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Konzert Theater Bern, Coco – Ein Transgendermusical, besucht von Noémie Felber

oco – Ein Transgendermusical, Foto Annette Boutellier
oco – Ein Transgendermusical, Foto Annette Boutellier

Produktion und Besetzung:

TextAlexander Seibt

Songs & LyricsMarkus Schönholzer

Nach einer Idee vonCihan Inan

RegieStefan Huber

Musikalische LeitungHans Ueli Schlaepfer

ChoreografieTimo Radünz

BühneJose Luna

KostümeHeike Seidler

DramaturgieFadrina Arpagaus

 

Rezension:

Coco, Szenenfoto von Annette Boutellier
Coco, Szenenfoto von Annette Boutellier

„Transgender“, jemand, der die ihm aufgrund seines biologischen Geschlechts zugewiesene Geschlechtsrolle nicht akzeptiert, so der Duden. Unter genau diesem Gefühl litt Coco, die berühmte Schweizer Transfrau aus den 1990er Jahren. Durch Paul Rinikers Dokumentarfilm «Traum Frau Coco» wurde ihre Transition zum Gegenstand eines Medienrummels und Coco die schillernde Ikone einer Community. Auf den Ruhm folgten jedoch die Schattenseiten. Coco verlor sich in psychischen und physischen Schmerzen bis sie sich 1998 im Alter von 29 Jahren das Leben nahm. 20 Jahre nach ihrem Tod wollen Alexander Seibt und Markus Schönholzer in ihrem Stück «Coco – Ein Transgendermusical» ihre Geschichte nochmal nach Bern holen und erzählen. Das Stück feierte seine Premiere am 20. April 2018 und läuft nun als Wiederaufnahme.

Was du siehst und was ich bin

Coco, Szenenfoto von Annette Boutellier
Coco, Szenenfoto von Annette Boutellier

Nur sechs Personen braucht es, um ein eindrückliches Leben Revue passieren zu lassen. Die Rolle der Protagonistin Coco ist dabei doppelt besetzt: ein männlicher Darsteller übernimmt die Repräsentation des verhassten Körpers, eine Frau spielt den Charakter Coco. Den ganzen Abend interagieren diese beiden Schauspieler, mal mehr, mal weniger friedlich, finden aber kaum einen gemeinsamen Nenner. In ihrer Transition sind sie umgeben von Freunden, Eltern, Ärzten und einem Liebhaber, die ihre Entscheidungen nicht immer erleichtern. Der Unterschied vom äusserlichen Erscheinungsbild und von der Gefühlslage wird durch ein Bühnenbild mit spiegelnden Oberflächen zusätzlich verdeutlicht. Dieses Element wird nicht nur in die Performance selbst integriert, sondern fragt indirekt auch das Publikum: Bin ich wirklich die Person, die andere Menschen in mir sehen? Das Stück unter der Regie von Stefan Huber umfasst nicht nur berührende Sprechtexte, sondern auch zahlreiche Songs mit eingängigen Melodien. Diese erlauben eine zusätzliche Ebene, sich in die Figuren hineinzuversetzen, verstärken emotionale Szenen und lockern die tragische Geschichte auf.

Vielschichtige Thematik

Mariananda Schempp als Coco
Mariananda Schempp als Coco

Den Verantwortlichen der Produktion «Coco – Ein Transgendermusical» ist es wichtig zu vermitteln, dass kein Anspruch auf historische Genauigkeit oder eine genaue biographische Darstellung besteht. Die Handlung orientiert sich zwar punktuell an Cocos Leben und Persönlichkeit, vielmehr soll die Hauptfigur jedoch eine ganze Gruppe von Menschen skizzieren, die nur selten repräsentiert wird. Das Stück behandelt sensible Themen, die mit einer Transgender-Identität einhergehen. Das Publikum hört von Akzeptanz sich selbst gegenüber, aber auch Annahme durch das nahe Umfeld, sowohl körperliche als auch seelische Probleme werden angesprochen. Dabei kommt nicht nur Coco selbst mit eindrücklichen Monologen zu Wort, auch ihre Eltern und ihr Partner erzählen ihre Sicht auf eine Entscheidung, die nicht nur Cocos Leben verändert. Die Charaktere teilen dem Publikum teilweise direkt mit, wie sie sich in Hinblick auf Cocos Entwicklung fühlen und was für Probleme diese für sie mitbringt. Diese schweren Themen werden durch das sechsköpfige Ensemble, gestützt durch eine talentierte vierköpfige Band, sehr glaubhaft und gefühlvoll vermittelt.

Eine Hommage

Coco, Szenenfoto von Annette Boutellier
Coco, Szenenfoto von Annette Boutellier

Bizarr, skurril und auch mal erschreckend, so lässt sich «Coco – Ein Transgendermusical» beschreiben. Aber auch farbenfroh, lustig, zum Nachdenken anregend, erschütternd, traurig. Das Stück vereint dutzende von kontrastierenden Adjektiven und Emotionen, doch war Coco selbst nicht auch so? Das Musical zeigt eine Welt, die vielen von uns fremd ist, die wir aber trotzdem verstehen möchten. Es zeichnet ein Bild, das den Cisgender-Identitäten im Publikum einen Einblick in das Innenleben einer Transgender-Person erlaubt. Auch 20 Jahre nach dem Tod von Coco ist das Thema noch immer topaktuell und wichtig.
Das Musical kann bis am 6. Januar 2019 in der Vidmarhalle in Liebefeld besucht werden.

Trailer der Produktion:

www.youtube.com/watch?time_continue=5&v=RRGcnTzO9cY

Coco, Darsteller und Szenenfotos Diashow  von Annette Boutellier:

fotogalerien.wordpress.com/2019/01/02/casino-theater-bern-coco-ein-transgendermusical-szenenfotos-diashow/

Text: www.noemiefelber.ch

Fotos:  Annette Boutellier https://www.konzerttheaterbern.ch/

http://www.ttfoto.ch/T+T_Fotografie/Startseite.html

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Silvesterkonzert des Zürcher Kammerorchesters «Viva la Diva», KKL Luzern, 31.Dezember 2018, besucht von Léonard Wüst

La Diva Simone Kermes Foto Sandra Ludewig
La Diva Simone Kermes Foto Sandra Ludewig

Besetzung und Programm:

Simone Kermes (Sopran)
Willi Zimmermann (Violine und Leitung)
Zürcher Kammerorchester

Georg Friedrich Händel «Arrival of the Queen of Sheba», aus: Solomon HWV 67
Nicola Antonio Porpora «Come nave in ria tempesta», aus: Semiramide Regina dell’Assiria
Wolfgang Amadeus Mozart Ouvertüre D-Dur zu «Le Nozze di Figaro» KV 492
Gioacchino Rossini «Una voce poco fa», aus: Il Barbiere di Siviglia
Gioacchino Rossini Ouvertüre zu «Il signor Bruschino»
Gaetano Donizetti «Ah tardai troppo – O luce di quest’anima», aus: Linda di Chamounix
Nico Dostal Ouvertüre zu «Clivia»
Nico Dostal «Ich bin verliebt», aus: Clivia
Jules Massenet «Méditation», aus: Thaïs für Violine und Orchester
Robert Stolz «Du sollst der Kaiser meiner Seele sein», aus: Der Favorit
Franz Lehár «Meine Lippen, sie küssen so heiss», aus: Giuditta
Johann Strauss (Vater) Wilhelm Tell Galopp op. 29b
Leonard Bernstein «Glitter and be gay», aus: Candide

Rezension:

Zürcher Kammer­Orchester Foto Sandro Diener
Zürcher Kammer­Orchester Foto Sandro Diener

Man nennt sie auch einfach »La Kermes«. Sieht man Simone Kermes in ihren spektakulären Outfits auf der Bühne, meint man, eine echte Diva vor sich zu haben. Tatsächlich aber ist die Sopranistin herrlich unprätentiös. Sie tut ganz einfach, was ihr Spass macht, so die Ankündigung des Veranstalters.

Wie alle Jahre wieder erfolgte die Begrüssung durch den Intendanten & Managing Director des ZKO Michael Bühler mit launigen Worten und guten Wünschen im nicht ganz ausverkauften Konzertsaal des KKL in Luzern.

Georg Friedrich Händel «Arrival of the Queen of Sheba», aus: Solomon HWV 67

Schöner barocker Konzertauftakt, bei dem die Oboisten zum Handkuss kamen, durften sie doch ihren Part , die kurze, sehr lebhafte Instrumentalpassage für zwei Oboen im Zusammenspiel mit den Streichern, an der Seite von Konzertmeister Willi Zimmermann, der an diesem Abend die musikalische Leitung inne hatte, am vorderen Bühnenrand absolvieren.

Nicola Antonio Porpora «Come nave in ria tempesta», aus: Semiramide Regina dell’Assiria

Sopranistin Simone Kermes
Sopranistin Simone Kermes

Jetzt betrat die, als Diva angekündigte, 1965 in Leipzig in der damaligen DDR geborene gelernte Facharbeiterin für Schreibtechnik, die Bühne. Dies, in einem, ihrem Ruf entsprechenden Outfit in Form eines Rot – gelben, auf der Rückseite bodenlangem, mit riesigem Kragen, auf der Vorderseite über Kniehöhe endendem Kleides. Sie startete souverän in diese, stark an Mozarts „Königin der Nacht“ erinnernde Arie, die nur so gespickt ist mit Koloraturen, einem Markenzeichen des neapolitanischen Komponisten.


Es folgte noch Wolfgang Amadeus Mozart Ouvertüre D-Dur zu «Le Nozze di Figaro» KV 492 als Paradestück für das ausgezeichnete Orchester, ehe die Sopranistin für Gioacchino Rossinis «Una voce poco fa», aus Il Barbiere di Siviglia noch einen grossen Applaus einheimste, bevor die Musiker Gioacchino Rossinis Ouvertüre zu «Il signor Bruschino» zum Besten gaben.
Gaetano Donizettis «Ah tardai troppo – O luce di quest’anima», aus „Linda di Chamounix“ war die ideale Arie zum Abschluss des ersten Konzertteils, für den die Protagonisten einen langanhaltenden, kräftigen Applaus erhielten, bevor man sich gutgelaunt in die Foyers für die Pause begab.

Ausflug in die leichte Muse im 2. Konzertteil

Mit der Ouvertüre zu Nico Dostals Operette „Clivia“ startete das Zürcher Orchester fulminant in die zweite Konzerthälfte, bevor die deutsche Sopranistin, neu gestylt in einem feuerroten Kleid mit schwarzer Stola, mit der Arie «Ich bin verliebt» aus ebendieser ein Ausrufezeichen setzte. Ihr Sopran ist meiner Meinung nach für das Musiktheater weit besser geeignet als für den klassischen „Belcanto“, auch schien sich Simone Kermes darin wohler und sicherer zu fühlen.

Jules Massenet «Méditation», aus: Thaïs für Violine und Orchester

Willi-Zimmermann-Konzertmeister-des-Zürcher-Kammerorchesters-Foto-Thomas-Entzeroth
Willi-Zimmermann-Konzertmeister-des-Zürcher-Kammerorchesters-Foto-Thomas-Entzeroth

Es folgte Besinnlicheres. Für mich das absolute Highlight des Abends. Willi Zimmermann nutzte die Komposition von Jules Massenet um zu untermauern, welch grossartiger Geigensolist er ist, wenn er denn die Gelegenheit dazu erhält. Mit sehr viel Feingefühl und äusserst respektvoll meditierte er sich durch die Partitur.

Die folgenden zwei Arien «Du sollst der Kaiser meiner Seele sein», aus: „Der Favorit“ des Wieners Robert Stolz und «Meine Lippen, sie küssen so heiss», aus: Giuditta von Franz Lehár waren der Kermes förmlich in die Stimme geschrieben und sie begeisterte, unterstützt vom souveränen Orchester das gutgelaunte Publikum.

Paradestück für das gutaufgelegte Zürcher Kammerorchester

Beim „Wilhelm Tell Galopp op. 29b“ von Johann Strauss Vater gingen mit dem Orchester sprichwörtlich die Gäule durch, sehr zum Vergnügen des Auditoriums. Die Musiker in ungezügelter Spielfreude, animiert von ihrem, auch körperlich voll engagierten Konzertmeister Willi Zimmermann brausten durch die Partitur gaben alles und schufen eine Bombenstimmung im Konzertsaal.

Simone Kermes Foto Sandra Ludewig
Simone Kermes Foto Sandra Ludewig

Ein schwarzes Kleid mit Anthrazitstreifen, dazu silberne hochhakige, scheinbar relativ unbequeme Schuhe war das dritte Kermes Outfit des Abends für das finale „Glitter and be gay“ aus „Candide“ von Leonard Bernstein.

Natürlich rief der stürmische Schlussapplaus nach einer Zugabe, die uns, wie am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, in Form des Radetzky-Marsches gewährt wurde. Dabei animierte »La Kermes« das Auditorium zum mitklatschen und tanzte dabei selber auf der Bühne herum.

Die zweite Zugabe, ruhigeres mit Händels – Lascia ch’io pianga, einer klassische Sarabande, nochmals Gelegenheit für die Sopranistin, ihr Können im ernsten Fach zu demonstrieren was anschliessend zu einer stehenden Ovation führte.

Trailer Simone Kermes – Glitter and be gay (Candide – L. Bernstein) Cunigonde

www.youtube.com/watch?time_continue=2&v=gvSDlj61nYE

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.zko.ch und Léonard Wüst

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Mailandstory Teil 2: Thelonious Sphere „T. S.“ Monk, Jr. Konzert, Leonardo3 Museum usw.

Thelonious Sphere „T. S.“ Monk, Jr. Sextett im Blue note Club Milano
Thelonious Sphere „T. S.“ Monk, Jr. Sextett im Blue note Club Milano

Besetzung: Thelonious Sphere „T. S.“ Monk, Jr. Sextett

 

Nach dem Fussball Stadtrivalenderby Internationale Milano gegen AC Milano am Sonntag und zwischen den beiden Besuchen in der Scala di Milano am Dienstag und Donnerstag, war noch der Mittwochabend zu planen. Nach einigen Recherchen fand ich denn auch was mir passendes.

Thelonious Monk 3 in Town

Konzertimpression
Konzertimpression

Ein Gastspiel von Thelonious Monk 3 . Also einer der weltweit angesagtesten Drummer im angesagtesten Jazz Club der lombardischen Metropole, dem „Blue Note Club“. Ebenso betrüblich wie erstaunlich, beim Konzert des Sohnes von Thelonious Sphere Monk (1917 – 1982), einem Mitbegründer des Bepop, war der Club grad mal zu circa einem Drittel gefüllt, obschon die Konzertkarte mit 35 Euro relativ preiswert war. Dafür waren die Anwesenden bestens aufgelegt und voller Vorfreude.

Thelonius Monk Konzertimpression
Thelonius Monk Konzertimpression

Das Konzert wurde von Radio Monte Carlo aufgezeichnet, deswegen war auch noch ein Techniker bis kurz vor Konzertbeginn mit Feinabstimmungen beschäftigt. Dann wurde die Bühne von den sechs Bandmitgliedern in Beschlag genommen, die unmittelbar mit einem Standard loslegten, bei dem der Pianist auf seinem Steinway Flügel ab und zu ein paar kurze Solosequenzen einstreute. Nebst Schlagzeug und Piano waren  ein Basssaxophonist, ein Tenorsaxophonist, ein Trompeter und ein Kontrabassist im Sextett vertreten.

Grandioser junger Trompeter

Randall Haywood Trompete
Randall Haywood Trompete

Diese erhielten vom Bandleader Monk immer wieder Gelegenheit, ihre individuellen musikalischen Qualitäten bei diversen Solis zu demonstrieren. Das Set war gemixt mit Standards, Eigenkompositionen und vor allem auch mit Klassikern des Vaters von Thelonious Monk 3, den dieser sehr bewundert und verehrt hatte und über den er auch die eine und andere Anekdote einfügte und auch das Vorstellen seiner Bandmitglieder nicht unterliess. Besonders auffallend mit seiner Virtuosität war der junge Trompeter Randall Haywood, der sich immer wieder Sonderrapplaus abholen durfte. Die Musiker boten einen Mix aus Swing, Bepop, Funk, Soul, Jazz und Rock Pop. Dabei nahmen sie sich in der Interpretation sehr grosse Freiheiten was den Auftritt einzigartig machte. das Auditorium geizte denn auch nicht mit Applaus, was die Protagonisten auf der Bühne zusätzlich anspornte.

Leonardo Flugobjektmodell

Donnerstag vor dem Besuch an der Scala: Besuch von Leonardo3 – The World of Leonardo da Vinci Exhibition

Leonardos Abendmahl
Leonardos Abendmahl

Schon beeindruckend, was das Universalgenie Leonardo da Vinci alles gemacht hat, nicht nur mengenmässig, sondern auch die grosse Anzahl von „Gebieten“, die er „bearbeitet“ hat. Von der Bildhauerei über den Instrumentenbau bis zur Pathologie betätigte er sich. Ganz besonders eindrucksvoll die unzähligen Modelle verschiedenster Apparate, ob Waffen, wie z.B. die Armbrust, eine „Stalinorgel“ der Renaissance bis hin zu unterschiedlichen Flugobjekten. Die genaue Vermessung des menschlichen Skeletts ist genauso dokumentiert wie Skizzen über die Anatomie von Mensch und Tieren.

Interaktive Dokumentation über die Restauration von Leonardos „Abendmahl“

Leonardo da Vinci Flugmaschine
Leonardo da Vinci Flugmaschine

Entwürfe von Gemälden, die später von ihm selbst, oder einem seiner Schülern gemalt wurden haben ebenso ihren Platz wie Modelle seiner Skulpturen oder die Dokumentation über die aufwändige Restauration seines  Monumentalgemäldes „Das Abendmahl*, dessen Original sich in der Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie in Mailand an der Nordwand des Refektoriums (Speisesaals) befindet. Unbedingt besuchenswert diese Ausstellung die man an der Piazza della Scala,  beim Eingang zur Galleria Vittorio Emanuele II findet.

Logische Fortsetzung meines Mailandaufenthaltes Streik des ÖV und der Taxis am Freitag

Den quasi planungsfreien Freitag nutzte ich dann noch für ein typisches Touriprogramm, also u.a. mit den Hop-On Hop-Of Bussen durch die Stadt, entlang den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die Kamera natürlich immer schussbereit. Am Schluss landete ich wieder in der Nähe des Doms wo ich ein nettes Lokal suchte, um mir zum krönenden Abschluss des Milano Abenteuers einen Osso bucco alla milanese mit Saffranrisotto zu gönnen. Ich bestellte dann beim netten Kellner das Gericht, mit der Zusatzbemerkung „Piu di Carne che osso per piacere“, also mehr Fleisch als Knochen bitte. . Entgegen meinen Erwartungen drang meine Bitte bis zum Koch durch und ich bekam das gewünschte.

Die nächste böse Überraschung liess nicht lange auf sich warten

Tram Nr. 1, total überfüllt aufgrund Sreik des ÖV
Tram Nr. 1, total überfüllt aufgrund Sreik des ÖV

Fast schon glaubte ich an einen versöhnlichen Abschluss meines Mailandaufenthaltes und wollte zurück in die Wohnung, um schon mal zusammen zu packen für die morgige Abreise. Da hatte ich aber die Rechnung ohne die streitbaren Italiener gemacht. Alle U Bahn Zugänge waren verriegelt, auf Nachfrage im Restaurant bekam ich die Auskunft, dass der ÖV bestreikt werde. Dachte ich mir, bleibt noch das Tram, das bei der Scala bis in die Nähe meines Appartements fuhr. Fast schon nicht mehr überraschend, dass dieses ebenfalls nicht mehr verkehrte. Zwar war noch eines unterwegs, aber so vollgestopft, dass nichts und niemand mehr Platz fand. Blieb noch die Option Taxi. Zu früh gefreut, auch die Taxichauffeure streikten. Also blieb nur noch, die ca. 5 bis 6 Kilometer per pedes in Angriff zu nehmen. Also folgte ich, ziemlich wütend und stinksauer auf unsere südlichen Nachbarn, den Tramschienen. Das ging so weit gut bis zur Piazza della Repubblica, ab der sich dann zwei Schienenstränge ins Dunkle schlängelten und ich schlicht nicht wusste, welchem Strang ich denn jetzt folgen sollte. Da tauchte unverhofft noch ein fahrendes Tram Nr. 1 auf, welches in die, von mir benötigte Richtung fuhr. Doppeltes Glück, dass 3 Personen ausstiegen und ich mich so grad noch knapp hineinquetschen konnte. So war ich denn mehr als erleichtert, als ohne weitere böse Überraschungen, die Haltestelle erreicht war, an der ich aussteigen musste. Diese befand sich nur ca. 200 Meter von meiner Unterkunft entfernt, sodass ich nach relativ kurzer Zeit ziemlich erleichtert die Wohnung erreichte.

Natürlich verlief auch die Rückreise nicht wunschgemäss

Dass dann der Zug für meine Rückreise am Samstagmorgen über zwei Stunden Verspätung hatte, ist ein Detail am Rande und kaum noch erwähnenswert. Ciao Milano! Arrivederci Italia wohl eher nicht so schnell wieder

Trailer Leonardo3 — Il Mondo di Leonardo:

www.youtube.com/watch?time_continue=14&v=Df623obnTZk

Kleine Fotodiashow der Ausstellung Leonardo3 — Il Mondo di Leonardo: Copyright Leonardo 3

fotogalerien.wordpress.com/2018/12/30/mailandstory-teil-2-thelonious-sphere-t-s-monk-jr-konzert-leonardo3-museum-usw/

Link auf Stadtrivalenderby Inter Mailand vs. AC Mailand, Giuseppe-Meazza-Stadion Mailand, 21. Oktober 2018, besucht von Léonard Wüst

https://innerschweizonline.ch/wordpress/stadtrivalenderby-inter-mailand-vs-ac-mailand-giuseppe-meazza-stadion-mailand-21-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Link auf „La finta giardiniera“ von W.A. Monzart an der Scala am 23. Oktober 2018

innerschweizonline.ch/wordpress/teatro-alla-scala-milano-la-finta-giardiniera-w-a-mozart-23-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Link auf „Ernani“ von Giuseppe Verdi an der Scala am 25. Oktober 2018

innerschweizonline.ch/wordpress/teatro-alla-scala-mailand-ernani-giuseppe-verdi-25-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Fotos:

Esther Ottiger und Léonard Wüst und

https://www.bluenotemilano.com/

http://leonardo3.net/en/the-museum

http://www.teatroallascala.org/en/index.html

Text und Fotos : www.leonardwuest.ch

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Luzerner Theater, Der Sandmann von E.T.A. Hoffmann, Première, besucht von Rolf Winz

Der Sandmann Szenenfoto Ingo Hoehn
Der Sandmann Szenenfoto Ingo Hoehn

Produktionsteam

Inszenierung: Nicolas Charaux Bühne und Kostüme: Pia Greven Licht: Clemens Gorzella Musik: David Lipp Dramaturgie: Nikolai Ulbricht

 

Rezension:

Szenenfoto Foto Ingo Hoehn
Szenenfoto Foto Ingo Hoehn

Das Unheimliche, Schauerliche leitet im Kunstmärchen «Der Sandmann» von E.T.A. Hoffmann die Handlung an und verführt in die Unterwelt der menschlichen Ängste, Dämonen, Traumgestalten und auch der Erotik. Diese dunklen Traumwelten aus der Zeit der Schwarzen Romantik auf die Bühne zu bringen, ist eine Herausforderung der besonderen Art und sie ist dem Regisseur Nicolas Charaux bei der Inszenierung am Luzerner Theater ausgezeichnet geglückt.

Das schwarze Märchen von Hoffmann

Szenenfoto Foto Ingo Hoehn
Szenenfoto Foto Ingo Hoehn

Der Sandmann erzählt das Märchen von Nathanael, der sich seit seiner Kindheit vom Sandmann verfolgt fühlt und fest daran glaubt, was ihm seine Mutter erzählt hat, nämlich dass dieser den Kindern im Schlaf ihre Augen raubt. Auch als Erwachsener bleibt er in diesen Ängsten gefangen, sie durchströmen seinen Alltag und fliessen auch in seine Liebesbeziehungen ein. Mit dem Erscheinen des Händlers Coppola bekommt der Sandmann wieder eine Gestalt und Nathanael versinkt ganz in seine düsteren Traumwelten. Erst die seelenlose mechanische Puppe Olimpia lässt ihn wieder in die Realität auftauchen. Doch dann raubt der Sandmann auch dieser die Augen.

Die unheimliche Welt des Unterbewussten

Szenenfoto Foto Ingo Hoehn
Szenenfoto Foto Ingo Hoehn

In der Aufführung des Luzerner Theaters hängt am Anfang ein rosafarbenes Stoffgebilde im Raum über der Bühne, das wie ein Mund oder auch ein Auge sich öffnet und wieder schliesst. Es bewegt sich langsam, stülpt sich aus und wird wieder flach, eine grosse Qualle vielleicht, die endlich nach oben entschwebt. Dann wird die unheimliche Familie von Nathanael sichtbar, Vater, Mutter und Nathanael selber, an einem rohen Holztisch sitzend. Die Schauspieler tragen klobig gehauene Masken und starren mit ihren grossen, glasigen Kunstaugen gelangweilt ins Leere. Einziges Geräusch ist das Ticken einer Uhr, das während des Stückes immer wieder ertönen wird und mal schneller, mal langsamer das Verrinnen des Lebens antönt. Dann ein Knall von einem Knochen, der vom Himmel auf den Boden kracht, ein Überbleibsel einer Mahlzeit vielleicht vom grossen Mund, der nach oben entschwunden ist. Zwei riesige Hasenpuppen lehnen links und rechts an einer Wand. Nichts passiert und lange kann sich der Zuschauer in diese verschrobenen Figuren vertiefen und die verschobene Realität dieser schwarzen Märchenwelt erkunden. Dann steigt die vierte Gestalt mit knallenden Tritten über eine Treppe aus der Unterwelt auf. Erst nach zwanzig Minuten ertönen die ersten gesprochenen Sätze, künstlich verzerrt, mehrfach wiederholt: «Nathanael?» und «Clara, wo bist du?».

Szenenfoto Foto Ingo Hoehn
Szenenfoto Foto Ingo Hoehn

Dann ein abrupter Schnitt. Die Alptraumgestalten der unheimlichen Familie verschwinden und es erscheinen ihre Spieler in normaler Kleidung: Christian Baus, Lukas Darnstädt, Wiebke Kayser, Mira Rojzman und Julian-Nico Tzschentke. Sie tragen den stark gekürzten Originaltext von E.T.A. Hoffmanns Erzählung vor, ohne Schauspiel und fast ohne Emotionen. Was vorher dem Zuschauer in einer visuell überhöhten und stark gezeichneten Bühnenwelt, untermalt mit seltsamen Tönen und dräuender Musik, gezeigt wurde, muss sich nun im Kopf des Zuhörers abspielen. Gerade das ist aber das Wesen einer Erzählung, die ja auch mit geschlossenen Augen gehört werden kann.

Aussensicht und Innensicht

Szenenfoto Foto Ingo Hoehn
Szenenfoto Foto Ingo Hoehn

Dies sind denn auch die zwei Ebenen, die sich in den Bildern, den Masken und Kostümen und der Musik ausdrücken. Das eine ist die Sicht von Nathanael auf seine unheimliche Märchenwelt mit den bedrängenden Ängsten, der ziemlich verschobenen Realität und den aus dem Unterbewusstsein steigenden verzerrten Gestalten. Das andere ist die heutige Welt, in der eine Geschichte erzählt wird aus einer neutralen Beobachterposition. Zweimal noch wechseln diese Welten ab in der Aufführung im Luzerner Theater. Als zum Schluss die Maskenfiguren ein drittes Mal erscheinen, überbordet der grausige Spass. Die Eingeweide der Hasen werden gefressen und als Nathanael sich weigert, an der Orgie teilzuhaben, wird er mit einem Cricketschläger brutal verprügelt. Dann senkt sich eine schwarze Glocke des Vergessens über den Tatort der Fressorgie und Olimpia spricht mit schmeichelnder Stimme aus einem seltsamen schwarzen Kasten zu Nathanael. Es könnte ein iPad sein, es könnte aber auch der mysteriöse schwarze Monolith aus Stanley Kubrick’s Film «2001 – Odyssee im Weltraum» sein, der die menschliche Evolution beeinflussen soll.

Geglücktes Wagnis

Szenenfoto Foto Ingo Hoehn
Szenenfoto Foto Ingo Hoehn

Die Inszenierung von Nicolas Charaux ist in mehrfacher Hinsicht sehr zu loben. Eine Erzählung kann auf der Bühne nicht einfach nacherzählt werden. Die zwei Ebenen mit der Innen- und der Aussensicht entsprechen der Märchenerzählung von E.T.A. Hoffmann in der besten Weise. Das Unheimliche wird mit der Verschiebung von vertrauten Szenen und Gestalten ins Irreale eindrücklich dargestellt. Die Bildelemente, die Masken und Kostüme, aber auch die Musik und die verzerrten Stimmen werden gekonnt und in eindrücklicher Weise eingesetzt. Die Inszenierung macht viele Anspielungen auf andere Stücke und Filme.  Sie ermöglichen es dem Zuschauer mit ganz subjektiven Assoziationen auf seiner individuellen Ebene die Erzählung mit eigenen Leben zu füllen. Die anderthalb Stunden an diesem Abend werden deshalb nie langweilig, schliesslich könnte es ja die eigene Familie sein, die einem da gezeigt wird

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Hoehn:

fotogalerien.wordpress.com/2018/12/13/luzerner-theater-der-sandmann-von-e-t-a-hoffmann/

Kurzer Trailer der Produktion:

vimeo.com/305513867

Text: Rolf Winz

Fotos:  Ingo Hoehn www.luzernertheater.ch

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