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Wie kann die Digitalisierung des Gesundheitssystems beschleunigt werden?

Das Fraunhofer ISI hat im Auftrag der Expertenkommission Forschung und
Innovation (EFI) das Voranschreiten der Digitalisierung im deutschen
Gesundheitssystem untersucht und daraus Handlungsempfehlungen für die
weitere Gestaltung abgeleitet.  Im Fokus standen etwa der Umsetzungsstand
von Gesetzesinitiativen, Datenschutz- und Cybersicherheitsaspekte sowie
die Identifizierung von Innovationspotenzialen – unter anderem durch
Vergleiche mit Dänemark, Estland, Spanien und Österreich, die bei der
Digitalisierung ihrer Gesundheitssysteme allesamt besser abschneiden als
Deutschland.

Nach vielversprechenden Anfängen fiel Deutschland seit der
Jahrtausendwende bei der Digitalisierung seines Gesundheitssystems immer
weiter zurück und zählte laut internationaler Studien zuletzt eher zu den
Schlusslichtern im europäischen Vergleich. Als Ursachen für die verzögerte
Digitalisierung gelten neben Interessenskonflikten der vielen beteiligten
Akteursgruppen insbesondere Bürokratie, hohe Technologiekosten,
Sicherheitsbedenken und regulatorische Unsicherheiten sowie fehlende
Zuverlässigkeit der technischen Lösungen. Auf die nur mäßig
fortschrittlichen Strukturen traf im Frühjahr 2020 die Corona-Pandemie,
die eklatante Schwachstellen der digitalen Kommunikation zwischen den
Akteursgruppen des Gesundheitswesens offenlegte und besondere finanzielle,
zeitliche und personelle Ressourcen abverlangte – andererseits aber auch
einen gewissen Handlungsdruck auslöste, um bei der Digitalisierung
schneller als bisher voranzukommen.

Die aktuelle Studie setzt sich vor diesem Hintergrund mit den Ursachen der
verzögerten Digitalisierung auseinander und erarbeitet
Handlungsempfehlungen für die weitere Gestaltung. Methodisch basiert sie
auf intensiven Literatur- und Internetrecherchen sowie auf Interviews mit
15 Vertreter:innen der zentralen Akteursgruppen des Gesundheitssystems. Um
den Untersuchungsgegenstand besser zu erfassen, werden in der Studie fünf
zentrale digitale Anwendungen betrachtet: die Telematikinfrastruktur und
Telemedizin, die elektronische Patientenakte, digitale
Gesundheitsanwendungen (sogenannte »Apps auf Rezept«) sowie das
elektronische Rezept.

Gesetzesinitiativen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens

Wie die Analyse zur Umsetzung von Gesetzesinitiativen zeigt, befassen sich
allein sechs Gesetze des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in der
19. Legislaturperiode mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens und
schafften Rahmenbedingungen für die Nutzung von Telemedizin,
E-Patientenakte, E-Rezept oder Apps. So wurden mit dem Terminservice- und
Versorgungsgesetz (TSVG) neben dem Ausbau von Terminservicestellen auch
die Inhalte der elektronischen Patientenakte definiert und das BMG erhielt
51 Prozent der Gesellschafteranteile der gematik, der 2005 gegründeten
Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH, um
schnellere und effektivere Entscheidungen herbeizuführen. Das Digitale-
Versorgung-Gesetz (DVG) regelt unter anderem die Rechtsgrundlage für den
Anspruch der Bürger:innen auf Versorgung mit digitalen
Gesundheitsanwendungen. Mit den umfangreichen Investitionsprogrammen des
Krankenhauszukunftsgesetzes (KHZG) soll die Digitalisierung der
Krankenhäuser gefördert werden.

Eine weitere Untersuchung der Positionen zentraler Akteursgruppen des
deutschen Gesundheitswesens zeigte, dass diese die Digitalisierung
begrüßen, wenn dadurch nicht eigene Interessen gefährdet sind. In den
Vergleichsländern Estland, Dänemark, Spanien und Österreich werden
relevante Stakeholder:innen von Beginn an stärker bei der Implementierung
von E-Health-Prozessen eingebunden – wodurch ihre Ansichten frühzeitig
besser verstanden und ihre Mitarbeit, Unterstützung und Zustimmung zu den
Ergebnissen des E-Health-Planungsprozesses besser gewährleistet wird.

Mehr Datenverarbeitung erfordert mehr Datenschutz und Datensicherheit

Die Studienautor:innen weisen zudem daraufhin, dass mit dem Ausbau der
Telematikinfrastruktur und weiteren Anwendungen – etwa Videosprechstunden,
digitalen zahnärztlichen Bonusheften oder digitalen Impfpässen – auch die
Datenverarbeitung und damit der Datenschutz und die Datensicherheit an
Bedeutung gewinnen. Allerdings wurden bisher kaum Möglichkeiten zur
Vereinheitlichung und Konkretisierungen des Datenschutzes wahrgenommen.
Zudem sind bei IT-Sicherheits- und Datenschutzfragen Verantwortlichkeiten
teilweise unklar und wenig nachvollziehbar geregelt – etwa definiert die
gematik als zentrale Instanz die Anforderungen an die
Telematikinfrastruktur und kontrolliert auch deren Einhaltung, sie ist
aber nicht für den Datenschutz verantwortlich. Umgekehrt sind die
Regelungen für Apps tendenziell zu ambitioniert geregelt, denn diese
müssen anhand eines umfangreichen Kriterienkatalogs auf Datenschutz und
Sicherheit überprüft werden, was dazu führen kann, dass viele Apps die
Anforderungen nicht erfüllen oder die Entwickler:innen den entsprechenden
Aufwand scheuen.

Dr. Tanja Bratan, die am Fraunhofer ISI die Forschung im Rahmen des EFI-
Berichts »E-Health in Deutschland: Entwicklungsperspektiven und
internationaler Vergleich« koordinierte, äußert sich wie folgt zur
weiteren Gestaltung der digitalen Transformation des deutschen
Gesundheitssystems: »Nach langem Stillstand wurde mit den
Gesetzesinitiativen der vergangenen Legislaturperiode eine wichtige
Grundlage für die Beschleunigung der Digitalisierung des deutschen
Gesundheitssystems gelegt. Um sie nun voranzutreiben, braucht es weitere
politische Initiativen und Maßnahmen auf Ebene der Bundesländer, des
Bundes und der EU, die zum Beispiel digitale Anwendungen in der Breite
verfügbar machen und spürbare Mehrwerte der Digitalisierung in der
Versorgung schaffen. Auf Basis unserer Studienergebnisse sehen wir unter
anderem besonderen Handlungsbedarf beim Ausbau einer leistungsfähigen
Breitbandinfrastruktur als Grundlage für die Digitalisierung, der
Entwicklung einer E-Health-Strategie für Deutschland, einer besseren
Vernetzung im gesamten Gesundheitssystem sowie einer deutlichen
Verbesserung der IT-Sicherheit in Gesundheitseinrichtungen. Darüber hinaus
sollte ein stetiges Monitoring die Umsetzung der Digitalisierung begleiten
und in Reallaboren E-Health-Anwendungen erprobt werden. Aber auch die
Aufklärung der Bevölkerung und die Verbesserung der digitalen Kompetenzen
der Gesundheitsberufe sollte eine absolute Priorität zukommen.«

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eKommMed.nrw: 1,4 Millionen Euro für bessere Arzt-Patienten-Kommunikation

Was führt Sie heute zu mir? Offene Fragen formulieren, aussprechen lassen
und aufmerksam zuhören – das ist das klassische 1x1 für ein Gespräch
zwischen Ärzt:in und Patient:in. Medizinstudierende müssen aber auch
lernen, schambehaftete Themen anzusprechen und unangenehme Diagnosen zu
überbringen. Und zukünftige Ärzt:innen müssen auch üben, mit medizinischem
Personal zu kommunizieren. Das Projekt eKommMed.nrw* will
Medizinstudierenden mit multimedialen Lehr- und Lernangeboten das Erlernen
solcher Gesprächstechniken erleichtern.

Geleitet wird das Projekt durch das neu gegründete Institut für Didaktik
und curriculare Entwicklung in der Medizin (IDEM) der Medizinischen
Fakultät der Universität Duisburg-Essen.An dem Projekt, das im Rahmen der
Förderlinie OERContent.nrw in den kommenden zwei Jahren mit ca. 1.400.000
Euro unterstützt wird, sind neben Essen auch die Universitäten Bielefeld,
Bochum, Bonn, Düsseldorf, Köln und Münster beteiligt.
„Die Erfahrung von sieben Medizinischen Fakultäten in NRW zu bündeln
ermöglicht es uns, ein vielfältiges und attraktives Lehrangebot für den
medizinischen Nachwuchs zu entwickeln“, so Prof. Dr. Sven Benson, Leiter
des IDEM. „Wir können deshalb eine große Bandbreite verschiedener
medizinischer Gesprächsanlässe und Behandlungssituationen abbilden.“ Dabei
liegt der Schwerpunkt in Essen auf der interprofessionellen Kommunikation.
„Unsere interaktionsfähigen Videos arbeiten mit sogenannten Branching-
Szenarien“, erklärt Mitantragstellerin Prof. Dr. Katja Kölkebeck (LVR-
Klinik Essen, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. „Branching-
Szenarien kennt man aus Computerspielen, abhängig von getroffenen
Entscheidungen und gegebenen Antworten verändert sich der weitere Verlauf.
So passen sich auch hier die Videos individuell an die Antworten der
Lernenden und damit an ihren Lernfortschritt an.“
Die Materialien werden nach Abschluss des Projekts als freie
Bildungsmaterialien (Open Educational Resources, OER) auf dem Landesportal
ORCA.nrw (www.orca.nrw) bereitgestellt und können einerseits im
Selbststudium, aber auch in klassischen Lehr-Lernszenarien und Prüfungen
eingesetzt werden.

* eKommMed.nrw steht für: E-Learning-Ressourcen für eine
kompetenzorientierte Kommunikationsausbildung im Gesundheitswesen in
Nordrhein-Westfalen

Zur Pressemitteilung des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft der
Landes NRW: https://www.mkw.nrw/presse/oer

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Wenn nicht jetzt, wann dann? Im Kampf gegen Diabetes fordert Fachgesellschaft mehr Prävention

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rechnet bis zum Jahr 2040 mit
etwa zwölf Millionen Betroffenen mit einem Diabetes. Um die steigende
Anzahl von Betroffenen auch in Zukunft versorgen zu können, fordern
Expertinnen und Experten ein umfangreiches Maßnahmenbündel, das von der
Politik schon heute auf den Weg gebracht werden müsse. Ein wichtiger Punkt
im Kampf gegen Diabetes: Prävention. Der angekündigten Zäsur à la „Mehr
Fortschritt wagen“ müssen nun auch Taten folgen. Wie sich die Vision der
Ampelregierung für Deutschland auch für die Diabetologie umsetzen lässt,
diskutierten Expertinnen und Experten auf der heutigen diskutierten
Experten auf der heutigen Jahrespressekonferenz der DDG.

Etwa 8,5 Millionen Menschen leben hierzulande derzeit mit einem Diabetes
mellitus. 95 Prozent der Betroffenen haben einen Typ-2-Diabetes. Die
Expertinnen und Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
prognostizieren für die kommenden Jahre einen weiteren deutlichen Anstieg
der Erkrankungszahlen. „Was uns bevorsteht, ist ein Tsunami an
nichtübertragbaren Krankheiten wie etwa Herz-Kreislauf-Erkrankungen und
eben auch Diabetes“, sagt Professor Dr. med. Andreas Neu, Präsident der
DDG, Kommissarischer Ärztlicher Direktor der Abteilung für Neuropädiatrie,
Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie an der Kinderklinik des
Universitätsklinikums Tübingen. „Wir brauchen politischen Handlungswillen
und einen konkreten und verbindlichen Rahmen, um das Gesundheitswesen in
Zukunft nicht zu überlasten. Nur ein Maßnahmenbündel aus Prävention,
Früherkennung, Versorgung und Erforschung der Volkskrankheit kann die
weitere Entwicklung der Diabetesepidemie eindämmen.“

Laut der Experten habe die neue Bundesregierung die Dringlichkeit erkannt.
„Es ist sehr zu begrüßen, dass die Parteien ein Werbeverbot für ungesunde
Lebensmittel, die sich an Kinder richten, im Koalitionsvertrag verankert
haben“, so Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG und Sprecherin der
Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK). Wie so oft käme es
jedoch auch auf die Details an: „Die Politik sollte sich nicht auf
Teilverbote verlassen oder gar auf wirkungslose freiwillige
Selbstverpflichtungen setzen, die Hintertüren für ungesunde
Werbebotschaften offen lassen. Wir brauchen umfassende Regelungen auf
allen Kanälen.“

Fast 100 Tage nach dem Amtsantritt und den Absichtsbekundungen im
Koalitionsvertrag sei auf dem politischen Parkett in Hinblick auf die
Prävention von chronischen Krankheiten nichts passiert. „Wir warten nach
wie vor auf Konkretisierung der geplanten Ernährungsstrategie, die
Präzisierung der Ausgestaltung eines Kinderwerbeverbots und auf Impulse in
der Diskussion um eine Softdrinksteuer“, kritisiert Bitzer. Der
inflationäre Preisanstieg bei Lebensmitteln betrifft gesunde Lebensmittel
wie Obst und Gemüse überproportional stark. Eine ausgewogene, gesunde
Ernährung dürfe keine Frage des Einkommens sein. Die Expertin sieht die
Politik in der Pflicht, umfassende Maßnahmenbündel zu verabschieden, die
auch fiskalische Instrumente berücksichtigen. Allen voran sollten Obst und
Gemüse von der Mehrwertsteuer befreit und im Gegenzug die Hersteller
überzuckerter Getränke in die Pflicht genommen werden. „Nutzen Sie diese
einmalige Chance! Setzen Sie jetzt die entscheidenden
gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen um, denn der gesundheitliche Schutz der
Bevölkerung wiegt mehr als die wirtschaftlichen Interessen der
Lebensmittelindustrie“, appelliert Bitzer an Politikerinnen und Politiker.

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Eine Frage der Haltung: rückenschonendes Arbeiten mit dem Laptop durch extra Bildschirm, Maus und Tastatur

Tag der Rückengesundheit am 15. März

Arbeiten am Laptop führt schnell zu einer Sitzhaltung mit krummem Rücken,
was auf Dauer Nacken- und Rückenschmerzen verursacht. Um Schmerzen zu
vermeiden, empfehlen Orthopäden und Unfallchirurgen die Trennung von
Bildschirm, Maus und Tastatur, denn diese sorgt für eine aufrechtere
Kopfhaltung und entlastet Nacken und Rücken.

„Das Problem ist nicht das Laptop selbst, sondern die vorgeneigte Haltung
kann mit der Zeit zur Verkürzung der Brust- und Bauchmuskulatur sowie zur
Versteifung der Nackenmuskulatur führen“, sagt Prof. Dr. Andreas Halder,
stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und
Unfallchirurgie (DGOU) sowie Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik
für Operative Orthopädie der Sana Kliniken Sommerfeld.

Zwar lockern sich gerade die pandemiebedingten Homeoffice-Regeln, für
viele lässt sich jedoch das Arbeiten von zuhause aus oder von unterwegs
auch in Zukunft nicht mehr wegdenken. Wenn allerdings aus dem sporadischen
Arbeiten zuhause der feste Arbeitsplatz wird, müssen einige Regeln
beachtet werden, um Rücken und Nacken keinen Schaden zuzufügen. Dauerhaft
mit dem Laptop am Küchentisch oder gar auf dem Sofa zu sitzen, ist keine
gute Lösung. „Der sogenannte Tech Neck, der Technik-Nacken, ist ein
zunehmendes Problem, wenn man viele Stunden täglich mit nach vorne
geneigtem Kopf und hängenden Schultern auf den Laptop-Bildschirm oder das
Smartphone blickt. Mit einem gut eingerichteten Arbeitsplatz ist
regelmäßiges Arbeiten auch am Laptop jedoch kein Problem“, sagt Prof. Dr.
Bernd Kladny, Generalsekretär der DGOU. Gerade im Homeoffice ist die
Verführung groß, durch lange Online-Meetings sehr lange Arbeitseinheiten
zu absolvieren und zu lange vor dem Bildschirm zu sitzen. „Ich empfehle
zusätzlich dynamisches Arbeiten und aktives Sitzen: Also nicht den ganzen
Tag mit dem Rundrücken vor dem Laptop sitzen, sondern regelmäßig Pausen
einlegen, sich strecken und aufrichten oder auch mal lümmeln“, sagt
Kladny, Chefarzt der Abteilung für Orthopädie und Unfallchirurgie in der
Fachklinik Herzogenaurach.

Orthopäden und Unfallchirurgen geben 5 Tipps für eine rückenschonende
Sitzhaltung am Laptop:
•       Ergonomischer Arbeitsplatz: Wenn möglich, das Notebook auf einen
Tisch stellen und einen zusätzlichen Monitor, eine Maus sowie eine externe
Tastatur anschließen.
•       Höhe anpassen: Ein höhenverstellbarer Stuhl sorgt dafür, dass man
beim Tippen die Schultern nicht nach oben oder unten zieht und damit
verspannt. Gut ist auch ein höhenverstellbarer Schreibtisch, um
zwischendurch auch mal im Stehen zu arbeiten.
•       Bildschirm in Augenhöhe: Zu beachten ist auch die richtige
Blickachse der Augen zum Bildschirm. Lässt sich der Bildschirm nicht höher
stellen, empfiehlt es sich, einen Ständer oder ein paar Bücher zu nutzen,
auf die man den Bildschirm oder das Laptop stellen kann.
•       Aktives Sitzen: Um die Muskeln locker zu halten, hilft es,
regelmäßig in eine andere Haltung zu wechseln und sich auch im Sitzen
immer wieder zu bewegen, beispielsweise kann man die Schulter- und
Rückenmuskulatur an- und entspannen.
•       Bewegungspausen: Mehrmals pro Stunde aufstehen, beispielsweise im
Stehen telefonieren.

Ein Problem beim Arbeiten mit dem Laptop ist neben der gekrümmten
Rückenhaltung der vorgeneigte Kopf. Der menschliche Schädel wiegt
normalerweise vier bis fünf Kilo. Wird der Kopf nach vorne gehalten, muss
die Muskulatur nach den Hebelgesetzen mehr Kraft aufbringen, um die Last
des Kopfes zu halten. Das sind bei einer Neigung von 30 bis 45 Grad nach
vorne rund 18 bis 20 Kilogramm. Das entspricht einem vollen
Getränkekasten. Diese vorgestreckte Kopfhaltung führt zu einer Krümmung
der Wirbelsäule und zu einer Verspannung der Schulter- sowie
Nackenmuskulatur, die versucht, gegen die unnatürliche Kopfhaltung zu
arbeiten. Durch die Dauerbelastung können sich die Muskeln verhärten und
zu einer schmerzhaften Versteifung des Nackens führen.

Diese Belastung kann sich über den Nacken auch auf den ganzen Rücken
auswirken. So neigen bestimmte Muskelgruppen, auch die Brust- und
Bauchmuskeln, zur Verkürzung. Das Problem verschlimmert sich durch das
Arbeiten am Laptop mit dem Blick nach unten. Mit der Zeit verkürzen sich
die Brust- und Bauchmuskeln und auch die Gegenspieler-Muskeln werden
geschwächt. So verkümmert bei einem verkürzten Brustmuskel die Muskulatur,
die das Schulterblatt führt. Das führt zu Verspannungen im Schulter- und
Nackenbereich und nach längerem Sitzen in gekrümmter Haltung entstehen
Schmerzen beim Wiederaufrichten.

Spätestens dann sollte man die Muskeln dehnen und mit gezielten Übungen
trainieren. Dabei ist es ratsam, behutsam vorzugehen. So werden verkürzte
Muskeln zunächst besser erst vorsichtig langsam gedehnt, bis sie sich an
die Bewegungsabläufe anpassen. Werden verkürzte Muskeln gleich zu stark
oder ruckartig gedehnt, besteht die Gefahr, dass sie sich verspannen. Es
empfiehlt sich, langsam Spannung aufzubauen und dann zu halten. Auf keinen
Fall sollte man während der Dehnphase wippen, denn das kann zu
schmerzhaften Mikroverletzungen führen. Erst wenn die Muskeln gedehnt
sind, kann man sie trainieren und kräftigen.

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