TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung initiiert Projekt für
menschenwürdige Versorgung – Aktuelle Publikation zum Thema:
Interdisziplinärer Sammelband zur Zukunft des Sterbens neu erschienen
Im Jahr 2045 werden ca. 1,2 Millionen Menschen in Deutschland versterben.
Ein neues Buchprojekt von Wolfgang George und Karsten Weber geht der Frage
nach, wie das Lebensende in Zukunft aussehen wird. 27 Autoreninnen und
Autoren untersuchen die gesellschaftlichen Bedingungen des Sterbens und
wie sich der individuelle, aber auch institutionelle Versorgungsalltag für
Sterbende ebenso wie für deren Angehörige sowie für die professionell mit
dem Tod beschäftigten Personen darstellen wird. Leitidee des Sammelbands
ist, Analysen und Überlegungen anzubieten sowie heute diskutierte
Entwicklungen, Trends und Szenarien in Bezug auf diesen letzten
Lebensabschnitt und dessen Herausforderungen im Jahr 2045 aufzuzeigen. Der
Band versammelt Beiträge von Wissenschaftler/-innen aus unterschiedlichen
Disziplinen wie Soziologie, Philosophie, Psychologie, Theologie, Pädagogik
sowie Sozial- und Kulturwissenschaften ebenso wie von Praktiker/-innen der
Gesundheitsversorgung (palliative Versorgung, Notfall- und
Intensivbetreuung, Pflege, Hospizbewegung, Patientenschutz). Der Blick in
die Zukunft soll helfen, mögliche Herausforderungen der Gestaltung des
Lebensendes zu identifizieren, damit diese Phase des Lebens auch in
Zukunft menschenwürdig erlebt werden kann.
Geplant ist, es nicht allein bei dem Sammelband und dessen Visionen der
Zukunft des Sterbens zu belassen, vielmehr soll ein durch den TransMIT-
Projektbereich für Versorgungsforschung initiiertes Projekt entwickelt
werden, das eine menschenwürdige Versorgung auch in der Zukunft sichert.
Hierzu müssen die individuellen Wünsche, Bedürfnisse und Möglichkeiten der
Betroffenen, deren Familie und Angehörigen noch konsequenter in den
Mittelpunkt des Versorgungsgeschehens gestellt werden. Als Ausgangspunkt
solch eines resilienten, durch gemeinsame Sorgekultur und Verantwortung
ausgezeichneten Vorgehens sowohl der Bürgerinnen und Bürger als auch der
relevanten Dienstleister werden die regionalen Multiplikatoren von
Städten, Gemeinden und Landkreisen angesprochen.
Wie werden sich aufgrund der zentralen Treiberkräfte wie
(sozio-)technische Entwicklung, demografisch-soziologische Verhältnisse,
Personal(-mangel), aber auch der Klimawandel und absehbare ökonomische
Anpassungen, die Ausgestaltung des letzten Lebensabschnitts und die damit
verbundene Betreuung Sterbender in den nächsten beiden Dekaden verändern?
Wie ist der Stand der Dinge, welche Trends existieren, ist deren bloße
Fortschreibung zielführend oder müssen Veränderungen vorgenommen werden?
Gegenwärtig versterben die Menschen in Deutschland zu ca. 80% in
Krankenhäusern und Pflegeheimen, was nicht dem formulierten Willen der
Bevölkerung entspricht. Wie werden sich die konsumverwöhnten und
dienstleistungsorientierten Babyboomer verhalten, wenn diese 2045 die
zentrale Gruppe der Sterbepopulation bilden? Welche kumulierten
Auswirkungen werden die bereits heute erkennbaren Verluste klassischer
Familienzusammensetzung und sozialer Verbindlichkeit sowie die zunehmende
Vereinzelung bei sich gleichzeitig ausweitendem Pflege- und
Unterstützungsnotstand haben? Kann es unter diesen Bedingungen überhaupt
gelingen, ein häuslich organisiertes Sterben verstärkt zu ermöglichen und
welche Rolle wird die spezielle ambulante palliativ Versorgung (SAPV),
Hospizbewegung, hausärztliche Versorgung und der Patientenschutz dabei
spielen? Auf was also sollten sich die Betroffenen, die professionellen
Versorgungsanbieter und nicht zuletzt die Politik einstellen bzw. welche
Rolle(-nerwartung) werden die betroffenen Stakeholder 2045 kennzeichnen?
Eine besondere Bedeutung besitzen auch die bis heute nicht vollständig
absehbaren Folgen einer zunehmenden Beeinflussung des Todesverständnisses
durch (neue) Medien (z. B. Spiele oder Avatare) und der mit diesen
verbundenen Kommunikationstechnologien, wird in sachkundigen Beiträgen des
Buches hervorgehoben. So entständen, etwa aufgrund zunehmender
Virtualisierung, die bis hin zu fantasiegeleiteten Visualisierungen
reichten, Visionen eines persönlichen Sterbens und Todes, die bis hin zu
einem die Unsterblichkeit suggerierenden, transhumanistischen
Menschenentwurf reichten. Eine ganze Community betreibe gegenwärtig eine
Aneignung des Sterbediskurses, kreiere hierfür eine neue Geschichte und
wohl auch Geschäftsmodelle von Sterben, Tod und Trauer. Der im Themenfeld
des Sammelbands ausgewiesene Soziologe und Theologe Reimer Gronemeyer
sowie der Bundesgesundheitsminister a. D. Herrmann Gröhe haben jeweils ein
Vorwort formuliert.
Das Buch umfasst 321 Seiten, 20 Kapitel und erscheint am 25. September
2023 im Psychosozial-Verlag in Gießen.
Nähere Informationen finden Sie unter: https://sterben-tod-trauer-2045.de/
Der TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung und Beratung unter
der Leitung von Prof. Wolfgang George widmet sich den verschiedenen
Anforderungen und Fragestellungen, die sich aus den Versorgungsfeldern der
Prävention, Gesundheitsförderung, Behandlung und Rehabilitation ergeben.
Eine besondere Akzentuierung erhält dabei die regionale
Versorgungsperspektive. Zuletzt wurden etwa die Ergebnisse der
deutschlandweit durchgeführten 3. Gießener Sterbestudie zu den
medizinisch-pflegerischen und psycho-sozialen Bedingungen des Sterbens
veröffentlicht. Im Rahmen des durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)
geförderten Projekts Avenue-Pal (Analyse und Verbesserung des sektor- und
bereichsübergreifenden Schnittstellen- und Verlegungsmanagements in der
Palliativversorgung) wurden unter Federführung des TransMIT-
Projektbereiches für Versorgungsforschung sowie in Kooperation mit
namhaften Projektpartnern evidenzbasierte Leitlinien entwickelt, um nicht
notwendige Verlegungen palliativ versorgter Menschen in Zukunft zu
verhindern.
Weitere Informationen zum TransMIT-Projektbereich für Versorgungsforschung
und Beratung unter:
https://www.transmit.de/geschaeftsbereiche/zentren/details/?z_id=144