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KI-Eventreihe erfolgreich angelaufen

An der Hochschule Heilbronn startete kürzlich eine neue
Veranstaltungsreihe zum      Themenkomplex KI, Kultur und Ethik.

• In Zentrum steht der Roman „Klara und die Sonne“ von
Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro.

• Die Veranstaltungen sind Teil eines Konzepts, mit dem die Hochschule
beim deutschlandweiten Wettbewerb „Eine Uni - ein Buch“ gewonnen hat.

Heilbronn, November 2023. Ein Buch, eine Mission: sich mit möglichst
vielen Menschen darüber auszutauschen, innerhalb sowie außerhalb der
Hochschule Heilbronn (HHN). Das Vorhaben entstand im Rahmen des
deutschlandweiten Wettbewerbs „Eine Uni – ein Buch“, bei dem die HHN mit
ihrem Konzept gewann und dieses jetzt durch Aktionen mit Leben füllt. Die
HHN entschied sich für den Roman „Klara und die Sonne“ von Kazuo Ishiguro.
Ausgesucht wurde dieser durch eine 12-köpfige Jury, bestehend aus
Studierenden, Mitarbeitenden und Professor*innen der HHN. Das Buch
beleuchtet das Thema KI aus nicht-technischen Perspektiven und fordert
dazu auf, das Menschsein im Kontext der aktuellen technologischen
Veränderung zu reflektieren.  Die verschiedenen Aktionen, um darüber mit
der der Gesellschaft in Austausch zu gehen, starteten kürzlich.

Auftaktlesung in der Bibliothek LIV

Wie viel Liebe braucht der Mensch – und reicht es, wenn diese künstlich
ist? Können „künstliche Freunde“ wie Klara, Ishiguros Ich-Erzählerin,
Emotionen haben und menschliche Wesen ersetzen? Diese und andere Fragen
standen im Fokus der Auftaktlesung „All we need is artificial love?“, die
in der Bibliothek LIV am Bildungscampus stattfand. Schauspielerin Carmen
Yasemin Ipek las Auszüge aus „Klara und die Sonne“ und unter der
Moderation von Literaturhausleiter Dr. Anton Knittel diskutierten Rektor
der HHN, Professor Oliver Lenzen, Professorin Gesine Lenore Schiewer
(Lehrstuhl für Interkulturelle Germanistik der Universität Bayreuth) und
KI-Experte Professor Javier Villalba-Diez (Fakultät Wirtschaft der HHN).

Im Anschluss hatten Besucher*innen die Möglichkeit, die Diskussion bei
einem Get-together fortzusetzen. Gemäß dem Projektziel hatte die
Veranstaltung nicht nur Hochschulangehörige, sondern gleichermaßen
Menschen aus der Stadtbevölkerung angesprochen: „Was ich heute hier gehört
habe und vor allem das, was Professor Villalba-Diez zum Unterschied
zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz gesagt hat, hat mich mit
dem Thema KI versöhnt,“ sagte der geschätzt älteste Besucher der
Veranstaltung.

“KI als Religion“ – Tagung Ökonomie und Ethik

Mit dem Titel „KI als Religion“ bot kurze Zeit später auch die diesjährige
Tagung Ökonomie und Ethik am Bildungscampus Stoff für eine kritische
Auseinandersetzung mit dem Thema KI. Ziad Mahayni, Professor für
Angewandte Ethik an der Hochschule Karlsruhe und neuer Leiter des Referats
für Technik- und Wissenschaftsethik, legte in seinem Impulsvortrag dar, wo
Parallelen und Unterschiede zwischen „Tech-Utopien“ und „traditionellen
Religionen“ liegen, und welches Menschenbild in zeitgenössischen,
technologiezentrierten Zukunftsvisionen zum Ausdruck kommt. Sein Streben
über die eigenen Grenzen hinaus sei schon immer ein Antrieb des Menschen
gewesen. Ein bedingungsloser, quasi-religiöser Glaube an Technik und
Wissen, den Mahayni zum Beispiel im Transhumanismus beobachte,
unterscheide sich jedoch sehr davon, wie in der antiken Philosophie die
Optimierung des Menschen gedacht wurde.

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Prälat Ralf Albrecht
(Evangelische Landeskirche Württemberg), Rektor Oliver Lenzen und
Professorin Alexandra Reichenbach (Direktorin des Zentrums für
Maschinelles Lernen der HHN) wurden ausgehend von Mahaynis Impuls
unterschiedlichste Facetten und potenzielle Gefahren der KI beleuchtet.
Auch das Publikum nahm am Austausch teil, insgesamt zählte die HHN 50
Teilnehmende vor Ort, 230 schalteten sich virtuell zu. „Der Themenkomplex
bietet noch viel Raum für verantwortungsbewusstes Nachdenken, um die
explosionsartige technologische Entwicklung sinnhaft gestalten zu können.
‚Klara und die Sonne‘ hat dazu einen wichtigen Impuls gesetzt“, sagt
Veranstalter und Moderator der Tagung, Professor Roland Pfennig. Pfennig
ist Ethikbeauftragter der HHN.

„WORTSTATT Heilbronn an der HHN“

Weiter ging es damit, dass Studierende und Mitarbeiter*innen der HHN
selbst zum Stift oder zur Tastatur griffen und verschiedene Methoden des
literarischen Schreibens ausprobierten. In Kooperation mit dem am
Literaturhaus Heilbronn verankerten Projekt „WORTSTATT Heilbronn im
Dialog“ entstand, ausgehend vom Roman, ein vielfältiger Mix aus kreativen
Lyrik- und Prosatexten. Auch KI-Werkzeuge kamen zum Einsatz. Geleitet
wurde die Schreibwerkstatt von Lyrikerin Dagmara Kraus, Juniorprofessorin
für Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim.

Ausblick

Die kommenden literarischen Schreibwerkstätten finden jetzt am 18.
November 2023 sowie am 16. Dezember 2023 im Literaturhaus statt. Geleitet
werden auch diese von renommierten Autoren: Martin Piekar und Michael
Stavarič. Des Weiteren präsentieren Hochschulangehörige und Schüler*innen
des Heilbronner Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums ihre Illustrationen zum Roman
"Klara und die Sonne" am Campus Sontheim. Im Rahmen der
Ausstellungseröffnung am 16. Januar 2024 können Besucher*innen zudem einen
Chatbot nutzen, der in Kooperation mit dem Unternehmen mai.bot eigens für
das Projekt entwickelt wurde.

Darüber hinaus sind weitere Events in Planung, wie beispielsweise eine
Veranstaltung von HHN-Studierenden, die das Stipendium „Grüne Zukunft“
erhalten haben. Die Gruppe hat sich mit den Nachhaltigkeitsaspekten des
Buchtextes auseinandersetzt. „Ishiguros Roman ist ein wichtiges und
zeitgemäßes Buch, gerade für Heilbronn. Wir sind sehr zufrieden mit dem
erfolgreichen Start der Reihe und laden alle Interessierten herzlich zu
allen weiteren Veranstaltungen ein“, sagt Dr. Melanie Gish. Gemeinsam mit
Miriam Leist leitet sie das Projekt an der Hochschule Heilbronn.

Weitere Informationen zum Projekt unter: <www.hs-heilbronn.de/klara>

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Hochschule Heilbronn – Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik
Mit ca. 8.000 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn (HHN) eine der
größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg.
Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt in den Bereichen Technik, Wirtschaft und
Informatik. An ihren vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim,
Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die HHN mehr als 60
zukunftsorientierte Bachelor- und Masterstudiengänge an, darunter auch
berufsbegleitende Angebote. Die HHN bietet daneben noch weitere
Studienmodelle an und pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der
Region. Sie ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr gut vernetzt.
Das hauseigene Gründungszentrum unterstützt Studierende sowie Forschende
zudem beim Lebensziel Unternehmertum.

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53 Prozent aller Beschäftigten bekommen Weihnachtsgeld, deutlich mehr mit Tarifvertrag

Aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs

53 Prozent aller Beschäftigten bekommen Weihnachtsgeld, deutlich mehr mit
Tarifvertrag – Tarifliche Weihnachtsgeldzahlungen zwischen 250 und 3.836
Euro

Weihnachtsgeld ist für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein
wichtiger Beitrag zur Haushaltskasse vor den Festtagen – erst recht in
Zeiten nach wie vor hoher Inflation. Doch lediglich gut die Hälfte der
Beschäftigten in Deutschland kann sich darauf freuen, in diesen Tagen die
Sonderzahlung zu bekommen. Den größten Unterschied macht, ob Beschäftigte
nach Tarifvertrag bezahlt werden oder nicht: Von den Beschäftigten mit
Tarif bekommen 77 Prozent Weihnachtsgeld – fast doppelt so viele wie in
Betrieben ohne Tarifvertrag, wo lediglich 42 Prozent der Beschäftigten
eine solche Zahlung erhalten. Das ist das Ergebnis einer neuen Auswertung
des Internetportals Lohnspiegel.de, das vom Wirtschafts- und
Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut
wird. Sie beruht auf einer Online-Befragung, an der sich zwischen Anfang
November 2022 und Ende Oktober 2023 mehr als 40.000 Beschäftigte beteiligt
haben (mehr Informationen zum Datensatz unten).

Die Zahlung von Weihnachtsgeld wird entweder durch Tarifverträge geregelt
oder beruht auf „freiwilligen“ Leistungen des Arbeitgebers, die bei
mehrjährigen Wiederholungen auch zum Gewohnheitsrecht werden können und
damit verpflichtend sind. In der Praxis wird jedoch in Unternehmen ohne
Tarifvertrag deutlich seltener Weihnachtsgeld ausgezahlt, denn den festen
tariflichen Anspruch auf Weihnachtsgeld haben Gewerkschaften und ihre
Mitglieder schließlich über Jahrzehnte durchgesetzt. Gleichzeitig ist auch
die monatliche Grundvergütung in tariflosen Betrieben im Durchschnitt
niedriger, sodass die Beschäftigten hier doppelt im Nachteil sind. Wichtig
zu wissen: In der Online-Umfrage von Lohnspiegel.de werden die
Beschäftigten explizit danach gefragt, ob sie Weihnachtsgeld erhalten. Das
Statistische Bundesamt berücksichtigt hingegen in einer eigenen Auswertung
alle Jahressonderzahlungen mit Auszahlung im November beziehungsweise
Dezember und kommt regelmäßig zu dem Ergebnis, dass ein noch höherer
Anteil der Tarifbeschäftigten hiervon profitiert.

„Auch wenn die Preisschübe in den letzten Monaten nachgelassen haben, ist
das Weihnachtsgeld für viele Beschäftigte nach wie vor sehr wichtig“, sagt
der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten. „Die
dauerhaft gestiegenen Lebenshaltungskosten bleiben insbesondere im
Niedriglohnsektor eine finanzielle Herausforderung. Mit Tarifvertrag
bestehen in der Regel deutlich bessere Voraussetzungen, damit
zurechtzukommen.“

Weihnachtsgeld für verschiedene Beschäftigtengruppen

Neben der Tarifbindung lassen sich eine Reihe weiterer Merkmale
identifizieren, die die Chancen auf Weihnachtsgeld beeinflussen (siehe
auch die Abbildung 1 in der PDF-Version dieser Pressemitteilung; Link
unten):

- West/Ost: Nach wie vor gibt es bedeutsame Unterschiede zwischen Ost- und
Westdeutschland. In Westdeutschland bekommen 55 Prozent, in Ostdeutschland
nur 43 Prozent der Befragten Weihnachtsgeld. Dies hängt auch damit
zusammen, dass die Tarifbindung in Ostdeutschland deutlich niedriger ist
als im Westen.

- Vollzeit/Teilzeit: Unterschiede existieren auch hinsichtlich des
Beschäftigtenstatus: Bei Vollzeitbeschäftigten ist der Erhalt von
Weihnachtsgeld mit 54 Prozent etwas verbreiteter als bei
Teilzeitbeschäftigten, von denen 49 Prozent eine entsprechende
Sonderzahlung bekommen.

- Befristet/unbefristet: Ähnlich ausgeprägt sind die Unterschiede zwischen
Beschäftigten mit einem befristeten oder einem unbefristeten
Arbeitsvertrag. Während lediglich 48 Prozent der Befragten mit Befristung
Weihnachtsgeld erhalten, sind es bei den Unbefristeten 54 Prozent.

- Männer/Frauen: Männer erhalten mit 55 Prozent immer noch etwas häufiger
Weihnachtsgeld als Frauen, von denen 51 Prozent diese Sonderzahlung
bekommen.

Große Unterschiede bei der Höhe des tarifvertraglichen Weihnachtsgeldes

In den meisten großen Tarifbranchen existieren gültige tarifvertragliche
Bestimmungen zum Weihnachtsgeld oder einer ähnlichen Sonderzahlung, die
zum Jahresende fällig wird. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung des WSI-
Tarifarchivs von 24 großen Branchen (siehe die ausführliche Tabelle in der
PDF-Version). Die Höhe der tarifvertraglich vereinbarten Sonderzahlung
unterscheidet sich dabei erheblich: Bei den mittleren Entgeltgruppen
reicht sie von 250 Euro in der Landwirtschaft bis zu 3.836 Euro in der
Chemischen Industrie. Nur wenige Branchen haben beim Weihnachtsgeld einen
Pauschalbetrag festgelegt. In den meisten Fällen wird das Weihnachtsgeld
als fester Prozentsatz vom Monatsentgelt berechnet. In Branchen, in denen
für 2023 höhere Tarifentgelte vereinbart wurden, hat sich auch das
Weihnachtsgeld entsprechend erhöht.

Ein klassisches 13. Monatsentgelt im Sinne einer Sonderzahlung von 100
Prozent eines Monatsentgeltes erhalten die Beschäftigten in der Chemischen
Industrie, Teilen der Energiewirtschaft, in der Süßwarenindustrie, bei der
Deutschen Bahn AG, im Bankgewerbe sowie in einzelnen westdeutschen
Tarifregionen der Textilindustrie und dem privaten Transport- und
Verkehrsgewerbe. In der Eisen- und Stahlindustrie werden sogar 110 Prozent
eines Monatsentgeltes gezahlt, wobei hier Weihnachts- und Urlaubsgeld zu
einer Jahressonderzahlung zusammengelegt wurden.

Mit 95 Prozent eines Monatsentgeltes liegt das Weihnachtsgeld in der
Druckindustrie und in der Papier und Pappe verarbeitenden Industrie leicht
unterhalb eines vollen 13. Monatsentgeltes. Im Versicherungsgewerbe werden
80 Prozent eines Monatsgehalts gezahlt, im Einzelhandel in den
westdeutschen Tarifbereichen vorwiegend 62,5 Prozent, in den Tarifgebieten
der westdeutschen Metallindustrie überwiegend zwischen 25 und 55 Prozent
und im Hotel- und Gaststättengewerbe in Bayern 50 Prozent. Im öffentlichen
Dienst (Gemeinden) beträgt die Jahressonderzahlung, die an die Stelle des
früher üblichen Weihnachts- und Urlaubsgeldes getreten ist, je nach
Vergütungsgruppe zwischen 52 und 85 Prozent des Monatsentgeltes.

Zwischen den ost- und westdeutschen Tarifgebieten bestehen in einigen
Branchen nach wir vor erhebliche Unterschiede. Ein (annähernd) gleich
hohes Weihnachtsgeld wird im Bank- und Versicherungsgewerbe, in der Eisen-
und Stahlindustrie, bei der Deutschen Bahn AG, in der Papier und Pappe
verarbeitenden Industrie (Arbeiter), dem Kfz-Gewerbe, im öffentlichen
Dienst (Gemeinden) und der Landwirtschaft gezahlt. In anderen Branchen
können die Unterschiede mehrere hundert Euro, in Einzelfällen wie im
Bauhauptgewerbe auch noch über tausend Euro ausmachen.

Unter den großen Wirtschaftszweigen sind Tarifbranchen ohne Weihnachtsgeld
oder eine vergleichbare Sonderzahlung die Ausnahme. Nach wie vor kein
Weihnachtsgeld gibt es im Gebäudereinigungshandwerk. Das gleiche gilt für
das ostdeutsche Bewachungsgewerbe, während in einigen westdeutschen
Regionen das Weihnachtsgeld erst ab einer bestimmten Anzahl von
Berufsjahren gezahlt wird.

Als teilweiser Ausgleich für das fehlende Weihnachtsgeld wurde im
Gebäudereinigungshandwerk für die Jahre 2021 bis 2023 erstmals ein so
genannter „Weihnachtsbonus“ vereinbart. Hierbei können die Beschäftigten
zwischen einem Zuschlag von 150 Prozent auf den Stundenlohn für ihre am
24.12. oder am 31.12. geleistete Arbeit oder einer bezahlten Freistellung
am 24.12. oder am 31.12. wählen.

Informationen zur WSI-Lohnspiegel-Datenbank

Für die Auswertung zur Häufigkeit von Weihnachtsgeld wurden Angaben von
40.377 Beschäftigten mit mehr als einem Jahr Berufserfahrung ausgewertet,
die zwischen dem 1. November 2022 und dem 31. Oktober 2023 an einer
kontinuierlichen Online-Erhebung des WSI-Portals Lohnspiegel.de
teilgenommen haben. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, erlaubt aber
aufgrund der hohen Fallzahlen detaillierte Einblicke in die Arbeitswelt.
Lohnspiegel.de ist ein nicht-kommerzielles Angebot der Hans-Böckler-
Stiftung.

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Covid-19: Forschungsergebnisse sind Grundlage für wissenschaftlichen Austausch mit Behörden

Erkenntnisse zu Covid-19, Empfehlungen für das Gesundheitswesen,
Impfstoffe: Heute wurden die Ergebnisse und der Synthesebericht des
Nationalen Forschungsprogramms «Covid-19» (NFP78) des Schweizerischen
Nationalfonds präsentiert.

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) lancierte bereits im April 2020 das
Nationale Forschungsprogramm «Covid-19» (NFP 78), ausgestattet mit einem
Budget von 20 Millionen Franken. Seither erarbeiteten rund 200 Forschende
in 28 Projekten eine Vielzahl von Ergebnissen zur Corona-Pandemie und zum
Umgang mit künftigen Pandemien.

Die biomedizinischen Projekte betrieben Grundlagenforschung, um besser zu
verstehen, wie das Virus SARS-CoV-2 Krankheiten und Reaktionen des
Immunsystems auslöst. Neue Ansätze in der Epidemiologie und Prävention
beschäftigten sich mit den Übertragungswegen des Virus und mit der
Entwicklung von Schutzmassnahmen. Diverse Projekte trugen zur Entwicklung
von Diagnostika, Medikamenten und Impfstoffen bei, und mehrere klinische
Studien untersuchten therapeutische Interventionen, um die Behandlung von
Covid-19-Erkrankungen zu verbessern.

Extrem dynamisches Forschungsfeld

Die wohl grösste Herausforderung für alle Forschenden war der Umgang mit
dem ausserordentlich dynamischen Forschungsfeld, dessen hohes Tempo sich
unter anderem durch die weltweite Dimension der Pandemie ergab. In dieser
Krisensituation zeigte sich, dass die Schweizer Forschung sehr schnell
Ergebnisse liefern kann. «Viele Aspekte der Covid-19-Pandemie waren zu
Beginn des Forschungsprogramms noch gar nicht bekannt. Zum Beispiel hatten
wir nicht erwartet, dass die Impfstoffe so schnell entwickelt werden
könnten. Deshalb legten wir in der ersten Phase einen starken Fokus auf
die Behandlung. Und so haben wir uns während der gesamten Forschungsphase
agil an die neuen Entwicklungen angepasst», erklärt Nicolas Rodondi,
Professor am Berner Institut für Hausarztmedizin (BIHAM) und Mitglied der
Leitungsgruppe des NFP 78. «Weiter hatte dies zur Folge, dass wir prägende
Phänomene wie Long-Covid erst im Verlauf des Programms erforschen
konnten.»

Forschung im Dienst der Behörden

Gerade in der frühen Phase der Pandemie lieferten epidemiologische und
umfangreiche Monitoring-Projekte des NFP 78 wichtige Erkenntnisse für das
vom Bundesrat eingesetzte wissenschaftliche Beratungsgremium, die
Covid-19-Taskforce, und für das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Projekte
zum Mobilitätsverhalten der Bevölkerung während der Pandemie und zur
Übertragbarkeit des Virus oder wöchentliche Analysen zur Akzeptanz von
Schutzmassnahmen unterstützten den Bundesrat und die Behörden bei ihren
Entscheidungen. «Forschungsarbeiten sind für die öffentliche Verwaltung
von grossem Nutzen und sie sind ein wichtiger Teil der Entscheidfindung.
Die Forschung spielte insbesondere bei der Früherkennung von Ausbrüchen
und bei der allgemeinen Bekämpfung der Pandemie eine entscheidende Rolle»,
resümiert Linda Nartey, Vizedirektorin des Bundesamts für Gesundheit. Das
BAG ist der Ansicht, dass die Zusammenarbeit zwischen Forschung und
Verwaltung weiter gestärkt werden muss: «Es braucht eine klare
Rollenteilung, abgestimmte Kommunikation, eine Zusammenarbeit, die auf
Vertrauen und Transparenz basiert und günstige Rahmenbedingungen für die
Projektvergabe».

Positive Bilanz und Lehren für kommende Krisen

Marcel Salathé, Professor für Epidemiologie an der EPFL, war Präsident der
Leitungsgruppe des NFP 78. Seine Bilanz der Ergebnisse aus den
Forschungsprojekten ist rundum positiv. Abgesehen von den
Forschungsergebnissen hat das Forschungsprogramm in der Krisensituation
auch noch weitere Erkenntnisse gebracht: «Es herrscht Optimierungsbedarf
bei der Zusammenarbeit der Wissenschaft mit öffentlicher Verwaltung und
Behörden. Dabei ist es zentral, diesen Austausch zu institutionalisieren,
damit das Zusammenspiel der beiden Akteure bei einer neu aufkommenden
Krise bereits funktioniert.» Im Synthesebericht des NFP 78 zählt er einige
Möglichkeiten auf, wie dies umgesetzt werden könnte: mit regelmässigen
Symposien zum Wissenstransfer, mit einem gemeinsamen Doktoratsprogramm
einer Universität und des Bundesamts für Gesundheit sowie mit
Austauschprogrammen von wissenschaftlichen Angestellten der öffentlichen
Verwaltung und Angehörigen der Universitäten.

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Nationales Forschungsprogramm «Covid-19» (NFP 78)

Das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) durchgeführte NFP 78 hatte zum
Ziel, schnell neue Erkenntnisse zu Covid-19 und zur weiteren Entwicklung
der Pandemie zu gewinnen.

In vier Modulen wurden Aspekte der Biologie, Pathogenität und
Immunogenität von SARS-CoV-2, neue Ansätze in der Covid-19-Epidemiologie
und -Prävention, Grundlagen für Impfstoffe, Medikamente und Diagnostika
sowie innovative klinische Ansätze und therapeutische Interventionen zur
Behandlung von Covid-19 Erkrankungen erforscht.

Die Forschungsarbeiten starteten im Herbst 2020 und dauerten zweieinhalb
Jahre. Das Budget betrug 20 Millionen Franken. Aus 190 eingereichten
Gesuchen wählte der SNF 28 Forschungsprojekte aus, deren Ergebnisse im
Synthesebericht des NFP 78 zusammengefasst sind.

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Virus beeinträchtigt die globale Weinproduktion

Was die Forschung über die Grapevine Red Blotch Krankheit von Weinreben
weiß

In der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachjournals PLOS Pathogens
Pearls fasst ein internationales Team um Dr. Björn Krenz von der Abteilung
Pflanzenviren am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von
Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH die aktuellen Forschungsergebnisse
und offenen Fragen rund um die sich weltweit ausbreitende Erkrankung von
Weinreben zusammen.

Grapevine Red Blotch Krankheit (Grapevine Red Blotch Disease, GRBD)
Die Viruserkrankung Grapevine Red Blotch Disease befällt sowohl wilde
Weinreben als auch kommerziell genutzte Rebstöcke. Das Grapevine Red
Blotch Virus (GRBV) ruft diese folgenschwere Erkrankung hervor. Erstmals
wurde diese Virus-Krankheit in den 2000er Jahren in Kalifornien entdeckt.
Eine Infektion mit GRBV beeinträchtigt nicht nur die Qualität der Trauben,
insbesondere durch eine Fehlreifung, bedingt durch die Beeinflussung
biochemischer Prozesse während des Reifungsvorgangs. „Durch den qualitativ
weniger hochwertigen Wein, der erzeugt wird, erleiden betroffene Winzer
erhebliche wirtschaftliche Verluste.“ erläutert Dr. Björn Krenz.
„Forschende gehen davon aus, dass das GRBV seinen Ursprung in Nordamerika
hat und sich infolge von unbeabsichtigten Transporten von infizierten
Stecklingen auf der ganzen Welt verbreitet.“, so Pflanzenvirologe Krenz
weiter. Neben dem Einsatz von unerkannt erkrankten Stecklingen kommt auch
die Grüne Buckelzikade (Spissistilus festinus) als möglicher Überträger
des Virus infrage. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen, liegt aktuell
der Forschungsschwerpunkt darauf, GRBV-freies Pflanzenmaterial zu
verwenden. „In Regionen, in denen die Krankheit stärker verbreitet ist,
wird Winzern geraten, die infizierten Rebstöcke vollständig zu
entfernen.“, macht Dr. Björn Krenz deutlich.

Zukunft des Weinanbaus
Obwohl in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte in der Erforschung
dieser Krankheit erzielt wurden, bleiben viele Fragen offen. Diese
betreffen unter anderem die tatsächliche Verbreitung der Krankheit, die
genaue Art und Weise, wie das Virus die Trauben schädigt, sowie die Frage,
ob es noch andere Viren oder Überträger gibt, die die Krankheit
verursachen könnten. Um die globale Weinindustrie zu schützen und ihre
nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten, ist eine weitere Erforschung des
Grapevine Red Blotch Virus unerlässlich.

Originalpublikation
Krenz B, Fuchs M, Thompson JR (2023) Grapevine red blotch disease: A
comprehensive Q&A guide. PLoS Pathog 19(10): e1011671.
https://doi.org/10.1371/journal.ppat.1011671


DSMZ-Pressekontakt:
PhDr. Sven-David Müller, Pressesprecher des Leibniz-Instituts DSMZ-
Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH
Tel.: 0531/2616-300
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und
Zellkulturen GmbH ist die weltweit vielfältigste Sammlung für biologische
Ressourcen (Bakterien, Archaeen, Protisten, Hefen, Pilze, Bakteriophagen,
Pflanzenviren, genomische bakterielle DNA sowie menschliche und tierische
Zellkulturen). An der DSMZ werden Mikroorganismen sowie Zellkulturen
gesammelt, erforscht und archiviert. Als Einrichtung der Leibniz-
Gemeinschaft ist die DSMZ mit ihren umfangreichen wissenschaftlichen
Services und biologischen Ressourcen seit 1969 globaler Partner für
Forschung, Wissenschaft und Industrie. Die DSMZ ist als gemeinnützig
anerkannt, die erste registrierte Sammlung Europas (Verordnung (EU) Nr.
511/2014) und nach Qualitätsstandard ISO 9001:2015 zertifiziert. Als
Patenthinterlegungsstelle bietet sie die bundesweit einzige Möglichkeit,
biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags zu
hinterlegen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die Forschung das
zweite Standbein der DSMZ. Das Institut mit Sitz auf dem Science Campus
Braunschweig-Süd beherbergt mehr als 85.000 Kulturen sowie Biomaterialien
und hat rund 220 Beschäftigte. www.dsmz.de

Über die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 97 selbständige
Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-,
Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und
Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute
widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen.
Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den
übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten
wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte
Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im
Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und
informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-
Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - in Form der
Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In-
und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen
Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern
Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die
Leibniz-Institute beschäftigen rund 20.500 Personen, darunter 11.500
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute
liegt bei 2 Milliarden Euro. www.leibniz-gemeinschaft.de

Originalpublikation:
https://journals.plos.org/plospathogens/article?id=10.1371/journal.ppat.1011671

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