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FESTIVAL STRINGS LUCERNE, Eröffnungskonzert Konzert Reihe Luzern "Tanz der Freude", 3. Dezember 2018, besucht von Léonard Wüst

Solist Ray Chen Violine und die Lucerne Festival Strings
Solist Ray Chen Violine und die Lucerne Festival Strings

Besetzung und Programm:

Festival Strings Lucerne
Ray Chen Violine
Daniel Dodds Leitung & Violine

Dmitri Schostakowitsch: Zwei Stücke für Streichorchester op. 11

Felix Mendelssohn Bartholdy: Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Rezension:

Daniel Dodds , Leitung und Violine Foto Dorothee Falke
Daniel Dodds , Leitung und Violine Foto Dorothee Falke

Das Konzert eröffnende stark slawisch geprägte Frühwerk von Sostakowitsch verrät in seinen Satzbezeichnungen musikalische Orientierungen, die auch für den reifen Schostakowitsch gültig blieben: der erste Satz, Präludium genannt, ist eine Hommage an Johann Sebastian Bach, der zweite, ein Scherzo, zeigt in seinem sarkastischen Ton bereits die Doppelbödigkeit späterer Schostakowitsch-Scherzi. Man kann in ihm Anklänge an die Ballettmusik, das goldene Zeitalter und an die ersten beiden Sinfonien hören. Tonmaterial, grad recht für die Strings, um sich warmzuspielen, auf Touren zu kommen, zwei Stücke für Streichorchester op. 11 so richtig, um auch das zahlreich erschienene Publikem einzustimmen, das sich dafür mit starkem Applaus dafür bedankte.

Mendelssohns Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

Ray Chen, Solist Violine Foto Sophie Zhai
Ray Chen, Solist Violine Foto Sophie Zhai

Bereits im Alter von neun Jahren erhielt Ray Chen die Einladung, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 1998  in Nagano aufzutreten. Seit seinem Gewinn 2009 beim berühmten Reine-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel und einem medialen Auftritt, der begeistert und inspiriert, erreicht der Australier mit taiwanesischen Wurzeln Millionen von Zuhörern und Followern und damit auch ganz neue und junge Zuhörer rund um den Globus. Und so trat er denn auch an, topmotiviert, mit vollem Körpereinsatz manchmal etwas ungestüm wie ein junger Musketier, wobei er, statt der feinen Klinge, einen feinen Bogen führte. Das Zusammenspiel mit dem Orchester und dessen präzisen Einsätzen klappte ab Beginn bestens, Solist und Mitmusiker motivierten sich wechselseitig zu Glanzleistungen, mit dem Solisten als Primus inter Pares. Seit Juni 2014 spielt Ray Chen die Stradivari „Joachim“ von 1715, eine Leihgabe der Nippon Music Foundation.

Solist ist von Beginn weg voll gefordert

Festival Strings Lucerne im KKL Luzern
Festival Strings Lucerne im KKL Luzern

Nach einer kurzen Einleitung des Orchesters setzt die Violine bereits im zweiten Takt mit einem schwungvollen Thema ein, das im Hintergrund von den Streichern begleitet wird; während der Entwicklung des Themas meldet sich das Orchester mit kurzen, aber bestimmten Tutti zu Wort. Im Anschluss übernimmt das Orchester das Thema der Violine und variiert es, woran sich ein Dialog der Violine mit abwechselnd den Streichern und dann den Bläsern anschließt. Danach ist es an den Bläsern, eine Variation des Themas aufzugreifen, die von der Violine wiederholt wird und mit Begleitung der Bläser, die ihre Variation zwischendurch kurz wiederholen, weiterentwickelt wird. Plötzlich wiederholt die Violine, diesmal energischer, ihr Hauptthema und probiert unter Begleitung des Orchesters wie getrieben alle möglichen Variationen. Ein Crescendo des Orchesters beendet die Variationen; nun ist die Violine mit der Kadenz an der Reihe. Nach der Kadenz wiederholt das Orchester im Piano das Hauptthema des Satzes und wird dabei in schnellem Arpeggio vom Solisten begleitet. Die Violine übernimmt es, das Thema zu variieren; nach einer Weile treten abwechselnd die Bläser und die Streicher als Begleitung hinzu. Ein Dialog zwischen Violine und Orchester führt langsam aber sicher zu einer Reihe kraftvoller Akkorde, die dem Fagott die Aufgabe übertragen, zum zweiten Satz überzuleiten. Der junge Solist bewegte sich sehr selbstsicher und erstaunlich routiniert durch die Partitur und bot, in perfektem Zusammenspiel mit seinen Mitmusikern, einen musikalischen Leckerbissen, dem sachkundigen Publikum sichtlich Freude bereitend. Für den langanhaltenden, stürmischen Applaus zeigte sich Ray Chen in Form von Paganinis Caprice No.21 als Zugabe erkenntlich.

Beethovens musikalische Liebeserklärung an die „Unsterbliche Geliebte“ Antonie Brentano im 2. Konzertteil

Meiner hochverehrten Freundin Antonie Brentano von Beethoven. Erst dieses Jahr wurde diese eigenhändige Widmung auf dem Titelblatt eines bislang unbekannten Exemplars der Partitur entdeckt, aufgrund dieser  zahlreiche Forscher  in Antonie Brentano die Adressatin des berühmten Briefes an die Unsterbliche Geliebte sehen, den der Komponist am 6./7. Juli 1812 in Teplitz schrieb.

Dramatisches Klangtableau entsteht im Schatten der napoleonischen Feldzüge

Daniel Dodds, Violine und Leitung
Daniel Dodds, Violine und Leitung

Dieses opulente Klanggemälde, das während der schon stark fortgeschrittenen Taubheit des Komponisten entstand,  bot den „Strings“ die perfekte Möglichkeit, ihr grosses Können einmal mehr zu demonstrieren, wie gewohnt unter der magistralen, trotzdem unauffälligen Leitung ihres Chefs Daniel Dodds. Wie meistens auf der äussersten Kante seines Stuhles sitzend, absolviert er seine doppelte Aufgabe als 1. Geiger und gleichzeitig Leiter des Orchesters mit vollem Engagement, was sich in seiner Körpersprache deutlich äusserte und auch an seiner Mimik gut abzulesen war. Das Orchester bot einmal mehr ein Gesamtkunstwerk und das Auditorium wusste dies mit dem entsprechenden Applaus zu würdigen.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos http://www.festivalstringslucerne.org/de/home

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Benefizkonzert der MS-Gesellschaft, Tonhalle Maag Zürich, 2. Dezember 2018, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Sinfonieorchester Camerata Schweiz
Sinfonieorchester Camerata Schweiz

Programm und Besetzung :

Ludwig van Beethoven | Klavierkonzert D-Dur op. 61 a

Joseph Haydn | Sinfonie Nr. 104 D-Dur «London»

Sinfonieorchester Camerata Schweiz
Howard Griffiths: Leitung
Claire Huangci: Klavier

Rezension:

Strömende Zuschauermassen in strömendem Regen, Tixi-Taxis treffen fast im Minutentakt ein, vor der Tonhalle Maag in Zürich bildet sich eine lange Schlange an diesem ersten Sonntag im Advent: Viel Solidarität mit den Menschen mit MS, aber auch viel Neugier auf das Programm und die Interpreten des diesjährigen Benefizkonzertes der MS Gesellschaft. Im grossen Foyer wärmen sich die einen unter den Heizstrahlern, andere bedienen sich aus grossen Schalen mit Spanischen Nüssli und Schokorondellen, es herrscht eine lockere Stimmung. Vom Gebäude nebenan wummert ein gewaltiger Bass, «nur bis 11.00 Uhr», beruhigt die Platzanweiserin, ein nahtloser Übergang von Party zu Klassikkonzert.

Auf dem Programm dieses Benefizkonzertes stehen Beethovens Klavierkonzert in D-Dur op. 61 a, ursprünglich für Violine geschrieben. Solistin ist die amerikanische Pianistin Claire Huangci, diesjährige Gewinnerin des renommierten Géza Anda Preises. Das zweite Werk ist Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 D-Dur «London», die Camerata Schweiz spielt unter der Leitung von Howard Griffith.

Gefühlte 40 Jahre

Howard Griffiths Leitung
Howard Griffiths Leitung

In seiner gewohnt lockeren Art begrüsst Howard Griffith die Gäste, erzählt von seiner Mutter, welche selber MS hatte und von seiner Verbindung zur Solistin Claire Huangci. Er kenne sie schon so lange, dass sie mindestens 40 sein müsste, sie sei aber erst 28. Mit seinem herrlichen Akzent und seiner unkomplizierten Art hat er die ausverkaufte Maag Halle sofort auf seiner Seite.

Atemberaubende Präzision

Claire Huangci Solistin am Klavier Fozo Mateusz Zahora
Claire Huangci Solistin am Klavier Foto Mateusz Zahora

Ebenso auf ihrer Seite hat Claire Huangci das Publikum bereits nach den ersten paar Takten. Für Zuhörer, welche Beethovens Werk als Violinkonzert kennen, sind diese zwar anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, aber Huangci spielt mit so viel Hingabe, so leichtfüssig und mit glockenklarem Anschlag, dass man die Violine gerne und schnell vergisst. Singend und perlend kommt der erste Satz daher, mal grazil hingehaucht, ins Orchester hineingewebt, dann wieder atemberaubend virtuos mit unglaublich präzisen Trillern in einem kaum vorstellbaren Tempo. In der Kadenz lebt sie ihre Virtuosität nochmal voll aus, im spannungsvollen Dialog mit der Pauke.

Claire Huangci Solistin am Klavier
Claire Huangci Solistin am Klavier

Im zweiten Satz bleibt sie gleichfalls gefühlvoll, leicht und sanft, wird dann energisch im dritten Satz, aber ohne jegliches Pathos, ohne Affektiertheit. Howard Griffith begleitet mit der Camerata subtil und bleibt im ausgewogenen Zwiegespräch mit der hervorragenden Solistin. Man kann Beethoven nur beglückwünschen, dass er damals auf Wunsch des Pianisten und Notenverlegers Clementi diese Version für Klavier geschrieben hat, sei es nur, damit Huangci sie so wundervoll interpretieren kann. Die junge Pianistin wird vom Publikum frenetisch beklatscht und bedankt sich mit einem atemberaubenden Encore, der Toccata aus Friedrich Guldas Übungsstücke «Play Piano Play.»

Adventsstimmung

Claire Huangci  Foto Gregor Hohenberg
Claire Huangci Foto Gregor Hohenberg

Im zweiten Teil folgt Haydns Sinfonie Nr. 104 «London». Da ist viel Spielfreude zu spüren, eine wunderbare Leichtigkeit, Verspieltheit und Transparenz. Auch hier zeigt sich der ganze Saal begeistert. Das Publikum wird aber nicht einfach so in diesen ersten Adventsonntag entlassen. Gemeinsam mit der Camerata und dem jungen Solisten Axel Marena wird «Stille Nacht» gesungen, auf Wunsch der MS Gesellschaft zum Abschluss noch Leonard Cohens «Hallelujah». Der Advent ist mehr als stilvoll eingeläutet!

Text:  www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.multiplesklerose.ch/de/

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Gölä 20 Jahre Jubiläums-Show, Hallenstadion Zürich, 1. Dezember 2018, besucht von Léonard Wüst

Gölä im Hallenstadion Foto Ruedy Hollenwäger
Gölä im Hallenstadion Foto Ruedy Hollenwäger

Besetzung: Gölä (Marco Pfeuti) und Band

Rezension:

Jodlerquartett Rosenberg aus dem Prättigau
Jodlerquartett Rosenberg aus dem Prättigau

Mit seinem Debutalbum «Uf u dervo» schrieb Gölä 1998 Musikgeschichte in der Schweiz. Dieses Album verkaufte sich rund 250’000 Mal, hielt sich mehr als 2 Jahre in den Charts und löste hierzu-lande einen regelrechten Mundartboom aus. Seither hat der «Büetzer» aus dem Berner Oberland acht weitere Mundart-Alben veröffentlicht, die alle Platz 1 der CH-Hitparade belegten und (meistens mehrmals) mit Platin ausgezeichnet wurden.

Der Mundartrocker in Action
Der Mundartrocker in Action

Legendär sind auch die eindrücklichen Mundartkonzerte von Gölä im Zürcher Hallenstadion, das er seit 2002 mit seiner Band und Überraschungsgästen (u.a. mit Steve Lee, Polo Hofer, Bligg, DJ Bobo, Marc Storace, Jodelchor, Tschäggättä aus dem Wallis…) bereits fünf Mal restlos ausverkauft hat. Vom ersten bis zum letzten Ton haben die Fans jeweils alle Songs lauthals mitgesungen und auch die gebotene Bühnenshow hielt jedem Vergleich mit der eines internationalen Stars stand.

Jessie Rich
Jessie Rich

Das Hallenstadion dreimal hintereinander zu füllen bleibt sonst nur absoluten Superstars wie Tina Turner, Helene Fischer, Ed Sheeran oder den Rolling Stones vorbehalten, eigentlich undenkbar, dass dies auch einem Schweizer Musiker, und dann  erst noch einem Mundartrocker, gelingt.

Das Phänomen des singenden Maurers aus dem Berner Oberland

Alpentainer Marc Trauffer
Alpentainer Marc Trauffer

Er kann eigentlich gar nicht singen, ist beileibe auch kein hochbegabter Gitarrist, trotzdem sind seine Konzerte innert Stunden, gar innert Minuten ausverkauft, kurzfristig anberaumte Zusatzkonzerte eher die Regel, denn die Ausnahme. Marco Pfeuti, wie er mit bürgerlichem Namen heisst, als besonders talentierten Entertainer zu bezeichnen wär auch nicht unbedingt richtig. Nichtdestotrotz gelingt es ihm, trotz, oder wegen seiner Fäkalsprache das Image eines einfachen „Bauchnuschtis“ zu pflegen, laufend noch mehr Anhänger zu gewinnen. Am selben Tag, mit einem Konzert um 13.00 Uhr und einem um 19.00 Uhr das Zürcher Hallenstadion mit jeweils über 10000 Zuhörern zweimal zu füllen, hat noch keiner vor ihm geschafft, nicht mal Superstars wie Tina Turner, Helene Fischer oder James Blunt.

Creme de la Creme der Schweizer Musikszene als Special Guest mit auf der Bühne.

Schlangenfrau Nina Burri
Schlangenfrau Nina Burri

Zu diesem Erfolg trägt auch der unkonventionelle Showablauf bei, so eröffnete Schlangenfrau Nina Burri mit ihren, im wahrsten Wortsinn halsbrecherischen Verrenkungen den Abend, was selbst für eingefleischte Gölä Fans überraschend war, sind die sich doch einiges gewohnt von ihrem Liebling, der dann nahtlos mit „Gib mir chli Musig“ übernahm, gefolgt vom „Erscht Tag“, ¨übergehend in eine kurze Anmoderation.

Sandee und Babs Moser
Sandee und Babs Moser

Für diese reduzierte er sein oberes Outfit auf das legendäre schwarze Unterleibchen, das seine Vollkörpertätowierungen besser zur Geltung brachte und das einfache Büetzerimage unterstrich, wie dies ebenso das folgende Lied „Ech wärche hart“ tat.

ZIBBZ
ZIBBZ

Sein „Ohni di“ gab er dann zusammen mit dem Jodelquartett Rosenberg aus dem Prättigau zum Besen. Daraufhin bat Gölä mit Jesse Rich, einen seiner Backgroundstimmen für ein Duett an den Bühnenrand. Dann begrüsste er als ersten Spezialgast mit Marc Trauffer eine andere Berner Oberländer Musikgrösse mit dem er dann „Heiterefahne“ intonierte.

Schöre Müller
Schöre Müller

Für „Louenesee“ kam dann dessen Komponist, Span Legende Schöre Müller, auf die Bühne.

Indianer von Gölä mit Kathrin Burch und dem Jodlerklub Echo vom Glaubenberg
Indianer von Gölä mit Kathrin Burch und dem Jodlerklub Echo vom Glaubenberg

Dazwischen unterstützten ihn noch Kathrin Burch und der  Jodlerklub Echo vom Glaubenberg beim Vortragen des „Indianer“. Bevor auch noch IBBZ die Bühne enterten, wie dies vorher auch schon, die von Gölä als „myni Wiiber vo Wimmis“ angekündigten, Sandee und Babs Moser getan hatten.

Krokus die Schweizer Kultband
Krokus die Schweizer Kultband

Auch „Krokus“, die Kultband, die als einzige Schweizer Rockband eine Weltkarriere gemacht hat, stand in ihrer Gesamtbesetzung bei Gölä auf der Bühne.

Besondere Überraschung in Person eines Weltstars als Zugabe

Nachdem Gölä sich mit einem Gitarrensolo zu profilieren versuchte, bat er als krönenden Abschluss  die englische Rocklegende Urgestein Bonnie Tyler zu sich auf das Set für zwei ihrer grössten Hits, bevor dann der „Schwan“ den ultimativen Schluss markierte.

Bonnie Tyler & Gölä – Holding Out For A Hero

www.youtube.com/watch?v=pU-wrz1yDw

Gölä Hallenstadion Zürich, 1. Dezember 2018 Video 2

www.youtube.com/watch?v=97qxi9Xthbw&feature=youtu.be

Gölä Hallenstadion Zürich, 1. Dezember 2018 Video 3

 

www.youtube.com/watch?v=5MsrP4PFip4&feature=youtu.be

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Ruedy Hollenwäger Léonard Wüst und

http://www.abc-production.ch/index

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Lucerne Festival, Abschlusskonzert Piotr Anderszewski, 25. November 2018, besucht von Léonard Wüst

Piotr Anderszewski Foto Simon Fowler Warner
Piotr Anderszewski Foto Simon Fowler Warner

Besetzung und Programm: Piotr Anderszewski  Klavier

Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Präludium und Fuge C-Dur BWV 870 aus Das Wohltemperierte Klavier, Band 2
 
Präludium und Fuge f-Moll BWV 881 aus Das Wohltemperierte Klavier, Band 2
 
Präludium und Fuge Es-Dur BWV 876 aus Das Wohltemperierte Klavier, Band 2
 
Präludium und Fuge dis-Moll BWV 877 aus Das Wohltemperierte Klavier, Band 2
 
Präludium und Fuge As-Dur BWV 886 aus Das Wohltemperierte Klavier, Band 2
 
Präludium und Fuge gis-Moll BWV 887 aus Das Wohltemperierte Klavier, Band 2
Ludwig van Beethoven (1770–1827)
33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli op. 120

 

Rezension:

Präludien und Fugen aus Band 2 des Wohltemperierten Klaviers von J. S. Bach

Das Wohltemperierte Klavier (BWV 846–893) ist eine Sammlung von Präludien und Fugen für ein Tasteninstrument in zwei Teilen. Teil I stellte Bach 1722, Teil II 1740/42 fertig. Jeder Teil enthält 24 Satzpaare aus je einem Präludium und einer Fuge in allen Dur- und Molltonarten, chromatisch aufsteigend angeordnet von C-Dur bis h-Moll. Davon interpretierte Anderszewski ab Präludium und Fuge C-Dur bis Präludium und Fuge Gis-Moll, deren zwölf. Dieses Instrumentalwerk das vornehmlich der Ausbildung des musikalischen Nachwuchses diente, war für den Pianisten ideal, um sich für die ungleich schwierigeren Diabelli Variationen warm zu spielen, was er aber trotzdem mit gebotener Aufmerksamkeit und grossem Können tat.

Beethovens Diabelli-Variationen op. 120.

Sie sind ein Meilenstein im Repertoire und eine Herausforderung für jeden Pianisten gleichermaßen: die 33 Variationen von Beethoven über einen Walzer von Anton Diabelli. Bis heute bilden sie einen Zyklus, der an Kühnheit, Detailfülle, Ernst und Humor in der Musikgeschichte seinesgleichen sucht. Anders als vielleicht die Goldberg-Variationen sind sie nicht „nur“ eine Verdichtung aller früheren Musik, sondern auch eine Öffnung späterer Musik. „Altes und Neues stehen nebeneinander, vielmehr: beide werden innerhalb der Entwicklungsarchitektur zu einer höheren Einheit verschmolzen. Das Prinzip des ausgleichenden Gegensatzes herrscht allenthalben: Unerbittliche kontrapunktische Strenge steht neben zartem Tasten wie in einem Nocturne (Var. 29), entfesselte Virtuosität neben lyrischen Ruhepunkten; farbige Flächigkeit wechselt mit Abschnitten, in denen schroffe Akzente das Thema gleichsam »gegen den Strich kämmen«.

Beethoven verarbeitete den Walzer in sage und schreibe 33 Variationen, die uns tatsächlich verblüffen. Das geht in schnellen bis rasanten Tempi bis hin zu ruhigen und schweren Varianten. Die Tonlagen ändern sich, die Melodien werden mal von der rechten, mal von der linken Hand übernommen. Anderszewski arbeitet diese Unterschiede auf beeindruckende Weise heraus und fasziniert mit seiner Art, gefühlvoll die Töne ausklingen zu lassen. Auch vermochte er stets mit lebendiger, plastischer Artikulation präsent zu sein, nicht zuletzt in einer ungemein farbigen, modernen Kadenz.

Der Pianist schenkte den angespannten, gebannt lauschenden Konzertbesuchern einen Höhepunkt nach dem andern, bis alle 33 Variationen interpretiert waren und der Künstler entspannt die Schultern sinken liess, kurze fast ehrfürchtige Ruhe, gefolgt von tosendem Applaus.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch

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