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Mariinsky Orchestra, KKL Luzern, 9. Januar 2019 , besucht von Léonard Wüst

Das Mariinsky Orchestra unter Valery Gergiev
Das Mariinsky Orchestra unter Valery Gergiev

Besetzung und Programm:

Das Mariinsky Orchestra

Valery Gergiev (Dirigent)

 

  • Irina Churilova (Sopran)
  • Najmiddin Mavlyanov (Tenor)
  • Roman Burdenko (Bariton)
  • Mikhail Petrenko (Bass)
  • Evgeny Nikitin (Bass-Bariton)

Rezension:

Eine der typischen Gesten des Stardirigenten Valery Gergiev
Eine der typischen Gesten des Stardirigenten Valery Gergiev

Dirigent Valery Gergiev und sein Mariinsky Orchestra aus Sankt Petersburg sind regelmässig bei Migros – Kulturprozent – Classics Tourneen mit dabei. und werden vom Publikum immer ausgiebig gefeiert, das sollte auch an diesem Abend wieder so sein.

Bass Mikhail Petrenko   Foto Alexandra-Bodrova
Bass Mikhail Petrenko Foto Alexandra-Bodrova

Der Intendant des Migros – Kulturprozent Classics, Mischa Damev, begrüsste das Publikum mit einer schlechten, einer guten, einer sehr schlechten und einer sehr guten Nachricht: Der vorgesehene Bass Sänger Stanislav Trofimov musste aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Es sei aber gelungen, in der Person von Mikhail Petrenko, der sich grad in Italien befand, einen gleichwertigen Ersatz zu verpflichten. Die Flüge von Italien in die Schweiz wären aber, aufgrund des Schneefalls verschoben, teilweise ganz abgesagt worden. Der Sänger sei aber vor 60 Minuten mit dem Zug in Luzern eingetroffen und einsatzbereit.

Grundsätzliches zur Oper

Roman Burdenko (Bariton)
Roman Burdenko (Bariton)

Die lyrische Oper in einem Akt nach einem Libretto seines jüngeren Bruders Modest Tschaikowski, basiert  auf Kong Renés Datter (König Renés Tochter), dem Schauspiel des dänischen Dichters Henrik Hertz. Die Oper trägt die Opusnummer 69, wurde am 18. Dezember 1892 im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg zur Uraufführung gebracht und spielt in einem Schlossgarten in der Provence im  15. Jahrhundert  Die dänische Prinzessin Jolanthe ist nicht nur blind, sondern weiß zudem nichts von ihrer Blindheit. Niemand in ihrer Umgebung wagt es, ihr die Wahrheit zu sagen, dabei wäre Heilung allein um den Preis der Erkenntnis möglich. Erst durch die Liebe zum Graf Vaudémont gelingt der Ausbruch aus diesem Teufelskreis – Jolanthe wird geheilt. Für diese Seelendramen, die sich in „Jolanthe“ abspielen schuf Tschaikowski eine Partitur, die zu seinen schönsten überhaupt gehört: kammermusikalisch differenziert, zart und einfühlsam, jedes Instrument individuell ausgefeilt. Über allem steht der Gegensatz von Dunkel und Licht als Leitmotiv der Oper. Deshalb der ganz den Bläsern vorbehaltene Beginn mit seiner dunklen Tönung, der sich erst nach und nach, durch Einbezug der Streicher, aufhellt. Am Ende preisen alle die Liebe und ihren Schöpfer in strahlendem Dur: „Du bist der helle Schein des Lichts der Wahrheit …“ Die grossartigen Vokalisten erschienen nach und nach, je nach ihrem vorgesehenen Einsatz, auf der Bühne.

Irina Churilova (Sopran)
Irina Churilova (Sopran)

Sopranistin Irina Churilova gibt eine wunderbare Titelheldin Jolanthe! Sie gewann zahlreiche Gesangswettbewerbe und verkörpert die blinde Königstochter mit ungemein kräftiger Stimme, langem Atem und strahlend schönen Höhen. Ihre Stimme, die auch in zärtlichen und leiseren Stellen entzückt und immer gut hörbar und über dem Orchester schwebt, ist sehr dicht und intensiv, wenn auch manchmal etwas unnatürlich. Sie behauptet sich, als einzige weibliche Stimme, gegen die geballte männliche Sangeskraft ihrer 4 Bühnenpartnersouverän, von denen sich Najmiddin Mavlyanov als burgundischer Ritter Vaudémont als ganz guter Tenor erweist, im Vergleich mit den tiefen Männerstimmen allerdings etwas abfällt. Seine Stimme ist kleiner und teilweise zu leise. Sie klingt zudem angestrengter und unnatürlicher, manchmal etwas dünn und fahl. Man nimmt ihm die Rolle als erlösender Geliebter Jolanthes nicht so ganz ab. Mavlyanov ist ganz gut und solide, aber ohne zu begeistern, gar zu berühren …und ganz ohne glänzenden Zauber. Dies ganz im Gegensatz zu den überragenden Bariton, Bass und Bass Bariton der andern drei russischen Sängern.

Najmiddin Mavlyanov (Tenor)
Najmiddin Mavlyanov (Tenor)

Der feurige und inbrünstige Schlussgesang aller Sänger mündet fast nahtlos über in den langanhaltemden Applaus des begeisterten Publikums.

2. Konzertteil Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 5 e-Moll op. 64

 Evgeny Nikitin (Bass-Bariton)
Evgeny Nikitin (Bass-Bariton)

Nach der Pause löste der erste Gastkonzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici (leitet das Stradivari-Ensemble des Mariinsky Theaters) Leonid Veksler als Konzertmeister ab. Nasturica spielt eine Geige von Antonio Stradivari, „Rodewald“ von 1713 und agierte, rein körperlich gesehen, viel intensiver als dies Leonid Veksler zuvor getan hatte. Diese sichtliche Spielfreude übertrug sich hörbar auch auf das Orchester, welches so wachgerüttelt und zu noch engagierterer Spielweise animiert wurde. Die Sinfonie beginnt mit einem kurzen Klarinettenintro, bevor das Leitmotiv von den Streichern aufgegriffen und im Dialog mit den „Kleinbläsern“ weiterentwickelt wird. Wieder steht Gergiev ohne Podest inmitten seiner Musiker, würde sich am liebsten in die Streicher hineinwühlen, dirigiert auswendig – und nur schwer verständlich. Seine Hände fliegen zitternd durch die Luft, die Arme rudern, jeden Schlag gibt es mindestens fünfmal. Vielleicht hilft es ja seinen Musikern, dass er die Einsätze gerne mit lautem Atmen ankündigt. einmal mehr fällt der sehr eigenwillige Dirigierstil Gergievs stark ins Auge. Fast ständig lässt er seine Hände, Finger und Arme wild flattern, erinnert an einen Vogel, der nach dem Bad das Wasser aus seinem Gefieder schüttelt. Immer wieder führt Gergiev seine Hand an den Mund und bringt damit das Orchester zum plötzlichen Verstummen, schafft kraftvolle Pausen. Das Publikum im vollbesetzten Konzertsaal staunt und geniesst das vom russischen Vorzeigeorchester dargebotene Klangerlebnis

Lorenz Nasturica-Herschcowici, Konzertmeister im zweiten Konzertteil
Lorenz Nasturica-Herschcowici, Konzertmeister im zweiten Konzertteil

Es folgte ein langanhaltender, stürmischer Schlussapplaus, der schlussendlich in eine stehende Ovation gipfelte, worauf uns die Protagonisten als Zugabe mit dem «Blumenwalzer» aus dem Ballett «Der Nussknacker», ebenfalls aus der Feder des Komponisten des Abends, beglückten.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

 

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Symposien zu den Ausstellungen Monet und Götter des Olymp Zwei hochkarätig besetzte internationale Symposien greifen die Fragestellungen der laufenden „Götter des Olymp“-Ausstellung und der großen Monet-Schau im kommenden Jahr auf.

Claude Monet, The Cliff and the Porte d´Aval, 1885, Private Collection
Claude Monet, The Cliff and the Porte d´Aval, 1885, Private Collection

Die Wiedergabe flüchtiger Natureindrücke spielte eine zentrale Rolle in der Kunst Claude Monets. Wie kein anderer Impressionist setzte er sich intensiv mit der Topographie und den spezifischen Lichtstimmungen der unterschiedlichsten Orte auseinander, von der Metropole Paris bis zu den abgelegenen Seine-Dörfchen Vétheuil und Giverny. In Zusammenarbeit mit dem Denver Art Museum zeigt das Museum Barberini im kommenden Jahr die Schau Monet. Orte (29. Februar – 1. Juni 2020). Ein hochkarätig besetztes Symposium erforscht am 16. Januar 2019 in Vorbereitung der Potsdamer Ausstellung die Entwicklung von Monets Kunst von den 1850er bis zu den 1920er Jahren mit einem Fokus auf dem Ausstellungsthema: die Orte – sowohl in der Heimat wie auf Reisen –, aus denen er Inspiration für seine Malerei bezog. 

Die Schau Götter des Olymp. Aus der Dresdner Skulpturensammlung präsentiert derzeit im Museum Barberini Meisterwerke, die viele Jahre nicht angemessen gezeigt werden konnten, bis sie im Herbst 2019 im renovierten Semperbau in Dresden ihre dauerhafte Aufstellung finden werden. Aus Anlass der Neubegegnung mit diesen Werken untersucht ein Symposium am 25. Januar 2019 Fragen zur Aktualisierung und Verlebendigung von Sammlungen antiker Werke. Das Symposium – veranstaltet in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – würdigt auch die langjährige Tätigkeit von Kordelia Knoll als Oberkonservatorin der Dresdner Antikensammlung.

Mittwoch, 16. Januar 2019, 10–19 Uhr
Symposium zur Ausstellung Monet. Orte (29. Februar – 1. Juni 2020)
Mit: Marianne Mathieu, Musée Marmottan Monet, Paris; Dr. James H. Rubin, Stony Brook University, New York; George T. M. Shackelford, Kimbell Art Museum, Fort Worth; Prof. Dr. Richard Thomson, The University of Edinburgh, Edinburgh College of Art; Prof. Paul Tucker, University of Massachusetts, Boston; Dr. Daniel Zamani, Museum Barberini, Potsdam
Programm des Symposiums 
Alle Vorträge werden auf Englisch gehalten.
€ 10 / ermä̈ßigt € 8, freier Eintritt für Studierende, Anmeldung erforderlich

Freitag, 25. Januar 2019, 10–18 Uhr
Symposium zur Ausstellung Götter des Olymp. Aus der Dresdner Skulpturensammlung (bis 17. Februar 2019)
Mit Dr. Norbert Eschbach, Gießen; Dr. Stephan Koja, Dresden; Dr. Claudia Kryza-Gersch, Dresden; Dr. Joachim Raeder, Kiel; Prof. Dr. Andreas Scholl, Berlin; Saskia Wetzig, Dresden
Programm des Symposiums
€ 10 / ermä̈ßigt € 8, freier Eintritt für Studierende, Anmeldung erforderlich

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Konzert Theater Bern, La Bohème von Giacomo Puccini, besucht von Noémie Felber

La Bohème Foto Annette Boutellier
La Bohème Szenenfoto Annette Boutellier

Produktion:

Musikalische LeitungIvo Hentschel

RegieMatthew Wild

BühneKathrin Frosch

KostümeIngo Krügler

Kostüme MitarbeitFrauke Leni Bugnar

LichtBernhard Bieri

ChoreografieNorbert Steinwarz

DramaturgieKatja Bury

KorrepetitionSonja Lohmiller, Petros Bakalakos

BühnenbildassistenzKim Zumstein

KostümassistenzIsabella Koeters

StudienleiterHans Christoph Bünger

ChorleiterZsolt Czetner

Chor Chor Konzert Theater Bern

KinderchorMusikschule Köniz Kinderchor

 

Rezension:

La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier
La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier

Die Geschichte von Puccinis «La Bohème» ist eine zeitlose. 1896 findet ihre Uraufführung in Turin statt. Genau 100 Jahre später erscheint das Musicals «Rent», welches auf dem gleichen Inhalt basiert. Dieses Jahr wird der Opernklassiker in modernem Gewand im Konzert Theater Bern aufgeführt. Die literarische Vorlage «Scènes de la Bohème» von Henri Murger erscheint in der Mitte des 19. Jahrhunderts und spielt auch in dieser Zeit. Doch das Lebensgefühl der künstlerischen Bohémiens lässt sich in alle möglichen Epochen übertragen. Und genau das macht Bern mit seiner Inszenierung des Stücks.

Viva la vie bohème

La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier
La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier

«La Bohème» erzählt die Geschichte vier junger Künstler, die sich in der Szene behaupten wollen. Mittendrin sind dabei der Maler Marcello und der Poet Rodolfo, die sich nicht nur mit der Sicherung ihres Lebensunterhalts, sondern auch mit ihren Freundinnen abmühen müssen. Die Beziehung von Marcello und der glamourösen Musetta ist geprägt von Eifersucht, während Rodolfo Schuldgefühle seiner todkranken Geliebten Mimì gegenüber empfindet. Beide Paare erleben glückliche aber auch schwierige Momente. Nach Beziehungskrisen und einer langen Funkstille geschieht das Unvorstellbare: Beide Paare und ihre Künstlerfreunde sind im Angesicht von Mimìs Tod wiedervereint und müssen sich fragen, ob das Künstlerdasein wirklich die beste Wahl für ein Leben ist.

Retrospektive

La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier
La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier

Die Berner Inszenierung transportiert die Geschichte aus den 1830ern in die 1960er und stellt somit nicht nur das Lebensgefühl einer Bohème-Generation dar. Unter Matthew Wild lässt die Hauptfigur Marcello Revue passieren und fragt sich somit: Wie ging es nach der bekannten Geschichte weiter? Als alter Mann hat der Künstler nun seine eigene Ausstellung, die er mit Frau und Enkelsohn besucht. In flashbackartigen Erinnerungen sieht er die Geschichte seiner Jugend und seiner Freunde vor sich und durchlebt sie selbst noch einmal, nun aber in anderen Rollen. Was er sieht, ist mal schmerzvoll, mal fröhlich und stets mit einem passenden Bühnenbild untermalt. Es gibt feuchtfröhliche Gelage in der kleinen Wohnung, Partys im nahegelegenen Schuppen und romantische Szenen im Schneetreiben. Der gemeinsame Nenner aller vier Bilder: das Motiv der Liebe, dargestellt mit Marcellos omnipräsenter Herzskulptur auf der Bühne. Doch das Künstlerdasein ist immer auch mit negativen Seiten verbunden, die im Stück dargestellt werden. Armut, Krankheit und Tod ziehen sich als Leitthemen durch die ganze Oper hindurch. Das Leid, das in den ersten drei Bildern dargestellt wird, findet sein Klimax im Finale und dem Tod von Mimì, der alle Künstler für einen Moment innehalten und reflektieren lässt.

Grosse Gefühle

La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier
La Bohème Szenenfoto von Annette Boutellier

Der Schluss der Oper ist allgemein dramatisch, nimmt durch den alten Marcello jedoch eine neue emotionale Tiefe an. Das ausgehende Licht lässt erstmal nur betretenes Schweigen zu. Das Publikum fasst sich allerdings schnell und verabschiedet die Darstellenden mit tosendem Applaus, der ihnen auch definitiv gebührt. Nicht nur stimmlich, auch darstellerisch vermitteln die Schauspieler ihre Charaktere sehr glaubhaft und berührend. Unterstützt werden sie dabei vom Berner Symphonieorchester unter der Leitung von Ivo Hentschel, welches die wunderschöne Musik Puccinis auf der Bühne zum Leben erweckt und das Publikum mit großartigen Melodien und Emotionen berührt. Wer also gerne mal einen absoluten Klassiker der Operngeschichte in einem neuen Gewand erleben möchte, kann dies noch bis am 19. Mai 2019 tun und für einige Stunden in die künstlerische Welt der Bohème eintauchen.

Text: www.noemiefelber.ch

Fotos:  Annette Boutellier https://www.konzerttheaterbern.ch/

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Luzerner Sinfonieorchester, Mit Rossini ins Neue Jahr, 1. Januar 2019, besucht von Léonard Wüst

Mit Rossini und Karine Deshayes ins Neue Jahr
Mit Rossini und Karine Deshayes ins Neue Jahr

Besetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

James Gaffigan, Leitung

Karine Deshaye, Mezzosopran

Hector Berlioz (1803 – 1869)
«Le carnaval romain»

Gioacchino Rossini (1792 – 1868)
Nacqui all'affanno e al pianto... Non più mesta, Arie aus der Oper «La Cenerentola»

Gioacchino Rossini
Le siège de Corinthe: Ballabile, Galop

Charles Gounod (1818 – 1893)
Walzer aus der Oper «La reine de Saba»

Luigi Cherubini (1760 – 1842)
Ah, nos peines seront communes, Arie aus der Oper «Médée»

Charles Gounod
Walzer aus der Oper «Faust»

Gioacchino Rossini
Ouvertüre zur Oper «La gazza ladra»

Giacomo Meyerbeer (1791 – 1864)
Nobles seigneurs, salut! , Arie aus der Oper «Les Huguenots»

Gioacchino Rossini
Variationen für 2 Violinen, Viola, Violoncello, Klarinette und Orchester F-Dur

Gioacchino Rossini
Temporale (das Gewitter) aus der Oper «Il barbiere di Siviglia»

Gioacchino Rossini
Bel raggio lusinghier, Arie aus der Oper «Semiramide»

Rezension:

James Gaffigan, Chefdirigent des Residenzorchesters  Foto  Vera Hartmann
James Gaffigan, Chefdirigent des Residenzorchesters Foto Vera Hartmann

Ins Jahr 2018 startete das Luzerner Sinfonieorchester mit Gershwin, nun war ein Jahresbeginn mit Puccini angesagt. Die dafür vorgesehene italienische Mezzosopranistin Marianna Pizzolato musste kurzfristig aus persönlichen Gründen absagen, konnte von der Verantwortlichen aber zeitig durch die Französin Karine Deshayes adäquat ersetzt werden. Das Programm musste nur sehr marginal  für die neue Solistin angepasst werden.

Karine Deshayes: Alles andere als ein Aschenbrödel, auch wenn sie eine Arie aus «La Cenerentola» singt

Karine Deshayes Foto Aymeric Giraudel
Karine Deshayes Foto Aymeric Giraudel

Auftakt für die Solistin, in ein pink-violettes Abendkleid gehüllt, mit der Arie «Acquit all’affanno, al pianto» – «Non più mesta» aus «La Cenerentola» von Rossini, nachdem sich das Luzerner Sinfonieorchester zuvor zum Konzertauftakt mit «Le carnaval romain» von Hector Berlioz so richtig eingespielt hatte.

Die Arie aus Rossinis Le siège de Corinthe: Ballabile, Galop diente der französischen Solistin um die grosse Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme zu demonstrieren, bevor das Luzerner Rennomierorchester mit dem wenig bekannten Walzer aus der Oper «La reine de Saba» von Charles Gounod brillierte. Dem Publikum im praktisch ausverkauften Konzertsaal wurde Musik der absoluten Weltklasse geboten, vokal ebenso wie instrumental.

Fagott wird zum heimlichen Star des Abends

Andrea Cellacchi Fagott
Andrea Cellacchi Fagott

Höhepunkt  des Programms war die Arie «Ah, nos peines seront communes» aus der Oper «Medée» von Luigi Cherubini. Die Singstimme wird begleitet von einem anspruchsvollen Solo für Fagott, überragend gespielt von Andrea Cellacchi, der sich dafür am vorderen Bühnenrand, links des Dirigenten stehend , platzierte.

Das sachkundige Publikum geizt nicht mit Applaus für dieses „Läckerli“, gewährt diesen auch sonst grosszügig und ausgiebig nach jedem Stück.

Richtig beschwingt spielte uns das Orchester mit dem Walzer aus der Oper «Faust» von Charles Gounod in die Pause.

Fulminanter Start in den 2. Konzertteil mit der Ouvertüre zur Rossini Oper «La Gazza ladra» («Die diebische Elster»).

«La Gazza ladra» Eine dankbare Komposition um den zweiten Konzertteil so richtig zu lancieren, was dem Orchester mit Schwung und viel Pep unter dem magistralen Dirigat von James Gaffigan bestens gelang.

Mezzosopranistin Karine Deshayes
Mezzosopranistin Karine Deshayes

Mit dem «Temporale» (Gewitter) aus «Il Barbiere di Siviglia» und den Variationen für zwei Violinen, Viola, Violoncello, Klarinette und Orchester F-Dur von Rossini unterstreicht das Orchester seinen ausgezeichneten  Ruf. Karine Deshayes brilliert mit der französischen Arie «Nobles Seigneurs, salut!» aus Giacomo Meyerbeers «Les Huguenots». Sie führt ihre Stimme in der Arie der Soubrette Urbain nahtlos und kraftvoll in die Sopranlage und legt auch hier viel Gefühl, fast schon Pathos in ihren Gesang.

Bei der Arie „Bel raggio lusinghier“ aus der Oper «Semiramide» kann die Sängerin auch noch ihre Stärken in den Koloraturen zur Geltung bringen.

Für den langanhaltenden, stürmischen Schlussapplaus erhält das Auditorium als Dank Rossinis Tarantella «La Danza» aus den Soirées musicales als Zugabe.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

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