Von links: Prodekan Prof. Dr. Paul Krappmann, Prof. Dr. Miriam Baghai-Thordsen, Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel Christiane Gandner Hochschule Koblenz
Die Hochschule Koblenz erhält Verstärkung im Fachbereich Sozialwissenschaften: Dr. Miriam Baghai-Thordsen wurde als neue Professorin für Kreative Methoden und Kommunikation in den Wissenschaften der Sozialen Arbeit und der Kindheit berufen.
Dr. Miriam Baghai-Thordsen verfügt über umfangreiche Erfahrungen in Forschung, Lehre und künstlerisch-pädagogischer Praxis. Sie absolvierte ihr Studium der Erziehungswissenschaften an den Universitäten Tübingen und Flensburg und promovierte an der Europa-Universität Flensburg mit einer Dissertation zum Thema "Theater in der Schule". Darin nimmt sie die Perspektive der Schülerinnen und Schüler in den Blick und untersucht, welche Bedeutung das Theaterspiel im Rückblick für diese hat.
Bevor sie an die Hochschule Koblenz berufen wurde, war Dr. Baghai-Thordsen als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Europa-Universität Flensburg sowie als Lehrbeauftragte an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften tätig. In diesem Kontext engagierte sie sich intensiv in der Erforschung und Umsetzung ästhetisch-kultureller Bildung in der Schule, in außerschulischen Bereichen und in verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern. Sie ist zudem als freiberufliche Dozentin für kulturelle Bildung und Teilhabe tätig und führt künstlerisch-pädagogische Projekte durch.
Dr. Miriam Baghai-Thordsen hat mehrere Publikationen in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht und ist Autorin verschiedener partizipativer Theaterreihen. Ihre Forschungsinteressen konzentrieren sich auf Fragen der kulturellen Teilhabe über die Lebensspanne, Inklusion in künstlerisch-ästhetischen Handlungsfeldern und wie Kommunikation in verschiedenen Formen Teilhabe ermöglichen kann. Ihre Lehrtätigkeit sieht sie als zentrales Element ihrer Arbeit und legt großen Wert darauf, Studierende in ihren theoretischen und praktischen Erfahrungen zu fördern. „Ich freue mich darauf, mit meinem Wissen einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Studiengänge und zur Förderung kreativer Methoden und Kommunikation in den Wissenschaften der Sozialen Arbeit und der Kindheit leisten zu dürfen“, so die neue Professorin.
Prof. Dr. Despina Lion und Prof. Dr. Marcus Eckert bei der Urkundenübergabe. Prof. Dr. Claudia Schepers APOLLON Hochschule
Das Team des Fachbereiches 4 „Psychologie und Pädagogik“ der APOLLON Hochschule hat tatkräftige Unterstützung bekommen: Seit dem 1. Juli 2023 ist Prof. Dr. Despina Lion mit einer neuen Professur in Klinischer Psychologie und Sozialpsychologie mit an Bord.
Sie verfügt über jahrelange Erfahrung in der Leitung von Lehr- und Studiengängen, darunter auch Fernstudienangebote. Ihre Forschungsfelder konzentrieren sich auf die digitale Psychologie mit allen Facetten psychischer Veränderungen, insbesondere im Hinblick auf den Social Media- Bereich. Ein weiterer Fokus von Prof. Dr. Lions Arbeit liegt auf Gender- sowie Diversity-Themen. Zu beiden Arbeitsfeldern hat sie bereits publiziert.
Prof. Dr. Despina Lion ist diplomierte Psychologin, systemische Beraterin, klinische Neuropsychologin sowie freie Psychotherapeutin und hat an der Universität Bremen promoviert.
Arten der Pressemitteilung: Personalia Studium und Lehre
Prof. Dr. Ulf Engel, Professor für Politik in Afrika an der Universität Leipzig. Foto: Universität Leipzig
Südafrikas Wirtschaftskraft schrumpft, Firmen gehen pleite, die Bevölkerung leidet. Grund dafür sind massive und großflächige Stromausfälle, die seit Jahren zunehmen.Internationale Kreditrating- Agenturen stufen Südafrika inzwischen als Risikostandort ein. Mafiöse Strukturen und Korruption bis in höchste Regierungskreise sorgen dafür, dass die Energieinfrastruktur zunehmend marode ist. „Südafrika droht ein weiterer Verfall des bereits heute arg strapazierten gesellschaftlichen Zusammenhalts“, sagt Politikwissenschaftler Prof. Dr. Ulf Engel von der Universität Leipzig. Er leitet das Forschungsprojekt „Politischer Populismus im Südlichen Afrika: Namibia, Südafrika und Zimbabwe“.
In Südafrika herrscht derzeit ein ungewöhnlich kalter Winter. Zugleich muss das Land mit immer größeren Stromausfällen kämpfen. Welche Auswirkungen haben die Stromausfälle auf das öffentliche Leben derzeit?
Die Stromversorgung in Südafrika ist ein Thema, an dem sich zahlreiche Strukturen der Post-Apartheidgesellschaft paradigmatisch diskutieren lassen. Schon seit 2007 kommt es regelmäßig zu Stromausfällen, die von der Regierung euphemistisch als „load shedding" (also in etwa „Lastenverteilung“) bezeichnet werden. Dabei wurde der staatliche Stromerzeuger Eskom (die Electricity Supply Commission) noch im Dezember 2001 bei den „Global Energy Awards" in New York als Energieerzeuger des Jahres ausgezeichnet. Nach der ersten Stromkrise 2007/2008 kam es 2014/2015 zu weiteren Stromabschaltungen – und seit 2019 hat sich dies als Dauerzustand etabliert.
Aktuell gibt es, je nach Landesregion und verteilt über mehrere Zeitabschnitte, täglich zwischen siebeneinhalb und zehn Stunden keinen Strom für Privathaushalte, aber auch für Firmen und beispielsweise die Gastronomie sowie – besonders bedenklich – 80 Prozent des öffentlichen Gesundheitswesens. Ländliche Gebiete und Townships sind meist stärker betroffen als die Vororte der Mittel- und Oberklasse. Im letzten Jahr gab es an 200 Tagen keine stabile Stromversorgung, 2021 waren es 48 Tage. Im Übrigen haben auch fast 30 Jahre nach den ersten demokratischen Wahlen von 1994 gut 15 Prozent der Menschen in Südafrika überhaupt keinen Zugang zur Stromversorgung.
Am 6. März 2023 hat Präsident Cyril Ramaphosa eigens einen Staatsminister für Elektrizität im Präsidialamt ernannt, und am 5. April 2023 hat die Regierung wegen der anhaltenden Stromkrise den Katastrophenfall ausgerufen.
Welche Ursachen haben die Stromausfälle?
Das ist komplex. Es gibt zwei übergeordnete Ursachen: Erstens ist die Energie-Infrastruktur überaltert und die notwendigen Reinvestitionen sind über Jahrzehnte verschleppt worden: 14 der 17 Kraftwerke sind vor dem Ende der Apartheid 1994 gebaut worden. Einzelne Kraftwerke sind mittlerweile kollabiert und schlicht ausgefallen. Gleichzeitig schiebt Eskom eine Schuldenlast von mehr als 21 Milliarden Euro vor sich her. Und Südafrika ist immer noch zu mehr als 94 Prozent von fossilen Energieträgern abhängig. Zweitens, und mindestens genauso gewichtig, ist der Zusammenbruch der Stromversorgung Teil eines größeren Komplexes aus Korruption, Diebstahl und teils aktiver Sabotage. Hier sind oder waren Fraktionen des regierenden African National Congress (ANC), die indisch- stämmigen Gupta-Brüder (die sich mittlerweile ins Ausland abgesetzt haben), mafiöse Syndikate sowie ausländische Firmen verwickelt. Unter Präsident Jacob Zuma, der das Land zwischen 2009 und 2018 regiert hat, haben sich diese Akteure die staatseigenen Betriebe (Eisenbahn, die nationale Fluggesellschaft SAA, die Transportgesellschaft Transnet, die Stromerzeugung und so weiter) angeeignet, um sie systematisch ausplündern zu können – dies wird allgemein unter dem Schlagwort state capture diskutiert.
Dieser Verbrechenskomplex ist zwischen August 2018 und Juni 2022 von einer Untersuchungskommission unter dem damaligen stellvertretenden Obersten Richter Raymond Zondo in sechs umfangreichen Berichten aufgeklärt worden. Der volkswirtschaftliche Schaden wird auf etwa 25 Milliarden Euro geschätzt. Der im Februar 2023 vorzeitig zurückgetretene Eskom- Chefmanager, André de Ruyter, beziffert den Schaden an der Energie- Infrastruktur, der nach wie vor durch Diebstahl angerichtet wird, auf gut 50 Millionen Euro. In einem Buch behauptet er, dass die vier sich bereichernden Syndikate Verbindungen bis in die Regierung und Präsident Ramaphosa haben. De Ruyter lebt nach einem versuchten Zyanid-Anschlag inzwischen nicht mehr in Südafrika. Auch ausländische Firmen sind an der Ausplünderung der staatseigenen Betriebe beteiligt, wie der Fall Asea Brown Boveri (ABB) Ltd. zeigt. Der Schweizer Anlagenbauer hat massiv bestochen, um an Aufträge in Südafrika zu gelangen – vor allem den Bau des Kusile-Kohlekraftwerks in der Provinz Mpumalanga (2015) – und später mit Hilfe von gewaltig überhöhten Rechnungen zum Ausbluten des Staats beigetragen. Im Dezember 2020 einigten ABB und Eskom sich auf die Rückzahlung von etwa 100 Millionen Euro an den südafrikanischen Stromerzeuger; zwei Jahre später stimmte ABB einem weiteren Vergleich und der Zahlung einer Strafe in Höhe von 150 Millionen Euro an die Staatskasse zu.
Wie wirken sich die Stromausfälle auf die Wirtschaft aus?
Die Auswirkungen der Stromausfälle sind vielschichtig. Sie reichen von Produktionseinbußen und sinkenden Einnahmen in der Privatwirtschaft zum Verlust von Arbeitsplätzen (2021: minus 350.000), aber auch zu erhöhten Diebstahls- und Einbruchsraten, weil zum Beispiel die allgegenwärtigen Überwachungskameras und andere elektronischen Sicherheitssysteme zeitweilig nicht funktionieren. Außerdem drohen andere Grundversorgungssysteme Schaden zu nehmen: Im Frühjahr 2023 kollabierten mancherorts Wasseraufbereitungs- und Filteranlagen; die Wasserversorgung des zentralen Hochplateaus des Landes mit dem Industriegürtel um Johannesburg ist davon abhängig, dass große, elektrisch betriebene Pumpsysteme funktionieren. Im Juli 2023 musste die Wasserversorgung in weiten Teilen dieser Provinz für mehrere Tage wegen Wartungs- und Reparaturarbeiten stark reduziert beziehungsweise sogar ganz eingestellt werden.
Wirtschaftlich hat Südafrika mittlerweile fast allen Kredit verspielt: Im März 2023 zog mit Standard & Poor's auch die dritte der großen Kreditrating-Agenturen nach und stufte die Bonität des Landes, ähnlich wie Fitch bereits im Dezember 2021, nur noch mit BB- ein: Südafrika gilt damit für ausländische Investoren als Risikostandort.
Mit welchen langfristigen Folgen rechnen Sie für Südafrika infolge der Stromausfälle beziehungsweise der mafiösen Strukturen?
Nach Auskunft des Africa Organized Crime Index (Pretoria, Paris) ist Südafrika fest im Griff einer überschaubaren Anzahl von Mafia-Syndikaten, die eng mit der Lokal- und Landespolitik verflochten sind. Gleichzeitig verläuft die gerichtliche Aufarbeitung des state capture nur sehr zäh. Die meisten der in den Berichten der Zondo-Kommission beschuldigten Politiker und Manager sind noch immer auf freiem Fuße. Immerhin befindet sich der ehemalige geschäftsführende Direktor von Eskom, Matshela Koko, seit August letzten Jahres in Haft. Und gegen ehemalige südafrikanische ABB-Manager und deren engste Familienangehörige ist jüngst eine einstweilige Verfügung in Höhe von 29 Millionen Euro erlassen worden.
Wie immer gibt es in Südafrika auch in dieser Frage viel Schatten, aber eben auch Licht – nämlich die Hoffnung, dass die unabhängige Justiz, die sehr resiliente Zivilgesellschaft und die wachsame Qualitätspresse den moralischen Kompass im Auge behalten, der dem ANC längst verloren gegangen ist. Wirtschaftlich wird das Land sich auf absehbare Zeit allerdings auf sehr schwierige Herausforderungen einstellen müssen.
Und politisch droht Südafrika ein weiterer Verfall des bereits heute arg strapazierten gesellschaftlichen Zusammenhalts. Angesichts multipler Krisen gelingt es den diversen (sich meist links gerierenden) politischen Populisten immer häufiger, destruktive und auch xenophobe Stimmungen zu mobilisieren. Zudem stehen im Frühjahr 2024 Wahlen an, bei denen der ANC erstmals seit 1994 seine absolute Mehrheit einbüßen könnte. Die möglichen Folgen einer Koalitionsregierung oder einer tolerierten Minderheitsregierung werden bereits heute sehr kontrovers diskutiert.
Prof. Dr. Ulf Engel ist Professor für „Politik in Afrika“ am Institut für Afrikastudien an der Universität Leipzig, außerdem Professor extraordinary im Department of Political Science an der Stellenbosch University Südafrika; Gastprofessor am Institute for Peace and Security Studies an der Addis Ababa University. Im Rahmen des vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) leitet Engel ein Projekt zum Thema „Politischer Populismus im Südlichen Afrika: Namibia, Südafrika und Zimbabwe“ (2021–2024). Er ist zugleich am Forschungsvorhaben New Global Dynamics im Rahmen der zweiten Wettbewerbsphase der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern beteiligt.
Prof. Dr. Ulf Engel ist einer von rund 200 Expert:innen der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie in unserem Expertendienst zurückgreifen können.
Seit rund sieben Monaten ist das DIVI-Register „Schwangere und postpartale Patientinnen auf der Intensivstation – kurz DIVI-Schwangerenregister – online. Es wurde ins Leben gerufen, um anhand von anonymisierten Patientendaten einen Überblick über notwendige Behandlungen und Anzahl schwangerer Patientinnen auf den Intensivstationen zu bekommen – und mit dem Wissen zukünftig die Situation der jungen Frauen und ihrer ungeborenen Kinder zu verbessern. „Einige Kollegen zögern noch mit der Dokumentation ihrer Fälle und fragen nach einem Ethik-Votum“, erklärt der medizinisch- wissenschaftliche Leiter des Registers, Professor Thomas Standl.
Der Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Operative Intensiv- und Palliativmedizin im Städtischen Klinikum Solingen hatte sich deshalb an die Ethik-Kommission seiner Ärztekammer Nordrhein gewendet. Vor wenigen Tagen erreichte ihn jetzt das Antwortschreiben: Es sei kein Ethik-Votum notwendig.
„Es ist wunderbar, den Kollegen hiermit Antwort und Rechtssicherheit geben zu können“, freut sich Standl über den Brief der Landesärztekammer. Er zitiert: „(...) so können wir Ihnen mitteilen, dass epidemiologische Forschungsvorhaben mit anonymisierten Daten gemäß §15 der Berufsordnung für die nordrheinischen Ärztinnen und Ärzte nicht der Beratungspflicht durch die Ethik-Kommission der Ärztekammer unterliegen. Eine Beratung Ihres Forschungsvorhabens durch die Ethik-Kommission der Ärztekammer Nordrhein ist daher nicht erforderlich und wird nicht durchgeführt.“
Schwangeren muss unbedingt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden!
Entsprechend hofft Standl jetzt auf eine deutliche Zunahme der protokollierten Daten in den nächsten Wochen. „Ich rufe gerne und immer wieder alle Intensivstationen in Deutschland, egal welcher Größe und ob internistisch, neurologisch, anästhesiologisch oder chirurgisch geführt, auf, sich im DIVI-Schwangerenregister zu registrieren und ihre Patientendaten hier anonymisiert zu dokumentieren!“ Derzeit gebe es hierzu in ganz Deutschland keine Zahlen. Hochrechnungen der DIVI-Sektion zu Folge werden aber derzeit jährlich rund 4.500 Schwangere auf deutschen Intensivstationen wegen Schwangerschaftskomplikationen, Schlaganfall, Sepsis oder Herzinfarkt behandelt.
„Als Mediziner gleich für das Leben von zwei oder mehr Patienten verantwortlich zu sein, die noch ganz viel Leben vor sich haben – das ist einzigartig“, appelliert an die Kollegen. „Dieser Patientengruppe muss unbedingt mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden! Und dafür benötigen wir eine solide Datengrundlage.“ Dateneingabe nach abgeschlossener intensivmedizinischer Behandlung
Zur Dokumentation müssen sich – wie beim DIVI-Intensivregister – die einzelnen Intensivstationen in einem kurzen Prozess registrieren. In dem maximal 10-minütigen Prozess werden unter anderem die Größe der teilnehmenden Klinik und die Anzahl der Intensivbetten abgefragt. Patientinnen-Daten sollen dann jeweils nach abgeschlossener intensivmedizinischer Behandlung anonymisiert abgefragt und dokumentiert werden.