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10 Millionen Euro für die Erzeugung erneuerbarer, flüssiger Energieträger aus Kohlenstoffdioxidemissionen

Das Innovationsprojekt CAPTUS zeigt nachhaltige und kosteneffiziente Wege
zur Erzeugung von erneuerbaren Energieträgern mit hohem Mehrwert in
energieintensiven Industrien. Als Projektpartner unterstützt das Steinbeis
Europa Zentrum das internationale Konsortium aus 17 Partnern in CAPTUS
beim Austausch und bei der Verbreitung der Projektaktivitäten und
Ergebnisse, um so die gewonnenen Erkenntnisse effektiv an Zielgruppen der
Industrie und Öffentlichkeit zu vermitteln. Daneben ist das Steinbeis
Europa Zentrum auch für die Netzwerkaktivitäten mit anderen EU-geförderten
Projekten und Initiativen im gleichen Themenbereich verantwortlich.

Am 15. und 16. Juni 2023 feierten die Projektpartner, darunter das
Steinbeis Europa Zentrum, den Auftakt des EU-Projekts CAPTUS in Zaragoza,
Spanien. Das Innovationsprojekt zeigt nachhaltige und kosteneffiziente
Wege zur Erzeugung von erneuerbaren Energieträgern mit hohem Mehrwert in
energieintensiven Industrien; darunter die Nutzbarmachung und
Wertsteigerung von Kohlenstoffemissionen und deren Integration in
erneuerbare Energiequellen.

Aufgrund ehrgeiziger klimapolitischer Maßnahmen stehen energieintensive
Industrien heute vor einer großen Herausforderung. Sie müssen auf den
globalisierten Märkten wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig Maßnahmen
zur drastischen Reduzierung ihrer Kohlenstoffemissionen ergreifen. In
diesem Szenario des Übergangs spielt die Kohlenstoffabscheidung, -nutzung
und -speicherung eine Schlüsselrolle , und es werden Technologien mit
unterschiedlichem Reifegrad und unterschiedlicher Leistung erforscht. Die
Umwandlung von Kohlenstoffdioxid in hochwertige erneuerbare Energieträger
mit regenerativen Energien ist eine vielversprechende Strategie, um den
anthropogenen Kohlenstoffkreislauf zu schließen, um auf diese Weise die
Einsparziele bei Treibhausgasen und Energiebedarf zu erfüllen. Es gibt
zwar bereits verschiedene Umwandlungsverfahren, aber die meisten sind noch
sehr material- und energieaufwändig, kostspielig und ineffizient.

Im EU-Projekt CAPTUS werden hierzu neue innovative Lösungen erarbeitet.
CAPTUS wird nachhaltige und kosteneffiziente Wege zur Erzeugung von
erneuerbaren Energieträgern mit hohem Mehrwert in energieintensiven
Industrien aufzeigen, indem industrielle Kohlenstoffemissionen aufgewertet
und Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien integriert werden. Es
werden drei vollständige Wertschöpfungsketten für erneuerbaren
Energieträgern an drei verschiedenen Demonstrationsstandorten
demonstriert.
1. Aus Abgasen eines Stahlwerks werden durch eine zweistufige Fermentation
mikrobiologisch Triglyceride hergestellt.
2. Zur Herstellung von Bio-Ölen in einer Chemieanlage werden Lipid-
produzierende Mikroalgen kultiviert und dann gefolgt von hydrothermal
verflüssigt.
3. Auf der Basis einer elektrochemischen Reduktion von CO2 aus
Zementwerkabgasen wird Ameisensäure erzeugt.

Die vorgeschlagenen Technologien werden vom Labor- bis zum Pilotmaßstab
geprüft, und die gewonnenen erneuerbaren Energieträger werden durch
Qualitätsbewertungen und Veredelungsstudien für die Herstellung von
Hochleistungskraftstoffen validiert. Darüber hinaus wird CAPTUS die
Integration der validierten Lösungen für energieintensive Industrien
hinsichtlich wirtschaftlicher, ökologischer, gesellschaftlicher,
regulatorischer und geopolitischer Kriterien analysieren. Ebenso werden
Richtlinien und Strategien für einen Dekarbonisierungsplan entwickelt, das
Bewusstsein und die Akzeptanz von Kohlenstoffbindungs und
-speicherungstechnologien wird erhöht und die gewonnenen erneuerbaren
Energieträger werden verbessert. Schließlich geht es auch darum, geeignete
Geschäftsmodelle und Replikationsmöglichkeiten zu schaffen.

Als Projektpartner unterstützt das Steinbeis Europa Zentrum das
internationale Konsortium aus 17 Partnern beim Austausch und bei der
Verbreitung der Projektaktivitäten und Ergebnisse, um so die gewonnenen
Erkenntnisse effektiv an Zielgruppen der Industrie und Öffentlichkeit zu
vermitteln. Daneben ist das Steinbeis Europa Zentrum auch für die
Netzwerkaktivitäten mit anderen EU-geförderten Projekten und Initiativen
im gleichen Themenbereich verantwortlich.

Das Innovationsprojekt CAPTUS wird von der EU im Rahmen des Forschungs-
und Innovationsprogramm Horizon Europe mit 10 Millionen Euro finanziert.
Das Konsortium besteht aus 18 Partnern aus 8 Ländern, die
multidisziplinäre Kompetenzen und Ressourcen aus Wissenschaft, Forschung,
Technik, Industrie und Universitäten vereinen:
1.      Fundación circe centro de investigación de recursos y consumos
energéticos (Koordinator) – Spanien
2.      Sintef AS – Norwegen
3.      Universidad de Cantabria – Spanien
4.      Agencia estatal consejo superior de investigaciones cinefíficas –
Spanien
5.      Universita degli studi di Genova – Italien
6.      Steinbeis Europa Zentrum/ Steinbeis Innovation gGmbH – Deutschland
7.      Ethniko kentro erevnas kai technologikis anaptyxis - Greece
8.      Bio base europe pilot plant VZW – Belgien
9.      Novis GmbH – Deutschland
10.     Apria systems SL - Spanien
11.     Draxis environmental SA – Griechenland
12.     A4f algafuel SA – Portugal
13.     Goodfuel BV – Niederlande
14.     Rina consulting SPA - Italien
15.     Arcelormittal Belgium NV- Belgien
16.     Hychem, química sustentável SA - Portugal
17.     Cementos portland valderrivas SA - Spanien
18.     Energy efficiency in industrial processes asbl – Belgien

Das Projekt mit einer Dauer von 48 Monaten (Juni 2023- Mai 2027) und einem
Gesamtbudget von 10 Millionen Euro, feierte das Auftakttreffen am 15. und
16. Juni 2023 in Zaragoza, Spanien.

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Bundesamt leistet aktiven Beitrag zum Wildbienenschut

Neue Nisthilfe in Braunschweig bietet Raum für 10.000 Insekten

Am 9. August 2023 haben der Präsident des Bundesamtes für
Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), Friedel Cramer, und
die Leitung der Stiftung für Mensch und Umwelt, Corinna Hölzer und
Cornelis Hemmer, eine neue Wildbienen-Nisthilfe in Braunschweig
eingeweiht.

Ohne Bestäubung durch Insekten wäre unsere Welt viel ärmer. Es gäbe viel
weniger Obst, Gemüse und auch Wildblumen. Bienen sind hauptverantwortlich
für die Bestäubung von 75 Prozent der globalen Nahrungsmittelpflanzen.
Auch 50.000 Pflanzenarten, die für medizinische Zwecke gebraucht werden,
sind auf Bestäubung durch Bienen angewiesen. Von den über 550 in
Deutschland beheimateten Wildbienenarten sind laut Roter Liste
mittlerweile jedoch 31 vom Aussterben bedroht, 197 gefährdet und 42 Arten
stehen auf der Vorwarnliste.

„Bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln hier in Braunschweig achten
wir darauf, dass diese keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt
haben. Mit dem Wildbienenhotel in der Bundesallee leisten wir einen
aktiven Beitrag, dem Artenverlust entgegenzuwirken“, so der Präsident des
BVL, Friedel Cramer. „Das Projekt ´Lebenswerter Insekten Campus´ hat hier
bereits viel für die Biodiversität an unserem gemeinsamen Standort, dem
Thünen-BVL-Campus, bewegt. Das ergänzen wir nun mit unserer
Wildbienennisthilfe, die ein attraktiver Lebensraum für etwa 10.000
Insekten sein wird.“

Das neue Wildbienenhotel des BVL besteht aus insgesamt neun Modulen aus
Birkenholz mit Bohrlöchern und Schilfhalmen in verschiedenen Durchmessern.
Beliebt ist diese Art von Nisthilfe besonders bei Gewöhnlichen
Maskenbienen, Kleinen Blattschneiderbienen, Frühen Scherenbienen oder auch
Gehörnten Mauerbienen. Konzipiert und aufgestellt hat das Hotel die
Stiftung für Mensch und Umwelt. Eine Informationstafel klärt Besucherinnen
und Besucher über den Hintergrund der Aktion auf und gibt Anregungen für
eigene Beiträge zum Wildbienenschutz. Rund um das Wildbienenhotel bieten
Obstbäume, ein bienenfreundliches Staudenbeet und Wildpflanzenwiesen ein
reichhaltiges Nahrungsangebot. „Mit der Stiftung für Mensch und Umwelt
haben wir einen Partner gewonnen, der über die entsprechende Expertise und
Erfahrung für die sinnvolle und nachhaltige Realisierung eines solchen
Projekts verfügt. Ich bin gespannt zu sehen, wie sich der von uns
geschaffene Lebensraum in den nächsten Jahren entwickeln wird“, hob
Friedel Cramer hervor.

Anfang September wird am neuen Standort des BVL in der Berliner
Gerichtstraße ein ähnliches Projekt zum Bienenschutz umgesetzt.

Hintergrund:

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) trägt
maßgeblich zur Sicherheit von Lebens-, Futter-, Pflanzenschutz- und
Tierarzneimitteln sowie von gentechnischen Anwendungen und
Verbraucherprodukten bei. Es hat seinen Hauptsitz in Braunschweig und
weitere Standorte in Berlin. Von den ca. 850 Beschäftigten arbeiten über
250 in der Löwenstadt.

Die Stiftung für Mensch und Umwelt (https://stiftung-mensch-umwelt.de)
wurde als gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin im September 2010
gegründet. Bekannt ist sie insbesondere durch ihre Initiative „Deutschland
summt! Wir tun was für Bienen!“. Damit lenkt die Stiftung seit 2010 die
Aufmerksamkeit auf Möglichkeiten, dem rasanten (Wild)Bienensterben
entgegenzutreten. Für ihre herausragenden persönlichen Leistungen für das
Gemeinwohl in Deutschland wurden die beiden an der Gründung der Stiftung
Beteiligten 2023 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Der Rückgang der Insektenvielfalt ist eins der Top Themen in Medien,
Politik und Gesellschaft. Die Bundesregierung hat über das Aktionsprogramm
Insektenschutz auch den Bundeseinrichtungen den Auftrag erteilt, mehr für
die Insekten zu tun. Dieser politische Auftrag bildet den Rahmen für das
LInCa-Projekts (Lebenswerter Insekten-Campus), über den der Thünen-BVL-
Forschungsstandort ökologisch aufgewertet wird (https://www.linca-
projekt.de/).

Bildmaterial finden Sie auf unserer Webseite:
https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/08_PresseInfothek/Presseinformationen/Bu51-Wildbienenschutz.html

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Achtsamkeitswandern: auf dem Weg zu neuen Ideen für den Naturpark Haßberge

Der Verein Haßberge Tourismus arbeitet mit dem Studiengang Integrative
Gesundheitsförderung der Hochschule Coburg zusammen. Ziel ist, vorhandene
Wanderwege durch innovative und gesundheitsförderliche Aspekte zu
erweitern. Das Besondere: Erstmalig wird ein Kriterienkatalog für diese
Art von Gesundheitswanderwegen definiert.

Der Naturpark Haßberge punktet bei Urlauberinnen und Urlaubern mit
zahlreichen touristischen Angeboten und einer beeindruckenden Natur. „Man
läuft durch Wälder, entlang von Feldern und über Streuobstwiesen. Es gibt
sehr idyllische Aussichtspunkte, Burgen, historische Gebäude – es wird
nicht langweilig“ sagt Lena Bach. Sie studiert im sechsten Semester des
Bachelorstudiengangs Integrative Gesundheitsförderung (IGF) an der
Hochschule Coburg und war im Sommersemester Mitglied der Projektgruppe,
die sich mit den Wanderwegen im Naturpark beschäftigt hat. Seit Anfang des
Jahres wird das Wanderkonzept vom Verein Haßberge Tourismus in
Zusammenarbeit mit dem Verein Naturpark Haßberge überarbeitet. Es geht
darum, die Region mit innovativen Ansätzen für Urlauberinnen und Urlauber,
für Einwohnerinnen und Einwohner noch attraktiver zu gestalten. So kam die
Kooperation mit der Hochschule Coburg zustande: Prof. Dr. Pamela Heise und
Lehrbeauftragter Rudolf Scholze leiteten das Studienprojekt im
Schwerpunktmodul „Tourismus, Freizeit und Gesundheit“: Dabei erarbeiteten
sieben IGF-Studierende einen Kriterienkatalog für gesundheitsförderliche
Wanderwege im Naturpark Haßberge.

Welche Kriterien sind für einen gesundheitsfördernden Wanderweg
entscheidend?

Gesundheitswanderwege existieren vielerorts, aber bisher gibt es -
beispielsweise durch den Deutschen Wanderverband - keine
Qualitätsstandards für eine gesundheitsfördernde Konzipierung solcher
Wege. Um einen Kriterienkatalog zu entwickeln, analysierten die
Studierenden zunächst die aktuelle Situation, sprachen dann mit
Expertinnen und Experten sowie mit Vertreterinnen und Vertretern des
Naturparks Haßberge und des Vereins Haßberge Tourismus. „Studien zeigen
die positive Wirkung auf Körper und Psyche beim Gesundheitswandern“,
erklärt Susanne Volkheimer, Geschäftsführerin von Haßberge Tourismus. „Es
galt, Kriterien für gesundheitsfördernde Wanderwege zu entwickeln, um das
körperliche und psychische Wohlbefinden während einer Wanderung zu
verbessern. Weil uns mit der Hochschule Coburg bereits eine langjährige
Zusammenarbeit verbindet, lag es nahe, dazu mit dem Studiengang IGF ein
gemeinsames Projekt umzusetzen.“

Meditation und Bewegung, Begegnung und Naturschönheit

Die von den Studierenden vorgeschlagene Integration von Achtsamkeits- und
Meditationsübungen entsprechen dem Thema Gesundheitswandern auf ideale
Weise. Dabei harmonieren die Ideen der Studierenden auch perfekt mit der
Natur in dieser schönen Region: Dazu gehören die Inszenierung besonderer
Blickachsen, Angebote zum Waldbaden, Atemübungsstationen, ein
Sinnesparcours oder Balance- und Kraftübungsorte in der Natur.
Einwohnerinnen und Einwohner genau wie Tourist:innen können künftig von
Orten der Achtsamkeit, Begegnung, vom Kraftschöpfen und der Ruhe die
profitieren. Lukas Bandorf, Geschäftsführer des Vereins Naturpark
Haßberge, sagt: „Die Vorschläge der Studierenden passen sehr gut in unsere
abwechslungsreiche Natur- und Kulturlandschaft.“ Auf dieser Basis werde
nun daran weitergearbeitet, mit einem gesundheitsbezogenen
„Achtsamkeitswandern“ ein qualitatives Alleinstellungsmerkmal für die
Natur- und Wanderregion Haßberge zu entwickeln.

Lernziel: Entwicklung von gesundheitstouristischen Unternehmensideen

Prof. Dr. Pamela Heise lehrt an der Fakultät Angewandte
Naturwissenschaften und Gesundheit der Hochschule Coburg und erklärt,
warum solche Projekte für die berufliche Qualifikation der Studierenden
wichtig sind: „An der konkreten Projektidee lernen sie, ihre IGF-
Kompetenzen fachbezogen anzuwenden und zukunftsfähige
gesundheitstouristische Unternehmensideen zu entwickeln – und zwar
fachlich-inhaltlich wie auch wirtschaftlich.“ Den Studierenden gefiel es,
etwas auszuarbeiten, „das wirklich umsetzbar ist, Spaß macht und einen
Mehrwert für alle, für Jung und Alt, bieten kann“, wie Studentin Lena Bach
berichtet. Sie erzählt von einem Wanderweg, den sie im Naturpark selbst
gegangen sind: „Dafür haben wir Stationen mit Übungen zur Beweglichkeit
und auch Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen erarbeitet.“ Die Natur und
allgemein die Ruhe im Wald sei inspirierend gewesen. „Wir konnten uns den
Gesundheitswanderweg schon richtig konkret vorstellen.“

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Unit Dose: Mehr Sicherheit in der Arzneimitteltherapie

HDZ NRW etabliert mit „Unit Dose“ jetzt modernste Technik zur
Medikamentenversorgung

Die Unit-Dose-Herstellung der Zentralapotheke am Herz- und Diabeteszentrum
NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, ist der erste große Baustein verschiedener
Digitalisierungs-vorhaben, die im Sinne des Krankenhauszukunftsgesetzes am
Bad Oeynhausener Spezialklinikum bis Ende 2024 umgesetzt werden. Von
dieser neuen automatisierten Medikamentenversorgung profitieren vor allem
die Patienten und das Pflegepersonal. Die Innovation wurde über ein Jahr
lang sorgfältig vorbereitet.

„Die Maschine verpackt lückenlos, detailliert und zuverlässig für jeden
Patienten zu jedem Einnahmezeitpunkt die genau für ihn richtigen
Medikamente – insgesamt etwa 4.000 Stück am Tag“, sagt Anke Möller,
Leiterin der Apotheke am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad
Oeynhausen. Bisher einmalig ist diese Form der sogenannten Unit-Dose-
Versorgung in Ostwestfalen-Lippe aufgrund eines optischen Kontrollgeräts,
mit dem Mensch und Maschine gemeinsam einen zusätzlichen Sicherheitscheck
ausführen.

Auf den Pflegestationen im HDZ NRW sehen sich vier Apothekerinnen und
Apotheker die ärztliche Verordnung der Medikamente an. Wenn zum Beispiel
die Medikamente untereinander Wechselwirkungen aufweisen oder die
Arzneimitteltherapie im Abgleich mit den Diagnosen optimiert werden kann,
besprechen sie dies unter Berücksichtigung aktueller Laborwerte der
Patienten mit den Ärztinnen und Ärzten. Die Daten werden anschließend aus
der digitalen Patientenakte für den computergesteuerten Automaten
freigegeben. Gibt das System grünes Licht und die Medikamentenzuordnung
stimmt, startet die Anlage die einzelnen Packaufträge zur hygienischen
Verblisterung der Tabletten. „Das erspart unseren Pflegekräften die früher
übliche Sortierung per Hand und im Vier-Augen-Prinzip. Hier ist Unit Dose
so enorm schnell und präzise im Einsatz, dass die ohnehin schon sehr hohe
Patientensicherheit im HDZ noch weiter gesteigert werden kann.“

Bevor die Tütchen die Apotheke verlassen, scannt ein Kontrollgerät die
darin enthaltenen Arzneimittel und gleicht Form, Größe und Farbe mit einer
hinterlegten Datenbank ab. Jede Abweichung bei dieser Identitätskontrolle
wird durch pharmazeutisches Fachpersonal begutachtet und, wenn notwendig,
korrigiert.

In den kleinen Blistertüten, die jeder Patient auf seiner Station erhält,
befinden sich seine verordneten Tabletten. Persönliche Angaben wie Name,
Geburtsdatum, Krankenhaus, Station, Zimmer und die genaue Bezeichnung der
Medikamente können darauf abgelesen werden. Über einen kleinen QR-Code-
Aufdruck können Hinweise zum jeweiligen Arzneimittel im Beipackzettel mit
dem Smartphone digital abgelesen werden.

Wochentags erhalten die Pflegestationen im HDZ NRW zwei Mal täglich die
ihnen zugeordneten Blistertütchen. Samstags erfolgt die Ausgabe für das
Wochenende. Das Pflegepersonal auf der Station überprüft dann nochmals
jede einzelne Medikamentenzuteilung vorab darauf, ob es sich um den
richtigen Patienten, das richtige Arzneimittel, die richtige Dosierung,
Verabreichungsform und den richtigen Einnahmezeitpunkt handelt.
Anschließend wird die Einnahme überprüft und in der digitalen
Patientenakte dokumentiert. Diese sechsmalige Prüfung auf Richtigkeit
bezeichnet man als 6-R-Regel. Dank der jetzt vom Automaten vorbereiteten
beschrifteten Einzelverpackungen ist auch diese standardmäßige Überprüfung
sicherer und einfacher geworden.

„Unsere neue digitale Unterstützung in der Medikamentenversorgung steigert
die Arzneimitteltherapiesicherheit, entlastet die Pflegekräfte und macht
damit auch den Pflegeberuf attraktiver“, fasst Anke Möller die Vorteile
der Unit-Dose-Versorgung im HDZ NRW zusammen, die bis Ende September auf
allen Normalstationen des Klinikums etabliert sein wird. Nicht zu
vergessen sei auch der ökologische Aspekt des Projekts: Weil der Automat
mit Tabletten-Schüttware arbeitet, spart man bereits jetzt im HDZ NRW
trotz des zusätzlichen Folienmaterials erhebliche Mengen von
Verpackungsmüll ein.

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Hintergrundinformation: Zukunftsweisende Technik

Mit „Unit Dose“ wird die sogenannte Verblisterung bezeichnet, indem
Tabletten, Kapseln und Dragees durch digitale Anbindung an die
Patientenakte automatisch für jeden Patienten individuell in hoher
Geschwindigkeit in kleine Folienbeutel verpackt, beschriftet und
zugeordnet werden. Als Alternative zur traditionellen Stationsversorgung
wird Unit-Dose zunehmend in Konzepte zur Verbesserung der
Arzneimitteltherapiesicherheit im klinischen Bereich aufgenommen,
insbesondere mit der Einführung elektronischer Verordnung und digitaler
Patientenakten. Tatsächlich ist eine zentral über die Klinikapotheke
gesteuerte Unit-Dose-Versorgung deutschlandweit jedoch erst in wenigen
Krankenhäusern etabliert. Als Gesamtlösung aus elektronischer
Verschreibung, Dosier- und Interaktionsprüfungen durch
Stationsapothekerinnen und Stationsapotheker, automatisierter
patientenbezogener Kommissionierung von Einzeldosen und IT-gestützter
Verabreichungsdokumentation bietet sie bei entsprechender
Ablauforganisation nachweislich Vorteile hinsichtlich der Arzneimittel-
und Patientensicherheit, der Verbesserung von medikamentösen Therapien,
Transparenz von Fallkosten und einer möglichen Senkung des
Arzneimittelbudgets. Am HDZ NRW zieht man in Erwägung, eine
Medikamentenversorgung nach Unit-Dose-Prinzip zukünftig auch auf andere
von der Zentralapotheke mitversorgte Kliniken und Einrichtungen
auszuweiten.

Bildmaterial finden Sie zum Download bereitgestellt unter
https://cloud.hdz-nrw.de/d/e1cef7cd5285429495f0/

Hinweis zur Verwendung von Bildmaterial: Die Verwendung des Text- und
Bildmaterials zur Pressemitteilung ist bei Nennung der Quelle
vergütungsfrei gestattet. Das Bildmaterial darf nur in Zusammenhang mit
dem Inhalt dieser Pressemitteilung und namentlicher Nennung des Herz- und
Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen, verwendet werden.

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 36.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.800 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa. Unter einem Dach arbeiten fünf
Universitätskliniken und drei Universitäts-Institute seit mehr als 30
Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist seit 1989
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum. Die Professorenschaft des
HDZ NRW ist zusätzlich seit 2023 Mitglied der Medizinischen Fakultät OWL
der Universität Bielefeld. Die Einrichtung ist bekannt als größtes
Herztransplantationszentrum in Deutschland.

In der Zentralapotheke des HDZ NRW unter der Leitung von Anke Möller sind
aktuell 30 Mitarbeitende, darunter 8 Apotheker/innen und 13
Pharmazeutisch-Technische Assistenten/Assistentinnen (PTA) beschäftigt.
Neben den Kliniken des HDZ NRW versorgt die Apotheke 18 weitere
Einrichtungen (über 4.500 Betten) in der Region. Zur Ausstattung zählen
unter anderem eine halbautomatische Kommissionieranlage für Arzneimittel,
Medizinprodukte und apothekenübliches Nebensortiment sowie Laborräume auf
über 200 Quadratmetern zur Herstellung von parenteralen Arzneimitteln und
Zytostatika.

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