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„Weil’s auf sie ankommt!“ Aufruf zur Unterstützung von Pflegekräften

 Pflegenetzwerk Deutschland
Pflegenetzwerk Deutschland

„Weil’s auf sie ankommt!" heißt die aktuelle bundesweite Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit, mit der das Pflegenetzwerk Deutschland zur Unterstützung von Pflegekräften aufruft. Ziel ist, die großartigen Leistungen von Pflegekräften in der Corona-Pandemie zu würdigen. Auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) unterstützt die Aktion und engagiert sich bei der Ansprache von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Pflegerinnen und Pfleger sind in der Corona-Pandemie noch mehr gefordert als zuvor. Das zeigt, warum es richtig ist, für bessere Pflege alle Register zu ziehen. Die Bundesregierung hat dafür gesorgt, dass es mehr Pflegestellen gibt, dass die Ausbildung modernisiert wird und dass Pflegekräfte besser bezahlt werden. Die Aktion „Weil's auf sie ankommt!“ ist Zeichen dieser Unterstützung."

„Wir unterstützen die Aktion, weil gute Pflege in den Kommunen nicht nur in Corona-Zeiten ein sehr wichtiges Thema ist und noch weitere Bedeutung erlangen wird“, so Uwe Lübking, Beigeordneter für Sozialpolitik des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Pflege-Kräfte und Lokalpolitik im Dialog
Über die Online-Aktionsplattform des Pflegenetzwerkes können Bürgermeisterinnen und Bürgermeister direkt vor Ort in den Dialog mit Pflegekräften treten. Was sind die lokalen Herausforderungen im Pflegealltag – zum Beispiel hinsichtlich der Besuchsregelungen? Wie mit dem Wunsch nach „normalem Leben“ einerseits und notwendigen Beschränkungen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern andererseits umgehen? Wie kann der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden? Über diese und andere Themen wird diskutiert.

Erste digitale Dialoge finden bereits statt – zum Beispiel am 18.12. in Berlin-Charlottenburg mit Bezirksstadtrat Detlef Wagner. Und im neuen Jahr geht es weiter: mit Dialogen u. a. in Euskirchen (Nordrhein-Westfalen), Erlangen (Bayern) oder Heppenheim (Rheinland-Pfalz).

Unternehmen vor Ort reichen „Helfende Hände“
Unter dem Motto „Helfende Hände“ werden lokale und regionale Gewerbetreibende aufgerufen, mit Aktionen und Angeboten ihre Wertschätzung gegenüber Pflegekräften auszudrücken. In den ersten Tagen der Aktion haben bereits mehr als zwanzig Unternehmen spontan ihre Unterstützung angeboten. Vom Gratis-Haarschnitt im Frisörsalon in Gerolsheim über einen Preisnachlass in den Filialen eines rheinland-pfälzischen Optikers bis hin zum kostenlosen Online-Coaching in Bremerhaven für Pflegekräfte in besonders belasteten Situationen – die Aktionen zur Wertschätzung der Leistungen von Pflegekräften sind vielfältig. Ihre Angebote können Unternehmen online unter www.pflegenetzwerk-deutschland.de einstellen. Pflege-Kräfte können sie dort einsehen und sich für ein Angebot anmelden.

Das Pflegenetzwerk Deutschland ist eine bundesweite Plattform für die Vernetzung und den Austausch von Menschen, die in der Pflege und für die Pflege arbeiten. Das Pflegenetzwerk ist eine Initiative des Bundesministeriums für Gesundheit.

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Corona-Impfung: Geriatrische Rehaeinrichtungen und akutgeriatrische Versorgungseinheiten gehören in die erste Reihe

Ältere, multimorbide Menschen und deren Umfeld haben bei der
flächendeckenden COVID-19-Impfung absolute Priorität – sie bekommen die
ersten Impfungen, geplant für den 27. Dezember. Doch die Pläne der Politik
sind lückenhaft, wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für
Geriatrie (DGG), Prof. Hans Jürgen Heppner, betont. Der Chefarzt der
Klinik für Geriatrie am HELIOS Klinikum Schwelm und Lehrstuhlinhaber für
Geriatrie an der Universität Witten/Herdecke mahnt, die hochaltrigen
Patienten in den Rehabilitationseinrichtungen und akutgeriatrischen
Versorgungseinheiten nicht zu vergessen – und natürlich das dort tätige
Personal.

Ältere Menschen haben statistisch belegt das höchste Risiko, an oder mit
COVID-19 zu versterben – und zwar sehr schnell. „Vor allem wenn sie
multimorbide sind, also zum Beispiel Erkrankungen haben wie
Herzinsuffizienz, Diabetes oder Bluthochdruck, die mit fortschreitendem
Lebensalter typischerweise häufiger auftreten“, sagt DGG-Präsident Prof.
Hans Jürgen Heppner. „Ich kann es nur jedem Einzelnen nahelegen, dieses
Angebot ernst zu nehmen und sich gegen diese lebensbedrohliche Krankheit
impfen zu lassen. Das ist im Moment der einzige wirksame Schutz, um eine
weitere pandemische Ausbreitung mit vielen Toten zu verhindern.“ Egal ob
es eine mögliche Impfreaktion geben würde – diese wäre spätestens nach
zwei, drei Tagen vergessen. Ohne Impfung stünden vor allem seine
Patienten, Menschen über 80 Jahre, schutzlos da. „Lassen Sie sich deshalb
unbedingt impfen!“

Lücken auf der Prioritätenliste

Wichtig ist Heppner noch einmal zu betonen, dass unter die in der
Rechtsverordnung genannten „stationären Einrichtungen“ nicht nur die
Seniorenheime fallen. „Geriatrische Rehabilitationseinrichtungen und
akutgeriatrische Versorgungseinheiten – die im Übrigen auch einen
wesentlichen Beitrag in der Pandemiebekämpfung leisten – gehören sehr wohl
in die erste Reihe der Priorisierung bei der Impfung gegen SARS-CoV-2!“,
fordert der Geriater.

„Es kann nicht sein, dass derzeit keine Vorbereitungen getroffen werden,
um in den Kliniken diese gefährdeten Patienten zu impfen, bevor sie nach
Hause, in die häusliche oder stationäre Pflege entlassen werden!“ Gleiches
gelte für Patienten, die aus der Klinik heraus in geriatrische
Rehabilitationseinrichtungen verlegt würden. „Hier muss über die
jeweiligen Kliniken sowohl die Erst- als auch die Folgeimpfung
sichergestellt werden – was aber derzeit nicht in den Plänen der Regierung
steht!“

Stationäre Patienten in den Akutgeriatrien müssen auch geimpft werden
können

Heppner ist deshalb politisch auch über die Weihnachtstage aktiv: „Wir
haben versucht, an mehreren Stellen zu intervenieren, um auch die
Möglichkeit zu erschließen, unsere stationären Patienten in den
Akutgeriatrien impfen zu können, wenn diese damit einverstanden sind.“
Leider gestalte sich eine Veränderung der bereits ausgerollten Pläne zum
jetzigen Zeitpunkt schwierig. „Aber seien Sie versichert, wir werden hier
nicht lockerlassen!“, ruft er Patienten und Mitarbeitern in den
Einrichtungen zu.

Empfehlungen der Geriater wurden im derzeitigen Referentenentwurf bereits
berücksichtigt

Für den Entwurf der STIKO-Empfehlung und den daran angelehnten
Referentenentwurf der Politik, der am Montag verabschiedet wurde, hatte
die DGG bereits Empfehlungen und Ergänzungen ausgesprochen, die im Großen
und Ganzen berücksichtigt wurden. „Als DGG konnten wir überaus wichtige
Empfehlungen einbringen und uns für die priorisierte Impfung von
geriatrischen Patienten und deren Umfeld einsetzen“, so Heppner. „Was
dabei vergessen wurde, muss entsprechend noch unbedingt und sofort
verändert werden!“, fordert er im Namen aller Geriater.

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Herz-Check nach COVID-19-Erkrankung

Handballer Juri Knorr und Kardiologe Dr. Klaus-Peter Mellwig vor dem MRT-Gerät im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen  (Foto: Marcel Mompour).  HDZ NRW
Handballer Juri Knorr und Kardiologe Dr. Klaus-Peter Mellwig vor dem MRT-Gerät im Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen (Foto: Marcel Mompour). HDZ NRW

Nach überstandener COVID-19-Erkrankung und dem jüngsten Herz-Check im HDZ
NRW läuft bei Handballer Juri Knorr wieder alles in der Spur. Er will mit
zur Weltmeisterschaft.

Die Erleichterung ist Juri Knorr anzumerken, als Dr. Klaus-Peter Mellwig
grünes Licht gibt. „Alle Vor- und Laboruntersuchungen waren ja okay, es
gab eigentlich keine Hinweise darauf, dass die Infektion Schäden an meinem
Herzen verursacht haben könnte.“ Aber dann liegt man da über eine Stunde
lang in der Röhre und der Kopf schaltet sich ein. Was wäre, wenn doch…

Und natürlich wollten die Herzspezialisten am Herz- und Diabeteszentrum
NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, wie auch Trainer Frank Carstens und Frank
von Behren, Geschäftsführer Sport bei Handball-Bundesligist GWD Minden,
auf Nummer Sicher gehen. „Wir wissen einfach noch zu wenig über die
Spätfolgen der COVID-19-Erkrankung“, sagt Sportkardiologe Dr. Klaus-Peter
Mellwig, erfahrener Oberarzt der Uniklinik für Allgemeine und
Interventionelle Kardiologie/Angiologie unter der Leitung von Prof. Dr.
Volker Rudolph. Einer aktuellen Studie zufolge fanden sich nach
überstandener Erkrankung bei über 70 Prozent der Untersuchten
Auffälligkeiten am Herzen, bei über 60 Prozent sogar Hinweise auf eine
Herzmuskelentzündung. Für Leistungssportler wie den 20-jährigen GWD-
Spielmacher Juri Knorr, Nachwuchstalent im Kader der Deutschen
Nationalmannschaft, würde eine solche Diagnose die rote Karte bedeuten.
Aus wäre der Traum von der Handball-WM.

Aber gut. Jetzt darf weitergeträumt werden. Mit der MRT-Untersuchung
seines Herzens ist man am HDZ NRW sogar noch über die entsprechenden
Empfehlungen des Verbands hinausgegangen. Die Magnetresonanztomographie,
die hier im Institut für Radiologie und Molekulare Bildgebung bei Prof.
Dr. Wolfgang Burchert durchgeführt wurde, hat das Herz von Juri Knorr in
magnetischen Wechselfeldern aufgenommen, in Schnittbildern errechnet und
dreidimensional dargestellt. Das ist aufwändig und dauert leider etwas
länger, nicht zuletzt, weil Juri einen Ruhepuls von nur 46 Schlägen hat.

Dr. Andreas Peterschröder begutachtet insbesondere die Herzwände und sucht
nach Hinweisen auf einen akuten Infekt. Und findet in der Herzfunktion
laut MRT am Ende bestätigt, was Dr. Mellwig bereits über Labor,
Ultraschall, Funktions- und Leistungstest diagnostiziert hat: „Juri Knorr
zeigt aktuell keine Folgeschäden nach COVID-19.“

Die Sportkardiologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW hat eine lange
Tradition. Um gebündelt Erfahrungen zu den Auswirkungen der Pandemie auf
den Leistungssport zu sammeln, beteiligen sich die Mediziner am Aufbau
eines bundesweiten Registers, das an der Universität Tübingen in
Kooperation mit dem NRW-Leistungssportzentrum über Prof. Dr. Claus
Reinsberger von der Universität Paderborn erstellt wird. „Das HDZ NRW
macht dabei als lizensiertes Untersuchungszentrum des Landessportbunds
mit“, berichtet Dr. Mellwig.

Und Kaderathlet Juri Knorr darf Hoffnung schöpfen. Am 21. Dezember wird
der Deutsche Handballbund wohl mitteilen, welche 20 Spieler letztlich mit
zur WM nach Ägypten fahren. Nach der Absage von Patrick Wiencek und Fabian
Wiede sowie den verletzungsbedingten Ausfällen von Franz Semper und Tim
Suton würde der 20-jährige Youngster alles geben, um zum Shooting-Star der
WM zu werden. Noch dazu mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit, vorerst
immun gegen das SARS-CoV-2-Virus zu sein. Diesen Nachweis über vorhandene
Antikörper hätte er dann sogar schriftlich im Gepäck.

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Quellen:
Valentina O. Puntmann, MD, PhD et al. Outcomes of Cardiovascular Magnetic
Resonance Imaging in Patients Recently Recovered From Coronavirus Disease
2019 (COVID-19), JAMA Cardiol. 2020;5(11):1265-1273.
doi:10.1001/jamacardio.2020.3557.

Dermot Phelan, MD, PhD et al. Screening of Potential Cardiac Involvement
in Competitive Athletes Recovering From COVID-19. An Expert Consensus
Statement. ISSN 1936-878X. doi.org/10.1016/j.jcmg.2020.10.005.

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Universitätsklinik der Ruhr-
Universität Bochum) mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in
stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art
in Europa.

Die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des
HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Volker Rudolph ist
spezialisiert auf die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit,
Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen und entzündliche
Herzerkrankungen. In der Klinik werden jährlich mehr als 5.000
kathetergestützte Verfahren durchgeführt. Modernste diagnostische und
bildgebende Verfahren sowie alle modernen Kathetertechniken sichern die
bestmögliche und schonende medizinische Versorgung der Patienten. Die
Klinik ist Europäisches und Nationales Exzellenz-Zentrum zur
Bluthochdruckbehandlung, anerkanntes Brustschmerzzentrum (CPU – Chest Pain
Unit) sowie als überregionales Zentrum zur Versorgung Erwachsener mit
angeborenem Herzfehler (EMAH) zertifiziert.

Das Universitäts-Institut für Radiologie, Nuklearmedizin und molekulare
Bildgebung unter der Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Burchert versorgt die
Patienten mit bildgebender Diagnostik. Ambulant werden im
nuklearmedizinischen Bereich außerdem Tumor- und Schilddrüsenerkrankungen
behandelt. Die diagnostischen Leistungen werden von einem
interdisziplinären Ärzteteam mit modernsten Untersuchungsmethoden
(SPECT/CT, PET/CT, MRT, Röntgen, Gammakameras) erbracht. Wichtige Arbeits-
und Forschungsschwerpunkte sind der Strahlenschutz und die Reduktion der
Strahlenexposition. Das Institut stellt seine Expertise auch anderen
Kliniken zur Verfügung. In Westfalen und darüber hinaus in Norddeutschland
versorgt es täglich Kliniken und Praxen mit kurzlebigen
Radiopharmazeutika.

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DGG: erhöhte Thromboseneigung durch COVID-19 – Prävention nicht außer Acht lassen

Eine Covid-19-Erkrankung zieht neben den Atemwege auch das Blutgefäßsystem
stark in Mitleidenschaft. Covid-19-Patienten zeigen eine verstärkte
Blutgerinnung und häufiger auch Entzündungen der Blutgefäße. So kann es zu
schwerwiegenden Komplikationen mit potenziell tödlichem Ausgang wie
Thrombosen, Lungenembolien, Schlaganfällen oder Durchblutungsstörungen in
den Armen oder Beinen kommen. Von einer prophylaktischen Therapie mit
Aspirin, wie sie nach einer US-amerikanischen Studie diskutiert wurde (1),
raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und
Gefäßmedizin e.V. (DGG) allerdings ab.

Die wichtigsten Risikofaktoren für einen schweren oder gar tödlichen
Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion wurden bereits sehr früh im Verlauf der
Pandemie identifiziert: Ein fortgeschrittenes Alter, männliches
Geschlecht, Tabakkonsum, Bluthochdruck, Diabetes und starkes Übergewicht.
„Dieselben Risikofaktoren gelten auch für Gefäßerkrankungen“, sagt
Professor Dr. med. Markus Steinbauer, Chefarzt der Klinik für
Gefäßchirurgie am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg und Präsident
der DGG 2021. Weil stationär aufgenommene oder gar intensivmedizinisch
betreute Covid-19-Patienten in ihrer Bewegung eingeschränkt sind und damit
einen weiteren Risikofaktor für thromboembolische Ereignisse aufweisen,
profitieren sie besonders von Maßnahmen der Thromboseprophylaxe oder
antithrombotischen Therapie.

Eine im Oktober in der Zeitschrift „Anaesthesia & Analgesia“ publizierte
Studie, nach der niedrigdosiertes Aspirin den Covid-Verlauf bei Herz-
Kreislauf-Patienten positiv beeinflussen könne, sei jedoch vorsichtig zu
interpretieren: „Bei Patienten mit Gefäßerkrankungen erscheint ein Schutz
durch die gerinnungshemmende Wirkung von Aspirin plausibel“, so
Steinbauer. Gefäßgesunde Covid-19-Patienten vorbeugend mit Aspirin zu
behandeln, lasse sich mit der Studie allerdings nicht rechtfertigen und
berge aufgrund der erhöhten Blutungsgefahr sogar Risiken. Hierzu müssten
weitere randomisierte, kontrollierte und prospektiv angelegte Studien
aufgelegt werden.

In der gegenwärtigen Situation sieht die DGG außerdem die Gefahr, dass
über der – notwendigen – Diskussion um Corona-Schutzmaßnahmen und
-therapiemöglichkeiten andere Gesundheitsprobleme aus dem Blick geraten.
„Die Einschränkung der Mobilität und des sozialen Lebens schützt zwar vor
Infektionen, der Bewegungsmangel kann jedoch zugleich das Thromboserisiko
steigern“, mahnt Professor Dr. med. Dittmar Böckler, DGG-Präsident 2020
und Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre
Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg. Sofern die infektiologische
Lage es zulasse, müsse daher auch über eine Verkürzung der bislang
14-tägigen Quarantäne für Infizierte und Kontaktpersonen nachgedacht
werden.

Auch andere Lebensstilfaktoren, die für das Herz-Kreislauf-Risiko
entscheidend sind, werden durch die Lockdown- und Quarantänebedingungen
beeinflusst. „Je nach beruflicher und sozialer Situation haben manche
Menschen während des ersten Lockdowns zu ungesünderem und üppigerem Essen
gegriffen, mehr Alkohol getrunken und ihren Tabakkonsum gesteigert“, so
Böckler. Auch und gerade in Pandemiezeiten müsse daher weiter über die
Bedeutung eines gesunden Lebensstils berichtet und aufgeklärt werden –
umso mehr, als es sich dabei um effektive und kostengünstige
Präventionsmaßnahmen handele, die das aktuell stark strapazierte
Gesundheitssystem entlasten könnten.

Hierbei könnten auch telemedizinische Methoden, Schrittzähler oder
Gesundheitsapps zum Einsatz kommen, mit denen sich Bewegungs- und
Übungsprogramme anleiten oder kontrollieren ließen. Neben den direkten
Gesundheitseffekten wirke sich die Herz-Kreislauf-Prävention nicht zuletzt
auch positiv auf den Verlauf der Corona-Pandemie aus: Je besser die
kardiovaskuläre Gesundheit der Bevölkerung sei, desto geringer sei auch
die Zahl der Covid-Risikopatienten.

Quelle:

(1) Chow, J et al. Aspirin Use is Associated with Decreased Mechanical
Ventilation, ICU Admission, and In-Hospital Mortality in Hospitalized
Patients with COVID-19, Anesthesia & Analgesia: October 21, 2020 - Volume
Publish Ahead of Print - Issue - doi: 10.1213/ANE.0000000000005292

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