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Kombinierte Bildgebung weist den Weg für verbesserte Strahlentherapie bei aggressiven Hirntumoren

Patienten mit aggressiven Hirntumoren könnten künftig von einer verbesserten Strahlentherapie profitieren. Grundlage hierfür ist eine kombinierte PET-MRT-Bildgebung  André Wirsig  NCT/UCC
Patienten mit aggressiven Hirntumoren könnten künftig von einer verbesserten Strahlentherapie profitieren. Grundlage hierfür ist eine kombinierte PET-MRT-Bildgebung André Wirsig NCT/UCC

Glioblastome sind besonders aggressive, schnell wachsende Hirntumoren.
Auch bei operativer Entfernung und anschließender Strahlen- und
Chemotherapie kehren sie meist innerhalb eines Jahres zurück. Fortschritte
in der Therapie sind daher dringend nötig. Wissenschaftler aus Dresden und
Heidelberg konnten nun erstmals in einer klinischen Studie zeigen, dass
sich der individuelle Verlauf der Erkrankung mit einer speziellen
Kombinationsdiagnostik aus Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und
Magnetresonanztomographie (MRT) deutlich besser als bisher vorhersagen
lässt.

Die zusätzlich zur Standard-MRT-Untersuchung erfolgte PET-Bildgebung vor
Beginn der Radio-Chemotherapie ließ zudem in vielen Fällen Rückschlüsse
auf den Ort zu, an dem der Tumor später erneut auftrat. Darüber hinaus
lieferten die PET-Bilder Informationen für eine noch präzisere
Bestrahlungsplanung. Dies sind wichtige Voraussetzungen, um die
Strahlentherapie künftig weiter zu verbessern und noch passgenauer auf den
einzelnen Patienten zuzuschneiden. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung
veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin Clinical Cancer
Research.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) ist eine
gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des Helmholtz-Zentrums
Dresden-Rossendorf (HZDR).

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 4.800 Menschen an einem
Glioblastom, die meisten von ihnen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren. Der
als unheilbar geltende Hirntumor kehrt trotz Behandlung oft nach kurzer
Zeit zurück. Um das Wiederauftreten des Tumors, ein so genanntes Rezidiv,
möglichst lange hinauszuzögern, werden die Patienten nach einer Operation
mit einer intensiven kombinierten Strahlen- und Chemotherapie behandelt.
Wissenschaftler aus Dresden und Heidelberg konnten nun belegen, dass eine
zusätzliche PET-Diagnostik vor Beginn der Radio-Chemo-Therapie wichtige
Informationen liefert, die Grundlage für eine verbesserte Therapie sein
könnten: Mit ihrer Hilfe lässt sich der weitere Verlauf der Erkrankung
genauer vorhersagen, das zu bestrahlende Gebiet präziser berechnen und die
räumliche Lokalisation späterer Rezidive oftmals antizipieren. „Unsere
Langzeitdaten von 89 Patienten bilden die Basis, um die Strahlentherapie
künftig weiter zu verbessern und noch genauer auf den einzelnen Patienten
zuzuschneiden. Ziel ist es, die Behandlung individuell so aggressiv wie
nötig aber so schonend wie möglich zu gestalten“, erklärt Prof. Mechthild
Krause, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, geschäftsführende
Direktorin am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC),
Leiterin des OncoRay-Zentrums sowie Dresdner Standortsprecherin des
Deutschen Krebskonsortiums (DKTK).

Im Rahmen der Studie wurden die Patienten vor Beginn, sowie wiederholt
nach Abschluss ihrer Radio-Chemo-Therapie mit einer Kombination aus MRT
und PET untersucht. Beide Bildgebungsmethoden können verbliebene
Tumorreste sichtbar machen und einander wechselseitig ergänzen. MRT-
Untersuchungen liefern mithilfe eines starken Magnetfelds und durch
Radiowellen genaue Einblicke in die Hirnstrukturen der Betroffenen. Das
PET-Verfahren macht mittels schwach radioaktiv markierter Substanzen, so
genannter Tracer, die Stoffwechselaktivität im Gewebe sichtbar. In der
vorliegenden Studie wählten die Forscher als Tracer die radiomarkierte
Aminosäure Methionin. Weil die Aufnahme von Aminosäuren im normalen
Hirngewebe im Vergleich zu Krebszellen relativ gering ist, lassen sich
Tumoren mit hohem Kontrast abgrenzen.

Die Forscher konnten zeigen, dass bei Patienten, bei denen sich nach der
Operation aber vor Beginn der Radio-Chemo-Therapie eine auffällige
Traceranreicherung im Gehirn zeigte, der Tumor schneller zurückkehrte. Ein
ähnlicher Zusammenhang gilt für MRT-Bilder, die auf Tumor-Reste hindeuten.
Bei etwa 40 Prozent der Patienten zeigten sich Auffälligkeiten in den PET-
Befunden allerdings ohne entsprechende Hinweise im MRT. „Die PET-
Bildgebung hat daher einen hohen prognostischen Wert und liefert
zusätzlich zur MRT-Bildgebung wichtige Informationen über den weiteren
Krankheitsverlauf“, erklärt Nuklearmedizinerin Dr. Bettina Beuthien-
Baumann vom Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Eine möglichst genaue Prognose des Krankheitsverlaufs vor Beginn der
Radio-Chemo-Therapie ist wichtig, um die weitere Behandlung künftig noch
maßgeschneiderter auf den jeweiligen Patienten anpassen zu können. „Damit
können wir beispielsweise Patienten identifizieren, die trotz der als
unheilbar geltenden Erkrankung ihren Tumor mit hoher Wahrscheinlichkeit
viele Jahre überleben werden. Für diese Patienten gilt es
Therapieverfahren zu wählen, die mit möglichst wenigen Nebenwirkungen
verbunden sind“, sagt Prof. Krause. Bei Patienten, bei denen der Tumor mit
hoher Wahrscheinlichkeit schnell zurückkehrt, ist hingegen eine Behandlung
mit einer erhöhten Strahlendosis denkbar. Dabei ist es besonders wichtig,
den Bereich genau zu kennen, in dem der Tumor aller Voraussicht nach
wieder auftritt. Auch hierfür lieferte die PET-Untersuchung wichtige
Hinweise. In der Studie trat der Tumor bei der Mehrzahl der Patienten in
dem Bereich des Gehirns wieder auf, der bei der initialen PET-Untersuchung
eine vermehrte Traceranreicherung zeigte. Bei den 16 Patienten, die mit
auffälligen MRT- und PET-Befunden die schlechteste Prognose aufwiesen,
ließ sich dieser Zusammenhang sogar in allen Fällen nachweisen. „Besonders
bei dieser Hochrisikogruppe könnte eine Dosiserhöhung in dem durch die
PET-Untersuchung angezeigten Areal ein vielversprechender Weg sein“,
erklärt Prof. Michael Baumann, Wissenschaftlicher Vorstand des DKFZ.

Die zusätzlichen Informationen aus der PET-Untersuchung ermöglichen es
zudem, das zu bestrahlende Gebiet vor Beginn der Radiotherapie präziser zu
berechnen und die Genauigkeit der Therapie zu erhöhen. „Unsere Ergebnisse
weisen darauf hin, dass eine zusätzliche PET-Bildgebung zur
Bestrahlungsplanung deutliche Vorteile bringt. Gemeinsam mit der Klinik
für Nuklearmedizin bieten wir die Kombination aus MRT- und PET-Diagnostik
vor der Radiochemotherapie bereits allen Patienten an, bei denen der
Allgemeinzustand diese zusätzliche Untersuchung zulässt“, sagt
Studienärztin Dr. Annekatrin Seidlitz. „Für die PET-Diagnostik spielt die
Zusammenarbeit mit dem Institut für Radiopharmazie des Helmholtz-Zentrums
Dresden-Rossendorf eine wichtige Rolle. Viele unserer Tracer, wie das im
Rahmen der Studie verwendete Methionin, besitzen nur eine kurze
Halbwertszeit.und müssen oft für jede Untersuchung separat am HZDR
produziert und unmittelbar bereitgestellt werden“, erklärt der Direktor
der Klinik für Nuklearmedizin, Prof. Jörg Kotzerke.

Den Zusammenhang zwischen Auffälligkeiten in den PET-Bildern und der
Position des wiederauftretenden Tumors wollen die Wissenschaftler künftig
in weiteren Studien erforschen. Derzeit werden etwa 20 Prozent aller
Strahlentherapie-Patienten der Klinik für Strahlentherapie und
Radioonkologie des Universitätsklinikums Dresden im Rahmen von Studien
behandelt. „Unser Ziel ist es, Verbesserungen dann möglichst schnell allen
Patienten anbieten zu können“, so Prof. Krause.

Veröffentlichung:
Annekatrin Seidlitz, Bettina Beuthien-Baumann, Steffen Löck, Christina
Jentsch, Ivan Platzek, Klaus Zöphel, Annett Linge, Jörg Kotzerke, Jan
Petr, Jörg van den Hoff, Jörg Steinbach, Dietmar Krex, Gabriele Schmitz-
Schackert, Monique Falk, Michael Baumann, Mechthild Krause: Final results
of the prospective biomarker trial PETra: [11C]-MET-accumulation in
postoperative PET/MRI predicts outcome after radiochemotherapy in
glioblastoma. In: Clinical Cancer Research (Online Publikation 29.
Dezember 2020) https://doi.org/10.1158/1078-0432.CCR-20-1775

Zur Mitteilung steht ein Bild in druckfähiger Auflösung zur Verfügung:
https://www.nct-dresden.de/fileadmin/media/nct-dresden/das-
nct/newsroom/pressemitteilungen/Bild_PETra.jpg

BU: Patienten mit aggressiven Hirntumoren könnten künftig von einer
verbesserten Strahlentherapie profitieren. Grundlage hierfür ist eine
kombinierte PET-MRT-Bildgebung © NCT/UCC/André Wirsig.

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Pulverabenteuer“ in der Diabetes-Diagnostik - Experten fordern Kostenübernahme von sicherer Glukose-Lösung

Der orale Glukosetoleranztest (oGTT) ist von großer Bedeutung für die
Diabetes-Diagnostik. Industriell hergestellte Glukose-Fertiglösungen
werden jedoch von den gesetzlichen Krankenkassen nicht mehr durchgängig
erstattet – sie sind ab diesem Jahr auch nicht mehr verfügbar. Praxen und
Kliniken müssen die Glukoselösung selbst anmischen, wodurch das Risiko für
Ungenauigkeiten und Verunreinigungen steigt. In einem Positionspapier hat
die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eine standardisierte
Rezepturvorschrift nach neuesten Erkenntnissen mit einer definierten
Zusammensetzung vorgeschlagen. Sie fordert eine bundeseinheitliche
Regelung zur Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen.

In Deutschland wurden bisher jedes Jahr etwa eine halbe Million Glukose-
Fertiglösungen für den oGTT-Belastungstest verkauft. Hinzu kommen
schätzungsweise einige hunderttausend Glukoselösungen, die von Apotheken,
Praxen oder Kliniken selbst angefertigt werden. „In der Diabetes-
Diagnostik besteht ein großer Bedarf an Glukose-Lösungen“, berichtet
Professor Dr. rer. nat. Lutz Heinemann, Vorsitzender der Kommission
„Labordiagnostik in der Diabetologie der DDG & DGKL“. Umso wichtiger sei
es, dass diese qualitätsgesichert hergestellt werden und zuverlässige
Ergebnisse liefern. Davon hängt die Gesundheit von jährlich
hunderttausenden Patienten ab. „Besonders wichtig ist eine sichere
Durchführung dieses diagnostischen Tests beim Screening auf
Schwangerschaftsdiabetes (GDM), um Mutter und ungeborenes Kind nicht zu
gefährden“, so Heinemann.

Das letzte Fertigarzneimittel ist inzwischen außer Handel und nur noch
begrenzt verfügbar. Daher gilt es, die reibungslose Versorgung mit einer
qualitätsgesicherten Glukoselösung sicherzustellen. In einem kürzlich
veröffentlichten Positionspapier hat die DDG die Problematik dargelegt und
einen Vorschlag für die standardisierte Herstellung einer zuverlässigen
Glukose-Lösung durch die Apotheken nach dem Deutschen Arzneimittel-Codex
gemacht.1 „Wir haben damit die Weichen für eine sichere Umstellung von
einem industriell hergestellten Glukose-Präparat auf eine gleichwertig
manuell herzustellende Lösung gestellt. Es ist jedoch notwendig, diesen
Mehraufwand, der in Apotheken und Praxen entsteht, mit einem
kostendeckenden Preis zu honorieren“, fordert der Mitverfasser des
Positionspapiers Manfred Krüger. Er ist Apotheker und Mitglied der
Kommission „Apotheker in der Diabetologie“ (BAK/DDG).

Die DDG setzt sich daher für eine grundsätzliche Überprüfung der
bestehenden Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Kassenärztlichen
Vereinigungen hinsichtlich der Erstattung der oGTT-Glukoselösung ein. „Nur
so können wir den standardisierten Rezepturvorschlag in der Breite nutzbar
machen und vermeiden, dass die Lösungen in Eigenregie hergestellt werden
und schlimmstenfalls zu falschen Diagnosen und schweren Zwischenfällen
führen“, betont Dr. med. Nikolaus Scheper, Vorsitzender des Bundesverbands
Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND). Denn als pragmatische
Alternative werde vielfach Glukosepulver in der Praxis selbst abgewogen
und mit Wasser aufgelöst oder eine von der lokalen Apotheke per
Rezepturverordnung oder -anforderung hergestellte Glukoselösung
eingesetzt. „Die Herstellung in der Praxis ist potenziell mit
Qualitätsproblemen behaftet, die wir in früheren Stellungnahmen2 dargelegt
haben“, ergänzt Heinemann.

Seit Jahren weist die DDG auf den durch die Selbst-Anmischung erhöhten
organisatorischen Aufwand für die Behandelnden und insbesondere auf
gesundheitliche Risiken für die Patientinnen und Patienten hin. „Wir
brauchen endlich eine standardisierte und bundeseinheitliche Regelung zur
Erstattung der Kosten für diese Glukoselösung durch alle Krankenkassen, um
die Behandelnden zu entlasten und unseren ärztlichen Versorgungsauftrag
auf wissenschaftlich gesicherter Grundlage zu gewährleisten“, sind sich
die Experten einig.

Literatur:

1) Positionspapier zur Herstellung einer oGTT-Lösung für die Diagnose
eines Diabetes einschließlich eines Gestationsdiabetes: Analyse und
Vorschläge zur Herstellung https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/politik/stellungnahmen/addendum-zum-gemeinsamen-
positionspapier-zur-herstellung-einer-ogtt-loesung-fuer-die-diagnose-
eines-diabetes-einschliesslich-eines-gestationsdiabetes-analyse-und-
vorschlaege-zur-herstellung


Der Vorschlag für die Herstellung der Glukoselösung ist auch im
Rezepturenfinder in der DAC/NRF-Plattform auch für Ärzte kostenlos
abrufbar: https://dacnrf.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=arzt

2) Herstellung der Glukoselösung für einen oralen Glukosebelastungstest:
Stellungnahme der AG Diabetes & Technologie der DDG (AGDT), der AG
Diabetes & Schwangerschaft (AGDS) und der Kommission Labordiagnostik in
der Diabetologie der DDG und DGKL https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/politik/stellungnahmen/herstellung-der-glukoseloesung-
fuer-einen-oralen-glukosebelastungstest-stellungnahme-der-ag-diabetes-
technologie-der-ddg-agdt-der-ag-diabetes-schwangerschaft-agds-und-der-
kommission-labordiagnostik-in-der-diabetologie-der-ddg-und-dgkl


Zur Hintergrundinformation:

DDG Pressemitteilung vom 13. November 2020: DDG gibt Praxen, Kliniken und
Apotheken eine Anleitung für die sichere Verfügbarkeit von oGTT-
Glukoselösungen an die Hand - Unnötige Risiken in der Diabetesdiagnostik
vermeiden https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/ddg-gibt-
praxen-kliniken-und-apotheken-eine-anleitung-fuer-die-sichere-

verfuegbarkeit-von-ogtt-glukoseloesungen-an-die-hand

DDG Pressemitteilung vom 10. September 2020: Schwangerschaftsdiabetes –
dringender Verbesserungsbedarf im Screening-Verfahren - DDG fordert eine
Reform der Mutterschaftsrichtlinien und die Kostenerstattung von
Blutzuckermessgeräten https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse
/schwangerschaftsdiabetes-dringender-verbesserungsbedarf-im-screening-

verfahren

DDG Pressemitteilung vom 29. November 2019: Folgenreicher Sparkurs beim
Test auf Schwangerschaftsdiabetes - DDG fordert von Krankenkassen
flächendeckende Erstattung der Glukose-Fertiglösungen https://www
.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/folgenreicher-sparkurs-beim-
test-auf-schwangerschaftsdiabetes

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Rostocker Gewebemediziner sichern deutschlandweite Grundversorgung mit Gewebetransplantaten

Corona-Pandemie wirkte sich auch auf Spendeaktivitäten aus
In keinem anderen Bundesland werden jährlich mehr Gewebespenden realisiert
als in Mecklenburg-Vorpommern. Einen großen Anteil daran hat die 2015 in
Rostock gegründete gemeinnützige Gesellschaft für Transplantationsmedizin
Mecklenburg-Vorpommern (GTM-V gGmbH). Seit fünf Jahren realisiert die
GTM-V in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Gewebebank Mecklenburg-
Vorpommern (GBM-V) im Biomedizinischen Forschungszentrum (BMFZ) in Rostock
eine bundesweite Grundversorgung mit Gewebetransplantaten.

Das Jahr 2020 war für das Gesundheitswesen eine Herausforderung. Die
Corona-Pandemie hat alle Bereiche der Medizin flankiert. Trotzdem konnte
die erfolgreiche Entwicklung der Gesellschaft für Transplantationsmedizin
Mecklenburg-Vorpommern auch im vergangenen Jahr fortgesetzt werden. Die
Zahl der realisierten Gewebespenden im Jahr 2020 ist Corona bedingt um ca.
zehn Prozent zum Vorjahr gesunken. Die durch die Pandemie verursachte
Reduzierung der Operationskapazitäten hatte einen Einfluss auf die
Spendeaktivitäten. Da Augenhornhäute nur etwa einen Monat lagerbar sind,
mussten die Entnahmeaktivitäten wegen eingeschränkter
Operationskapazitäten reduziert werden.

Spender waren 23 bis 97 Jahre alt
Als zentraler Ansprechpartner im Bereich Gewebespende im Nordosten
Deutschland erhielt die GTM-V im vergangenen Jahr 3.714 (2019: 3.506)
potenzielle Spendermeldungen aus 19 Krankenhäusern in Mecklenburg-
Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Nach Prüfung medizinischer
Ausschlussgründe, fehlender gesetzlicher Grundlagen für ein
Aufklärungsgespräch und logistischer Gründe führten die Mitarbeiter der
GTM-V insgesamt 2.054 Gespräche mit Angehörigen. In 42 Prozent aller
Gespräche wurde nach entsprechender Aufklärung der Familienmitglieder eine
Zustimmung zur Gewebeentnahme gegeben.

Im Rahmen der 848 Gewebeentnahmen (2019: 961) wurden insgesamt über 3.850
Gewebepräparate (2019: 3.688) gesichert und aufbereitet. Durchschnittlich
wurden pro Spende ca. fünf Gewebepräparate gewonnen. Bei 848 Spendern
konnten 1.674 Augenhornhäute entnommen werden. Darüber hinaus wurden 128
muskuloskelettale und vier kardiovaskuläre Gewebespenden realisiert. Aus
den 128 Knochenentnahmen wurden dem Deutschen Institut für Zell- und
Gewebeersatz (DIZG) in Berlin über 2.150 Präparate für die Herstellung von
Transplantaten bereitgestellt.
„Bei der Umsetzung der Gewebespenden spielt die Qualität der
Gewebepräparate eine entscheidende Rolle“, betonten die Geschäftsführer
Dr. Axel Manecke und Dr. Frank-Peter Nitschke. „Ein umfassendes Erheben
von Vorerkrankungen des Spenders, die Testung auf Infektionserkrankungen,
inklusive der SARS-Cov-2-Testung, und ein schnelles Überführen der
Präparate in die Augenhornhautbank sind Grundvoraussetzungen für eine hohe
Qualität.“

Absolute Altersgrenzen für eine Gewebespende existieren nicht.
Gewebespenden sind bis in das hohe Alter, auch über 100 Jahre, möglich. So
betrug im Vorjahr das mittlere Alter der Gewebespender 78 Jahre. Der
jüngste Spender war 23 und der älteste 97 Jahre alt.

Corona-Pandemie bremst Transplantationsmedizin aus
Aktuell wird die Transplantationsmedizin durch die weltweite Corona-
Pandemie weiterhin ausgebremst, insbesondere im Bereich der
Knochenmarkspende. Auch in der weitaus häufigeren Gewebespende wurden die
Prioritäten neu gesetzt. Dort lag der Fokus vor allem auf lebenserhaltende
Transplantationen für die Notfallmedizin. „Nach der ersten Corona-Welle
hat sich die Lage trotz der momentanen Verschärfung wieder normalisiert“,
so Nitschke. „Viele der aufgeschobenen operativen Eingriffe an den
Augenhornhäuten wurden nachgeholt.“
Dabei steht die Sicherheit im Vordergrund. Alle Gewebespender der GTM-V
werden auf mögliche Kontakte zu Corona infizierten Patienten bzw.
Symptomen einer Infektion geprüft. Seit dem 23. März 2020 werden alle
Spender zusätzlich einem standardisierten RT-PCR-Test auf SARS-CoV-2
unterzogen sowie auf eventuell vorhandene Antikörper und eine mögliche
überstandene Corona-Infektion untersucht. „Ist der Virusnachweis in einem
Zeitfenster von vier Wochen vor der Spende positiv, werden die Gewebe von
der Transplantation ausgeschlossen“, betonte Nitschke. „Wir hatten im
letzten Monat drei Fälle, bei denen wir einen Virusnachweis
diagnostizierten und die Gewebe für die Transplantation ausschließen
mussten.“ Bislang gebe es aber keine Hinweise auf eine Übertragung der
Corona-Viren durch Implantation, Transplantation, Infusion oder Transfer
von menschlichen Zellen oder Gewebe.

Transplantationsnetzwerk soll wachsen
Die Gewebemedizin bleibt ein sich rasant entwickelnder Bereich der
Transplantationsmedizin. In Deutschland liegt die Zahl der
transplantierten Gewebe jährlich bei mehr als 55.000 (*Bericht der
Bundesregierung 2018). Neben der Transplantation von Knochenmaterial
gehört die Transplantation von Augenhornhäuten mit über 8.000
Transplantationen pro Jahr zu den häufigsten Operationen in Deutschland.
Obwohl sich die Versorgungslage in einigen Bereichen verbessert hat,
warten über 10.000 Patienten in Deutschland auf ein Gewebetransplantat.
Auch in Zukunft steht die termingerechte und die Notfallversorgung von
Patienten mit qualitativ hochwertigen Transplantaten im Fokus der
Rostocker Transplantationsgesellschaft. „Nur durch stetig wachsendes
Engagement kann der Mangel an Gewebetransplantaten in Deutschland weiter
verringert werden. Vor diesem Hintergrund strebt die GTM-V den Ausbau
ihres Kliniknetzwerkes und ein Engagement in weiteren Bundesländern an“,
so die beiden Geschäftsführer Manecke und Nitschke.

Hintergrund
Die GTM-V gGmbH mit 33 Mitarbeitern ist gemeinnützig und verfolgt keine
eigenwirtschaftlichen Zwecke. Überschüsse werden satzungsgemäß zur
Förderung der Gewebespende verwandt. Gemäß Satzung wird die Arbeit der
GTM-V von einem Fachbeirat kritisch begleitet und kontrolliert. Geleitet
wird dieses Gremium von Prof. Dr. Andreas Crusius, Vertreter der
Landesärztekammer M-V. Weitere Mitglieder sind der DRK-Landesverband MV,
vertreten durch den Präsidenten Werner Kuhn, der Theologe und Mediator
Stephan Peter, der Greifswalder Notar Dr. Albert Block und Hermann
Winkler.

Foto Augenhornhäute: Joachim Kloock
Im Gegensatz zu kardiovaskulären und muskuloskelettalen Geweben, die bis
zu fünf Jahren haltbar sind, müssen Augenhornhäute nach maximal 34 Tagen
transplantiert werden.

*Dritter Bericht der Bundesregierung über die Situation der Versorgung der
Bevölkerung mit Gewebe und Gewebezubereitungen
<https://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/056/1905675.pdf>

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Neues Jahr für Lebergesundheit – Deutsche Leberstiftung gibt Tipps für 2021

Vielen Menschen ist durch die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr nochmals
bewusst geworden, dass Gesundheit das Wichtigste im Leben ist. Noch nie
waren die Erwartungen an ein neues Jahr so hoch wie an 2021: Die
Hoffnungen sind groß, dass die Pandemie bald besiegt werden kann und ein
normales Leben wieder möglich wird. Die Deutsche Leberstiftung erinnert
zum Start in das neue Jahr an die gesundheitliche Eigenverantwortung jedes
Einzelnen und an die Wichtigkeit eines gesunden Lebensstils, der positive
Effekte auf die Lebergesundheit hat und auch das Immunsystem stärkt.

Das Jahr 2020 wird vielen Menschen in unguter Erinnerung bleiben. Aus
einer im Dezember 2020 veröffentlichten Umfrage geht hervor, dass die
Corona-Pandemie rund 30 Prozent der befragten Deutschen das Gefühl
vermittelt, sich in einer Katastrophe oder Notsituation zu befinden. Über
zwei Drittel der Befragten waren vom Ausmaß der Pandemie vollkommen
überrascht und hätten damit in Deutschland nicht gerechnet. Und nur knapp
zehn Prozent gaben an, durch Vorsorgemaßnahmen wie beispielsweise
Vorratshaltung vorbereitet gewesen zu sein.

Dass zur Vorsorge für außergewöhnliche Ereignisse neben dem Bevorraten von
Lebensmitteln und Hygieneartikeln auch ein guter Gesundheitszustand eine
große Rolle spielt, ist ein weiterer Aspekt, den die Pandemie verdeutlicht
hat. Ein Beispiel für ein vermeidbares erhöhtes Risiko für einen schweren
Verlauf von COVID-19 ist Adipositas (Fettleibigkeit), die auch als Ursache
für die Entstehung von Lebererkrankungen bekannt ist. Warum dies seit
einigen Jahren eine gefährliche – jedoch vermeidbare – Entwicklung ist,
erläutert der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Leberstiftung, Professor
Dr. Michael P. Manns: „Seit den siebziger Jahren hat sich in der
westlichen Welt die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas, also
Fettsucht, verdreifacht – auch in Deutschland. Damit einher geht die
Zunahme von Wohlstandserkrankungen, zu der die nicht-alkoholische
Fettleber (NAFL) als Ausgangspunkt möglicher Lebererkrankungen wie
Leberzirrhose und Leberzellkrebs zählt. In seltenen Fällen kann sich eine
Fettleber, beispielsweise aufgrund einer Fettstoffwechselstörung, auch bei
normalem Körpergewicht unerkannt manifestieren – man spricht hier von den
sogenannten dünnen Dicken.“

Vor allem jüngere Männer sind übergewichtig. Der im November 2020
veröffentlichte neue Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für
Ernährung (DGE) belegt, dass in der Gruppe der 30-Jährigen die
Normalgewichtigen in der Minderheit sind. 59,4 Prozent der Männer zwischen
18 und 65 Jahren sind zu dick, während bei den Frauen in dieser
Altersgruppe 37,3 Prozent übergewichtig oder adipös sind. Das ändert sich
mit zunehmendem Alter: Ab 65 sind auch bei den Frauen die
Normalgewichtigen in der Unterzahl. Außerdem ist jedes siebte Kind
übergewichtig oder adipös.

Experten sprachen bereits vor der Corona-Pandemie von einer dramatischen
Entwicklung, die durch die „Lockdowns“ mit eingeschränkten
Sportmöglichkeiten und vermehrtem Fastfood-Konsum noch verschlimmert
wurde. Für das neue Jahr empfiehlt Professor Manns: „Jeder sollte sich für
2021 die Frage stellen, in welchen Lebensbereichen er mehr für seine
Gesundheit tun kann. Neben einer Lebensstiländerung in den Bereichen
Ernährung und Bewegung empfehlen wir auch einen kritischen Blick auf den
Alkoholkonsum. Hier unterstützen wir den Aufruf der Bundeszentrale für
gesundheitliche Aufklärung (BZgA), der Leber eine Alkoholpause zu gönnen.
Zu den Risiken des Alkoholkonsums zählt unter anderem die alkoholische
Fettleber (AFL), die ebenso wie die NAFL zu Leberzirrhose und
Leberzellkrebs führen kann. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der
gesundheitlichen Eigenverantwortung ist außerdem das Wahrnehmen von
regelmäßigen Vorsorgeuntersuchen, bei denen gegebenenfalls auch eine
Überprüfung der Blut-Leberwerte (beispielsweise GPT oder auch ALT genannt)
vorgenommen werden kann.“

Die Möglichkeiten, das Jahr 2021 zu einem gesünderen Lebensabschnitt zu
machen, von dem auch die Leber profitiert, sind vielfältig – vorausgesetzt
man verfolgt die gesetzten Ziele motiviert und fokussiert. Auch die
Gesundheitspolitik trägt im Jahr 2021 dazu bei, dass Lebergesundheit immer
besser überprüft werden kann: Im Rahmen des Präventionsprogramms
„Gesundheitsuntersuchung“ für gesetzlich Versicherte, bis März 2019 als
„Check-up 35“ bezeichnet, besteht ab dem vollendeten 35. Lebensjahr alle
drei Jahre ein Anspruch auf eine Vorsorge-Untersuchung. Im November 2020
beschloss der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), dass als neuer
Bestandteil dieser Untersuchung künftig einmalig der Test auf die
Viruserkrankungen Hepatitis B und Hepatitis C, die ebenso wie
Fettleberhepatitis für die Entstehung von Leberzirrhose und Leberzellkrebs
verantwortlich sein können, in Anspruch genommen werden kann. Damit sollen
bislang unentdeckte Infektionen mit den Hepatitis-Viren B (HBV) und C
(HCV) erkannt werden. Das Inkrafttreten des Beschlusses wird in Kürze
erwartet. Anspruchsberechtige können den neu eingeführten Test auf
Hepatitis B und C separat nachholen, falls ihr Termin für die
„Gesundheitsuntersuchung“ zeitlich vor dem endgültigen Inkrafttreten der
Neuregelung liegen sollte.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

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