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COVID-19-Edition des «Wissenschaftsbarometer Schweiz»: Wissenschaft soll sich während Pandemie einbringen

Wie steht die Bevölkerung zu Wissenschaft und Forschung  UZH
Wie steht die Bevölkerung zu Wissenschaft und Forschung UZH

In der COVID-19-Pandemie vertraut die Schweizer Bevölkerung der
Wissenschaft. Sie möchte, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
ihre Expertise in Öffentlichkeit und Politik einbringen. Zudem ist sie
mehrheitlich der Meinung, dass politische Entscheidungen zum Umgang mit
der Pandemie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen sollten. Das
zeigt die COVID-19 Edition des «Wissenschaftsbarometer Schweiz», die am
Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IKMZ) der UZH
in Zusammenarbeit mit der Universität Münster durchgeführt wird.

Das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in Wissenschaft und Forschung ist
während der Corona-Pandemie gestiegen. So geben 67 Prozent der Schweizer
Wohnbevölkerung an, ihr Vertrauen in die Wissenschaft sei «hoch» oder
«sehr hoch». 2019 und 2016 waren es 56 und 57 Prozent. Auch die Zustimmung
zur staatlichen Förderung von Wissenschaft ist nach wie vor hoch: Während
2019 73 Prozent «stark» oder «sehr stark» zustimmten, sehen dies Ende 2020
weiterhin 74 Prozent der Bevölkerung so. Das grundsätzliche Interesse an
Wissenschaft und Forschung ist ebenfalls gestiegen: 57 Prozent gaben 2019
an, «stark» bis «sehr stark» am Thema interessiert zu sein. Aktuell sind
es 60 Prozent.

«Ich freue ich mich über diesen Vertrauensbeweis gegenüber
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die sich teilweise sieben Tage
pro Woche für die Eindämmung von COVID-19 engagieren», sagt Claudia
Appenzeller, Generalsekretärin der Akademien der Wissenschaften Schweiz,
welche die Sonderbefragung ermöglicht haben.

Wissenschaftler vor Behörden, Politikern und Journalisten

Wenn es um die Corona-Pandemie geht, vertraut die Schweizer Bevölkerung
den Aussagen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. So liegen auf
einer Skala von 1 («überhaupt kein Vertrauen») bis 5 («sehr hohes
Vertrauen») Ärzte und medizinisches Personal und Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler mit Spitzenwerten von 4.1 und 3.9 deutlich vor Vertretern
von kantonalen Behörden und Bundesämtern (3.3), Politikerinnen und
Politikern (2.7) und Journalistinnen und Journalisten (2.6).

77 Prozent der Bevölkerung stimmen zudem «stark» oder «sehr stark» zu,
dass das Wissen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wichtig ist,
um die Verbreitung des Coronavirus in der Schweiz zu verlangsamen.
Entsprechend wünscht sich eine grosse Mehrheit von 72 Prozent («stark»
oder «sehr stark»), dass politische Entscheidungen im Umgang mit der
Pandemie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. «Vertrauen in und
Interesse an Wissenschaft sind in der Schweiz nicht nur anhaltend hoch,
sondern in Corona-Zeiten sogar noch gestiegen», sagt Prof. Mike S.
Schäfer, Universität Zürich, Co-Leiter des Wissenschaftsbarometer Schweiz
und der COVID-19-Edition. 63 Prozent der Bevölkerung wollen, dass
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich aktiv an politischen
Debatten über die Pandemie beteiligen. «Sie sollten dies jedoch mit
geeinter Stimme tun: Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung wissenschaftliche
Kontroversen durchaus für produktiv hält, geben gleichzeitig 65 Prozent
an, sie seien verunsichert, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
sich öffentlich widersprechen.»

Die Schweizer Bevölkerung hat Verständnis für Kontroversen innerhalb der
Wissenschaft und bewertet die Kommunikation aus der Wissenschaft positiv.
Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent, «stark» oder «sehr stark»)
findet, dass Kontroversen zwischen Wissenschaftlern hilfreich sind, weil
sie dazu beitragen, dass sich richtige Forschungsergebnisse durchsetzen.
Nur 32 Prozent meinen, dass Wissenschaftler nicht verständlich über Corona
kommunizieren könnten.

Eine Minderheit mit Hang zu kontroversen Ansichten

Die Ergebnisse der COVID-19-Edition des Wissenschaftsbarometers beleuchten
aber auch kritischere Haltungen zur Corona-Pandemie. Dabei zeigt sich,
dass 27 Prozent («stark» oder «sehr stark») finden, dass die Corona-
Pandemie zu einer grösseren Sache gemacht wird, als sie eigentlich ist. 21
Prozent glauben, dass die Zahl der Menschen, die an Corona sterben, von
den Behörden absichtlich übertrieben werde.

Extremere Ansichten sind seltener, aber vorhanden: 16 Prozent glauben,
dass mächtige Leute die Corona-Pandemie geplant hätten. 9 Prozent
bezweifeln, dass es Beweise für die Existenz des neuartigen Coronavirus
gebe. «Auch wenn die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung nicht an
Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie glaubt, gibt
es durchaus eine kleine Gruppe von Personen, die die wissenschaftlichen
Informationen zu Corona anzweifeln», erklärt Prof. Julia Metag,
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Co-Leiterin des
Wissenschaftsbarometer Schweiz und der COVID-19-Edition.
«Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen dies bei ihrer
Kommunikation über die Pandemie berücksichtigen.»

Medienkonsum zu Corona wird vom Fernsehen dominiert

In den Jahren 2016 und 2019 waren Fernsehen und Internet die Orte, an
denen die Schweizer Bevölkerung am häufigsten mit Wissenschaft und
Forschung in Kontakt kam. In Zeiten der Pandemie ist es insbesondere das
Fernsehen, das als Informationsquelle zum Thema Corona genutzt wird.
Danach folgen Gespräche mit Verwandten, Bekannten und Freunden sowie das
Internet als Situationen bzw. Quellen, in denen man dem Thema häufig
begegnet.

Gemischte Gefühle zur Medienberichterstattung zu Corona

Das Wissenschaftsbarometer hat auch erhoben, wie die Schweizer Bevölkerung
die Medienberichterstattung zu Corona bewertet. Sie findet diese
insbesondere «ausführlich», «informativ» und «verständlich». 43 Prozent
der Bevölkerung empfindet die Berichterstattung aber auch als «nervig» und
«übertrieben».

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Angst vor Corona und Impfskepsis

Heidelberger Wissenschaftler führen Befragung zur Akzeptanz der Corona-
Maßnahmen in Deutschland durch

Obwohl das individuelle Risiko, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren
und an COVID-19 zu erkranken, aktuell deutlich höher eingeschätzt wird als
dies noch im Sommer der Fall war, ist die Impfbereitschaft weiterhin nicht
besonders stark ausgeprägt: Während in einer repräsentativen Erhebung
Mitte dieses Jahres knapp 55 Prozent der Befragten angaben, sich
wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich impfen zu lassen, lag die
Impfbereitschaft Ende November/Anfang Dezember nur noch bei 46 Prozent –
trotz steigender Infektionszahlen und der Aussicht, dass ein Impfstoff in
Kürze zur Verfügung stehen wird. In einer zweiten Online-Befragung haben
Wissenschaftler der Universität Heidelberg rund 1.100 Personen zu den
Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie sowie nach ihrem Vertrauen in
Staat, Wissenschaft und Medien befragt. Die Ergebnisse sind im Internet
abrufbar.

Die Befragung – wiederum in einer repräsentativen Stichprobe – wurde in
der Zeit vom 30. November bis zum 11. Dezember durchgeführt. Sie folgt
einer ersten Erhebung, bei der Ende Juni/Anfang Juli rund 1.300 Personen
in Deutschland befragt wurden. Beide Befragungen, deren Teilnehmer nicht
identisch waren, sind Teil eines interdisziplinären Projektes am
Marsilius-Kolleg der Universität Heidelberg, das sich dem Thema
„Gesellschaftliche Selbstermächtigung“ widmet. Dabei geht es um die
Bereitschaft, formelle oder informelle gesellschaftliche Regeln zu
missachten, weil sich die betreffenden Personen aus übergeordneten,
insbesondere moralischen Gründen nicht daran gebunden fühlen. Zu Ausmaß,
Gründen, Folgen und Maßnahmen forschen der Psychologe Prof. Dr. Peter
Kirsch, der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Hanno Kube und der
Politikwissenschaftler Prof. Dr. Reimut Zohlnhöfer.

Die Bereitschaft, mit Maske, Abstand und Kontaktbeschränkungen zur
Bekämpfung der Pandemie beizutragen, ist nach wie vor hoch: Im Sommer
gaben 82 Prozent der Befragten an, sich meistens oder immer an die Corona-
Regeln zu halten. Aktuell liegt dieser Wert nach Selbstauskunft der
befragten Personen annähernd gleich bei 83 Prozent. Allerdings ist die
Zufriedenheit mit den Maßnahmen seit dem Sommer deutlich gesunken.
Zufrieden oder sehr zufrieden sind damit nur noch 55 Prozent – gegenüber
68 Prozent in der Zeit Ende Juni/Anfang Juli. Im Gegenzug ist die
Unzufriedenheit von 23 Prozent auf fast 36 Prozent gestiegen. „Dies
scheint in erster Linie damit zusammenzuhängen, dass die Maßnahmen –
zumindest vor dem Beschluss eines neuerlichen Lockdowns – von fast der
Hälfte der Befragten, nämlich knapp 44 Prozent, als nicht ausreichend
betrachtet wurden. Dies war im Sommer nur bei 15 Prozent der von uns
befragten Personen der Fall“, berichtet Politikwissenschaftler Reimut
Zohlnhöfer.

Deutlich gestiegen ist die Sorge, selbst zu erkranken. Während dies im
Sommer 67 Prozent der – bis dahin nicht infizierten Befragten – für
unwahrscheinlich oder sogar sehr unwahrscheinlich hielten, sind es jetzt
aktuell knapp 49 Prozent, die die Gefahr einer Infektion als gering
einschätzen. Trotz dieser Zunahme des subjektiv wahrgenommenen
Infektionsrisikos ist die Impfbereitschaft substantiell gesunken, während
gleichzeitig die Zahl derjenigen stieg, die einer Impfung eher oder sehr
skeptisch gegenüberstehen. Gaben dies Ende Juni/Anfang Juli 24 Prozent der
befragten Personen an, sind es nunmehr 29 Prozent. Die Zahl der
Unentschlossenen hingegen ist mit seinerzeit 24 gegenüber aktuell 22
Prozent nahezu gleichgeblieben.

Eine Verbindung sehen die Wissenschaftler hier zu der Tendenz,
Verschwörungsideen zuzustimmen. Während die Bereitschaft, sich impfen zu
lassen, einen signifikanten Zusammenhang zum Vertrauen in die staatlichen
Institutionen, die Wissenschaft und die klassischen Medien sowie zur
Zufriedenheit mit der bisherigen Corona-Politik aufweist, ist die
Ablehnung mit einer erhöhten Verschwörungsmentalität assoziiert. „Dieser
Befund unserer Befragung bedeutet keineswegs, dass alle Impfskeptiker
tatsächlich auch Anhänger von Verschwörungstheorien sind. Dennoch ist es
beunruhigend zu sehen, dass diese Verbindung zwischen
Verschwörungsmentalität und Impfgegnerschaft seit dem Sommer nachweislich
zugenommen hat, ebenso wie die Zustimmung zu derartigen Ideen generell“,
sagt Peter Kirsch, Professor für Klinische Psychologie am Zentralinstitut
für Seelische Gesundheit in Mannheim. „Auch wenn wir hier keine kausalen
Zusammenhänge untersuchen können, steht doch zu befürchten, dass sich die
Bereitschaft, Verschwörungen für möglich zu halten, durch kontroverse
Debatten der vergangenen Monate weiter in der Bevölkerung ausbreitet.“

Im Rahmen ihres interdisziplinären Forschungsprojektes wollen die
Wissenschaftler auch analysieren, wie sich die Bereitschaft der Menschen
fördern lässt, sich an wichtige gesellschaftliche Regeln zu halten.
„Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, das Vertrauen in
die staatlichen Institutionen, die Wissenschaft und die Medien zu pflegen
und zu fördern“, sagt Rechtswissenschaftler Hanno Kube. Die Forscher
werden in den kommenden Wochen und Monaten ihre Daten weiter auswerten, um
Ansatzpunkte für solche vertrauensfördernden Maßnahmen zu identifizieren.

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Volkskrankheit Herzschwäche im Video

Zählt zu den Diagnosen mit den meisten Klinikeinweisungen: die Herzinsuffizienz.  Jan Neuffer/DHS
Zählt zu den Diagnosen mit den meisten Klinikeinweisungen: die Herzinsuffizienz. Jan Neuffer/DHS

Service für Betroffene und medizinische Fachkräfte: Video-Clips mit
Experten-Interviews und Erfahrungsberichten von Patienten sowie animierte
Erklärfilme
Die Volkskrankheit Herzschwäche (Herzinsuffizienz) in bewegten Bildern:
Für Betroffene und ihre Angehörigen sowie für medizinische Fachkräfte hat
die Deutsche Herzstiftung Videos zu den wichtigsten Fragen rund um das
Thema Herzinsuffizienz (Ursachen, Symptome, Diagnose und Therapien)
erstellt. Die Videos sind im Zuge der Herzwochen 2020 entstanden und unter
www.herzstiftung.de/herzwochen2020-videos abrufbar (auf YouTube unter
www.youtube.com/user/DeutscheHerzstiftung). Das aktuelle Video-Angebot,
das Kliniken und Arztpraxen auch in ihre Online-Kanäle einbetten können,
umfasst Expertenbeiträge, Patientenberichte und animierte Erklärfilme zu
medizinischen Aspekten rund um die Herzkrankheit. Ein Highlight zum
Einstieg ist die Video-Sprechstunde „Herzschwäche: Was tun? Patienten
fragen, Experten antworten“, moderiert von NDR-Medizinjournalistin Vera
Cordes, mit Fragen an die Herzexperten Prof. Dr. Jan Gummert, Herzchirurg
in Bad Oeynhausen, und Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Kardiologe in
Frankfurt am Main.

Was passiert genau im Herzen bei Herzinsuffizienz? Warum kommt es zu
Atemnot, Leistungsabnahme und geschwollenen Beinen und wie schützt man
sich vor den Risikokrankheiten der Herzschwäche? Diese und viele weitere
Fragen erklären für medizinische Laien leicht verständlich die animierten
Videos. Herzspezialisten aus verschiedenen Herzzentren widmen sich den
Ursachen, Symptomen und Folgen der Herzschwäche ebenso wie den heutigen
Therapiemöglichkeiten. Prof. Dr. Heribert Schunkert (München) erklärt, wie
man als gesunde und herzkranke Person aktiv einer Herzschwäche oder einer
Verschlechterung einer bestehenden Erkrankung vorbeugen kann. Dem
schwachen Herzen als Folge einer Myokarditis, verursacht durch eine
verschleppte Viruserkrankung, widmen sich Prof. Dr. Thomas Nordt
(Stuttgart) und ein Patient. Dass ein implantierbarer Defi als „Notarzt in
der Brust“ Herzschwächepatienten vor dem plötzlichen Herztod schützt,
Schockabgaben aber auch belastend sein können, davon berichten der
Leipziger Rhythmologe Prof. Dr. Gerhard Hindricks und ein Defibrillator-
Träger. Wie das Leben nach überstandener Myokarditis mit Hilfe seines
Schrittmachers weitergeht, erzählt im persönlichen Erfahrungsbericht
eindrucksvoll ein Herzschwäche-Patient. Welche Hilfen gibt es für
Patienten mit einer Herzschwäche und psychischen Erkrankungen? Aktuelle
Therapiemöglichkeiten und Erfahrungen damit stellen der Würzburger
Kardiologe Prof. Dr. Stefan Störk vom Deutschen Zentrum für
Herzinsuffizienz (DZHI) und ein Patient vor.

Alle aktuellen Video-Clips der Deutschen Herzstiftung zum Schwerpunkt
Herzschwäche sind abrufbar unter www.herzstiftung.de/herzwochen2020-videos
oder unter www.youtube.com/user/DeutscheHerzstiftung

Aktuelle Videos der Herzstiftung zur Herzinsuffizienz

Video-Sprechstunde „Herzschwäche: Was tun? Patienten fragen, Experten
antworten
Moderation: Vera Cordes, mit Herzstiftungs-Vorstandsmitgliedern Prof. Dr.
Jan Gummert, Herz- und Diabetes-Zentrum NRW, Bad Oeynhausen, und Prof. Dr.
Thomas Voigtländer, Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB)
Frankfurt/Main
www.youtube.com/watch?v=XeL9qfm05YI

Videos mit Herzspezialisten und Patienten

Ist eine Herzschwäche vermeidbar?
mit Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vorstand Deutsche Herzstiftung,
Deutsches Herzzentrum München
https://youtu.be/fg9_cxVn14s

Notarzt in der Brust: Defibrillator zum Schutz vor plötzlichem Herztod
mit Prof. Dr. Gerhard Hindricks, Wiss. Beirat Deutsche Herzstiftung,
Herzzentrum Leipzig – Universitätsklinik für Kardiologie, und Patient
Ludwig Frühauf
https://youtu.be/9yfj3lY4QpE

Schwaches Herz, geschwächte Seele: Herzschwäche und Psyche
mit Prof. Dr. Stefan Störk, Deutsches Zentrum für
Herzinsuffizienz/Universitätsklinikum Würzburg, und Patient Michael
Oppmann
https://youtu.be/7ckey6Hcr34

Leben mit dem Herzschrittmacher
mit Patient Jens Ehrlich
https://www.youtube.com/watch?v=0WB8mD1IO-M

Schwere Herzschwäche durch Myokarditis infolge verschleppter
Virusinfektion
mit Prof. Dr. Thomas Nordt, Wiss. Beirat, Deutsche Herzstiftung, Klinikum
Stuttgart, und Patient Wolfgang H. Müller
https://youtu.be/OOAgtUDrHaM

Animierte Erklärvideos

Herzschwäche: Was passiert im Herzen?
https://youtu.be/9salnhDyaQ4

Herzschwäche kurz erklärt
https://youtu.be/unFX4oo7QIU

Herzschwäche: Warum Atemnot, Leistungsabnahme und geschwollene Beine?
https://youtu.be/UxOfSEAH_vo

Was ist eine Herzinsuffizienz?
https://youtu.be/NK9eMGEC6qI

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Neue Sprechstunde am Dresdner Uniklinikum ebnet jugendlichen Krebspatienten den Weg in die Erwachsenenmedizin

(v.l.n.r.) Prof. Julia Hauer mit dem Kernteam der Transitionssprechstunde: Kinderonkologin Dr. Judith Lohse, Ulrike Grundmann, Leiterin des Psychosozialen Teams des Sonnenstrahl e. V. und Dr. Katharina Egger-Heidrich, Medizinische Klinik I.  Marc Eisele  Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
(v.l.n.r.) Prof. Julia Hauer mit dem Kernteam der Transitionssprechstunde: Kinderonkologin Dr. Judith Lohse, Ulrike Grundmann, Leiterin des Psychosozialen Teams des Sonnenstrahl e. V. und Dr. Katharina Egger-Heidrich, Medizinische Klinik I. Marc Eisele Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl
Gustav Carus Dresden hat mit Unterstützung des Sonnenstrahl e.V. Dresden
im November eine Transitionssprechstunde für onkologische Patienten im
Alter von 16 bis 25 Jahren ins Leben gerufen. Diese Sprechstunde vereint
die onkologische Expertise der Pädiatrie mit der der Erwachsenenmedizin
des Uniklinikums sowie mit den psychosozialen Angeboten des Sonnenstrahl
e.V. Ziel ist es, auch über den 18. Geburtstag hinaus eine ganzheitliche
ambulante Nachsorge der Krebspatienten auf höchstem Niveau
sicherzustellen.

Um das Angebot der Transitionssprechstunde für  jugendliche Krebspatienten
auf den Weg zu bringen, geht der Sonnenstrahl e.V. Dresden in Vorleistung,
in dem er eine Anschubfinanzierung für eine Pflegekraft gewährt und im
Rahmen der Sprechstunde den Part der psychosozialen Beratung übernimmt.

Für viele von Krebserkrankungen betroffene Jugendliche bedeutet der
Wechsel in die Erwachsenenmedizin einen massiven Bruch: Gemeinsam mit
ihrer Familie müssen sie sich häufig eigenständig einen oder mehrere
niedergelassene Spezialisten suchen und zu diesen ein ähnliches
Vertrauensverhältnis aufbauen, welches bei der Versorgung durch die
pädiatrische Onkologie selbstverständlich war. Daraus erwächst die Gefahr,
dass einzelne Elemente einer leitliniengerechten Nachsorge vernachlässigt
werden. Im Rahmen der neuen Transitionssprechstunde setzen sich die
Vertreter der unterschiedlichen Fachgebiete mit den Patienten und deren
Eltern zusammen, um einen möglichst optimalen Übergang in die
Erwachsenenmedizin sicherzustellen.

„An die stationären Krebstherapien für Kinder und Jugendliche schließt
sich in der Regel eine sehr langfristige Nachsorge von zehn und manchmal
auch mehr Jahren an“, sagt Prof. Julia Hauer, Leiterin der pädiatrischen
Onkologie am Dresdner Uniklinikum. „In unserer Ambulanz können wir die
Patienten jedoch in der Regel nur bis zum 18. Lebensjahr ganzheitlich
versorgen. Dies umfasst die Diagnostik ebenso wie die Konsultation
weiterer Fachgebiete wie beispielsweise die Orthopädie, Kinderchirurgie
oder die Neurologie. Dieses ganzheitliche, gemäß den Behandlungsleitlinien
gut strukturierte Behandlungskonzept sollte auch nach Erreichen des
Erwachsenenalters fortgesetzt werden. Bisher hatten viele Patienten und
ihre Familien Probleme, dies zu organisieren. Diese Lücke soll nun die
Transitionssprechstunde schließen.“

„Mit dem neuen Angebot einer über die bisher üblichen Altersgrenzen
hinausgehenden fachübergreifenden, ambulanten Nachsorge, belegt die
Hochschulmedizin erneut ihre führende Position in der Krebsmedizin“, sagt
Prof. Michael Albrecht, Medizinische Vorstand des Dresdner Uniklinikums:
„Die Transitionssprechstunde ist ein wichtiges Element, um die
Nachhaltigkeit in der Krebstherapie weiter zu verbessern. Das konstruktive
Miteinander unserer Klinken und die finanzielle wie personelle
Unterstützung durch den Sonnenstrahl e.V. bieten die besten
Voraussetzungen, dieses Pilotprojekt erfolgreich zu starten, um es dann in
die Regelversorgung zu überführen.“ „Wir freuen uns sehr, dass das
Uniklinikum die Transitionssprechstunde einrichtet und wir als Partner
dabei sein dürfen. Damit schließt sich eine Lücke im Bereich der
Nachsorge. Wie alle unsere Angebote werden wir auch dieses über Spenden
finanzieren und freuen uns über weitere Unterstützer“, sagt Andreas
Führlich, Vorsitzender des Sonnenstrahl e. V. Der Verein fördert die
Etablierung der Sprechstunde durch die anteilige Finanzierung einer
Pflegestelle sowie das ambulante psychosoziale Angebot.

Neues Angebot als Konsequenz verbesserter Therapieoptionen

Mit der neuen Sprechstunde erweitert der auf Krebstherapien spezialisierte
Bereich der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sein Portfolio, um dem
medizinischen Fortschritt in der pädiatrischen Onkologie gerecht zu
werden: „Kinder und Jugendliche mit Krebserkrankungen profitieren von
immer besseren Therapieoptionen, was oft jedoch zu einer verlängerten
Behandlungsdauer führt. Dadurch erreichen immer mehr unserer Patienten
noch während der Therapie das Erwachsenenalter“, sagt Prof. Julia Hauer.
„Gleichzeitig leiden etwa 60 Prozent der Jugendlichen und jungen
Erwachsenen, die sich im Kindesalter einer intensiven Krebstherapie
unterziehen mussten, auch nach Abschluss der Behandlung an mittelschweren
bis schweren Nebenwirkungen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch
nach der initialen Therapie eine langfristig angelegte Betreuung in einem
strukturierten Behandlungskonzept anbieten zu können.“

Eine weitere Herausforderung für viele Patienten und deren Familien ist,
dass sie neben ihrer Krebserkrankung ganz besondere Bedürfnisse haben.
Dazu gehören die Wiedereingliederung in die Schule oder Ausbildung, aber
auch Fragen etwa zur Partnerschaft oder der Familiengründung. „Unsere
Patienten können sehr von einer gelungenen Transition – in diesem Falle
der Überführung von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin – profitieren.
Damit lassen sich nicht nur die langfristigen Risiken beziehungsweise
Folgen der massiven Krebstherapien minimieren, sondern auch die weitere
körperliche und seelische Entwicklung fördern“, betont Prof. Julia Hauer.
Das Kernteam der Transitionssprechstunde bilden die Kinderonkologin Dr.
Judith Lohse, Dr. Jan Moritz Middeke von der Medizinischen Klinik I des
Dresdner Uniklinikums, Ulrike Grundmann, Leiterin des Psychosozialen Teams
des Sonnenstrahl e. V., und Michaela Krake, die als Krankenschwester für
die organisatorischen Fragen der neuen Sprechstunde verantwortlich ist.

„Wenn junge Erwachsene selbständig werden, vernachlässigen sie die
Nachsorge teils völlig, weil sie kein Vertrauen zu neuen Ärzten finden und
sich unwohl fühlen. Deshalb gibt es einen großen Bedarf an einer
Transitionssprechstunde“, berichtet Ulrike Grundmann und beschreibt dies
an einem typischen Fall: „Die Familie war vollkommen überfordert, als ihr
Sohn volljährig wurde und die Versorgung durch die kinderonkologische
Ambulanz des Uniklinikums endete. Obwohl die Krebserkrankung seit vielen
Jahren geheilt war, beschäftigten Spätfolgen und soziale Themen die
Familie weiterhin. Die Unsicherheit den ‚richtigen‘ Arzt zu finden, löste
in der Mutter große Ängste aus und brachte ihr schlaflose Nächte.
Schließlich fand die Familie über Gespräche mit anderen Betroffenen den
passenden Arzt und wurde durch die Beratungsstelle des Sonnenstrahl e. V.
begleitet, um die Unsicherheiten und Ängste zu bewältigen. Eine
Transitionssprechstunde hätte dieser Familie viel Leid erspart und den
Übergang leichter gestaltet.“

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