Portugiesische Weine im Land des Portweins Symblbild pixaby
Portugiesische Weine standen lange Zeit im Schatten der leckeren Tropfen aus Italien, Frankreich und Spanien. Die Winzer dieser drei Länder gelten seit Jahrzehnten als die größten Produkteure Europas mit außergewöhnlich guten Reben. In den vergangenen zwanzig Jahren hat Portugal jedoch einen riesigen Entwicklungssprung hingelegt und sich aus der zweiten Reihe an die vorderste Front gekämpft.
Die Weinregionen überzeugen mit neuster Technik und einem hohen Qualitätsbewusstsein. Aus diesem Grund werden immer mehr Weinfreunde auf das Land aufmerksam und genießen die Erzeugnisse der portugiesischen Winzer.
Welche Weinkategorien gibt es in Portugal?
War Portugal in vergangenen Tagen ausschließlich für den Portwein und Vinho Verde bekannt, stellen sich die Winzer heutzutage breit auf. Sie können Weißweine, Rosé und portugiesische Rotweine hier finden:
DOC/DOP – auserlesene Weine der Extraklasse
Hinter der Bezeichnung DOC versteckt sich die Qualitätsbezeichnung Denominação de Origem Controlada. Diese Angabe weist auf eine kontrollierte Ursprungsbezeichnung hin. Seit dem Jahr 2009 löst DOP – Denominação de Origem Protegida – DOC ab. Das System ist vergleichbar mit dem französischen AOC, dem italienischen DOC und dem spanischen DO.
Die 31 Anbaugebiete, die diesem portugiesischen Qualitätswein zugeordnet werden können, werden streng kontrolliert, um den hohen Anforderungen der Weinliebhaber gerecht zu werden. So ist ein Maximum für die Traubenproduktion vorgegeben und es existiert eine Obergrenze für die Anzahl der vielfältigen Reben.
IPR – Die Vorstufe
In Portugal gibt es ebenfalls ein Pendant zur französischen VQPRD-Kategorie (Vin de Qualité Produit dans une Région Déterminée). Sie trägt den Namen Indicação de Proveniência Regulamentada – kurz IPR – und definiert sechs Weingebiete als qualitativ hochwertige Regionen, die sich an herkunftsbezogene Regeln halten.
Diese seit 1991 bestehende Bezeichnung ist die Vorstufe zum DOC-Status. Sie ist ein Hinweis auf die mögliche Weiterentwicklung des portugiesischen Dursts. Erfüllt der Wein aus den jeweiligen Gebieten die geforderten Anforderungen für fünf Jahre, erlangen sie den DOC-Status.
VR/IG/IGP – der Regionalwein
Der Vinho Regional (VR) entstammt den 14 regionalen Weingebieten. Die Europäische Union legte fest, dass diese Art von Wein als IG (Geographische Indikation) oder IGP (Geschützte Geographische Indikation) betitelt wird.
Der Regionalwein besitzt die niedrigste Qualitätsstufe. Diese Degradierung hängt jedoch viel mehr mit dem Mangel an Vorschriften zusammen als mit der Qualität. Dadurch bedingt ist es den Winzern möglich, Experimente mit der Rebsorte und der Menge durchzuführen: Es entstehen hochwertige Weine, die sich weltweit großer Beliebtheit erfreuen.
Die Flexibilität hat jedoch auch Einschränkungen. So gibt es bestimmte Vorschriften für die Rebsorten oder den Mindestalkoholgehalt.
Vinho de Mesa – der Tafelwein
Frei von Weisungen sind die Vinhos oder portugiesische Tafelweine. Sie haben keine komplexe Struktur, sind ungebunden von der lokalen Weinkommission und können nach Lust und Laune produziert werden.
Das Ansehen der Tafelweine ist in der Welt der Weinliebhaber zwar gering, doch die umfassenden Freiheiten ziehen eine große Menge an ambitionierten und abenteuerlustigen Weinbauern in den Bann.
Was verraten die Weinbezeichnungen aus Portugal?
Wein wird in Portugal in Kellereien oder Weingütern hergestellt. Man spricht von den sogenannten Quintas oder Caves, die häufig auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken.
Man unterteilt die Weine folgendermaßen:
Verde: Jungweine tragen den Titel Verde und werden im Anschluss an den Gärungsprozess sofort verzehrt. Dementsprechend verfügen sie über kein Reifepotenzial und werden ohne Alterung getrunken.
Maduro: Im Gegensatz zum Verde handelt es sich beim Maduro um gereifte Weine.
Reserva: Exquisite Weinqualität findet sich bei den Reservas. Sie eignen sich ausgezeichnet für die Reifung im Eichenholzfass.
Grande Reserva: Eine Reifung von mindestens zwei Jahren im Eichenholzfass ist hier Pflicht. Die Reifedauer beträgt mindestens fünf Jahre.
Garrafeira: Der Spitzenjahrgang der Rotweine wird Garrafeira getauft. Er reift für mindestens zwei Jahre im Fass und für ein Jahr in der Flasche. Bei den Weißweinen reduziert sich die Gesamtdauer. Der Mindestalkoholgehalt muss mindestens 11,5 % Vol. erreichen.
Velho: Gealterte Weine finden sich unter der Bezeichnung Velho und müssen spezifische Kriterien erfüllen, um diesen Namen tragen zu dürfen.
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Moresby Waterproof Herrenstiefel, 210€
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Produktionsteam Musikalische Leitung: Jack Adler-McKean Regie, Konzept, Ausstattung, Dramaturgie: Musiktheater-Kollektiv Agora (Benjamin David, Anna Brunnlecher, Valentin Köhler, Jana Beckmann) Licht: André Stocker Dramaturgie: Lars Gebhardt Choreinstudierung: Mark Daver Besetzung Robert Maszl Vladyslav Tlushch Nora Bertogg Anne-May Krüger Amélie Hug Chor des Luzerner Theaters Statisterie des Luzerner Theaters Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO): Claire Chenette (Oboe, Englischhorn, Gitarre, Gesang), Margaret Hasspacher (Kontrabass, Gesang, Schlagwerk), João Carlos Pacheco (Schlagwerk, Elektronik), Sue In Kang (Violine, Schlagwerk), Diego Vasquez (Klarinette, Bassklarinette), Jack Adler-McKean (Tuba)
Styx-Tours! Ihre letzte Reise… Einsteigen bitte!
Am Eingang wartete eine Musikkapelle und begleitete die BesucherInnen mit speziellen Klängen im Areal
Theaterplatz Luzern, eine kleine Menschenansammlung, Leute, diszipliniert aufgereiht und bereit, ihr letztes Abenteuer zu beginnen, begleitet von Tourguides mit Chäppi und Fähnli – so präsentierte sich an diesem Vorabend der beschauliche Platz an der Reuss.
Sei es ein DrummerSei es eine Violistin
Wenn es schon die letzte Reise sein soll, dann bitte eine Fahrt mit bester Aussicht! Deshalb begebe ich mich in den ersten Stock des Luxusliners und lasse mich ins Friedental transportieren. Was erwartet mich dort? Will ich überhaupt ein Rendez-vous mit dem Tod? Will ich mich auf diese Konfrontation einlassen?… Fragen über Fragen…
Überraschung unterwegs
Charon in seinen Adiletten als Sunnyboy wartet auf seine Kundschaft
Beim Überqueren der Seebrücke taucht die Abendsonne die Rigi in schönstes Licht und lässt die Fahrgäste ob des wunderbaren Anblicks staunen. In Gedanken versunken stoppt der Bus plötzlich und wir werden Zeuge eines «Unfalls» zwischen einem Ambulanz- und einem Leichenwagen. Damit alle Beteiligten trotzdem rechtzeitig ans Ziel kommen, beschliesst die Crew der Styx-Tour, alle – inklusive Sarg – bei uns einzuladen und die Reise Richtung Krematorium fortzusetzen…
Das STYX-Boot liegt auf dem Trockenen
Beim Verlassen des Tourbusses fordert uns eine sympathische Frauenstimme auf, nichts liegen zu lassen, da wir ja nicht mehr zurückkehren werden und wenn wir schon etwas zurücklassen möchten, dann bitte etwas Wertvolles, woran sich die Toursbegleitung auch wirklich erfreuen kann!
Ohne Geld läuft wenig
Leckeres und Originelles auf der Angebotsliste der Imbisbude «Doña Muerte
Szenenwechsel: Vor den Toren des Krematoriums werden wir von einer kleinen Musikgruppe empfangen und es wird uns Einlass durch das Tor gegeben. So langsam verfliessen Fiktion und Wirklichkeit! Wo ist nun dieser Styx-Fluss? Wo der Fährmann Charon, der uns ins Totenreich Hades überführt? Habe ich eine Münze, die ich mir unter die Zunge legen kann, damit ich die Überfahrt auch bezahlen kann? Münze? Kleingeld? Ich war davon ausgegangen, dass auch hier das Bargeld abgeschafft ist und wie in der übrigen Stadt natürlichste Bedürfnisse nur via Handyapp bezahlt werden können… Doch da lag ich falsch: Viel mehr scheint hier zu gelten: «Nur Bares ist Wahres». Auffällig scheint mir: Auch beim letzten Gang funktioniert also nichts ohne Geld…
Am offenen Grab
Wir werden aufgemuntert uns ca. eine Stunde frei auf dem Areal zu bewegen und uns auf das Ertönen des grossen Gongs ganz oben beim alten Krematorium einzufinden. Langsam dunkelt es ein und die Abenddämmerung verwandelt das Areal, welches mit künstlichen Lichtquellen geflutet, mit Livemusik oder mit kräftigen Tenorstimmen beschallt wurde in eine fast gespenstische Aura.
Wohin führt mich mein Weg?
Einem Blick in die Zukunft beim Probeliegen steht hier nichts mehr im Wege
Angespornt durch die Neugierde immer wieder etwas Neues zu entdecken mache ich mich auf den Weg und lasse mich durch die unterschiedlichen Installationen, Begegnungen, Geräusche, Menschen, Präsentationen, Aussagen und vielem mehr leiten. Was hat das Leben in seinem letzten Moment noch übrig für mich? Was darf ich von meiner Schlussreise noch erwarten? Ist das ganze Leben in gewisser Weise immer eine «Abschlussreise», wird mein Dasein ja durch die Zeugung gestartet und mit dem Tod beendet? In welchem Zusammenhang stellen sich mir Leben und Tod? Betrachte ich die Menschen, die mit mir ebenfalls unterwegs sind, fällt mir auf, dass die angejahrte Generation eher ruhig, nachdenklich, still oder gedankenversunken unterwegs ist, währenddem junge Menschen das Ganze sehr gelassen und heiter angehen und somit die Gewissheit, dass jedes Leben endlich ist, weit von sich schieben.
Charon in Adiletten, Picknickkörbe auf Grabsteinen und «The show must go on»
Auch Kinder beschäftigen sich auf ihre eigene Art mit dem Tod
Meine Erwartungen zeigen sich häufig als unvollständig oder gar falsch: Charon, der grimmige Fährmann aus der griechischen Mythologie wird als Sunnyboy auf seiner Insel in Adiletten gekleidet gezeigt. Sein Fitnessprogramm mit einer Menschengruppe wird mit dem Song «The Show must go on» untermalt. Beim Probeliegen in einem Modelsarg getrauen sich nicht viele Besucher*innen auf das Experiment einzulassen, obwohl man ja sagt: Wie man sich bettet, so liegt man! Streng nach dem Motto, alles und jenes genau zu planen, zu definieren und zu organisieren, selbst auch Sachen, die letztlich belanglos und irrelevant sein werden, ist der Kick fürs Exklusive spürbar. Beim Imbissstand «Doña Muerte», wo die vorbestellten Picknickkörbe fein säuberlich bereitstehen und sich die Leute ein letztes Mal etwas Gutes gönnen wollen oder sich einen letzten feinen Drink bestellen möchten, herrscht eine gelöste und lockere Stimmung. Durch Songs wie «Knocking on Heaven’s Door» oder beim Anblick der Busstation «Nah dran» wird einem bewusst, was hier eigentlich gezeigt wird. Beim Teddy verraten uns Kinder ihre Vorstellung über den Tod in dem sie sich fragen, ob man dann bei Hunger im Grab per Handy eine Pizza bestellen kann oder ob Sterben auch wieder vorüber geht…
Gehorsam bis zum Tode
Der Besuch bei der Sirene war sehr eindrücklich.
Nach einem Münzeinwurf (schon wieder Geld!) wünscht mir der Automat «ein schönes Leben noch» und ich lasse mich über das restliche Areal vorbei am offenen Grab zu der Sirene führen, nachdem mich die Ansagerin darauf aufmerksam gemacht hat diesen Spektakel zu geniessen. Ich gehorche also auch noch im letzten Moment den Ansagen, den Stimmen und Tipps meiner Umgebung und lasse mich unterhalten. Selbst als der Gong ertönt und ich damit aufgefordert werde ins alte Krematorium einzutreten und damit meine irdische Reise defacto beenden werde, gehorche ich, lasse mich in den Innenraum führen und werde dort von den gewaltigen (Gesangs-)Stimmen und Sprechtexten in eine andere Welt, in eine andere Sphäre begleitet…
Und dann?
Noch einmal dem wirklichen Tod entgangen, öffnen sich die Türen und ich darf in mein wirkliches Leben zurückkehren, begleitet von einer kleinen Musikband führt mein Weg zur Busstation, wo mich ein Bus der VBL ohne Styx-Querung wieder in meine gewohnte Welt zurückführt. Unberührt lässt mich das Erlebte auf meiner ganzen Heimreise nicht! Auch wenn einzelne Bilder etwas schräg und gar morbid eingefahren sind, so lässt der Gedanke der eigenen Sterblichkeit mich nicht los. Nicht in einer belastenden Form aber in einer positiv prägenden und nachhaltigen Art und Weise!
Diese ziemlich morbide aber spannende Musiktheater-Reise, die auch als «Rundum sorglos sterben mit STYX-Tours! Jetzt unsere Spezialangebote buchen!» angeboten wird, ist hinter dem etwas schaurigen Gewand eine facettenreiche, gelungene Inszenierung, die das Luzerner Theater in Koproduktion mit Lucerne Festival und dem Kollektiv Agora erarbeitet hat.
Thomas Adès hat sein Orchester fest im Griff Foto Priska Ketterer
Besetzung und Programm: Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) Thomas Adès Dirigent Anne-Sophie Mutter Violine >Per Nørgård (*1932) Drømmespil (Traumspiel) für Kammerorchester Witold Lutosławski (1913–1994) Sinfonie Nr. 3 Igor Strawinsky (1882–1971) Agon. Ballett für zwölf Tänzer Thomas Adès (*1971) Air für Violine und Orchester (Uraufführung) Auftragswerk «Roche Commissions» für Lucerne Festival Ko-Auftraggeber: Anne-Sophie Mutter, Carnegie Hall und Boston Symphony Orchestra
Grundsätzliches zum Konzert ab Homepage des Lucerne Festivals
Dirigent Thomas Adès gibt den Takt an
Berührungsängste mit der Tradition kennt er nicht: Composer-in-residence Thomas Adès, der sein neues Werk für Stargeigerin Anne-Sophie Mutter selbst dirigiert, knüpft in seinem Schaffen an die unterschiedlichsten Idiome an – von Bach bis zum Blues, von der sinfonischen Tradition bis zur Clubkultur. Und doch erkennt man seine Musik sofort. Auch Igor Strawinsky liess sich von einer Vielzahl an Stilen anregen, zu seinem letzten Ballett Agon etwa durch ein französisches Tanztraktat aus dem 17. Jahrhundert. Agon entpuppt sich als muntere Revue stilisierter Tänze, die frühbarocke Modelle mit einer avancierten Tonsprache verschmilzt – und das grossbesetzte Orchester (inklusive Mandoline und Kastagnetten!) zu immer neuen, aparten Ensembles gruppiert. Eine abwechslungsreiche Folge instrumentaler Episoden präsentiert auch Per Nørgårds Drømmespil («Traumspiel»), während Witold Lutosławski in seiner Dritten Sinfonie mit der für ihn so typischen «kontrollierten Aleatorik» arbeitet: Auskomponierte Passagen wechseln sich ab mit Abschnitten, die den Musiker*innen grosse rhythmische Freiheiten gewähren – was pulsierende Klangflächen von packender Vitalität erzeugt.
Zeitgenössische Musik wird in Luzern schon länger gefördert und ist fest etabliert
Einige Koryphäen, Grössen zeitgenössischer Musik, wollten sich dieses spannende Konzert auch nicht entgehen lassen und waren deshalb im Saal anwesend, so u.a. Wolfgang Rihm, seit Sommer 2016 der Künstlerische Leiter der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY und Dieter Ammann, 2010 selbst composer-in-residence beim Lucerne Festival.
Das Lucerne Festival Contemporary Orchestra (kurz: LFCO) versteht sich als Exzellenzorchester für die Aufführung neuer und neuester Musik. Es bildet das Pendant zum Lucerne Festival Orchestra und fokussiert sich auf Partituren des 20. und 21. Jahrhunderts, von den Klassikern der Moderne bis hin zu Auftragswerken, die in Luzern uraufgeführt werden.
Alle Mitglieder des LFCO haben von der Ausbildung in der von Pierre Boulez initiierten und heute von Wolfgang Rihm geleiteten Lucerne Festival Academy profitiert. Dank der engen Anbindung an die Academy und ihr Netzwerk ist das LFCO in der Lage, eine Vorreiterrolle in der Interpretation aktueller Musik und in der Entwicklung zukunftsweisender Konzertformate einzunehmen. In seinen Projekten nutzt es die Möglichkeiten der neuen Technologien; interdisziplinäre Arbeiten lassen neuartige Hör- und Konzerterlebnisse entstehen. Dies alles immer mit einer klaren Vision: making contemporary music happen.
Per Nørgård(*1932) Drømmespil (Traumspiel) für Kammerorchester
Nørgård entdeckte die melodische Unendlichkeitsreihe 1959 und sie erwies sich als Inspiration für viele seiner Werke in den 1960er Jahren. Doch erst seine Voyage into the Golden Screen für kleines Ensemble (1968) – das als das erste „eigentlich instrumentale Stück spektraler Komposition “ identifiziert wurde – und die Symphonie Nr. 2 (1970) lieferten die Struktur für ein ganzes Werk. Die harmonische und rhythmische Unendlichkeitsreihe wurden in den frühen 1970er Jahren entwickelt und die drei Reihen wurden erstmals in Nørgårds Sinfonie Nr. 3 integriert
Per Nørgård beschrieb sein Traumspiel im Jahre 1980 folgendermassen:
Thomas Adès Dirigent
Das Stück könnte als Turnier eines Traums angesehen werden, bei dem die Teilnehmer sich vielleicht gegeneinander behaupten, dies jedoch tun, um sich an ihren Unterschieden zu erfreuen – nicht um sich gegenseitig zu zerquetschen. Hier treffen zum Beispiel ein David und ein Goliath zur großen Freude beider Parteien aufeinander. Und hin und wieder hören die Teilnehmer auf, sich gegenseitig anzugeben – und geben sich stattdessen innigsten Umarmungen hin. Auf der formalen Ebene können die folgenden Passagen als eine Reihe von Variationen betrachtet werden.
Im Verlauf des Konzertes kommen noch drei andere Stücke der jüngeren Moderne zu ihrer Schweizer Erstaufführung, ein überraschender Abend, ganz der zeitgenössischen Musik, die ja in Luzern seit längerem sehr gepflegt wird, verschrieben.
Igor Strawinsky (1882–1971) Agon. Ballett für zwölf Tänzer
Schlagwerkerinnen in Aktion
Das dem Choreographen Balanchine gewidmete Ballett-Spiel ohne Handlung für zwölf Tänzer komponierte Strawinski nach dem Muster stilisierter französischer Barocktänze; im »Canticum Sacrum«, einer hymnischen Kantate zu Ehren des heiligen Markus, hingegen wandte er altvenezianische Meisterpraktiken an. Zu beiden Werken jedoch mischt der beständige Avantgardist tonale Passagen mit punktuellem Webern-Sound und undogmatischen Reihen à la Schönberg,
Der lange Reifungsprozess der Komposition deckt einen interessanten Punkt in Stravinskys Kompositionskarierre ab, in der von einer diatonischen musikalischen Sprache zur 12Ton Technik wechselte; die Musik des Balletts demonstriert entsprechend eine eigene Symbiose von musikalischen Mitteln. Das Ballett erzählt keine Geschichte, aber besteht aus einer Serie von Tanzbewegungen, bei denen verschiedene Gruppen von Tänzern in Paaren, Trios, Quartetten etc. Interagieren.
Eine Reihe von Bewegungen basieren auf französischen Hoftänzen des 17. Jahrhunderts – Sarabande, Galliard und Bransle. »Canticum Sacrum ad Honorem Sancti Marci Nominis« ist ein 17-minütiges Chor- & Orchester Werk, das Igor Stravinsky (1882–1971) 1955 als Widmung an »die Stadt Venedig, als Ehrung von dessen Schutzheiligen, dem heiligen Apostel Markus« komponiert hat. Das Werk ist kompakt und stilistisch abwechslungsreich und reicht von etablierten, neoklassischen Modi zu experimentellen neuen Techniken.
Thomas Adès (*1971) «Air» für Violine und Orchester (Uraufführung)
Hochkonzentrierter Thomas Adès
«Air»für Violine und Orchester schrieb er für niemand Geringeren als Anne-Sophie Mutter als Auftragswerk der «Roche Commissions». Für einmal soll nicht die Virtuosität der Künstlerin im Zentrum stehen, sondern ihre legendäre Gesanglichkeit. Luftig, leicht und immateriell sei das Konzert geworden.
Anne-Sophie Mutter und Thomas Adès zelebrieren Air mit Unterstützung des grossartigen Orchesters Foto Priska Kettererjpg
Uraufführung: Für Anne-Sophie Mutter hat Adès ein neues Werk für Violine und Orchester komponiert. Es antwortet in gewisser Weise auf das Violinkonzert «Concentric Paths» von 2005. Ein Kritiker aus den USA nannte dieses Werk einst «ein gutes Beispiel» dafür, wie bei Adès «der Zynismus und die Frechheit der Jugend einer neuen lyrischen Neigung» gewichen seien.
Er renne vor der Schönheit nicht weg wie andere zeitgenössische Komponisten, hat der 1971 in London geborene Komponist Thomas Adès unlängst in einem Interview gesagt. «Air» heisst das neue Werk, das er für die Geigerin Anne-Sophie Mutter geschrieben hat. Der charakteristische, intensive Geigenton der Solistin wird diese melodienhafte «Arie» prägen.
«Schöne» neue Musik angesichts unserer heutigen Zeit? Für Adès ist das kein Widerspruch: Denn die Suche nach Schönheit kann auch eine Utopie bedeuten, und hörbar ist das neue Stück auch als Lamento.
Die Solistin glänzte auch dank eines kongenialen Orchesters
Anne Sophie Mutters Spiel auf ihrer Stradivari löst sich immer klarer aus dem magistralen Orchester, konzentriert und trotzdem irgendwie ungebunden. Das Stück ist wie geschaffen für die Geigerin. Ihren singenden Klang, der selbst in oberster Höhe noch erwärmt.
Anne-Sophie Mutter und Thomas Adès beglückwünschen sich gegenseitig Foto Priska Ketterer
Bei Adès wirkt das vermeintlich Gegensätzliche jedoch erstaunlich einheitlich und organisch. Genau das unterscheidet Adès von der Polystilistik eines Alfred Schnittke. Während der 1998 verstorbene russisch-deutsche Komponist unterschiedliche Stile und Charaktere zu einer scharf gezeichneten Collage zusammenführte, sucht Adès mehr die Einheit in der Vielfalt. Francisco Coll, der aus Spanien stammende, in Luzern lebende einzige Kompositionsschüler von Adès, spricht von einer Art «Homogenität im Heterogenen», die Coll auch für seine eigenen Werke reklamiert.
Wollte Anne-Sophie Mutter dezidiert etwas Ähnliches oder bewusst etwas anderes?
Als wir über das neue Stück sprachen, sind wir übereingekommen, dass es nicht etwas werden sollte, was ich schon einmal erprobt hatte. Also nicht einfach ein zweites Violinkonzert. Ich wollte tatsächlich etwas anderes erschaffen: Wir kamen schnell überein, dass das neue Werk mehr wie eine ausgedehnte Arie für Violine in einem Satz sein sollte.
Spielt also die Frage nach der Melodie eine zentralere Rolle als noch in «Concentric Paths»?
Richtig, das Werk fokussiert sich mehr auf den Aspekt Melodie und Linie, weniger auf komplexere Fragen nach Form und Gehalt, Harmonik und Klanglichkeit. Das neue Violinkonzert trägt demzufolge den Titel «Air», also «Aria». Es ist also ein liedhaftes Werk, und so wird die Violine im Vergleich zum Konzert «Concentric Paths» sehr viel melodischer behandelt. Die Linie der Solo-Violine von Anne-Sophie Mutter wird unterstützt von dem Orchester. Es drängt sich hinein und führt sie weiter, webt gewissermassen ein Netz.
Der Solopart und das Orchester bilden also ein in sich geschlossenes Ensemble wie im Barock und weniger einen Widerstreit, wie es oftmals im romantischen Solokonzert der Fall ist?
Es ist kein Stück mit offen ausgestellten Gegensätzen oder Widersprüchen, ja. Der Solopart und das Orchester bilden gemeinsam einen in sich geschlossenen, organischen Klangkörper. Wollte Anne-Sophie Mutter dezidiert etwas Ähnliches oder bewusst etwas anderes?
Als wir über das neue Stück sprachen, sind wir übereingekommen, dass es nicht etwas werden sollte, was ich schon einmal erprobt hatte. Also nicht einfach ein zweites Violinkonzert. Ich wollte tatsächlich etwas anderes erschaffen: Wir kamen schnell überein, dass das neue Werk mehr wie eine ausgedehnte Arie für Violine in einem Satz sein sollte.
Spielt also die Frage nach der Melodie eine zentralere Rolle als noch in «Concentric Paths»?
Anne-Sophie Mutter Thomas Adès und das Orchester geniessen die stehende Ovation nach der Uraufführung von Air
Richtig, das Werk fokussiert sich mehr auf den Aspekt Melodie und Linie, weniger auf komplexere Fragen nach Form und Gehalt, Harmonik und Klanglichkeit. Das neue Violinkonzert trägt demzufolge den Titel «Air», also «Aria». Es ist also ein liedhaftes Werk, und so wird die Violine im Vergleich zum Konzert «Concentric Paths» sehr viel melodischer behandelt. Die Linie der Solo-Violine von Anne-Sophie Mutter wird unterstützt von dem Orchester. Es drängt sich hinein und führt sie weiter, webt gewissermassen ein Netz.
Der Solopart und das Orchester bilden also ein in sich geschlossenes Ensemble wie im Barock und weniger einen Widerstreit, wie es oftmals im romantischen Solokonzert der Fall ist?
Es ist kein Stück mit offen ausgestellten Gegensätzen oder Widersprüchen, ja. Der Solopart und das Orchester bilden gemeinsam einen in sich geschlossenen, organischen Klangkörper. Das ist tatsächlich der Barock-Zeit ähnlich, aber ich würde sogar noch weiter zurückgehen: In der spezifischen Kontrapunktik würde ich auch eine Verbindung zu den englischen Reformatoren der Musik wie Thomas Tallis oder William Byrd aus dem 16. Jahrhundert sehen. In diesem Geflecht wirkt die Violine wie ein goldener Strahl. Es ist also kein Solo-Konzert im herkömmlichen Sinne.
Das Publikum feierte Solistin, Komponist & Dirigent, sowie das Orchester mit einer langanhaltenden «Standing Ovation».
Witold Lutosławski (1913–1994) Sinfonie Nr. 3
Witold Lutoslawski gestaltet die sinfonische Form mit seiner spezifischen Anwendung der Aleatorik: auskomponierte Abschnitte wechseln mit “Ad-libitum”-Passagen, in denen das Notenmaterial von den Spielern frei zu variieren und zu rhythmisieren ist.
Lutosławskis Verzicht auf die übliche Norm von vier Sätzen
Lutoslawski verzichtet auf die traditionelle Viersätzigkeit und begnügt sich mit zwei Sätzen, von denen der erste lediglich vorbereitenden Charakter trägt. So gelang es ihm, die Gattung der Sinfonie mit neuem Leben zu erfüllen. Seine 1983 vollendete Dritte ist ohne Zweifel sein sinfonisches Hauptwerk. Ihr dramatisch-tragischer Gestus und die meisterhafte kompositorische Dramaturgie setzen sie in die Nachfolge großer europäischer Sinfonik, trotz oder gerade wegen der neuartigen Form. Eine Komposition, die dank ihrer Rasanz und Dichte über alle Attribute verfügt ein Ohrwurm, gar ein veritabler Klassiker zu werden, vor allem, wenn sie so engagiert vorgetragen wird, wie zum Schluss des Konzertabends von diesem phantastischen Orchester unter der magistralen Ägide von Thomas Adès.
Das Auditorium war dementsprechend begeistert und spendete langanhaltenden, stürmischen Applaus für ein ebenso ungewöhnliches, wie auch begeisterndes Konzerterlebnis.