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Lisa Schatzmann Violine und Shih Wei Huang Piano Foto Sandra Neumeister

A Classical Affair 31. 10. 2021, Bürgenstock, Lakeview Bar & Cigar Lounge Bürgenstock, besucht von Léonard Wüst

Lisa Schatzmann Violine und Shih Wei Huang Piano Foto Sandra Neumeister
Lisa Schatzmann Violine und Shih Wei Huang Piano Foto Sandra Neumeister

Besetzung und Programm

Ludwig van Beethoven Violinsonate Nr. 7 in c-Moll Op. 30 Nr. 2 für Violine und Klavier

Johannes Brahms Violinsonate D-Moll Op. 108

Lisa Schatzman, Violine
Shih-Wei Huang, Klavier

Ankunft des Katamaran vom Schffsteg 3 aus gesehen
Ankunft des Katamaran vom Schffsteg 3 aus gesehen

Zu Beginn ist alles fast wie früher, man besteigt in Luzern ein Schiff und schaukelt, bei, entgegen den Wettervorhersagen, perfektem Herbstwetter, gemütlich über den spiegelglatten Vierwaldstättersee gen Station Kehrsiten – Bürgenstock.

Rasanter Transfer mit dem Katamaran
Rasanter Transfer mit dem Katamaran

(Musste man früher mit dem normalen Kursschiff anreisen, Dauer ca. eine Stunde, bringt uns heute ein spezieller Katamaran, der „Bürgenstock Express“ stündlich in einer guten halben Stunde nach Kehrsiten). Dort steigt man dann ins legendäre Bürgenstock Bähnli um, das uns die letzten Höhenmeter bis zum weltberühmten Hügel über dem See transportiert.

Steil gehts bergauf mit der Standseilbahn
Steil gehts bergauf mit der Standseilbahn

Es ist die älteste elektrisch betriebene Standseilbahn der Schweiz. Die Bahn wurde 1888 eröffnet. Die Strecke beträgt 930 Meter, dabei wird eine Höhendifferenz von 440 Metern überwunden, bis man sich auf 874 M.ü.Meer beim neuen, von der Katara Hospitality, Tochtergesellschaft des Staatsfonds Qatar Investment Authority erschaffenen, erbauten wäre falsch ausgedrückt, Bürgenstock Resort befindet. Die Gesamtinvestitionen betrugen über eine halbe Milliarde Franken und werden von den Katari durchaus als längerfristige Kapitalanlage angesehen. Uns unbeteiligten Laien wird ab solch horrenden Summen fast schwindlig und unbegreiflich auch, wie sich sowas je auszahlen könnte. Bei meiner letzten Ankunft,  vor ca. 20 Jahren per Auto auf dem Bürgenstock, wurden wir relativ unsanft von Jimmy Carters Bodyguards «gebeten» die unmittelbare Nähe des Tagungshotels, wo der ehemalige US-Präsident als Referent gastierte, zu verlassen.

Diesmal erkundigten wir uns gleich ausgangs der Bergstation, bei einem dort postierten Resort Mitarbeiter, wo denn die Lounge sei, wo das Konzert nachmittags stattfinden würde und wie man vorher zum berühmten Felsenweg gelangen könne.

Gradioser Ausblick auf den Vierwaldstättersee
Gradioser Ausblick auf den Vierwaldstättersee

Der nette Herr informierte uns sehr höflich und ausführlich und so fühlten wir uns denn, auch als «Nicht VIP’s», herzlich willkommen geheissen. So machten wir uns denn auf, über die, notabene, sehr gut behindertengerecht ausgebauten Zugänge und Wege, die nähere Umgebung zu erkunden und, neugierig wie wir waren, den Spuren der Prominenz des vergangenen Jahrhunderts nachzuspüren und so auch die Magie dieses schönsten Fleckchen Erde auf unserem Planeten (Zitat Audrey Hepburn) in uns aufzusaugen.

Das Palace Hotel auf dem Bürgenstock Resort
Das Palace Hotel auf dem Bürgenstock Resort

Die bewegte Geschichte des Hügels unfern der Leuchtenstadt Luzern, hat es durchaus in sich, dass der Berg wieder zu einem Treffpunkt der Reichen und Schönen werden könnte und es wäre den Investoren, die mit der Erstellung des Resorts auch dem lokalen Gewerbe Aufträge, somit Batzeli brachten und ein paar hundert attraktive neue Arbeitsplätze anbieten, zu gönnen. War zu Beginn, analog den Ideen von Samih Sawiris für Andermatt, die Skepsis, nicht nur der Einheimischen, noch gross, identifiziert sich heute fast die ganze Region mit dieser Perle von Anlage auf dem Hochplateau.

Prominenz war schon immer gerne auf dem Bürgenberg

So lebten z.B. Sophia Loren und ihr Mann Carlo Ponti 13 Jahre in der Villa Daniel, heute das Sharq Oriental Restaurant & Shisha Lounge.

Aufenthalte von weiteren prominenten Zeitgenossen:

  • Bundeskanzler Konrad Adenauer verbrachte die Sommermonate Juli und August 1950 im Resort und leitete von hier aus seine Amtsgeschäfte.
  • Jawaharlal Nehru verbrachte 1951 zum ersten Mal mit seiner Tochter Indira Gandhi die Ferien auf dem Bürgenberg. Zwei Jahre später traf er sich mit dem Aussenminister von Österreich, Karl Gruber.
  • Während der Dreharbeiten zu dem James-Bond-Film «Goldfinger» war die Filmcrew mit dem Bond-Darsteller Sean Connery 1964 während eines Monats Gast im «Palace-Hotel».
  • An Kongressen war auch viel politische Prominenz als Referenten oder Berater  vertreten, u.a. Ex US-Präsident Jimmy Carter, Henry Kissinger usw.
Blick auf den Vierwaldstättersee
Blick auf den Vierwaldstättersee

Weltberühmt wurde auch die Bürgenstock-Kapelle  durch die Hochzeit der Schauspielerin Audrey Hepburn mit Mel Ferrer im Jahr 1954. Auch andere Weltstars  verbrachten gerne ein paar Tage in den, auch damals schon luxuriösen Hotels, auf dem Berg, der auch schon sehr früh, ab 1928,  über einen Golfplatz verfügte.

Der Bürgenstock fand seinen Platz nicht nur durch Stargäste auf der Weltkarte

Auf dem Bürgenstock fanden auch mehrfach politische Verhandlungen statt. Anfang 2002 wurde hier das Bürgenstock-Abkommen zwischen den Beteiligten am Sezessionskrieg im Südsudan geschlossen. Im Frühjahr 2004 fanden zwischen den Türkisch- und den Griechisch-Zyprioten Verhandlungen in der EU-Beitrittsfrage statt.1960 und 1995 tagte die Bilderberg-Konferenz auf dem Bürgenstock.

Die Anlagenbetreiber möchten aber nicht nur die Prominenz auf den Berg holen, sondern bieten auch «Arrangements» für die lokale Bevölkerung, wobei diese logischerweise schon nicht grad ins Budget von Otto Normalverbraucher passen dürften.

Der Ort soll auch für die regionalen Einwohner zu einem beliebten Treffpunkt avancieren

Nebst der gottgewollten fantastischen Umgebung sollen auch spezielle Events «Eingeborene» animieren die verschiedenen Locations des Resorts zu erkunden. So sind diese Sonntagnachmittag Konzerte unter der Bezeichnung «A Classical Affair» ein perfekter Grund, sich sonntags mal auf dem Resort umzuschauen, um spätnachmittags zum perfekten Abschluss des Ausflugs in der Lakeview Bar & Cigar Lounge den kammermusikalischen Klängen diverser reputierter Musikerinnen» zu lauschen.

Touristischer Rundgang auf dem Bürgenberg

Mit einem interessanten informativen Rundgang starten wir unser «Bergsteigerabenteuer». Auf gewohntem Wanderweg geht’s entlang der Hotelanlage Richtung Kapelle und Felsenweg, wobei es dauernd etwas zu entdecken, bestaunen gibt.

Bestes Piano Bar Feeling schon nachmittags über dem See

Lakeview Bar & Cigar Lounge
Lakeview Bar & Cigar Lounge
Blick auf den See aus der  Lakeview Bar & Cigar Lounge
Blick auf den See aus der Lakeview Bar & Cigar Lounge

Um einen besonders guten Platz für das Nachmittagskonzert zu ergattern, sind wir schon frühzeitig in der topgestylten Lakeview Bar & Cigar Lounge mit dem atemberaubenden Ausblick über den Vierwaldstättersee, wo uns überaus hilfsbereite, höfliche und gutaufgelegte dienstbare Geister empfangen wie sehr wichtige Gäste. Natürlich geniessen wir diese Aufmerksamkeiten und lassen uns gerne verwöhnen, in einen vielversprechenden Nachmittag mit einem ausgesuchten Tee, stilvoll dargereicht, startend.

Dezsö Balogh am Steinway Flügel
Dezsö Balogh am Steinway Flügel

Dass dazu eine angenehme, schon fast  Piano Bar ähnliche Atmosphäre aufkommt, sorgt der ungarisch stämmige Pianist Dezsö Balogh. Er verwöhnt die gutgelaunten Gäste mit jazzigem Sound und wunderbaren Interpretationen von Klassikern des Swing, Filmmusik, Oldies ebenso wie aktuellen Hits.

A Classical Affair Etagere
A Classical Affair Etagere

Währenddessen kredenzen uns die aufmerksamen Servicemitarbeiterinnen zum Einstieg ein Glas herrlich prickelnden und vorzüglich mundenden Krug Grande Cuvée Champagner. Dazu platzierten sie auch bei jedem Tisch eine Etagère mit herzhaften und  süssen Snacks.

 

Afternoon tea concerto in der Lakeview Bar & Cigar Lounge

Lisa Schatzmann Violine und Shih Wei Huang Piano
Lisa Schatzmann Violine und Shih Wei Huang Piano

Dann folgte der Hauptgang dieser sonntäglichen Inszenierung und die beiden Musikerinnen, Lisa Schatzmann, Konzertmeisterin des Luzerner Sinfonieorchesters (Violine) und die taiwanesische Konzertpianistin Shi Wie Huang betraten die Szene applaudiert vom erwartungsfreudigen Auditorium.

Violinsonate Nr. 7 (Ludwig van Beethoven)

Lisa Schatzmann Violinvirtuosin
Lisa Schatzmann Violinvirtuosin

Zitat Maria Gnann SWR 2 Klassik: C-Moll – das bedeutet bei Beethoven: Es geht ums Ganze! Seine “Schicksals-Sinfonie”, die Fünfte steht in c-Moll, ebenso die große “Pathétique”-Klaviersonate. Das Prinzip “Ganz oder gar nicht” gilt auch für die c-Moll-Violinsonate: ein in jeder Hinsicht gewichtiges Stück.

Beethoven sich nie mit dem zufrieden gegeben, was er vorfand, sondern immer nach neuen Wegen und Ausdrucksmöglichkeiten gesucht. Diese Sonate, 1802 entstanden, drängt in ihrem stürmischen Gestus heraus aus dem kleinen Kammermusik-Salon mit seinem adligen Publikum hinein in den großen, öffentlichen Konzertsaal. Zitatende. 1. Satz: Allegro con brio

Die ersten acht Takte des Satzes bilden eine I-IV-V-I-Kadenz. Das zweite Thema des Satzes, ein Marsch, wird im Klavier wiederholt und endet in einer Schlussgruppe mit Akkordschlägen als Schlusspunkt. Die Shi Wie Huang am Flügel setzt die ersten Töne des Intros, bis sich nach etwa 10 Sekunden Lisa Schatzmann mit ihrer Niccolo Amati Geige dazugesellt. Eine im tiefen Bass grummelnde Halbton-Bewegung verleiht dem Satz etwas beinahe Bedrohliches. Das rollende Hauptthema kommt einer kleinen Explosion gleich – abgesehen von retardierenden Einschüben, die die ausladende Geste des Satzes unterstreichen, befinden sich Violine und Klavier ständig in rastloser Bewegung. Eine sehr animierte Interpretation durch die beiden gut aufgelegten Musikerinnen.

2. Satz: Adagio cantabile

Durch die in As-Dur geschriebene Partitur bekommt das Adagio einen elegischen Charakter, den die beiden Protagonistinnen mit ihrer feinfühligen Interpretation noch veredelten.

3. Satz: Scherzo. Allegro

Im ausgelassenen dritten Satz, einem Scherzo mit Trio-Mittelteil, demonstriert die Geige ihre unterschiedlichen Fähigkeiten als Melodieinstrument – die gezupften Töne haben einen augenzwinkernden Witz, schroffe Akzente erinnern wieder an die Unruhe des ersten Satzes.

4. Satz: Finale. Allegro – Presto

Zu Beginn des vierten Satzes erklingen den Basstriller sowie die Akkorde des ersten Satzes erneut. Im Finale rundet Beethoven die Sonate kunstvoll ab – er beginnt mit dem im Bass grummelnden Halbton und wuchtigen Akkordschlägen, setzt schnelle dynamische Wechsel und scharfe sforzati und mündet in einen ungezügelten, effektvollen Schluss.

Ein einträchtiges Wechselspiel

In allen vier Sätzen der Sonate trägt zuerst das Klavier die Themen vor, bevor sie von der Geige übernommen werden, in den nachfolgenden Seitenthemen läuft das Spiel umgekehrt. Die Gleichberechtigung und enge Verknüpfung von Klavier- und Violinstimme erreichen hier eine neue Dimension.

Für diese eindrückliche Darbietung durften die Künstlerinnen einen langanhaltenden Applaus geniessen um dann eine kurze Pause zu geniessen, die von den dienstbaren Geistern genutzt wurde, um den Gästen die nächsten Köstlichkeiten nachzureichen und Getränke nachzufüllen.

 

Violin Sonata No. 3 (Johannes Brahms)

  1. Allegro
  2. Adagio
  3. Un poco presto e con sentimento
  4. Presto agitato

 

Shih-Wei Huang am Piano
Shih-Wei Huang am Piano

Johannes Brahms erweist in seiner 3. Violinsonate der ungarischen Volksmusik seine Referenz. Gegenüber ihren beiden Vorgängerinnen ist Brahms dritte Violinsonate ein eher düsteres Werk. Das Besondere: Brahms lässt Violine und Klavier darin innig miteinander agieren. Damit befreit er das Klavier aus seiner Rolle, der ewige Begleiter zu sein. In der Sonate übernimmt das Klavier die tragende Rolle und fordert die Violine sowohl musikalisch als auch interpretatorisch heraus. Bereits im ersten Satz zeigt Shih Wie Huang mit engagierten Solopassagen, was im Steinway Flügel steckt. Abgelöst wird sie im zweiten Satz von der Violine. Ein inniges Adagio schafft eine Art Ruhepol, der in eine lyrische und sehr gesangliche Antwort des Klaviers übergeht. Brahms griff in seinen Sonaten öfter auf Themen seiner Lieder zurück. Doch diesmal hält er sich mit Eigenzitaten zurück. Anstatt auf sich selbst zu verweisen, reichert er die Sonate mit Melodien an, die wirken, als würden Klavier und Violine miteinander singen. Den Abschluss bildet ein wie der erste düstere vierte Satz mit fast sinfonischen Zügen – beides für eine Sonate der damaligen Zeit ungewöhnlich.

Der erste Satz ist vor allem durch zwei Momente gekennzeichnet: durch sein langgezogenes Hauptthema, das die Violine auf schwankendem Klaviergrund vorträgt, und das in seiner klagend-insistierenden ungarischen Melodik so überaus sprechend wirkt, und durch zwei große Orgelpunkte in Durchführung und Coda, über denen sich ein zwielichtiges, chromatisches Toccatenspiel entfaltet. Beide Elemente verleihen dem Satz einen fast hermetischen Charakter von Klage, der sich nur im schwärmerischen zweiten Thema auflockert. In der d-Moll-Sonate verwendet Brahms lediglich einen liedartigen Ausdruck ohne direktes Zitat, der den langsamen Satz bestimmt. Sein Thema über absteigenden Terzen zitiert an einer Stelle den ersten Satz des Violinkonzerts. Nach einem lyrischen Zwischenspiel, das an Brahms‘ späte Intermezzi erinnert, kehrt das Violinthema variiert wieder und wird in der Coda harmonisch schön verändert.

Der dritte Satz löst den Intermezzo Charakter dadurch ein, dass er ein tastendes Thema durch wundersame Metamorphosen des Ausdrucks führt. Der ungarische Duktus entsteht hier aus dem doppelten „Tanzschritt“ zu Beginn jedes Taktes, die eigenartige Farbe der Harmonik resultiert aus der fis-Moll-Tonart, die zu den anderen Sätzen im Terzverhältnis steht.

Das Finale ist der stürmischste Satz des Werkes.

Die beiden Musikerinnen, die sonst in keinem Orchester zusammenspielen, verstanden sich, dank Augenkontakt, minimer Gesten der Köpfe und Körpersprache bestens und harmonierten perfekt. Dies sah auch die aufmerksame Zuhörerschaft so und applaudierte dementsprechend begeistert.

Zum krönenden Abschluss des äusserst genussvollen Ausflugs servierte man uns noch eine Sachertorte mit dem dazu passenden Cappuccino.

Abendstimmung auf dem Berg
Abendstimmung auf dem Berg

Voller Emotionen und gesättigt mit visuellen, kulinarischen und akustischen Höhepunkten begaben, wir uns beim eindunkeln wieder auf die Rückreise über den See, das abendliche Lichtermeer rund um ebendiesen bestaunend.

Anregung: Kleinere Anpassungen würden ungestörten Konzertgenuss garantieren

Die beiden Musikerinnen mit dem Autor
Die beiden Musikerinnen mit dem Autor

Natürlich ist es für die Künstlerinnen nicht grad optimal, wenn während ihrer Performance weiterserviert wird.

Dieses Problem liesse sich relativ einfach verhindern, indem man mit den Musikerinnen vereinbart, dass diese zwischen den einzelnen Sätzen oder Sequenzen der Werke, eine etwas ausgedehntere Pause als üblich einlegen, damit die Servicefachleute während diesen 2 bis 3 Minuten die Gäste bedienen können. Positiver Nebeneffekt: Die Leute würden sich auch eher getrauen nach jedem Satz zu applaudieren, was ja an und für sich nicht so üblich ist.

 

Fazit: «A classical affair» auf dem Bürgenstock, eine Affäre, auf die einzulassen sich mehr als lohnt. Also ganz klar: Affaire a suivre!

 

 

Kleine Fotodiashow des Events von Sandra Neumeister:

fotodiashows.wordpress.com/2021/11/01/impressionen-vom-burgenstockausflug-a-classical-affair-31-oktober-2021/

Text: www.leonardwuest.ch   Fotos: https://burgenstockresort.com/ und Sandra Neumeister

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Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn

Luzerner Theater Le nozze di Figaro, Première 30. Oktober 2021, besucht von Anna Rybinski

Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn
Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn

Produktion und Besetzung:
Musikalische Leitung: Gabriella Teychenné Regie: Gerard Jones Bühne: Anna Yates Kostüme: Donna Raphael Licht: Marc Hostettler Dramaturgie: Talisa Walser Nachdirigat: Jesse Wong Choreinstudierung: Mark Daver

Vladyslav Tlushch (Conte Almaviva) Eyrún Unnarsdóttir (Contessa Almaviva) Tania Lorenzo (Susanna) Sebastià Peris (Figaro) Solenn’ Lavanant Linke (Cherubino) Marcela Rahal (Marcellina) Robert Maszl (Don Basilio / Don Curzio) Rainer Zaun (Don Bartolo / Antonio) Aline Dätwyler (Barbarina) Xenia Romanoff (Due donne) Hanna Jung (Due donne) Chor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Figaro Susanna Foto Ingo Hoehn
Figaro Susanna Foto Ingo Hoehn

Der geniale Tausendsassa, Lorenzo Da Ponte, (1749-1838) wurde wegen seiner drei Libretti für Mozarts Opern berühmt. «Figaros Hochzeit», «Don Giovanni» und «Cosí fan tutte» zählen zu den Meisterwerken der Musikgeschichte. Er schrieb aber ca. 40 Textbücher für die damaligen Komponisten in Wien, und manche dieser Opern waren weit erfolgreicher als Mozarts Figaro! Schon mal zum Beispiel vom Komponisten Vicente Martín y Soler gehört? Ich nicht.

Da Pontes Leben war voller Abenteuer (Sex- und Finanzskandale). 1805 wanderte er – notgedrungen – nach Amerika aus und wurde u.a. Tabak- und Gemüsehändler, Professor für italienische Literatur und Verleger. Er setzte sich sogar für die Verbreitung der Opernkultur in New York ein.

Da Ponte musste die französische Komödie von Beaumarchais: «Le mariage de Figaro ou la folle journée» gleich nach ihrer Premiere 1784 kennengelernt haben. Mozart, stets auf der Suche nach einem geeigneten Sujet, hatte bei ihm das Libretto bestellt und konnte mit der Komposition schon im Oktober 1785 beginnen. In sechs Monaten war die Partitur fertig und trotz aller Intrigen am Hof wurde die Uraufführung ein grosser Erfolg. Ist es nicht ein Gaudi für das Publikum, wenn ein adliger Schürzenjäger von seinem schlauen Diener – mit der Hilfe der Gattin und des übrigen Personals – übertölpelt wird? Bis dato aber unerhört; sicher auch der Grund, warum die Komödie als Vorspiel zur französischen Revolution verstanden wurde.

Was kann man über diese Oper noch sagen? Musikliebhaber und Fachleute beten sie an. Aber Da Ponte muss auch mal ins Rampenlicht gerückt werden: Er leistete mit dem Libretto etwas Geniales, das Mozart zu diesem Höhenflug inspirierte, das er eins zu eins in Musik umsetzen konnte.

Figaro Cherubino Foto Ingo Hoehn
Figaro Cherubino Foto Ingo Hoehn

Genug der Schwärmerei. Die Erwartungen sind hoch, wenn ein neuer Figaro angekündigt wird, wie jetzt im Luzerner Theater. Das Werk stellt höchste Ansprüche an alle … Zuhörer!  Und das Dargebotene sprengt den Rahmen mancher romantischen Grossoper. Worauf soll man achten? Auf die vertrackte Handlung, die schwierigen Gesangspartien, die anspruchsvolle Schauspielerei, die himmlische Orchestrierung und – last, but not least – die neuen Einfälle der Regie? Alles wird mit Spannung beobachtet, alles ist von grösster Wichtigkeit.

 

 

 

 

 

 

Die grossen Partien

Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn
Le nozze di Figaro Szenenfoto von Ingo Hoehn

Nun, dem jungen Luzerner Ensemble gelingt eine aktionsreiche, fesselnde Aufführung von hohem Standard. Nach der überraschenden Ouvertüre (darüber später mehr) bereiten die Chormitglieder die Szene vor und die Handlung kann mit den ungewöhnlichen Worten beginnen: Cinque… dieci… venti… trenta…

Figaro misst den Platz für sein Hochzeitsbett aus!

So haben wir gleich die ideale Besetzung für die Titelrolle vor unseren Augen: Sebastià Peris, hochgewachsen, jung, gutaussehend, mit einer wandlungsfähigen, schmeichelnden Baritonstimme. Seine Auserwählte, die Zofe Susanna, hinreissend gesungen und gespielt von Tania Lorenzo, ist eine quirlige, temperamentvolle Hübsche, die auch schlagen und fauchen kann, wenn sie ihre Rechte verteidigen muss.

Der ständig hintergangene Graf Almaviva muss andauernd zwischen seinem wahren Gesicht, dem geilen Schürzenjäger, und dem des würdevollen Hausherren wechseln. Dieser Pfauentanz gelingt dem Bariton Vladyslav Tlushch vorzüglich, zumal seine geschmeidige Stimme und elegante Statur ihn für diese Rolle prädestiniert.

Die Gräfin? Das Publikum fiebert mit, dass Figaros Hochzeit endlich ungestört stattfinden kann, wir lieben das Brautpaar und sind zuversichtlich, dass die Sache gut endet; aber echtes Mitleid haben wir nur mit Rosina, der Gräfin, weil die Schöne diesen Ehemann auch weiterhin ertragen muss.

Mozart, wissend um unser Mitgefühl, schenkte ihr zwei Arien – und was für welche! War es seine Absicht, ihr stets den wärmsten Applaus zukommen zu lassen und uns fast zu Tränen zu rühren? Ja, das Theatergenie wusste Bescheid: Wenn uns etwas gefällt, applaudieren wir gern. Wenn wir jedoch Mitleid haben, applaudieren wir mit Inbrunst. Das echte Leiden, das man selten in einer Opera Buffa findet, konnte der dramatische Koloratursopran, Eyrún Unnarsdóttir wunderbar vermitteln. Ihre Stimme besitzt die ideale Fülle, auch in der Höhe, die zu Herzen geht.

Ich muss endlich zu Cherubino kommen: eine zauberhafte Gestalt, einmalig in der Operngeschichte. (Richard Strauss hatte ehrlich zugegeben, dass er mit seinem «Rosenkavalier» Mozart huldigen, das heisst, dieselbe Magie erreichen wollte. Ist es ihm gelungen?)

Dieser Halbwüchsige, der sich in jede Frau am Hof verliebt, weil er in die Liebe selbst verliebt ist, hat eine doppelte Geschlechterrolle. Ein Knabe, der von einer Frau gespielt wird, der sich wegen der obligaten Verkleidungen auch mal als Frau verkleiden lassen muss – und er geniesst es sichtlich! Erotik pur. Voilà, das Genderproblem auf die Spitze getrieben und aktueller als je. Wie ging die prüde Hofgesellschaft damit um? Vielleicht lockerer als manche rechtspopulistische Regierung in unseren Tagen. Die Sängerin Solenn’ Lavanant Linke gibt sich herrlich linkisch, tollpatschig in der Hosenrolle, ihre lyrische Sopranstimme strahlt in den berühmten Arien.

Ensemble und Regie

Graf Almaviva Chor Luzerner Theater Foto Ingo Hoehn
Graf Almaviva Chor Luzerner Theater Foto Ingo Hoehn

Die mittleren Partien sind ebenfalls hervorragend besetzt. Marcela Rahal gibt eine kokette, überzeugende Marcellina, die schnell von der Rolle der Buhlerin zur Mutter-Rolle findet. Die Männer in den Doppelrollen können ihre komödiantischen Talente auch voll einsetzen. Seit der Uraufführung bevorzugt man nämlich Don Basilio und Don Curzio mit einem Sänger (Spieltenor) zu besetzen, hier geschehen mit Robert Maszl. Don Bartolo und der Trunkenbold Antonio (Charakterbass) wird von Rainer Zaun zum Besten gegeben. Mit Alina Dätwyler als Barbarina überzeugen stimmlich alle mittleren Partien und fügen sich hervorragend in die grossen Ensemblesätze ein, namentlich im Finale des dritten und des vierten Aktes.

Das Luzerner Sinfonieorchester gibt ihnen die ideale Unterstützung und spielt mit Verve unter der Führung der jungen Dirigentin Gabriella Teychenné.

Über das Sängerische hinaus, schauspielern und agieren die Ensemble-Mitglieder mit so viel Lust und Motivation, dass es eine Freude ist zuzusehen. Das Verdienst der Regie?

Graf und Gräfin Almaviva Foto Ingo Hoehn
Graf und Gräfin Almaviva Foto Ingo Hoehn

Wohl auch, abgesehen davon, dass diese Traumrollen auf der Wunschliste jeder Sängerin und jedes Sängers zuoberst stehen. Der Regisseur Gerard Jones verzichtet auf altes Theaterplunder und versetzt die Handlung in die 1960er Jahre; für die Jugend vielleicht auch schon was Historisches. Passende Bühne und Kostüme dazu von Anna Yates und Donna Raphael. Das Tempo der Vorstellung ist ideal, Freizügigkeit mit einem Hauch Vulgarität entspricht dem Zeitgeist. Die Schauspielerei beginnt sogar schon während der Ouvertüre. Eine stumme, aber lebhafte Tafelszene zeigt die Spannungen unter den Protagonisten auf und bereitet uns auf die folgenden Ereignisse vor. Die Szenerie wird nicht diskret hinter dem Vorhang verändert; die Chormitglieder und Statisten, die aktiv die Bühne mitgestalten, lassen uns ständig an Bertolt Brecht erinnern: Es ist nur Theater!

Gott sei Dank, es ist Theater. Noch immer. Seit Stendhal 1824 den Tod der Gattung Oper prophezeite, kommen regelmässig düstere Weissagungen über uns, sogar von prominenten Musikern. Der Doyen des Lucerne Festival, Pierre Boulez sagte mal in jungen Jahren: «Sprengt die Opernhäuser in die Luft!»

Naja, das war 1967. Später ist auch er weiser geworden, hatte selbst Opern dirigiert, sogar in Bayreuth. Und wir sind dankbar, dass sein Rat nicht befolgt wurde. Es lebe die Oper.

 

Text: https://annarybinski.wordpress.com/

Fotos: Luzerner Theater Ingo Hoehn www.luzernertheater.ch

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Argentium-Parker ist in einem satten Erdton

Die erste Capsule-Kollektion von Ariat, eine modische Country-Kollektion

Argentium-Parker ist in einem satten Erdton
Argentium-Parker ist in einem satten Erdton

Die führende Marke für Country-Mode und -Schuhe, Ariat, freut sich, ihre erste Capsule-Kollektion Countryside” zu präsentieren. Zu den Highlights der Kollektion zählen vier Klassiker für die     Herbst-/Wintersaison, die modische Landhausmode präsentieren. Jedes Kleidungsstück vereint die innovativen Technologien von Ariat mit dem Gespür für stilvolle Landhausmode und bietet somit ausreichend Spielraum, um das perfekte Outfit für zu Hause oder in der Stadt zu kreieren.

Als wärmende Außenschicht eignet sich der Argentium-Parker optimal für den Einsatz bei Regen und Kälte. Die Jacke fühlt sich weich an, wie Wildleder und erinnert an gewachste Baumwolle. Das Obermaterial aus einem Bio-Baumwollgemisch ist perfekt wasserdicht und verfügt über die umweltfreundliche EcoDRY™-Technologie von Ariat sowie über einen versiegelten Nahtschutz und winddichte Ärmelbündchen, die für einen trockenen und angenehmen Tragekomfort sorgen. Die Primaloft®Black-Isolierung aus 60 % recyceltem Material sorgt für warmen und gleichzeitig leichten Tragekomfort. Die aufgesetzten Taschen mit Reißverschluss an den Händen und auf der Brust sind ideal, um die Hände warm zu halten und Wertsachen unterwegs zu schützen. Der Argentium-Parker ist in einem satten Erdton mit einem schönen Akzent aus kariertem Druck für das Futter erhältlich.

 

Montara in der Farbe Oatmeal

 Montara in der Farbe Oatmeal

Weiter geht es mit dem Montara-Sweater, der sich perfekt mit dem Argentium-Parker kombinieren lässt. Der Montara-Pullover mit hübsch strukturiertem Zopfmuster und dezentem Kontrast ist aus einem ökologisch einwandfreien Wollgemisch gefertigt und eignet sich hervorragend für gemütliche Stunden vor dem Kamin. Der Montara-Sweater vereint Komfort und Stil und verfügt über eine überschnittene Schulter mit geschwungenem Saum und einen gesichtsumrahmenden Rundhalsausschnitt – ideal, um es mit auffälligem Schmuck zu kombinieren. Der Montara-Sweater ist in zwei neutralen Farbtönen erhältlich: Oatmeal eignet sich ideal für die Kombination mit dunkleren Jeans und Navy für die Kombination mit braunen Stiefeln.

R.E.A.L Mid-Rise Skinny Jeans Ella

R.E.A.L Mid-Rise Skinny Jeans Ella

Die R.E.A.L Mid-rise Skinny-Ella-Jeans von Ariat ist mehr als nur eine Jeans; sie ist das ultimative modische Essential, das zu allem passt. Die Skinny Ella Jeans aus einem Baumwoll-Elasthan-Gemisch hat genau den richtigen Stretch-Anteil, um sich bequem an Hüfte und Oberschenkel anzupassen. Sie ist elastisch, behält aber ihre Form, wenn Sie in die Stadt gehen oder sich am Abend entspannen möchten. Das Mid-Rise-Design schmeichelt jeder Figur, bedeckt die Hüften und lenkt die Aufmerksamkeit auf Ihre obere Körperhälfte – perfekt zum Styling mit dem Argentium Parker und dem Montara-Sweater für einen gehobenen, gemütlichen Look.

 

Wythburn-Tall-Wasserdichte-Stiefel in Dunkelbraun

Wythburn-Tall-Wasserdichte-Stiefel in Dunkelbraun

Der Wythburn-Tall-Waterproof-Stiefel schließlich ist ein unverzichtbarer Begleiter für alles, was mit Wandern, Arbeiten und Reiten zu tun hat. Der dunkelbraune Stiefel aus vollnarbigem Leder mit Details aus antikem Messing fügt sich in die Tradition des Reitsports ein und bietet einen einzigartigen modernen Stil. Die Waterproof PRO™-Konstruktion von Ariat sorgt für trockene Füße. Wasserdichte Premium-Materialien und eine undurchlässige Barriere sorgen für Haltbarkeit und Schutz vor den Elementen.

 

 

Der durchgehende YKK®-Reißverschluss auf der Rückseite und das Schnürsystem auf der Vorderseite sorgen für Leichtigkeit und Komfort und lassen sich leicht an der Tür öffnen oder in aller Eile anziehen. Die dämpfende All-Day-Einlegesohle stützt auch die Fersen und das Fußgewölbe und ermöglicht so ein vielseitiges Styling im Sattel und in der Stadt, egal bei welchem Wetter.

Die Countryside-Kollektion von Ariat wird erhältlich sein unter https://www.ariat.com/de/de und im Einzelhandel für:

Argentium-Jacke – 320.00€

Montara-Pullover – 110.00€

R.E.A.L Mid-Rise Skinny Ella Jeans – 80.00€

Wythburn hohe wasserdichte Stiefel – 220.oo€

 

Über Ariat:

Ariat International wurde 1993 von den ehemaligen Stanford MBA-Kolleginnen Beth Cross und Pam Parker mit dem visionären Ziel gegründet, die Leistungstechnologie von Sportschuhen in Reitstiefel zu integrieren. Unser Fokus auf innovative Technologien in Schuhen und Bekleidung hat Ariat zur weltweit führenden Performance-Marke im Reitsport gemacht, die von Spitzenreitern und Millionen von Menschen getragen wird, die in der freien Natur leben und reiten. Im Jahr 2018 wurde Beth Cross, Mitbegründerin und CEO von Ariat, zur EY-Unternehmerin des Jahres (Kategorie Verbraucher) für Nordkalifornien ernannt. Die Auszeichnung würdigt den Erfolg des Teams bei der erfolgreichen Skalierung eines florierenden Unternehmens von Weltrang, das gleichzeitig eine erstaunliche Unternehmenskultur entwickelt hat.

 

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London Symphony Orchestra Foto Mark Allan

London Symphony Orchestra Robin Ticciati, Leitung – Antoine Tamestit, Viola, 18. 10.2021 KKL Luzern, besucht von Léonard Wüst

London Symphony Orchestra Foto Mark Allan
London Symphony Orchestra Foto Mark Allan

Besetzung und Programm:
London  Symphony Orchestra
Dirigent Robin Ticciati
Solist Viola Antoine Tamestit
William Walton  – Konzert für Viola  und  Orchester
Johannes Brahms Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98 (ca. 40’)

Alle Jahre wieder zu Beginn der Saison des Migros- Kulturprozent – classics begrüsst Intendant Mischa Damev das Publikum mit launigen Worten und hofft, dass diese Saison wie geplant durchgeführt werden könne und heisst zum Auftakt eines der weltbesten Orchester, Zitat Damev,  im Konzertsaal des KKL Luzern willkommen.

Dirigent Ticciati Robin
Dirigent Ticciati Robin

Mit Robin Ticciati stand ein «Shooting Star» der Klassik am Pult, der Pariser Antoine Tamestitagierte als. Solist an der Viola. Mit seinem Debüt bei der Filarmonica della Scala im Juni 2005 wurde Robin Ticciati der jüngste Dirigent, der in der Historie der Mailänder Scala am Dirigentenpult stand. Im Sommer 2006 dirigierte er Mozarts Il sogno di Scipione bei den Salzburger Festspielen.

William Walton Konzert für Viola und Orchester

Antoine Tamestit spielte am Montag im KKL
Antoine Tamestit spielte am Montag im KKL

Das Bratschenkonzert von William Walton ist – ohne Übertreibung – das erste Konzert für Viola und Orchester des 20. Jahrhunderts. Und es hat die Pforten für dieses noch immer unterschätzte Instrument – wenn es um dessen Solistenrolle geht – weit aufgestoßen. Walton, der von 1902 bis 1983 lebte, hatte in den zwanziger Jahren durchaus mit Elementen der musikalischen Moderne experimentiert und ähnlich wie Strawinsky einen veritablen Skandal-Erfolg zuwege gebracht: mit dem auch sprachlich recht eigenwilligen Melodram „Facade“. Doch später machte er einen Rückzieher: das Konzert für Viola und Orchester von 1929 zeigt wieder fast schon romantische Züge. Trotzdem weigerte sich der zunächst für die Uraufführung vorgesehene Lionel Tertis, das Werk aus der Taufe zu heben, und zwar mit der Begründung, es sei zu modern und deshalb unspielbar.

Uraufführung mit Paul Hindemith als Solisten

Solist Antoine Tamestit
Solist Antoine Tamestit

Am 3. Oktober 1929 kam das Konzert dann doch in London auf die Bühne, und Solist war der keineswegs weniger prominente Paul Hindemith, der damit gleichzeitig seine Wertschätzung für den jungen britischen Kollegen zum Ausdruck brachte und dessen Karriere einen gehörigen Schub gab.

Eigenständiger Weg zwischen Spätromantik und Moderne

Waltons Musik findet einen originellen Weg zwischen Spätromantik und Moderne. Nostalgische Melodien, die das ländliche England beschwören, wechseln mit rhythmisch mitreißendem Drive, der vom nervösen Leben der Großstadt London zu erzählen scheint. Geschickt verwebt Walton den Solopart mit dem farbig instrumentierten Orchester, unterfüttert von einer süffigen, eigenwillig zwischen Dur und Moll changierenden Harmonik.

Gesanglicher Wohllaut und kerniger Ton

Antoine Tamestit Solist  Viola
Antoine Tamestit Solist Viola

Antoine Tamestit, er spielt eine Stradivari aus dem Jahre 1672, zieht souverän die klanglichen Register seines Instruments – zwischen dem gesanglichen Wohllaut einer angenehm verschleierten Altstimme in den lyrischen Partien und einem kernigen Ton mit pointierter Attacke in den jazzigen Abschnitten. Ein hellwacher, reaktionsschneller Partner ist ihm Robin Ticciati am Pult der wunderbar warm und dunkel klingenden Londoner Symphoniker. Das ist tolle Musik – handwerklich auf höchstem Niveau, inspiriert und spontan zugänglich. Antoine Tamestit nähert sich Walton mit romantischem Ton. Mit Ruhe und einer gewissen Gelassenheit singt er die kantablen Linien großzügig aus. Den zweiten Satz, ein Scherzo, lässt er aufleben und mobilisiert hier mitreißendes Temperament und packenden Drive, von dem auch der dritte Satz profitiert.

Das Publikum, sichtlich beeindruckt, belohnte die Protagonisten mit stürmischem, langanhaltendem Applaus.

Johannes Brahms (1833 – 1897) Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Hochkonzntrierter Robin Ticciati
Hochkonzntrierter Robin Ticciati

Der erste Satz folgt dem konventionellen Schema der Sonatensatzform, ist geprägt von einer Folge absteigender Terzen die im Verlauf der gesamten Sinfonie mehrfach variiert werden. Auch der zweite Satz beginnt ungewöhnlich. Zuerst ein archaisch anmutendes Bläserthema, später dann eine warme, schier unendlich scheinende Kantilene der Celli. Das Intro der Hörner zu Beginn des zweiten Satzes gemahnt mich immer an das „Munotsglöckchen“, ein Motiv, das vom gesamten Ensemble in diversen Variationen übernommen und schlussendlich im Finale von den Bässen akzentuiert wird, bevor die Streicher das Ganze weich ausfliessen lassen, das von der Querflöte noch veredelt wird.

Resoluter, kontrastreicher 3. Satz

Dirigent Robin Ticciati
Dirigent Robin Ticciati

Sehr resolut der dritte Satz, der größtmögliche Kontrast: ein lärmendes, fast burleskes “Allegro giocoso”. Einwürfe von Piccolo Flöte, Kontrafagott und Triangel geben dem Ganzen einen schon fast grotesk wirkenden Charakter. eine gewollte Heiterkeit, die etwas Drohendes hat. Abrupt geht es in einer Trubel artigen C-Dur-Stimmung weiter, ebenso in einer, für Brahms, eher ungewöhnlichen Instrumentierung, mit zusätzlicher Piccolo flöte, Triangel sowie C-Klarinetten. Gegen Ende des Satzes klingt das Hauptthema des Finalsatzes an, bevor der lärmende Trubel sein Ende findet.

Beeindruckender finaler Satz

Dirigent Ticciati Robin
Dirigent Ticciati Robin

Der finale Satz startet mit schönen Hornklängen, unterstützt vom Paukisten, der von den Trompeten unterstützt wird, bevor das ganze Orchester wieder zu einer Einheit findet. Zum Ende duellieren sich die Streicher mit der Pauke, bevor sich die Querflöte und peu a peu die anderen Bläser dazugesellen, über alles erheben sich die Blechbläser, die ihrerseits von den Streichern wieder etwas zurückgebunden werden, bevor sich alle zum furiosen Ausklang wieder vereinen. Die Sinfonie, zu den weltbekanntesten  gehörend, vermochte das Publikum zu begeistern und wurde von diesem auch mit einem stürmischen, langanhaltenden Schlussapplaus honoriert. Robin Ticciati war dem Orchester ein engagierter, auch körperlich voll mitgehender Taktgeber. Nach dem nicht enden wollenden  Applaus gewährten die Engländer noch eine Zugabe in Form der Legende op. 59, Nr. 10 von Antonin Dvořák.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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