptrisikofaktor
für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD (engl. Chronic
Obstructive Pulmonary Disease) hin. Zwischen 80 und 90 Prozent der COPD-
Erkrankungen sind auf Tabakkonsum zurückzuführen. Die Lungenkrankheit ist
weit verbreitet. Doch ist die Erkrankung vielen nicht bekannt – auch
Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, das aber noch nicht
wissen. Viele von ihnen rauchen oder haben über eine lange Zeit geraucht.

Zum Welt-COPD-Tag am 15. November 2023 weisen der Beauftragte der
Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen und die Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf das Rauchen als Hauptrisikofaktor
für die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD (engl. Chronic
Obstructive Pulmonary Disease) hin. Zwischen 80 und 90 Prozent der COPD-
Erkrankungen sind auf Tabakkonsum zurückzuführen. Die Lungenkrankheit ist
weit verbreitet. Doch ist die Erkrankung vielen nicht bekannt – auch
Menschen, die von der Krankheit betroffen sind, das aber noch nicht
wissen. Viele von ihnen rauchen oder haben über eine lange Zeit geraucht.

Burkhard Blienert, Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und
Drogenfragen: „Jetzt ist die beste Zeit zum Rauchausstieg! Wir müssen
unsere Anstrengungen für die Tabakentwöhnung und den Rauchstopp
intensivieren und über die gesundheitlichen Risiken aufklären. Ebenso
wichtig ist, dass wir die vielen Millionen Raucherinnen und Raucher
unterstützen, die seit Jahren erfolglos versuchen, von Zigaretten und Co.
loszukommen. Ein adäquates Mittel zur Bekämpfung des Rauchens ist auch,
noch immer bestehende Lücken bei der Werberegulierung durch Verbote zu
schließen. Das betrifft etwa das Marketing an Tankstellen und Kiosken, die
kostenlose Abgabe von Tabakerhitzern und E-Zigaretten sowie die
Kinowerbung und das Sponsoring von Festivals durch die Tabakwirtschaft.
Die Ampelregierung hat sich dazu auch in ihrem Koalitionsvertrag
verständigt. Jetzt muss die Umsetzung folgen.“

Dr. Johannes Nießen, Errichtungsbeauftragter des Bundesinstituts für
Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) und Kommissarischer
Leiter der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): „Folgen
der COPD sind Atemnot und erhebliche Leistungsminderung. Symptome wie
anhaltender Husten und Atemnot sollten unbedingt ärztlich abgeklärt
werden. Ein Rauchstopp ist die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung von COPD
und senkt das Erkrankungsrisiko deutlich. Die BZgA unterstützt mit
zahlreichen qualitätsgeprüften Angeboten beim Rauchausstieg.“

COPD kann einen lebensbedrohlichen Verlauf nehmen
Eine COPD beginnt schleichend und macht sich in einem frühen Stadium über
chronischen Husten und vermehrten Auswurf bemerkbar. Diese Symptome werden
von den Betroffenen oftmals übersehen oder als „Raucherhusten“ abgetan.

Neue BZgA-Mitmachaktion „Rauchfrei im Mai“ startet 2024
Motivation für den Rauchstopp bestärken und ein nikotinfreies Leben
fördern, das ist Zielsetzung einer neuen BZgA-Aktion im kommenden Jahr:
Der Mai 2024 wird unter dem Motto „Rauchfrei im Mai“ zum bundesweiten
Mitmachmonat. Umgesetzt wird die Mitmachaktion durch die BZgA gemeinsam
mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung Nord und den
zentralen Akteuren der nationalen Gesundheitsversorgung sowie weiteren
Kooperationspartnerinnen und -partnern. Sie ist Teil der Bundesinitiative
„Rauchfrei leben!“ des Bundesbeauftragten der Bundesregierung für Sucht-
und Drogenfragen und des Bundesministeriums für Gesundheit.

Interessierte Institutionen sind aufgerufen, sich an dieser Mitmachaktion
zu beteiligen und können Kontakt über die Website https://www.rauchfrei-
im-mai.de oder die E-Mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. aufnehmen.

Weil Tabakkonsum psychisch und körperlich abhängig macht, fällt der
Rauchstopp schwer. Die BZgA unterstützt Aufhörwillige mit
qualitätsgesicherten Angeboten, sich aus der Abhängigkeit vom Rauchen zu
befreien:

• Online-Ausstiegsprogramm: Infos und Tipps rund um die Themen Rauchen und
Nichtrauchen mit Forum, Chat, unterstützender täglicher E-Mail und
persönlichen rauchfrei-Lotsinnen und Lotsen unter: https://www.rauchfrei-
info.de

• Telefonische Beratung zur Rauchentwöhnung: Kostenlose Rufnummer 0 800 8
31 31 31 – erreichbar montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und
freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr

• Kostenfrei bestellbare Informationsbroschüren: „Ja, ich werde rauchfrei“
oder „Rauchfrei in der Schwangerschaft und nach der Geburt“. Die
Broschüren können bestellt oder direkt heruntergeladen werden im BZgA-Shop
unter: https://shop.bzga.de

• rauchfrei-Instagram-Kanal: BZgA-Infos und alltagsnahe, praktische Tipps,
damit aus guten Vorsätzen ein dauerhafter Rauchstopp wird
https://www.instagram.com/rauchfrei_info

Bestellung der kostenlosen BZgA-Materialien unter:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 50819 Köln
Online-Bestellsystem: https://shop.bzga.de
Fax: 0221/8992257
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

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Sanskrit: In Indien ist die alte Sprache lebendig

Ein Maharadscha auf einem Elefanten, Reisklöße in einem Ahnenritual, ein
30 Tage dauerndes Spektakel: Ein Sanskrit-Kurs in Indien bescherte
Würzburger Studierenden viele Eindrücke.

Indiens kulturelle Vielfalt, seine Religionen, Kunst und Geschichte: All
das steht im Mittelpunkt des Indologie-Studiums an der Uni Würzburg. Dabei
lernen die Studierenden selbstverständlich auch klassische und moderne
indische Sprachen – unter anderem Sanskrit, eine sehr alte Sprache, deren
Ursprünge viele Jahrhunderte vor Christi Geburt liegen.

Sanskrit? Das klingt erst einmal trocken. Verbringt man da seine Zeit
nicht ausschließlich vor Büchern und in Archiven, fernab von jeglichem
Alltagsbezug? Weit gefehlt. „Das religiöse Leben im modernen Indien ist
von Sanskrit durchdrungen“, sagt Indologie-Student Paul Bohnenkamp. Bei
religiösen Zeremonien zum Beispiel rezitieren hinduistische Priester Texte
in Sanskrit, die Gläubigen sprechen es nach. Der alten Sprache kommt in
Indien also eine ähnliche Rolle zu, wie Latein sie lange Zeit in der
katholischen Kirche hatte.

Ahnenritual: Reisklöße als wichtige Requisiten

Wie hinduistische Rituale ablaufen, konnte Drittsemesterstudent Paul im
Herbst 2023 vor Ort in Indien erleben: Zusammen mit anderen Studierenden
absolvierte er in der Millionenstadt Varanasi den zweiwöchigen Kurs „Lived
Sanskrit Cultures in Varanasi“, veranstaltet von den Indologien der
Universitäten Würzburg und Heidelberg. Es war sein erster Aufenthalt in
Indien. Kulturschock? Den habe er nicht erlebt, sagt der Student. Von dem
Kurs war er nachhaltig beeindruckt: Er wollte mit der Teilnahme den
theoretischen Teil seines Studiums „mit Farbe füllen“ – und dieser Plan
ging voll auf.

Im Kurs erfuhren die Studierenden unter anderem von einem Ritual, bei dem
kürzlich verstorbene Mitglieder einer Familie rituell in den Kreis der
Ahnen aufgenommen werden. Reisklöße, die miteinander verknetet und im
Beisein eines Priesters geopfert werden, spielen dabei eine Rolle – die
Prozedur symbolisiert das Verschmelzen der Verstorbenen mit den Vorfahren.

Zufällig konnten die Studierenden genau dieses Ahnenritual kurz darauf
live beobachten: am Ufer des Ganges, wo Tag für Tag zahllose Zeremonien
der unterschiedlichsten Art abgehalten werden. Besser kann man die Theorie
wohl nicht mit Farbe füllen. „Genau das zeichnet diesen Kurs aus“, sagt
Doktorand Ignaz Hetzel, der schon mehrere Male teilgenommen hat: „Man
lernt in der Theorie, kann aber vor Ort sehr viele religiöse Rituale
entdecken und beobachten.“ Das liegt auch an der Stadt, in der der
Sanskrit-Kurs stattfindet: Varanasi ist ein wichtiges Zentrum des
hinduistischen Pilgerwesens.

Spoken Sanskrit: Wiederbelebung der alten Sprache

Im Kurs behandelten die Dozierenden vielfältige Themen. Sie hielten
Vorträge über Pilgerrouten und den Wandel der Pilgertraditionen ebenso wie
über die Rolle der Astronomie im hinduistischen Ritualkalender.

Eine Besonderheit: Die Teilnehmenden konnten sich in gesprochenem Sanskrit
üben. „Es gibt Strömungen, diese alte Sprache wieder als Alltagssprache zu
aktivieren“, erklärt der Würzburger Doktorand. Und so wurden unter anderem
Begrüßungsfloskeln und Bezeichnungen für moderne Alltagsgegenstände
gelehrt – ganz so, wie man auch Neulinge in Englisch, Italienisch oder
einer anderen modernen Sprache unterrichten würde.

Spektakel: das Schauspiel Ramayana dauert 30 Tage

Was die Studierenden ebenfalls sehr beeindruckt hat: Sie erlebten in
Varanasi ein Schauspiel mit, bei dem die wichtigsten Episoden des Ramayana
nachgespielt und rezitiert werden. Dabei geht es um das Leben des Prinzen
Rama. 30 Tage dauert das Spektakel, gespielt wird täglich von mittags bis
abends an verschiedenen Orten im Freien. Und jeden Abend geht das
Schauspiel in eine Art Volksfest über.

Die Aufführung des Ramayana bescherte den Studierenden viele Eindrücke.
„Wir wurden dort von einem indischen Journalisten interviewt und waren
dann in der Zeitung“, erzählt Paul. Außerdem war bei dem Schauspiel als
Schirmherr der Maharadscha von Varanasi zu Gast, der auf einem Elefanten
ritt. Zur Kulisse des Ramayana gehören zahlreiche große Götterfiguren,
deren Herkunft die Studierenden erkundeten: Sie besuchten Werkstätten, in
denen die Figuren gefertigt werden.

Zuschüsse: Förderung durch den DAAD

Geleitet wurde der Kurs „Lived Sanskrit Cultures“ von Professor Jörg
Gengnagel, Inhaber des Würzburger Indologie-Lehrstuhls, und Professorin
Ute Hüsken, Abteilungsleiterin für Kultur- und Religionsgeschichte
Südasiens an der Uni Heidelberg. Bei der Auflage im Herbst 2023 waren aber
so gut wie alle Dozierenden der Würzburger Indologie mit dabei. Finanziell
gefördert wurde der Kurs vom Deutschen Akademischen Austauschdienst, DAAD:
Die Teilnehmenden erhielten Zuschüsse zu den Reise- und Aufenthaltskosten.

Indien erleben: Studierende haben viele Möglichkeiten

Grundsätzlich haben die Würzburger Indologie-Studierenden viele
Möglichkeiten, mit Stipendien in Indien aktiv zu werden. Landeskunde und
Sprachkurse gehören fest zur Ausbildung; Feldforschungen, Praktika oder
Exkursionen werden darum als Studienleistungen angerechnet. Zeitgleich mit
der Lived-Sanskrit-Exkursion gab zum Beispiel Dozentin Dr. Justyna
Kurowska einen Kurs zur Etablierung von Sprache und Schrift des modernen
Hindi, ebenfalls in Varanasi. „Indien sehen, Indien erleben, Indien
studieren“: Dieses Motto steht nicht ohne Grund auf der Webseite der
Würzburger Indologie ganz

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