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Rudolf Buchbinder am Piano

Klavierfestival «Le piano symphonique» – Rezital Rudolf Buchbinder, 7.2. 2023, KKL Luzern besucht von Léonard Wüst

Rudolf Buchbinder am Piano
Rudolf Buchbinder am Piano

Besetzung und Programm:
Rudolf Buchbinder Piano
Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)
Zwölf Variationen in C über das französische Lied «Ah, vous dirai-je Maman» KV256
Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 «Appassionata»
Robert Schumann (1810 – 1856)
Symphonische Etüden op. 13

Nach Camille Saint-Saëns und Johannes Brahms in den Jahren 2021 und 2022 steht nun unter anderem Robert Schumann im Fokus des Klavierfestivals, das, auf Einladung des KKL, vom Luzerner Sinfonieorchester durchgeführt und finanziell durch diverse Sponsoren und Stiftungen finanziell abgesichert wird. Interpretiert werden die Rezitals und Konzerte von absoluten Weltstars wie Martha Argerich, Rudolf Buchbinder, Khatia Buniatishvili usw.

Numa Bischof Ullmann, Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters begrüsste die Besucher hörbar aufgeräumt und zeigte sich erfreut über den regen Zuspruch, nachdem die beiden ersten Ausgaben noch von den «Corona Beschränkungen» betroffen waren.

Über den Akteur des Abends

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester (21)
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Der Wiener Pianist spielte Werke von Mozart, Beethoven und Schumann , Poetisches und Hochvirtuoses. Routine ist für ihn ein Fremdwort geblieben, obwohl seine internationale Karriere schon in den 1960er Jahren begann. Bis heute bereitet sich Buchbinder akribisch auf jeden Auftritt vor; er studiert Autographe oder er konsultiert und vergleicht die verschiedensten Noteneditionen der Kompositionen, die er sich vornimmt. «Wissen macht frei», erklärt er seinen Ansatz, und diese Freiheit erlaubt es ihm dann, im Konzertsaal, wenn es ernst wird, auch ganz spontan agieren zu können. Dass sein Berufsleben durch all die Erfahrungen und die Erfolge leichter geworden sei, glaubt Rudolf Buchbinder indes nicht: «Ich werde von Tag zu Tag nervöser», seufzt er. «Man legt sich selbst die Latte immer höher. Die Erwartungen des Publikums zu erfüllen, ist zu wenig, man muss sie überbieten.» So etwas nennt man wohl Arbeitsethos.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) Zwölf Variationen in C über das französische Lied «Ah, vous dirai-je Maman» KV265

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Da gibt’s nicht viel zu schreiben, wobei wohl nicht alle wissen, dass Mozart dieses französische Kinderlied, dank seinen Variationen, weltweit populär gemacht hat, sodass es heute in den verschiedensten Sprachen, mit sinngemäss unterschiedlichsten Texten gesungen wird.

So ist es bei uns unter dem Titel «Morgen kommt der Weihnachtsmann» bekannt, in anglophilen Ländern gibt es gar diverse Ableitungen, u.a.z.B. «Bah, Bah, a Black Sheep» und «Twinkle, Twinkle, Little Star».

Der Akteur blieb sich und Mozart treu, und interpretierte in schönstem Salzburger B arock des 18. Jahrhunderts.mit seinen noch immer sehr flinken Fingern und erfreute so das Publikum im praktisch vollbesetzten Konzertsaal mit einem rasant – fröhlichen Auftakt in dieses Rezital.

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 «Appassionata»

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Für den Pianisten ergibt sich hier jedenfalls die kniffelige Aufgabe, seine Emotionen am Klavier gekonnt zu zügeln. Das zeigt sich schon im ersten Satz: “Es handelt sich trotz der Tatsache, dass es wie ein großes romantisches Charakterstück klingt, um einen Sonatensatz in der klassischen Struktur. Sie müssen einerseits die größte emotionale Gespanntheit erzielen und andererseits die Struktur vollkommen klarmachen, in dem Sie das Tempo immer in der Hand halten.”

Lyrisch-entrücktes Klangspiel

Plötzlicher Szenenwechsel: Aus den stürmischen Wogen des ersten Satzes ins lyrisch-entrückte Klangspiel des “Andante”. Ein schlichtes choralartiges Thema wird viermal meisterlich von Buchbinder variiert. Trotz dieser Variationsabschnitte erscheint der Satz wie aus einem Guss. “Gerade in der ‘Appassionata’ ist es so, dass er über die normale Variation weit hinausgeht” und man ahnt da ein bisschen schon die romantische Charaktervariation voraus. Also äusserst faszinierend.”

Zerstörerisches Finale

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Was die Sonate so spannend macht, ist, dass sie zum einen eine ganz klare Botschaft hat, die jeder versteht. Auf der anderen Seite hält das musikalische Geschehen permanent Überraschungen bereit. Besonders der dritte Satz, das Finale: “Da trifft eine kompositorisch-konstruktive Welt auf ein emotionales Chaos. Nichts folgt hier den Regeln. Ein ganz interessantes Detail, was die ganze Sonate betrifft ist, dass keine einzige Phrase schulmäßig zu Ende geführt wird. Entweder es passiert eine unerlaubte harmonische Rückung. Oder die Phrase reißt ab oder sie wird durch brutale Akzente unterbrochen. Es hat so einen Charakter des permanent zerstörerischen irgendwo. Und ich denke, dass sich das sehr gut auf den Zuhörer überträgt. Denn man spürt das ja. Man hat eine Erwartungshaltung und man wird aus dieser Erwartungshaltung alle acht Takte wieder herausgerissen. Durch einen elektrischen Funken.” Diese so vielfältigen Herausforderungen stellten für den ausgewiesenen Beethoven Interpreten keine allzu grossen Hürden dar, beherrscht er doch, dank seiner stupenden Technik und dem ebenso grossen Einfühlungsvermögen alle Feinheiten des Finger Tanzes auf den 88 Tasten des Konzertflügels.

Die Hölle für den Pianisten

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Als Beethoven die “Appassionata” schrieb, war er auf dem Höhepunkt seiner kompositorischen Fähigkeiten. Deshalb ist die Sonate auch “die Hölle, zu spielen”, wie sich z.B. Pianist Michael Korstick ausdrückt. “Er hat buchstäblich technisch alle Register gezogen. Und das macht die Sache natürlich ungeheuer schwer, das ist ganz klar. Denn die Sonate ist ja nicht so sehr vom Klavier her gedacht, sondern in der Klangmassierung beinahe orchestral konzipiert ist. Und das bedeutet, dass man in vielen Punkten an die Grenzen gehen muss, um das zu realisieren. Genau da liegen die Schwierigkeiten.” Diese von andern Pianist*innen angesprochenen Schwierigkeiten scheinen für den Wiener Grandseigneur nicht, oder zumindest nur marginal zu existieren, und wenn, dann zumindest für uns nicht, oder kaum bemerkbar. Deshalb wohl, trägt Rudolf Buchbinder auch immer dieses wissende, zufriedene Lächeln im Gesicht.

Ein tosender Applaus des Auditoriums belohnte den Künstler für eine grossartige erste Konzerthälfte.

Robert Schumann (1810 – 1856) Symphonische Etüden op. 13

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Das Werk enthält im Grunde alles, was wir an Schumann so lieben. Märchenhafte Ritter-Erzählungen, Gleichnis artige Poetik, temperamentvolle Punktierungspartys, polyphone Frickeleien – und gleichzeitig kindlich-pseudonaive Momente.

Die balladenartige und – gerade bei vorgeblich großem Ernst – immer seltsam-angenehm romantisch-ironische Übertreibung tönt schon aus dem scheinschwerfälligen Thema heraus. Und bereits in Variation I kommt es zum ersten kleinen schumanntypischen Punktierungsmassaker.

In für ihn typischer Weise – drängend, forcierend – aber dafür in einem wirklichen Pianissimo punktet Buchbinder die erste Variation in die Tasten. Schumann verdeutlicht schon früh die poetische Loslösung vom eigentlichen Thema, indem er dieses erst im fünften Takt auf den Plan ruft; mittels einer mittelstimmigen Daumenkonstellationssituation. Beim Wiener Pianisten klingt das kein bisschen pädagogisch, sondern fast warm gesungen. Eminent geschmackvoll, wie er anschließend das eigensinnig und von Schumann augenzwinkernd-romantisch »zu früh« gebrachte Ritardando gestaltet, das im eigenen Saft ausgehender Kraft mitleidslos lustig versuppt. Das ist nicht einen Funken zu kühl – und nicht einen Funken zu viel Emotion.

Schumann schrieb auch viel über seine Musik

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Viel schrieb Schumann als Musikautor über die Vereinbarung von Innovation und Tradition. Kaum besser auffind- und vermittelbar schlägt sich dieses Bestreben – »Ja, Bach! Und klar: Beethoven! Aber macht mal schön weiter, Kinderchen! Wir haben Romantik!« – in der dritten Variation nieder: ein Kanon – aus Akkorden! Eine bis dato wohl einzigartige Neuerfindung Schumanns! Da klatscht es lustig Akkorde gegen die Wand! Das klingt vordergründig plump – und knüpft dennoch an amphibisch alte Fugen- und Kanon-Traditionen an.

So nimmt sich Buchbinder der unmilitärischen Kanonen an

Ganz ungewohnt ruhig und gar nicht drängend nimmt Buchbinder diesen Akkord-Kanon. Die den jeweiligen Kanon-Einsatz »kenntlich machenden« Sforzati in der rechten und der linken Hand braucht der Pianist hier gar nicht pädagogisch vorzuexerzieren. Auch mal ganz angenehm!

Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester
Konzertimpression Foto Philipp Schmidli Luzerner Sinfonieorchester

Bewegt doch liebevoll leise spielt der österreichische Altmeister die zwischen Zerbrechlichkeit und Selbstbehauptung sich schwankend und steigernd ergießenden cis-Moll-Gesten. Das ist bei ihm nie forciert und gewaltsam aufgedrückt und dennoch so tief, so mutig und kompromisslos. Auch den weit aufgefächerten Des-Dur-Reigen der ergänzten Variation V weint Buchbinder nicht – wie viele gutaussehende Puppenpianist*innen unserer Zeit – durch glupschäugig-selbstmitleidige Tränendrüsen, sondern bewegt durch Dynamik und Bögen, durch Innerlichkeit. Und das irgendwie ganz gesund.

Der Wiener Grandseigneur weiss immer wieder das Publikum in der Seele zu berühren, bei ihm steht nie sein Ego im Vordergrund, er sieht sich als Diener der Komponisten ohne sich anzubiedern.

Wo Buchbinder drauf steht, ist auch Buchbinder drin.

Das begeisterte Auditorium applaudierte den Künstler hartnäckig so lange auf die Bühne zurück, bis sich dieser wieder auf den Schemel setzte und nochmals in die Tasten griff.

Als erste Zugabe interpretierte Buchbinder  ein Impromptu von Franz Schubert.und als danach der Applaus auch nicht verebbte, gabs als zweite Zugabe – ein fulminantes Johann-Strauss-Potpourri  , das das international durchmischte  Publikum zu langanhaltender Standing Ovation aufpeitschte.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Philipp Schmidli   www.sinfonieorchester.ch

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Rudolf Buchbinder eroeffnete das Klavierfestival Le piano symphonique am Dienstag, 7. Februar 2023 im Konzertsaal des KKL Luzern. Foto (Luzerner Sinfonieorchester/Philipp Schmidli)

Rudolf Buchbinder eroeffnet das Klavierfestival Le piano symphonique am Dienstag, 7. Februar 2023 im Konzertsaal des KKL Luzern. Foto  (Luzerner Sinfonieorchester/Philipp Schmidli)

Rudolf Buchbinder eroeffnet das Klavierfestival Le piano symphonique am Dienstag, 7. Februar 2023 im Konzertsaal des KKL Luzern. Foto  (Luzerner Sinfonieorchester/Philipp Schmidli)

 

 

Rudolf Buchbinder eroeffnet das Klavierfestival Le piano symphonique am Dienstag, 7. Februar 2023 im Konzertsaal des KKL Luzern. Foto (Luzerner Sinfonieorchester/Philipp Schmidli)

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Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Luzerner Theater “Der Rosenkavalier”, besucht von Marinella Polli

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn
Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Produktionsteam und  Besetzung
Musikalische Leitung: Robert Houssart Regie: Lydia Steier Co-Regie: Matthias Piro Bühnenbild: Blake Palmer Kostüme: Alfred Mayerhofer Licht: Marc Hostettler Dramaturgie: Lars Gebhardt, Talisa Walser Nachdirigat: Jesse Wong Choreinstudierung: Mark Daver

Eyrún Unnarsdóttir (Die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg) Christian Tschelebiew (Der Baron Ochs auf Lerchenau) Solenn Lavanant Linke (Octavian, genannt Quinquin) Jason Cox (Herr von Faninal) Tania Lorenzo Castro (Sophie, seine Tochter) Antonia Bourvé (Jungfer Marianna Leitmetzerin) Vladyslav Tlushch (Der Polizeikommisar) Mauro Peter (Ein Sänger (Einspielung)) Ziad Nehme (Der Haushofmeister / Ein Tierhändler) Valérie Junker (Kammerzofe Mariandl) Daniel Foltz-Morrison (Leopold auf Lerchenau) Xenia Romanoff (Eine Modistin) Alyssa Hicks (Drei adelige Waisen) (21.01. / 28.01. / 05.02. / 12.02. / 05.03. / 10.04.) Sofía Pollak (Drei adelige Waisen) (26.01. / 03.02. / 10.02. / 15.02. / 11.03.) Chor des Luzerner Theaters Luzerner Sinfonieorchester

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn
Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Im sehr komplexen aber soliden Verhältnis zwischen dem grossen Dichter Hugo von Hofmannsthal und dem Komponisten Richard Strauss wird der Gipfel der Perfektion sicher mit dem ‘Rosenkavalier’ erreicht, eine Komödie für Musik in 3 Akten, die ihre Stellung auch im heutigen internationalen Repertoire behält. Diese erfolgreiche, fruchtbare Beziehung ist nicht nur in den in Kooperation kreierten Opern belegt, sondern auch in einem Briefwechsel, der vergebens sondergleichen in der Musikgeschichte sucht.

Lustig aber nicht nur

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn
Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Für sein Libretto inspirierte sich Hofmannstahl an Molière, Beaumarchais und Mozart. Es handelt sich um ein sehr lustiges Libretto, jedoch nicht ohne jene philosophischen und psychologischen Merkmale, die so typisch für Hofmannsthals Kunst sind. Und natürlich ebenfalls all’Unisono mit der reichen, zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Fin-de-Siècle und Wagner kokettierenden Strauss’ Partitur. Eine auch für ihre Wiener Walzer im 2. Und 3 Akt bekannte Partitur – was ein Anachronismus ist, da die Walzer zur Zeit der Handlung noch nicht à la Mode waren. Diese neue Luzerner Produktion, in einer Reduktion von Eberhard Kloke für mittelgrosses Orchester, wird musikalisch von Robert Houssart geleitet. Der kompetente Maestro sowie das Luzerner Sinfonieorchester sind imstande, die ganze Partitur entlang deren zahlreiche Nuancen zu zeigen.

Grosse Leistung der Sänger

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn
Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Sehr gut war an der Première auch die Leistung des von Mark Daver vorbereiteten ‘Chor des Luzerner Theaters’, aber was die Stimmen betrifft, brillierten besonders Eyrùn Unnarsdòttir als Marschallin und Solenn Lavanant Linke als Octavian. Die isländische Sopranistin interpretierte sowohl stimmlich als auch szenisch mit grosser Sensibilität und Differenzierung eine der grossartigsten Frauenrollen in der Geschichte der Oper. Mit Charme und Sinnlichkeit während der Nacht mit Octavian, ihrem Quinquin, ihrem jungen Liebhaber (Toyboy, würde man heute sagen); überaus mädchenhaft im Jungbrunnen der Pool-Szene, sowie auch plausibel während des ‘Lever’ am folgenden Morgen, wenn sie von den Dienern angezogen, vom Friseur coiffiert wird, etc…: das ist die Stunde der Wahrheit, in welcher sie plötzlich realisiert, dass Jugend und Schönheit für immer vorbei sind. Vokalisch ihr ebenbürtig war Solenn Lavanant Linke als Octavian, der Rosenkavalier, derjenige, der die Rose des alten Barons an die junge Sophie überreicht. Die Hosenrolle der grossartigen Mezzosopranistin liess uns irgendwie an den jungen Hugh Grant denken. Vokalisch perfekt Tania Lorenzo Castro, eine selbstbewusste, blutjunge Sophie mit Shorts und Chelsea-Stiefeln.

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn
Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Eine gute Interpretation auch jene von Jason Cox in der Rolle des neureichen Faninal, Sophies Vater, und jene von Valérie Junker, in der stummen aber onnipräsenten Rolle der Kammerzofe. Sehr gut Christian Tschelebiew als adeliger aber mittelloser Baron Ochs von Lerchenau, ein Macho, der von der Bewegung MeToo noch nichts weiss, und die bürgerliche aber reiche Sophie heiraten will, obwohl er schon verheiratet ist.

Eine moderne, unkonventionelle Inszenierung

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn
Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Lydia Steyers Inszenierung (Co-Regie: Matthias Piro, Bühnenbild: Blake Palmer, Kostüme: Alfred Mayerhofer) ist modern und unkonventionell, wie man sich von der Regisseurin erwarten konnte, aber auch konsequent und in der Meinung des Premièren-Publikums sehr lustig. Auch sie stellt nicht eine bestimmte Periode dar, sondern eher Interaktion und Kontrast zwischen den verschiedenen Epochen: Rokoko, die Zeit von Maria Theresias, das Jahr der Komposition und die Gegenwart.

Standing Ovation an der Première. Aufführungen im Luzerner Theater bis 30. April.

 

Text: Marinella Polli

Fotos: Ingo Hoehn www.luzernertheater.ch

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Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

Rosenkavalier Szenenfoto von Ingo Hoehn

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Liederabend Regula Mühlemann

Liederabend Regula Mühlemann, Opernhaus Zürich, 1. Februar 2023, besucht von Marinella Polli

Liederabend Regula Mühlemann
Liederabend Regula Mühlemann

Besetzung und Programm:

Sopran Regula Mühlemann
Klavier Tatiana Korsunskaya
Klarinette Rita Karin Meier
Naturhorn Konstantin Timokhine
 

Franz Schubert
Im Frühling
Der Knabe
Wilhelm Baumgartner
Noch sind die Tage der Rosen
Du bist wie eine Blume
Ein Stündlein wohl vor Tag
An den Abendstern
Wenn die Sonne lieblich schiene
Othmar Schoeck
In der Fremde
Richard Flury
Wandern mit Dir
strong>Emil Frey
Junges Mädchen in den Bergen
Richard Langer
Edelwyss
Friedrich Niggli
Plange
Franz Liszt
Au lac de Wallenstadt
Franz Schubert
Auf dem Strom
Anonymus
Das alte Guggisberg-Lied
Marguerite Roesgen-Champion
Cette étoile perdue
Une jeune fille parle
Walther Geiser
Zwei romanische Lieder
Franz Schubert
La pastorella al prato
Gioachino Rossini
La pastorella dell’Alpi
Franz Schubert
Der Hirt auf dem Felsen

Regula Mühlemann Sopran Foto Henning Ross
Regula Mühlemann Sopran Foto Henning Ross

Nach dem erfolgreichen Rollendebüt als Gilda im ‘ Rigoletto’ am Theater Basel gab Regula Mühlemann letzten Mittwoch einen Liederabend am Opernhaus Zürich. Unter dem eloquenten Titel ‘Identité – Lieder der Heimat’ stellte die nunmehr international gefragte und hoch gelobte Luzerner Sopranistin ein interessantes, aus dem Themenkreis Heimat, Natur, Wandern, Sehnsucht und Abschied bestehendes Programm zusammen, welches das Zürcher Publikum zwei Stunden lang berührte und begeisterte. Mit der sympathischen, hübschen Sängerin kamen die zahlreichen Zuschauer mit bekannten und weniger bekannten Liedern und Volksliedern in den vier schweizerischen Landessprachen in Berührung, so wie mit  pastoralen Themen einiger Lieder von Schubert und Rossini.

Eine Kompetente Liedbegleitung

Tatiana Korsunskaya Piano Foto Tanja Dorendorf
Tatiana Korsunskaya Piano Foto Tanja Dorendorf

Kompetent begleitet wurde Regula Mühlemann von der Pianistin Tatiana Korsunskaya, und später auch von Konstantin Timokhine mit seinem spektakulären Naturhorn – eine genaue Beschreibung des Instrumentes fehlte an dem Abend auch nicht – sowie von Rita Karin Meier mit ihrer Klarinette.

Zuerst Schubert, dann die Schweiz, dann Rossini und wieder Schubert

Regula Mühlemann. Foto Shirley Suarez
Regula Mühlemann. Foto Shirley Suarez

Nach einer ausführlichen Einführung durch die Sängerin startete das reiche Programm mit den zwei bekannten Schuberts Liedern ‘Im Frühling’ und ‘Der Knabe’. Gerade das erste melancholische Lied erzählt von Traum und grosse Sehnsucht nach einem vergangenen Moment, nach jemandem, nach etwas das nicht mehr da ist. Wirklich der richtige Anfang, um noch einmal Regula Mühlemanns klare, sehr expressive Stimme zu geniessen, sowie ihre exemplarische technische Hochbegabung, aber ebenso ihre natürliche Freude an Musik und Gesang. Eine spürbare Freude, die alle anstecken konnte.  

Konstantin Timokhine Naturhorn
Konstantin Timokhine Naturhorn

Zu den Höhepunkten des Abends zählte dann noch vor der Pause eine Auswahl von Perlen des in Rohrschach am Bodensee geborenen Schweizer Komponisten Wilhelm Baumgartner, diese gefolgt von Othmar Schoecks ‘In der Fremde’ und von Liedern von Richard Flury und Emil Frey.

Klarinettistin Rita Karin Meier
Klarinettistin Rita Karin Meier

Nach dem Richard Langers und Friedrich Nigglis reizvollen Lokalkolorit von ‘Edelwyss’ und ‘Plange’, selbstverständlich auf Dialekt (mit deutscher Uebersetzung im Programmheft), schloss die Luzerner Interpretin den ersten Teil des Abends mit Schuberts berückend schönem ‘Auf dem Strom’. Dies aber, erst nachdem die Pianistin Tatiana Korsunskaya mit Listzt‘ ‘Au lac de Walenstadt’ (aus ‘Années de pèlerinage – Première Année –Suisse) brillieren konnte.

Französisch, Rumantsch und Italienisch

Regula Mühlemann. Photo  Shirley Suarez
Regula Mühlemann. Photo Shirley Suarez

Nach der Pause kam zuerst das schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts bekannte ‘Guggisberg-Lied’ von Anonymus an die Reihe, gefolgt von ‘Cette Etoile perdue’ und ‘Une jeune fille parle’ der Genfer Komponistin Marguerite Roesgen-Champion. Walther Geisers wunderschöne ‘Primavaira’ und ‘Dorma’ führten dann das Publikum zum Rumantsch und bewiesen einmal mehr was für ein Sprachtalent Regula Mühlemann ist. Dass sie Sprachen liebt, zeigten auch Juvele auf Italienisch wie Schuberts ‘la Pastorella al Prato’ und Rossinis ‘La Pastorella dell’Alpi’. “Italienisch ist von der Klarheit der Vokale schon prädestiniert für den guten Sitz der Stimme”, sagte die Künstlerin in einem Interview. Zum Schluss nochmals Schubert und dann Zugaben, darunter ein interessantes, kurzes Arrangement aus Mahlers Vierter interpretiert von allen drei Künstlern.

Regula Mühlemann. Photo Guido Werner
Regula Mühlemann. Photo Guido Werner

Der Applaus wollte am Ende des Recitals einfach nicht enden.

Text: Marinella Polli

Fotos: https://regulamuehlemann.com/?lang=de/

https://www.opernhaus.ch/

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Impression des Liederabends von Marinella Polli

Impression des Liederabends von Marinella Polli

Impression des Liederabends von Marinella Polli

Impression des Liederabends von Marinella Polli

 

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Festival Strings Lucerne im KKL Konzrtsaal

Bomsori und Festival Strings Lucerne, KKL Luzern, 29.1.2023, besucht von Léonard Wüst

Festival Strings Lucerne im KKL Konzrtsaal
Festival Strings Lucerne im KKL Konzrtsaal

Besetzung und Programm:
Bomsori - Violine
Daniel Dodds - Violine & Leitung
Festival Strings Lucerne
WOLFGANG AMADÉ MOZART: Sinfonie Nr. 25 g-Moll KV 183/173dB
FELIX MENDELSSOHN BARTHOLDY: Violinkonzert e-Moll op. 64
LUDWIG VAN BEETHOVEN: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 «Eroica»

WOLFGANG AMADÉ MOZART: Sinfonie Nr. 25 g-Moll KV 183/173dB

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Dieses Werk schrieb der damals 17-jährige Mozart im Oktober 1773, [kurz nach dem Erfolg seiner Opera seria «Lucio Silla» . So kommt sie denn auch jugendlich, frisch, ungestüm unbekümmert daher. Sie wurde angeblich am 5. Oktober, nur zwei Tage nach der Vollendung seiner Symphonie Nr. 24 , in Salzburg vollendet , obwohl dies unbegründet bleibt. Sein erster Satz wurde als Eröffnungsmusik in Miloš Formans Filmbiographie «Amadeus» verwendet .

Da hatten die «Strings» wieder einen perfekten Auftakt ins Konzert gewählt, zumal man ja vom Programm her wusste, dass später etwas beschaulichere Werke kommen würden.

Daniel Dodds leitet, wie fast immer, im Sitzen

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Den markanten, ohrwurmartigen Kopfsatz der wohl selbst den meisten Laien etwas sagen würde, packte Daniel Dodds, wie fast immer sitzend an, trieb seine Mitmusiker*innen zupackend rasant vorwärts, im Gegensatz dazu kommen später die schwelgerischen Oboen Soli bestens zur Geltung, bevor es wieder stürmisch spielerisch vorwärts geht.

.Mozart ausnahmsweise mal in Moll

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Mozarts Ideen-Reichtum brachte eben auch Einfälle und Stimmungen in Moll hervor und nur weil Mozarts Musik im Allgemeinen als fröhlich, leicht und heiter charakterisiert wird, bedeutet das nicht im Umkehrschluss, dass alle Moll Werke besonders persönlich wären oder viel bedeutsamer seien. Sie fallen ob ihrer Seltenheit in erster Linie schlicht mehr auf.

Auffällig schöne, ausgeprägte Oboen Sequenzen

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Die Oboe spielt mit ganzen Noten den Kopf vom ersten Thema, unterlegt von ruhiger Streicherbegleitung. Diese Ruhepassage wird jedoch durch dramatische Einwürfe des ganzen Orchesters im Unisono-Tremolo unterbrochen.

Die Reprise ist ähnlich der Exposition strukturiert. Nach der Wiederholung von Durchführung und Reprise beendet Mozart den Satz mit einer Coda. Diese fängt zunächst als imitatorisch gearbeitete Variante des ersten Themas an, spinnt das Motiv mit seinen Synkopen dann aber fort und schließt den Satz „düster und grossartig» im Tremolo der Violinen über dem ausformulierten g-Moll Dreiklang im Bass.

Die «Strings» brillieren wie immer mit ihrer ausgeprägten Spielfreude, die einen unweigerlich mitreisst und so dürften die Ausführenden denn auch einen stürmischen Applaus ernten

Felix Mendelssohn Bartholdy Violinkonzert e-Moll Bomsori Kim, Violine

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

„Klang des Frühlings“ bedeutet ihr, selbst im Korea seltener Name, vom Grossvater so gewünscht, obwohl sie ja eigentlich im Winter, am 13. Dezember 1989, geboren ist. Dafür ist ihr Nachname Kim in ihrem Heimatland in etwa so geläufig wie bei uns Meier oder Müller.

In Süd-Korea ein wahrhaftiger Superstar, ist sie auf bestem Weg, dies auch weltweit zu werden. Die in Daegu geborene Künstlern spielt, dank der Unterstützung der Kumho Asiana Cultural Foundation, derzeit auf einer Violine von Johannes Baptista Guadagnini aus dem Jahr 1774.

Ihre außerordentliche technische Meisterschaft ermöglicht es ihr, jede Nuance auszudrücken – ob im großen dramatischen Ausbruch oder im feinsten lyrischen Detail, ihr Spiel hat etwas zutiefst Persönliches und die Kraft, die Hörer zu berühren.

Mit Virtuo­sität, Präsenz, Klar­heit und einem warmen, fülligen Geigenton ist Bomsori eine agile Gestal­terin des Moments.

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Von der äußeren Form folgt das frühe Violinkonzert dem typischen Erscheinungsbild des Solokonzerts: schnelle Ecksätze und ein kantabler Mittelsatz. Es handelt sich bei dieser dreisätzigen Anlage um einen festen Gattungstypus, der im Wesentlichen auf die zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstandenen Solokonzerte von Antonio Vivaldi zurückzuführen ist. Bemerkenswert ist im ersten Satz die auffällige Folge von Tutti- und Solopassagen, die auf die in der Barockmusik verbreitete Ritornell Form hinweist. Ein kontrastierendes Thema erscheint erst im ersten Solo der Violine, während es im eröffnenden Tutti fehlt. Alles in allem imponiert der Kopfsatz als „Synthese aus Sonatensatzform und barockem Ritornell Prinzip. Diese Bezugnahme auf ältere Konventionen ist geradezu typisch für Mendelssohn, vor dem Hintergrund dessen lebenslanger Beschäftigung mit dem Werk alter Meister. Die Werkentstehung war für Mendelssohn „mit ungeheurer Anstrengung verbunden und beanspruchte etwa sieben Jahre – 1838 – 1845 – von den ersten Anfängen bis zur Fertigstellung, Aufführung und Veröffentlichung“. Gekennzeichnet war dieser Prozess von zahllosen Überarbeitungen, die von erheblichen Selbstzweifeln begleitet wurden. Das Konzert ist während seiner Entstehung „häufiger Gesprächsgegenstand zwischen Mendelssohn und Ferdinand David [dem Solisten der Uraufführung] gewesen.“ Das Konzert folgt ebenfalls der dreisätzigen Anlage der Solokonzertform. Gegenüber dem frühen Violinkonzert befindet sich Mendelssohn hier auf der Höhe seiner Zeit, was am deutlichsten anhand des Kopfsatzes, der, mit Besonderheiten, der Sonatensatzform folgt, erkennbar ist. Diesem folgt ein kantabler zweiter Satz, während der dritte Satz, nach einer mäßig raschen Introduktion in e-Moll, wieder in einem raschen Tempo steht und ein Rondo bildet. Durch den Wechsel zu E-Dur nimmt das Rondo-Finale eine überaus heitere Grundstimmung an, in der das Konzert zu Ende geführt wird. Die junge Koreanerin intoniert flüssig, elegant und mit betörender Souplesse zu dem das Orchester, wie den ganzen Konzert Abend hindurch, den ausserordentlich meisterhaften musikalischen Klangteppich legt.

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Das Spiel der Südkoreanerin war ebenso funkelnd, wie das silbrige Pailettenkleid, das sie an diesem Abend trug. Das Auditorium, beeindruckt und begeistert, würdigte die Leistung von Solistin und Orchester mit einer stehenden Ovation.

LUDWIG VAN BEETHOVEN: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 «Eroica»

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Neben den revolutionären Umständen der Zeit nach 1789, unter deren Eindruck die Sinfonie entstand, war es vor allem die Musik selbst, die wirklich bahnbrechend war. Nicht ohne Grund wird die „Eroica“ heute als der Grundstein der großen klassisch-romantischen Sinfonie-Gattung betrachtet. Alleine die Dimension der Komposition mit einer Aufführungsdauer von bis zu einer Stunde übertraf die Konventionen der Zeit um das Doppelte. Neu war zusätzlich die Ausführlichkeit des Kopfsatzes, die der Schlichtheit des erwähnten Trauermarsches im zweiten Satz kontrastierend entgegen stand. Auch die Kombination von Variation und der barocken Form des Fugato stellt ein absolutes Novum der Musikgeschichte dar.

Ihre Wirkung erzielt die „Eroica“ auch ohne ihren geplanten Beinamen, zudem wird sie heute zu den bedeutendsten Werken des Komponisten gezählt. Das fand auch Beethoven selbst, als er auf die Frage des österreichischen Dichters Christoph Kuffner, welche seiner Sinfonien er für seine bedeutendste halte, antwortete: „Die Eroica.“

Dass es nicht unbedingt ein anzahlmässiges Riesenorchester braucht, um die «Eroica» würdig und kompakt auf die Bühne zu bringen, demonstrierten die «Strings» eindrücklich.

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Zwei Akkorde wie geballte Fäuste!! Dann sofort – tief und leise (wie hinter vorgehaltener Hand) – das Hauptthema in den Violoncelli; in den Violinen die Reaktion darauf: ein Aufleuchten in den Augen – was für eine Idee! Nun gilt es Mut und Kraft, sie zu verwirklichen…wovon die Rede ist? Von der Idee der Freiheit! Die Eroica ist die erste politische – oder philosophisch gesagt: die erste weltanschauliche Synphonie der Musikgeschichte. Sie war zu ihrer Zeit Zukunftsmusik, und sie ist es auch heute, denn Freiheit bleibt immer Ziel. In dieser breit angelegten Synphonie – sie dauert über fünfzig Minuten – stehen nicht die Themen im Vordergrund (das Hauptthema begann unscheinbar), sondern die sich daraus entwickelnden gewaltigen Steigerungen.

Das Seitenthema – ein inständiger, zwischen Bläsern und Streichern wechselnder Choral – ist wie ein Blick ins menschliche Herz: da sind Liebe und Hoffnung, Tränen und Zweifel…

Die Schlußgruppe ist wie ein kategorischer Imperativ: handle! Sechs Akkordschläge – sind es Schüsse? – markieren den kriegerischen Ernst.

Die dramatische Durchführung kennt Kampf, Sieg, Schmerz und Niederlage; besonders schön ist das erschöpfte Thema der Klage. Dieses prägt auch die nächtliche Coda, bevor die Sonne aufgeht…

Die edelste Fähigkeit der menschlichen Gesellschaft ist die, zu trauern, Schuld zu bekennen, zu vergeben. Dem dient der erschütternde, grandiose Marcia funebre. Nur wer so am Boden liegt, hat die Freiheit verdient…

Das Scherzo beginnt wie das erste Atemholen in der neuen Freiheit. Da Beethoven in der Eroica drei Hörner verwendet, können die Hornisten ein prächtiges Trio gestalten – dafür müssen sie nur – in Freiheit – sehr gut Atem holen!

Im Finale gibt sich die „prometheische“ Gesellschaft der Zukunft eigene Gesetze: das Passacaglia Thema (Pizzicato) setzt den Rahmen, die Variationen gestalten das Leben darin.

Konzertimpression von Fabrice Umiglia
Konzertimpression von Fabrice Umiglia

Kompromisslos, puristisch und gänzlich auf den heroischen Charakter der Sinfonie fokussiert, leitet Daniel Dodds hier mit dem Fuß auf dem Gaspedal – ein wirklich spannender Beethoven bis zum letzten Takt und ei mehr als würdiges Schlussbouquet des Konzertes. Dis sah UCH DAS Publikum so und bedachte die Protaggonist*innen mit langanhaltendem, stürmischen Schlussapplaus.

Epilog

Es ist bezeugt, wie Beethoven die Titelseite der Eroica mit der Widmung an Konsul Bonaparte wütend zerriss, als dieser sich 1804 zum Kaiser Napoleon krönte: „Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, ein Tyrann werden!“

Der Dichter Franz Grillparzer forschte Beethoven aus: „Wenn man wüsste, was Sie bei Ihrer Musik denken…“ Beethoven dachte nicht bei Musik, er dachte in Musik – dennoch: die EROICA als utopische Synphonie der demokratischen Gesellschaft zu denken ist verlockend.

Zitat Mathias Husmann, Wiener Kritiker im Jahre 1804:Schon zu Ehren dieser herrlichen Musik müssen wir Freiheit verwirklichen, leben und schützen! Dieser Erkenntnis ist nichts hinzuzufügen, ausser, dass das nicht alle Herrschenden begriffen, begreifen und achten.

Ferdinand Ries, ein Schüler Beethovens, war von der „Eroica“ schwer beeindruckt. Ries übernahm auch die Aufgabe, die Sinfonie dem Bonner Verleger Nikolaus Simrock zum Druck anzubieten. Am 22. Oktober 1803 schreibt Ries an Simrock:

„Es ist nach seiner [Beethovens] eigenen Äußerung das größte Werk, welches er bisher schrieb. Beethoven spielte sie [die dritte Sinfonie] mir neulich und ich glaube, Himmel und Erde müssen zittern bei ihrer Aufführung.“

Sympathisches Detail am Rande: trotz ihrer mittlerweile relativen Bekanntheit, war sich Bomsori nicht zu schade, in der Pause CDs zu signieren und für Selfies zu posieren.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:  Fabrice Umiglia www.fsl.swiss

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Die Violonistin Bomsori Kim mit den Festival Strings im KKL Foto Fabrice Umiglia

 

Bomsori Kim freut sich übr den langanhaltenden Applaus

 

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