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Frida Kahlo Foto Guentheregger

Haus der Musik Innsbruck, Tanztheater Frida Kahlo – Nueva Pasión, 16. Dezember 2018, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Frida Kahlo Foto Guentheregger
Frida Kahlo Foto F. Guentheregger

Besetzung: Tanzstück von Enrique Gasa Valga . Libretto von Enrique Gasa Valga und Katajun Peer-Diamond . Musik interpretiert von Lila Downs, Brigitte Fassbaender, Chavela Vargas, Buika u. a.

Frida Kahlo .           Pilar Fernández Sánchez, Camilla Danesi, Lara Brandi, Chiara Ranca

Leo Trotzki              Yulian Botnarenko, Federico Moiana

Fridas Vater            Martin Segeta, Emanuele Chiesa

Diego Rivera           Gabriel Marseglia, Nicola Strada

Der Tod                  Balkiya Zhanburchinova, Sayumi Nishii

Fridas Schwester    Brígida Pereira Neves, Camilla Danesi

Josephine Baker     Addison Ector

Ensemble               Tanzcompany des TLT

 

Rezension:

Das gefeierte Tanzstück als Porträt der mexikanischen Malerin erlebt nach seinem unglaublichen Erfolg 2011 fast unverändert ein Comeback  in den Kammerspielen in Innsbruck. Innsbrucks Ballettchef Enrique Gasa Valga begeistert einmal mehr.

Maria Pilar Sanchez als Frida Kahlo und  Gabriel Marseglia als Diego Rivera Foto Rupert Larl
Maria Pilar Sanchez als Frida Kahlo und Gabriel Marseglia als Diego Rivera Foto Rupert Larl

Die Bühne, wahlweise ein grosses, lichtdurchflutetes Zimmer mit Fenstern und Flügeltüren oder ein Platz mit Häuserfassaden, ist in ein sanftes Hellblau getüncht, Frida Kahlo als junges Mädchen in blütenreinem Weiss schwebt über die Bühne, mit unglaublicher Leichtigkeit, unbändiger Lebensfreude und Sorglosigkeit. In der kurzen Pause zum nächsten Bild ertönt ein Quietschen, Krachen und Knirschen, Geräusche des schrecklichen Unfalls, welchen Frida erlitt und an dessen Folgen sie ihr Leben lang leiden musste. Im nächsten Bild steht sie ganz alleine mitten auf der Bühne, in einem blutroten Samtkleid, unglaublich einsam, verloren und verletzlich, ein Rollstuhl wird hereingeschoben, sie setzt sich mühsam drauf und schaut zu, wie die anderen um sie tanzen.

Farbsymphonie

Camilla Danesi, Alice White, Emanuele Chiesa, Mikael Champs Foto Rupert Larl
Camilla Danesi, Alice White, Emanuele Chiesa, Mikael Champs Foto Rupert Larl

Das sind zwei der insgesamt 27 Bilder in zwei Akten, welche in diesem Tanztheater die Geschichte der Frida Kahlo erzählen. Zwei unglaublich starke Bilder, überhaupt lebt dieses Ballett von seinen Bildern, von den farbenfröhlichen Kostümen (Andrea Kuprian) und den wunderschönen Lichteffekten (Michael Reinisch), die die Bühne wahlweise in unschuldiges Weiss, leidenschaftliches Rot, verhaltenes Grau tauchen und immer wieder neue Effekte erzeugen. Dazu gibt es Einspielungen von Fotos aus Fridas Leben, von ihren Bildern, kurze Filmsequenzen, Texte, die entweder im Off oder von den Tänzerinnen gesprochen werden, Liedern, die sie teilweise auch selber singen. Es ist ein Gesamtpaket über diverse Stationen im Leben dieser unkonventionellen Frau und Malerin: Diego Rivera und Frida, die Hochzeit, die Affäre Diegos mit Fridas Schwester Cristina,  Fridas Affäre mit Josephine Baker, ihre Reise nach Paris, nach New York, ihre Begegnung mit Trotzki, ihr politisches Engagement und schlussendlich ihr früher Tod. Dies zu Musik aus allen Sparten, von Mariachi über Kurt Weill  bis hin zu Brahms.

Maria Pilar Sanchez als Frida Kahlo und Ensemble Foto Rupert Larl
Maria Pilar Sanchez als Frida Kahlo und Ensemble Foto Rupert Larl

Das Programmheft gibt Hinweise und Informationen, die man vorgängig lesen sollte, es lohnt sich, wenn man sich etwas auskennt im bewegten Leben der Frida Kahlo, denn es gibt unzählige Anspielungen im Stück. Versteht man diese nicht, kann man sich aber auch einfach den wirklich wunderschönen Bildern hingeben, die Enrique Gasa Valga auf die Bühne der Kammerspiele zaubert. Die Szenen mit dem Ensemble sind meist fröhlich ausgelassene Tanzsequenzen, die Solos und Pas-de-deux eindrücklich, leidenschaftlich und gefühlvoll. Und wenn Frida ihre Wut und Enttäuschung über Diegos Affären auslebt, ist das Verzweiflung pur, beinahe greifbar.

Die zwei Fridas

Lara Brandi (Frida Kahlo), Maria Pilar Sanchez (Frida Kahlo) Foto Rupert Larl
Lara Brandi (Frida Kahlo), Maria Pilar Sanchez (Frida Kahlo) Foto Rupert Larl

Auf der Bühne sind oft zwei Fridas (Maria Pilar Sanchez und Lara Brandi). Die Künstlerin erklärte die beiden Fridas in ihrem gleichnamigen Gemälde als Ausdruck ihrer Dualität. Die beiden Tänzerinnen sehen sich zum Verwechseln ähnlich, zierlich aber stolz, fragil und dennoch kraftvoll. Oft sitzt oder steht die eine reglos am Rande, als Trösterin oder Bewacherin, während die andere tanzt, manchmal tanzen sie gemeinsam, dann mutet es an wie ein Spiegelbild.

Viva la Vida

Lara Brandi (Frida Kahlo) und Ensemble Foto Rupert Larl
Lara Brandi (Frida Kahlo) und Ensemble Foto Rupert Larl

Das Tänzerensemble überzeugt auf der ganzen Linie, Gabriel Marseglia gibt einen leidenschaftlichen Diego, Yulian Botnarenko einen energischen Trotzki und Addison Ector eine exzentrische Josephine Baker. Das Stück endet mit Fridas letztem Bild: Wassermelonen rollen über die Bühne, im Hintergrund erscheint das Bild «Viva la Vida», Diego Rivera sitzt auf einer Bank, aus seinem Mund tropft der Saft der Melonen, farblich ist alles so abgestimmt, als gehöre es zum Bild.

Nueva Pasión ist ein Gesamtkunstwerk, alles greift ineinander über, ergänzt und vervollständigt sich. Die Bilder bleiben einen noch weit über den tosenden Schlussapplaus an der Premiere im Kopf.

Die ursprünglich angesagten Aufführungen bis März 2019 sind alle ausverkauft, zusätzliche Termine im Oktober 2019 ebenfalls schon gut gebucht.

Text und Fotos

www.gabrielabucher.ch

Kleine Fotodiashow der Produktion von Rupert Larl:

fotogalerien.wordpress.com/2018/12/18/haus-der-musik-innsbruck-tanztheater-frida-kahlo-nueva-pasion-16-dezember-2018-besucht-von-gabriela-bucher-liechti-2/

Fotos und Video

www.haus-der-musik-innsbruck.at

 
 
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Fado Queen Mariza

Fado Ikone Mariza im KKL Luzern 13. Dezember 2018, besucht von Léonard Wüst

Fado Queen Mariza
Fado Queen Mariza

Besetzung:

Mariza, vocals – José Manuel Neto, portuguese guitar – Pedro Jóia, classic guitar – Fernando Araújo, acoustic bass – Hugo Marques, drums/percussion

Rezension:

Der traditionelle Fado, immaterielles UNESCO Weltkulturerbe
Der traditionelle Fado, immaterielles UNESCO Weltkulturerbe

Sie ist die schillerndste der aktuellen weiblichen „Grössen“ des Fado. Die sehr extrovertierte,  als Marisa dos Reis Nunes am 16. Dezember 1973 in Lourenço Marques Mosambik geborene Sängerin, feiert etwas viel eher sich selbst als den Fado, lässt die Demut gegenüber diesem portugiesischen immateriellen UNESCO Welterbe vermissen. Ins Konzert startete die wasserstoffblonde hochgewachsene Sängerin mit einem traditionellen Fado, bei dem auch der wichtige Part der portugiesischen Gitarre zum Tragen kam. Dieses Instrument, das mit künstlichen Fingernägeln (Unhas Postiças) gezupft wird, gilt als das weltweit am härtesten gespannte Saiteninstrument überhaupt

Einsatz zusätzlicher Instrumente, entgegen der Tradition

In Lissabons Fado-Museum sind Instrumente aus verschiedenen Epochen ausgestellt.
In Lissabons Fado-Museum sind Instrumente aus verschiedenen Epochen ausgestellt.

Die klassische Instrumentenbesetzung beim Fado besteht in der Regel aus einer Guitarra Portuguesa (einem zwölfsaitigen, birnenförmigen Instrument, etwa ein Drittel kleiner als eine klassische Gitarre), einer Viola (klassische Gitarre) und einem Kontrabass, bzw. einer Bass-Viola. Im Unterschied zu andern bekannten Fadointerpretinnen der aktuellen Generation wie. zum Beispiel Ana Moura, Luisa Rocha, Misia oder ganz besonders Carminho, bedient Mariza sich auch eher ungewöhnlicher zusätzlicher Instrumente bei der Performance der traditionellen Sehnsuchtslieder. So sassen an diesem Abend auch ein Akkordeonist und ein Perkussionist auf der Bühne Das ist nicht per se schlecht, wenn dies aber nur dem Zweck von mehr Spektakel dient, konterkariert es die lange Tradition des „Gosto de ser triste“, des Genusses traurig zu sein. Ebenso verwässert es den so typischen, an sich schon perfekten Fadosound. Dazu noch in einem transparenten Kleid tänzelnd Hüften schwingen und Po wackeln tut einem Fadokenner, als den ich mich bezeichnen darf, nur noch weh und lässt mich Kopf schütteln.

Sängerin mit aussergewöhnlicher Stimme

Szenenfoto von Carlos Mateus de Lima
Szenenfoto von Carlos Mateus de Lima

Sie performt einen Mix aus brasilianischer Musik, Gospel, Jazz und Soul, aufgemixt mit etwas Karibiksound und portugiesischer Folklore. Sie tut  das mit einer aussergewöhnlichen Stimme, die im Jahre 2000 zur besten Fadostimme des Jahres gekürt wurde. Da passt die BBC Auszeichnung zur Künstlerin der Weltmusik 2003 und die Nomination im Jahr 2007 für ihr Album „Concerto em Lisboa“ für den Latin Grammy in der Kategorie Bestes Folk Album weit besser.

Auf der Homepage des Veranstalters wird die Künstlerin als Fado Diva bezeichnet. Diva, da stimme ich zu, aber weit weg von einer Fadista.

Versöhnlicher Abschluss mit einem „richtigen“ Fado

Denkmal der Entdecker in Belem Hier wird an die Seefahrer-Tradition des Landes erinnert
Denkmal der Entdecker in Belem Hier wird an die Seefahrer-Tradition des Landes erinnert

Als letztes Lied des Konzerts gab es mit „Primavera“ doch noch ein richtiges Fado, mit dem sie demonstrierte, dass sie sehr wohl Fado kann. Nur wenn ich den Begriff grosszügig sehr weit fasse, lässt sich das Gebotene unter „Fado“ einordnen. Eine Art portugiesischer Musikantenstadl triffts wohl eher. Auch vermisste ich, dass keine einzige „Guitarrada“ vorgetragen wurde, bei der die Instrumentalisten ihr Können demonstrieren dürfen und wie es eigentlich bei Fadokonzerten üblich ist. Dem Publikum gefiel diese Art von Musik trotzdem, vor allem die vielen portugiesisch sprechenden, in der Schweiz wohnhaften, liessen sich mitreissen und, ja, zum mitklatschen und mitsingen animieren. Dementsprechend heftig fiel dann auch der Schlussapplaus aus und führte beinahe zu einer stehenden Ovation.

Trailer Mariza – Primavera

www.youtube.com/watch?v=SU2xGmhoX1M

GUITARRADA| José Duarte| Bruno Costa

www.youtube.com/watch?v=4FTo8DGKshU

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:

www.allblues.ch

https://www.mariza.com/

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Solist Ray Chen Violine und die Lucerne Festival Strings

FESTIVAL STRINGS LUCERNE, Eröffnungskonzert Konzert Reihe Luzern "Tanz der Freude", 3. Dezember 2018, besucht von Léonard Wüst

Solist Ray Chen Violine und die Lucerne Festival Strings
Solist Ray Chen Violine und die Lucerne Festival Strings

Besetzung und Programm:

Festival Strings Lucerne
Ray Chen Violine
Daniel Dodds Leitung & Violine

Dmitri Schostakowitsch: Zwei Stücke für Streichorchester op. 11

Felix Mendelssohn Bartholdy: Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

Rezension:

Daniel Dodds , Leitung und Violine Foto Dorothee Falke
Daniel Dodds , Leitung und Violine Foto Dorothee Falke

Das Konzert eröffnende stark slawisch geprägte Frühwerk von Sostakowitsch verrät in seinen Satzbezeichnungen musikalische Orientierungen, die auch für den reifen Schostakowitsch gültig blieben: der erste Satz, Präludium genannt, ist eine Hommage an Johann Sebastian Bach, der zweite, ein Scherzo, zeigt in seinem sarkastischen Ton bereits die Doppelbödigkeit späterer Schostakowitsch-Scherzi. Man kann in ihm Anklänge an die Ballettmusik, das goldene Zeitalter und an die ersten beiden Sinfonien hören. Tonmaterial, grad recht für die Strings, um sich warmzuspielen, auf Touren zu kommen, zwei Stücke für Streichorchester op. 11 so richtig, um auch das zahlreich erschienene Publikem einzustimmen, das sich dafür mit starkem Applaus dafür bedankte.

Mendelssohns Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64

Ray Chen, Solist Violine Foto Sophie Zhai
Ray Chen, Solist Violine Foto Sophie Zhai

Bereits im Alter von neun Jahren erhielt Ray Chen die Einladung, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 1998  in Nagano aufzutreten. Seit seinem Gewinn 2009 beim berühmten Reine-Elisabeth-Wettbewerb in Brüssel und einem medialen Auftritt, der begeistert und inspiriert, erreicht der Australier mit taiwanesischen Wurzeln Millionen von Zuhörern und Followern und damit auch ganz neue und junge Zuhörer rund um den Globus. Und so trat er denn auch an, topmotiviert, mit vollem Körpereinsatz manchmal etwas ungestüm wie ein junger Musketier, wobei er, statt der feinen Klinge, einen feinen Bogen führte. Das Zusammenspiel mit dem Orchester und dessen präzisen Einsätzen klappte ab Beginn bestens, Solist und Mitmusiker motivierten sich wechselseitig zu Glanzleistungen, mit dem Solisten als Primus inter Pares. Seit Juni 2014 spielt Ray Chen die Stradivari „Joachim“ von 1715, eine Leihgabe der Nippon Music Foundation.

Solist ist von Beginn weg voll gefordert

Festival Strings Lucerne im KKL Luzern
Festival Strings Lucerne im KKL Luzern

Nach einer kurzen Einleitung des Orchesters setzt die Violine bereits im zweiten Takt mit einem schwungvollen Thema ein, das im Hintergrund von den Streichern begleitet wird; während der Entwicklung des Themas meldet sich das Orchester mit kurzen, aber bestimmten Tutti zu Wort. Im Anschluss übernimmt das Orchester das Thema der Violine und variiert es, woran sich ein Dialog der Violine mit abwechselnd den Streichern und dann den Bläsern anschließt. Danach ist es an den Bläsern, eine Variation des Themas aufzugreifen, die von der Violine wiederholt wird und mit Begleitung der Bläser, die ihre Variation zwischendurch kurz wiederholen, weiterentwickelt wird. Plötzlich wiederholt die Violine, diesmal energischer, ihr Hauptthema und probiert unter Begleitung des Orchesters wie getrieben alle möglichen Variationen. Ein Crescendo des Orchesters beendet die Variationen; nun ist die Violine mit der Kadenz an der Reihe. Nach der Kadenz wiederholt das Orchester im Piano das Hauptthema des Satzes und wird dabei in schnellem Arpeggio vom Solisten begleitet. Die Violine übernimmt es, das Thema zu variieren; nach einer Weile treten abwechselnd die Bläser und die Streicher als Begleitung hinzu. Ein Dialog zwischen Violine und Orchester führt langsam aber sicher zu einer Reihe kraftvoller Akkorde, die dem Fagott die Aufgabe übertragen, zum zweiten Satz überzuleiten. Der junge Solist bewegte sich sehr selbstsicher und erstaunlich routiniert durch die Partitur und bot, in perfektem Zusammenspiel mit seinen Mitmusikern, einen musikalischen Leckerbissen, dem sachkundigen Publikum sichtlich Freude bereitend. Für den langanhaltenden, stürmischen Applaus zeigte sich Ray Chen in Form von Paganinis Caprice No.21 als Zugabe erkenntlich.

Beethovens musikalische Liebeserklärung an die „Unsterbliche Geliebte“ Antonie Brentano im 2. Konzertteil

Meiner hochverehrten Freundin Antonie Brentano von Beethoven. Erst dieses Jahr wurde diese eigenhändige Widmung auf dem Titelblatt eines bislang unbekannten Exemplars der Partitur entdeckt, aufgrund dieser  zahlreiche Forscher  in Antonie Brentano die Adressatin des berühmten Briefes an die Unsterbliche Geliebte sehen, den der Komponist am 6./7. Juli 1812 in Teplitz schrieb.

Dramatisches Klangtableau entsteht im Schatten der napoleonischen Feldzüge

Daniel Dodds, Violine und Leitung
Daniel Dodds, Violine und Leitung

Dieses opulente Klanggemälde, das während der schon stark fortgeschrittenen Taubheit des Komponisten entstand,  bot den „Strings“ die perfekte Möglichkeit, ihr grosses Können einmal mehr zu demonstrieren, wie gewohnt unter der magistralen, trotzdem unauffälligen Leitung ihres Chefs Daniel Dodds. Wie meistens auf der äussersten Kante seines Stuhles sitzend, absolviert er seine doppelte Aufgabe als 1. Geiger und gleichzeitig Leiter des Orchesters mit vollem Engagement, was sich in seiner Körpersprache deutlich äusserte und auch an seiner Mimik gut abzulesen war. Das Orchester bot einmal mehr ein Gesamtkunstwerk und das Auditorium wusste dies mit dem entsprechenden Applaus zu würdigen.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos http://www.festivalstringslucerne.org/de/home

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Sinfonieorchester Camerata Schweiz

Benefizkonzert der MS-Gesellschaft, Tonhalle Maag Zürich, 2. Dezember 2018, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Sinfonieorchester Camerata Schweiz
Sinfonieorchester Camerata Schweiz

Programm und Besetzung :

Ludwig van Beethoven | Klavierkonzert D-Dur op. 61 a

Joseph Haydn | Sinfonie Nr. 104 D-Dur «London»

Sinfonieorchester Camerata Schweiz
Howard Griffiths: Leitung
Claire Huangci: Klavier

Rezension:

Strömende Zuschauermassen in strömendem Regen, Tixi-Taxis treffen fast im Minutentakt ein, vor der Tonhalle Maag in Zürich bildet sich eine lange Schlange an diesem ersten Sonntag im Advent: Viel Solidarität mit den Menschen mit MS, aber auch viel Neugier auf das Programm und die Interpreten des diesjährigen Benefizkonzertes der MS Gesellschaft. Im grossen Foyer wärmen sich die einen unter den Heizstrahlern, andere bedienen sich aus grossen Schalen mit Spanischen Nüssli und Schokorondellen, es herrscht eine lockere Stimmung. Vom Gebäude nebenan wummert ein gewaltiger Bass, «nur bis 11.00 Uhr», beruhigt die Platzanweiserin, ein nahtloser Übergang von Party zu Klassikkonzert.

Auf dem Programm dieses Benefizkonzertes stehen Beethovens Klavierkonzert in D-Dur op. 61 a, ursprünglich für Violine geschrieben. Solistin ist die amerikanische Pianistin Claire Huangci, diesjährige Gewinnerin des renommierten Géza Anda Preises. Das zweite Werk ist Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 D-Dur «London», die Camerata Schweiz spielt unter der Leitung von Howard Griffith.

Gefühlte 40 Jahre

Howard Griffiths Leitung
Howard Griffiths Leitung

In seiner gewohnt lockeren Art begrüsst Howard Griffith die Gäste, erzählt von seiner Mutter, welche selber MS hatte und von seiner Verbindung zur Solistin Claire Huangci. Er kenne sie schon so lange, dass sie mindestens 40 sein müsste, sie sei aber erst 28. Mit seinem herrlichen Akzent und seiner unkomplizierten Art hat er die ausverkaufte Maag Halle sofort auf seiner Seite.

Atemberaubende Präzision

Claire Huangci Solistin am Klavier Fozo Mateusz Zahora
Claire Huangci Solistin am Klavier Foto Mateusz Zahora

Ebenso auf ihrer Seite hat Claire Huangci das Publikum bereits nach den ersten paar Takten. Für Zuhörer, welche Beethovens Werk als Violinkonzert kennen, sind diese zwar anfänglich etwas gewöhnungsbedürftig, aber Huangci spielt mit so viel Hingabe, so leichtfüssig und mit glockenklarem Anschlag, dass man die Violine gerne und schnell vergisst. Singend und perlend kommt der erste Satz daher, mal grazil hingehaucht, ins Orchester hineingewebt, dann wieder atemberaubend virtuos mit unglaublich präzisen Trillern in einem kaum vorstellbaren Tempo. In der Kadenz lebt sie ihre Virtuosität nochmal voll aus, im spannungsvollen Dialog mit der Pauke.

Claire Huangci Solistin am Klavier
Claire Huangci Solistin am Klavier

Im zweiten Satz bleibt sie gleichfalls gefühlvoll, leicht und sanft, wird dann energisch im dritten Satz, aber ohne jegliches Pathos, ohne Affektiertheit. Howard Griffith begleitet mit der Camerata subtil und bleibt im ausgewogenen Zwiegespräch mit der hervorragenden Solistin. Man kann Beethoven nur beglückwünschen, dass er damals auf Wunsch des Pianisten und Notenverlegers Clementi diese Version für Klavier geschrieben hat, sei es nur, damit Huangci sie so wundervoll interpretieren kann. Die junge Pianistin wird vom Publikum frenetisch beklatscht und bedankt sich mit einem atemberaubenden Encore, der Toccata aus Friedrich Guldas Übungsstücke «Play Piano Play.»

Adventsstimmung

Claire Huangci  Foto Gregor Hohenberg
Claire Huangci Foto Gregor Hohenberg

Im zweiten Teil folgt Haydns Sinfonie Nr. 104 «London». Da ist viel Spielfreude zu spüren, eine wunderbare Leichtigkeit, Verspieltheit und Transparenz. Auch hier zeigt sich der ganze Saal begeistert. Das Publikum wird aber nicht einfach so in diesen ersten Adventsonntag entlassen. Gemeinsam mit der Camerata und dem jungen Solisten Axel Marena wird «Stille Nacht» gesungen, auf Wunsch der MS Gesellschaft zum Abschluss noch Leonard Cohens «Hallelujah». Der Advent ist mehr als stilvoll eingeläutet!

Text:  www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.multiplesklerose.ch/de/

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