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Der häufigsten Herzrhythmusstörung begegnen die Spezialisten am HDZ NRW jetzt mit neuartiger Ablationstechnologie

Prof. Dr. Philipp Sommer, Direktor der Klinik für
Elektrophysiologie/Rhythmologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ
NRW), Bad Oeynhausen, freut sich, seinen Patientinnen und Patienten als
einer der ersten Spezialisten deutschlandweit ein neues Mapping- und
Ablationssystem anbieten zu können.

Wenn die Herzvorkammern (Vorhöfe) aus dem Rhythmus geraten, wird das Blut
nicht effizient in den Körper gepumpt, was eine ungewöhnlich schnelle
Herzfrequenz, Zittern oder pochende Empfindungen im Herzen verursacht.
Diese Erkrankung, die als Vorhofflimmern bezeichnet wird, betrifft
weltweit mehr als 60 Millionen Menschen. Zu den Risikofaktoren für
Vorhofflimmern zählen Alter, Fettleibigkeit, Herzerkrankungen und
Bluthochdruck oder ein erhöhter Cholesterinspiegel.

Unbehandelt kann das Vorhofflimmern mit einer höheren Rate
kardiovaskulärer Einweisungen1, Krankenhausaufenthalten wegen
Herzinsuffizienz2, höherer Mortalität3 sowie einer verminderten
Lebensqualität einhergehen.4 Daher ist eine frühzeitige Therapie besonders
wichtig.

Prof. Dr. Philipp Sommer, Direktor der Klinik für
Elektrophysiologie/Rhythmologie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ
NRW), Bad Oeynhausen, freut sich, seinen Patientinnen und Patienten als
einer der ersten Spezialisten deutschlandweit ein neues Mapping- und
Ablationssystem (Affera™) anbieten zu können. „Es eignet sich sowohl bei
Vorhofflimmern, das einige Sekunden bis einige Tagen lang auftritt
(paroxysmale Form) als auch bei länger als sieben Tage (persistierende
Form) andauernden Beschwerden, die nicht von selbst wieder aufhören.“
Aktuelle Studienergebnisse bestätigen die Sicherheit, Effektivität und
Beständigkeit des Systems.
„Mit dieser neuen Technologie können wir die Behandlung während der
Ablationsprozedur durch Verwendung unterschiedlicher Energiequellen (Hitze
und Pulsed Field Ablation, PFA) und Mapping-Funktionen individuell an die
Bedürfnisse unserer Patienten anpassen“, betont Professor Sommer. Diese
Vielseitigkeit der neuen und aufwändigen Technologie werde vor allem den
Patienten zugute kommen, die komplexe Rhythmusstörungen aufweisen und
ggfs. schon Ablationen ohne anhaltenden Erfolg hinter sich haben. „Für
diese ausgewählten Patienten sind wir im HDZ nun sehr froh, eine weitere
Option in unserem  Behandlungsangebot aufweisen zu können.“

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und
Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-
Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, mit 36.000 Patientinnen und Patienten
pro Jahr, davon 14.500 in stationärer Behandlung, zu den größten und
modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Die Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologie des HDZ NRW ist
spezialisiert auf die Behandlung von Herzrhythmusstörungen mit einem
Leistungsspektrum von rd. 1.800 Ablationen jährlich. In der Klinik werden
elektrophysiologische Untersuchungen mittels modernster, strahlungsarmer
Technologie zur Behandlung von Rhythmusstörungen durchgeführt.

Weitere Informationen:

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Medizinische Fakultät OWL (Universität Bielefeld)
Unternehmenskommunikation
Leitung: Anna Reiss, Pressesprecherin
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Univ.-Prof. Dr. med. Philipp Sommer
Direktor der Klinik für Elektrophysiologie/Rhythmologie
Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen

Originalpublikation:
1 de Vos CB et al. Progression from paroxysmal to persistent atrial
fibrillation clinical correlates and prognosis. J Am Coll Cardiol.
2010;55(8):725-7312 Mortality Statistics Series. Office of National
Statistics. 2013. Available at: www.statistics.gov.uk. Accessed August 4,
2014.
2 Wong JA et al. Progression of Device-Detected Subclinical Atrial
Fibrillation and the Risk of Heart Failure. J Am Coll Cardiol.
2018;71(23):2603-2611.
3 Piccini JP et al. Atrial fibrillation burden, progression, and the risk
of death: a case-crossover analysis in patients with cardiac implantable
electronic devices. Europace. 2019;21(3):404-413.
4 Dudink E et al. The influence of progression of atrial fibrillation on
quality of life: a report from the Euro Heart Survey, EP Europace, Volume
20, Issue 6, June 2018, Pages 929–934.

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Alzheimer-Krankheit: Frühdiagnose per Bluttest rückt in greifbare Nähe

Wenn Menschen an Alzheimer erkranken, kann es viele Jahre dauern, bis sie
typische Symptome haben. Dann werden sie durch das Absterben der
Nervenzellen zunehmend vergesslicher und die Orientierung verschlechtert
sich. Die Forschung zu Verfahren der Frühdiagnose ist mittlerweile so weit
fortgeschritten, dass die Krankheit vor dem Auftreten erster Symptome
sichtbar wird.

Allerdings bisher nur im Nervenwasser oder mit nuklearmedizinischen
Verfahren. Ein Bluttest könnte bald eine einfache und sichere Diagnose
ermöglichen. Diese und weitere Verfahren der Frühdiagnostik und neue
Therapieansätze stellt die Greifswalder Klinikdirektorin für Neurologie,
Prof. Agnes Flöel, heute auf einem Symposium in Berlin vor.
„Je früher die Alzheimer-Krankheit bei den Betroffenen diagnostiziert
werden kann, desto mehr Therapiemöglichkeiten können angewendet werden“,
betont Flöel. Somit könne das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt
werden.

Eine wesentliche Rolle bei der Frühdiagnose spielen verschiedene
Biomarker. Hierbei handelt es sich um biologische Anzeichen im Gehirn, die
mittels Lumbalpunktion im Nervenwasser gemessen werden können. Daneben
werden auch nuklearmedizinische bildgebende Verfahren zum Nachweis
bestimmter Proteine angewendet. „Diese Formen der Alzheimer-Früherkennung
sind jedoch teuer, aufwändig und belastend für die Betroffenen“, betont
Flöel weiter. Ein Bluttest, der solche für die Alzheimer-Krankheit
relevanten Proteine nachweisen kann, sei hingegen weniger belastend und
könne möglicherweise bereits in der Hausarzt- oder Facharztpraxis
durchgeführt werden.

Erste Studien haben ergeben, dass zum Beispiel das Eiweiß Phospho-Tau 217
ein besonders aussichtsreicher Kandidat für die Früherkennung sei: Eine
Testung könne mit einer 88- bis 92-prozentigen Genauigkeit die Alzheimer-
Erkrankung diagnostizieren. Auch andere Blutbiomarker sind
erfolgsversprechend. So erforscht das Deutsche Zentrum für
Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), das in Greifswald einen seiner zehn
Standorte hat, sogenannte MicroRNAs im Blut. Diese lassen eine Alzheimer-
Demenz und ihre Vorstufe erkennen. Sogar der Zeitpunkt des Übergangs von
einer leichten kognitiven Beeinträchtigung zu einer Alzheimer-Erkrankung
lasse sich damit vorhersagen.
„Vieles spricht dafür, dass wir perspektivisch mit einem einfachen
Bluttest unkompliziert und schnell eine Alzheimer-Krankheit in sehr frühen
Stadien diagnostizieren können“, erklärt Flöel, die auch
Arbeitsgruppenleiterin im DZNE ist. „Jeder Verdachtsfall könnte dann
schnell und unkompliziert abgeklärt werden, womöglich schon in der
Hausarztpraxis.“

Trotz vieler hoffnungsvoller Therapieansätze gebe es jedoch noch keine
Therapie, die Alzheimer heilt oder das Fortschreiten vollständig stoppt.
Ein flächendeckendes Screening, wie dies bereits in der Krebsfrüherkennung
etabliert ist, sei daher noch nicht zu empfehlen. Zugleich betont Flöel:
„Jeder Mensch hat ein Recht auf Nicht-Wissen, das auch respektiert werden
muss.“ Die Früherkennung ermögliche zwar, dass therapeutische und
präventive Maßnahmen früher begonnen und wichtige Entscheidungen für die
eigene Zukunft getroffen werden können. „Die Kehrseite ist aber, dass man
länger mit dem Wissen um eine zukünftige Erkrankung leben muss, und das
Wissen um die Diagnose natürlich das Leben verändert. Die Entscheidung für
oder gegen die Früherkennung muss also unbedingt individuell nach
entsprechender Beratung gefällt werden.“

Prof. Uwe Reuter, Ärztlicher Vorstand der UMG und selbst Neurologe, lobt
den Greifswalder Auftritt auf dem heutigen Symposium der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Gesellschaft für
Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)
in Berlin: „Prof. Agnes Flöel treibt die Forschung an der Alzheimer-
Krankheit hier in Greifswald aktiv voran und leistet damit einen
wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung nicht nur in
unserer Region.“ Durch eine frühere Diagnostik könnten nicht zuletzt auch
neue Medikamente, die sich auf das Stadium der leichten kognitiven
Einschränkung oder der leichten Demenz beschränken, eine bedeutende Rolle
spielen.

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Nierenkrebs: Neue Leitlinienempfehlungen zu erblichen Tumoren

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie zum
Nierenzellkarzinom überarbeitet und neue Empfehlungen zu erblichen Tumoren
integriert, deren Diagnostik und Behandlung besondere Fachexpertise
erfordern. Die Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen
Gesellschaft für Urologie und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie
und Medizinische Onkologie sowie unter Mitwirkung von 33 weiteren
Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde die Leitlinie von
der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie. Ziel
der S3-Leitlinie ist es, evidenzbasierte Behandlungsmöglichkeiten
aufzuzeigen und die Therapie von Patient*innen mit Nierenkrebs zu
verbessern.

Laut dem Robert Koch-Institut erkranken jährlich etwa 14.000 Personen an
Nierenkrebs – Männer sind fast doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Die
Prognose ist vergleichsweise günstig, das relative 5-Jahres-Überleben von
Erkrankten liegt bei 79 Prozent für Frauen und bei 77 Prozent für Männer.
2020 verstarben etwa 5.100 Personen an Nierenkrebs. Bei der Entstehung
können unter anderem erbliche Faktoren eine Rolle spielen. Die Betreuung
dieser Patient*innengruppe und deren Angehörigen ist äußerst komplex und
geht weit über die urologische Versorgung hinaus. Die S3-Leitlinie wurde
daher um das Kapitel „erbliche Tumoren“ ergänzt.

„Wir gehen davon aus, dass fünf bis acht Prozent aller Fälle durch
vererbte Genveränderungen bedingt sind. Es gibt Kriterien, die auf eine
erbliche Variante hinweisen können, unter anderem das Erkrankungsalter vor
dem 47. Lebensjahr und die Erkrankung naher Familienangehöriger. Für das
Erkrankungsmanagement und die gezielte Therapieauswahl ist die
Identifikation von erblichen Nierentumoren äußerst wichtig. Daher soll
Betroffenen bei Verdacht auf einen erblichen Tumor eine genetische
Beratung und eine molekulargenetische Analyse angeboten werden“, so Prof.
Dr. Christian Doehn, Urologikum Lübeck. Zusammen mit Prof. Dr. Susanne
Krege, Kliniken Essen-Mitte, hat er die S3-Leitlinie koordiniert. Auch den
Angehörigen soll laut der Leitlinie eine genetische Beratung angeboten
werden.

„Das therapeutische Vorgehen bei erblichen Tumoren kann je nach Syndrom
sehr unterschiedlich sein“, ergänzt Krege. Und weiter: „Bei der
Therapieauswahl spielen die Tumorgröße, die Wachstumsgeschwindigkeit und
ein multifokales Auftreten eine wichtige Rolle. So kann in bestimmten
Fällen die sogenannte aktive Überwachung angebracht sein. In anderen
Fällen ist wiederum eine Operation oder eine gezielte fokale Therapie
vonnöten.“ Zur fokalen Therapie zählt unter anderem die
Radiofrequenzablation zur lokalen Zerstörung von Tumorgewebe durch Hitze.
Bei erblichen Nierentumoren soll die Nachsorge zeitlich unbegrenzt
fortgeführt werden.

Neben den erblichen Faktoren können auch Rauchen, Bluthochdruck,
Übergewicht und eine chronische Niereninsuffizienz die Entstehung von
Nierenzellkrebs begünstigen. Besonders betroffen sind nach einer
Nierentransplantation immunsupprimierte Patient*innen. Auch die brennbaren
Lösungsmittel Trichlorethen oder Trichlorethylen, die im Arbeitsumfeld
beispielsweise zur Metallreinigung angewendet werden, können die
Entstehung von Nierenkrebs begünstigen – weshalb Nierenzellkarzinome auch
als Berufskrankheit anerkannt werden kann.

Die aktualisierte S3-Leitlinie ist hier abrufbar: https://www
.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/nierenzellkarzinom

Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert.
Android-Smartphone- und iPhone-Nutzer können die Leitlinien-App hier
herunterladen: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/

Das Leitlinienprogramm Onkologie
Leitlinien sind systematisch entwickelte Entscheidungshilfen für
Leistungserbringer und Patient*innen zur angemessenen Vorgehensweise bei
speziellen Gesundheitsproblemen. Sie stellen ein wesentliches Instrument
zur Förderung von Qualität und Transparenz medizinischer Versorgung dar.
Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen
Fachgesellschaften (AWMF), die Deutsche Krebsgesellschaft e. V. und die
Deutsche Krebshilfe haben sich mit dem im Februar 2008 gestarteten
Leitlinienprogramm Onkologie das Ziel gesetzt, gemeinsam die Entwicklung
und Fortschreibung sowie den Einsatz wissenschaftlich begründeter und
praktikabler Leitlinien in der Onkologie zu fördern und zu unterstützen.
Mittlerweile umfasst das Leitlinienprogramm 34 S3-Leitlinien, die zu einem
großen Teil auch als laienverständliche Patientenleitlinien vorliegen.
Mehr unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/home

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU)
Mit rund 7.700 Mitgliedern ist die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.
V. (DGU) die größte Vertretung deutscher Fachärztinnen und Fachärzte für
Urologie. Als medizinische Fachgesellschaft fördert die DGU Wissenschaft,
Forschung, Innovation, Fort- und Weiterbildung in der Urologie. Damit
schafft sie die Voraussetzungen für eine flächendeckende hochqualifizierte
Versorgung urologischer Patientinnen und Patienten in Deutschland. Das
eigene Wissenstransferzentrum UroEvidence ermöglicht die systematische
Evidenzaufarbeitung und organisatorische Unterstützung für
Leitliniengruppen innerhalb der Urologie.
Mehr unter: https://www.urologenportal.de/

Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie
(DGHO)
Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V.
(DGHO) besteht seit über 80 Jahren und hat heute mehr als 4.300
Mitglieder, die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und
onkologischer Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-,
Fort- und Weiterbildung, dem Onkopedia-Projekt, mit der Wissensdatenbank
und der Durchführung von Fachtagungen und Fortbildungsseminaren sowie mit
ihrem gesundheitspolitischen Engagement fördert die Fachgesellschaft die
hochwertige Versorgung von Patient*innen im Fachgebiet. In mehr als 30
Themen-zentrierten Arbeitskreisen engagieren sich die Mitglieder für die
Weiterentwicklung der Hämatologie und der Medizinischen Onkologie.
Informationen unter: https://www.dgho.de/

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Diabetes Typ 1 bei Kindern: Bessere Lebensqualität dank Früherkennung

Stiftung Kindergesundheit informiert über ein zunehmendes
Gesundheitsrisiko

Knapp 35.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland müssen täglich Insulin
spritzen, ihren Blutzucker messen und die Kohlenhydrate in ihrem Essen
berechnen: Sie sind zuckerkrank. Etwa 4.100 Heranwachsende erkranken jedes
Jahr neu an der Stoffwechselstörung Diabetes und es kommen immer mehr
dazu, berichtet die in München beheimatete Stiftung Kindergesundheit in
ihrer aktuellen Stellungnahme.

Wenn Ärzte bei einem Kind oder Jugendlichen eine Zuckerkrankheit
diagnostizieren, handelt es sich meist um einen Diabetes vom Typ 1.
„Dieser Typ von Diabetes mellitus gehört zu den häufigsten
Stoffwechselerkrankungen im Kindesalter“, berichtet Professor Dr. Berthold
Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Die Zahl der
Neuerkrankungen steigt weltweit an und besonders der Anteil der 10- bis
17-Jährigen nimmt dramatisch zu“, betont der Stoffwechselexperte der von
Haunerschen Kinderklinik der Universität München.

Warum das Hormon Insulin so wichtig ist
Bei einem Typ-1-Diabetes werden die für die Entstehung des Hormons Insulin
zuständigen Beta-Zellen in den sogenannten Langerhans-Inseln der
Bauchspeicheldrüse durch das körpereigene Immunsystem langsam zerstört.
Als Folge wird in den Inselzellen zu wenig Insulin gebildet.

„Insulin macht die aus der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate im Körper
nutzbar“, erläutert Professor Koletzko. Es lässt den aus Stärke gebildeten
Zucker (Glukose) in die Gewebe (z.B. in die Muskeln) übertreten, wo er als
Energielieferant dringend benötigt wird. Ohne Insulin kann der Körper die
Nahrung nicht verwerten und der Zucker sammelt sich im Blut an, anstatt
von den Zellen aufgenommen zu werden.

Durch den zunehmenden Mangel an Insulin steigt der Blutzuckerspiegel
übermäßig an. Bei zu hohem Blutzucker scheiden die Nieren Glukose mit dem
Urin aus. Daher auch der Name der Störung: Diabetes mellitus, zu Deutsch
Zuckerharnruhr oder Honigharnruhr (lat.: mellitus – honigsüß).

Diabetes – oft ein Problem der ganzen Familie
Dieser Vorgang kann bei Kindern, die hiefür eine genetische Veranlagung
geerbt haben, durch umweltbedingte Faktoren ausgelöst werden. Auch nahe
Verwandte von Typ-1-Diabetikern haben ein erhöhtes Diabetes-Risiko, betont
die Stiftung Kindergesundheit: Geschwisterkinder haben ein Risiko von etwa
4–8 %, eineiige Zwillinge mit 30–50 % ein noch höheres Risiko. Das
Diabetes-Risiko eines Kindes mit einem Elternteil, der an Typ-1-Diabetes
leidet, liegt bei etwa 10 %, wenn der Vater betroffen ist, und bei etwa 4
%, wenn die Mutter erkrankt ist.

Dennoch haben über 80 % der betroffenen Kinder und deren Eltern keine
Verwandten mit Typ-1-Diabetes. Das hat zur Folge, dass viele Familien kaum
etwas darüber wissen und nur unzureichend oder gar nicht mit den Symptomen
beim Ausbruch der Stoffwechselerkrankung vertraut sind.

Frühe Zeichen: großer Durst, viel Urin, Gewichtsverlust und Müdigkeit
Die Symptome eines Typ-1-Diabetes können sich innerhalb weniger Wochen
oder sogar Tagen entwickeln. Oft haben die Kinder ständig Durst, trinken
mehr als sonst und haben häufigen Harndrang. Manche von ihnen nässen auch
ins Bett. Einige Kinder verlieren an Gewicht und sind abgeschlagen – die
Haut ist trocken, die Lippen sind rissig. Unter Umständen riecht der Atem
obstähnlich nach Aceton. „Bei derartigen Problemen sollten Eltern dringend
den Rat eines Kinder- und Jugendarztes einholen“, empfiehlt Professor
Koletzko.

Bei mehr als einem Drittel aller Betroffenen wird ein Typ-1-Diabetes zu
spät entdeckt, also zu einem Zeitpunkt, an dem bereits eine schwerwiegende
Stoffwechselentgleisung mit einer potenziell lebensbedrohlichen
Übersäuerung des Bluts, der diabetischen Ketoazidose, aufgetreten ist.

Entscheidend sind eine frühe Diagnose und Behandlung der Krankheit, da
eine verzögerte Erkennung die Lebenserwartung deutlich verringern kann,
betont die Stiftung Kindergesundheit. Eine optimale Einstellung des
Stoffwechsels von Beginn an hilft dagegen, langfristige Komplikationen zu
vermeiden.

Frühzeitig vorbereitet
Ein Screening auf Typ-1-Diabetes bei Kindern ermöglicht es, die Entstehung
der Krankheit frühzeitig zu erkennen, noch bevor klinische Symptome
auftreten. Wenn sich bei einer Blutuntersuchung bestimmte
Inselautoantikörpern nachweisen lassen, kann das auf ein Frühstadium der
Autoimmunerkrankung hinweisen. Das Screening auf Typ-1-Diabetes mittels
Inselautoantikörpertest wird seit 2015 in Bayern als Modellprojekt im
Rahmen der „Fr1da-Studie“ angeboten. Diese Studie wurde bereits auf die
Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Sachsen ausgeweitet. Das
kostenlose und freiwillige Screening wird Kindern hier im Rahmen einer
Vorsorgeuntersuchung (U7 bis U11) oder eines Kinderarztbesuches im Alter
zwischen 2 und 10 Jahren angeboten. Die Untersuchung kann Familien
emotional entlasten und vor einem meist traumatischem Erlebnis, wie der
lebensbedrohlichen diabetischen Ketoazidose, die sofortige
Notfallmaßnahmen erfordert, bewahren.

Durch die frühe Diagnose erhalten Eltern die Möglichkeit, sich besser auf
den Umgang mit der Krankheit vorzubereiten. Sie können gemeinsam mit
Ärzten rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, Schulungen zur Insulintherapie und
Blutzuckerkontrolle besuchen und sich schrittweise an die neue
Lebenssituation anpassen. Das reduziert Unsicherheiten und Ängste, die oft
mit einer plötzlich diagnostizierten chronischen Krankheit einhergehen.
Eltern, Ärztinnen und Ärzte können präventiv handeln und die Gesundheit
des Kindes überwachen, was das Risiko eines plötzlichen
Krankheitsausbruchs und damit verbundene Notfallsituationen senkt.

Fazit der Stiftung Kindergesundheit: Eine frühzeitige Erkennung und
rechtzeitige Behandlung der Krankheit kann die Gesundheit und die
Lebensqualität der betroffenen Kinder deutlich verbessern und ihnen und
ihren Familien helfen, sich auf die Herausforderungen einer lebenslangen
Insulintherapie vorzubereiten. „Eine Ausweitung des Screenings auf ganz
Deutschland wäre deshalb wünschenswert“, so Professor Koletzko.

Hier gibt es mehr Rat und Hilfe:
Weitere Informationen zu den Problemen von Kindern und Jugendlichen mit
Diabetes bieten im Internet folgende Seiten:

http://www.fr1da.de/

www.kindunddiabetes.de

www.diabetikerbund.de

www.bund-diabetischer-kinder.de

www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

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