Zum Hauptinhalt springen

Arbeitsumfeld für seheingeschränkte Menschen enthindern E-Learning Modul „Arbeitsassistenz“ geht an den Start

Arbeitsassistenzen sind für viele Menschen mit Behinderung eine wichtige Unterstützung zur gleichberechtigten Teilhabe im Berufsleben. Sie nehmen Beschäftigten mit Behinderung nicht ihre Arbeit ab, sondern unterstützen sie bei der Erbringung ihrer Leistungen. Doch es müssen einige bürokratische Hürden überwunden, Fragen geklärt und Ansprechpartner ermittelt werden, bevor eine Arbeitsassistenz bewilligt werden kann. Hier ist das neue, kostenlose E-Learning-Modul des Deutschen Vereins der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) und von der PRO RETINA Deutschland eine Hilfe.

„Die Arbeitswelt hält viele Barrieren für seheingeschränkte Berufstätige bereit: PDFs können oft nicht von Screenreadern gelesen werden, Websites sind nicht barrierefrei formatiert und der Drucker lässt sich nur über einen Touchscreen bedienen“, erklärt Marianne Preis-Dewey, die Geschäftsführerin des DVBS. Auch bei konventionellen Ablagesystemen, handschriftlichen Notizen und Unterschriften kommen blinde und stark sehbeeinträchtigte Berufstätige schnell an ihre Grenzen. „Hier können Arbeitsassistenzkräfte einspringen und das Arbeitsumfeld ‚enthindern‘. Sie helfen zudem bei Mobilitätssicherung in unbekanntem Umfeld, bei der Kontaktaufnahme mit fremden Personen und der organisatorisch-technischen Arbeitsvor- und -nachbereitung, etwa bei einer Präsentation“, sagt Markus Georg, Geschäftsführer von PRO RETINA.

Die Lernplattform zur Arbeitsassistenz entwickelten die Selbsthilfeorganisationen DVBS und PRO RETINA, die Barmer GEK förderte das Projekt. „Wir haben das E-Learning-Modul zur Arbeitsassistenz praxisnah konzipiert. Es bereitet optimal auf den gesamten Prozess von der Antragstellung über die Entwicklung des Anforderungsprofils, die Stellenausschreibung und die Gestaltung des Arbeitsvertrags bis hin zur eigenen Rolle im Arbeitsverhältnis vor. Zudem hilft es bei der Entscheidung, ob der Assistenzgeber als Arbeitgeber auftreten oder ein Dienstleistungsunternehmen beauftragen möchte. Mit vielen praktischen Übungen kann das neuerworbene Wissen vertieft werden“, erklärt Klaus Winger, der das Modul maßgeblich entwickelte. 

Interessierte erhalten die Zugangsdaten zur Lernplattform über den DVBS oder die PRO RETINA.

  • Aufrufe: 65

Gemeinsamer Appell: Corona bringt Dresdner Kliniken ans Limit

Anzeigenmotiv der Corona-Kampagne der Dresdner Krankenhäuser  Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Anzeigenmotiv der Corona-Kampagne der Dresdner Krankenhäuser Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

In Zeitungsanzeigen und Posts in den Sozialen Medien bitten das
Krankenhaus St. Joseph-Stift, das Diakonissenkrankenhaus Dresden, das
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und das Städtische Klinikum
Dresden mit Nachdruck darum, die Maßnahmen und Verordnungen zur Reduktion
der Corona-Infektionszahl zu unterstützen. Der Aufruf zu einem
verantwortungsvollen Miteinander ist mit dem Appell verbunden, sich an die
AHA-Regeln zu halten und Kontakte zu reduzieren.

"Pass auf! – Auf Dich, auf Andere, auf uns Alle“ – mit diesem gemeinsamen
Appell richten sich die Dresdner Kliniken an die Menschen ihrer Region, um
auf die sich zuspitzende Lage bei der Versorgung von COVID-19-Patienten
aufmerksam zu machen. Inzwischen hat der massive Anstieg der von schweren
gesundheitlichen Problemen betroffenen Infizierten auch die Dresdner
Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht.

„Corona ist real – jeden Tag erleben wir Patienten, die schwer krank sind;
Patienten, die sterben und Pflegekräfte und Mediziner, die an ihre Grenzen
gehen und Tränen in den Augen haben“, sagt Dr. Mark Frank, Leiter des
Koordinationsteams Corona und Ärztlicher Leiter der Notaufnahme am
Städtischen Klinikum Dresden.

Viele vom Corona-Virus SARS-CoV-2 ausgelöste Erkrankungen verlaufen mild.
Doch bereits deutlich spürbare Symptome wie der Verlust des Riech- und
Schmecksinns oder andere, die körperliche Leistungsfähigkeit
einschränkende Probleme können hartnäckig sein und chronisch werden. Was
den in der ärztlichen und pflegerischen Versorgung der COVID-19-Patienten
eingebundenen Medizinern und Pflegekräften die größten Sorgen bereitet,
sind die sehr schweren Fälle.

Für fast alle in den Kliniken behandelten Betroffenen ist diese Infektion
eine Grenzerfahrung. Genau wie für die Dresdner Kliniken – im Extremfall
können sie nicht mehr für alle Patienten in der gewohnt hohen
Behandlungsqualität da sein. Bereits heute arbeiten Pflegepersonal sowie
Ärztinnen und Ärzte am körperlichen und seelischen Limit. Daher rufen sie
gemeinsam die Menschen in der Region auf, sich an Hygiene- und
Abstandsregeln zu halten sowie Kontakte auf das wirklich Notwendige zu
beschränken.

Die zweite Welle der Corona-Pandemie mit der stetig steigenden Zahl an
schwer Erkrankten macht in den Kliniken immer neue und weitreichendere
Entscheidungen notwendig. Binnen weniger Wochen mussten die Dresdner
Kliniken während dieser Welle eine hohe Anzahl an COVID-19-Patienten
versorgen, Infrastruktur und Personal dafür bereitstellen sowie geplante
Eingriffe verschieben. Neben der sehr aufwendigen Versorgung dieser
Patienten gilt es, die gesamte medizinische Versorgung für die
Landeshauptstadt und die Region abzusichern, um auch weiterhin Notfälle
und lebensbedrohliche Erkrankungen uneingeschränkt behandeln zu können.

„Gegenwärtig profitieren wir in Dresden und Ostsachsen noch von der im
Rahmen der ersten Pandemie-Welle vom Universitätsklinikum aufgebauten
regionalen Koordinierungsstruktur. Mit unserer Krankenhausleitstelle
können wir sowohl die Versorgung von COVID-19-Patienten als auch die
Versorgung der weiteren Patienten steuern und absichern. Bisher haben
diese Strukturen im Sinne aller Patienten hervorragend funktioniert. sagt
Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums
Dresden: „Damit das so bleibt, müssen wir zusammenstehen und die Regeln zu
unserem eigenen Schutz und dem Schutz unserer Mitmenschen beherzigen. Nur
so lassen sich die Zustände wie aus dem Frühjahr in Bergamo, Straßburg
oder New York verhindern!“

Die Situation in den Kliniken ist jedoch sehr ernst. Die Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Dresdner Krankenhäuser leisten derzeit
Außergewöhnliches, sie gehen an ihre eigenen körperlichen Grenzen.

„Jeder, der die Hygiene- und Abstandsregeln einhält und Kontakte
reduziert, zeigt somit nicht nur Verantwortung für seinen Nächsten. Mit
diesem disziplinierten Verhalten kann jeder zeigen, dass er der Arbeit
unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken aufrichtig
Respekt zollt“, unterstreicht Peter Pfeiffer, Geschäftsführer des
Krankenhauses St. Joseph-Stift.

Die Dauer der Belastung ist für die Kliniken und ihren Belegschaften enorm
– es gibt kaum Zeit zum Durchatmen. Unter diesen Bedingungen lässt sich
nicht mehr ausschließen, dass das Gesundheitssystem kollabiert. Denn auch
kurzfristig sinkende Infektionszahlen, führen nicht unmittelbar zum
Rückgang der zu versorgenden Patienten.

„Die intensivmedizinischen Kapazitäten sind begrenzt. Damit diese
ausreichen und wir weiterhin für alle Menschen da sein können, brauchen
wir Ihre Unterstützung“, appelliert Dr. Thorsten Jacobi, Ärztlicher
Direktor des Diakonissenkrankenhauses Dresden. „Für jeden Einzelnen
bedeuten die aktuellen Regeln Beeinträchtigungen im gesellschaftlichen
Miteinander und Leben. Der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
und unserer Patientinnen und Patienten hat jedoch oberste Priorität. Jeder
trägt eine Verantwortung für sich und andere.“

Originalpublikation:
https://www.tag24.de/dresden/lokales/corona-kampagne-von-dresdner-
kliniken-pass-auf-auf-dich-auf-andere-auf-uns-alle-1754877

https://www.uniklinikum-dresden.de/de/startseite_kollektionen/pass-auf-
auf-dich-auf-andere-auf-uns-alle

  • Aufrufe: 62

Corona und Weihnachten: Bei Herzinfarkt-Verdacht sofort den Notarzt (112) rufen

Herzstiftung warnt: Bei Infarkt-Verdacht niemals zögern, sondern sofort
Notruf 112 absetzen - auch an Weihnachten, Neujahr und in der Corona-Welle

Die Scheu vor dem Notruf 112 für den Rettungsdienst wegen neugieriger
Blicke der Nachbarn oder weil man den Krankenhäusern nicht zur Last fallen
möchte: Notfallmediziner kennen nur zu gut die Gründe für fatales
lebensgefährliches Zögern von Notfallpatienten bei Verdacht auf
Herzinfarkt oder andere Herznotfälle wie bösartige Herzrhythmusstörungen.
Die Festtage um Weihnachten und Neujahr sowie der Corona-Lockdown dürften
diese Hemmung vor dem Notruf 112 noch steigern. Viele Menschen sind
derzeit verunsichert und besorgt: Während der Corona-Pandemie ins
Krankenhaus? Bloß nicht! „Ein fataler Irrtum, der im schlimmsten Fall
Leben kosten kann“, warnt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas
Voigtländer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Deutschen
Herzstiftung. Denn bei einem Herznotfall zählt jede Minute. „Die derzeit
hohen Zahlen an Corona-Infektionen dürfen nicht wie im Frühling dazu
führen, dass Menschen bei Verdacht auf Herzinfarkt oder bei anderen
notfallartigen Symptomen den lebenswichtigen Notruf 112 oder den Weg in
die Notfallambulanz scheuen: entweder aus Angst vor einer Ansteckung mit
dem Coronavirus oder wegen befürchteter Kapazitätsengpässe in den
Kliniken“, so der Kardiologe und Intensivmediziner am Cardioangiologischen
Centrum Bethanien (CCB) Frankfurt a. M. im Expertenbeitrag unter
www.herzstiftung.de/herzinfarkt-an-festtagen Pro Jahr fordert der
Herzinfarkt in Deutschland über 46.000 Todesopfer und führt zu mehr als
212.000 Klinikaufnahmen (Deutscher Herzbericht 2019).

Herzinfarkt und andere Herznotfälle: Unaufschiebbare Ereignisse für die
Klinik
Besonders um die Weihnachtszeit können vermehrt Herz-Kreislauf-
Komplikationen auftreten, darauf deutet eine Studie (1) aus der Zeit vor
Corona hin. Der Studie zufolge gehen der Vorweihnachtsstress und die
Aufregung der Weihnachtsfeiertage nicht an jedem Herzen spurlos vorüber.
„Die Studienergebnisse lassen auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko an
Heiligabend und an Neujahr schließen – besonders bei Menschen, die über 75
oder bereits chronisch krank sind“, erklärt Voigtländer. Eine vermehrte
Anfälligkeit haben Patienten mit Risikofaktoren wie beispielsweise
Diabetes und koronarer Herzkrankheit. Ihr Herz reagiert besonders
empfindlich auf Risikofaktoren wie Stress. Mit Blick auf die Corona-
Pandemie fügt der Kardiologe hinzu: „Bei vielen Menschen kommen in Zeiten
von Corona sicherlich noch Sorgen und die Angst vor einer Ansteckung mit
SARS-CoV-2 hinzu. Das kann sich ebenfalls in Form von Stress bemerkbar
machen.“
Herzinfarkt und andere Herznotfälle wie lebensbedrohliche
Herzrhythmusstörungen sind keine aufschiebbaren Krankheitsfälle. Sie
müssen rasch medizinisch versorgt werden. Kommt es beim Herzinfarkt etwa
zum lebensbedrohlichen Kammerflimmern, kann nur ein Elektroschock über
einen Defibrillator die Herzrhythmusstörungen beseitigen. Im Krankenhaus
muss mittels Katheter das verstopfte Herzkranzgefäß so schnell wie möglich
geöffnet werden, um einen weiteren Verlust von Herzmuskelgewebe zu
verhindern. „Je mehr Zeit ohne Behandlung verstreicht, desto mehr
Herzmuskel wird irreparabel zerstört“, sagt der Mediziner.

Weihnachtsfeiertage und Herzinfarkt: Kliniken sind gerüstet
Die Deutsche Herzstiftung betont: Rettungsdienstleitstellen,
Herznotfallambulanzen (Chest Pain Units/CPUs) und Notaufnahmen der
Kliniken stehen auch an Feiertagen, in der Zeit zwischen den Jahren wie
auch am Wochenende oder nachts rund um die Uhr bereit – auch während der
zweiten Corona-Welle. Die Feiertage um Weihnachten und Neujahr sowie hohe
Covid-19-Infektionszahlen dürfen nicht dazu führen, dass Menschen mit
Verdacht auf ein lebensbedrohliches Ereignis wie einen Herzinfarkt
lebensrettende Maßnahmen unterlassen. „Zögern Sie nicht. Wählen Sie den
Notruf 112 und äußern Sie den Herzinfarkt-Verdacht deutlich, damit ein
Rettungswagen mit Notarzt geschickt wird“, appelliert Voigtländer. „Der
Notarzt ist hier so wichtig, weil der Herzinfarkt jederzeit in
Herzkammerflimmern übergehen und der Patient in wenigen Minuten am
plötzlichen Herztod versterben kann.“ Infos zur Laien-Reanimation bei
beobachtetem Herzstillstand unter www.herzstiftung.de/erste-hilfe-corona

Herzinfarkt-Symptome richtig deuten
Ein typisches Herzinfarkt-Symptom sind plötzlich einsetzende starke
brennende und drückende Schmerzen, die länger als fünf Minuten anhalten
und sich in Ruhe nicht bessern. Die Schmerzen zeigen sich überwiegend im
Brustkorb, häufig hinter dem Brustbein, bisweilen auch nur im Rücken
zwischen den Schulterblättern oder im Oberbauch. Die Schmerzen können in
den Arm, den Hals oder Kiefer ausstrahlen. Zu den weiteren
infarkttypischen Alarmzeichen gehören:
- Engegefühl in der Brust („Elefant auf der Brust“)
- Atemnot
- Übelkeit
- kalter Schweiß
- Unruhe
- Angst
- Blässe

Herzpatienten sollten eine Zunahme von Beschwerden wie Atemnot besonders
ernst nehmen, denn die Symptome einer Herzerkrankung können den Symptomen
von Covid-19 stark ähneln. Weitere Informationen zu den wichtigsten
Symptomen einer Herzerkrankung wie Vorhofflimmern, Herzklappenerkrankung,
koronare Herzkrankheit und andere Herzleiden, die Anlass für einen
umgehenden Facharztbesuch sind, finden Herzpatienten und interessierte
Angehörige unter www.herzstiftung.de/herzinfarkt-an-festtagen

Wichtig: Der Umweg über den Hausarzt oder den Ärztlichen
Bereitschaftsdienst mit der Rufnummer 116 117 („Notdienstnummer“) kann bei
Herzinfarkt gefährlich sein, weil ein Hausarzt und der Ärztliche
Bereitschaftsdienst hier nichts anderes tun können als den Notarzt (112)
zu rufen.

Service-Tipp
Herzinfarkt und Herzstillstand: Gut gerüstet mit dem Notfall-Set
Wer die Sorge hat, im Notfall vor Aufregung zu vergessen, wie die
Wiederbelebung durch Herzdruckmassage bei beobachtetem Herzstillstand
funktioniert oder was bei Herzinfarkt zu tun ist, bestellt das kostenfreie
Herznotfall-Set unter www.herzstiftung.de/bestellen oder fordert es bei
der Herzstiftung unter Tel. 069 955128400 an.

Quelle:
(1) Mohammad MA et al., Christmas, national holidays, sport events, and
time factors as triggers of acute myocardial infarction: SWEDEHEART
observational study 1998-2013
BMJ 2018;363:k4811 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.k4811

  • Aufrufe: 49

Wenn Narben jucken, schmerzen oder wachsen: S2k-Leitlinie der DDG – Wann hilft welche Narbentherapie?

Narben sind das Ergebnis des Wundheilungsprozesses. Sie belasten
Patientinnen und Patienten aus ästhetischen Gründen und können auch mit
Schmerzen, Juckreiz und Funktionsbeeinträchtigungen einhergehen. Die S2k-
Leitlinie „Behandlung pathologischer Narben“ der Deutschen
Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG) klärt, welche therapeutischen
Optionen empfehlenswert sind. Erstmalig erwähnt werden in der Leitlinie
die Therapieoptionen Hyaluronidase, Kalziumkanalblocker und Plasmamedizin.
Allerdings reichen die Daten und Erfahrungen für eine Empfehlung bisher
nicht aus. Chirurgische Interventionen sollten weiterhin nur nach
intensiver Abwägung und mit zusätzlicher Anschlussbehandlung erfolgen.

Nach jeder Verletzung setzt ein komplexer Reparaturmechanismus ein. Als
Ergebnis der Wundheilung entsteht eine Narbe. Dermatologen sprechen von
einer Funktionswiederherstellung der Oberflächenintegrität. „Allerdings
ist das Resultat ein faserreiches Ersatzgewebe, das gesunder Haut
unterlegen ist. Zudem leiden manche Patientinnen und Patienten an
Juckreiz, Schmerzen, den ästhetischen Veränderungen und sind eventuell in
ihrer Bewegung eingeschränkt“, erklärt Professor Dr. med. Peter Elsner,
Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und
Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen
Gesellschaft (DDG). Pathologische, also krankhafte Narben müssen behandelt
werden.

Zu den pathologischen Narben gehören „hypertrophe“ Narben. Anders als die
eingesunkenen („atrophen“) Narben, sind sie rot und erhaben. Wenn es zu
einer überschießenden Narbenbildung kommt, also der ursprüngliche Bereich
der Verletzung überschritten wird, sprechen Medizinerinnen und Mediziner
von einem Keloid, einer gutartigen Geschwulst, die nur in geringem Maße
zur Rückbildung neigt. Hypertrophe Narben hingegen können sich nach
Monaten von allein zurückbilden.
„Auch wenn hypertrophe Narben und Keloide zu den gutartigen
Hautveränderungen gehören, sind viele Betroffene behandlungsbedürftig,
denn die Symptome können ihre Lebensqualität stark beeinträchtigen und zu
ihrer Stigmatisierung führen“, erklärt Professor Dr. med. Uwe Paasch,
Dermatologe an der Universität Leipzig und niedergelassener Hautarzt in
Jesewitz. „Es gibt bei Narben keine Behandlungsmethode der ersten Wahl,
jedes Therapieziel muss individuell mit dem Patienten festgelegt werden“,
so Paasch.
Unterstützung bei der Frage, welche Therapie gewählt werden sollte, gibt
die aktualisierte S2k-Leitlinie „Therapie pathologischer Narben
(hypertrophe Narben und Keloide)“ der Deutschen Dermatologischen
Gesellschaft (DDG), an der Paasch auch in seiner Funktion als Mitglied der
Deutschen Dermatologischen Lasergesellschaft (DDL) beteiligt war.

Da in den letzten Jahren neue Therapieoptionen hinzukamen und
wissenschaftlich ausgewertet werden konnten, wurde die Leitlinie aus dem
Jahr 2014 nun aktualisiert.
Professor Dr. med. Alexander Nast, Leitender Oberarzt an der Klinik für
Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Charité – Universitätsmedizin
Berlin, und Leiter der DDG-Kommission für Qualitätssicherung in der
Dermatologie: „Die wichtigsten Behandlungsoptionen bleiben: Die Injektion
von Triamcinolon in Kristallsuspension und die Kryotherapie.“ Das
synthetische Glukokortikoid („Kortison“) Triamcinolon wird direkt in die
Narbe gespritzt. Es reduziert das exzessive Narbenwachstum, indem es die
Kollagensynthese hemmt. Bei der Kryotherapie handelt es sich um eine
Vereisung der Narbe mit flüssigem Stickstoff. In der aktualisierten
Leitlinie wird empfohlen, beides in Kombination anzuwenden.

Zum Thema chirurgische Behandlung von Keloiden und hypertrophen Narben
kommt die Leitlinie zu einer klaren Einschätzung. Da eine alleinige und
nicht sachgemäße chirurgische Intervention mit einem hohen Rezidivrisiko
einhergeht, werden operative Maßnahmen nur nach intensiver Abwägung und
mit zusätzlicher Anschlussbehandlung (beispielsweise Bestrahlung,
Druckbehandlung und Triamcinoloninjektion) empfohlen.
Professor Paasch ergänzt: „Bei hypertrophen Narben nach Verbrennung oder
Verbrühung haben sich die fraktionierte ablative Lasertherapie, das
Microneedling und die Kompressionstherapie bewährt.“ Bei der
fraktionierten Lasertherapie wird eine Wundheilungssequenz angestoßen, bei
der Hitzeschockproteine eine entscheidende Rolle spielen. Microneedling
bedeutet, dass die Haut mit vielen kleinen Nadeln durchstochen wird, was
zu sogenannten Mikrotraumen führt. Diese stoßen eine Wundheilungskaskade
an, was ebenso wie die Lasertherapie zu einem „Remodeling“ in der Haut
führt.

Neu in der Leitlinie sind die Therapieoptionen Hyaluronidase,
Kalziumkanalblocker und Plasma. Die Leitlinie gibt aufgrund der geringen
Datenlage für diese Behandlungsoptionen keine Empfehlung für oder gegen
die Anwendung. Die Aufnahme lädt aber zu klinischen Studien ein und zeigt
den Forschungsbedarf an.
„Festzuhalten bleibt, dass es bei der Behandlung hypertropher Narben immer
um eine individuell auf die Patientin/den Patienten abgestimmte Therapie
handeln muss. Mit nur einem Therapieansatz wird häufig keine ausreichende
Wirksamkeit erzielt. Eine Kombination mehrerer Therapien ist
erforderlich“, bilanziert DDG-Medienbeauftragter Elsner. Hierzu gibt die
Leitlinie klare Empfehlungen.

Quelle:
Therapie pathologischer Narben (hypertrophe Narben und Keloide), AWMF-
Register-Nr.: 013-030, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013
-030l_S2k_Therapie-pathologischer-Narben-hypertrophe-Narben-

Keloide_2020-11.pdf

  • Aufrufe: 91