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Diabetesverbände fordern ein bundesweit flächendeckendes Parallelangebot von Präsenz- und Videoschulungen

Neuer Lockdown: Rasche G-BA-Bewilligung von Videoschulungen notwendig
Diabetesverbände fordern ein bundesweit flächendeckendes Parallelangebot
von Präsenz- und Videoschulungen in der Diabetologie – auch nach der
Corona-Pandemie

Um Patientinnen und Patienten vor einer COVID-19-Infektion zu schützen,
hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 8. April 2020 einen
Eilbeschluss zum Aussetzen der Schulungen und Dokumentationen im Rahmen
von Disease-Management-Programmen (DMP) erlassen. Auch darin enthaltene
verpflichtende Schulungen für Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 sind
davon betroffen. Einzelne KV-Bezirke erlauben übergangsweise Online-
Angebote, die jedoch laut G-BA-Beschluss nur noch bis Ende 2020
unterstützt werden. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) fordert
gemeinsam mit weiteren Diabetesverbänden in einem aktuellen
Positionspapier die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und den G-BA dazu
auf, rasch Regelungen zu verabschieden, die eine Videoschulung als
Ergänzung zur Präsenzgruppenschulung für Diabetespatienten im Rahmen der
DMP Diabetes während des neuen Lockdowns – aber auch dauerhaft –
ermöglichen.

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Jährlich erkranken über 500.000 Menschen neu an Typ-2-Diabetes, rund 3.100
Patienten an Typ-1-Diabetes. „Sie benötigen zeitnah nach der Diagnose eine
strukturierte Schulung, um das notwendige Wissen und die Fertigkeiten im
Umgang mit dem Diabetes zu erlernen und mögliche, auch tödliche, Risiken
der Stoffwechselerkrankung wie schwere Unterzuckerungen und auch
Folgekomplikationen zu vermeiden“, erklärt Professor Dr. phil. Bernhard
Kulzer, Mitglied des DDG Ausschusses „Qualitätssicherung, Schulung &
Weiterbildung“. Es sei daher eine wichtige und richtige Entscheidung
einzelner KV-Bezirke gewesen, nach dem G-BA-Beschluss im April die
Videoschulung für DMP-anerkannte strukturierte Schulungs- und
Behandlungsprogramme übergangsweise während der COVID-19-Pandemie zu
erlauben. „Durch die Videoschulungen konnten viele Betroffene weiterhin
regelmäßig und ohne Ansteckungsgefahr strukturiert geschult werden.“

Doch da diese Angebote noch nicht flächendeckend verfügbar und auch
bislang nicht dauerhaft geplant sind, fordern DDG, der Bundesverband
Niedergelassener Diabetologen (BVND), der Verband der Diabetes Beratungs-
und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) und diabetesDE – Deutsche
Diabetes-Hilfe, auch über das Jahresende hinaus Schulungen per Video als
einen zentralen Bestandteil der strukturierten Diabetestherapie zu
ermöglichen. „Die Dringlichkeit besteht besonders für die Zeit des neuen
bundesweiten Lockdowns bis zum 10. Januar 2021“, so Kulzer. Bundesweit
müssen alle Kassenärztlichen Vereinigungen zum Wohle von Menschen mit
Diabetes sehr rasch Sonderregelungen für die Videoschulung treffen.

Denn besonders die Corona-Pandemie stelle Menschen mit chronischen
Erkrankungen vor eine harte Belastungsprobe: „Schulungsmaßnahmen sind also
gerade in für Diabetespatienten besonders belastenden Zeiten von COVID-19
eine sehr empfehlenswerte Maßnahme, um durch eine bessere glykämische
Kontrolle das Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Erkrankung
zu minimieren, sowie psychische Belastungen zu reduzieren und psychischen
Problemen vorzubeugen“, betont Kulzer.
Die Erfahrungen mit Videoschulungen in den letzten Monaten zeigten, dass
diese nicht nur eine wichtige Alternative in Coronazeiten darstellen,
sondern auch eine geeignete ergänzende Option zur Präsenzschulung sind.
„Seit dem Beschluss des G-BA sind schon in 10 von 17 Bezirken der KV
befristete Regelungen geschaffen worden“, begrüßt Kulzer. DDG, VDBD, BVND
und diabetesDE setzen sich deshalb für ein dauerhaftes Parallelangebot von
Präsenz- und Videoschulungen in der Diabetologie ein. „Die
Kassenärztlichen Vereinigungen sollten einheitliche Regelungen für alle
KV-Bezirke Deutschlands treffen und damit die Videoschulung als Ergänzung
zur Präsenzgruppenschulung für Diabetespatienten im Rahmen der DMP
Diabetes ermöglichen“, so DDG Präsidentin Professor Dr. med. Monika
Kellerer. „Wir sehen den G-BA in der Pflicht, durch eine entsprechende
Änderung der Richtlinien die Videoschulung als Ergänzung zur
Präsenzgruppenschulung für Diabetespatienten im Rahmen der DMP Diabetes zu
regeln.“ Generelle Voraussetzungen seien jedoch die Durchführung von
Videoschulungen mit den DMP-Diabetes zertifizierten strukturierten
Schulungs- und Behandlungsprogrammen, die von der KBV gesetzten
Datenschutzstandards sowie die entsprechende Qualifikation – eine
Weiterbildung zur Diabetesberater/in DDG beziehungsweise
Diabetesassistent/in DDG.

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Zur Hintergrundinformation:

¹Gemeinsame Stellungnahme von DDG, VDBD, BVND und diabetesDE zur
Videoschulung als sinnvolle Ergänzung zur Präsenzschulung: <https://www
.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/politik/stellungnahmen/gemeinsame-
stellungnahme-von-ddg-vdbd-bvnd-und-diabetesde-zur-videoschulung-als-
sinnvolle-ergaenzung-zur-praesenzschulung
>

DDG Pressemitteilung vom 12.5.2020: Videoschulungen unterstützen Menschen
mit Diabetes: DDG, BVND, VDBD und diabetesDE begrüßen erste Regelungen zur
Videoschulung für die Zeit der Covid-19-Pandemie <https://www.deutsche-
diabetes-gesellschaft.de/presse/videoschulungen-unterstuetzen-menschen-
mit-diabetes
>

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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Keine Angst vor Strahlentherapie

 Bei der Strahlentherapie wird die Strahlendosis zielgenau auf den Tumor des Patienten gelenkt. Gesundes Gewebe wird dabei weitestgehend geschont. frau-bestrahlung-strahlentherapie-brust-arzt-shutterstock_1091529116.jpg
Bei der Strahlentherapie wird die Strahlendosis zielgenau auf den Tumor des Patienten gelenkt. Gesundes Gewebe wird dabei weitestgehend geschont. frau-bestrahlung-strahlentherapie-brust-arzt-shutterstock_1091529116.jpg

Die Strahlentherapie ist eine der tragenden Säulen in der Behandlung von Krebs. Ihr großer Vorteil ist ihre ziel- und dosis-genaue Verabreichung im Tumor, die auf jeden Patienten individuell abgestimmt ist. Und das bei relativ geringfügigen Nebenwirkungen. Dennoch haben viele Patienten Bedenken vor einer Strahlentherapie. Die Strahlung, die man nicht sieht oder schmeckt, macht ihnen Angst. Die Strahlentherapie ist eine häufig eingesetzte Methode, um Krebs erfolgreich zu behandeln. Jeder zweite Krebspatient wird im Laufe seiner Erkrankung bestrahlt – zur Heilung oder – bei fortgeschrittenem Krebs –  zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Lebensqualität. Dennoch haben manche Patienten Angst vor der Strahlentherapie. Ursachen hierfür können falsche Vorstellungen und fehlende Informationen sein. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums beantwortet typische Fragen.  

Bei der Strahlentherapie wird der Tumor zielgenau in der Regel in mehreren Sitzungen mit energiereicher Strahlung behandelt, so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig. Ziel ist es, möglichst alle Krebszellen zu töten. Für eine präzise Bestrahlung wird für jeden Patienten ein individueller Bestrahlungsplan erstellt. Die Art des Tumors, seine Ausdehnung im Körper, das Stadium der Erkrankung sowie der Gesundheitszustand des Patienten und eventuell bereits erfolgte Bestrahlungen, gehen in diese Planung ein. Neue Techniken bei den Bestrahlungsgeräten und immer präzisere computerbasierte Steuerung sorgen dafür, dass gesundes Gewebe immer besser geschont wird. Trotzdem sollten Betroffene wissen: Nebenwirkungen und Spätfolgen lassen sich nie ganz ausschließen. Auch kommt eine Bestrahlung nicht bei jeder Krebsart infrage.

Wissen kann Ängste nehmen

Trotz der Erfolge der Strahlentherapie im Kampf gegen Krebs, machen sich Krebspatienten vor einer Behandlung häufig Sorgen. „Strahlen entziehen sich unserer Wahrnehmung, sie sind nicht greifbar, wir können sie weder sehen noch hören oder riechen. Das empfinden manche als bedrohlich“, so Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. Bei der Strahlentherapie kommen jedoch streng geprüfte Geräte zum Einsatz, bei denen die Strahlenabgabe exakt gesteuert wird und mehrere Kontrollmechanismen eine Fehldosierung verhindern. Weg-Remers: „Wir empfehlen Krebspatienten, die sich Sorgen wegen der Strahlentherapie machen, dies mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Oft können Befürchtungen so aus der Welt geschafft werden.“ Auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums beantwortet täglich kostenlos unter 0800-4203040 oder unter der E-Mail krebsinformationsdienst@dkfz.de individuelle Fragen zur Bestrahlung, wissenschaftlich fundiert, neutral und unabhängig.

Wo ist die Strahlung nach der Bestrahlung?

Nicht allen Krebspatienten ist bewusst, dass nach einer Bestrahlung und dem Abschalten des Gerätes keine Gefahr mehr besteht – weder vom Raum noch von der bestrahlten Person selbst geht Strahlung aus. Die Strahlung, die vom Bestrahlungsgerät abgegeben wurde, entfaltet ihre Wirkung nur am Zielort, der vorab im individuellen Bestrahlungsplan festgelegt wurde. Wichtig zu wissen: Dies ist anders als bei der sogenannten Radionuklidtherapie: Hier werden Tumoren mit radioaktiven Substanzen behandelt, die in die Blutbahn gespritzt werden und für einige Zeit im Körper verbleiben. Diese Substanzen gelangen über das Blut direkt zu den Tumorzellen und werden von diesen entweder aufgenommen oder docken an diesen an. Ähnlich verhält es sich mit radioaktiven Implantaten, sogenannten Seeds, die direkt in das zu bestrahlende Gewebe eingelegt werden und dauerhaft dort verbleiben. Da bei dem Zerfall der radioaktiven Substanzen Strahlung frei wird, kann eine geringe Strahlenbelastung der Umwelt nicht sicher ausgeschlossen werden. Daher bleiben die Patienten einige Zeit im Krankenhaus, bis die verabreichte Dosis ausgeschieden ist oder die Strahlung abgeklungen ist. 

Wie ist das mit Nebenwirkungen? 

Gänzlich frei von Nebenwirkungen ist die Strahlentherapie nicht. Die verwendeten Bestrahlungsgeräte und auch der Bestrahlungsplan sorgen dafür, dass die Nebenwirkungen möglichst gering sind. Häufig treten als unmittelbare Folge der Bestrahlung leichte Hautrötungen, sonnenbrandähnliche Beschwerden und gereizte Schleimhäute auf. Diese Beschwerden sind jedoch zeitlich begrenzt und behandelbar. 

Kann Strahlentherapie Krebs verursachen?

Das Risiko eines Zweittumors nach 10 bis 30 Jahren aufgrund der Bestrahlung ist gering. Trotzdem ist es wichtig, dass der Arzt gemeinsam mit dem Betroffenen Nutzen und mögliches Risiko sorgfältig abwägt. Der Nutzen der Strahlentherapie übersteigt jedoch in der Regel die möglichen Risiken um ein Vielfaches.

Warum sind es so viele kurze Sitzungen und nicht eine lange? 

Die Strahlentherapie erfolgt bei vielen Tumorerkrankungen in mehreren Sitzungen. Damit sich gesundes Gewebe von der Bestrahlung erholen kann, sind Bestrahlungspausen wichtig. Der genaue Behandlungsablauf einschließlich Pausen wird im Bestrahlungsplan festgelegt. Es gibt verschiedene Schemata, in denen sowohl die Strahlendosis, als auch der zeitliche Abstand ihrer Verabreichung genau festgelegt sind. Welches zum Einsatz kommt, hängt vom Tumor ab.

Bin ich allein im Behandlungsraum? 

Um die Belastung der Klinik-Mitarbeiter durch Streustrahlung zu vermeiden, verlassen sie während der Bestrahlung den Behandlungsraum. Über Gegensprechanlage und Kameras stehen sie aber jederzeit mit den Patienten in Kontakt. Außerdem dauert die Bestrahlung nur wenige Minuten. 

Auch wenn die Strahlentherapie nicht für alle Krebsarten geeignet ist, bei der Behandlung vieler Krebserkrankungen stellt sie eine wichtige Methode dar, die häufig maßgeblich zur Heilung beitragen kann. 

 Weiterführende Informationen zum Thema bieten die Internetseiten des Krebsinformationsdienstes unter https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/strahlentherapie-nuklearmedizin/strahlentherapie-nebenwirkungen.php

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nnovation für das Medizinstudium: Culinary Medicine als Wahl-Pflichtfach an der Universitätsmedizin Göttingen pilotiert

Projektlogo Culinary Medicine  Birgit Ellrott  © 2020 Institut für Ernährungspsychologie / CookUOS e.V.
Projektlogo Culinary Medicine Birgit Ellrott © 2020 Institut für Ernährungspsychologie / CookUOS e.V.

Das Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität
Göttingen, Universitätsmedizin, hat in Kooperation mit CookUOS e.V. ein
neues evidenzbasiertes Wahl-Pflichtfach "Culinary Medicine" für das
Medizinstudium entwickelt und im Wintersemester 2020/21 erfolgreich
pilotiert. Culinary Medicine kombiniert Ernährungsmedizin,
Ernährungswissenschaft und Psychologie mit praktischer Kulinarik.
US-Studiendaten zeigen, dass das innovative Lehrformat einer "Teaching
Kitchen" zu einer Verbesserung der Beratungskompetenz bei Lebensstil-
assoziierten Erkrankungen führt. Dies ist für die ärztliche Tätigkeit von
erheblicher Bedeutung, da die Prävalenz derartiger Erkrankungen stetig
zunimmt.

Das Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität
Göttingen, Universitätsmedizin, hat in Kooperation mit CookUOS e.V. ein
neues evidenzbasiertes Wahl-Pflichtfach "Culinary Medicine" für das
Medizinstudium entwickelt. Im Wintersemester 2020/21 wurde das innovative
Lehrformat erstmals an der Universitätsmedizin Göttingen unter Einhaltung
eines Corona-Hygienekonzepts pilotiert.
Culinary Medicine kombiniert Ernährungsmedizin, Ernährungswissenschaft und
Psychologie mit praktischer Kulinarik. Das Lehrformat ist ein
indikationsbezogener Kochkurs für Medizinstudierende.
In den USA bieten bereits über 60 Universitäten, darunter alle acht Ivy-
League Universitäten, Culinary Medicine im Rahmen des Medizinstudiums an.
Dortige Studiendaten zeigen, dass das Lehrformat einer "Teaching Kitchen"
zu einer Verbesserung der ärztlichen Beratungskompetenz bei Lebensstil-
assoziierten Erkrankungen führt. Für die ärztliche Tätigkeit ist dies von
erheblicher Bedeutung, da die Prävalenz derartiger Erkrankungen (z.B.
Adipositas, Diabetes Typ 2) und damit der ernährungsmedizinische
Therapiebedarf in der Praxis auch hierzulande stark zunimmt (vgl.
gemeinsame Presseerklärung des Bundesverbands Deutscher
Ernährungsmediziner e.V. (BDEM), der Deutschen Akademie für
Ernährungsmedizin e.V. (DAEM) und der Deutschen Gesellschaft für
Ernährungsmedizin e.V. (DGEM):
https://www.dgem.de/pressemitteilungs-archiv-022019 .)

Das Institut für Ernährungspsychologie und CookUOS e.V. haben aus diesem
Grunde ein Wahl-Pflichtfach Culinary Medicine mit 28
Lehrveranstaltungsstunden (LVS) für das Medizinstudium in Deutschland
entwickelt. Studierende der Medizin im klinischen Abschnitt des Studiums
erlernen in 7 Modulen bzw. Kochkursen à 4 LVS zum einen die theoretischen
Grundlagen klinischer Ernährung auf Basis des 2019 veröffentlichten
wissenschaftlichen Konsensuspapiers "Leitfaden Ernährungstherapie in
Klinik und Praxis (LEKuP)"
https://www.dgem.de/pressemitteilungs-archiv-122019 . Zum anderen erfahren
sie gleichzeitig, wie sie ihre Patienten auf der Grundlage von natürlichen
Lebensmitteln, praktischen Kochfertigkeiten und attraktiven Rezepten
motivieren können, ein gesünderes Leben zu führen (Salutogenese). Darüber
hinaus stehen die Prinzipien eines nachhaltigen und ressourcenschonenden
Umgangs mit Lebensmitteln im Fokus. Die praktischen Kochkurse haben einen
direkten Bezug zu den im evidenzbasierten Leitfaden Ernährungstherapie in
Klinik und Praxis (LEKuP) veröffentlichten Indikationsgruppen und werden
durch passende Fallbeispiele ergänzt.

„Culinary Medicine stellt eine neue Methode dar, die Erkenntnisse der
Ernährungsmedizin in die Lebenswelten von Patienten zu übersetzen und
damit den Erfolg des Beratungsprozesses zu optimieren“, so PD Dr. med.
Thomas Ellrott, wissenschaftlicher Leiter des Projektes. Die US-
amerikanischen Studien zeigen, dass Ärzte, die in Culinary Medicine
geschult sind, ihre Patienten wesentlich häufiger und besser zu
Ernährungsthemen beraten. Das neue Lehrformat ergänzt Ernährungsmedizin
somit synergistisch durch Stärkung der Lebenswelt-bezogenen ärztlichen
Beratungskompetenz. Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit mit
Ernährungsfachkräften gefördert, die den ärztlich initiierten
Therapieprozess nachfolgend, z.B. in Form von persönlicher
Ernährungsberatung, unterstützen.
Das neue Lehrformat Culinary Medicine wurde der Fachöffentlichkeit bereits
auf dem virtuellen Kongress des Verbandes für Ernährung und Diätetik
(VFED) im September 2020 mit Vorträgen zum Konzept und einer live-
Demonstration des Kochmoduls zum Thema Mangelernährung vorgestellt.
Die wissenschaftliche Gesamtleitung und -verantwortung des Modellprojektes
liegen beim Leiter des Instituts für Ernährungspsychologie an der Georg-
August-Universität Göttingen, Herrn PD Dr. med. Thomas Ellrott, und dem
Vorstandsvorsitzenden des Vereins CookUOS e.V., Herrn Uwe Neumann,
Nachhaltigkeitspädagoge und Gesundheitswissenschaftler.
CookUOS hat bereits seit 2010 im Kontext der Gesundheits-, Ernährungs- und
Nachhaltigkeitsbildung für Lehramtsstudenten am Institut für
Gesundheitsforschung und Bildung der Universität Osnabrück praktische
Ernährungsbildung unter dem Leitgedanken „Küche - Kochen - Kompetenz“
(Health Literacy, Food Literacy) entwickelt und erfolgreich durchgeführt.
Bei der Konzeption des Wahl-Pflichtfachs Culinary Medicine wurden das
Institut für Ernährungspsychologie und CookUOS e.V. von der Dr. Rainer
Wild-Stiftung für gesunde Ernährung unter der Leitung von Dr. Silke
Lichtenstein unterstützt. Die Entwicklung, Pilotierung, Evaluation und
Dokumentation werden von der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung gefördert.
Nach der erfolgreichen Pilotierung im Wintersemester 2020/21 an der
Göttinger Universitätsmedizin ist ab Sommersemester 2021 eine
multizentrische Evaluation an mehreren deutschen Universitätskliniken
geplant.

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Gesundheits-Apps im klinischen Alltag: Handreichung für Ärztinnen und Ärzte Gemeinsame Pressemitteilung der BÄK, der KBV und des ÄZQ.

Medizinische Apps gibt es in Hülle und Fülle.
Sie können zum Beispiel den Blutdruck aufzeichnen, an Medikamente erinnern
oder Informationen liefern. Seit Oktober 2020 können sich Patientinnen und
Patienten geprüfte Apps sogar verschreiben lassen. Doch die digitalen
Angebote werfen viele Fragen auf. Die neue Handreichung "Gesundheits-Apps
im klinischen Alltag" von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher
Bundesvereinigung liefert Ärztinnen und Ärzten jetzt wichtige Antworten
für die tägliche Praxis.

Die Handreichung gibt einen Überblick über Nutzen und Risiken der
digitalen Möglichkeiten und erklärt, was es mit dem
"Digitalisierungsgesetz" und den "DiGAs" auf sich hat. Sie macht deutlich,
woran man gute von schlechten Gesundheits-Apps unterscheiden kann. Wer
sich ausführlicher mit einem Thema beschäftigen möchte, findet Hinweise
auf weitere Informationsangebote und verlässliche Anlaufstellen.

Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung
(KBV) begrüßen die Ausarbeitung des ÄZQ. "Angesichts zehntausender
digitaler Gesundheitsanwendungen in den Appstores  können Ärzte ihre
Patienten natürlich nicht zu jedem einzelnen Angebot  beraten. Mit Hilfe
der Handreichung  können sie aber über Möglichkeiten und Grenzen von Apps
aufklären und sagen, worauf es bei der Auswahl der richtigen Anwendung
ankommt", so Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt.

"Die Handreichung des ÄZQ ist eine wichtige Unterstützung für die
Kolleginnen und Kollegen in den Praxen", sagte der KBV-
Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen. "Ob DiGAs von den Patienten
letztlich angenommen werden, muss sich erst noch zeigen."

Praxisnahe Fallbeispiele klären auf
Außerdem erfahren Ärztinnen und Ärzte anhand von zahlreichen
Fallbeispielen unter anderem, was sie beachten sollten, wenn eine
Patientin oder ein Patient ihre Meinung zu einer App hören möchte oder
ihnen unabgesprochen digitale Daten übermittelt. Gesundheits-Apps können
jedoch nicht nur Patientinnen und Patienten unterstützen, sondern auch
Ärztinnen und Ärzten den Berufsalltag erleichtern. Sie können
beispielsweise Leitlinienwissen anbieten oder die Kommunikation im
Kollegenkreis erleichtern. Auch hier hilft die Handreichung, Fallstricke
zu erkennen und zeigt Lösungen auf.

Patienteninformation für mehr Sicherheit
Die Handreichung beinhaltet auch ein Informationsblatt für Patientinnen
und Patienten. Dieses soll das Bewusstsein für Risiken schärfen und gibt
Tipps, wie Nutzende Gefahren verringern und Datenmissbrauch vermeiden
können, wenn sie eine Gesundheits-App anwenden möchten. Ärztinnen, Ärzte
und andere medizinische Fachleute können das zweiseitige Informationsblatt
herunterladen, ausdrucken und an Interessierte weitergeben.

Hintergrund zur Handreichung
Die Handreichung wird von der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung herausgegeben. Mit der Durchführung, Organisation und
methodischen Begleitung wurde das Ärztliche Zentrum für Qualität in der
Medizin (ÄZQ) beauftragt. Ein Expertenkreis hat das ÄZQ bei der Erstellung
unterstützt. Dort waren Fachleute aus ärztlicher Selbstverwaltung,
Medizin, Informatik, Digitalisierung, Selbsthilfe und Medizinjournalismus
vertreten.

Im Internet
Die neue Handreichung steht als druckbares PDF und digital kostenlos
bereit.

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