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Viva Frida Kahlo – Immersive Experience Foto Andi Juchli

Lichthalle MAAG, Viva Frida Kahlo Ausstellung – Immersive Experience besucht von Léonard Wüst

Viva Frida Kahlo – Immersive Experience Foto Andi Juchli
Viva Frida Kahlo – Immersive Experience Foto Andi Juchli

Ausstellung: Die Bilder und das Leben von Frida Kahlo in einer immersiven Inszenierung.Die neue Lichthalle MAAG eröffnet mit einer Weltpremiere: «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience». Die Bilder und das Leben der expressiven Malerin sind Vorlage für die immersive Inszenierung, die mittels Hochleistungsvideoprojektionen, Licht- und akustischer Effekte präsentiert wird. Dank der 360-Grad-Rundumprojektion haben die Besucherinnen und Besucher das Gefühl, sich mitten in den Gemälden und dem Leben der Künstlerin zu befinden.Die neue Lichthalle MAAG ist das erste permanente Museum der Schweiz, das nur immersive Ausstellungen zeigt. Werke grosser Künstlerinnen und Künstler werden illuminiert, animiert, vertont und auf Wände, Decken und Böden projiziert.

Grundsätzliches über diese aussergewöhnliche Persönlichkeit

Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Frida Kahlo Foto Andi Juchli

Am Anfang von Frida Kahlos Kunst steht eine Tragödie: Am 17. September 1925 kollidiert in der Hauptstadt Mexikos eine Strassenbahn mit einem Omnibus. Die damals 18-jährige Tochter eines aus Süddeutschland eingewanderten Fotografen und einer Mexikanerin aus dem Gliedstaat Oaxaca sitzt auf dem Heimweg von der Schule in jenem Bus.

Die junge Frau wird durch die Wucht des Zusammenpralls quer durch das Fahrzeug geschleudert. Ein stählerner Handlauf bohrt sich von hinten durch ihr Becken und spiesst sie regelrecht auf. Neben der Unterleibsverletzung erleidet sie elf Knochenbrüche am rechten Bein sowie drei weitere Frakturen an der Wirbelsäule und einen Schlüsselbeinbruch.

Ganze Biografie auf der Seite des Veranstalters über diesen Link einsehbar https://vivafridakahlo.ch/de/frida-kahlo/

Sinnvolle Weiternutzung des für eine Zwischennutzung erstellten Tonhalle Provisoriums

Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Frida Kahlo Foto Andi Juchli

Eigens erstellt für die Abhaltung von Konzerten ab September 2017 während der Renovation der altehrwürdigen, 1895 erbauten und von Johannes Brahms eingeweihten Tonhalle an der Claridenstrasse. Nun, da seit September 2021, also nach vier Jahren und einer etwa halbjährigen  Verspätung die Konzerte wieder im, für ca. 175 Millionen Franken renaturierten Stammhaus stattfinden, stellte sich die Frage: Tonhalle MAAG quo vadis?

 

 

 

Allgemeine Befürchtung von Kulturschaffenden

Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Frida Kahlo Foto Andi Juchli

Das 10 Millionen CHF teure Substitut wird wohl aufgrund des Immobiliendrucks früher oder später abgerissen. Eigentümerin des Maag-Areals ist momentan die Swiss Prime AG, welche wohl eher nicht am Erhalt der Spielstätte interessiert ist. Die einzige Möglichkeit, das als Provisorium erstellte Projekt zu behalten, wäre, wenn die Stadt Zürich die Immobilie erwerben könnte. Noch ist ungewiss, was mit dem Bau passieren wird. Vielleicht wird der Licht/Tonhalle Maag ein ähnliches Schicksal zuteil wie dem Freitag Tower: Dieser wurde 2006 ebenfalls als Provisorium für ein paar Jahre gedacht, und steht heute immer noch standhaft an der Hardbrücke und ist wohl nicht mehr wegzudenken.

Aber manchmal kommt es anders:

Dann kam die MAAG Music & Arts AG vertreten durch Darko Soolfrank als Initiantin des Projektes und Betreiberin der Lichthalle MAAG und Roman Beraneck, der als Creativ Director von Projektil, für den kreativen Inhalt verantwortlich zeichnet.

Dazu verweisen wir über folgende Links auf dementsprechende Informationen:

https://lichthallemaag.ch/about/

https://www.retten-wir-die-maaghallen.ch/

Aus der Tonhalle MAAG wird die Lichthalle MAAG
Aus der Tonhalle MAAG wird die Lichthalle MAAG

Aus der Tonhalle MAAG wird die Lichthalle MAAG, das erste permanent betriebene Museum der Schweiz für immersive Kunst. Die Lichthalle MAAG in Zürich eröffnet gleich mit einer Weltpremiere: «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience» ist die erste immersive Schau in der Lichthalle MAAG. Sie setzt Leben und Werk der legendären mexikanischen Künstlerin höchst eindrücklich in Szene. Die Premiere von «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience» ist Welturaufführung zugleich. Mit 39 Hochleistungsprojektoren werden Kahlos Bilder zum Leben erweckt und auf bis zu 34 Meter lange und 10 Meter hohe Wände, auf die Decke und auf den Boden der Halle projiziert.

Ideale Hallengrösse für Projekte dieser Art

Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Frida Kahlo Foto Andi Juchli

Mit einer BGF von  5 500 m² ist die Halle bestens geeignet für  Projekte wie dieses «Frida Kahlo» Spektakel, bietet genügend Platz für die zahlreichen Besucher, sich zwanglos in der Ausstellung zu bewegen, die grossflächige Show in der Haupthalle, dem vormaligen Konzertsaal zu geniessen. Anschaulich ausführlich, mittels Projektionen, mündlichen Erläuterungen und Musik taucht man ein in das Leben und Werk dieser, in jeder Hinsicht, aussergewöhnlichen, starken Persönlichkeit, die die der Tragik ihres Lebens in einen, nicht nur optischen,  Triumph umwandelte.

Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Frida Kahlo Foto Andi Juchli

Zitat der Veranstalter: Die immersive Inszenierung ist dramaturgisch aufgebaut und erzählt die Geschichte sowohl der Malerin als auch der Person Frida Kahlo. Eine Sprecherin in der Rolle der Künstlerin führt mit Originalzitaten durch das Geschehen. Ein eigens komponierter Soundtrack untermalt die immersive Inszenierung akustisch. In langwierigen Verhandlungen gelang es dem für das neue Zürcher Museum verantwortlichen Joint Venture, die Rechte an Frida Kahlos Bildern für immersive Zwecke zu erwerben. Es ist das erste Mal, dass ihre Werke ausserhalb von Mexiko auf diese faszinierende Weise inszeniert werden. Bereits ist «Viva Frida Kahlo – Immersive Experience» für die Ausstellung in weiteren Städten Europas gebucht worden. Zitatende.

Genug Zeit für den Rundgang einplanen

Beim Rundgang, für den man sich mindestens lohnende 60 Minuten Zeit nehmen sollte, taucht man ein in eine fantastische, farbenprächtige Welt, die sich Frida, trotz ihrer tragischen Lebensgeschichte erschaffen hat. Die frühen Werke haben viel von naiver Malerei, Portraitmalereien wie sie in Meso Amerika relativ oft, allerdings nicht so farbenfroh, zu finden sind.

Geeignet für Familienausflug mit Kind und Kegel

Die animierte 360-Grad-Multimediaschau ist massentauglich, begeistert Rentner ebenso wie Kinder und «normale» Erwachsene sowieso, ist also ebenso gut  geeignet für einen Familienausflug wie ein Zoobesuch.

Pixel können das Original nicht wirklich ersetzen

Frida Kahlo Foto Andi Juchli
Frida Kahlo Foto Andi Juchli

Im Grunde machen diese Ausstellungen, untergebracht zumeist in praktischen Industriehallen, das genaue Gegenteil von einem Kunsthaus, das seine Werke hinter goldenen Türen verschliesst. Der skeptische Blick von Kunstkennern ist vorbestimmt. Pixel, das ist aber auch den Betreibern klar, können das Original nicht ersetzen. In den Projektionen verlieren sich plastische Pinselstriche, die Struktur, nicht einmal Grösse und Format lassen sich ablesen. Trotz allen Vorbehalten lohnt sich ein Besuch, können sich doch auch nicht grad Museen affine Personen auf irgendwie spielerische Art Kunst annähern und dadurch auch animiert werden, mal eine Ausstellung in einem  «richtigen» Museum zu besuchen.

Fotos: https://vivafridakahlo.ch/de/  Andi Juchli

Text: www.leonardwuest.ch

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Le piano symphonique Camille Saint-Saëns 1 Fabien Gabel, Leitung

Le piano symphonique Camille Saint-Saëns 1, KKL Luzern, 10. 11.2021, besucht von Léonard Wüst

Le piano symphonique Camille Saint-Saëns 1 Fabien Gabel, Leitung
Le piano symphonique Camille Saint-Saëns 1 Fabien Gabel, Leitung

Besetzung und Programm:
Luzerner Sinfonieorchester
Fabien Gabel, Leitung
Nareh Arghamanyan, Klavier
Kit Armstrong, Klavier
Nelson Goerner, Klavier

Hector Berlioz (1803 – 1869)
Ouvertüre zur Opéra comique «Béatrice et Bénédict»
–
Camille Saint-Saëns (1835 – 1921)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 17
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 22
–
Richard Wagner (1813 – 1883)
Vorspiel zur Oper «Die Meistersinger von Nürnberg»
–
Christoph Willibald Gluck (1714 – 1787)
«Ballet memes contraire» aus der Oper «Iphigénie en Tauride»
–
Camille Saint-Saëns
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 c-Moll op. 44

Gleich drei Weltklassepianist*innen am gleichen Abend im selben Konzert ist schon etwas sehr Außergewöhnliches.

Hector Berlioz Ouverture zur Opéra comique «Béatrice et Bénédict»

»Die hervorstechendsten Merkmale meiner Musik sind leidenschaftlicher Ausdruck, inneres Feuer, rhythmischer Schwung und Unvorhersehbarkeit« äußerte sich Hector Berlioz hinsichtlich der Spezifik seiner musikalischen Schöpfungen. Berlioz, der genialische Egozentriker, der Unbequeme, der viel Geschmähte, war in seiner musikalischen Vision seiner Zeit weit voraus.

Berlioz` Experimentierfreude

Fabien Gabel Dirigent
Fabien Gabel Dirigent

Die Experimentierfreude von Hector Berlioz, was das Beschreiten neuer musikalischer Wege betrifft, fand insbesondere im Falle seiner Musiktheaterwerke zu seinen Lebzeiten nie den gebührenden Widerhall. Im August 1862 anlässlich der Eröffnung des Neuen Theaters in Baden-Baden uraufgeführt, war auch »Béatrice und Bénédict« nur eine kühle Aufnahme vergönnt. Dabei zeichnet sich diese Partitur, ganz abgesehen von der inspirierten Ouvertüre, durch eine Vielzahl kostbarer musikalischer Parts aus und ist dabei – analog dem Shakespeareschen Text – auf eine so subtile Art geistreich-witzig, dass sie von vielen Kennern heute als eine Erweiterung des Genres der opéra-comique genommen wird. Der französischstämmige Dirigent Fabien Gabel gab mit diesem Werk einen funkensprühenden Einstand als Gastdirigent des KKL Residenzorchesters, was sich auch durch den  Applaus des Publikums manifestierte.

Camille Saint-Saëns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 17

Nareh Arghamanyan Solistin Klavierkonzert Nr. 1
Nareh Arghamanyan Solistin Klavierkonzert Nr. 1

Das 1. Klavierkonzert hat einen Hang zum Virtuosen Konzert, dies gilt vor allem für den 3. Satz. Dennoch ist das Werk geprägt von einem starken klassizistischen Form Sinn. Der Hornruf der Andante-Einleitung wird zum wesentlichen Bestandteil des folgenden Allegro assai Hauptteils, indem er in Lisztscher Manier durch rasante Arpeggien im Klavier verarbeitet wird. Dieser Hornruf erscheint außerdem am Ende des 3. Satzes und bildet die Klammer des Werkes.

Der Mittelsatz gibt der Solistin Raum zur Entfaltung. Auffallend sind vor allem die Solokadenzen, die häufig ohne Taktstriche notiert sind. Das deutlich reduzierte Orchester tritt in den Hintergrund, es dient vor allem als Bindeglied zwischen den ausgedehnten Klavierpassagen. In ihnen tritt auch die ungewöhnlich fortschrittliche Harmonik am deutlichsten hervor. Die Armenierin Nareh Arghamanyan, im zitronengelben Abendkleid,  spielt die Partitur introvertiert diskret, behauptet sich zurückhaltend  entgegen dem Orchester. Dafür glänzt sie im  im zweiten Satz durch ihr transparentes Spiel, wenn auch mit etwas viel Pedaleinsatz.

Der Schlusssatz dann  wird geprägt durch eine extrovertierte Virtuosität, die durch Solistin emotional ausgespielt wurde, immer getragen von einem engagierten Orchester. Das beeindruckte Auditorium geizte denn auch nicht mit reichlich Applaus, bevor es sich in die Foyers in die erste von zwei Pausen begab.

Camille Saint-Saëns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 22

Kit Armstrong Piano
Kit Armstrong Piano

Völlig anders packt der amerikanische Pianist Kit Armstrong zu. Er setzt die Harmonien knallhart glasklar, perlt sich kraftvoll durch die Laufkaskaden, zurückhaltend mit dem Pedal ergibt das einen unverfälschten, satten Pianoklang, der auch im fulminanten Schlussteil Bestand hält und seine Mitmusikerinnen mitreisst durch das virtuose Klanggebilde des französischen Komponisten. Hatte zuvor die Armenierin ihr Werk fast analytisch seziert, fegte der Amerikaner nur so durch die Partitur. Der begeistere Applaus der Besucher war ihm sicher.

Richard Wagner Vorspiel zur Oper «Die Meistersinger von Nürnberg»

Fabien Gabel in Aktion Symbolbild
Fabien Gabel in Aktion Symbolbild

Dieses Werk entstand nicht in Zürich, Venedig oder auf Tribschen, wie z.B. «Tristan und Isolde», sondern inspiriert durch eine Marienstatue in Venedig, worauf Wagner das Libretto zur Oper innert 30 Tagen in Paris niederschrieb. Und das Orchester intonierte diese Ouvertüre richtig «wagnerianisch»: wuchtig, aufbrausend mächtig, richtig teutonisch eben, was dem Auditorium, am Applaus gemessen, durchaus auch Spass machte und es gutgelaunt in die zweite von zwei Pausen entliess.

Christoph Willibald Gluck «Ballet memes contraire» aus der Oper «Iphigénie en Tauride»

Der Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters, Numa Bischof Ullmann betrat die Bühne und verkündete eine spontane Programmänderung. Aufgrund des kürzlichen Hinschiedes (1. November 2021) des brasilianischen Starpianisten und vielfachen Gastmusikers des Luzerner Orchesters, Oscar Freire, spiele der nun auftretende argentinische Pianist Nelson Goerner, ein enger Freund Freire`s, das von diesem besonders geschätzte Werk von Jan Paderewski, die Nocturne Opus 16 Nr. 4 anstelle des Gluck Werkes. Man bitte aber darum, aus Respekt vor dem Verstorbenen, auf den Applaus zu verzichten, es folge dann umgehend das zum Schluss vorgesehene Klavierkonzert Nr. 4

Camille Saint-Saëns Konzert für Klavier und Orchester Nr. 4 c-Moll op. 44

Nelson Goerner Klavier Foto Marco Borggreve
Nelson Goerner Klavier Foto Marco Borggreve

Das vierte Konzert übertrifft alle anderen an Tiefgang und formaler Raffinesse deutlich. So wird in diesem zweisitzigen Werk, das einige Konzepte der berühmten Orgelsymphonie vorwegnimmt, z.B. das schwer lastende Hauptthema des Beginns. Das Thema und Urmotiv des gesamten Konzerts wird zu Beginn des Satzes im Allegro von den Streichern vorgestellt. Es stellt ein vom Komponisten bearbeitetes französisches Lied dar. Dialogisch entwickeln nun Orchester und sich immer virtuoser steigerndes Soloklavier das Thema. Es erklingt schließlich fortissimo in majestätischem c-Moll, bevor es von Holzbläsern und Klavier scherzhaft mit sprunghaften Läufen abgewandelt wird. Statt der Sonatenform wendet Saint-Saens die Kompositionstechnik der Variation und Verarbeitung an, so dass das ganze Konzert im übertragenen Sinne als Durchführung des Urmotivs angesehen werden könnte später als Scherzo paraphrasiert.

Nelson Goerner vereint die Introvertiertheit der Armenierin und die Extrovertiertheit des Amerikaners

Beide Stücke haben die zeitgenössischen Hörer eher überfordert. Nelson Goerner bewegt sich temperamentsmässig in etwa in der Mitte von Nareh Arghamanyan und Kit Armstrong. Ein Übergangsteil, bestehend aus zu Arpeggien aufgebrochenen Akkorden, führt zu einer lyrischen Variante des Liedes. Diese stellt den zweiten Teil des Konzerts und somit den Andante-Teil des ersten Satzes dar. Die piano vorgetragene Weise wird in der Folge vom romantisch-elegischen Klavier umspielt. Im fünften Teil des Konzerts wird diese lyrische Form des Themas wieder aufgenommen und majestätisch gesteigert.

Herausfordernde grossgriffige Harmonien

Eine erste Steigerung erfährt es bereits im Anschluss, da es vom Soloklavier und großgriffigen Akkorden virtuos ausgeschmückt wird. Leise Blechbläserfanfaren im Hintergrund des zunehmend unruhigen musikalischen Geschehens erzeugen einen Spannungsaufbau, der jedoch zu Ende des ersten Satzes nicht mehr aufgelöst wird. Der 2. Satz übernimmt die Funktion eines Scherzo Satzes. Im letzten Allegro-Teil des Werkes stellt das Klavier die lyrische und sehr gesangliche Ausformung des Themenmaterials in einer zunächst monophonen Form dar. Die Themenherkunft als Lied ist hier kaum noch zu verkennen. Die folgende Apotheose ergreift nun das ganze Orchester. Immer wieder umspielt vom Soloinstrument, wird das Liedthema weiterverarbeitet, wobei der freudige und optimistische Duktus stets beibehalten wird. Das alte c-Moll des Konzertbeginns hat sich zu einem strahlenden C-Dur gewandelt. In diesem Charakter endet das Konzert nun auch in einer großen und alles mitreißenden Coda, in der das jubelnde Lied abschließend auch in den Blechbläsern erklingt. der Argentinier modulierte die Partitur äusserst genau und mit viel Empathie, kongenial unterstützt vom brillanten Orchester, technisch natürlich perfekt, nie mechanisch, immer voller sensibler Hingabe.

Für diese grossartige Darbietung durften die Künstler stürmischen Applaus, garniert mit etlichen Bravorufen ernten.

Es hätte sicher zu einer stehenden Ovation gereicht, wenn sich die andern zwei Solist*innen noch dazu gesellt hätten, so aber wollte das Auditorium offensichtlich die Akklamation nicht «ungerecht» verteilen.

Ein eindrücklicher Abend mit grossartigen Solist*innen und einem fantastischen Residenzorchester, magistral geleitet von Fabien Gabel.

LUZERNER SINFONIEORCHESTER, Carmen und L’Arlésienne: Muttertags Konzert mit Nelson Freire April 2019

https://innerschweizonline.ch/wordpress/luzerner-sinfonieorchester-carmen-und-larlesienne-muttertagskonzert-mit-nelson-freire/

Paderewski – Nocturne Op.16, No.4 (Ewa Kupiec)

https://www.youtube.com/watch?v=TesMKDaK_vE

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.sinfonieorchester.ch

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Anne Sophie Mutter & Mutters’s Virtuosi

ANNE-SOPHIE MUTTER & MUTTER’S VIRTUOSI, KKL Luzern 5. 11. 2021, besucht von Léonard Wüst

Anne Sophie Mutter & Mutters’s Virtuosi
Anne Sophie Mutter & Mutters’s Virtuosi

Besetzung und Programm:
Anne-Sophie Mutter – Violine & Leitung

Mutter‘s Virtuosi,  Solisten-Ensemble der Anne-Sophie Mutter Stiftung

Antonio Vivaldi Konzert für vier Violinen, Violoncello, Streicher &  Basso continuo h-Moll op. 3
Unsuk Chin Gran Cadenza (Schweizer Erstaufführung)
Wolfgang Amadeus Mozart Streichquintett Nr. 6 Es-Dur KV 614
Antonio Vivaldi «Die vier Jahreszeiten» — Konzerte für Violine, Streicher und Basso continuo Nr. 1– 4 aus «Il cimento dell’armonia e dell’inventione» op. 8
Konzert Nr. 1 E-Dur «La primavera»
Allegro; Largo e pianissimo sempre; Allegro
Konzert Nr. 2 g-Moll «L’estate»
Allegro non molto; Adagio — Presto; Presto
Konzert Nr. 3 F-Dur «L’autunno»
Allegro; Adagio; Allegro
Konzert Nr. 4 f-Moll «L’inverno»
Allegro non molto; Largo; Allegro

Anne Sophie Mutter, im Folgenden A.S.M., das einstige Wunderkind, von Herbert von Karajan entdeckt, ist inzwischen längst zur „Grande Dame“ der Geigenvirtuosinnen herangereift, die im zweiten Konzert der Migros Kulturprozent Classicskonzertreihe, zusammen mit ihrem Ensemble Mutter’s Virtuosi, zu begeistern wusste. Geboren im badischen Rheinfelden, begann sie ihre Karriere 1976, im Alter von dreizehn Jahren, bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern, wie das Lucerne Festival damals hiess. Schon ein Jahr später trat sie in Salzburg mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung Herbert von Karajans auf.

Anne Sophie Mutters Herzensprojekt

Solistin und Leitung Anne Sophie Mutter
Solistin und Leitung Anne Sophie Mutter

Anne-Sophie Mutter spielt nicht nur seit über vier Jahrzehnten auf allerhöchstem Niveau, sie fördert auch den Nachwuchs. Mit Mutter’s Virtuosi, ihren besten Stipendiaten, geht sie regelmässig auf Tournee. Und die dürfen in sämtlichen Spielarten des Konzertierens glänzen: solistisch, kammermusikalisch, orchestral. Eine Karriere, die ihresgleichen sucht: Anne-Sophie Mutter steht seit Jahren an der Spitze der kleinen, aber feinen Riege von echten Klassik-Stars, die auch außerhalb des Zirkels von Klassikbegeisterten Bekanntheit genießt. Und es ist neben allen musikalischen Meriten ihr Verdienst, dass sie ihren Ruhm nicht nur still und heimlich pflegt, sondern gerne für größere Zwecke einsetzt: Als Botschafter für “Save the Children”, als Auftraggeberin für zeitgenössische Komponisten oder als Förderin des musikalischen Nachwuchses mit ihrer eigenen Stiftung. Aus dem Kreis ihrer Stipendiaten und Ehemaligen hat sich auch das Ensemble “Mutter’s Virtuosi” gebildet, mit dem sie in dieser Saison neben einer Auftragskomposition der südkoreanischen Komponistin Unsuk Chin Werke von Mozart und Vivaldi erarbeitet. Den Höhepunkt des Programms stellen natürlich die berühmten “Vier Jahreszeiten” dar, deren virtuoser Solopart seit Jahren zu ihrem Kernrepertoire gehört.

Gelassen, mit einem Lächeln und Zuruf zum Techniker hinter der Seitentür der Konzertsaal-Bühne, reagiert der Weltstar,  als das Mikrofon nicht funktionierte, um das Publikum im vollbesetzten Konzertsaal zu begrüssen.

Im folgenden Konzert zeigte sich, dass die Stipendiaten (neun Männer, drei Frauen), die sie mit ihrer Stiftung fördert mit ihrer Förderin auf Augenhöhe, oder besser auf Geiegenbogenhöhe musizierten.

Antonio Vivaldi Konzert für vier Violinen, Violoncello, Streicher und Basso continuo h-Moll op. 3 Nr. 10 RV 580

Anne Sophie Mutter und Mutter's Virtuosi
Anne Sophie Mutter und Mutter's Virtuosi

Zum Auftakt standen 9 Violinistinnen/Bratschistinnen nebst zwei Cellistinnen, A.S.M. und einem Cembalisten auf der Bühne und rasant startete man in das etwa zehnminütige akustische «Vivaldi – Amuse – Geule». Die vier solistischen Geigen standen der eigentlichen Solistin A.S.M. in nichts nach, ausser wenn sich  diese mitten in den verflixt komplizierten, schnellen  Läufen durch kraftvolle Effekte etwas abhob, immer getragen vom Tutti der «Mutter’s Virtuosi».

„Frohes Erstaunen» wünschte die Meisterin zu Unsuk Chin Gran Cadenza (Schweizer Erstaufführung)

Anne-Sophie Mutter Violine
Anne-Sophie Mutter Violine

Das von ihr selbst in Auftrag gegebene Werk werde erst zum 13. Mal aufgeführt, zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz, erklärte Anne Sophie Mutter zum nun folgenden Werk. Berührungsängste mit zeitgenössischer Musik zerstreute die Geigerin mit der Ankündigung, die zweite Geige werfe ihr angriffslustig den Fehdehandschuh hin, bevor beide Instrumente in choralartiger Schönheit zum «Superinstrument» verschmelzen. Für «frohes Erstaunen» sorgt das Werk, indem es den Wettkampf mit einer geigerischen Virtuosität entfacht. Zitat Maris Gothoni: Eröffnet wird das Stück von markanten und schroffen Gesten der zweiten Geige, denen – im völligen Kontrast – gleichsam improvisatorisch wirkende, ätherisch-ornamentale Figuren der ersten Geige zugesellt werden. Nach einer Weile ‚greift‘ unversehens die erste Geige die zweite an, und kommt es zu virtuosen musikalischen Gefechten und Schlagabtauschen verschiedener Art, wobei alle möglichen kadenzartigen Floskeln als Fragment aufblitzen. über ein jähes Crescendo kommt es anschließend zu einem kontrastierenden mittleren Abschnitt, einer längeren Passage absichtslosen Innehaltens, in der die beiden Geigen zu einem ‚Superinstrument’ verschmelzen. Die zweite Geige bietet eine Melodie dar, die von der ersten harmonisch durch Obertöne umspielt wird; allmählich verflüssigt sich das Tempo und spielen beide Geigen zwei verschiedene sich ergänzende melodische Linien. Das Finale reitet sich unaufhaltsam in verschiedenen Lagen auf und in immer virtuoseren Formen, bis es abrupt von Pizzicati unterbrochen wird und die gesamte Bewegung unvermittelt in den Stillstand kommt. Zitatene. Dies alles unterstützt vom Notenumblätterer, der für seine Einsätze wie ein Balljunge beim Tennismatch vom hinteren Bühnenrand nach vorne und zurück wieselte. Das Eindrücklichste war, wie das Werk den bis in höchste Lagen warm, gleichzeitig geheimnisvoll funkelnden Ton Anne-Sophie Mutters zur Geltung bringt  und wie Samuel Nebyu ihr auf dieser Klangexkursion folgte.

Grundinformation zur Komponistin

Mit sechzehn Jahren änderte sich Ye-Eun Chois Leben vom einen Tag auf den anderen: Nachdem  Ann Sophie Mutter eine Videoaufnahme der jungen koreanischen Geigerin gesehen hatte, lud sie sie nach München ein. Choi verließ ihre Heimat Seoul und blieb in München – bis heute. Anne-Sophie Mutter unterstützte sie dort, nahm sie mit in Konzerte und Kunst­museen und steht ihr auch heute noch mit Rat und Tat zu Seite, nicht zuletzt, weil Choi Stipendiatin ihrer eigenen Stiftung ist. So richtig wurde München aber erst zur (zweiten) Heimat Ye-Eun Chois, als sie beim Verbier Festival Ana Chumachenco kennenlernte, die sie als Schülerin an der Hochschule für Musik und Theater aufnahm. „Ana ist nicht nur eine Lehrerin für mich, sondern Familie“, sagt die Geigerin. „Als sie mir den Vorschlag gemacht hat, bei ihr zu studieren, habe ich mich wahnsinnig gefreut. Das war ein großer Moment in meinem Leben.“ Beide Frauen halfen Ye-Eun Choi, ihre Liebe zum Üben wiederzufinden und vom Druck, der auf ihr lastete, loszukommen.

Wolfgang Amadeus Mozart Streichquintett Nr. 6 Es-Dur KV 614

Anne Sophie Mutter und Mutter's Virtuosi
Anne Sophie Mutter und Mutter's Virtuosi

Fast nicht zu glauben ist das folgende verbürgte: Als der Wiener Verleger Artaria dieses Quintett 1793, zwei Jahre nach Mozarts Tod, im Druck veröffentlichte, vermerkte er auf dem Titelblatt: “composto per un Amatore ongarese”, “komponiert für einen ungarischen Amateur”. Das Streichquintett aus Mozarts letztem Lebensjahr beinhaltet heitere, aber auch melancholische Akzente. Der erste Satz setzt burschikos, beinahe humoristisch ein. Bei einem Allegro di molto im Sechsachteltakt in der Tonart Es-Dur dachten Mozarts Zeitgenossen unweigerlich an Jagdmusik. Mit dieser Assoziation spielte Mozart zu Beginn, beim Einsatz der beiden Bratschen: Sie eröffnen den Satz mit einem schmetternden “Hornruf” in Sexten, dessen penetrant wiederholte Achtel mit kessen Trillern verziert werden. Die beiden Geigen antworten darauf mit einer elegant absteigenden Arabeske in Terzen. Das Frage-Antwort-Spiel wiederholt sich, bis die Geigen den Hornruf aufgreifen und in humorvoller Weise fortspinnen. Danach wandert das Trillermotiv durch die Stimmen, begleitet von einer Pendelbewegung aus nervösen Sechzehnteln, die sogar bis in die hohe Geigenlage aufsteigen. Erst das zweite Thema schlägt empfindsamere Töne an. Es wird von der ersten Geige ans Cello weitergereicht, bevor wieder die Triller und die Pendelbewegung die Oberhand gewinnen. Allmählich überschatten chromatische Zwischentöne und eigenwillige Molleintrübungen die anfangs so ostentative Heiterkeit. Melancholie drängt sich in den Vordergrund – in der Durchführung, Reprise und knappen Coda des Satzes.

Das Andante ist eine Romanze, eine Form, die sich von Paris ausgehend auch in der Wiener Musik der Epoche ihren festen Platz erobert hatte. Das bekannteste Beispiel bei Mozart ist der langsame Satz seiner “Kleinen Nachtmusik”. Ganz ähnlich wie dort handelt es sich auch beim Andante des Quintetts um einen schlichten Gesang im Alla-Breve-Takt und im Rhythmus einer langsamen Gavotte. Die leicht sentimental angehauchte Melodie, die mit zwei kontrastierenden Episoden abwechselt, wird Opernfreunden bekannt vorkommen. Mozart entlieh sie seinem Singspiel “Die Entführung aus dem Serail”, und zwar Belmontes Arie “Wenn der Freude Tränen fließen”. Solche Zitate aus seinen eigenen Vokalwerken häufen sich in seinen späten Werken. Man denke nur an das Rondo des letzten Klavierkonzerts mit seinem Liedzitat aus “Komm, lieber Mai, und mache” oder an das Andante des 1. Preußischen Quartetts, in dem Mozart sein Goethelied “Das Veilchen” zitierte. Diese melodischen Zitate verleihen den betreffenden Sätzen besondere Innigkeit, einen liedhaft intimen Ausdruck, wie er sich auch im Andante des Quintetts findet. Klanglich ist der Satz von besonderem Reiz, da die Romanzenmelodie bei ihren beiden Wiederholungen auf zarteste Weise variiert wird. Zunächst wird sie von einer Art Seufzer Motiv der zweiten Geige grundiert, dann mit Doppelschlägen der Bratsche kombiniert. Auch die beiden Episoden und die kurze Coda sind klanglich von höchster Delikatesse. Die Streicher müssen die unterschiedlichsten Nuancen von Legato und Staccato, kurze Vorschläge, Schleifer und andere Verzierungen mit spielerischer Leichtigkeit bewältigen.

Im Menuett hat Mozart seinem väterlichen Freund Joseph Haydn ein kleines Denkmal gesetzt. Es greift jenen Scherzando-Typ auf, den Haydn in seinen Streichquartetten Opus 33 kreiert hatte: mehr Scherzo denn vornehmes Menuett. Gegenstand des Scherzes ist hier eine simple fallende Tonleiter, die in immer neuen Varianten durch die Stimmen wandert, mit ihrer eigenen Umkehrung und diversen Kontrapunkten kombiniert wird – ein kleines Meisterstück Mozartscher Polyphonie. Das Trio strahlt die Genügsamkeit eines Ländlers aus, dessen Melodie sich im Takt wiegt wie die monotone Weise eines Leierkastens.

Auch im Thema des Allegro-Finales scheint Mozart Haydn geradewegs zitiert zu haben. Mit seinem quicklebendigen Tanzrhythmus, der Dissonanz im vierten Takt, der etwas grobschlächtigen Ausweichung nach Moll und den Anklängen an ungarische Volksmusik enthält es so viele Ingredienzien typisch Haydnscher Finalthemen, dass die Absicht spürbar wird: Mit diesem Satz wollte Mozart seinem nach London abgereisten Komponistenfreund einen Gruß nachsenden. Haydneske Muster bestimmen auch die Verarbeitung des Themas, etwa in den bordunartigen Klängen der Überleitung. Unverwechselbar mozartisch ist dagegen der dichte Kontrapunkt, der den Satz durchzieht, sowie die Melancholie der Molleintrübungen. Die Durchführung ist in dieser Hinsicht ein kleines Wunderwerk, das in abgrundtief traurigen Vorhaltsdissonanzen gipfelt. In der Coda werden Umkehrung und Originalgestalt des Themas auf höchst subtile Weise gegeneinander ausgespielt – ein grandioser Schlusspunkt unter Mozarts Kammermusik für Streicher. Dennoch steht dieses Meisterwerk Mozartscher Kunst bis heute unverdientermaßen im Schatten der viel berühmteren Streichquintette in g-Moll und C-Dur.

Die Musikerinnen agieren mit ungebremster musikantischer Energie. Bald nimmt man wahr, was wirklich spätstilhaft, neu und radikal ist am Quintett KV 614 – es ist die Schärfe und Knappheit, mit der Mozart sich nun ausdrückt, Knappheit ohne Bitternis. Die haydneske Derbheit, mit der Mozart seine Stilstrenge drapiert – besonders im fast parodierend polternden Scherzo – spielen die Virtuosi, ihrem Namen entsprechend mit einer energischen, fast frechen Straffheit aus. Man hörte die unerhört kurze, dichte Durchführung: Was für eine Hochspannung halten die Interpreten hier! Geisterhaft zieht das Trillerthema durch die Molltonarten, doch seine unerhörte Spannung hält die erste Geige aufrecht, als stände sie unter Starkstrom. Versierte Quintettler wissen, dass dieses Stück schwieriger zu gestalten ist als die früheren Mozarts, und nicht nur sie wussten diese zugleich musikantische und doch auch die Härten nicht glättende Vorstellung zu geniessen.

Das Publikum würdige diesen musikalischen Hochgenuss, bei dem sich A.S.M. dem Kollektiv unterordnete,  mit langanhaltendem, stürmischem Applaus und begab sich gutgelaunt in die Foyers für die folgende Pause.

Antonio Vivaldi «Die vier Jahreszeiten» Konzerte für Violine, Streicher und Basso

Anne Sophie Mutter im goldenen Aendkleid Foto Peter Fischli
Anne Sophie Mutter im goldenen Aendkleid Foto Peter Fischli

Für den Schluss – und gleichzeitig Höhepunkt stellte sich die Solistin (sie spielt die Stradivari Lord Dunn-Raven aus dem Jahr 1710), jetzt in einem schulterfreien goldfarbenen Abendkleid an die Bühnenfront und glänzte mit ihrem virtuosen Solopart, der seit Jahren zu ihrem Kernrepertoire gehört. Dabei wurde sie kongenial unterstützt vom Gesamtensemble der «Virtuosi». Die Protagonisten zogen alle Register ihres Könnens, brillante Technik, perfektes Zusammenspiel und eine mitreißende Interpretation führten zu einem herausragenden Klangerlebnis,

Natürlich durften die Protagonisten stürmischen Applaus ernten, der schnell in eine stehende Ovation überging was schlussendlich zu einer Zugabe in Form von  »Nice to be around» aus dem Film «Cinderella Liberty», in einer für Cello und Violine bearbeiteten Fassung, führte.

Auch diese wurde mit einer «Standing Ovation» belohnt, sodass die Musikerinnen sich einer weiteren Zugabe fast nicht verweigern konnten und diese auch gewährten.

Als erste Zugabe gabs:

‘Nice To Be Around’ aus dem Film Cinderella Liberty

www.youtube.com/watch?v=ie5v5PDYGjU

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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Martini Gans traditionell

Die Martini Gans, dargereicht von Herbert Huber

Martini Gans traditionell
Martini Gans traditionell

Die Martini Gans hat am 11. November ihren grossen Tag. Gänse seien Herdentiere, so klärte mich ein Gänsezüchter auf. Weidegänse fressen viel frisches Gras und brauchen viel Wasser. Im Frühjahr legen sie Eier. Entweder schlüpfen die Küken auf dem Bauernhof aus den Eiern oder sie werden als Eintagesküken eingekauft.

Spätere Martinigänse hier noch munter unterwegs
Spätere Martinigänse hier noch munter unterwegs

Die Gänseküken verbringen ihre ersten Lebenswochen im beheizten Stall. Ab der dritten Woche werden sie langsam auf die Weide gelassen, wo sie ihre ersten Gräser zupfen. Nach sieben bis acht Wochen tauscht die Weidegans ihr flauschiges Federfell gegen die echten wetterfesten Federn aus.

Eingefangen ist sie schon mal, die Martinigans
Eingefangen ist sie schon mal, die Martinigans

Raues Wetter kann ihr nun nichts mehr anhaben. Viele Informationen zur Weidegans findet man unter www.weidegans.ch. Der gleichnamige Verein setzt sich für eine weidebasierte und natürliche Gänsehaltung in der Schweiz ein. In seinen Produktionsrichtlinien legt der Verein fest, wie viel Stallfläche, Weidegang und wie viel Badefläche den Tieren zur Verfügung gestellt werden muss. So weit so gut du jetzt versuchen wir es mit einem Gänsebraten:

Hier ein klassisches Rezept: für 4 Personen. Vorbereitungszeit ca. 30 Min. Garzeit ca. 3 Std.

Zutaten:

 

– 1 küchenfertige Weidegans (4,5 – 6 kg)

– 250 g Dörrpflaumen (vorher eingeweicht)

– 500 g Äpfel

– 2 EL Zucker

– 5 EL trockenes geriebenes Weissbrot

– 2 cl Cognac

– 4 EL Vollrahm

– 1 EL Mehl

– 3 EL Apfelmus

– Zimt, Salz und Pfeffer

Zubereitung:

Die Gans sorgfältig waschen und trocknen. Nur innen etwas salzen.

Die eingeweichten Pflaumen mit den geschälten, entkernten und fein zerkleinerten Äpfeln mischen. Mit dem Zucker, dem geriebenen Brot, etwas Zimt und Cognac abschmecken. Die Gans damit füllen und an der offenen Seite zunähen.

Die gefüllte Gans auf den Bratrost legen. Darunter die Fettauffangschale mit etwa 3 Tassen Wasser füllen. Im auf ca.180° vorgeheizten Ofen die Gans ca. 3 Std braten. Des öftern mit dem Saft aus der Auffangschale begiessen.

Nach der halben Bratzeit unterhalb der Keule in die Haut stechen, damit das Fett auslaufen kann.

10 Minuten vor Ende der Garzeit die Gans mit kaltem Salzwasser bepinseln und bei 250 Grad knusprig fertig braten.

Den in der Schale übriggebliebenen Saft mit etwas Wasser verdünnen, mit im Rahm verrührtem Mehl binden. Mit dem Apfelmus, Salz und Pfeffer abschmecken. Aufkochen lassen. Allenfalls durch ein Haarsieb passieren.

Die Fäden entfernen und die Gans tranchieren. Auf vorgewärmte Teller anrichten. Sauce und Beilagen (Statt Spätzli dürfen es auch mal Knödel) sein. Ein edler Burgunder oder ein Bordeaux älteren Jahrgangs gehört dazu. Die Gans hat es verdient.

Die Martini Gans noch etwas Geschichte zum Nachtisch

Hugues Blanchard vom Grand Casino Luzern hat den Code für Martini-Gänse geknackt
Hugues Blanchard vom Grand Casino Luzern hat den Code für Martini-Gänse geknackt

Weshalb am Martinstag da und dort ein Gänsebraten auf den Tisch kommt, ist nicht ganz geklärt. Wie so oft gibt es mehrere Deutungsversuche. Eine Legende besagt, dass der Heilige Martin (Martin von Tours, er hat von 316 oder 317 bis 397 gelebt) eine Zeitlang sich in einem Gänsestall versteckt habe, weil der Bischof Ihn zu seinem Nachfolger machen wollte. Das Geschnatter der Gänse haben ihn letztendlich verraten. Pech gehabt. Historisch könnte die Martinigans auch damit zu tun haben, dass in Zeiten des Lehnwesens am 11. November eine Lehnspflicht («Martinischoss») fällig wurde, offenbar häufig in Form einer Gans, die dann noch am selben Abend verspeist wurde.

Martinigans mit Knödeln und Rotraut
Martinigans mit Knödeln und Rotraut

Nach dem 11. November begann das heute in Vergessenheit geratene Adventsfasten, das bis am Heiligen Abend dauert. Vor der Fastenzeit wurde eine Gans gegessen – und auch danach wieder, was zum (in der Schweiz weniger gepflegten) Brauch der Weihnachtsgans führte.

Martinsgans an Orangensauce
Martinsgans an Orangensauce

Mit dem heiligen Martin haben auch andere November-Bräuche wie etwa der Räbeliechtli-Umzug zu tun. Und die «Gasnsabhauet» in Sursee?

Die Geschichte des Brauchtums

Martinigans modern dargereicht
Martinigans modern dargereicht

Die Ursprünge der Gansabhauet liegen im Dunkeln. Dass der Anlass auf die mittelalterlichen Zehntenabgaben zurück gehen könnte, ist eine mögliche Erklärung. Sicher ist einzig, dass am Martinstag Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren. 1820 verschwand der Brauch aus Sursee, vier Jahrzehnte später wurde er wieder zu neuem Leben erweckt.

Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf die Gansabhauet. In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim «Stangechlädere» Geschenke ergattern oder beim «Chäszänne» mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. Auch ein «Räbeliechtli”-Umzug fehlt nicht.

Der Martinstag erinnert an Martin von Tours, der am 11. November 397 beerdigt worden war. Er ist einer der bekanntesten Heiligen der katholischen Kirche.

Text www.herberthuber.ch

Fotos: www.pixelio.de

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