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Wiedereröffnung des Grand Théâtre de Genève, 12. Februar 2019, Gabriela Bucher – Liechti war für uns vor Ort

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Eine ereignisreiche Wiedereröffnung. Zeitgemäße öffentliche Bereiche, 1000 m² mehr Fläche, restaurierte Foyers, neu freigelegte Marmorarbeiten, durchdachte Arbeitsbereiche … durch die Renovierungsarbeiten bekommt das von Jacques-Elisée Goss entworfene und 1879 eröffnete Gebäude eine neue Identität.

Bericht von Gabriela Bucher – Liechti:

Genf und sein neues «Grand Théâtre»

Letzter Feinschliff am Gebäude
Letzter Feinschliff am Gebäude

Nach 3 Jahren Bauzeit – plus etwas mehr wegen eines Wasserschadens – wurde am 12. Februar 2019 das Grand Théâtre de Genève wieder eröffnet. Grosse Feierlichkeiten waren nicht angesagt, kein roter Teppich ausgelegt, keine Fanfare aufgeboten. Das hat das Haus aber auch nicht nötig. Es steht stolz, majestätisch und glamourös auf der Place de Neuve und strahlt in seinem neuen/alten Glanz still und stilvoll vor sich hin.

Sorgfalt bis ins kleinste Detail

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Olivier Gurtner, Pressechef des Grand Théâtre, erklärte den anwesenden Interessierten bei einem Rundgang durch die diversen Räumlichkeiten welche Arbeiten wie und warum ausgeführt worden sind. Drei Aspekte waren von zentraler Bedeutung bei der Renovation: Mehr Raum, mehr Sicherheit und der Erhalt des historischen Erbes. Nach dem Brand im Jahr 1951 fehlten einerseits die Mittel, um alles wieder so aufzubauen wie vorher, andererseits herrschte damals ein anderer Zeitgeist. Schlicht, modern und nüchtern musste es sein. Decken wurden mit Gips abgedeckt, Fresken übermalen, Parkett mit Teppichen belegt. Jetzt wurden die Kassettendecken wieder hervorgeholt und sorgfältig restauriert, die Teppiche entfernt und das Parkett nach Fotografien wieder hergestellt. Keine Mühen wurden gescheut, um die Räume in alter Pracht aufleben zu lassen. So wurde z.B. in dreitägiger Arbeit ein Spiegel entfernt, nur weil man darunter Fresken vermutete. Spezialisten wurden zugezogen für die diversen Arbeiten. Erinnerungen wurden wach an den Besuch der Baustelle vor ein paar Monaten, wo junge Restauratorinnen in Kleinstarbeit im grossen Foyer mit feinen Pinseln die Goldfarbe rund um die Spiegel nachmalten und halb kauernd halb liegend und mit Hilfe von Lampen die rote Farbe der Wände zuerst sorgfältig abmischten und dann über den Bodenleisten auffrischten.

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Ein Raum ist schöner als der nächste. Die relativ kühl gehaltene Eingangshalle mit Marmor, Stuck und den Holztüren mit Messinggriffen geht über ins Atrium, ein wunderbar warmer, farbiger Saal mit der erwähnten Kassettendecke. Auf der «étage noble» kommt man zuerst ins Vorfoyer mit dem Parkettboden und den neuen Schallschutztüren, welche die Motive der Tapete des Foyer Lyrique aufnehmen. Das absolute Prunkstück des Hauses ist das grosse Foyer: Gold soweit das Auge reicht, zartrosa Töne, glitzernde Lüster die von den grossen Spiegeln ins Unendliche vervielfacht werden, wunderschönes Parkett, Deckenfresken, kurz ein Traum, in dem man nicht geht sondern wandelt. Der Ausblick auf die Place de Neuve mit ihrem Verkehr und auf den noch leicht schneebedeckten Salève wirkt irgendwie befremdlich und fast unnatürlich.

Alt und neu stehen sich gegenüber

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Zu den neugeschaffenen Räumen, alles in allem 1000m2, davon 800 m2 für Sänger, Choristen, Tänzer und Statisten, gelangt man durch lange, verwinkelte Gänge, wo sich Wände von 1879 und 2019 gegenüberstehen. Da gibt es Proberäume, ein Personalrestaurant und ein Sitzungszimmer in luftiger Höhe. Raffinierte Lösungen bringen Tageslicht auch in die Räume unter der Erde. Fürs leibliche Wohl sind neue Bars entstanden, in zeitgemässem, klarem Design. In der Bar im Untergeschoss steht eine 27 Meter lange, goldene Messingtheke, verkleidet mit rohem Pressbeton, über welche sich drei Bögen spannen. Im dritten Stock erinnert die Sternendecke der Bar des Amphitheaters an die Decke im Zuschauerraum.

Die neue Milchstrasse

Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat
Impression des neurenovierten Theaters von Fabien Bergerat

Im Zuschauerraum selber wurde wenig gemacht, die Lüftung wurde angepasst und die «voie lactée», die «Milchstrasse» wie die Genfer ihre Theaterdecke nennen,  ist mit LED-Lämpchen aufgerüstet und komplett computerisiert worden. Die Galaxie kann sich jetzt um sich selber drehen.

Und so sonnte sich das Haus an seinen Eröffnungstagen majestätisch im wunderbaren Abendlicht und öffnete seine Pforten für die Besucher des «Ring des Nibelungen». Mit gezückten Fotoapparaten wandelten diese staunend und bewundernd durch ihr neues «Grand Théâtre».

Kleine Fotodiashow des restaurierten Theaters von Fabien Bergerat:

fotogalerien.wordpress.com/2019/02/17/grand-theatre-de-geneve-kleine-fotodiashow-von-fabien-bergerat/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: www.geneveopera.ch

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Luzerner Sinfonieorchester, Die sieben Todsünden, KKL Luzern, Konzertsaal, 13. Februar 2019, besucht von Léonard Wüst

Nicola Benedetti Solistin Violine, Foto Simon Fowler
Nicola Benedetti Solistin Violine, Foto Simon Fowler

Besetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

James Gaffigan, Leitung

Nicola Benedetti, Violine

Delia Mayer, Gesang

Die Singphoniker

Mona Petri, szenische Mitarbeit

George Gershwin (1898 – 1937)
«Cuban Overture»

Wynton Marsalis (*1961)
Konzert für Violine und Orchester in D

Kurt Weill (1900 – 1950)
«Die sieben Todsünden»

 

Rezension:

Dirigent James Gaffigan Foto Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester Foto Vera Hartmann

Am 6. November 2015 brachte Nicola Benedetti das eigens für sie komponierte Violinkonzert des Jazz-Trompeters Wynton Marsalis zusammen mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von James Gaffigan im Londoner Barbican Center zur Uraufführung. Eine Komposition, des aktuell populärsten Jazztrompeters, für ein klassisches Orchester, eine Programmation, die natürlich Aufsehen erregt und sehr neugierig macht.

Gershwins «Cuban Overture» als Verbeugung vor der kubanischen Musikkultur zum Auftakt

Dirigent James Gaffigan Foto Vera Hartmann
Dirigent James Gaffigan Foto Vera Hartmann

War dieRhapsody in Blue“, komponiert ca. ein Jahrzehnt zuvor noch ein klar nordamerikanisches Werk, vereint die „Cuban Ouverture“ bereits diverse amerikanische, sowie karibische Musikelemente, inklusive die vielen dafür typischen Schlaginstrumente der Rhythmussektion, wie das Tipani, Guiro, Maracas, Batá- und Yuka-Trommeln. Diese prägen auch heute noch die mitreissenden Rhythmen aus dieser Weltgegend. Dirigent James Gaffigan wusste den Steilpass von Gershwin zu nutzen und verwandelte, zusammen mit seinem Orchester, das Werk in eine wahre Fiesta, voller ansteckender Lebensfreude, die aber trotzdem immer ein Hauch Melancholie beinhaltete. Der optimale Auftakt in ein Konzert, das so ganz und gar nicht wie ein normales Sinfoniekonzert sein sollte. Stürmischer Applaus des Auditoriums war der verdiente Lohn für die Protagonisten.

Konzert für Violine und Orchester in D von Wynton Marsalis

Nicola Benedetti Foto Simon Fowler
Nicola Benedetti Foto Simon Fowler

In ihrer ersten Kadenz ließ die 32 jährige Schottin Nicola Benedetti eine Mischung aus wildem Sägen und zarten, hoch liegenden Melodiefäden zerreißen: Die ganze Komposition ist technisch sehr anspruchsvoll. Im zweiten Satz ertönte ihr Instrument Quietschen und Zwitschern über einem Wah-Wah-Bass, und es endete in einem schottischen Volkslied mit doppelter Violine. Der dritte Satz, eine Feier des Blues, fühlte sich als Herzstück der Arbeit an. Hier war Benedettis Spiel überzeugend idiomatisch, wenn es auch zeitweise einen Balkan-Anflug bekam; Obwohl Improvisation nicht auf der Speisekarte stand, fühlte sich dies improvisiert an.

Der Amazone wilder Ritt durch de Partitur

Nicola Benedetti und Wynton Marsalis
Nicola Benedetti und Wynton Marsalis

Benedettis funkelnde Performance packte das Publikum ebenso wie ihre Mitmusiker, brachte Dirigent James Gaffigan gar ab und zu zum Hüpfen auf seinem kleinen Dirigentenpodium. Die junge Solistin interpretierte das Werk als eine Liebesbeziehung zwischen ihr selbst und den Noten. Sie überragte die ungemein anspruchsvollen technischen Anforderungen mit einer strahlend hohen Lyrik, mal mit berührender Intimität, dann wieder mittels wütend rhythmischer Energie. All dies zelebriert auf dem perfekten Notenteppich, den das gut aufgelegte Orchester ihr ausbreitete. Trotz des eher generell konservativen Stils ist es ein sehr ehrgeiziges Werk, dessen schiere Länge zum absoluten Genuss wurde, so perfekt dargereicht von Nicola Benedetti und dem Luzerner Sinfonieorchester an diesem Abend, dass eine Steigerung nur schwer vorstellbar ist. Dieser Meinung war auch das gutgelaunte Auditorium, was sich in einer wahren Applauskaskade äusserte.

2. Konzertteil mit „Die sieben Todsünden“ von Kurt Weill

Delia Mayer, Gesang
Delia Mayer, Gesang

Das am 7. Juni 1933 am Théâtre des Champs-Élysées in Paris uraufgeführte Werk ist für den Zuhörer eine intellektuelle Herausforderung, verlangt höchste Konzentration. Die für den Gesang ( eher Sprechgesang) engagierte Delia Mayer, den meisten als Kommissarin Liz Ritschard aus dem Luzerner Tatort bekannt, platzierte sich, in eine rote Abendrobe gehüllt, etwas seitlich versetzt beim Dirigenten vor dem Orchester. Die Singphoniker, den Part der Familie singend, erschienen jeweils auf der Galerie unterhalb der grossen Orgel des gut besetzten Konzertsaales, wenn sie an der Reihe waren.

Delia Mayer als die doppelte Anna

Die Singphoniker
Die Singphoniker

Je nachdem, welche der zwei Schwesternrollen sie deklarierte, die selbstbewusste, oder die eher zurückhaltende, zerbrechliche Anna, posierte die Sängerin mal lasziv, die Robe bis an die Oberschenkel hochziehend, oder zierlich verstört auf dem Tisch liegend, der mit einem unschuldig weissen Tischtuch abgedeckt war, und, nebst einem Stuhl, als einziges zusätzliche Requisite auf der Bühne stand. Die Mimin setzte ihr ganzes schauspielerisches Können in die Rollen um, wirkte bei der starken Anna selbstbewusst in Mimik und Gestik, verstand es aber auch, die gegensätzliche Schwester verstört, gar ratlos erscheinen zu lassen. Die 7 Todsünden waren so unmittelbar greifbar, ersichtlich durch die starke Darstellung und erhörbar durch die kongenial strukturierte musikalische Darbietung der klassizistischen, damals typisch deutschen Komposition von Kurt Weill durch das Orchester unter dem souveränen Dirigat des wirbligen James Gaffigan. Das Publikum bedankte sich bei den Protagonisten mit langanhaltendem kräftigem Schlussapplaus. Die Umsetzung des Werkes von Kurt Weill liess entliess die meisten mit einer gewissen Nachdenklichkeit wieder ins normale Leben.

Nicola Benedetti on Wynton Marsalis‘ Violin Concerto 3rd Movement

/www.youtube.com/watch?v=dTU5bzrZ-zA

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

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Landestheater Innsbruck, Tanztheater Una noche elegante, 2. Februar 2019, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

anztheater, Una noche elegante Foto Rupert Larl
anztheater, Una noche elegante Foto Rupert Larl

Regie & Choreografie

Choreografische Assistenz
Dramaturgie

 

Rezension:

Eleganz in drei Variationen

Zur Ballettpremiere von «Una Noche elegante» war das Tiroler Landestheater in Innsbruck letzten Samstag ausverkauft. Kein Wunder, denn die Tanzcompany von Enrique Gasa Valga hat einen sehr guten Namen. Das bestätigt auch die Tatsache, dass sich fürs nächste Vortanzen Ende Februar 400 Tänzerinnen und Tänzer angemeldet haben

Übung für Musikalität

Oktett Addison Ector, Balkiya Zhanburchinova
Oktett Addison Ector, Balkiya Zhanburchinova

Eine «elegante» Nacht also, mit Choreografien von Jiří Kylián, Uwe Scholz und Nacho Duato. Den Auftakt macht «Un Ballo» von Jiří Kylián. Dieser nannte sein Stück «Übung für Musikalität und Sensibilität zwischen männlichen und weiblichen Partnern» und erklärte, «Es ist ein Tanz zur Musik, nicht mehr». Der Bühnenhimmel hängt voller Kerzen, darunter stehen 7 Paare, immer wieder tritt eines davon in den Vordergrund. Dann wieder bewegen sich alle gemeinsam zu Ravels «Le Tombeau de Couperin“ und «Pavance pour une infante défunte». Die Kostüme sind in grau-anthrazit gehalten, die Röcke der Tänzerinnen wunderbar fliessend. Ab und an spielen sie kokett damit und erzeugen so spezielle Bilder. Eine Ode an den Tanz, die Paare sind in konstantem Zwiegespräch, das ist poetisch, ab und zu witzig und Tanzlust und Freude am Interpretieren der Musik sind sicht- und spürbar an diesem Abend.

Klassische Eleganz

POR VOS MUEROFederico Moiana, Lara Brandi, Martin Segeťa
POR VOS MUEROFederico Moiana, Lara Brandi, Martin Segeťa

Eine ganz andere Eleganz in «Oktett» von Uwe Scholz zu Musik von Mendelssohn Bartholdy. Eingangs ertönt die Stimme der Tänzerin Christine Jaroszewskis, für welche Scholz damals den Solopart des Balletts choreografiert hatte. Sie erzählt von der Entstehung des Stücks und von ihrer Zeit mit dem 2004 viel zu früh verstorbenen Choreografen, was dem Publikum eine andere Dimension zeigt, einen anderen Zugang zum Stück erlaubt. Auch Scholz interpretiert die Musik bis ins Kleinste, wiederholt Bewegungsabläufe im Rhythmus der sich wiederholenden Musiksequenzen. Hier wird aber klassisches Ballett getanzt, Spitzentanz für die Tänzerinnen, Sprünge, Pirouetten für die Tänzer, anspruchsvoll und auf höchstem Niveau. Die Tänzerinnen wirken fragil in ihren blassgelben Kleidern, wie Schmetterlinge, mit auffallend grazilen, anmutigen Armbewegungen. Die Tänzer kraftvoll, leicht gewöhnungsbedürftig für Liebhaber des modernen Balletts die enganliegenden weissen Pantalons, klassisch eben. Es wird eine Geschichte über Beziehungen und Freundschaften erzählt, die Paare finden und verlieren sich, als könnten sie weder miteinander noch ohne einander. Sie nehmen die Bühne mal von rechts, mal von links ein, in verschiedenen Formationen. Auch hier viel Tanzlust, ein fulminanter Schlussakt, die Emotionen aber auf einem anderen Niveau, etwas verhaltener, auch hier klassisch eben

Archaisch und modern zugleich

Yulian Botnarenko, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector
Yulian Botnarenko, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector

Nach der Pause folgt «Por vos muero» von Nacho Duato. Hier zeigt sich wiederum, was zeitgenössischer Tanz kann: Die Bewegungsabläufe sind beinahe unerschöpflich, die Ausdrucksmöglichkeiten dadurch so vielfältig, es ist wie eine Befreiung. Die Körper umspielen sich und fliessen ineinander, da ist Rhythmik, Poesie und eine herrliche Leichtigkeit. Anfänglich tragen die Tänzerinnen und Tänzer hautfarbenen Trikots, danach dunkle, samtene Gewänder, renaissance-artig in dunklen Blautönen. Teils tanzen sie zu spanischer Musik aus dem 15. und 16. Jahrhundert, teils zu Gedichten von Garcilaso de la Vega. Das ist archaisch und trotzdem modern, das lebt, pulsiert, fliesst.

Oktett Chiara Ranca, Mingfu Guo, Maria Pilar Sanchéz, Gabriel Marseglia, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector
Oktett Chiara Ranca, Mingfu Guo, Maria Pilar Sanchéz, Gabriel Marseglia, Balkiya Zhanburchinova, Addison Ector

Die Tanzcompany des Tiroler Landestheater überzeugt in allen drei Choreografien und zeigt sich auf der Höhe im klassischen wie im zeitgenössischen Tanz. Das Publikum war begeistert und spendete langanhaltenden Applaus. Die «elegante Nacht» ist ein gelungener Mix aus Moderne und Klassik und bietet für alle etwas, dies noch bis Ende Juni im Tiroler Landestheater im Grossen Haus

Text

www.gabrielabucher.ch

Kleine Fotodiashow der Produktion von Rupert Larl:

fotogalerien.wordpress.com/2019/02/03/landestheater-innsbruck-una-noche-elegante/

Fotos Rupert Larl

www.haus-der-musik-innsbruck.at

 
 
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Guangzhou Symphony Orchestra, KKL Luzern, 27. Januar 2019, besucht von Léonard Wüst

Besetzung und Programm:

Lian Wenqing Sopranistin Peking Oper Foto Shih Wei Huang
Lian Wenqing Sopranistin Peking Oper Foto Shih Wei Huang

Rezension:

Chinesen haben durchaus auch Humor und Selbsironie

Dass etwas andere Töne erklingen, wenn chinesische Orchester am Werk sind, überrascht nun nicht wirklich. Dass sich die fernöstlichen Klänge aber durchaus neben klassischer klassischer Musik hören lassen, demonstrierte das Guangzhou Symphony Orchestra unter der Leitung von Komponist und Dirigent Tan Dun, der einige Erläuterungen zu den Werken auf Englisch gab, mit viel Enthusiasmus und grossem Können.

Igor Strawinskis « Feu d’artifice op. 4 » als Appetithäppchen

Dirigent und Komponist Tan Dun
Dirigent und Komponist Tan Dun

Bereits nach dem, nicht nur namentlichem Feuerwerk, hatten die Asiaten das Publikum im Sack, beeindruckten mit präzisem, ausgereiften Spiel, das der Dirigent mit einem Taktstock (heute schon fast die Ausnahme) leitete. Dieses Utensil liess er aber später beiseite und animierte seine Mitmusiker danach  mit Gesten, viel Augenkontakt und durchwegs auch vollem Körpereinsatz.

Doppelkonzert für Klavier und Pekingoper-Sängerin (nach der Filmmusik zu «Farewell my Concubine»).

Ralph van Raat (Klavier)
Ralph van Raat (Klavier)

Erstaunlich, dass als Pianist, der den Kaiser verkörpert, mit Ralph van Raat ein niederländischer Pianist verpflichtet wurde und nicht eine(r) der vielen grossartigen Tastenakrobaten aus dem Land der Mitte. Anyway. Als seine Partnerin, die treue Konkubine verkörpernd, stand mit Wenqing Lian eine Meisterin ihres Fachs auf der Bühne. Sie zählt heute zu den besten Interpretinnen des Rollentyps der Quingyi in der Peking Oper, der berühmtesten Form des chinesischen Musiktheaters. Quingyi symbolisiert die tugendhafte, junge, verheiratete Frau. Wenqing Lian war die letzte Schülerin des Altmeisters Mei Baojiu. Der Pianist hat nicht eigentliche Läufe und Themenabfolgen zu spielen, eher ein impressionistisches Aneinanderreihen von hingeworfenen Akkorden, fast bedrohlich klingend,  die martialische fernöstliche Kampfkunst symbolisierend. Seine Konkubine, die sich trotz seiner verlorener Schlacht ihm treu ergeben zeigt, singt in den, für die Peking Oper üblichen hohen Tonskalen, gehüllt in traditionelle bunte Gewänder, mit typisch weisspudrigem Gesicht und kronenähnlichem Glitzerkopfschmuck.

Lian Wenqing Sopranistin Peking Oper
Lian Wenqing Sopranistin Peking Oper

Die Konversation zwischen Klavier und Quingyi ist eigentlich eine tragische Liebesgeschichte zwischen Mann und Frau, Himmel und Erde und Klavier und Peking Oper“ (Zitat Komponist Tan Dun). Die Sopranistin leichtfüssig, mit grazilen Bewegungen, wirkt geheimnisvoll faszinierend auf das Publikum, welches dem ungewohnten Treiben auf der Bühne gebannt zusieht und lauscht. Das Orchester begleitet die beiden Hauptfiguren ebenso kongenial, wie zurückhaltend. Die Zuhörer zeigten sich begeistert vom Gebotenen und bezeugten dies denn auch mit einer langanhaltenden Applauskaskade, bevor man sich in die Pause begab.

Ren Tongxiang - 100 Birds Flying Toward Phoenix (arrangement by Guan Xia)

Liu WenWen Suona Solistin
Liu WenWen Suona Solistin

Mit der Suona, (Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, vergleichbar der europäischen Oboe. Ihr Korpus ist etwas kürzer und schmaler, der Schalltrichter breiter und aus Messing oder Kupfer), meisterhaft gespielt von Wenwen Liu, lassen sich Vogelgezwitscher ähnliche Laute erzeugen. Diese Technik wird im wohl bekanntesten Stück für Suona, «Hundert Vögel in Anbetung des Phönix», denn auch reichlich angewandt und man staunt, wie unglaublich lange die Künstlerin Töne anzuhalten imstande ist. Entsprechend dann auch der Applaus des beindruckten Publikums.

Igor Strawinski - Suite «Der Feuervogel»

Komponist und Dirigent Tan Dun
Komponist und Dirigent Tan Dun

Für den Abschluss des Konzertes wählte Dirigent Tan Dun, ebenso wie für die sprühende Eröffnung, ein Werk des, zu seiner Zeit, sehr umstrittenen russischen Komponisten Igor Strawinski. Hier brillierten die Musiker mit viel Spielfreude, exzellenten Solopassagen, rhythmischer Ausgewogenheit und viel Temperament. Der Dirigent geleitete seine Mitmusiker mit grossem Feingefühl, Spielwitz und gestenreich durch die Partitur und wiedergab den Vogel wirklich feurig. Dieser Meinung war auch das Auditorium, welches die Protagonisten mit langanhaltendem Applaus feierte. Dieser wiederum veranlasste diese zu einer witzigen Zugabe, bei der sogar die Smartphones der Musiker einen Part übernahmen. Einmal mehr ein tolles Konzert der Migros – Kulturprozent – Classics Reihe, das vor einem sehr gut besetzten Konzertsaal stattfand.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.shihweihuang.com

http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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