Der gute Ton ist rosarot und nicht (mehr) weiss – eine Geschichte um das Wohl des Kalbes.Als wir in den 70er-Jahren Gastgeber im «Goldenen Kreuz» in Gerzensee waren, wurden im prunkvollen «Louis- XVI-Saal» Hochzeiten gefeiert. Mit Kalbsrücken als Paradestück. Im Ofen klassisch auf den Punkt gebraten, mit herrlicher Kruste und innen leicht rosa.
Dry aged Kalbsrücken am Knochen gegart
Der das Bankett reservierende Brautvater meinte“ Gälled Herr Huber das Kalbfleisch muss dann so weiss sein wie das Brautkleid! Jahrelang mussten dann sogar Züchter von rotem Kalbfleisch „Bussen“ bezahlen – heute sei es umgekehrt, liess ich mir sagen.
Weisses oder rosa Kalbfleisch – nicht nur eine ästethische Frage
Dünne Scheiben vom rosa gegarten Kalbsrücken mit Radieschen und Schnittlauch-Senf-Dressing
Meine Generation hatte im kulinarischen Gedächtnis fest verankert: Kalbfleisch ist weiss, muss weiss sein. Nicht rosa und schon gar nicht rot. Denn das rote Fleisch – so lernten wir noch in der Fachschule – sei von sogenannten Fressern. Nur Fleisch von mit Milch und Milchprodukten aufgezogenen Kälbern galt als gut.
Rosa gebratener Kalbsrücken mit aromatischer Kräutersauce auf Bohnenbeet und gratinierter Kartoffel
Und noch heute sagen mir viele Metzger, dass ein grosser Teil der Kundschaft ausschliesslich weisses Kalbfleisch wünsche. Der (Irr-)Glaube, helles Kalbfleisch sei besonders edel, hält sich also hartnäckig. Was ich selbst lange Zeit nicht wusste: Die weisse Farbe kann die Folge einer nicht artgerechten Haltung sein und ist vor allem der Fütterung zuzuschreiben. Und oft sogar zusätzlich verabreichten Hormonen. Kälber benötigen in ihrem ohnehin kurzen Leben aus tierschützerischer Sicht viel, sehr viel Wasser und zusätzlich Raufutter (z. B. Heu, Gras). Dies alles dient zur Produktion des nötigen Eisens im Blut. Genau diese rücksichtsvolle Fütterung aber hat rötlicheres Fleisch zur Folge. Wie reagieren Konsumenten darauf?
Kalbsrücken mit Rosmarin-Senfkruste
In der Schweiz ist 2021 der durchschnittliche Verbrauch von Rindfleisch leicht gestiegen, während der Pro-Kopf-Verbrauch von Kalbfleisch etwas abgenommen hat. Das wird aus Sicht der Schweizer Fleischwirtschaft auch so bleiben. So ist eine Aufklärung über rotes und weisses Kalbfleisch meiner Ansicht nach sinnvoll, denn es besteht die Gefahr, dass weisses Kalbfleisch künftig einfach vermehrt importiert werden könnte. Unser Nidwaldner Hausmetzger in Wolfenschiessen allerdings kennt Bauern, welche Ihre Kälber artgerecht füttern und weisses Kalbfleisch produzieren.
Die Degustation schafft Klarheit – sorgt aber auch für Verwirrungen
Rosa gebratener Kalbsrücken auf Mangold-Kichererbsen-Gemüse
Zurück zum „rötlichen“ Kalbfleisch? Wie schmeckt das? Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und «Natura Veal» also vom Weidekalb gegessen. Es war herrlich zart und auch optisch perfekt. Sogar kräftiger im Geschmack. In den Farbnuancen allerdings liegt schon eine Krux: Wird das Kalbfleisch so rot sein wie rotes junges Rindfleisch, wird das an den Metzgereitheken sicher zu Diskussionen fuhren, ebenso in der Beiz mit dem oft ohnehin schon überforderten Personal. Und ein Spezialist für das „originale“ Wienerschnitzel mit Kalbfleisch, meint: Wenn in meinem Restaurant dunkles Fleisch unter der Panade ist, glaubt kein Gast, dass das Kalbfleisch ist“.
Also gilt: beim nächsten Einkauf beim Hausmetzger oder Grossverteiler nachfragen. Wichtig allerdings ist: Auch rosarotes Kalbfleisch muss gut abgehangen (gelagert) sein. Für ein Voressen empfehle ich die Schulterstücke, für Schnitzel den Stotzen oder das Nüssli. Edelstücke bleiben nach wie vor – Filet, Rücken und Koteletten.
Das grandiose Orchester und der axzellente Chor Fotpo Peter Fischli Lucerne Festival
Besetzung und Programm: NDR Elbphilharmonie Orchester NDR Vokalensemble Alan Gilbert Dirigent Morris Robinson Porgy Latonia Moore Serena Elizabeth Llewellyn Bess Lester Lynch Crown Norman Garrett Jake, Simon Frazier Golda Schultz Clara Cameo Humes Robbins, Mingo, Peter, Krabbenverkäufer Tichina Vaughn Maria, Lily, Annie, Erdbeerfrau Chauncey Packer Sportin’ Life Kenneth KulaJim, Undertaker Luvo RasemeniDetektiv, Leichenbeschauer, Polizist George Gershwin (1898–1937) THE GERSHWINS®’ PORGY AND BESS®. Oper in drei Akten von George Gershwin, DuBose und Dorothy Heyward und Ira Gershwin (halbszenische Aufführung)
Grundsätzliches zum Werk ab Homepage Lucerne Festival
Crown Lester Lynch bedrängt Bess Elizabeth Llewellyn
Mit Porgy and Bess schrieb George Gershwin Geschichte: Diese «American Folk Opera» ist das erste Musikdrama, das unter People of Color spielt, in der Catfish Row der Hafenstadt Charleston. In den USA der 1930er Jahre, die von rassistischer Diskriminierung geprägt waren, gehörte viel Mut dazu, ein solches Sujet zu wählen. Umso mehr, als Gershwin hier einfache Fischer, Arbeitslose und sogar Drogenabhängige auf die Bühne brachte. Musikalisch zeigte er sich ebenfalls experimentierfreudig und fügte jazzige Elemente, Songs und (selbst erfundene) Spirituals in die Partitur ein. Authentizität war für Gershwin das oberste Gebot. Weshalb er während der Arbeit sogar in der Nähe von Charleston Quartier bezog, um den Dialekt der Gullah, der Afroamerikaner*innen in South Carolina, genau zu studieren. Im «Diversity»-Sommer darf dieses Werk nicht fehlen! Alan Gilbert wird es mit einem rein schwarzen Ensemble um Elizabeth Llewellyn und Morris Robinson in den Titelrollen halbszenisch aufführen. Die famose Golda Schultz verzaubert mit dem berühmten Summertime, und natürlich erklingen auch Hits wie I Got Plenty o’Nuttin’ oder It Ain’t Necessarily so
Fast so etwas wie ein amerikanischer Puccini Summertime in der Luzerner Sommerzeit
Der stimmgewaltige Morris Robinson als Porgy
“Summertime ” ist wohl die bekannteste Melodie aus George Gershwins einziger Oper “Porgy and Bess”. Selten ist das Stück in Europa zu sehen, denn es braucht ein riesiges, stimmstarkes und mit einer Ausnahme komplett afro-amerikanisches Ensemble. So haben es Gershwins Erben verfügt.
1935 uraufgeführt, mischt das Liebesdrama aus dem schwarzen Ghetto das Kunstkapital der Alten Welt klug mit Anregungen aus der Neuen: Wie Gershwin die Musik immer wieder auf eine italienische Inbrunst zusteuern lässt, das Klanggeschehen dann aber doch mit Blue Notes, Spiritual-Wendungen und Swing Rhythmen pfeffert, macht den Opernschöpfer zu einem Unikum, gewissermaßen einem Puccini mit “Americanità”.
Im tiefsten Süden der USA angesiedeltesDrama
Jake, Norman Garrett und die Frauen der Catfish Row beten für den Beistand Gottes
Der Plot spielt In der Catfish Row der Hafenstadt Charleston im US-Bundesstaat South Carolina. Porgy and Bess als packendes Hördrama mit gebündelter Expertise. Dirigent Alan Gilbert präsentiert mit den Kräften des NDR-Elbphilharmonie Orchesters und des NDR-Vokalensembles Gershwins Musik in intensiv glühenden Orchesterfarben, mit plastisch konturierter Linienführung und rhythmischer Sogkraft. Dazu gibt es, angeführt von grossartigen Sänger*innen wie Elizabeth Llewellyn als Bess und Morris Robinson als Porgy , ein hochpräsentes Solistenensemble, das für eine charakterstarke Darstellung des Geschehens sorgt. Atmosphäre, Expressivität, eine gelungene Mischung aus Opernton, Musicalgesten, Gospel- und Jazzanleihen, erfrischende theatrale Unmittelbarkeit und die lodernde Intensität tief ausgeloteter Dramatik machen diese teils szenische Darbietung zu einem spannenden Erlebnis. Da springt der Funke auch schnell aufs Publikum über.
Eine Oper mal nicht auf der klassischen Opernbühne
Eine Oper aufzuführen ist nicht schwer: Man nehme eine dramatische Liebesgeschichte, ein Orchester, einen Chor, rund 15 Solistinnen und Solisten, einen erfahrenen Dirigenten, und dazu Musik aus Oper, Jazz und Gospel. Und schon hat man “The Gershwins‘ Porgy and Bess” in der konzertanten Aufführung im KKL in Luzern. Dem Ensemble rund um Dirigent Alan Gilbert gelang die Umsetzung von George Gershwins Oper, die auch ohne Extra-Zutaten wie Kostüme und Requisiten allein durch die musikalische Leistung zu einer wahren Delikatesse wurde.
Überragende Sänger*innen
Elizabeth Llewellyn als Bess mit Morris Robinson als Porgy im Duett
Morris Robinson überzeugte mit kraftvollem und voluminösem Bass und großartiger Bühnenpräsenz. Seine Performance des Evergreens “I Got Plenty o‘ Nuttin‘” geriet zu einem Höhepunkt des Abends, der einzig von seiner durch dunkle Vokalfarben schwer verständlichen Artikulation getrübt wurde. Mit klangvoller und dynamisch changierender Stimme wurde auch Elizabeth Llewellyns Präsentation der Bess zu einem wahren Genuss, mit farbenreichem Ausdruck und brillanter Höhe. Und auch im Duett ergänzten sich die beiden stimmlich scheinbar so disparaten Hauptcharaktere erstaunlich gekonnt. Lester Lynch punktete in seiner Darbietung des Bösewichts Crown mit voluminöser und facettenreicher Stimme und insbesondere durch sein freies, körperliches (auch mal mit einer kleinen Tanzeinlage) und interaktives Spiel (immer mit einem überzeugenden süffisanten Lachen). Wer aufgrund der konzertanten Aufführungssituation um das dramatische Element fürchtete, wurde durch den geringen, dafür aber gezielten Einsatz von Lichteffekten und die szenische Interaktion bis in die Nebenrollen zufriedengestellt. So gelangen Chauncey Packer als Sporting Life mit weichem Timbre, Norman Garrett als Jake mit sonorer Tiefe, als auch Latonia Moore als Serena und Rebecca Golda Schultz als Clara mit klarem Sopran in weiteren Rollen überzeugende Darbietungen.
Weiterer Höhepunkt einer auf hohem Niveau angesiedelten Aufführung
Crown und Porgy ringen um die Gunst von Bess
Ein Highlight des Abends: Tichina Vaughn als Maria mit vollem Stimmklang in der tieferen Lage sowie klanglich reinen Höhen und körperlich ausdrucksstarkem Spiel. Das NDR-Elbphilharmonie Orchester und dessen Chor als Hauptzutat bildeten in tadelloser Abstimmung mit dem Gesangensemble eine gelungene Basis. Mit Ausnahme der intonatorisch etwas unsauberen und in den Einsätzen ungenauen Orchestereinleitung zum dritten Akt, glückte die Verbindung von Orchester, Solistinnen und Solisten und dem rundum überzeugenden Chor. Dirigent Alan Gilbert hielt alle Mitwirkenden gekonnt zusammen und führte mit präzisem Taktschlag, genauen Tempowechseln und einer tiefen Durchdringung des Gesamtwerks durch den Abend. Wie eine Prise Salz gab sein Mitwirken beim szenischen Spiel dem Ganzen noch das gewisse Etwas.
Typisch amerikanisch optimistischer und nicht tragisch italienischer Schluss
Sportin Life Chauncey Packer wird auf spezielle Art verabschiedet
Irgendwie ist auch das Ende amerikanisch. Letzter Auftritt des Opernhelden, soeben frisch aus dem Gefängnis entlassen: Er singt, wie sehr er die Opernheldin liebt – und weiß als Einziger nichts von der üblen Lage, die sich auf den Gesichtern rundum abzeichnet. Wäre dies ein Drama von Puccini, die Geliebte wäre wohl soeben an einer tödlichen Krankheit gestorben. Bei George Gershwin (1898-1937) ist die Situation nicht ganz so düster. Bess, die herzensgute, seelisch labile Frau aus der schwarzen Armensiedlung in Charleston, ist zwar mit einem Tunichtgut namens Sportin’ Life nach New York abgerauscht. Der verlassene Porgy resigniert aber trotz der vielen Meilen und seines lahmen Beins nicht: Er geht ins “gelobte Land”, singt er und krempelt die Ami-Ärmel hoch.
Und so gelang mit nur wenigen, dafür aber gekonnt aufeinander abgestimmten Zutaten eine mitreißende und kurzweilige Aufführung, die das Konzertpodium zur Opernszenerie verwandelte und ein von Musik erfülltes, tosenden Applaus spendendes Publikum hinterließ, ein Applaus, der dann schlussendlich zu einer verdienten stehenden Ovation mutierte.
Der Wein hat sich in die Herzen der Deutschen geschlichen. Dort hat er nun seinen verdienten Platz und überholt für viele Menschen sogar andere Alkoholsorten. Bier, Wodka und Co. haben zwar nicht ausgedient, doch es scheint wirklich, als wäre Wein ein wenig im Vorteil in vielen Gesellschaftsschichten.
Das liegt vielleicht auch daran, dass er so flexibel ist. Nicht nur, was die Sorten und Herkunftsregionen angeht. Wein ist auch als Geschenk ideal geeignet. Mit Ausnahme von Veranstaltungen für Kinder oder bei expliziten Nicht-Trinkern kann Wein immer als valide Geschenkoption gesehen werden.
Wein zum Geburtstag
Für Geburtstage eignet sich Wein wirklich gut, da er ein Genussmittel ist. Somit ist er umweltfreundlich, weil kein Plastikmüll entsteht und die Herstellung wenig Energie verbraucht. Anstatt sich stundenlang überlegen zu müssen, was jemand braucht, kann eine Flasche Wein einfach nach Qualität ausgesucht werden.
Die gute Nachricht ist, dass Wein nicht teuer sein muss. Ein Knewitz Sauvignon Blanc kostet weniger als 15 Euro und hat schon viel zu bieten. Für Bochumer ist er besonders interessant, da er aus der Region kommt. Es müssen nicht immer Weine aus Frankreich oder Italien sein – gute Weintrauben wachsen auch gleich um die Ecke. Angerichtet in einem Präsentkorb kann er dem Beschenkten viel Freude bringen.
Wein für ruhige Abende
In der Preiskategorie zwischen sechs und zehn Euro können ebenfalls tolle Weine gefunden werden. Diese sind besonders geeignet für ruhige Abende. Freunden, die gerne einladen, möchte man danken. Ohne Anlass (z.B. Geburtstag) ist ein „echtes“ Geschenk nicht wirklich notwendig, ein Mitbringsel allerdings schon.
Der Wein kann direkt zum Abendessen getrunken werden. Wer nicht weiß, welches Gericht aufgetischt wird (und ob der Wein dazu passt), muss trotzdem keine Angst haben: Zur Not wird er später getrunken. Auch um nicht ohne etwas in den Händen bei den Schwiegereltern aufzutauchen, ist Wein gut geeignet.
Wein für Hochzeiten
Eine der größten privaten Feiern, die man besuchen kann, ist die Hochzeit. Ein Geschenk zu finden, ist manchmal schwieriger, als passende Kleidung zu wählen. Denn sagt das Brautpaar nicht, was es sich wünscht, muss praktisch geraten werden.
Eine gute Flasche Wein löst dieses Problem. Natürlich muss sie für eine Hochzeit gut angerichtet werden. In einem Korb oder einer edlen Holzkiste zum Beispiel. Auch in Kombination mit Leckereien kann das gut gelingen. Fährt das Paar beispielsweise gerne nach Portugal, könnte ein portugiesischer Wein mit typischen Süßigkeiten und Snacks aus Portugal kombiniert werden.
Wein für Firmenfeiern
Neben den privaten Feiern gibt es auch noch andere Anlässe – wie die Firmenfeier. Ob dafür überhaupt ein Geschenk notwendig ist, hängt von der Art der Feier ab. Bei einer Weihnachtsfeier stellt das Unternehmen meist Speisen und Getränke. Da braucht es kein Geschenk.
Aber Jubiläen oder Feiern in Privaträumen (z.B. im Haus des Chefs) sind eine andere Angelegenheit. Mit leeren Händen aufzutauchen, ist keine gute Idee. Stattdessen sollte ein vernünftiger Wein gewählt werden. Idealerweise einer aus der Region, über den man bei der Übergabe oder beim Öffnen auch noch ein paar Details erzählen kann.
Wein für zukünftige Ereignisse
Zu guter Letzt sind Weine für Events ideal, die noch gar nicht stattgefunden haben. Damit sind Jubiläen gemeint. So verschenken manche gerne einen Wein zur Geburt eines Kindes, der zum 18. Geburtstag geöffnet wird. Richtig schön individuell wird es, wenn der Wein in unmittelbarer Nähe zum Geburtsort angebaut wird.
Auch die Gründung eines Unternehmens ist ein guter Anlass – der Wein wird dann geöffnet, wenn ein bestimmtes Umsatzziel erreicht wurde oder die Firma zehn Jahre alt wird. Allerdings muss Vorsicht gelten: Viele Weine sind für den unmittelbaren Verzehr gedacht. Wein für die Lagerung muss auch dafür ausgewiesen sein. Eine Beratung im Fachhandel ist zu empfehlen.
2009 machten Bauarbeiter auf dem Dachboden eines verfallenen Hauses in St. Anne, Illinois, eine erstaunliche Entdeckung: Sie förderten dort ganze Stapel mit handgeschriebenen Noten aus der Feder von Florence Price zutage, die in dem Anwesen einst ihre Sommerresidenz unterhielt. Der sensationelle Fund führte zur Renaissance dieser grossartigen afroamerikanischen Komponistin, die nach ihrem Tod im Jahr 1953 fast völlig in Vergessenheit geraten war. Kit Armstrong stellt mit Solist*innen des Lucerne Festival Orchestra das Klavierquintett in a-Moll vor, das spätromantisches Melos mit Anklängen an Kirchenlieder und einem Juba-Tanz verbindet. Multikulturell geht es ohnehin zu an diesem Abend. Blues Reminiszenzen enthält der langsame Satz aus George Gershwins Klavierkonzert, tschechische Ohrwürmer erwarten uns bei Antonín Dvořáks Klavierquintett mit seiner hinreissenden Dumka. Parsischer Herkunft ist der 1988 verstorbene Kaikhosru Shapurji Sorabji, der eine musikalische Brücke von Ost nach West schlägt und etliche Klavierwerke vorlegte, die lange als «unspielbar» galten. Fernöstliche Impulse steuert schliesslich der Japaner Tōru Takemitsu bei.
George Gershwin 2. Satz aus dem Concerto in F, arrangiert für Trompete, Klavier und Streichquintett
Vorgeschichte zur Komposition:
Solistinnen des Lucerne Festival Orchestra
“New York Symphony” – so sollte das Concerto in F ursprünglich heißen. Es entstand 1925 als Auftragskomposition für Walter Damrosch, den Chefdirigenten der New York Symphony Society. Vermutlich entschied sich Gershwin für den ‘klassischen’ Titel, um zu vermeiden, dass man sein Stück ‘nur’ als klingendes Großstadt-Gemälde wahrnahm. Denn mit dem Concerto wollte er sich einreihen in eine große, jahrhundertealte Musiktradition.
Die “Rhapsody in Blue” hatte Gershwin als Komponisten über Nacht berühmt gemacht. An diesen Erfolg wollte er ein Jahr später mit dem Concerto anknüpfen. “Viele Leute glaubten, die Rhapsody sei nur ein glücklicher Zufall gewesen”, erinnert sich Gershwin. “Also machte ich mich daran, ihnen zu zeigen, dass ich noch eine Menge mehr drauf habe als das. Ich entschloss mich, ein Werk der absoluten Musik zu schreiben. Die Rhapsody war, wie aus dem Titel zu schließen, eine Impression über den Blues. Das Concerto sollte aber unabhängig sein von einem Programm.” Gershwin hat’s klar erkannt: wer es in Amerika zu etwas bringen will, muss zeigen, was er kann! Und auch mal laut mit dem Handwerk klappern.
Zur Interpretation durch die Musiker*innen
vlnr Daniel Röhn Violine Kit Armstrong Piano Manuel Kastl Violine Jens Peter Maintz Violoncello (2)
Selbst wenn sich Gershwins Konzert an klassischen Vorbildern orientiert, er orchestrierte es sogar selbst, – mit dem jazzinspirierten Tonfall dieser Musik schimmert halt schon immer sein Grosserfolg, die «Rhapsody in Blue» durch. Die sieben Musiker*innen intonierten mit einer Mischung aus fast schon bluesiger Leichtigkeit und Entspanntheit, eine wunderbare Symbiose von Jazz und klassischen Elementen, vorgetragen mit sichtlichem Vergnügen, nicht immer nur «todernste» Klassik zu spielen, gewürdigt vom Publikum mit langanhaltendem Applaus.
Antonín Dvořák Klavierquintett A-Dur op. 81
vlnr Korbinian Altenberger Violine Irina Simon-Renes Violine Kit Armstrong Piano Béatrice Muthelet Viola Thomas Ruge
Gleich der Beginn des 1. Satzes – einer der eindrucksvollsten Einstiege der gesamten Kammermusik – stellt ein Schubertisches Cellothema einem symphonischen Tutti nach dem Vorbild von Brahms gegenüber. Ihm folgen: ein leggiero-Thema in a-Moll, ein der Bratsche zugewiesenes, wehmütiges Seitenthema in cis-Moll und eine aus diesem abgeleitete Schlussgruppe. Die Themen werden in einer Sonatenform von monumentalen Ausmaßen verarbeitet, wobei ein Zitat aus dem A-Dur-Klavierquartett von Brahms auf das Vorbild dieses Satzes verweist. Besonders hervorzuheben sind die harmonischen Ausweichungen in der Durchführung, die bis nach Es-Moll und Ces-Dur führen, und die großartig gesteigerte Reprise des Hauptthemas.
Mit dem traurig ins Bodenlose abfallenden zweiten Thema im Kopfsatz, ist Dvorák in einer Klangwelt angelangt, in der sich die Slawen besser zurechtfinden.
Dvořáks besondere Affinität zur ukrainischen «Dumka»
vlnr Irina Simon-Renes Violine Kit Armstrong Piano Béatrice Muthelet Viola
In den Mittelsätzen knüpfte Dvorak an sein neun Jahre früher komponiertes Streichsextett in A und an das Quartett Opus 51 an. Wie dort, so ist auch hier das Adagio eine Dumka, wie im Sextett das Scherzo ein Furlant. Die Dumka , ein sehr melancholischer ukrainischer Volkstanz, für den der Wechsel zwischen Langsamen, melancholischen Teilen und schnellen Tanzabschnitten typisch ist. In der Dumka des Klavierquintetts hat Dvorak außerdem einen halbschnellen Zwischenteil eingefügt, der durch seine eigenartigen Klangmischungen zwischen Klavier und Streichern fasziniert. Das Thema der langsamen Teile ist von unwiderstehlicher Schönheit, die freilich einiges der berühmten Marcia funebre aus Schumanns Klavierquintett verdankt.
Der Furiant des dritten Satzes ist ein tschechischer Volkstanz im schnellen Dreiertakt, der im Trio auf wundersame Weise in ein Lyrisches Stück im Stile Griegs verwandelt wird. Das Finale konkurriert nicht mit dem Kopfsatz, sondern gibt sich als schwungvolle Polka mit kunstvoller Fugato-Durchführung.
Es ist nicht möglich, einen Satz dem anderen vorzuziehen, denn das feurige Allegro und die poetische Dumka treiben ebenso voran wie der ungestüme Furiant und das fröhliche Finale. Dass Dvoáks Stück einen wunderschönen klanglichen Eindruck macht und interessante und originelle instrumentale Effekte großer Zahl enthält, ist ebenso unzweifelhaft wie die Feststellung, dass die fünf Protagonisten auf der Bühne, die Intentionen des Komponisten schlicht grossartig umgesetzt haben. Der absolute Höhepunkt dieses Konzertabends. Das Auditorium belohnte die Protagonisten mit stürmischem Applaus und einigen Bravorufen und begab sich dann in die Foyers des KKL in die Pause.
Kaikhosru Shapurji SorabjiTranszendentale Etüde Nr. 36 (für die linke Hand)
Kit Armstrong am Piano Foto Priska Ketterer
Kaikhosru Shapurji Sorabji starb vor 34 Jahren, 1988, im biblischen Alter von 96 Jahren, und damals war er einer der unbekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Der aus einer Parsi-Familie stammende, aber Zeit seines Lebens in England ansässige Tonsetzer, der alle Spekulationen über seine ethnische Herkunft brüsk zurückwies, hatte sich um die Verbreitung seines umfangreichen, hauptsächlich aus Klaviermusik bestehenden Oeuvres wenig gekümmert; die teilweise haarsträubenden Schwierigkeiten seiner Werke taten ein Übriges.
Auch für dieses Werk braucht es einen ganzen Konzertflügel
Kit Armstrong am Piano Foto Priska Ketterer
Obwohl dieses Oeuvre nur mit der linken Hand gespielt wird, bracht es natürlich auch den ganzen Konzertflügel und nicht nur einen halben, denn der Komponist «nötigt» die Interpreten, mit der linken Hand ab und zu auch die obersten Tasten auf der rechten Flügelseite zu betätigen, dort gar Läufe, Tremoli, Tonkaskaden einzustreuen.
Auch hier lernt man „Etüden“ in einem weiten Spektrum zwischen spezifischen technischen Aufgaben und charakteristischen Stimmungs- und Klangwerten kennen, eine teils hyperspätromantische, teils atonale Welt voll unerschöpflicher Fantasie, geistreich, blitzend in den schillernden Kaskaden, aber auch lyrisch versunken. Der oft wegen seiner Überlängen gefürchtete Sorabji zeigt sich hier auch als formbewußter Aphoristiker. Auf dieser hochinteressanten Entdeckungsreise präsentiert sich der amerikanische Tastenakrobat Kit Armstrong einmal mehr in bestechender Form, selbst da, wo er eine ultimative Grenze des überhaupt Spielbaren einräumt.
Tōru TakemitsuA Bird came down the walk für Viola und Klavier
Wolfram Chist Viola und Kit Armstrong am Klavier Copyright: LUCERNE FESTIVAL/Priska Ketterer
Die Eröffnungsmelodie in der Bratsche konzentriert sich auf einem wiederholten g’, das zunächst normal gespielt wurde und dann wieder als wechselnde Obertöne auf den tieferen Saiten erklang. Der fortgeschrittene Bratschist, wie dies Wolfram Christ ist, wird Takemitsus Verwendung von Doppel-, Dreifach- und Vierfachgriffen für das Instrument gut geeignet finden. Neben den üblichen Sul-Ponticello- und Sul-Tasto-Effekten fordert Takemitsu häufig Harmonien kombiniert mit Glissandi – ein üblicher Effekt in Takemitsus Streichern, der möglicherweise von Messiaen herrührt.
Ein bemerkenswertes melodisches Merkmal ist die Verwendung von Tremolo, um Vogelgesang vorzuschlagen; An einer Stelle verwendet Takemitsu im Klavierpart die beschreibende Kennzeichnung “als Ruf eines Vogels”. Während die Beschwörung des Vogelgesangs den Titel des Stücks konnotiert, spiegelt er auch einen anderen Einfluss von Messiaen wider, dem berühmtesten Komponisten des Vogelgesangs. Die Darstellungen des Vogelgesangs sind am deutlichsten im Klavier, oft umreißen Dreiklänge auf F und Cis mit wiederkehrenden Tremolo-Figuren von 32-Noten-Figuren, die normalerweise in Tonhöhe und Register festgelegt sind, gegenüber eckigen dissonanten Melodien und dichten Harmonien in einer Schichtung Textur.
Fünftönige pentatonische Akkorde mit Dur-Beugung sind ein wiederkehrendes Merkmal des Klavierparts. Takemitsu verwendet dichte, vorwiegend tertianische Akkorde und Arpeggio Figuren, wobei sich einige Akkorde in paralleler Bewegung verschieben. Kit Armstrong präsentiert sich hier als äußerst anpassungsfähig und als kongenialer Duopartner für den Könner Christ mit der Viola. Ausgehaltene Töne, die Tritonus umreißen, verleihen dem Stück ein Element struktureller Kontinuität. Der Eröffnungsabschnitt des Stücks kontrastiert das ausgehaltene g’ der Bratsche mit den langen Basstönen des Planos auf cis/des[b]. Nach mehreren Phrasen verschiebt sich das Verhältnis um einen Schritt, wobei ein a in der Bratsche gegen E[[flat].sub.1] im Klavier zu hören ist. Spuren dieser weiträumigen linearen Verbindungen ziehen sich durch das ganze Stück, bis sich der Bass am Ende wieder auf Des niederlässt.
Die beiden Akteure durften für ihre Darbietung den verdienten, langanhaltenden Applaus des Auditoriums ernten und wurde etliche male auf die Bühne «zurückgeklatscht». A Bird Came Down the Walk ist ein wichtiger Beitrag zum fortgeschrittenen Viola-Repertoire und absolut spielwürdig.
Florence Price (1887–1953) Klavierquintett a-Moll
Price war die erste Afroamerikanerin, deren Orchesterwerk von einem großen US-Orchester gespielt wurde. Sie behauptete bekanntlich, dass sie mit “zwei Handicaps zu kämpfen hatte – dem ihres Geschlechts und ihrer Rasse”, und ein Großteil ihrer Musik blieb bis zu ihrem Tod unveröffentlicht
Der Musikstil der Afro Amerikanerin
Obwohl ihre Ausbildung von europäischer Tradition geprägt war, besteht Price’s Musik hauptsächlich aus dem amerikanischen Idiom und offenbart ihre südlichen Wurzeln. Sie schrieb mit einem volkstümlichen Stil und verwendete Klänge und Ideen, die der Realität der städtischen Gesellschaft entsprechen. Als engagierte Christin verwendete sie häufig die Musik der afroamerikanischen Kirche als Material für ihre Arrangements. Auf Drängen ihres Mentors George Whitefield Chadwick begann Price, Elemente afroamerikanischer Spirituals zu integrieren und den Rhythmus und die Synkope der Spirituals zu betonen, anstatt nur den Text zu verwenden. Ihre Melodien waren vom Blues inspiriert und mit traditionelleren, europäischen romantischen Techniken vermischt . Die Verflechtung von Tradition und Moderne spiegelte das Leben der Afroamerikaner in den Großstädten zu dieser Zeit wider.
Symbiose von Musikstilen der alten und der neuen Welt
Obwohl das a-Moll Klavierquintett in seinem spätromantischen Idiom charakteristisch konservativ ist, feiert es Price’ afroamerikanisches Erbe mit Anklängen an Spirituals und Hymnen und den beliebten Juba-Stomping-Tanz, der seine Wurzeln in den Sklavenplantagen des tiefen Südens hat. Ebenso hat sie sich offenbar aber auch an Kompositionen von Antonín Dvořák orientiert. Anyway, dem Publikum gefiel die akustische Symbiose von alter und neuer Welt und es belohnte die Ausführenden dementsprechend mit stürmischem Schlussapplaus, der auch die Künstlerinnen mit einschloss, die sich bei Darbietung dieses Werkes nicht mehr auf der Bühne befanden.