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Benefizkonzert 20 Jahre Konzertsaal KKL Luzern, 14. August 2018, besucht von Léonard Wüst

KKL Luzern, der Konzertsaal mit 1898 Sitzplätzen
KKL Luzern, der Konzertsaal mit 1898 Sitzplätzen

Besetzung und Programm:

Luzerner Sinfonieorchester

Peter Oundjian, Dirigent

Rudolf Buchbinder, Solist am Klavier

Lucerne Festival Orchestra
Riccardo Chailly, Dirigent

Lucerne Festival Orchestra:
Richard Wagner (1813 – 1883)
Ouvertüre zur Oper «Rienzi»

Luzerner Sinfonieorchester:
Johannes Brahms (1833 – 1897)
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15

Antonín Dvořák (1841 – 1904)
Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

 

Rezension:

Lucerne Festival Orchestra
Lucerne Festival Orchestra

Erstmals in der Geschichte traten das Luzerner Sinfonieorchester und das Lucerne Festival Orchestra im gleichen Konzert auf. Ein ganz besonderer Jubiläumsabend, der die Verbundenheit von Lucerne Festival, Luzerner Sinfonieorchester ( im nachfolgenden LSO genannt) und KKL Luzern wunderbar zum Ausdruck bringt. Zugunsten eines möglichst guten Benefizergebnisses verzichten das Lucerne Festival Orchestra mit Riccardo Chailly sowie das Luzerner Sinfonieorchester auf eine Gage.

Doppeltes Heimspiel vor nicht ganz vollbesetzten Rängen

Die Architekten ,mitte,Jean Nouvel, Emmanuel Cattani, rechs, Paris, gewinnen den Architekturwettbewerb für ein neues Konzerthaus in Luzern, mit Stadtpräsident Franz Kurzmeier links
Die Architekten ,mitte,Jean Nouvel, Emmanuel Cattani, rechs, Paris, gewinnen den Architekturwettbewerb für ein neues Konzerthaus in Luzern, mit Stadtpräsident Franz Kurzmeier links

Zuerst gabs eine Begrüssung durch den Luzerner Stadtpräsidenten Beat Züsli, in welcher er die grosse Bedeutung des KKL und ins besonders des darin eingebetteten Konzertsaals für die Stadt Luzern und die Region betonte und den damals weitsichtigen Initianten auf politischer, wie auch privatwirtschaftlicher Ebene ein Kränzchen widmete. Anschliessend richtete der Präsident des Luzerner Sinfonieorchesters, Pierre Peyer, einige  Willkommensworte an das gutgelaunte Auditorium gefolgt von einer kurzen Willkommensbotschaft des Stiftungsratspräsidenten des Lucerne Festivals, Dr. Hubert Achermann. Alle drei Redner betonten, welch Bedeutung dieses Meisterstück der Ästhetik und vor allem auch der Akustik (dafür zeichnete der New Yorker Russell Johnson (1924-2007) verantwortlich) für Luzern, die Region, ja für die ganze Schweiz hat. Das Lucerne Festival, vormals Internationale Musikfestwochen (IMF), würde es ohne diesen Saal nicht mehr geben, erläuterte Achermann, Luzern hätte heute nicht eines der weltweit bedeutendsten Festivals der klassischen Musik ohne die Visionen der Initianten und Macher von damals, von vor 30 Jahren. Besonders  erwähnte er den damaligen Stadtpräsidenten Franz Kurzmeier und den, 1991 zum Gesamtkoordinator Kulturraum berufenen Unternehmensberater Thomas Held. Für einmal ein  „Held“ aus Zürich wie Achermann schmunzelnd einen kleinen Seitenhieb setzte. Der Saal war erstaunlicherweise nicht ganz besetzt, vor allem viele Sitzplätze im obersten Preissegment blieben leer.

1. Konzertteil mit der Ouvertüre aus Rienzi von Richard Wagner

Chefdirigent Riccardo Chailly
Chefdirigent Riccardo Chailly

Die Mitglieder des, von Claudio Abbado und Festivalintendant Michael Häfliger im Jahre 2003 gegründeten Luzerner Vorzeigeorchesters, des „Lucerne Festival Orchestra“, kamen auf die Bühne, in langem zeitlichen Abstand gefolgt vom Chefdirigenten Riccardo Chailly.

Eingeleitet von einem Schicksal verkündenden Fanfarenruf, der einmal wiederholt wird, führen die Streicher im Piano das Hauptthema ein: das pathetische Heldenmotiv mit dem aufsteigenden Sextsprung, der absteigenden Kadenz und dem Wiederaufschwung, der auf dem Dominantseptakkord in Quintlage erwartungsvoll stehen bleibt. Besonders eindrucksvoll wirkt diese Passage durch den nuancierten Einsatz von crescendo und decrescendo sowie das starke Vibrato der Streicher. Das Festival-Orchester unter Riccardo Chailly gab mit der zur packenden, aufwühlenden  Brillanz gesteigerten «Rienzi»-Ouvertüre eine Andeutung darauf, in welche Richtung es in Zukunft weiter gehen könnte. Das begeisterte Auditorium belohne die Künstler mit kräftigem, stürmischem Applaus, inklusive Extraapplaus für die einzelnen Register.

Als das Orchester die Bühne verlassen hatte, wurde der Konzertflügel hereingerollt und die Stühle für das nun auftretende LSO hergerichtet.

Kurzfristige Umbesetzung des Solisten am Klavier

Numa Bischof Ullmann, der umtriebige Intendant des Luzerner Sinfonieorchesters betrat kurz die Bühne und informierte, dass anstelle der vorgesehenen Solistin am Piano, Hélène Grimaud, die erkrankt sei, dank guten Kontakten und mit etlichem Aufwand, der Wiener Altmeister Rudolf Buchbinder, in Luzern von diversen Auftritten her bestens bekannt, verpflichtet werden konnte.

Grundsätzliches zum 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms

Luzerner Sinfonieorchester
Luzerner Sinfonieorchester c Christian Fierl

Brahms hat sich schwer getan mit dieser “Konzert-Sinfonie”, über drei Jahre lang. Der glühend verehrte Beethoven warf einen langen Schatten über das Werk, das tatsächlich als Sinfonie Nr. 1 konzipiert war, in vier (statt jetzt drei) Sätzen. Damals war Brahms einundzwanzig Jahre alt und fühlte sich noch nicht firm im Orchestersatz – so jedenfalls wollte er dem Geiste des verstorbenen Meisters nicht begegnen. Also verarbeitete er das Material in einer Sonate für zwei Klaviere, was er dann aber doch als “allzu bescheiden” empfand. Er ließ das depressive Scherzo der Sonate weg, ersetzte das ursprüngliche Finale durch ein Rondo – und endlich auf der Welt war das Schmerzenskind, dessen dunkles Pathos (im Sinne von: Leiden) gewiss auch über den Selbstmordversuch (1854) des geliebten Robert Schumann klagt, über dessen Verdämmern und Tod in der Nervenklinik zu Endenich.

Johannes Brahms Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 d-Moll op. 15

Gastdirigent Peter Oundjian
Gastdirigent Peter Oundjian

Nun entern die Musikerinnen des LSO die Bühne, kurz darauf gefolgt vom kanadischen Gastdirigenten Peter Oundjian und vom Solisten Rudolf Buchbinder. Dieser setzt sich auf den Schemel, in sich versunken, fast kauernd, trotzdem angespannt und lauscht sehr interessiert dem Intro, dem „Maestoso“ mit welchem das Werk beginnt. Fast vier Minuten lässt Brahms uns warten, bevor er die ersten Noten für das Soloinstrument, in diesem Fall für das Klavier, in die Partitur hineingeschrieben hat.

Begleitet nur von leisen Pizzicato und Tupfern der Trompeten, Hörner und Pauken, entfaltet sich das herrliche Thema, piano und espressivo. Durch die Tonart und den 6/4-Takt versteckt, ist es den Eingangstakten von Beethovens 4. Klavierkonzert verblüffend ähnlich. Mit den charakteristischen Zweierbindungen von Achteln findet es in Terzen und Sexten erst in der rechten, dann auch parallel in der linken Hand zu majestätischer Größe. Nach 19 Takten ist das wuchtige Kopfthema mit den gefürchteten Oktavtrillern erreicht.

Wandlungsfähiger Solist am Piano

Solist am Piano Rudolf Buchbinder Foto Marco Borggreve
Solist am Piano Rudolf Buchbinder Foto Marco Borggreve

Rudolf Buchbinder, ob dieser Mann die Akkorde auf die Tasten knallt, einen filigranen Lauf setzt, bei den Tremolo feinfühlig nuanciert oder wie er sich ins Orchester einbettet, quasi unterordnet im Dienst der Sache, dieser Virtuose  ist immer ein Ereignis für sich. Dass er nicht nur Beethoven kann, demonstrierte er einmal mehr eindrücklich und begeisterte das Publikum, das seinem Spiel gebannt lauschte. Das war nicht die süsse Romantik, da war Pfeffer und Dramatik, topmodern intoniert, unterstützt von einem kongenialen Orchester und magistralen Dirigat. Diese Interpretation überzeugte das sachkundige Publikum, welches denn auch nicht mit Applaus sparte, was wiederum den bald 70jährigen Österreicher sichtlich berührte.

2. Konzertteil mit Dvořáks Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

Jubiläums-Applaus für Pianist Rudolf Buchbinder (vorne), Dirigent Peter Oundjian und das Luzerner Sinfonieorchester, Foto Priska Ketterer - Kopie
Jubiläums-Applaus für Pianist Rudolf Buchbinder (vorne), Dirigent Peter Oundjian und das Luzerner Sinfonieorchester, Foto Priska Ketterer - Kopie

Anstatt beim Jubiläumskonzert etwas zu wagen, bewegte sich das LSO  mit der 7. Sinfonie, einem Repertoirestück, auf ausgetretenen Pfaden. Dies allerdings auf höchstem künstlerischen Niveau und bestätigten so ihren Aufstieg in die Gilde der Orchester von Weltruf, der eng verbunden ist mit dem Konzertsaal des KKL Luzern und ohne diesen kaum möglich gewesen wäre. Das Publikum belohnte das Residenzorchester des KKL denn auch mit langanhaltendem Applaus, für den sich die Künstler in Form einer Zugabe, der Tchaikovsky – Polonaise, aus  Eugen Oneginerkenntlich zeigten.

Abschliessend beurteilt, wär es dramaturgisch und von der Spieldauer her geschickter gewesen, zuerst nur das Klavierkonzert von Brahms anzusetzen und im zweiten Konzertteil Wagners Rienzi Ouvertüre und Dvořáks Sinfonie, oder umgekehrt nur das Klavierkonzert im zweiten Konzertteil und die beiden anderen Werke im ersten.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch und www.sinfonieorchester.ch

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Ich mag alles, was mich herausfordert“ Cristina Pasaroiu singt als Micaëla eine Arie in 20 Metern Höhe

Cristina Pasaroiu singt als Micaëla eine Arie in 20 Metern Höhe Foto Dietmar Mathis
Cristina Pasaroiu singt als Micaëla eine Arie in 20 Metern Höhe Foto Dietmar Mathis

53 Stufen auf drei fast senkrechten Leitern. Das ist der Weg auf die „Hand Lindau“, genauer gesagt, zur kleinen Plattform, auf der Micaëla im dritten Akt ihre ergreifende Arie „Je dis que rien ne m’épouvante“ singt. Mit der will sie Don José zurückerobern. Wie fühlt sich das an, dort oben, 20 Meter über den 7.000 Zuschauern zu stehen?

Bevor ich mich mit einer der Micaëla-Darstellerinnen treffe, mache ich selbst den Test – und mein Respekt wächst mit jeder Stufe, die ich erklimme. Mein Puls steigt mit mir, zum einen wegen der steilen Treppe, zum anderen wegen des Blicks nach unten. Und dabei spielt Lampenfieber bei mir keine Rolle, singen muss ich dort oben ja nicht. Natürlich ist man dort oben gesichert, nämlich mit einem Sicherheitsgürtel und zwei Seilen. Dennoch: Es gibt kein Geländer zum Festhalten. Das muss man aushalten können, zumal wenn es zur Vorstellung dunkel und vielleicht windig ist.

Blick auf den Mond
Wie schätzt Cristina Pasaroiu diese Situation ein? Die 30 Jahre alte Bukarester Sopranistin ist heuer die Premierenbesetzung der Micaëla. „Nur bei meiner allerersten Probe vor einem Jahr hatte ich das Gefühl, das ich das nie schaffen werde. Mir hat einfach der Atem gefehlt“, sagt sie in fließendem Deutsch. Danach hat sie sich schnell an diese Herausforderung gewöhnt und gelernt, die „besondere Atmosphäre“ sogar zu genießen: „Ich liebe es, die Natur und die Lichtspiegelungen im See zu beobachten.“ Besonders galt das vor wenigen Tagen bei der Mondfinsternis, als sie auf der Bühne stand: „Ich war die Glücklichste von uns drei Micaëla-Besetzungen.“ Trotz der starken Scheinwerfer sehe sie das Publikum besser als in normalen Opernhäusern.

Willensstark
Situationen, die nicht jeder mag, reizen sie, beispielsweise Bungee Jumping. Kurz gesagt: „Ich mag alles, was mich herausfordert.“ Daher ist sie in Bregenz genau richtig, sowohl in künstlerischer als auch in sportlicher Hinsicht: „Man muss hier eine sehr gute Kondition haben. Die Bühne ist riesig, man läuft einfach mehr.“ Kurz vor ihrer großen Arie nimmt sie sich daher etwas Zeit, um zur Ruhe zu kommen.

Nach diesem Moment gibt es eine weitere spektakuläre Szene ihrer Figur. Doch den Part, bei dem Micaëla über eine der „Flying Cards“ klettert und sich abseilt, übernimmt eine Stuntfrau. „Das würde ich auch gerne machen, wenn ich dürfte“, erklärt sie lachend. Sie ist hart im Nehmen. Im vergangenen Jahr brach sie sich während der Proben für die Oper Manon am Staatstheater Wiesbaden den Fuß und trat dennoch auf. Eine spezielle Gipsschiene und vor allem ein großer Wille machten es möglich. Diese Robustheit und Disziplin kommen ihr auf der Seebühne zugute.

Untypische Interpretation
Die Darstellung der Micaëla in der Bregenzer Inszenierung gefällt ihr besonders: „Sie ist zwar ein einfaches Bauernmädchen. Aber ich habe immer versucht, sie stark zu interpretieren und Klischees zu vermeiden. Mit dem Regisseur Kasper Holten habe ich neue Farben in ihr gefunden.“ Die Bregenzer Festspiele insgesamt erlebt sie als „besonderen Kosmos mit tollen, sehr professionellen Kollegen.“

Höhenangst kennt Cristina Pasaroiu nicht. Doch ein kleines Problem gab es schon, als sie im Vorjahr erstmals zu den Bregenzer Festspielen kam: Sie konnte nicht schwimmen. Doch schnell fand sich eine Lösung, man organisierte ihr einen Schwimmkurs. Nun liebt sie es, ihre freien Tagen draußen zu verbringen. Sie wandert gerne auf den Pfänder, um noch mehr Höhenluft zu schnuppern und weiter an ihrer Fitness zu arbeiten – und gerade an diesen heißen Tagen ist ein Bad im See nun auch für sie eine attraktive Option. www.bregenzerfestspiele.com/ www.leonardwuest.ch Für Nachrichten und Kultur aus der Innerschweiz besuchen Sie diewww.innerschweizonline.ch Für Nachrichten und Kultur aus dem Ruhrgebiet besuchen Sie die www.bochumer-zeitung.com

 

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100 aussergewöhnliche Frauen in der Schweiz, ein Bericht von Anna Rybinski

Mona Vetsch Radio- und Fernsehprofi, Foto SRF
Mona Vetsch Radio- und Fernsehprofi, Foto SRF

Das Projekt ist selbst aussergewöhnlich: Die Autorin und Journalistin Fatima Vidal möchte eine Reihe von Frauenporträts zu einem virtuellen Buch zusammenfügen. Ihr Vorhaben ist, 100 Persönlichkeiten vorzustellen, die ihre Bestimmung gefunden und ihre Träume verwirklicht haben. Auch, wenn sie sich ganz besondere Ideen und Wünsche in den Kopf setzten. Um Hüttenwartin, Erfinderin, Lokführerin, Schmiedin zu werden oder eine spezielle Sportart auf Weltniveau auszuüben: Den Frauen in unserer Gesellschaft ist alles möglich, wenn der Wille da ist.

Fatima Vidal Autorin und Verlegerin, Eigenaufnahme

Fatima Vidal Autorin und Verlegerin, Eigenaufnahme

Jeder Werdegang ist einmalig; die Suche nach den Interviewpartnerinnen geht quer durch das Land, in allen Schichten und Berufen. Die Seite ist für alle zugänglich und für uns alle lehrreich. http://100frauen.ch/

Die Autorin Fatima Vidal schreibt über Ihr Projekt:

Geplant sind 100 kurze Porträts und Interviews von bemerkenswerten Frauen, die in der Schweiz leben oder einen starken Bezug zur Schweiz haben. Stellungnahmen von heutigen Frauen, die in Politik, Sport, Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft eine wichtige Rolle spielen: junge oder alte, Akademikerin, Handwerkerin, Ausländerin, Schweizerin, Pilotin oder Seefahrerin. Frauen mit besonderen Lebensläufen und in all ihrer Vielfalt. Texte, die Mut machen, den eigenen Weg konsequent zu gehen.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll zusätzlich ein gedrucktes Buch erscheinen.

Trägerverein des Projektes ist der Verein «Frauen in der Schweiz».

Text: annarybinski.ch/

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Oper Schloss Hallwyl, «La Cenerentola» von Gioacchino Rossini, Première, 27. Juli 2018, besucht von Léonard Wüst

Oper Schloss Hallwyl, «La Cenerentola» von Gioacchino Rossini, Foto Ingo Hoehn
Oper Schloss Hallwyl, «La Cenerentola» von Gioacchino Rossini, Foto Ingo Hoehn

Besetzung:

Argovia Philharmonic, Musikalische Leitung   Markus Hein, Douglas Bostock

Angelina
Wioletta Hebrowska

Don Ramiro                   
John-Colyn Gyeantey

Dandini
Alexandre Beuchat

Alidoro
Yoshiaki Kimura

Don Magnifico
Noe Colin Arvizu

Clorinda
Leonor Amaral

Tisbe
Anna Nero

Rezension:

v.r.n.l.Dirigent Douglas Bostock, Regisseur Johannes Pölzgutter, Kostüme Janina Ammon und Bühne Manuel Kolip
v.r.n.l.Dirigent Douglas Bostock, Regisseur Johannes Pölzgutter, Kostüme Janina Ammon und Bühne Manuel Kolip

„La Cenerentola“, die zauberhafte musikalische  Märchenerzählung des Aschenputtels von Gioacchino Rossini wird in ebenso märchenhafter Kulisse gespielt. Das Schloss Hallwyl, ein Wasserschloss, befindet sich auf zwei Inseln im Aabach bei Seengen im Luzerner Seetal, ist seit 1925  öffentlich zugänglich und seit 1994 im Besitz des Kantons Aargau und so auch Teil des Museums Aargau. Seit 2012 führt der Verein Oper Schloss Hallwyl alle drei Jahre eine Oper im Hof der Burg auf. Bis jetzt kamen folgende Werke auf die Schlossbühne:

2003 | Mozarts “Die Entführung aus dem Serail”

2006 | Bizets “Die Schöne von Perth”

2009 | Bedřich Smetanas “Die verkaufte Braut”

2012 | Il Barbiere di Siviglia von Gioachino Rossini

2015 | Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart

Schwungvolle Inszenierung im Schlosshof

Argovia Philharmonic
Argovia Philharmonic

Regisseur Johannes Pölzgutter inszeniert zügig, was den durchwegs quirligen Akteuren in die Karten spielt. Diese überzeugen denn auch, nebst mit gesanglichem Können, durch aussergewöhnliche schauspielerisch – komödiantische Talente.

Dies im, von Manuel Kolip konzipierten, farbenfrohen Bühnenbild, in passenden, von Janina Ammon ausgewählten Kostümen bei besten äusseren Bedingungen vor einem gutgelaunten Auditorium auf der vollbesetzten, ca. 550 plätzigen Tribüne.

La Cenerentola, Bühnenbild
La Cenerentola, Bühnenbild

Dass Bühnenbild ist zweistöckig, oben das Schloss des Prinzen, also eh die Ebene der Elite, unten das Zuhause des verarmten Adeligen „Don Magnifico“ (Noé Colin Arvizu) mit seinen zwei Töchtern Clorinda (Leonor Amaral) und Tisbe (Anna Nero), sowie Cenerentola (der ev. dritten Tochter).

Verwirrspiel im Dienst der höfischen Brautschau

Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn
Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn

Um unerkannt eine geeignete Braut auszusuchen, bedient sich  der Prinz „Don Ramiro“ (John-Colyn Gyeantey) der Identität seines Dieners „Dandini“ (Alexandre Beuchat), der seinerseits, wenn auch widerwillig, in die Rolle des Prinzen schlüpft.

Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn
Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn

Der Prinz lädt zu einem Empfang, um nach geeigneten Kandidatinnen Ausschau zu halten. Unter den geladenen u.a. auch Don Magnifico mit seinen beiden heiratswilligen überkandidelten Töchtern. Während diese sich kosmetisch, Frisur technisch und Kleidermässig auf  Hochglanz aufpeppen und stylen, muss sich  deren Stiefschwester Cerentola (Wioletta Hebrowska) mit Hausarbeiten abmühen und Dienstmagd spielen. Nachdem ihr Vater Don Magnifico ihrem Wunsch, ebenfalls mit zu kommen auf das Schloss, nicht entsprochen hat, schleicht sie sich heimlich in die Nähe des Fürstensitzes und trifft dort zufällig auf den als Diener getarnten Prinzen. Die beiden sind sich sofort mehr als sympathisch, womit das Märchen so richtig beginnen kann.

„Alidoro“ (Yoshiaki Kimura), der Mentor des Prinzen, schleust Cenerentola, verkleidet als geheimnisvolle Unbekannte, ins Geschehen auf dem Schloss ein.

Castingshow der heiratswilligen Damen

Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn
Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn

„Dandini“, der vermeintlich Heiratswillige, hatte sich inzwischen der aufdringlichen Avancen der beiden Schwestern erwehrt, die sich ihm an den Hals werfen wollten und schlägt ihnen als möglichen Bräutigam seinen Kammerdiener vor, was diese aber, da nicht ihrem Stande gemäss, empört zurückweisen. Daraufhin gesteht Cenerentola dem falschen Prinzen, dass sie seinen Kammerdiener liebt. Besagter „Don Ramiro“, der unter all den brautwilligen Damen nichts ihm zusagendes entdeckt hatte,  hört dies und erwidert das Liebesgeständnis. Noch dauert es aber seine Zeit, bis alle Fäden entwirrt sind und schlussendlich alles für alle  ein gutes Ende findet.

Souveränes Orchester in einem ungewöhnlichen Orchestergraben

Dirigent Douglas Bostock
Dirigent Douglas Bostock

Dirigent Douglas Bostock, mit seinem Orchester, der „Argovia Philharmonic“, unter der Bühne platziert, leitet souverän durch die Partitur, bereitet so den Sängern/Schauspielern das Terrain, auf dem diese glänzen können. Das zügige variantenreiche Spiel animierte die Akteure auf der Bühne zu Höchstleistungen. Das Ensemble agierte mit überschäumender Spielfreude, viel Schalk und ausdrucksstarker Mimik und Gestik.

Wioletta Hebrowska als Cenerentola
Wioletta Hebrowska als Cenerentola

Das begeisterte Publikum belohnte diese aussergewöhnliche Parforceleistung denn auch mit viel Szenenapplaus nach fast jeder Arie und einem Beifallssturm zum Schluss der die Protagonisten sichtlich erfreute und strahlen liess. Für einen Extraapplaus gesellten sich auch noch Dirigent, Regisseur usw. zu den Bühnenakteuren und liessen sich zu Recht feiern.

Video 1

www.youtube.com/watch?v=eR0yzOSyd2U&feature=youtu.be

Kleine Fotodiashow der Produktion Probenfotos Emanuel Wallimann:

fotogalerien.wordpress.com/2018/07/21/oper-schloss-hallwyl-la-cenerentola-von-gioacchino-rossini-premiere-27-juli-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Text und Videos: www.leonardwuest.ch

Fotos:

Léonard Wüst und https://www.operschlosshallwyl.ch/

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Paul Ott/Paul Lascaux:www.literatur.li

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