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Nephrologen fordern Basisscreening auf Nierengesundheit für alle

Mit 2 einfachen Tests aus Blut- und Urinproben könnte eine chronische
Nierenkrankheit (CKD) frühzeitig erkannt werden. Dies gewinnt zunehmend an
Bedeutung, da seit Kurzem mehrere neue Medikamente das Fortschreiten der
CKD wirksam aufhalten können. Die derzeitigen Check-up-Untersuchungen in
Deutschland erfassen diese Parameter jedoch nur unzureichend oder gar
nicht. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass selbst bei Vorliegen von
Hochrisikofaktoren für eine CKD – wie etwa ein Typ-2-Diabetes oder
Bluthochdruck – häufig keine Bestimmung der Albuminausscheidung im Urin
und der sogenannten geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) im
Blut erfolgt (1).

Um die Chancen einer frühzeitigen Diagnose und Therapie dieser
volkswirtschaftlich bedeutsamen Erkrankung zu nutzen, fordert die Deutsche
Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN) im Vorfeld ihrer 16.
Jahrestagung die Verankerung dieser kostengünstigen Untersuchungen in der
hausärztlichen und internistischen Versorgung. Die Tagung findet vom 26.
bis 29. September 2024 in Berlin (ECC) statt. CKD und Nierenscreenings
stehen auch auf der Agenda der hybriden Pressekonferenz am Freitag, 27.
September 2024, von 11:45 bis 13:00 Uhr.

Den Link zur Pressemitteilung finden Sie hier:
https:/www.dgfn.eu/pressemeldung/neue-therapien-koennen-fortschreiten-der-
ckd-verhindern.html


In Deutschland leiden mehr als 10 Millionen Menschen an CKD. Dabei handelt
es sich um eine schwere und irreversible Erkrankung, die zu einem
fortschreitenden Verlust der Nierenfunktion führt. Im Endstadium sind die
Betroffenen auf eine regelmäßige Blutreinigung durch Dialyse oder eine
Nierentransplantation angewiesen. Darüber hinaus steigt mit abnehmender
Nierenfunktion das kardiovaskuläre Risiko stark an, also die
Wahrscheinlichkeit, etwa einen Herzinfarkt zu erleiden (2). Diabetes
mellitus und Bluthochdruck sind gleichzeitig die Hauptauslöser für eine
CKD. Viele Betroffene wissen jedoch nichts von ihrer Erkrankung, auch weil
bis zu 90 Prozent des Nierenfunktionsverlustes ohne Symptome verlaufen
können. Gleichzeitig ist die CKD trotz bekannter Risikofaktoren oft
dramatisch unterdiagnostiziert, eine leitliniengerechte Labordiagnostik
wird in deutschen Hausarztpraxen nicht ausreichend durchgeführt. Dies
belegt die jetzt veröffentlichte InspeCKD-Studie (1).

„Das ist tragisch, denn seit einigen Jahren stehen endlich wirksame
Medikamente zur Verfügung, mit denen wir das Fortschreiten der CKD vor
allem auch in frühen Stadien verzögern oder sogar stoppen können“, sagt
Professor Dr. med. Julia Weinmann-Menke, Sprecherin der DGfN und
Direktorin der Klinik für Nephrologie, Rheumatologie und
Nierentransplantation (NTX) am Universitätsklinikum Mainz. „Dazu müssen
wir die CKD aber rechtzeitig diagnostizieren.“

Die neuen Therapieoptionen schützen auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Mit den SGLT-2-Hemmern für alle Menschen mit CKD, den nicht-steroidalen
Mineralkortikoid-Rezeptor-Antagonisten für Diabetikerinnen und Diabetiker
mit CKD und mit der bevorstehenden Zulassung der GLP-1-Rezeptor-Agonisten
für CKD bei Typ-2-Diabetes stehen erstmals Therapieoptionen zur Verfügung,
die den Nierenfunktionsverlust verlangsamen (3, 4, 5, 6). „Mit diesen
Behandlungen kann auch die Prognose der Betroffenen für Herz-Kreislauf-
Erkrankungen verbessert werden“, sagt Weinmann-Menke. Denn beide
Erkrankungen hängen zusammen.

Albumin im Urin ist das erste Anzeichen für eine Nierenschädigung
Zur Diagnose einer CKD reicht die Kombination eines einfachen Bluttests
mit einem Urintest, bei dem die eGFR und die Proteinwerte im Urin bestimmt
werden. Die eGFR kann aus dem Kreatininwert im Blut einfach rechnerisch
ermittelt, „geschätzt/estimated“ werden. Doch die Nephrologin betont:
„Durch den Nachweis von Albumin im Urin ist es möglich, die Diagnose einer
CKD viel früher zu stellen als durch die alleinige Betrachtung der eGFR,
denn es ist häufig das erste Anzeichen für eine Schädigung der
Nierengefäße.“

Selbst Risikopatienten erhalten oft kein Nierenscreening
Neben einer Vielzahl internationaler Studien zeigte zuletzt die InspeCKD-
Studie auch für Deutschland: Nur bei 45,5 Prozent der Risikopatientinnen
und -patienten wurde der eGFR-Wert in der Hausarztpraxis bestimmt. Eine
Albuminbestimmung mit Teststreifen erhielten sogar nur 7,9 Prozent der
Patientinnen und Patienten und die UACR (quantitative Bestimmung der
Albuminausscheidung im Urin) wurde nur bei 0,4 Prozent der Betroffenen
bestimmt.

Für Gesundheitschecks von Nicht-Risikogruppen sind Urinteststreifen ein
guter erster Marker
Für die routinemäßige Früherkennung bei Nicht-Risikogruppen können
spezielle Urinteststreifen als Screening eingesetzt werden. Präziser ist
jedoch der sogenannte Albumin-Kreatinin-Quotient (UACR = Urin-Albumin-
Kreatinin-Ratio). Er errechnet sich aus der Albumin- und der
Kreatininmenge im Urin.

Neue Leitlinie empfiehlt Screening bei Diabetes und Herz-Kreislauf-
Erkrankungen
Wer sollte nun auf CKD untersucht werden? In der zuletzt aktualisierten
internationalen Leitlinie KDIGO ist nun die Empfehlung enthalten,
bestimmte Risikopersonen auf eine Nierenerkrankung zu untersuchen (7).
„Dazu gehören vor allem Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Adipositas, bekannte Nierenkrankheiten in der Familie, vorausgegangene
Nierenschädigung“, so Weinmann-Menke.

DGfN befürwortet Screening für alle und Aufnahme ins GHG
Die Aufnahme von Nierenerkrankungen in das Gesundes-Herz-Gesetz (GHG) wäre
ein entscheidender Schritt, um die Früherkennung zu verbessern,
Herzinfarkte und Schlaganfälle zu reduzieren und langfristig die
Gesundheitskosten zu senken", sagt Weinmann-Menke. Bisher sind die Nieren
im GHG jedoch nicht berücksichtigt, obwohl die DGfN über Stellungnahmen,
Teilnahme an der Anhörung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) und
mediale Beiträge intensiv auf das kritische Fehlen der CKD im GHG
hingewiesen hat. Und die Nephrologin geht noch einen Schritt weiter: „Da
wir nicht genug betonen können, wie wichtig die Früherkennung von CKD ist,
plädieren wir für ein grundsätzliches Screening im Rahmen der von den
gesetzlichen Krankenkassen bezahlten Gesundheitsuntersuchungen ab dem 35.
Lebensjahr.“

Weniger Dialysen durch frühes Nierenscreening
Eine Prognose zur Entwicklung der häufigsten Todesursachen aus dem Jahr
2018 zeigt, dass CKD zwischen 2016 und 2040 von der 16. auf die 5.
häufigste Todesursache vorrücken könnte (8). „Wenn es gelingt, regelmäßige
Früherkennungsuntersuchungen einzuführen, die Patientinnen und Patienten
über ein Disease-Management-Programm (DMP) zu begleiten und die
medikamentösen Optionen zu nutzen, ist davon auszugehen, dass es in
Zukunft weniger Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener CKD und
damit weniger Dialysen, Bluthochdruck, Schlaganfälle und weniger
Herzinfarkte geben wird“, sagt Dr. med. Nicole Helmbold, Generalsekretärin
der DGfN. Weitere und genauere Daten darüber, wie und in welchem Ausmaß
Maßnahmen zur Erkennung, Risikostratifizierung und Behandlung von CKD die
gesundheitlichen Ergebnisse verbessern würde, könne ein Deutsches Zentrum
für Nierengesundheit erheben, so Helmbold weiter. „Auch deshalb setzen wir
uns für seine Gründung ein.“

Der neueste Stand zu CKD von Diagnose bis Therapie ist Gegenstand der 16.
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie sowie der im
Rahmen des Kongresses hybrid durchgeführten Pressekonferenz am Freitag,
27. September 2024, 11:45 bis 13:00 Uhr.

Quellen:

(1)     Wanner, C., Schaeffner, E., Frese, T. et al. InspeCKD - Analyse
zur Nutzung von Labordiagnostik im Kontext der chronischen
Nierenerkrankung. MMW Fortschr Med 166 (Suppl 4), 9–17 (2024).
https://doi.org/10.1007/s15006-024-3684-y
(2)     Colombijn JMT, Idema DL, van Beem S, et al. Representation of
Patients With Chronic Kidney Disease in Clinical Trials of Cardiovascular
Disease Medications: A Systematic Review. JAMA Netw Open.
2024;7(3):e240427. doi:10.1001/jamanetworkopen.2024.0427
(3)     Mann, J.F.E., Rossing, P., Bakris, G. et al. Effects of
semaglutide with and without concomitant SGLT2 inhibitor use in
participants with type 2 diabetes and chronic kidney disease in the FLOW
trial. Nat Med (2024). https://doi.org/10.1038/s41591-024-03133-0
(4)     Hiddo J.L. Heerspink, Ph.D., Bergur V. Stefánsson, M.D., Ricardo
Correa-Rotter, M.D., Glenn M. Chertow, M.D., Tom Greene, Ph.D., Fan-Fan
Hou, M.D., Johannes F.E. Mann, M.D., et al. Dapagliflozin in Patients with
Chronic Kidney Disease. N Engl J Med 2020;383:1436-1446, VOL. 383 NO. 15.
doi: 10.1056/NEJMoa2024816
(5)     The EMPA-KIDNEY Collaborative Group. Empagliflozin in Patients
with Chronic Kidney Disease. N Engl J Med 2023;388:117-127, VOL. 388 NO.
2. doi: 10.1056/NEJMoa2204233
(6)     Agarwal, Rajiv, Filippatos, Gerasimos, Pitt, Bertram et al.
Cardiovascular and kidney outcomes with finerenone in patients with type 2
diabetes and chronic kidney disease: the FIDELITY pooled analysis. Eur
Heart J. 2022 Feb 10;43(6):474-484. doi: 10.1093/eurheartj/ehab777.
(7)     KDIGO-Leitlinien-Update Clinical Practice Guideline for the
Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease, Volume 105, Issue 4S,
April 2024. https://kdigo.org/wp-content/uploads/2024/03/KDIGO-2024-CKD-
Guideline.pdf

(8)     Foreman KJ, Marquez N, Dolgert A, Fukutaki K, Fullman N, McGaughey
M, et al. Forecasting life expectancy, years of life lost, and all-cause
and cause-specific mortality for 250 causes of death: reference and
alternative scenarios for 2016-40 for 195 countries and territories.
Lancet. 2018;392(10159):2052-90

Interessenkonflikte:

Professor Weinmann-Menke hat Vortragshonorare von Astra Zeneca, Norvartis,
Chiesi, GSK, Boehringer-Ingelheim, Miltenyi, Bayer-Vifor, Fresenius und
Otsuka erhalten.

Terminhinweise:

16. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie e. V. (DGfN)
Motto: „Neue Nephrologie“

Termin: 26. bis 29. September 2024
Ort: ECC Berlin (Estrel Congress Center)
Adresse: Sonnenallee 225, 12057 Berlin
http://www.nephrologie-kongress.de

Hybride Pressekonferenz
Termin: Freitag, 27. September 2024, 11:45 bis 13:00 Uhr
Ort: ECC Berlin (Estrel Congress Center), Raum X
Anmeldelink:
https://us06web.zoom.us/j/88298093213?pwd=5bXwkSwZDRvHggQgFTGlKylb5q57d9.1

Ausgewählte Sitzungen zu CKD auf der 16. Jahrestagung der Deutschen
Gesellschaft für Nephrologie e. V.

Chronische Nierenkrankheit (CKD) – Therapie
Termin: Freitag, 27. September, 11:00 bis 12:15 Uhr
Ort: ECC, Saal A
•       Ergebnisse zu renalen Endpunkten der FLOW- und SELECT-Studien
•       Wirkung der SGLT2-Inhibition auf die Körperzusammensetzung –
erklärt das den Nutzen?
•       Inflammation – neues therapeutisches Target bei CKD
•       KDIGO: CKD Evaluation and Management 2024
Link: https://www.nephrologie-kongress.de/index/programm/sitzung/ckd-
therapie.html


Altersübergreifende Therapie der chronischen Nierenkrankheit (CKD)
Termin: Freitag, 27. September, 16:30 bis 17:45 Uhr
Ort: ECC, Raum IV
•       CKD: Diagnosesicherung und Progressionshemmung bei Kindern und
Jugendlichen
•       Einfluss der primären Nierenerkrankung auf die Effekte von
Empagliflozin in Patienten mit chronischer Nierenerkrankung:
Sekundäranalyse der EMPA-KIDNEY
•       Altersübergreifende Leitlinien: Chancen und Limitationen
•       Therapie der CKD im hohen Alter
Link: https://www.nephrologie-kongress.de/index/programm/sitzung/alters%C3
%BCbergreifende-therapie-der-ckd.html


Chronische Nierenkrankheit (CKD) – Versorgung
Termin: Sonntag, 29. September, 8:15 bis 9:30 Uhr
Ort: ECC, Raum II
•       Versorgungskonzepte bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes
und Nierenerkrankungen
•       Die InspeCKD-Studie – Die chronische Nierenkrankheit in deutschen
Hausarztpraxen: Prävalenz, Diagnose und medikamentöse Therapie bei
Risikopatient:innen
•       Disease Management Programm Niere
•       ATLAS-CKD – Aktuelle Epidemiologie und Gesundheitskennzahlen von
CKD-Patient:innen in Deutschland
Link: https://www.nephrologie-kongress.de/index/programm/sitzung/ckd-
versorgung.html


Chronische Niereninsuffizienz I
Termin: Sonntag, 29. September, 8:15 bis 9:30 Uhr
Ort: ECC, Raum II
•       Glomerulonephritiden
•       Knochen- und Mineralstoffwechsel
•       Management Nephroprotektion
Link: https://www.nephrologie-kongress.de/index/programm/sitzung
/chronische-niereninsuffizienz-i.html

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Leinen los: Mit innovativer Therapie die Autoimmunerkrankung hinter sich lassen

FAU-Forschungsteam gelingt ein entscheidender Durchbruch

Unter dem Motto „Lichtet den Anker und segelt der Erkrankung davon!“ hat
ein Team der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie
(Direktor: Prof. Dr. Georg Schett) im Deutschen Zentrum für Immuntherapie
im Uniklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-
Nürnberg (FAU) ein innovatives Behandlungskonzept für
Autoimmunerkrankungen gefunden. Erstmals wurde eine Methode entwickelt,
die den „Anker“ löst, der Patient/-innen bisher in ihrer Erkrankung
festhält und herkömmliche Therapien ineffektiv macht. Die Ergebnisse
wurden jetzt in der renommierten Fachzeitschrift New England Journal of
Medicine veröffentlicht*.

„Es bringt nichts, Volldampf zu geben oder alle Segel zu setzen, wenn der
Anker nicht gelichtet ist“, erklärt Prof. Georg Schett, Direktor der
Medizinischen Klinik 3. „So kommen viele Patientinnen und Patienten mit
Autoimmunerkrankungen nicht weiter, weil Therapien wie Kortison und andere
Immuntherapien keine Linderung verschaffen.“ Dieses Gefühl des
Feststeckens ist für viele Betroffene zermürbend, sowohl aufgrund der
anhaltenden Symptome als auch wegen der fehlenden Hoffnung auf Besserung.

Das Forschungsteam konnte jedoch im Rahmen einer klinischen Studie einen
entscheidenden Durchbruch erzielen. „Wir haben einen dieser Anker
identifiziert und es geschafft, ihn zu lichten“, berichtet Prof. Dr.
Ricardo Grieshaber-Bouyer, der Leiter der Studie. Im Fokus standen
Patient/-innen mit schweren Autoimmunerkrankungen, bei denen bisher keine
Therapie Erfolge zeigte. Dazu gehörten Erkrankungen wie rheumatoide
Arthritis, autoimmune Muskelentzündung, systemische Sklerose sowie das
Sjögren-Syndrom, bei dem die Tränen- und Speicheldrüsen durch Entzündungen
geschädigt werden.

Die Forschungen ergaben, dass die Erkrankung tief in einer Art von
Immunzellen – den Plasmazellen – verankert ist, die sich mit herkömmlichen
Methoden schwer neutralisieren lassen. Um diesen „Anker“ zu lösen,
entwickelten die Wissenschaftler/-innen einen speziellen Ansatz. Sie
setzten ein Medikament ein, das wie ein „Engager“ wirkt und die
körpereigenen Immunzellen aktiviert, um die krankhaften Plasmazellen zu
erkennen und zu zerstören. „Der Effekt war verblüffend“, berichtet Dr.
Melanie Hagen, Erstautorin der Studie. „Nach der Behandlung verbesserte
sich der Zustand der Patienten rasch.“
Mit diesem neuen Ansatz eröffnen sich vielversprechende Perspektiven für
Patientinnen und Patienten, die an schweren Autoimmunerkrankungen leiden.
Die Methode ergänzt zudem die bereits am Uniklinikum Erlangen erprobte
CAR-T-Zelltherapie und erweitert das Spektrum innovativer
Behandlungsansätze.

Die Studie wurde am Deutschen Zentrums für Immuntherapie durchgeführt, das
sich auf die Erforschung neuer Behandlungswege für Autoimmun- und
chronisch-entzündlicher Erkrankungen spezialisiert hat.

* www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMc2408786

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Schockraumtraining fördert Patientensicherheit

Das Universitätsklinikum sensibilisiert zum Welttag der
Patientensicherheit (17. September) für Diagnosesicherheit.
Motto unterstreicht wichtigen Zusammenhang zwischen sicherer Diagnose und
richtiger Behandlung.
Aktionen informieren über das ganze Jahr die Mitarbeitenden in
unterschiedlichen Bereichen zum Thema.

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden setzt sich zum Welttag
der Patientensicherheit am 17. September für Diagnosesicherheit ein. Der
Welttag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Improving diagnosis for
patient safety!” – in Deutschland ist dies mit dem Aufruf „Sichere
Diagnose. Richtige Behandlung. Gemeinsam für Diagnosesicherheit“
verbunden. Dabei geht es um die Diagnosestellung im ambulanten wie
stationären Betrieb, bei Routineuntersuchungen genauso wie in Notfällen.
Die Teams in der Notaufnahme sowie im Schockraum werden diesbezüglich
regelmäßig geschult. Das gemeinsame Schockraumtraining findet in den
Räumen der Notaufnahme parallel zum täglichen Betrieb in
interdisziplinären und interprofessionellen Teams statt. So lernen die
Mitarbeitenden das Miteinander, trainieren Abläufe und sensibilisieren
sich für individuelle Erwartungen zum Optimieren der Erstversorgung. „Dies
ist nur ein kleiner Teil der Angebote für Mitarbeitende rund um die
Patientensicherheit. Das ganze Jahr über haben wir auf dieses wichtige
Thema aufmerksam gemacht, informiert, geschult und sensibilisiert. Dabei
nehmen wir alle Mitarbeitenden in allen Berufsgruppen mit – nur wenn wir
Patientensicherheit ganzheitlich betrachten, können wir uns stetig
verbessern“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand am
Uniklinikum Dresden.

Die Patientensicherheit bestimmt das ganze Jahr 2024 im
Universitätsklinikum Dresden. Die Mitarbeitenden in unterschiedlichen
Bereichen sollen durch Schulungen, Veranstaltungen und bei Mitmach-
Aktionen für das Thema sensibilisiert werden. Themen sind unter anderem
die Handhygiene und Fragen der Patientensicherheit in unterschiedlichen
medizinischen Fachgebieten sowie im Rahmen von medizinischen Studien. Zum
Welttag der Patientensicherheit am 17. September legt das Uniklinikum den
Fokus auf die Diagnosesicherheit und zielt speziell auf Trainings in der
Versorgung von Polytraumapatientinnen und -patienten ab. Meist als
Notfälle eingeliefert zeigen diese Patientinnen und Patienten ein
mehrdimensionales Bild innerer und äußerer Verletzungen – Informationen
vom Unfallort können mitunter nur aus den Berichten Dritter wiedergegeben
werden, konkrete bildgebende Untersuchungen stehen noch aus. Jede Sekunde
zählt, in der die Mitarbeitenden aus vielen Fachdisziplinen gemeinsam
lebensrettende Maßnahmen einleiten. Hierzu zählen die Pflege, die
Orthopädie und Unfallchirurgie, die Anästhesie, die Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie, die Neurochirurgie, die Intensivmedizin, sowie bei Bedarf
weitere notwendige Fachdisziplinen. Hand in Hand arbeiten teils 20 oder
mehr Mitarbeitende im Schockraum zusammen, Daten werden erfasst und
überwacht, Proben genommen, Untersuchungsergebnisse dokumentiert und
ausgetauscht.

„Im Alltag entstehen schnell Routinen, die mitunter nicht hinterfragt
werden. Deshalb sind uns regelmäßige Trainings in authentischen
Situationen so wichtig. Hier lernen die Teams, die individuellen
Bedürfnisse zu erkennen und darauf einzugehen – zum Wohle der Patientinnen
und Patienten sowie für ein gutes, professionelles Miteinander“, sagt
Oberarzt Dr. Konrad Kamin, Sektionsleiter Traumatologie und Ärztlicher
Leiter der Zentralen Notaufnahme am Universitätsklinikum. Das
Schockraumtraining wird jedem Mitarbeitenden in der Notaufnahme einmal pro
Jahr angeboten. Nach der Simulation an einer Patientenpuppe folgt die
Auswertung in der Gruppe. Dabei sind die Teilnehmenden explizit
aufgefordert, auch kritische Punkte anzusprechen. Was ist aufgefallen? Was
könnte anders gemacht werden, damit das Team noch effizienter im Sinne der
Patientensicherheit zusammenarbeitet? Welche Erwartungen bezüglich
Informationsweitergabe, Einbindung und Teamwork bestehen und können das
Zusammenspiel verbessern.

Torsten Reimer hat vom guten Teamwork in der Notaufnahme sowie im
Schockraum profitiert. Ende Juni hatte der 55-Jährige aus Dresden einen
schweren Motorradunfall. Er war allein unterwegs, als ein Vogel kurz vor
ihm vom Boden aufstieg, gegen seinen Helm krachte und ihn das Motorrad
verreißen ließ, sodass er stürzte. Mit einem Beckenbruch mit mehrfachem
Bruch der Hüftgelenkspfanne, einer Fußfraktur und gebrochenen Rippen mit
Lungenquetschung kam er in die Notaufnahme des Universitätsklinikums.

„Patientinnen und Patienten mit einem Polytrauma sind für uns in der
Notaufnahme eine Blackbox. Das Team im Schockraum ist konfrontiert mit von
den Ersthelfern angegebenen Unfallmustern, vermuteten Traumafolgen und dem
sich aus der Untersuchung ergebenden tatsächlichen Verletzungen. Wir
müssen schnell herausfinden, um was es sich handelt. Da müssen alle
Abläufe sitzen“, sagt Dr. Konrad Kamin, Leiter der Notaufnahme. Das
Schockraumtraining sei perfekt, um sich auf solche komplexen Fälle
vorzubereiten.

Mitte August konnte Torsten Reimer das Klinikum verlassen – zwei Mal wurde
er von den Teams im UniversitätsCentrum für Orthopädie, Unfall- &
Plastische Chirurgie (OUPC) operiert. Dabei wurde der komplexe Bruch am
Becken und der Hüftgelenkspfanne rekonstruiert und von innen mit einer
Metallplatte stabilisiert. „Patientensicherheit hat immer auch etwas mit
einer funktionierenden Zusammenarbeit zwischen einzelnen Bereichen zu tun.
Die Notfallmedizin und die Unfallchirurgie sind eng miteinander verbunden
– hier kommt es auf Vertrauen, Präzision und Schnelligkeit an. Das Wohl
der Patientinnen und Patienten hängt davon ab, wie wir in Notfällen
zusammenarbeiten“, sagt Prof. Klaus-Dieter Schaser, Ärztlicher Direktor
des OUPC. Im Fall von Torsten Reimer hat das funktioniert. Knapp vier
Wochen hat er stationär im Uniklinikum verbracht, sich danach stabilisiert
und mobilisiert, in wenigen Tagen beginnt er einen Reha-Aufenthalt in
Altenberg.

Welttag der Patientensicherheit am Uniklinikum Dresden
Anlässlich des Welttags der Patientensicherheit stellt sich das Team der
Notaufnahme mit dem Schockraumtraining den Mitarbeitenden im Klinikum vor.
In einem internen Podcast sprechen die Organisatorinnen und Organisatoren
sowie Mitarbeitende aus dem Qualitätsmanagement über Chancen und
Notwendigkeit des Angebots. Zwei interne Wettbewerbe unter Mitarbeitenden
zum Thema Patientensicherheit und Hygiene werden ausgewertet und
entsprechend prämiert. „Qualität und Sicherheit sind zwei entscheidende
Faktoren bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten. Hier gilt es,
allergrößte Aufmerksamkeit zu bewahren und den Fokus auf stete
Verbesserung zu richten. Dem Team des Qualitäts- und Medizinischen
Risikomanagements ist dies ein großes Anliegen, das wir in diesem Jahr
vielfältig unterstützt haben. Es ist schön, dass die Mitarbeitenden hier
interessiert und engagiert dabei sind“, sagt Martin Seipt, Komm. Leiter
der Direktion Qualitäts- und Medizinisches Risikomanagement.

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Welttag der Patientensicherheit: Zertifizierte Kliniken bieten mehr Versorgungssicherheit für Menschen mit Diabetes

Zum Welttag für Patientensicherheit am 17. September betonen die Deutsche
Diabetes Gesellschaft und diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe die
Notwendigkeit sicherer Krankenhausversorgung für 3 Millionen jährlich
stationär behandelte Menschen mit Diabetes. Sie benötigen spezialisierte
Pflege aufgrund hoher Risiken für Komplikationen und Wundheilungsstörungen
sowie Fachkenntnisse im Umgang mit Diabetestechnologien wie Insulinpumpen.
DDG zertifizierte Kliniken wie „Klinik mit Diabetes im Blick DDG“ tragen
zur Risikominimierung bei, doch fehlen solche Zertifizierungen im Bundes-
Klinik-Atlas. DDG und diabetesDE fordern deren schnelle Integration für
eine informierte Entscheidungen der Patienten.

Eine präzise und rechtzeitige Diagnose von Diabetes mellitus und des
korrekten Diabetes-Typs ist entscheidend für Krankheitsverlauf und
Therapieerfolg. So erfordert eine Operation bei einem Menschen mit
Diabetes ein besonderes Augenmerk auf die Stoffwechseleinstellung sowie
eine besonders intensive Betreuung und Pflege. Ganz besonders trifft dies
bei Kindern oder multimorbiden älteren Menschen mit Diabetes sowie
Menschen mit Typ-1-Diabetes oder mit diabetischem Fußsyndrom zu.
„Fehlerhafte oder verspätete Diagnosen führen zu Notfällen wie
Ketoazidosen, Hypoglykämien und Koma. Das ist gefährlich und verursacht
ganz erhebliches Leid für die Betroffenen“, erklärt Professor Dr. med.
Andreas Fritsche, Präsident der DDG. „Derzeit sind Patientinnen und
Patienten häufig stark verunsichert, in welchem Krankenhaus sie
bestmöglich umsorgt werden. Eine sichere Diagnosestellung ist die
entscheidende Voraussetzung für eine optimale Versorgung, mehr
Patientensicherheit und einen nachhaltigen Therapieerfolg.“ Daher ist es
für den Experten entscheidend, dass die Versorgung dieser Patientengruppen
in deutschen Krankenhäusern im Zuge des Krankenhausreformprozesses nicht
„unter die Räder kommt“. Die DDG Zertifikate sind ein Garant für die
Einhaltung höchster Qualitätsstandards. „Warum diese
patientenverständlichen Zertifikate im Bundes-Klinik-Atlas fehlen, ist
nicht nachvollziehbar und muss dringend nachgebessert werden!“, fordert
Fritsche.

Diabetesversorgung: Orientierungshilfe für Betroffene durch zertifizierte
Expertise
Die DDG zertifiziert seit Jahrzehnten Kliniken und Praxen, die sich auf
die Diagnose und Behandlung von Diabetes sowie dessen Folgeerkrankungen
und Komplikationen spezialisiert haben: Einrichtungen können sich als
„Diabeteszentrum DDG“, „Diabetes Exzellenzzentrum DDG“ oder als „Klinik
mit Diabetes im Blick DDG“ zertifizieren lassen. „Letzteres Zertifikat
feiert dieses Jahr 10-jähriges Bestehen. Aktuell sind 90 Häuser als
„Klinik mit Diabetes im Blick DDG“ zertifiziert– ein großer Erfolg für die
Patientensicherheit“, betont Fritsche. Diese Einrichtungen verpflichten
sich zur Einhaltung strenger Qualitätsstandards und standardisierter
Prozesse, sodass alle Patientinnen und Patienten systematisch auf Diabetes
untersucht werden, auch wenn sie aus anderen Gründen stationär behandelt
werden. „Das ist besonders wichtig, denn viele Menschen mit Diabetes sind
nicht wegen der Diabeteserkrankung stationär aufgenommen, sondern stellen
sich aufgrund anderer Erkrankungen oder Behandlungen vor“, so Fritsche.
Laut dem Diabetologen minimieren strukturierte Abläufe das Risiko, dass
eine Diabeteserkrankung übersehen oder fehldiagnostiziert wird. Denn: In
deutschen Krankenhäusern hat jeder fünfte Patient einen bekannten
Diabetes1. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche Dunkelziffer von bis zu 14
Prozent für unerkannten Diabetes, wie Studien zeigen.2/3„Da die
Stoffwechselerkrankung erheblichen Einfluss auf den Genesungsprozess haben
kann, braucht es eine interdisziplinäre Versorgung“, so Fritsche. Zudem
verpflichten sich zertifizierte Kliniken, ihr medizinisches Personal
regelmäßig in der Früherkennung und Behandlung von Diabetes
weiterzubilden. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem diabetesgeschulten
Pflegepersonal zu, das auf jeder Station vorgehalten werden muss.

Zertifikate: Schlüssel zu mehr Patientensicherheit und Selbstbestimmung
Dr. med. Jens Kröger, Vorsitzender der gemeinnützigen Organisation
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, hebt noch einen weiteren Vorteil
hervor: „Zertifikate erleichtern nicht nur die Orientierung der
Patientinnen und Patienten, sondern stärken auch ihre Selbstbestimmung und
Selbstwirksamkeit in der Therapie. Wenn Betroffene sehen, dass eine Klinik
zertifiziert ist, können sie sicher sein, dass sie sich für eine
Einrichtung entscheiden, die strengen Qualitätsstandards entspricht. Dies
trägt zur Erhöhung der Diagnosesicherheit und Patientensicherheit bei.“

Lücken im Bundes-Klinik-Atlas gefährden die Patientensicherheit
Es ist daher sinnvoll, diese Zertifizierungen als einen Mehrwert für
Patientinnen und Patienten auch transparent im jüngst eingeführten Bundes-
Klinik-Atlas abzubilden. Fritsche und Kröger kritisieren, dass die
Plattform in ihrem aktuellen Zustand kaum aussagekräftig ist und wichtige
Informationen zur Diabetesversorgung fehlen. „Die rund 3 Millionen
Menschen, die jährlich mit Diabetes mellitus in deutschen Kliniken
behandelt werden, finden im neuen Portal keine korrekten Informationen,
insbesondere zur realen Verfügbarkeit spezialisierter Diabeteszentren“, so
Kröger. „Dies führt zu einer massiven Desinformation, da Betroffene und
deren Angehörige nicht die für sie geeignete medizinische Versorgung
finden.“ Trotz angekündigter Anpassungen finden sich seit Einführung des
Online-Portals weiterhin Kliniken mit Diabetes-Expertise lediglich im
niedrigen zweistelligen Bereich. „Es gibt derzeit allein 400 DDG
zertifizierte Klinken, die hier nicht abgebildet sind“, kritisiert
Fritsche.

Zum Welttag der Patientensicherheit fordern DDG und diabetesDE - Deutsche
Diabetes-Hilfe daher rasche Nachbesserungen am Bundes-Klinik-Atlas,
insbesondere die Integration der relevanten Zertifikate. „Patientinnen und
Patienten müssen ein realistisches Bild von der Versorgungslandschaft
bekommen“, so Kröger. „Die derzeitige Darstellung im Bundes-Klinik-Atlas
ist irreführend und gefährdet die Patientensicherheit.“

Literatur

1 Marie Auzanneau et al., Diabetes in the Hospital - A Nationwide Analysis
of All Hospitalized Cases in Germany With and Without Diabetes, 2015–2017,
Dtsch Arztebl Int 2021 Jun 18;118(24):407-412.
doi: 10.3238/arztebl.m2021.0151.
2 Dirk Müller-Wieland et al., Survey to estimate the prevalence of type 2
diabetes mellitus in hospital patients in Germany by systematic HbA1c
measurement upon admission, Int J Clin Pract. 2018 Dec;72(12):e13273. doi:
10.1111/ijcp.13273. Epub 2018 Oct 8.
3 Kufeldt et al., Prevalence and Distribution of Diabetes Mellitus in a
Maximum Care Hospital: Urgent Need for HbA1c-Screening, Exp Clin
Endocrinol Diabetes. 2018 Feb;126(2):123-129.
doi: 10.1055/s-0043-112653. Epub 2017 Jul 27.

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