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Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen: Neue Fachbegriffe sollen Unterschiede zeigen und Stigmatisierung vermeiden

Weltweit warnen Experten seit Jahren und rufen
zur Bekämpfung der Epidemie der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung
(NAFLD) und der nicht-alkoholischen Steatohepatitis (NASH) auf. Um diesen
Kampf noch effektiver zu führen, beschlossen im Juni 2023 mehrere
internationale hepatologische Fachgesellschaften, neue Fachbegriffe
einzuführen. Die Ausrichter des 24. Deutschen Lebertages am 20. November
2023, der das Motto: „Kennen Sie Ihre Leberwerte?“ hat, unterstützen mit
dem jährlichen Aktionstag unter anderem die Bekämpfung der NAFLD und
informieren im Vorfeld des bundesweiten Aktionstages über die neuen
Begriffe.

Der Deutsche Lebertag wird von der Gastro-Liga e. V., der Deutschen
Leberhilfe e. V. und der Deutschen Leberstiftung ausgerichtet.

„Im Rahmen des diesjährigen Kongresses der European Association for the
Study of the Liver, kurz EASL, haben mehrere internationale hepatologische
Fachgesellschaften eine präzisere und patientenzentriertere Nomenklatur
für Fettlebererkrankungen beschlossen. Mit den im Juni 2023
veröffentlichten neuen Fachbegriffen werden Bezeichnungen wie
beispielsweise nicht-alkoholische Fettlebererkrankung, die als
stigmatisierend empfunden werden könnten, durch eine neue Terminologie
ersetzt. Darüber hinaus ermöglichen die neuen Fachbegriffe exaktere
Diagnosen, die zudem treffsicherer benannt werden können“, erläutert Prof.
Dr. Peter R. Galle, Direktor der 1. Medizinischen Klinik und Poliklinik
der Universitätsmedizin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und
nennt Beispiele der neuen Fachbegriffe und Diagnosekriterien: „Zukünftig
dient ‚steatotische Lebererkrankung‘ (Steatotic Liver Disease – SLD) als
neuer Klammerbegriff, der alle Fettlebererkrankungen einschließt –
unabhängig von der Ursache. Die bislang als ‚nicht-alkoholische
Fettlebererkrankung‘ (Nonalcoholic Fatty Liver Disease – NAFLD)
bezeichnete Krankheit wird zur ‚Metabolic Dysfunction-associated Steatotic
Liver Disease‘ (MASLD). Also frei übersetzt ‘Metabolische dysfunktions-
assoziierte steatotische Lebererkrankung‘. Die offiziellen deutschen
Begriffe werden aktuell noch festgelegt. Bereits definiert sind die
Diagnosekriterien für MASLD. Eine MASLD liegt vor, wenn bei einem
Patienten mit Steatose der Leber mindestens einer von fünf
kardiometabolischen Risikofaktoren vorliegt. Diese sind (Prä-)Diabetes,
Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Triglyzeride und erhöhtes LDL-
Cholesterin.“

Die aktuellen Zahlen und Prognosen belegen, dass die Bekämpfung der MASLD
massiv verstärkt werden muss: Nach Schätzungen des Global Liver Institute
(GLI) haben 115 Millionen Menschen weltweit eine Fettlebererkrankung. Bis
2030 könnten sogar bis zu 357 Millionen Menschen betroffen sein. In
Deutschland haben schätzungsweise 23 Prozent der Bundesbürger eine
Fettlebererkrankung und vier Prozent sogar eine Metabolic dysfunction-
associated steatohepatitis (MASH) – bislang als NASH bezeichnet. Für
Deutschland wird geschätzt, dass etwa 18 Millionen Menschen von einer
Fettleber betroffen sind. Bei den meisten chronischen Lebererkrankungen
ist das Risiko einer Tumorbildung im Stadium einer Leberzirrhose erhöht:
Es kann sich ein Leberzellkrebs entwickeln (Hepatozelluläres Karzinom,
HCC). Bei der MASH kann Leberzellkrebs jedoch schon auftreten, bevor eine
Zirrhose vorliegt.

Bislang gibt es bei einer MASLD nur eine wirksame Therapie:
Lebensstiländerung durch gesunde Ernährung, Bewegung, Reduktion von
Übergewicht sowie die erfolgreiche Einstellung von Diabetes. Damit können
Betroffene ihrer Fettlebererkrankung in vielen Fällen so erfolgreich
entgegenwirken, dass diese sich ganz oder teilweise zurückbildet.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Erkrankung diagnostiziert
wird: Bereits eine Untersuchung der Leberwerte im Blut (GPT, GOT und gGT)
kann ein bestehendes Lebergesundheitsrisiko aufzeigen. Auch eine
Ultraschalluntersuchung der Leber kann erste Hinweise geben, dass etwas
nicht in Ordnung ist. Die Leber leidet leise und häufig wird nicht
bemerkt, dass ein Gesundheitsrisiko besteht.

Die Umbenennung und Kategorisierung in SLD bietet die Chance, zukünftig
die Aufmerksamkeit für Lebererkrankungen zu erhöhen, die Diagnostik zu
präzisieren und Patienten früher einer entsprechenden Überwachung
zuzuführen. Der neue Begriff MASLD zeigt die enge Vernetzung hepatischer
und metabolischer Faktoren der Erkrankung auf. Zudem verdeutlicht dies die
Notwendigkeit einer interdisziplinären Betreuung durch Hepatologen und
Stoffwechselspezialisten.

Mehr Informationen zum 24. Deutschen Lebertag und alle bislang im Rahmen
des diesjährigen Deutschen Lebertages veröffentlichten Presseinformationen
finden Sie unter: http://www.lebertag.org.

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Erhöhter Blutzuckerspiegel/Diabetes mellitus - Auch an seltene hormonelle Erkrankungen als Ursache denken

Ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerspiegel wird als Zuckerkrankheit,
Hyperglykämie oder Diabetes mellitus bezeichnet. Dahinter steckt in 90
Prozent der Fälle eine Erkrankung an Typ-2-Diabetes. Weitere etwa 5 bis 10
Prozent der Betroffenen leiden an Typ-1-Diabetes, der autoimmun bedingten
Form der Zuckerkrankheit mit Zerstörung der Insulin-produzierenden Zellen.
In selteneren Fällen können jedoch auch andere Ursachen, wie etwa
hormonelle Erkrankungen, der Grund sein: Bleiben Akromegalie, Cushing-
Syndrom oder Phäochromozytom lange unbehandelt, drohen schwere
gesundheitliche Folgen bis zum Tod.

Diabetes mellitus ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen des
Stoffwechsels. Allen gemeinsam ist, dass sie zu erhöhten Blutzuckerwerten
führen. Die häufigste Ursache der Zuckerkrankheit ist eine verminderte
Wirkung von Insulin, eine sogenannte Insulinresistenz. „Dann spricht man
von Typ-2-Diabetes“, sagt Professor Dr. med. Stephan Petersenn von der
ENDOC Praxis für Endokrinologie und Andrologie in Hamburg und
Pressesprecher der DGE. Er entsteht meist bei entsprechender erblicher
Veranlagung in Kombination mit einem ungesunden Lebensstil – zu hoher
Kalorienaufnahme, wenig Bewegung und Übergewicht. Ein Mangel am Hormon
Insulin wiederum liegt bei Typ-1-Diabetes vor.

Auch bei seltenen Hormonstörungen kann der Blutzuckerspiegel erhöht sein
„Eine Hyperglykämie kann jedoch auch bei verschiedenen anderen
Hormonstörungen auftreten“, so der Endokrinologe, „etwa wenn der Körper
unphysiologisch hohe Konzentrationen von Adrenalin, Cortisol, Glukagon
oder Wachstumshormon ausschüttet.“ Die Zuckerkrankheit ist dann Folge
anderer Hormonimbalanzen. „Sie bedarf deshalb auch einer ganz anderen
Therapie“, sagt Petersenn. „Diese Krankheiten sind jedoch selten, sodass
sie leider zunächst oft übersehen werden.“

Hyperglykämie kann ein Symptom für Akromegalie und zu viel Cortisol im
Blut sein
Um so wichtiger sei es, bei erhöhtem Blutzuckerspiegel auf weitere
Symptome zu achten und gegebenenfalls eine zusätzliche Diagnostik
einzuleiten. Sind etwa noch Kopfschmerzen, Herzrasen und Schweißausbrüche,
meist verbunden mit Bluthochdruck, vorhanden, könnten sie ein Hinweis auf
Tumoren des Nebennierenmarks (Phäochromozytom) sein. Zeigen sich neben dem
Diabetes mellitus noch Bluthochdruck, passen Ringe und Schuhe plötzlich
nicht mehr, bilden sich Zahnlücken und treten Gelenks- und
Knochenschmerzen auf, liegt möglicherweise ein Überschuss des
Wachstumshormons vor. Die sogenannte Akromegalie hat ihre Ursache in einem
hormonproduzierenden Tumor der Hirnanhangsdrüse. Sie entwickelt sich oft
schleichend im Erwachsenenalter und kann aber im späteren Verlauf tödliche
Komplikationen entwickeln.
Auch zu viel Cortisol, gleich, ob durch eine Therapie mit Cortison-
Präparaten oder durch eine gesteigerte Cortisol-Ausschüttung bei
verschiedenen Tumoren, führt zu einer Hyperglykämie. Sie ist dann
begleitet von einer Adipositas des Rumpfes, Muskel- und Knochenschwund
sowie Bluthochdruck.

Nicht alle Menschen mit Diabetes mellitus haben Typ-1- oder Typ-2-Diabetes
„Erkrankungen des Hormonsystems sind zwar seltene Ursachen einer
Hyperglykämie – aufgrund ihrer Schwere sollte bei der Abklärung eines
Diabetes mellitus aber auch an sie gedacht werden“, so Petersenn. Das
helfe, diese Erkrankung bereits früher zu diagnostizieren und auch die
begleitende Zuckerstoffwechselstörung an ihrer Wurzel zu packen. „Diabetes
mellitus oder Hyperglykämie sind eben ein Symptom und die Ursache hierfür
muss abgeklärt werden. Lang nicht alle Menschen mit Diabetes mellitus
passen in das Steckbriefraster Typ-1- oder Typ-2-Diabetes“, fasst
Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG aus Tübingen
und Stellvertretender Direktor, Department Innere Medizin, am
Universitätsklinikum Tübingen zusammen.

Zum Weiterlesen:
Definition, Classification and Diagnosis of Diabetes Mellitus. Schleicher
E, Gerdes C, Petersmann A, Müller-Wieland D, Müller UA, Freckmann G,
Heinemann L, Nauck M, Landgraf R. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2022;
130(S 01): S1-S8.

Consensus on diagnosis and management of Cushing’s disease: a guideline
update. Fleseriu M, Auchus R, Bancos I, Ben-Shlomo A, Bertherat J,
Biermasz NR, Boguszewski CL, Bronstein MD, Buchfelder M, Carmichael JD,
Casanueva FF, Castinetti F, Chanson P, Findling J, Gadelha M, Geer EB,
Giustina A, Grossman A, Gurnell M, Ho K, Ioachimescu AG, Kaiser UB,
Karavitaki N, Katznelson L, Kelly DF, Lacroix A, McCormack A, Melmed S,
Molitch M, Mortini P, Newell-Price J, Nieman L, Pereira AM, Petersenn S,
Pivonello R, Raff H, Reincke M, Salvatori R, Scaroni C, Shimon I,
Stratakis CA, Swearingen B, Tabarin A, Takahashi Y, Theodoropoulou M,
Tsagarakis S, Valassi E, Varlamov EV, Vila G, Wass J, Webb SM, Zatelli MC,
Biller BMK. Lancet Diabetes Endocrinol. 2021;9(12):847-875.

A Consensus on the Diagnosis and Treatment of Acromegaly Comorbidities: An
Update. Giustina A, Barkan A, Beckers A, Biermasz N, Biller BMK,
Boguszewski C, Bolanowski M, Bonert V, Bronstein MD, Casanueva FF,
Clemmons D, Colao A, Ferone D, Fleseriu M, Frara S, Gadelha MR, Ghigo E,
Gurnell M, Heaney AP, Ho K, Ioachimescu A, Katznelson L, Kelestimur F,
Kopchick J, Krsek M, Lamberts S, Losa M, Luger A, Maffei P, Marazuela M,
Mazziotti G, Mercado M, Mortini P, Neggers S, Pereira AM, Petersenn S,
Puig-Domingo M, Salvatori R, Shimon I, Strasburger C, Tsagarakis S, van
der Lely AJ, Wass J, Zatelli MC, Melmed S. J Clin Endocrinol Metab.
2020;105(4):dgz096

Pheochromocytoma: current diagnostics and treatment. Quinkler M, Fassnacht
M, Petersenn S, Reisch N, Willenberg HS, Diederich S. MMW Fortschr Med.
2010;152(7):36-38.

Interessenkonflikte:
Professor Dr. med. Stephan Petersenn hat für die Firmen HRA-Pharma, Novo
Nordisk, Pfizer und Recordati an Advisory Boards teilgenommen und/oder
Vorträge bei Workshops gehalten.
Professor Dr. med. Baptist Gallwitz gibt an, dass keine
Interessenkonflikte vorliegen.

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Leitlinie Handekzem: Schweregradeinteilung und Therapie-Stufenschema aktualisiert Ausblick auf Potenziale moderner topischer und systemischer Therapeutika

Handekzeme sind häufige entzündliche Hauterkrankungen, die nicht
nur das individuelle Wohlbefinden der Betroffenen einschränken, sondern
oft auch Auswirkungen auf den Beruf haben. Das Handekzem ist die Nummer 1
unter den Berufskrankheiten. Subtypen erkennen, Schweregrad einstufen, die
richtige Therapie und ursachenbezogene Präventionsmaßnahmen einleiten –
das sind die Themen der S2k-Leitlinie „Diagnostik, Prävention und Therapie
des Handekzems“, die unter der Federführung der Deutschen Dermatologischen
Gesellschaft e. V. (DDG) entstanden ist.

Die Schweregradeinteilung und das Stufenschema zur Therapie stehen
besonders im Fokus der aktualisierten Leitlinie. Neue medikamentöse
Behandlungsansätze mit Biologika und „kleinen Molekülen“ und ihre
vielversprechenden Behandlungsmöglichkeiten werden vorgestellt.

Das Handekzem (HE) gehört zu den häufigsten entzündlichen
Hauterkrankungen. 9,1 % der Gesamtbevölkerung sind betroffen (1-Jahres
Prävalenz). Zu den Auslösern/Ursachen gehören wiederholte Schädigungen der
Hautbarriere durch hautreizende und allergieauslösende Stoffe, die in die
Haut eindringen und ein Ekzem auslösen. Es gibt auch eine genetische
Komponente.

Die Haut an den Händen und Handgelenken ist gerötet, es juckt und
schmerzt. Hautrisse, Schwellungen, Bläschen und Entzündungen mit nässenden
Läsionen, die dann Krusten bilden, beeinträchtigen Beruf und Freizeit.
„Für die Betroffenen sind diese Symptome sehr einschränkend und belastend,
denn die Hände sind unsere wichtigsten Werkzeuge. Daher ist es nicht
überraschend, dass das Handekzem eine der verbreitetsten Berufskrankheiten
ist und es die Statistik der gesetzlichen Unfallversicherung anführt“,
sagt Prof. Dr. med. Andrea Bauer, Oberärztin an der Klinik und Poliklinik
für Dermatologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Zu
den besonders risikoreichen Branchen mit viel „Feuchtarbeit“ gehören
beispielsweise das Gesundheitswesen, das Friseurgewerbe, die
Metallindustrie, Reinigungsbetriebe oder Berufe in der
Nahrungsmittelindustrie und der Gastronomie.

Der Schweregrad des HE reicht von sehr leichter Ausprägung bis zu schweren
chronischen und schmerzhaften Verläufen, die zu langen Krankschreibungen
und Verlust des Arbeitsplatzes führen können. „Das chronische Handekzem
hat eine hohe gesundheitsökonomische und sozialmedizinische Bedeutung“,
erklärt Bauer, Leitlinienkoordinatorin und stellvertretende Vorsitzende
der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie in der DDG.

In der aktualisierten Leitlinie, die sich in die Bereiche Klassifikation,
körperliche Untersuchung und Diagnostik, Expositionsbewertung, Prävention
sowie Therapie gliedert, werden zwei Aspekte besonders akzentuiert. Die
Definition des Schweregrades und der Chronizität (was für die Auswahl der
Therapieoptionen und den Prozess der Anerkennung als Berufskrankheit
relevant ist) und das Stufenschema der Therapie. „Zur Bewertung der
Handekzemschwere bieten sich ergänzend der sogenannte Hand eczema severity
index (HECS)-Score oder der validierte Photographic guide an“, erläutert
Bauer.

Zur Behandlung des Handekzems stehen zahlreiche topische, physikalische
und systemische Therapieoptionen zur Verfügung, die sich am Schweregrad
orientieren. Einen kompakten Überblick gibt eine Abbildung mit den
wichtigsten Therapieempfehlungen. Topische Glukokortikosteroide mit
niedrigem atrophogenem Potential sind Therapie der ersten Wahl beim
leichten HE (Stufe 1) und beim mittelschweren bis schweren HE (Stufe 2).
Empfohlen wird von den Leitlinienautorinnen und -autoren eine einmal
tägliche Behandlung mit Glukokortikoiden. Sie ist ausreichend und
möglicherweise sogar einer zweimal täglichen Anwendung überlegen. Es habe
sich zudem gezeigt, dass die Wirksamkeit einer systemischen Behandlung mit
Alitretinoin durch eine zusätzliche topische Therapie mit Glukokortikoiden
gesteigert wird. Der Wirkstoff Alitretinoin wird seit Jahren erfolgreich
als orale Therapie bei Stufe 2 und Stufe 3 (persistierendes mittelschweres
und schweres Handekzem) eingesetzt.

In der Leitlinie wird zudem ein Ausblick auf zukünftige medikamentöse
Therapieoptionen gegeben. „Die ersten Ergebnisse aus den Phase III Studien
mit Biologika (Anti IL-4/IL-13 Antikörper) in der Indikation atopisches
Hand- und Fußekzem und topischen JAK-Inhibitoren in der Indikation
chronisches Handekzem sind vielversprechend“, betont Bauer. Hier eröffnen
sich neue Behandlungsmöglichkeiten des atopischen und chronischen HE.
Eine Wirksamkeit von Anti-IL-13 Antikörpern beim atopischen Handekzem und
systemische Jak-Inhibitoren beim atopischen und chronischen Handekzem ist
aufgrund der Wirkprinzipien ebenfalls zu erwarten, aber bisher nicht mit
ausreichender Evidenz belegt.

„Wir erhoffen wir uns von der Leitlinie, dass sie hilft, die
Lebensqualität der Patientinnen und Patienten mit Handekzem zu
verbessern“, ergänzt Prof. Dr. med. Silke Hofmann, Chefärztin des Zentrums
für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie, HELIOS
Universitätsklinikum Wuppertal. Für die Beauftragte der DDG-Medienarbeit
ist es zudem denkbar, dass die Krankheitslast insgesamt zurückgeht, da die
Arbeitsfähigkeit von Patientinnen und Patienten mit Handekzem durch eine
leitliniengerechte Therapie gesteigert werden kann und krankheitsbedingte
Fehlzeiten abnehmen.

Die Aktualisierung erfolgte auf Grundlage der europäischen Leitlinie
„Guidelines for diagnosis, prevention and treatment of hand eczema“ aus
dem Jahr 2022. Beteiligt waren neben der DDG, die Arbeitsgemeinschaft für
Berufs- und Umweltdermatologie (ABD) in der DDG, die Deutsche Gesellschaft
für Allergologie und klinische Immunologie e.V. (DGAKI), die Deutsche
Kontaktallergie-Gruppe e. V. (DKG) der DDG, der Berufsverband der
Deutschen Dermatologen (BVDD) und der Ärzteverband Deutscher Allergologen
(AeDA).

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++
Literatur:
Bauer A et al. S2k-Leitlinie Diagnostik, Prävention und Therapie des
Handekzems. https://derma.de/fileadmin/user_upload/Leitlinien/013
-053l_S2k_Diagnostik-Praevention-Therapie-Handekzem_2023-05.pdf

Bauer, A, Worm, M. Neue Leitlinie und neue Therapiemöglichkeiten beim
Handekzem. Dermatologie 74, 425–429 (2023).
https://doi.org/10.1007/s00105-023-05143-4

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Neuer Therapieerfolg bei Alzheimer – dennoch bleibt die Prävention wichtig

Eine gestern in JAMA publizierte Studie zeigt: Donanemab kann die
Progression der Alzheimer-Erkrankung um 35 Prozent verlangsamen. Besonders
gut scheint die Therapie in den sehr frühen Krankheitsstadien zu wirken,
was die Frage nach einfach handhabbaren Alzheimer-Frühtests aufwirft. Doch
auch die neue Therapie ist nicht nebenwirkungsfrei und darüber hinaus
müsse eine gesamtgesellschaftliche Debatte über die Kosten geführt werden.
Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) bleibt die
Prävention eine wichtige Säule im Kampf gegen Alzheimer: 40 Prozent der
Erkrankungsfälle könnten dadurch verhindert werden.

Angesichts des demographischen Wandels ist die Demenz ein wachsendes
Gesundheitsproblem in unserer Gesellschaft. In Deutschland gibt es
jährlich ungefähr 244.000 Neuerkrankungen [1]. Die Demenz-Prävalenz nimmt
mit dem Lebensalter zu: Bis zu 10% der über 65-Jährigen und bis zu 40% der
über 80-Jährigen leiden an einer Demenz [2]. Demenzen sind chronisch-
neurodegenerative Erkrankungen, die zu kognitiven Störungen,
Verhaltensauffälligkeiten und anderen, beispielsweise neuropsychiatrischen
Symptomen, führen. Die Mehrzahl der Betroffenen, etwa 70-80%, hat eine
Alzheimer-Erkrankung (AD), die typischerweise durch spezielle
neuropathologische Merkmale nachweisbar ist. Dies sind eiweißhaltige
Ablagerungen (Proteinaggregate) im Gehirn, sogenannte Alzheimer-Plaques
aus Beta-Amyloid sowie Alzheimer-Fibrillen (Fasern) aus Tau-Protein. Diese
Ablagerungen bilden Angriffspunkte neuer Therapien, sei es mit Antikörpern
oder „small molecules“. Erste Antikörper sind bereits in USA auf dem Markt
und zugelassen. „Die Wirkstoffe sind wirksam, aber bisher hatten wir noch
nicht das Gefühl, dass sie echte ‚Gamechanger‘ im Bereich der
Alzheimertherapie sind. Der Nutzen war oft nicht so hoch wie erhofft und
die Nebenwirkungen mitunter beträchtlich“, erklärt Prof. Dr. Lars
Timmermann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Nun scheint sich das Blatt zu wenden. Gestern erschien eine Phase-III-
Studie zu Donanemab [3], die eine hohe Effizienz dieses Antikörpers
zeigte, der sich gegen Beta-Amyloid richtet. 1.736 Patientinnen und
Patienten im Alter von durchschnittlich 73 Jahren wurden randomisiert und
erhielten über einen Zeitraum von 72 Wochen verblindet alle vier Wochen
intravenös den Antikörper oder ein Placebo. Die Patientinnen und Patienten
waren im Frühstadium der Erkrankung, sie wiesen bei Einschluss in die
Studie nur leichte klinische Alzheimersymptome (milde kognitive
Einschränkungen) auf sowie bildgebend Beta-Amyloid-Ablagerungen und eine
Tau-Pathologie (unterteilt in Gruppen: mild/medium und hoch). Die Amyloid-
Pathologie wurde mittels 18F-Florbetapir13- oder 18F-
Florbetaben14-Positronenemissionstomographie (PET), die Tau-Pathologie
mittels 18F-Flortaucipir-PET erfasst.  Der primäre Endpunkt war der
Unterschied im Ergebnis auf der „integrated Alzheimer Disease Rating
Scale“ (iADRS), eine Skala, die sich besonders für die Erfassung der
Progression in frühen Demenzstadien eignet [4].

Im Ergebnis zeigte sich ein signifikanter Unterschied zwischen den
Gruppen: In der gesamten Studienpopulation hatte der Wert auf der iARDS in
der mit Donanemab behandelten Gruppe in Woche 76 um 10,2 abgenommen, in
der Placebogruppe um 13,1 (p < 0,001). Betrachtete man nur die
Patientinnen und Patienten mit geringer und mittlerer Tau-Pathologie, war
der Unterschied sogar noch etwas höher: Die Abnahme auf der Skala betrug
6,02 in der Verumgruppe und 9,27 unter Placebo. Somit konnte die
Progression der Erkrankung um 35,1% verlangsamt werden.

Auch verschiedene sekundäre Endpunkte bestätigten den Therapievorteil: Die
Amyloid-Plaques verringerten sich (87,0 Centiloide in der Donanemab-Gruppe
gegenüber 0,67 in der Placebogruppe). Betrachtete man nur die Patientinnen
und Patienten mit zum Studieneinschluss geringer und mittlerer Tau-
Pathologie, zeigte sich unter der Antikörper-Therapie ein deutlicher
Rückgang der Amyloid-Plaques, während diese in der Placebogruppe zunahmen.
Auf die Tau-Pathologie hatte die Therapie keinen Einfluss.

„Wir haben nun den Nachweis, dass die Amyloid-Plaques ein ‚driver‘ der
Erkrankung und damit ein klinisch effektives Therapietarget sind und nicht
nur ein ‚Begleitprodukt‘ der Alzheimer-Pathogenese. Die klinische
Befundung der Patientinnen und Patienten und die Biomarkerbefunde stimmen
überein“, erklärt Prof. Lars Timmermann. „Eine weitere wichtige Erkenntnis
ist, dass insbesondere Betroffene in frühen Erkrankungsstadien von der
Therapie profitieren.“ Wie der Experte weiter ausführt, mache das
deutlich, wie wichtig Biomarker für das frühe Erkennen der Erkrankung
seien. „Es ist nun wichtig, dass wir zeitnah einen Frühtest, vorzugsweise
einen einfachen Bluttest, auf Alzheimer bekommen.“ Erste Tests sind
bereits für die Anwendung in klinischen Studien zugelassen, ein Test wurde
von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität in Bochum
entwickelt: Er erkennt erste Fehlfaltungen den Beta-Amyloid bereits, bevor
es zu den krankheitsauslösenden Ablagerungen kommt und hat somit
prognostischen Wert, wie eine kleinere Studie zeigte [5]. Derzeit befindet
sich der Test in der Evaluierung anhand von größeren Kohorten. „Wenn wir
einen validen Frühtest haben, der sich auch für Massen-Screenings eignet,
und eine Therapie, die in den Frühstadien hocheffektiv ist, kann das die
Alzheimer-Therapie revolutionieren“, freut sich der DGN-Präsident.
Allerdings gibt er zu bedenken, dass auch andere Ursachen als Amyloid-
Ablagerungen zur Krankheitsprogression beitragen können. „Die Alzheimer-
Krankheit ist mit dieser Therapie noch nicht heilbar.“

Darüber hinaus gibt es auch noch Herausforderungen zu lösen: So ist die
Therapie nicht nebenwirkungsfrei. In der Behandlungsgruppe traten drei
Todesfälle auf, die im Zusammenhang mit der Therapie stehen (vs. einem
Todesfall in der Placebogruppe). Auffällig häufiger ließen sich bildgebend
kleine Hirnblutungen (sog. zerebrale Mikrohämorrhagien) nachweisen - mit
26,8 Prozent in der Verumgruppe und 12,5 Prozent in der Placebogruppe.

„Eine weitere Limitation im klinischen Alltag werden die hohen
Therapiekosten sein“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. Peter Berlit.
„Angesichts der hohen und aufgrund des demographischen Wandels noch weiter
ansteigenden Prävalenz stellt sich die Frage, wie und ob unser
Gesundheitssystem einen flächendeckenden Einsatz finanzieren kann und
will. Dazu brauchen wir einen gesamtgesellschaftlichen Diskurs auf
wissenschaftlicher Basis, den unsere Fachgesellschaft gern begleitet.“

Wie der Experte betont, dürfe die Aussicht auf eine erfolgreiche Therapie
auf keinen Fall das Bemühen um die Prävention behindern. Etwa 40 % aller
Demenzerkrankungen könnten vermieden oder ihr Fortschreiten verlangsamt
werden, wenn die entsprechenden Lebensstilfaktoren angegangen würden. Dazu
gehören vor allem eine ausgewogene, bevorzugt mediterrane Ernährung, die
Vermeidung von Übergewicht, die Gesunderhaltung der Darmflora, regelmäßige
geistige, körperliche und soziale Aktivität, Erhalt bzw. Korrektur des
Hörvermögens durch ein Hörgerät, ein erholsamer Schlaf, die Vermeidung von
übermäßigem Stress, ein Blutdruck im Normalbereich und der maßvolle Umgang
mit organ- und hirnschädigenden Substanzen wie Alkohol und Nikotin. „Die
DGN versucht gemeinsam mit der Deutschen Hirnstiftung, diese wichtige
Präventionsbotschaft in der Bevölkerung verankern. Am kommenden Samstag
ist ‚Brain Health Day‘ [6], und mit weltweiten Aktionen soll die
Gehirngesundheit stärker in den Mittelpunkt gerückt werden.“

Literatur
[1] Deuschl G, Maier W et al. S3-Leitlinie Demenzen. 2016. In: Deutsche
Gesellschaft für Neurologie, Hrsg. Leitlinien für Diagnostik und Therapie
in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am
18.07.2023)
[2] Hacke, Werner (Hrsg.) Neurologie. Springer-Verlag 2016. S. 648 ff.
[3] Sims JR, Zimmer JA, Evans CD, Lu M, Ardayfio P, Sparks J, Wessels AM,
Shcherbinin S, Wang H, Monkul Nery ES, Collins EC, Solomon P, Salloway S,
Apostolova LG, Hansson O, Ritchie C, Brooks DA, Mintun M, Skovronsky DM;
TRAILBLAZER-ALZ 2 Investigators. Donanemab in Early Symptomatic Alzheimer
Disease: The TRAILBLAZER-ALZ 2 Randomized Clinical Trial. JAMA. 2023 Jul
17. doi: 10.1001/jama.2023.13239. Epub ahead of print. PMID: 37459141.
[4] Wessels AM, Andersen SW, Dowsett SA, Siemers ER. The Integrated
Alzheimer's Disease Rating Scale (iADRS) Findings from the EXPEDITION3
Trial. J Prev Alzheimers Dis. 2018;5(2):134-136. doi:
10.14283/jpad.2018.10. PMID: 29616706.
[5] Stockmann J, Verberk IMW, Timmesfeld N, Denz R, Budde B, Lange-
Leifhelm J, Scheltens P, van der Flier WM, Nabers A, Teunissen CE, Gerwert
K. Amyloid-β misfolding as a plasma biomarker indicates risk for future
clinical Alzheimer's disease in individuals with subjective cognitive
decline. Alzheimers Res Ther. 2020 Dec 24;12(1):169. doi:
10.1186/s13195-020-00738-8. Erratum in: Alzheimers Res Ther. 2021 Jan
15;13(1):25. PMID: 33357241; PMCID: PMC7761044.
[6] https://hirnstiftung.org/2023/07/world-brain-day-2023-praevention-ist-
das-a-o-des-brain-health-konzepts/


Pressekontakt
Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o Dr. Bettina Albers, albersconcept, Jakobstraße 38, 99423 Weimar
Tel.: +49 (0)36 43 77 64 23
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Peter Berlit
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als wissenschaftliche Fachgesellschaft in der
gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren über 11.500 Mitgliedern die
neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern und zu
verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre,
Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der
gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden
gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

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