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Spezialisierte Versorgung am Sarkomzentrum Dresden kommt zunehmend mehr Betroffenen zugute

Interdisziplinäres Zentrum zieht ein Jahr nach Zertifizierung durch die
Deutsche Krebsgesellschaft Bilanz

Die Zahl der Patientinnen und Patienten, die von der Expertise des
„Sarkomzentrums Dresden“ am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen
Dresden (NCT/UCC) profitieren, wächst. Erstmals konnte 2022 – im ersten
vollständigen Jahr seit der Zertifizierung durch die Deutsche
Krebsgesellschaft (DKG) – bei mehr als einhundert Sarkompatientinnen und
-patienten eine operative Tumorentfernung vorgenommen werden.

Das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen Dresden (NCT/UCC) ist eine
gemeinsame Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden, der Medizinischen
Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden und des Helmholtz-Zentrums
Dresden-Rossendorf (HZDR).

Insgesamt behandelten Spezialistinnen und Spezialisten des
Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden im einzigen DKG-
zertifizierten Sarkomzentrum in Mitteldeutschland im vergangenen Jahr 170
Patientinnen und Patienten. Eine auf Sarkome spezialisierte
fächerübergreifende Tumorkonferenz sprach 1.355 Therapieempfehlungen aus –
gut zweieinhalbmal so viele wie vor sechs Jahren.

Sarkome sind bösartige Bindegewebs- und Knochentumoren, die überall im
Körper auftreten können. Wegen ihrer Seltenheit und der großen Zahl
möglicher Unterformen lassen sie sich nur durch eine hochspezialisierte
Diagnostik und Therapie erfolgreich behandeln. Deutschlandweit gibt es 13
Sarkomzentren für Knochen- und Weichteilsarkome, die nach den
Qualitätsanforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) als
Organkrebszentrum zertifiziert sind. Seit 2021 zählt auch das Dresdner
Sarkomzentrum als einziges Zentrum in Mitteldeutschland dazu. „Wir freuen
uns, dass die Zahl der Patientinnen und Patienten, die von der
hochspezialisierten Versorgung an unserem Zentrum profitieren, seit dessen
Gründung 2016 fortlaufend wächst. Durch die Zertifizierung können
Betroffene sicher sein, dass sie in jeder Phase ihrer Erkrankung von
erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten nach aktuellen therapeutischen
Standards behandelt werden“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer
Vorstand des Universitätsklinikums Dresden.

Die Behandlung eines Sarkoms erfolgt meist fächerübergreifend, wobei die
Chirurgie eine der zentralen Säulen der Therapie ist. „Nur, wenn ein
Sarkom operativ entfernt werden kann, ist eine Heilung möglich. Wir sind
deshalb sehr froh, dass wir im vergangenen Jahr erstmals bei mehr als
einhundert Patientinnen und Patienten an unserem Zentrum eine
Tumorresektion durchführen konnten“, sagt Ko-Zentrumsleiter Prof. Jürgen
Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des
Uniklinikums Dresden und Mitglied im Geschäftsführenden Direktorium des
NCT/UCC.

Eine wichtige Voraussetzung für einen auf Heilung abzielenden
chirurgischen Eingriff ist, dass der Tumor lokal begrenzt ist oder sich
nur wenige Metastasen herausgebildet haben. Sarkome stellen hierbei für
Chirurginnen und Chirurgen eine besondere Herausforderung dar. Denn die
Tumoren sind in vielen Fällen bereits sehr groß, wenn sie entdeckt werden,
und wachsen häufig in den Extremitäten, aber auch in schwer zu
operierenden Bereichen – etwa im sogenannten Retroperitoneum in der Nähe
der Nieren, im Becken, an der Wirbelsäule, an der Hauptschlagader oder an
wichtigen Nervensträngen. Bei diesen hochkomplexen Eingriffen arbeiten die
Operateurinnen und Operateure des Universitätsklinikums Dresden häufig in
interdisziplinären Teams und können auf modernste Methoden, wie robotische
Verfahren, MRT-Bildgebungen während der Operation und Navigationssysteme,
zurückgreifen. „Bei schwierigen Sarkom-Eingriffen operieren oftmals
Spezialisten aus der Bauchraum-, Thorax- und Gefäßchirurgie gemeinsam mit
Expertinnen und Experten aus der Tumororthopädie und der plastischen
Chirurgie. Bei einem Sarkom an der Wirbelsäule bahnen beispielsweise
Viszeralchirurgen den Weg durch den Bauchraum bis zur Wirbelsäule und
Tumororthopäden kümmern sich um den Ersatz eines Wirbelkörpers. Wenn
hierbei eine große Wunde entsteht, können plastische Chirurgen Gewebe aus
einer anderen Körperregion zur Deckung der Wunde verpflanzen. Wir zählen
deutschlandweit zu den ganz wenigen Zentren, die mehrere Wirbelköper auf
einmal entfernen und bei diesem Eingriff auch große Gefäße ersetzen
können“, erklärt Prof. Klaus-Dieter Schaser, Ko-Zentrumsleiter und
Ärztlicher Direktor des UniversitätsCentrums für Orthopädie und
Unfallchirurgie des Dresdner Uniklinikums.

Frühe Vorstellung an spezialisiertem Zentrum wichtig

Neben der operativen Behandlung erfolgt je nach Subtyp und Verlauf der
Sarkom-Erkrankung vielfach eine Strahlentherapie oder eine medikamentöse
Behandlung. Hierfür steht das gesamte Spektrum der Strahlentherapie
einschließlich der Protonentherapie zur Verfügung. Bei den medikamentösen
Behandlungen können die Krebsmedizinerinnen und -mediziner des
Universitätsklinikums neben der klassischen Chemotherapie auch auf neue
Verfahren, wie die Immuntherapie oder molekular wirksame Medikamente
zurückgreifen. Weitere hochspezialisierte Methoden, wie die durch moderne
Bildgebungsverfahren gesteuerte Erhitzung oder die Vereisung von
Tumorgewebe, gehören ebenfalls zum Therapiespektrum. Die Basis für die
bestmögliche Therapie liefert modernste Diagnostik – wie die Kombination
aus Positronen-Emissions-Therapie und Computertomografie beziehungsweise
Magnetresonanztomographie (PET/CT, PET/MRT) sowie innovative Methoden der
Erbgut-Analyse. „Um Sarkompatientinnen und -patienten optimal behandeln zu
können, sollten sie bereits im Verdachtsfalls umgehend an ein
spezialisiertes Zentrum überwiesen werden. So lässt sich von Anfang an
eine Diagnose und Therapie auf dem neuesten Stand der Wissenschaft
sicherstellen“, betont Prof. Weitz.

Tumorboards geben für jede Patientin und jeden Patienten
fächerübergreifende Behandlungsempfehlung

Gemäß den Anforderungen der Deutschen Krebshilfe arbeiten im Sarkomzentrum
Dresden ambulante und stationäre Einrichtungen sowie verschiedene
Fachrichtungen eng zusammen. So treffen Ärztinnen und Ärzte ihre
Therapieentscheidungen nicht allein. Stattdessen kommen in
fächerübergreifenden Tumorkonferenzen Fachärztinnen und -ärzte aller
beteiligten Disziplinen zusammen, besprechen jeden einzelnen Patienten und
entwickeln gemeinsam eine individuelle Behandlungsstrategie. 2022 wurden
mehr als 700 Patientenfälle im Tumorboard diskutiert – oftmals auch im
Rahmen einer Zweitmeinung oder einer Verdachtsdiagnose – und 1.355
Therapieempfehlungen ausgesprochen. „Damit ist die Zahl der
Therapieempfehlungen gut zweieinhalbmal so hoch wie noch 2017. Dies zeigt
die hohe Nachfrage nach der am Zentrum vorhandenen Expertise. Wir freuen
uns, dass immer mehr Menschen in der Region davon profitieren. Zunehmend
kommen auch Patientinnen und Patienten aus anderen Teilen Deutschlands und
aus dem Ausland an unser Zentrum“, sagt Prof. Schaser. Im Rahmen der
Zertifizierung weisen die Organkrebszentren zahlreiche Kennzahlen nach,
etwa zu Fall- und OP-Zahlen, Studienquoten oder psycho-onkologischen
Betreuungsraten. Auch die Operateurinnen und Operateure müssen eine
Mindestanzahl von Sarkom-Operationen pro Jahr und damit eine entsprechende
technische Expertise nachweisen. Anschließend müssen die Zentren jedes
Jahr belegen, dass sie die hohen fachlichen Anforderungen weiterhin
erfüllen und über ein breites Qualitätsmanagement verfügen.

Zu den im Sarkomzentrum am NCT/UCC vertretenen Disziplinen zählen
Orthopädie, Unfall- und Plastische Chirurgie, Viszeral-, Thorax- und
Gefäßchirurgie, Radioonkologie und Strahlen- beziehungsweise
Protonentherapie, Medizinische Onkologie, Pädiatrische Onkologie,
Kinderchirurgie, Pathologie, Genetik, Radiologie, Nuklearmedizin sowie
Palliativmedizin. Auch spezialisierte Expertinnen und Experten der
Psychoonkologie, der Schmerztherapie, des Sozialdienstes, der
onkologischen Pflege oder der physiotherapeutischen Rehabilitation sind
integraler Bestandteil des Teams.

Hohe Studienquote von 50 Prozent – Betroffene profitieren von innovativen
Therapien

Die Hälfte der am Sarkomzentrum Dresden behandelten Patientinnen und
Patienten ist in Studien eingeschlossen und erhält so frühzeitig Zugang zu
innovativen Therapien. Dresdner Expertinnen und Experten treiben zudem
wichtige Studien mit voran. So ist das Sarkomzentrum Dresden
beispielsweise Teil eines bundesweiten Konsortiums namens HEROES-AYA, das
speziell für Jugendliche und junge Erwachsene mit einer Sarkom-Erkrankung
untersucht, wie sich Therapieresistenzen herausbilden – ein wichtiger
Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer, zielgerichteter Therapien.

Dresdner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler koordinieren zudem eine
deutschlandweite Studie („PROSa“), die die Lebensqualität und die
Versorgungssituation von Sarkompatientinnen und -patienten anhand von
Fragenbögen untersucht. Über 1.000 Betroffene aus 37 Kliniken und Praxen
sowie einem Netzwerk von zuweisenden Einrichtungen haben sich beteiligt,
die Ergebnisse werden aktuell ausgewertet. Erhebungen zur Lebensqualität
von Betroffenen und Behandlungsdaten der am Sarkomzentrum Dresden
behandelten Patientinnen und Patienten werden zudem – nach vorheriger
Einwilligung – in einem standorteigenen Sarkomregister erfasst und stehen
für künftige Forschungsfragen zur Verfügung.

Sarkompatientinnen und -patienten können sich direkt oder über ihre Ärztin
bzw. ihren Arzt anmelden

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenhäuser können sich für
Patientinnen und Patienten, bei denen ein Sarkom oder unklare Befunde mit
Verdacht auf ein Sarkom festgestellt wurden, direkt an das Sarkomzentrum
Dresden am NCT/UCC wenden. Betroffene Patientinnen und Patienten haben
zudem die Möglichkeit, sich selbst im Sarkomzentrum Dresden vorzustellen
und erhalten ohne zeitliche Verzögerung eine adäquate Diagnostik und
Therapie.

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Was der Adipositaschirurg über die Psyche des Patienten wissen muss

Studierende und Professorinnen der SRH Hochschule für Gesundheit
publizieren gemeinsam einen Fachartikel in der Zeitschrift "Allgemein- und
Viszeralchirurgie up2date".

„Die Lehre an unserer Gesundheitshochschule ist konsequent
praxisorientiert ausgerichtet, das heißt, wir vermitteln den Studierenden
nach dem innovativen CORE-Prinzip der SRH nicht nur Fachwissen, sondern
auch Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenzen, die sie in ihrer
beruflichen Tätigkeit direkt anwenden können. Dabei spielt auch die
Fähigkeit zum wissenschaftlichen Arbeiten eine bedeutende Rolle, weshalb
wir unsere Studierenden bereits frühzeitig in Forschungsprojekte
einbinden“, berichtet Prof. Dr. Sylvia Sänger, akademische
Studiengangsleiterin im Bachelor-Studiengang Medizinpädagogik und im
Master-Studiengang Medizin- und Gesundheitspädagogik am Campus Gera der
SRH Hochschule für Gesundheit.

Im Rahmen des Studienmoduls „Gesundheits- und Therapiewissenschaft:
Interdisziplinäres Projekt“ haben Studierende des Master-Studiengangs
Medizin- und Gesundheitspädagogik gemeinsam mit der Modulverantwortlichen
Prof. Dr. Sylvia Sänger sowie Prof. Dr. habil. Claudia Luck-Sikorski,
Präsidentin der SRH Hochschule für Gesundheit, Prof. Dr. Katharina Wick,
Departmentleiterin Psychologie, und Prof. Dr. med. habil. Christine Stroh,
Chefärztin der Klinik für Adipositas und Metabolische Chirurgie am SRH
Wald-Klinikum Gera, einen Beitrag zur Adipositaschirurgie erarbeitet. Der
Artikel „Was der Adipositaschirurg über die Psyche des Patienten wissen
muss“ wurde nun in der Zeitschrift "Allgemein- und Viszeralchirurgie
up2date" (Thieme Verlag) publiziert.

In dem Beitrag, der beispielhaft für die interdisziplinäre Zusammenarbeit
an der SRH Hochschule für Gesundheit steht, werden die psychischen Aspekte
in den Fokus genommen, die die behandelnden Ärzt:innen bei einer
adipositaschirurgischen Maßnahme bei den Patient:innen berücksichtigen
sollten. Darüber hinaus soll mit dem Beitrag die Implementierung der
S3-Leitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“
unterstützt werden, um Ärzt:innen und Fachkräften in Gesundheitsberufen
eine Hilfestellung bei der Entscheidungsfindung zu bieten und so eine
angemessene Versorgung von Patient:innen zu gewährleisten.

Demnach ist der Erfolg einer chirurgischen Adipositasbehandlung wesentlich
von der Beteiligung der Patient:innen abhängig, wobei Informationen allein
nicht ausreichen, um bei den Patient:innen eine Verhaltensänderung zu
bewirken. Vielmehr folgt das Gesundheitsverhalten bestimmten Mustern, die
Chirurg:innen kennen und berücksichtigen sollten. Der Artikel gibt einen
Einblick in diese Muster und in den Prozess der gemeinsamen
Entscheidungsfindung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.srh-gesundheitshochschule.de/unsere-hochschule/hochschulteam
/sylvia-saenger/


Originalpublikation:
https://www.thieme-
connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-1968-7993

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Würzburger Universitäts-HNO-Klinik: Neues Mediennetzwerk ermöglicht OP- Live-Übertragungen auf Spitzenniveau

In 3D und mit 4K: Nach umfangreichen Entwicklungs- und
Installationsarbeiten verfügt die HNO-Klinik des Uniklinikums Würzburg
jetzt über ein neues Mediennetzwerk, mit dem Operationen zu
Schulungszwecken nach höchsten Standards übertragen werden können –
innerhalb der Klinik und weltweit. Seine erfolgreiche Feuertaufe erlebte
das System beim diesjährigen Mikrochirurgischen Mittelohr-Kurs.

Die Video-Übertragung vom Operationssaal in den Hörsaal hat an der HNO-
Klinik des Uniklinikums Würzburg (UKW) eine lange Tradition: Mit
Unterstützung der Dr.-Herbert-Brause-Stiftung Würzburg können schon seit
dem Jahr 2006 Studierende und Kursteilnehmende in dreidimensionalen Live-
Bildern am OP-Geschehen teilnehmen und mit dem Operateur kommunizieren.
Was zunächst nur vor Ort möglich war, wurde zu Beginn der Corona-Pandemie
im Jahr 2020 durch ein aufwändiges Live-Broadcast- und -Streaming-System
zu einem Online-Angebot erweitert.

Konzept für neues Audio-Video-Netzwerk erarbeitet

„Parallel zu dieser letzten Entwicklung fassten wir den Plan, das gesamte
System technologisch auf den heute bestmöglichen Stand zu heben, der zudem
Raum für zukünftige Weiterentwicklungen gibt“, schildert Klinikdirektor
Prof. Dr. Rudolf Hagen. Deshalb gründete er im Jahr 2020 ein Team zur
Modernisierung der Anlage. Die Projektleitung übernahmen der
stellvertretende Klinikdirektor Prof. Dr. Kristen Rak und der Oberarzt Dr.
Johannes Völker. Das in der Folge erarbeitete Konzept für ein neues Audio-
Video-Netzwerk wurde von der Dr.-Herbert-Brause-Stiftung erneut gefördert,
diesmal mit 130.000 Euro.
„Unsere Ziele dabei waren vielfältig“, beschreibt Dr. Völker und fährt
fort: „Während bisher nur Bilder von einzelnen wenigen OP-Mikroskopen
übertragen werden konnten, sollte das neue Netzwerk alle fünf regulären
sowie den experimentellen OP-Saal der HNO-Klinik, deren Felsenbein-Labor
und Konferenzräume, das klinikeigene Videolabor und das Direktorat
einbinden – und zwar bidirektional.“ Außerdem sollte die Bildauflösung auf
4K erhöht werden. Die damit mögliche detail- und kontrastreiche sowie
besonders dynamische Darstellung ist zum Beispiel von modernen
Heimkinoanlagen bekannt.

25 km Glasfaserleitungen als Infrastruktur-Voraussetzung

Eine zentrale Voraussetzung für die Neukonzeption war die Installation
eines Mehrfaser-Glasfaser-Netzwerks – 25 Kilometer der leistungsfähigen
Datenleitungen wurden in den letzten Monaten in der HNO-Klinik an der
Josef-Schneider-Straße verlegt und mit bislang 150 Endgeräten an 20
Endpunkten verbunden. Zu diesen zählen zwei spezielle Projektoren, die für
eine brillante 4K/3D-Projektion im Hörsaal angebracht und hochpräzise
ausgerichtet wurden.
„Unser Wunsch war es ferner, in die 3D-Projektion auch zweidimensionale
Bilder – wie Audiogramme, Grafiken oder Röntgenbilder – einklinken zu
können“, berichtet Prof. Hagen.
Allerdings bot der Markt hierfür keine fertigen Lösungen, so dass die HNO-
Klinik in der Konzeptionierungsphase eigene Experimente durchführen
musste. „Glücklicherweise standen uns bei der technologischen Entwicklung
und Umsetzung neben unseren hauseigenen Technikern die Expertinnen und
Experten des Servicezentrums Medizin-Informatik des UKW sowie der
Rottendorfer Firma Soulution zur Seite“, betont der Klinikdirektor.

Erfolgreicher Praxistest beim diesjährigen Mikrochirurgischen Mittelohr-
Kurs

Die Modernisierung des Mediensystems war rechtzeitig abgeschlossen, um
beim 35. Mikrochirurgischen Mittelohr-Kurs vom 13. bis 15. Februar 2023
seine erfolgreiche Feuertaufe zu durchlaufen.
So hatten im Hörsaal die mit Polarisationsbrillen ausgestatteten, rund 56
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 12 Ländern zum Beispiel pixelgenau die
gleiche dreidimensionale Sicht auf das Operationsfeld, wie es sich dem
Operateur mit dem digitalen Operationsmikroskop Arriscope bietet.
Und das in riesenhafter Vergrößerung: Mittelohrstrukturen, die in der
Realität nur wenige Millimeter groß sind, füllten im Hörsaal eine
Projektionsfläche mit einer Diagonalen von sieben Metern.
„Das Auditorium wie auch unsere externen Referenten waren schlichtweg
begeistert“, freut sich Prof. Hagen.
Neben den Zuschauerinnen und Zuschauern vor Ort nutzen 42 Personen aus elf
Nationen die Möglichkeit zur Online-Teilnahme über das interaktive
Broadcast-System. „Im Moment sehen diese die Bildinhalte auf ihren
heimischen Computerbildschirmen noch in 2D, aber es zeichnet sich ab, dass
zukünftig auch dort eine dreidimensionale Wiedergabe technisch möglich
sein wird“, kündigt Prof. Hagen an. Er resümiert: „Mit dem Mediennetzwerk
haben wir die Voraussetzungen für hochwertige Fachfortbildungen ohne
Reiseaufwendungen sowie eine moderne Online-Lehre geschaffen, die auch
kommende Technologien flexibel integrieren kann.“

Operationstraining jetzt auch online möglich

Zu den seit über drei Jahrzehnten von der HNO-Klinik des UKW
veranstalteten Mikrochirurgischen Mittelohr-Kursen gehören neben Live-OPs
und Vorträgen traditionsgemäß auch Trainingssitzungen im Felsenbein-Labor.
Das Felsenbein ist der Teil des Schädels, der das Mittel- und Innenohr
enthält.
Im Labor der HNO-Klinik konnten auch in diesem Jahr wieder 24
Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer an Präparaten dieses Knochenabschnitts
diverse mikrochirurgische Techniken mit Originalgeräten selbst erproben.
Als Innovation wurde dieses Angebot heuer erstmals auch als Fernkurs
angeboten. Dazu sandte die Klinik zehn interessierten Ärztinnen und Ärzten
aus aller Welt vorab ein Set von Übungsmaterialien zu. Dazu gehörten ein
in allen Details naturgetreu nachgebildetes Felsenbein aus Kunststoff, die
für die Operationen notwendigen Spezialinstrumente sowie eine Endoskop-
Kamera.
Jedem Teilnehmenden stand ein Teammitglied der HNO-Klinik als Betreuer
online zur Seite. Diese konnten über eine Internetverbindung die Aufnahmen
der Endoskop-Kamera beim jeweiligen „Schüler“ in Echtzeit sehen und dessen
Vorgehen anleiten.
„Der Piloteinsatz des wegweisenden Fortbildungsformats hat hervorragend
funktioniert. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Lösung die
internationale Nachfrage nach unserem Kursangebot in Zukunft noch deutlich
erhöhen wird“, kommentiert Prof. Hagen.

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„Wer hat Angst vorm runden Tisch?“

Keine Krankenhausreform ohne die Experten für ambulante Operationen – die Praxiskliniken

Die gute Nachricht: Unter Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach nimmt das überfällige Projekt Krankenhausreform endlich Fahrt auf. Die schlechte Nachricht: Noch immer vergisst die Politik für das Projekt die Expertise der ambulanten Spezialisten, die Praxiskliniken, ins Boot zu holen. Eine kritische Nachlese zum Krankenhausgipfel 2023.

Der Krankenhausgipfel 2023 am 13. März in Berlin war einmal mehr großes, nur leider absolut vorhersehbares Theater. Die Themen: Länderkompetenzgerangel, parteipolitische Spiele, Strategiedebatten an den eigentlichen Problemen vorbei. In einer der Hauptrollen des Stücks war Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu bewundern, der gerne die richtigen Dinge ändern würde (mehr Ambulantisierung, Sektorenkopplung, Abkehr vom System der Fallpauschalen). Zu dumm nur, dass ausgerechnet die dafür notwendigen Experten, die Praxiskliniken, nicht zum Gipfel eingeladen worden waren. Kein Wunder: Lauterbachs Gegenspieler auf der Bühne war einmal mehr Dr. Gerald Gaß, Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft DKG, der auf dem Krankenhausgipfel genau das tat, was die Krankenhäuser in Krisensituationen seit Jahrzehnten stets tun: Mehr Geld fordern, statt die dringend notwendigen Strukturveränderungen zum Wohle der Patienten endlich anzupacken.

Mythos Unterfinanzierung

Dank der hartnäckigen Lobbyarbeit der DKG hält sich in Deutschland noch immer der Mythos, dass Krankenhäuser hierzulande unzureichend finanziert oder gar kaputtgespart werden. Die Wahrheit ist jedoch, dass Krankenhäuser seit Jahren an Verwaltungs- und OP-Strukturen festhalten, die schon lange nicht mehr den medizinischen Standards entsprechen. „Würde man Krankenhäuser mit der Kommunikationsbranche vergleichen, verhält es sich so, dass alle Welt längst mit E-Mails und Messengern arbeitet, während die Krankenhäuser darüber jammern, dass sie mehr Geld brauchen, weil die Wartung ihrer Faxgeräte so teuer sei.“, so Stefan Elmshäuser, Geschäftsführer der Deutschen Praxisklinikgesellschaft PKG. „Seit Jahren zeigen Praxiskliniken, welch ungeheures Potenzial im ambulanten Operieren steckt. Wir können heute im Gegensatz zu vor 20 oder 30 Jahren eine Vielzahl an Operationen ambulant, statt stationär durchführen und das Operieren so organisieren, dass Patienten, Pflegekräfte und sogar das Gesundheitsbudget davon profitieren.“

 Wer hat Angst vorm runden Tisch?

Daher sei es zwar schön, dass Herr Dr. Gaß auf dem Krankenhausgipfel 2023 anmerkte, dass die Krankenhäuser die Möglichkeit bekommen müssten, ihre ambulanten Potentiale ausspielen zu können. Nur warum waren ausgerechnet diejenigen, die wissen, wie ambulantes Operieren funktioniert, die Praxiskliniken, weil sie es seit mehr als 20 Jahren tagein tagaus machen und weiterentwickeln, nicht zum Krankenhausgipfel eingeladen? „Seit Monaten fordern wir einen runden Tisch mit allen Beteiligten, um zu zeigen, wie sich das Miteinander von Praxiskliniken und Krankenhäusern, von ambulantem und stationärem Sektor so organisieren lässt, dass wir viele der aktuellen Probleme im OP-Wesen ursächlich lösen und nicht wieder nur Symptombekämpfung betreiben.“, erklärt Dr. Rüdiger Söder, Präsident der Deutschen Praxisklinikgesellschaft PKG. „Wir müssen endlich – wie es zahlreiche Länder bereits vorgemacht haben – das starre Denken in Sektoren aufbrechen, um die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten nachhaltig zu verbessern.“

Unbequeme Wahrheiten

Dazu gehöre auch, sich endlich nicht mehr vor unbequemen Wahrheiten zu verstecken. Warum können Praxiskliniken in vielen Bereichen dieselbe OP-Leistung wie Krankenhäuer schneller und kosteneffizienter durchführen? Warum schaffen es Praxiskliniken, einen für die Pflegekräfte zumutbaren und Patienten angenehmen Personalschlüssel einzurichten?  Warum erreichen Praxiskliniken regelmäßig eine Patientenzufriedenheit von über 95 Prozent? Wie schaffen es Praxiskliniken seit Jahren erfolgreich gegen Krankenhauskeime vorzugehen? „Wir brauchen Krankenhäuser. Heute und in Zukunft. Das steht außer Frage. Aber wir brauchen anders organsierte und anders strukturierte Krankenhäuser.“, führt Elmshäuser aus. „Und vor allem brauchen wir auch im Gesundheitswesen endlich belastbare Netzwerke aller relevanten Player und kein Gegeneinander mehr. Wir müssen ambulante und kurzstationär agierende Praxiskliniken und Krankenhäuser richtig vernetzen, damit alle Beteiligten sich auf ihre Stärken konzentrieren können. Dafür müssen wir nicht mehr Geld ausgeben, sondern das Geld an den richtigen Stellen einsetzen.“ Ein reiner Krankenhausgipfel ohne Beteiligung der Praxiskliniken, wie er nun wieder stattgefunden habe, sei aus der Zeit gefallen und werde auch keine nachhaltigen Erfolge bringen. „Unsere Einladung zu einem echten Gipfeltreffen steht. Wir sind bereit.“, so Söder und Elmshäuser.

Wir schließen uns als Praxisklinikgesellschaft e.V. vollumfänglich den Ausführungen des SPIFA e.V. und des Virchow-Bundes an!

Die Deutsche Praxisklinikgesellschaft e.V.

Die Praxisklinikgesellschaft setzt sich seit Jahren dafür ein, das deutsche Gesundheitssystem nachhaltig zu modernisieren. Eines der wichtigsten Ziele ist der Aufbau einer verbindlich geregelten sektorenübergreifenden Patientenversorgung, die Planungssicherheit für Patienten und Gesundheitseinrichtungen schafft. Gleiche Rechte und Pflichten, gleiche und hohe Qualitätsanforderungen und ein gemeinsames Vergütungssystem sind die hierzu nötigen Schritte.

Dr. Rüdiger Söder
Dipl. Kfm. Stefan Elmshäuser

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