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um Weltkrebstag 2021 an die Leber denken, auch in Zeiten der Pandemie

„Ich bin und ich werde“ lautet das Motto des
Weltkrebstages auch in diesem Jahr. Unter der Leitung der Union for
International Cancer Control (UICC) ist der Weltkrebstag eine globale
Initiative, die zu mehr Bewusstsein für Krebs und zu Maßnahmen für eine
bessere Prävention, Diagnose und Behandlung der Krankheit führen soll. Die
aktuelle Kampagne, die seit 2019 läuft, soll zum Nachdenken anregen: Wer
bin ich und was werde ich zur Bekämpfung von Krebs tun? Dazu gehören für
die Deutsche Leberstiftung die Unterstützung von Betroffenen sowie die
Früherkennung, Therapie und Prävention von Leberzellkrebs – auch in Zeiten
der Corona-Pandemie.

In Europa ist ein dramatischer Anstieg von Leberzellkrebs (Hepatocellular
Carcinoma, HCC) zu beobachten – unter anderem als Folge der Virushepatitis
(vor allem Hepatitis B und C), mit der sich in den 1970er-Jahren sehr
viele Menschen infizierten. Durch die Häufung von Übergewicht und
Adipositas sind in den letzten Jahren auch in Deutschland die
Erkrankungszahlen weiter angestiegen. Immer häufiger wird Leberzellkrebs
inzwischen durch eine nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (Non-
alcoholic Fatty Liver Disease, NAFLD) verursacht.

In etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle entwickelt sich der Leberzellkrebs auf
Basis einer Leberzirrhose. Allerdings muss dies bei der Fettleber nicht
der Fall sein. Bei fast 50 Prozent der Fettleber-bedingten Leberkrebsfälle
litten die Betroffenen vorher offensichtlich nicht an einer Leberzirrhose,
sondern an einer NAFLD ohne Vorliegen einer Leberzirrhose.

Früherkennung und Therapie

Der Tumor ist besonders tückisch, weil man ihn häufig zu spät
diagnostiziert. Leberzellkrebs verursacht meist erst im fortgeschrittenen
Stadium Beschwerden wie Gelbsucht, Übelkeit, Gewichtsabnahme und Schmerzen
im Oberbauch. Die Therapie des HCCs hat beträchtliche Fortschritte
gemacht, die Optionen sind allerdings von der Tumorausbreitung und der
Leberfunktion abhängig. Je früher der Tumor entdeckt wird, desto besser
sind die Heilungschancen. Durch verschiedene Therapieansätze sind die
Tumore oft heilbar, wenn sie früh behandelt werden. Im Spätstadium gibt es
verschiedene Therapieoptionen, die das Leben der Betroffenen verlängern
können, aber nicht mehr zur Heilung führen. „Deshalb ist es elementar,
dass Leberzellkrebs möglichst früh erkannt und adäquat behandelt wird. Bei
Patienten mit chronischen Lebererkrankungen müssen regelmäßig
Untersuchungen zur Früherkennung durchgeführt werden, im Fall einer
Leberzirrhose sollte das alle sechs Monate geschehen“, fordert Professor
Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung.
Dazu werden verschiedene bildgebende Diagnoseverfahren wie Sonografie,
Computertomografie oder Magnetresonanztomografie eingesetzt. Darüber
hinaus beinhaltet die Untersuchung auf Leberzelltumoren die Bestimmung von
Tumormarkern im Blut.

HCC und Corona-Pandemie

Ein Teil der medizinischen Versorgung wird derzeit durch die Corona-
Pandemie erschwert. Das betrifft auch Patienten mit HCC. „Wir müssen dafür
Sorge tragen, dass die Betreuung von Leberzellkrebs-Betroffenen gemäß den
Leitlinien fortgeführt wird. Multidisziplinäre HCC-Boards sollten
weiterhin eingebunden werden und Behandlungsempfehlungen geben. Wenn
möglich, sollte die vollständige HCC-Überwachung beibehalten oder wieder
aufgenommen werden. Gegebenenfalls müssten Patienten mit erhöhtem Risiko
priorisiert werden“, erläutert Professor Dr. Manns und schließt sich damit
den Forderungen aus dem Positionspapier der EASL (European Association for
the Study of the Liver) und der ESCMID (European Society of Clinical
Microbiology and Infectious Diseases) an. Er betont: „Es ist wichtig, dass
wir trotz der aktuellen Situation auch andere lebensbedrohliche
Erkrankungen im Blick behalten und ernst nehmen.“

Prävention des HCCs

Leberzellkrebs sollte nicht nur möglichst früh erkannt, sondern auch
möglichst oft vermieden werden. Da das HCC in den meisten Fällen nach
einer langjährigen chronischen Lebererkrankung auftritt, gilt es, diese zu
vermeiden.

Eine bestehende Virusinfektion sollte möglichst früh erkannt und behandelt
werden, um die Spätfolge HCC zu vermeiden. Bei fast jedem Patienten mit
einer chronischen Hepatitis B kann mit Medikamenten eine Viruskontrolle
erreicht werden. Zur Behandlung der chronischen Hepatitis C stehen
verschiedene Medikamente zur Verfügung, mit denen die Erkrankung bei fast
allen Patienten in kurzer Zeit und nahezu nebenwirkungsfrei geheilt werden
kann. Es ist außerdem möglich, sich gegen die Infektion mit dem Hepatitis
B-Virus impfen zu lassen. Die Impfung schützt auch vor Hepatitis delta, da
diese Erkrankung nur mit einer Hepatitis B gemeinsam vorkommen kann.

Gegen die Entwicklung und das Fortschreiten einer NAFLD, die auch als
metabolisch-assoziierte Fettlebererkrankung (Metabolic Associated Fatty
Liver Disease, MAFLD) bezeichnet wird, hilft regelmäßige körperliche
Aktivität und angepasste Ernährung. Patienten mit einer bestehenden NAFLD
sollten ein Ausdauer- und/oder Krafttraining durchführen. Weiterhin sollte
die Kalorienaufnahme dem Energiebedarf angepasst werden. Das heißt:
übergewichtige und adipöse Menschen mit Fettleber sollen eine nachhaltige
Gewichtsreduktion von ca. 0,5 kg pro Woche anstreben.

Professor Manns nimmt Bezug auf das Motto des Weltkrebstages: „Wenn wir
uns alle fragen, was wir zur Bekämpfung von Krebs tun können, bieten sich
zum Beispiel beim Leberzellkrebs verschiedene Möglichkeiten. Mit einem
gesundheitsbewussten Lebensstil können wir selbst aktiv Krebs, nicht nur
in der Leber, vermeiden! Und das gilt auch für die schwierige Zeit, in der
wir uns jetzt befinden“, motiviert er zum Handeln.

Weitere Informationen

Die Deutsche Leberstiftung bietet für Betroffene und ihre Angehörigen ein
Informationsfaltblatt zum Thema „Leber und Krebs“ an. Um Patienten mit
einer chronischen Lebererkrankung, die ein erhöhtes Risiko für die
Entwicklung von Leberzellkrebs haben, zu unterstützen, hat die Stiftung
einen Früherkennungspass zum Leberzellkrebs entwickelt. Die Materialien
können kostenfrei unter https://www.deutsche-leberstiftung.de
heruntergeladen bzw. bestellt werden.

Um neue Therapiemöglichkeiten zu erforschen und zu entwickeln, wurde die
German Alliance for Liver Cancer (GALC) mit institutioneller Förderung der
Deutschen Leberstiftung gegründet. Die Allianz beschäftigt sich intensiv
mit der Erforschung von Leberzellkrebs. Ziel ist es, die Grundlagen der
Diagnose und Behandlung von Leberzellkrebs nachhaltig zu verbessern und
die Umsetzung entsprechender Forschungsergebnisse zu fördern, um so die
Versorgung von Patienten mit Leberzellkrebs zu verbessern.

Deutsche Leberstiftung

Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen
und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch
Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern.
Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die
öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt
und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem
Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und
Apotheker in medizinischen Fragen. Weitere Informationen zur Stiftung
unter https://www.deutsche-leberstiftung.de. Auf der Website finden Sie
unter anderem umfangreiche Informationen sowie Bildmaterial für
Betroffene, Interessierte, Angehörige der Fachkreise und Medienvertreter.

BUCHTIPP: „Das Leber-Buch“ der Deutschen Leberstiftung informiert
umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen,
ihre Diagnosen und Therapien. Es ist im Buchhandel erhältlich: ISBN
978-3-89993-899-9, € 16,99.
Weitere Informationen: https://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch.

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Aufklärungskampagne zur Diabetes-Früherkennung: Im Lockdown steigt bei Kindern das Risiko einer Stoffwechselentgleisung

Aufklärungskampagne zur Diabetes-Früherkennung im Kindesalter
Im Lockdown steigt bei Kindern das Risiko einer schweren
Stoffwechselentgleisung

Während des pandemiebedingten Lockdowns im Frühjahr 2020 hat sich in
Deutschland die Zahl der Kinder mit einer lebensbedrohlichen
Stoffwechselentgleisung aufgrund eines unentdeckten Diabetes sprunghaft
verdoppelt. Das belegt eine Studie, die im Journal of the American Medical
Association (JAMA) veröffentlicht wurde.

Um der Entwicklung entgegenzuwirken, startet die Arbeitsgemeinschaft für
Pädiatrische Diabetologie (AGPD) der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) eine
Aufklärungskampagne zur Früherkennung eines Typ-1-Diabetes. Kinder- und
Jugendärzte sollen Eltern künftig bei den Vorsorgeuntersuchungen U6 und
U7a über Warnzeichen der Erkrankung informieren.

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Ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme und andauernde
Müdigkeit sind vier wichtige Warnzeichen für eine Diabeteserkrankung.
Bleibt der Diabetes unentdeckt und deshalb unbehandelt, kann es aufgrund
von Insulinmangel zu einer schweren Stoffwechselentgleisung kommen – einer
diabetischen Ketoazidose (DKA).

Wie neue Daten zeigen, ist die Zahl der DKA bei Kindern während des ersten
Lockdowns stark angestiegen: Vom 13. März bis 13. Mai 2020 hat sich die
DKA-Rate mit 238 Fällen gegenüber den Vergleichszeiträumen der Vorjahre
nahezu verdoppelt; insbesondere die Fallzahl der Vorschulkinder mit einer
schweren Stoffwechselentgleisung ist angestiegen. Die Anzahl der
Neuerkrankungen von Kindern mit Diabetes Typ 1 hat sich jedoch insgesamt
nicht verändert.

Eltern scheuen während des Lockdowns den Besuch beim Kinderarzt

Die Gründe für die steigenden DKA-Zahlen während der Pandemie sind
vielfältig. „Ein Faktor ist vermutlich die Angst vor einer Ansteckung mit
COVID-19“, erklärt Privatdozent Dr. med. Thomas Kapellen. „Viele Eltern
scheuen deshalb womöglich den Besuch einer Kinderarztpraxis“, fügt der
Vorsitzende der AGPD hinzu. Weitere Hintergründe müsse man aber noch näher
erforschen.

Um das Risiko für eine Ketoazidose im Kindesalter zu senken, startet die
AGPD in der kommenden Woche noch während des zweiten Lockdowns zusammen
mit dem BVKJ eine Aufklärungskampagne zur Früherkennung eines
Typ-1-Diabetes. So sollen Kinderärzte den Eltern künftig bei jeder U6- und
U7a-Vorsorgeuntersuchung, die Ende des ersten sowie dritten Lebensjahres
stattfinden, kurz die vier Warnzeichen des Typ-1-Diabetes erklären. „Dazu
gehören ständiger Durst, häufiges Wasserlassen, Gewichtsabnahme und
stetige Müdigkeit“, erläutert Dr. med. Martin Holder von der AGPD.

Auch sollen die Ärzte den Eltern einen Flyer mit wichtigen Informationen
über eine Diabeteserkrankung mitgeben. „Ziel der Kampagne ist es, die
Eltern verstärkt für die Warnzeichen einer Diabeteserkrankung und die
Symptome einer Ketoazidose zu sensibilisieren“, ergänzt Holder, der in der
Abteilung Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie am Klinikum
Stuttgart, Olgahospital, tätig ist. „Aus der Erfahrung vergangener
Präventionskampagnen wissen wir, dass eine solche Aufklärung die
Häufigkeit einer diabetischen Ketoazidose stark reduziert", betont Holder.

Mit jedem Tag mehr, den ein Kind unerkannt an Typ-1-Diabetes erkrankt ist,
steigt das Risiko für eine DKA, die auch Einschränkungen der kognitiven
Leistungen zur Spätfolge haben kann. Eine Stoffwechselentgleisung zeigt
sich neben einem verstärkten Harndrang auch durch Übelkeit oder Erbrechen,
beschleunigte Atmung und einem säuerlichen Acetongeruch des Atems. Da es
im weiteren Verlauf zu einem diabetischen Koma kommen kann, gehören
betroffene Kinder sofort in notärztliche Behandlung. Außerdem zeigen
Studien, dass eine schwere Ketoazidose mit einer schlechteren
Stoffwechseleinstellung im Langzeitverlauf assoziiert ist, unabhängig vom
sozialen Status.

Professor Dr. med. Andreas Neu aus Tübingen warnt: „Bleibt eine
Ketoazidose unbehandelt, kann sie schlimmstenfalls tödlich enden.“ Der
Vizepräsident der DDG verweist zudem darauf, dass zu wenig bekannt ist,
dass Typ-1-Diabetes zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen im
Kindesalter zählt. „Diabetes ist keine Alterskrankheit, sie kann auch
Kinder jeden Alters treffen.“

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Jetzt bewerben für die DDG Medienpreise 2021!
Diabetes in Corona-Zeiten: Risiken und Versorgungslage für chronisch
Kranke in der Pandemie – so lautet das Motto der diesjährigen DDG-
Medienpreisausschreibung. Die DDG vergibt im Jahr 2021 bereits zum achten
Mal ihre Medienpreise – und zwar in vier Kategorien, die mit insgesamt
6.000 Euro dotiert sind. Es können Print-, Fernseh- und Hörfunk sowie
Online-Beiträge (Websites, Blogs oder Online-Videos) eingereicht werden,
die zwischen dem 1. August 2020 und dem 31. Juli 2021 publiziert wurden.
Einsendeschluss ist der 31. Juli 2021. Weitere Informationen finden Sie
auf der DDG Webseite (<www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/pressebereich/medienpreis>).

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9200 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als acht Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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„Ohne Wenn und Aber“: Karl Lauterbach rät entschieden zur Corona-Impfung

Gesundheitsexperte im „Herz heute“-Interview: Warum niemand Angst vor der
Impfung zu haben braucht, wie er über Nebenwirkungen denkt und warum
jüngere Menschen sich impfen sollten – nicht allein zum Schutz der Älteren

Verlorene Zeit bestraft die Corona-Pandemie mit Krankheit und Tod. Bis zum
Sommer sollten alle Bürger in Deutschland geimpft sein, so stellte es die
Bundesregierung in Aussicht. Dass aber bis Ende März „nicht mehr als fünf
bis sechs Millionen Menschen“ geimpft werden können, damit rechnet der
Arzt und Gesundheitspolitiker Prof. Dr. Karl Lauterbach (57) im Interview
der aktuellen Ausgabe der Herzstiftungs-Zeitschrift „HERZ heute“. „Das ist
eigentlich nicht genug“, kritisiert der Epidemiologe.
Im Interview spricht er sich entschieden für die Corona-Impfung aus – als
Chance zur Überwindung der Pandemie: „Ich stehe ohne Wenn und Aber zu der
Impfung!“, stellt er unmissverständlich klar: „Ich werde mich auf jeden
Fall impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin.“ Warum er den Corona-
Impfstoff für unbedenklich hält, wann Herzkranke zu ihrem Impftermin
kommen dürften, welche Folgen Covid-19 auch für Jüngere haben kann und mit
welcher Impfstrategie der Bund die jetzige Lage verbessern kann, erklärt
der Corona-Experte im Interview der neuen „Herz heute“-Ausgabe 1/2021. Ein
Probeexemplar kann kostenfrei bei der Herzstiftung unter Tel. 069
955128-400 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. angefordert
werden.

Terminvergabe für besonders gefährdete Patienten: Welcher Arzt kann
helfen?
Menschen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie etwa
Herzinsuffizienz zählen zu den besonders gefährdeten Gruppen durch
Covid-19, weil bei ihnen die Gefahr für einen schweren Krankheitsverlauf
oder Sterblichkeit erhöht ist. Für sie ist eine Impfung unzweifelhaft mit
mehr Sicherheit vor Covid-19 verbunden. Lauterbach sieht bei den besonders
gefährdeten und schutzwürdigen Herzkranken die Hausärzte gefragt: „Ideal
wäre, wenn die Hausärzte in die Terminvergabe eingebunden werden könnten,
wenn sie die Termine vermitteln und die nötigen Unterlagen zusammenstellen
würden.“ Dass es für die meisten der Herzpatienten auf einen Impftermin
wohl erst im zweiten oder gar dritten Quartal hinausläuft, dafür macht
Lauterbach die schleppende Beschaffung der Impfstoffe verantwortlich.
Weitere Impfstoffe sollten deshalb „möglichst schnell in Deutschland
zugelassen werden“.

Angst vor Ansteckung in Kliniken: „Wieder steigende Zahl schwerster
Herzinfarkte“
Dass Herzpatienten derzeit Termine bei Ärzten und in Kliniken verschieben,
weil sie Angst haben, sich dort anzustecken, sieht auch Lauterbach mit
großer Sorge. „Kardiologen berichten mir, dass man aktuell in den Kliniken
etwa wieder eine steigende Zahl schwerster Herzinfarkte sieht, wie es in
der Menge lange nicht mehr vorgekommen ist.“ Der Mediziner appelliert
daher an Herzkranke, Untersuchungen und notwendige Eingriffe nicht zu
verschieben oder gar ausfallen zu lassen und sich so in Lebensgefahr zu
bringen. Nach den Erfahrungen in der ersten Corona-Welle sei heute die
Sicherheit der Patienten in Kliniken und Praxen gewährleistet. „Es sind
auch kaum Fälle bekannt, in denen sich Menschen in Arztpraxen angesteckt
haben“, versichert der Gesundheitsexperte.

Keine Angst vor dem Impfstoff!
Die Sorgen vieler Menschen, etwa Allergikern, vor möglichen Nebenwirkungen
der Impfung teilt Lauterbach nicht, da die verfügbaren Impfstoffe „sehr
gut verträglich sind“. In den vergangenen Wochen seien mehrere Millionen
Menschen geimpft worden, ohne dass es zu großen Problemen gekommen wäre.
Klassische Allergien, etwa leichtes Asthma, Neurodermitis oder
Kontaktekzeme, sind dem Gesundheitsexperten zufolge „keine Risikofaktoren“
bei einer Impfung. Im Vergleich zum Risiko einer schweren
Covid-19-Erkrankung empfiehlt er dringend die Impfung.

Covid-19 riskant auch für junge Menschen
Die Corona-Impfung hält der Gesundheitsexperte nicht nur für Ältere und
Risikogruppen für notwendig. „Auch bei jungen Leuten können langfristige
oder gar bleibende Schäden auftreten“, warnt er und appelliert an junge
Menschen, sich in ihrem eigenen Interesse impfen zu lassen. „Auch sie
leiden teilweise am sogenannten Long-Covid-Syndrom, über Monate und
länger, mit chronischer Erschöpfung, Schmerzen, Verlust des Geschmacks-
und Geruchssinns, Einschränkungen der Lungenfunktion.“

Hinweis für Medienvertreter
Das vollständige Interview erscheint in der neuen Ausgabe von HERZ heute
1/2021 Mitte Februar. Zum Interview gelangen Sie unter www.herzstiftung.de
/lauterbach-interview

Service für Betroffene und ihre Angehörigen
Aktuelle Ausgabe HERZ heute: Probeexemplar anfordern!
Die Zeitschrift HERZ heute erscheint viermal im Jahr. Sie wendet sich an
Herz-Kreislauf-Patienten und deren Angehörige. Mitglieder der Deutschen
Herzstiftung erhalten die Zeitschrift der Deutschen Herzstiftung
regelmäßig und kostenfrei. Ein kostenfreies Probeexemplar der neuen
Ausgabe HERZ heute 1/2021 ist ab Mitte Februar unter Tel. 069 955128400
oder per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. erhältlich.

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DSG: Zweite Corona-Welle: Schlaganfall-Experten appellieren: Symptome auch in Krisenzeiten ernst nehmen & Hilfe suchen

Während des ersten Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 haben Patienten mit
Schlaganfallsymptomen viel seltener ärztliche Hilfe in Anspruch genommen
als in normalen Zeiten, das belegen aktuelle Zahlen. Da jedoch auch ein
leichter Schlaganfall sofort behandelt werden muss, ist dies im Hinblick
auf Langzeitschäden riskant und gefährlich. Die Deutsche Schlaganfall-
Gesellschaft (DSG) betont deshalb, wie wichtig es ist, sich auch während
der aktuellen Lockdown-Phase bei Anzeichen eines Schlaganfalls – auch wenn
es sich nur um leichte Symptome handelt – umgehend medizinisch behandeln
zu lassen.

Laut aktuellen Zahlen, die vor kurzem in der Zeitschrift „Stroke“
erschienen sind, ging die Zahl der Schlaganfallpatienten während der
ersten Lockdown-Phase vor allem bei jenen mit leichten Symptomen zurück:
Bei den leichten Hirninfarkten, den sogenannten transitorischen
ischämischen Attacken (TIAs), waren es fast 23 Prozent weniger. Bei
schwereren Schlaganfällen 17 Prozent. Diese Zahlen basieren auf Daten aus
1463 Krankenhäusern in Deutschland. Professor Dr. med. Helmuth Steinmetz,
1. Vorsitzender der DSG, warnt angesichts dieser Zahlen eindringlich: „Ein
Schlaganfall ist immer – auch in Corona-Hochphasen und während eines
Lockdowns – ein medizinischer Notfall, der einer sofortigen Behandlung
bedarf.“

Doch bei welchen Symptomen sollte man sich in Behandlung begeben? An
welchen Beschwerden zeigt sich ein Hirninfarkt? „Seh- oder
Sprachstörungen, Lähmungen, Schwindel oder Kopfschmerzen können auf einen
Schlaganfall hinweisen“, erläutert Professor Dr. med. Wolf-Rüdiger
Schäbitz, Pressesprecher der DSG. Da bei einem Schlaganfall jede Minute
bis zur Behandlung zählt, sollte jeder Laie den FAST-Test kennen (face,
arms, speech, time), mit dem Symptome schnell erkannt werden können: Hängt
beim Lächeln ein Mundwinkel herab? Können beide Arme gleichmäßig angehoben
werden? Ist die Stimme verwaschen oder unklar? „Wer diese Anzeichen bei
sich oder jemanden aus seinem unmittelbaren Umfeld feststellt, sollte über
die 112 unverzüglich um medizinische Hilfe bitten“, so Schäbitz. „Time is
brain – je schneller ein Schlaganfallpatient in einer Stroke-Unit
behandelt wird, umso besser ist seine Prognose und umso seltener sind
Langzeitschäden wie bleibende Behinderungen oder Pflegebedarf.“

Auch in anderen Ländern hatte die erste Corona-Welle im Frühjahr 2020
starke Auswirkungen auf die Schlaganfall-Medizin: In verschiedenen
europäischen Staaten, den USA und Kanada dauerte es im Frühjahrs-Lockdown
im Vergleich zu vor dem Lockdown im Durchschnitt eine Stunde länger, bis
Schlaganfallpatienten eine effektive Therapie erhielten. In den USA wurden
deutlich weniger bildgebende Verfahren zur Schlaganfalldiagnose
durchgeführt.

Menschen, die früher einmal einen Hirninfarkt erlitten haben, sollten die
momentane Corona-Welle besonders ernst nehmen, da sie zu den Risikogruppen
gehören: „Wenn Menschen mit einer Behinderung wegen eines früheren
Schlaganfalls an Corona erkranken, haben sie oft einen gravierenderen
Krankheitsverlauf als vorher gesunde Menschen“, betont Schäbitz. Zudem
können Schlaganfälle auch als Komplikationen von einer Infektion mit dem
Coronavirus auftreten: „Wie bei vielen anderen Infektionen ist das Risiko
eines Schlaganfalls während einer Infektion mit dem Coronavirus erhöht und
besonders bei schwer erkrankten Patienten ist ein Schlaganfall nicht
selten“, sagt Steinmetz. „Die Ursache dafür ist eine Aktivierung des
Blutgerinnungssystems durch die Virusinfektion.“  Untersuchungen hätten
gezeigt, dass das Risiko zu versterben für einen Patienten mit
Schlaganfall und Corona deutlich höher ist als bei Schlaganfallpatienten
ohne Corona.

*** Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. ***

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Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) wurde im Dezember 2001
gegründet. Ziel der Gesellschaft ist es, die Forschung und Weiterbildung
im Bereich des Schlaganfalls zu koordinieren, zu qualifizieren und zu
fördern. Gewünscht ist auch eine politische Einflussnahme, um der
Erkrankung „Schlaganfall" eine angemessene Bedeutung zu geben. Mit ihren
Aktivitäten spricht die DSG alle Ärzte und Leistungserbringer im
Gesundheitswesen an, die in die Versorgung von Schlaganfall-Patienten
eingebunden sind.

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