YouTube-Stream verfügbar Das Seebühnen-Richtfest Rigoletto am kommenden Mittwoch um 16.00 Uhr wird auch live auf dem YouTube-Kanal der Bregenzer Festspiele übertragen.
Szenenfoto Nicki Minaj von Léonard Wüst, auf der Bühne Juice WRLD
Rezension:
Plakat Nicki Minaj & Juice WRLD
«Ich bin so aufgeregt, meinen Fans in Europa das volle Nicki Minaj-Erlebnis zu bieten», sagt Nicki Minaj über die Tour. «Zusammen mit meinem Team habe ich das aufregendste, einzigartigste und unvergesslichste Kunstwerk für meine unglaublichen Fans entworfen. Ich liebe die Musik von Juice WRLD und bin begeistert, dass er mich auf Tour begleitet. Diese Tour wird in die Geschichte eingehen.» Neben Juice WRLD wird Nicki Minaj lokale Künstler aus jedem Land einladen, sich der THE NICKI WRLD TOUR in ihrer Stadt anzuschliessen. (im Fall des Zürcher Konzerts war das KT Gorique)
Konzert soll Einblick gewähren in die Welt von Nicki Minaj
Wie bei vergangenen Tourneen werden auch die Konzerte dieser Tour den Fans einen Einblick gewähren in die Welt von Nicki Minaj und viele Überraschungen bieten. Im Laufe der Jahre hat Nicki Minaj Geschichte geschrieben und alle Bereiche der Popkultur beeinflusst. 2018 veröffentlichte Nicki Minaj ihr Platin-Album «Queen» und wurde mit 100 Karriereauftritten die erste weibliche Künstlerin auf der Billboard Hot 100-Chart.
Zum Konzert
Support Act KT Gorique
Als Support Act serviert man mit KT Gorique eine, 1991 in Abidjan (Elfenbeinküste) geborene, in Sion lebende Schweizer Tänzerin, Rapperin und Schauspielerin. Zusammen mit vier andern Tänzer/innen, wovon der eine zwischendurch auch mal mitsingen darf, versucht sie, das Publikum anzuheizen, was ihr auch mit folgendem leidlich gelingt: Zu Beginn hämmert sie Worte mit Hochfrequenz auf einen klassischen Hip-Hop-Beat, smooth flowt sie danach weiter über den Beat von Rich The Kids «New Freezer» bis hin zu einem typischen Reggae-Roots-Instrumental. Einflüsse aus zahlreichen Musikrichtungen prägen KT Goriques Musik und doch ändert dies nichts an der einen Tatsache: Dass ihre Songs «Real-Hip-Hop» sind.
Dann folgt eine Pause, und die dauert und sie dauert, dauert und dauert.
Juice WRLD Getty Images
Nach ungefähr 45 Minuten kommt der zweite „Anheizer“ auf die Bühne: ein absolut furchtbarer, dauerbrüllender Animations-DJ. Und ein ebenso grässlicher 20-jähriger Rapper namens Juice Wrld aus Chicago. Es mag sein, dass manche Juice Wrld für einen gleichberechtigten zweiten Haupt-Act der „Nicki World“-Tour halten, aber: Was soll dessen hechelndes Herumgehüpfe. Dies aber störte das sehr jugendliche Publikum nicht im Geringsten, das schier aus dem Häuschen geriet, als der Sänger von der Bühne herab kam und eine hautnahe Runde durch die Fans direkt an der Bühne absolvierte.
Wieder eine Pause, eine elend lange Pause und noch länger
Nicki Minaj Foto ab ihrer Homepage
Dann endlich, nach fast einer Stunde, erscheint sie, die selbsternannte Queen des „Rap“ in einem silbernen Roboter-Blechkleid, von ihren, meist pubertierenden weiblichen Fans, mit Gekreische und Gejohle empfangen um ihre Dancefloor-Hits zu feiern. Darin war sie vor einigen Jahren ja wirklich gut: superpraller Kindergarten-Schlumpf Techno-Partysound à la Vengaboys, DJ Ötzi und Scooter. „Turn Me On“, „Whip It“, „Pound the Alarm“, „Starships“. Hits, Hits, Hits. Sie ballern im Wädlitempel immer noch gut. Danach legt Minaj sich auf ein Bühnenbett, umgeben von ihren, wirklich ausgezeichneten Tänzer/innen. Darauf räkelt sie sich, ihre körperlichen Reize in Szene setzend, wobei ihr praller, nicht eben kleingeratener Po sehr gut zur Geltung kommt.
Viel Obszönität und das wiederholte F Wort scheint üblich zu sein
Nicki Minaj Foto ab ihrer Homepage
Offensichtlich kann man sich heute problemlos leisten, eine Show mit vorwiegend Playback und eingespielten Videoclips abzuliefern, eine Frechheit bei Mindestticketpreisen von 99 Franken. Das schien aber das Publikum nicht zu stören, das seine Begeisterung mit viel Applaus und lautstarkem Johlen und Kreischen kundtat. Die Rap Queen präsentierte sich in wechselnden Outfits, tigerte über die Bühne, unterstrich mit teils sehr obszönen Gesten ihre F Aussagen und reihte einen Song an den andern.
Ein Angedeuteter Fellatio als Maximum an Peinlichkeiten
Szenenfoto Nicki Minaj Hallenstadion Zürich
Der mit heftigen Kopfbewegungen und andern entsprechenden Gesten angedeutete Fellatio bei einem ihrer Tänzer setzte den Geschmacklosigkeiten noch die Krone auf, wurde aber von den tausenden Teenies im nicht vollgesetzten Hallenstadion heftig bekreischt. Die Tänzer/innen waren in etwa das einzig Echte an dieser fast ausschliesslichen Playbackshow, bei der mehr die, über eine Riesenleinwand eingespielten, Videoclips der Sängerin im Mittelpunkt standen, als die eigentliche Live Show. Trotzdem wurde der Künstlerin die uneingeschränkte, kritiklose Begeisterung des stehend mittanzenden Auditoriums zuteil und sie kam um eine Zugabe nicht herum.
Eros Ramazotti, Hallenstadion Zürich, 25. März 2019 Konzertimpression, Foto Léonard Wüst
Besetzung:
Eros Ramazotti und Band
Rezension:
Ungewöhnlich präsentierte sich das Innere des Hallenstadions, war doch dort, in der Mitte vor der Bühne, wo sich sonst die Menschenmassen drängen, alles bestuhlt, also für das Publikum alles Sitz- und keine Stehplätze. Ob dies der Stimmung abträglich sein würde, wie das manchmal an Fussballspielen der Fall ist, war nicht zu befürchten, wenn man all die gutgelaunten Fans bei den Eingängen, in den Katakomben, an den Verpflegungsständen usw. des Konzertortes beobachtet hatte. So verköstigte auch ich mich noch kurz vor Konzertbeginn, hoffte, dass die vertilgte Wurst nicht das Highlight dieses Abends war und begab mich danach auf meinen Platz, wie sich heraus stellen sollte, inmitten italienisch sprechender Hardcorefans, vor allem weiblichen Geschlechts und mittleren Alters.
Erstaunlich – ein pünktlicher Südländer
Eros Ramazzotti auf der Bühne in Aktion Foto dpa Angelika Warmuth
Fast pünktlich, eher erstaunlich für einen Südländer, erscheint Eros Ramazzotti auf der Bühne, die an einen Wasserfall erinnert. Der Italo Schmalzrocker in schwarzer Jeans und schwarzem T Shirt, mit sichtbarem -Bäuchlein, was in seinem Fall, im Alter von 55, sicher erlaubt ist und seine Fans nicht störte. Mit dem Titelsong seines neuen Albums „Vita ce n’è“ legt er los. Danach, ebenfalls neu: „Per il resto tutto bene“, frei übersetzt: „Der ganze Rest ist alles in Ordnung“.
Eros Ramazzotti begeisterte die Fans.
Eros Ramazotti Konzertimpression
Und ja, mehr tutto bene könnte es gar nicht sein, vor allem, als Eros die Klassiker auspackt – fast unglaubliche 35 Jahre nach seinem ersten Hit „Terra promessa“, den er auch spielte. Die Damen im Publikum, meist auch nicht mehr im Teenager- oder Twen Alter stehen und schwenken ihre Hände im Rhythmus der Musik hin und her, machen mehr oder weniger gekonnte Hüftschwünge, Ramazotti greift zwischendurch auch mal selber zur Gitarre, zu Konzertbeginn zur E Gitarre, im späteren Verlauf dann zur akustischen. Für einen Song setzt er sich auch mal ans Piano, ansonsten überlässt er das Instrumentelle seiner Band, die ihn gekonnt durchs Set begleitet.
Selbst reserviertere Herren holt Ramazzotti ab
Eros Ramazzotti begeisterte die Fans Foto dpa Angelika Warmuth
Von „Un emozione per sempre“ bis zu einem akustischen „Adesso tu“, da sind selbst die eher reservierteren Herren im Publikum begeistert von einer Stimme, die klingt wie eh und je. Zwischendurch kommen nacheinander auch die zwei Backgroundsängerinnen zum Handkuss, bittet Eros sie doch an den Bühnenrand für jeweils ein Duett. Die jungen Damen geniessen dies und zeigen stimmgewaltig, was auch sie draufhaben. Natürlich kann Ramazotti es nicht lassen, dabei den Italo Macho Lover zu geben und heftigst zu flirten, seinen Ruf damit festigend.
Das unvermeidliche JE KA MI zum Schluss
Zum Abschluss befeuerte dann der Italo Barde die Stimmung noch mit ein paar seiner Mitklatsch Canzone in Medley Form. Stehend, hüftschwingend, Hände und Handys schwenkend, machte das Publikum fröhlich mit und schaukelte sich so zum ultimativen Konzerthöhepunkt empor. Ein Konzert, das alles hielt, was man erwartet hatte, aber, leider auch, ganz ohne jegliche Überraschung.
Wolfgang A. Mozart – Klarinettenkonzert A-Dur, KV 622
Gustav Mahler – Sinfonie Nr. 1 D-Dur «Der Titan»
Rezension:
Rolf Liebermann – Furioso für grosses Orchester
Sakari Oramo (Dirigent) Foto Maek Allan
Ab dem ersten Paukenschlag kann man nachvollziehen, dass dieses Werk polarisierte, so ungewohnt ist der Aufbau der Komposition, ein deutlicheres Bekenntnis zur Zwölftonmusik ist nur schwer vorstellbar. Das in seiner Wildheit kompromisslose Werk weist drei Teile auf, die von einem Rhythmusmuster der Pauken, einem Klavier-Ritornell und einer grossartigen rhythmischen Kontrapunktik des Orchesters belebt werden. So rezitierte man im Spiegel im August 1947:«Das ‹Furioso› für Orchester […] ist offenbar nach Nachkriegsschweizer Massstäben konzipiert. Kaum vorstellbar, dass einem untergewichtigen, sparsam ernährten deutschen Notenschreiber ein so vitales, kraftgeladenes Stück heute einfallen könnte, eine Musik, die aus den Nähten platzt. Ihr wildes Tempo verschlägt dem Zuhörer den Atem. Rasende Sechzehntelgänge versetzen die aus (kaum noch vorhandenen) Leibeskräften blasenden und streichenden Orchestermusiker in Transpiration, und dem zu unaufhörlichem Schlagen verurteilten Pauker werden die Knie weich …», Zitatende. Dirigent Sakari Oramo führte das skandinavische Renommierorchester energisch, aber nicht stur senkrecht geradeaus durch die Partitur, liess mal hie, mal da eine Finesse durchschimmern, polterte etwas weniger, um ein Detail heraus zu schälen. Obwohl für unsere, an harmonischere Klänge gewohnte Ohren, sehr ungewöhnlich, hatten die Zuhörer ihre helle Freude am Konzertauftakt und bekundeten das auch mit dem entsprechendem Applaus.
Solist Martin Fröst versetzte das Auditorium in Ekstase
Martin Fröst ( Solist Klarinette)
Für das nun folgende Klarinettenkonzert von Mozart, komponiert grad mal zwei Monate vor seinem Tod 1791, wurde der, am 14. Dezember 1970 in Sundsvall (Schweden) geborene, aktuell einer der anerkannt weltbesten Klarinettisten, Martin Fröst, vom Dirigenten auf die Bühne geleitet und war mit seiner Aura unmittelbar präsent. Fröst ist auch für seine ausdrucksstarke und unkonventionelle Art auf der Bühne bekannt, sein Körpereinsatz, der fast einem Tanzen gleich kommt. Nebst seiner überragenden Technik, spielte er mit ganzem Herzen, lotete die Seele der Klarinette aus und das hörte man in jeder Note des Werkes, ins besonders im „Adagio“. Das Zusammenspiel mit einem gutaufgelegten, ebenbürtigen Klangkörper bescherte dem Auditorium ein superbes Klangerlebnis. Mit Sakari Oramo als agilem flexiblem Taktgeber war das Dreigespann optimal aufgestellt. Dieser Meinung war auch das Publikum und belohnte die Musiker mit stürmischem, starken Applaus, der in eine stehende Ovation mündete.
Frösts unfassbar virtuose Zugabe
Martin Fröst (Klarinette) Foto NikolajLund
Die Standing Ovation wollte und wollte nicht aufhören, so kam der Solist nochmals auf die Bühne und belohnte uns mit einer kurzen, in Englisch vorgetragenen Ansprache über die Improvisation, die er als Zugabe jetzt spielen werde, gefolgt von einem Klesmer, den sein Bruder arrangiert habe. Was dann folgte war schlicht sensationell. Er brillierte zuerst mit der Improvisation, schwenkte dann nahtlos in den Klezmer, bei dem ihn das ausgezeichnete Orchester kongenial unterstützte. Damit versetzten die Musiker, geleitet durch ihren engagierten finnischen Dirigenten Sakari Oramo, das Auditorium in höchste Entzückung, was folgerichtig eine erneute stehende Ovation provozierte.
2. Konzertteil mit der 1. Sinfonie von Gustav Mahler
Sakari Oramo (Dirigent) Foto Jan Olav Wedin
Die höchste Glut der freudigsten Lebenskraft und die verzehrendste Todessehnsucht: beide thronen abwechselnd in meinem Herzen“, schreibt der 19-jährige Gustav Mahler. Die innere Zerrissenheit, die starken Kontraste sind charakteristische Merkmale seiner Musik. Der typische Mahler’sche Tonfall ist schon in der ersten Sinfonie deutlich zu erkennen. Wie im Nebel, mit einem kaum wahrnehmbaren, stehenden Ton beginnt die Sinfonie Nr. 1 in D-Dur. Einzelne Bläserstimmen nimmt man wahr. Ein dichter, ungeheuer moderner Einstieg in eine Klangwelt, die im zweiten Satz mit einem derben, volkstümlichen Ländler fortgefühlt wird. Der bekannte Kanon „Bruder Jakob“, gespielt vom Kontrabass, leitet den dritten Satz ein, einen grotesken Trauermarsch mit Blaskapelle. Im vierten Satz „Stürmisch bewegt“ nimmt Mahler Bezug auf den ersten und endet jubelnd in strahlendem D-Dur. Für den Dirigenten Sakari Oramo ist ein unverwechselbares Merkmal von Mahlers Musik, die Gleichzeitigkeit von verschiedenen musikalischen Charakteren, die Verbindung von Kunst- und Gebrauchsmusik. Mahler möchte die Welt in Töne fassen und entwickelt einen ganz eigenen Klangkosmos. Diesen ganz eigenen Klang setzten die „königlichen“ aus Stockholm perfekt um. Oramo baute die Spannung geschickt behutsam auf, führte sein Orchester Schritt für Schritt, respektive Note für Note sensibel durch die sehr unterschiedlichen Sätze, bis sich alles im dramatischen erlösenden Finale auflöste und vollendete. Das begeisterte Publikum feierte die Musiker lange und stürmisch, dazu erneut mit Standing Ovations. Ein weiteres grossartiges Konzert in der Migros – Kulturprozent – Classics Tourneereihe.