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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, So stellen die Bregenzer Festspiele die “Carmen”-Aufführungen sicher

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Der erste Ton der Aufführung des Vortags ist noch nicht einmal erklungen, beginnt schon der Countdown für die darauf folgende Carmen-Vorstellung. Um das Bregenzer Spiel auf dem See sicherzustellen, gilt unter anderem für alle Mitwirkenden eine vertragliche 50-Kilometer-Regel. Aus guten Gründen sind die Rollen mehrfach besetzt.

Während ihres Engagements bei den Bregenzer Festspielen sollen sich Künstler nur innerhalb eines 50-Kilometer-Radius um Bregenz aufhalten. „Fällt jemand kurzfristig aus, soll der Ersatz schnell hier sein“, erklärt Operndirektorin Susanne Schmidt, „viele mieten sich für ihre Zeit in Bregenz ein Fahrrad – das empfehlen wir auch –, weil das die schnellste Art ist, sich zwischen Lochau–Bregenz–Hard zu bewegen.“

Steigender Adrenalinspiegel

Passieren kann immer was und das Zeitfenster knapp werden. Selbst wenn man weiß, wo sich die gesuchte Person in der Nähe aufhält. Susanne Schmidt: „Vergangenes Jahr hatten wir so etwas erlebt. Eine Sängerin hatte sich zwei Stunden vor Beginn warm gesungen und gemerkt, dass die Stimme nicht ganz ansprach. Ihre Kollegin, die einspringen sollte, war für uns bei einem Sponsoring-Event auf der Hohentwiel weit auf dem Bodensee. Keine Handy-Verbindung. Unser Bühnenmeister erreichte dann den Kapitän über Funk. So konnte sich die Sängerin innerlich schon darauf einstellen, dass Kostüm und Maske bereits auf sie warten, sobald sie am Steg anlegt. Das sind Vorkommnisse, die möchte man nicht zu oft haben. Da steigt dann schon das Adrenalin.“

Zu den Vorkehrungen gilt für das Spiel auf dem See folgende Daumenregel: Wer große Arien und Duette hat, wird dreifach besetzt, die anderen Rollen werden zweifach besetzt. „Selbst wenn alles glatt läuft, möchten wir nicht, dass jemand die großen Rollen jeden Abend singen soll. Das wäre zu belastend. Das muss man auf mehrere Schultern verteilen. Mal ist es eine sehr trockene Nacht, mal kann es kalt werden, und die Künstler wissen, bei uns wird am Ende getaucht… sie werden richtig nass! Deshalb kann es immer vorkommen, dass sich jemand verkühlt. Dann brauche ich einen Puffer.“

„Unser Masterplan“

Es ist eine riesige Excel-Tabelle („Unser Masterplan“, Schmidt), auf der vor 14 Tagen die Einsätze aller Künstler fixiert wurden. Im Verlauf des Probenprozesses wurden dazu für die drei Hauptrollen feste Trios gebildet und gleichmäßig auf die Festspielsaison verteilt: „Der gleiche Don José singt mit der gleichen Carmen und der gleichen Micaëla.“ Soweit die Theorie. Sie geht nicht immer auf, wenn eine Künstlerin oder ein Künstler zwischendurch zu einem Konzert, zu einem Vorsingen oder einer CD-Aufnahme muss. Die Kernfrage für die Operndirektorin lautet dann, tauscht man dann das ganze Trio auf einen anderen Platz oder nimmt man nur die eine Person heraus? „Carmen und Don José tausche ich lieber gemeinsam, weil sie für den Sterbeakt, die Ertränkungsszene gut aufeinander eingespielt sind.“ Geprobt wird dennoch auch über Kreuz, damit alle aneinander gewöhnt sind.

Bei Anruf „under the weather“

Um Carmen glatt über die Bregenzer Seebühne zu bringen, stehen an Aufführungstagen rund 400 Personen im Einsatz. Der organisatorische Aufwand im Hintergrund ist entsprechend groß. Allein auf der Seebühne müssen etwa 250 Mitwirkende, Techniker und „gute Geister“ zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. „Unsere Bibel“, erläutert Susanne Schmidt, „ist der ,Tagesprobenplan’, der soll idealerweise bis 15 Uhr für den Folgetag rausgehen.“ Erfahrene Künstler merken sehr früh, dass sich eine Erkältung anschleicht und rufen schon am Vortag an. Dann wird ein Kollege oder eine Kollegin auf „Stand-by“ gesetzt. Hier kommt wieder die 50-km-Regel ins Spiel. „Ansonsten heißt es, sie sollen sich bis 12 Uhr am Tag der Aufführung melden, ob sie sich unwohl fühlen, ,under the weather’, wie man englisch sagt. Ansonsten gehen wir davon aus, dass die geplante Besetzung abends singt.“

Dass das Räderwerk schon mehr als 24 Stunden in Gang gesetzt wird, „ist dann besonders wichtig, wenn wir einen wirklich dauerhaft kranken Sänger haben und vielleicht einen neuen einfliegen und ihn nachproben müssen.“ Eine absolute Ausnahme, aber auch sie gab es schon. In einem solchen Fall muss man mit dem Team besprechen, wann man ihn am nächsten Vormittag, Mittag oder Nachmittag einstudiert.

„Sie sind sehr basic, das ist alles andere als glamourös“, sagt Susanne Schmidt. Auch die Statisten und Choristen werden auf der Seebühne vorbereitet, nachdem sie sich Kontaktperson für die Künstler ist die Company Managerin. Sie schaut auch dazu, ob alle pünktlich in der Maske sind und hakt notfalls nach. Eigene WhatsApp-Gruppen dämpfen den Stresspegel. Maskentermin für die meisten großen Rollen ist etwa zwei Stunden vor Beginn im Festspielhaus. Für Feindetails sowie aufwändige Kostüme wird in den kleinen Garderoben auf der Seebühne Hand angelegt. Dort gibt es keine Klimaanlage oder Heizung. in einem schalterähnlichen Minibüro angemeldet haben. So wird sichergestellt, dass niemand fehlt. Am längsten Zeit haben die Wiener Symphoniker und der Prager Chor. Sie agieren im Festspielhaus und kommen bereits in ihrer Arbeitskleidung. Für sie ist Deadline eine halbe Stunde vor der Ouvertüre.

Dann, wenn alle, die am See singen, über den Steg sein müssen. Das Publikum soll vom Gewusel, das einer so großen Produktion vorangeht, unbehelligt bleiben.

Standleitungen zu den Wetterwarten

Die Operndirektorin ist in der Regel ab 19 Uhr im Areal. 20 Uhr ist Fixtermin in einem zum See offenen Fensterraum, den die Bregenzer Festspiele „Wetterküche“ getauft haben. Über die Bildschirme laufen Wetterprognosen und es existiert eine Telefonverbindung zur Wetterwarte Nach Zürich. Von ihnen lässt sich das Team bestätigen, ob man die Radarbilder richtig interpretiert hat. „Wenn das Wetter ruhig ist, zerstreuen wir uns alle noch einmal, gehen unseren Sachen nach, rufen in der Maske ,Toi! Toi! Toi!’. Ist es unruhig, dann kleben wir oft in der Wetterküche fest. Dann muss man die Platzsprecherin informiert halten, den Abendspielleiter und natürlich das Publikumsservice“, schildert Susanne Schmidt die wenigen Abende, die eine À-la-minute-Entscheidung erfordern, ob gespielt werden kann oder nicht. Gewitter und eine bestimmte Windstärke sind No-gos.

Fahrplan für Alternative

Carmen ist open-air. Das beeinflusst auch den Ablauf in Details wie diesen: Tritt der Torero heute Abend im Boot stehend auf oder einfach von links auf der Bühne? Das hängt vom vorausgesagten Wellengang ab. Auch für diese Entscheidung ist der Zeitpunkt in einem eigenen Fahrplan für die alternative Regie festgesetzt.

www.bregenzerfestspiele.com/ www.leonardwuest.ch

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Landschaftstheater Ballenberg „Steibruch – zrugg us Amerika“, Première 4. Juli 2018, besucht von Léonard Wüst

Der knorrige Eigenbrötler Murer Foto Markus Flück
Der knorrige Eigenbrötler Murer Foto Markus Flück

Produktion und Mitwirkende:

Autor: Albert J. Welti (1894 – 1965)
Hauptdarsteller und Textbearbeitung: Hanspeter Müller-Drossaart
Regie: Livio Andreina
Ausstattung: Anna Maria Glaudemans

Laienschauspieler und Laienschauspielerinnen aus der Region

Rezension:

Grundsätzliches zum Stück:

Alles friedlich, also heile Welt in Friedlichwil
Alles friedlich, also heile Welt in Friedlichwil

Das Stück spielt im fiktiven Friedlichwil in den 1950er Jahren. Der letzte Nachkomme der Steinhauerfamilie Murer flüchtete vor längerer Zeit aus dunklen Gründen nach Amerika. In der Heimat verbreitete sich das Gerücht, er sei dort in einen Mordfall verwickelt.
Wieder zurückgekehrt, lebt Murer verschlossen und zurückgezogen im aufgelassenen Steinbruch in einer Hütte. Er wird regelmässig von einem jungen Mädchen und einem geistig beschränkten Knaben besucht. Angestachelt vom Dorflehrer will die dörfliche Gemeinschaft die beiden Kinder, die sich scheinbar grundlos zum knorrigen Murer hingezogen fühlen, dazu zwingen, sich nicht mehr bei dem gefährlichen Sonderling aufzuhalten. Da kommt die Wahrheit an den Tag.
Ein Stück universeller Dorfgeschichte um Vorverurteilung und geistige Enge, und um die Rehabilitierung eines Schuldlosen.

Da wird gespielt:

Murer vor seiner einfachen Hütte, seinem Zuhause,  im Steinbruch
Murer vor seiner einfachen Hütte, seinem Zuhause, im Steinbruch

Der, Spielort von „Steibruch“ ist ideal gelegen. Er befindet sich nur wenige Meter vom Eingang Ost des Freilichtmuseums Ballenberg (Brienzwiler) entfernt in stotzigem Gelände unter der Kapelle aus Turtig/Raron (Kanton Wallis). Er ist in fünf Gehminuten zu Fuss erreichbar und man setzt sich auf die Tribüne mit über 700 geschützten Zuschauerplätzen. Hauptdarsteller Hanspeter Müller – Drossaart als „Murer“ ist der einzige Profischauspieler. An seiner Seite agieren 37 hochmotivierte Laienschauspielerinnen und Schauspieler, grossteils aus der näheren Umgebung, von denen die meisten schon seit vielen Jahren jeweils auf dem Ballenberg mitwirken. Dies tun sie, im perfekt nach Anna Maria Glaudemans Ideen gefertigtem Outfit und ihren Vorstellungen entsprechend hergerichtetem Spielort,  unter der souveränen Leitung des bewährten Freilufttheaterspezialisten, Regisseur Livio Andreina.

Das alljährliche Ritual vor der Première

Vereinspräsident, Nationalrat Lorenz Hess
Vereinspräsident, Nationalrat Lorenz Hess

Ausnahmsweise beim Eingang Ost, statt wie gewohnt beim Eingang West des Freilichtmuseums Ballenberg bei Brienz, hiess der Präsident des Vereins Landschaftstheater Ballenberg, Nationalrat Lorenz Hess, die illustre, gutgelaunte Schar der Premierenbesucher mit launigen Worten herzlich willkommen, dies bei allerbesten Wetterverhältnissen. Auch bedankte er sich bei Sponsoren, Gönnern, Mitwirkenden und allen andern, die auf irgendeine Art in das Projekt involviert sind. Ganz besonders begrüsste Hess einige anwesende Prominente, sowie die Medienvertreter, darunter eine Equipe des Schweizer Fernsehens. Ebenso erwähnte er, dass nächstes Jahr ein Jubiläum ansteht, dass man nämlich mit „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller, bereits die 25. Produktion in Angriff nehmen werde. Zudem feiere man bereits in diesem Jahr folgende Jubiläen: 50 Jahre Stiftung Ballenberg und 40 Jahre Eröffnung Freiluftmuseum Ballenberg.

Peter Flück, Präsident Stiftung Ballenberg Freilichtmuseum der Schweiz
Peter Flück, Präsident Stiftung Ballenberg Freilichtmuseum der Schweiz

Anschliessend richtete auch noch Peter Flück, Berner Grossrat und Präsident des Stiftungsrates Freilichtmuseum Ballenberg, einige Worte an die Besucher.

Das Geschehen im „Steibruch“

Die Darsteller und Darstellerinnen drücken ihre Emotionen mit sich wiederholenden Chorgesängen aus
Die Darsteller und Darstellerinnen drücken ihre Emotionen mit sich wiederholenden Chorgesängen aus

Das, an der Landesausstellung 1939 in Zürich äusserst erfolgreich uraufgeführte und später, mit Heinrich Gretler und der jungen Maria Schell in ihrer ersten Filmrolle auch verfilmte Mundartdrama „Steibruch“ von Albert J. Welti, wurde von Hauptdarsteller Hanspeter Müller-Drossaart für die Ballenberg Inszenierung adaptiert. Er verfasste dafür eine berndeutsche Fassung für rund 40 Rollen inklusive Chor.

Die Geschichte in Kurzfassung

Es brodelt hinter der aufgesetzten Fassade
Es brodelt hinter der aufgesetzten Fassade

In einem Satz: Eine Dorfgeschichte um Vorverurteilung und geistige Enge, und um die Rehabilitierung eines Schuldlosen. Arnold Murer kehrt nach einem langen Auslandsaufenthalt in den USA in sein Heimatdorf Langnach (am Ballenberg Friedlichwil) in der Schweiz zurück. Dort meint jeder zu wissen, dass er in Amerika 14 Jahre wegen Mordversuchs im Gefängnis gesessen hat, obwohl er immer von sich behauptete, unschuldig zu sein. Murer richtet sich etwas abseits des Dorfes in einer heruntergekommen Unterkunft beim Steinbruch ein und beginnt dort, wie ein Einsiedler zu leben. Die Menschen im Dorf ächten ihn und hoffen, ihn bald wieder loszuwerden. Nur der geistig behinderte Näppu und das dreizehnjährige Mädchen Meitschi nähern sich dem Mann und beginnen vorsichtig, eine Beziehung zu ihm aufzubauen.

Das Drama nimmt seinen Lauf

Die Lage spitzt sich immer mehr zu. Murer hadert mit sich, mit Gott und der Welt
Die Lage spitzt sich immer mehr zu. Murer hadert mit sich, mit Gott und der Welt

Das Theater beginnt mit der Dorfgemeinschaft, die den Spielplatz einnimmt und die heile Welt vermittelt. «Geng gärn guet hei miir s da hie, guet hei mer s», singen sie. Da ist die Welt noch in Ordnung, zumindest oberflächlich. Nur kurze Zeit lässt uns das Geschehen glauben, dass sich hier das unantastbare Glück des Lebens abspielt, aber die Fassade bröckelt, zerfällt in Kürze. Eine harte Realität mit Ausgrenzung, Unverständnis, Übergehen, Getratsche hält im Steinbruch Einzug. Die Charaktere werden seziert, manchmal moralisch blossgestellt, gelegentlich, mit verstärkendem Chorgesang, etwas überzeichnet.

Lang gehütete Geheimnisse werden offenbart

Gmeindamme Hotz (Rolf Zumbrunn, links) spielt eine zentrale Rolle im Leben Murers, er will ihm auch helfen aus der verzwickten Lage.
Gmeindamme Hotz (Rolf Zumbrunn, links) spielt eine zentrale Rolle im Leben Murers, er will ihm auch helfen aus der verzwickten Lage.

Von Gemeindeammann Hotz, Meitschi`s Pflegevater, erfährt Murer, dass er der Vater dessen Pflegetochter und ebenso des Aussenseiters Näppu ist. Er verschweigt es jedoch dem Mädchen, weil er sich um ihren guten Ruf sorgt. Als der Lehrer Kiburz versucht, Meitschi in eine Besserungsanstalt zu stecken, muss Murer dem Gemeindeammann versprechen, Meitschi nicht wiederzusehen.

Das Mädchen taucht aber dennoch bei ihm auf und die beiden werden vom Gemeindeammann und dem Lehrer gestellt. Das Meitschi erfährt, dass es die Tochter Murers und somit auch die Halbschwester von Näppu ist, den sie nicht ausstehen kann. Sie rennt davon, in die Nacht hinaus. Später am Abend versucht Murer seinen Sohn zu erschiessen. Der erkennt die Gefahr und rennt in Panik davon.

Während die Suche nach Meitschi andauert, findet Lehrer Kiburz einen Brief des amerikanischen Konsulats, der die Unschuld Murers beweist. Er liest ihn und rennt sofort zum Steinbruch, um sich bei Murer zu entschuldigen. Gemeinsam gehen der Gemeindamann, der Lehrer und Murer auf die Suche nach Meitschi. Sie finden sie schliesslich am Flussufer, wo sie sich mit Näppu angefreundet hat.

Eine Parallele und Metapher auf das aktuelle Weltgeschehen?

Näppu und das Meitschi suchen immer wieder gerne den Steinbruch auf und geraten dabei andauernd in Clinch
Näppu und das Meitschi suchen immer wieder gerne den Steinbruch auf und geraten dabei andauernd in Clinch

Das Stück endet damit, dass Murer und Meitschi gemeinsam den in einem Wagen schlafenden Näppu zur Unterkunft im Steinbruch ziehen und hinterlässt eine optimistische Note bezüglich ihrer Zukunft zu dritt. Ein fast schon kitschiges Happy End relativiert  die vorher ungeschönt dargestellte Realität, die auch als eine Metapher auf das heutige Weltgeschehen verstanden werden kann, vielleicht auch will und/oder soll.

Verdienter Lohn für die Protagonisten des „Steibruchs“

v.l.n.r. Meitschi, Murer, Näppu
v.l.n.r. Meitschi, Murer, Näppu

Larina Jessica Amacher als „Meitschi“ und Julian Kobler als „Näppu“, die alternierend mit Olivia Zumbrunn und Gilles Antenen die Rollen verkörpern, wie überhaupt das gesamte Ensemble, boten eine eindrückliche Leistung, agierten jederzeit auf dem Niveau von Hauptdarsteller Hanspeter Müller – Drossaart, Livio Andreina bespielte die Szenerie mit überraschenden Einfällen, kluge Dialoge unterstrichen mit beindruckender Mimik und Gestik der Akteure, liessen die Zuschauer mal nachdenklich grübeln, bei einigen Dialogen schmunzeln, dann wieder hilf – und ratlos nachdenklich zurück, das Ganze aber nie mit erhobenem Zeigefinger, aber trotzdem kamen gewisse Reflektionen  des eigenen Verhaltens rüber.

Alt Bundesrat und Ballenberg Mäzen Chirstoph Blocher mit Ehefrau Silvia
Alt Bundesrat und Ballenberg Mäzen Chirstoph Blocher mit Ehefrau Silvia

Für ihr authentisches Spiel, ihre eindrückliche Interpretation der Intentionen von Hanspeter Müller – Drossaart  ernteten die Protagonisten, mitsamt dem Produktionsteam, einen verdienten, starken, langanhaltenden Applaus des Publikums (darunter auch so prominente Persönlichkeiten wie alt Bundesrat Christoph Blocher mit Gattin Silvia), inklusive einer partiellen stehenden Ovation.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Markus Flück:

fotogalerien.wordpress.com/2018/06/09/landschaftstheater-ballenberg-steibruch-zrugg-us-amerika/

Fotos: Markus Flück, Léonard Wüst & Frida Kellenberger

Videos: Léonard Wüst

youtube.com/watch?v=ROYj9mvT8Gk&feature=youtu.be

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: Landschaftstheater Ballenberg landschaftstheater-ballenberg.ch/de/2014/Willkommen

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Ballet du Grand Théâtre de Genève Vertige Romantique, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Vertige Romantique, Foto Grégory Batardon
Vertige Romantique, Foto Grégory Batardon

Produktion und Besetzung:

Sur des musiques de Piotr Ilitch Tchaïkovski et Robert Schumann

Mezzo soprano Irina Shishkova
Piano Sergey Koudriakov 

Return to Nothingness

Chorégraphie Natalia Horecna

Sur une musique de Franz Schubert

Violon Claire Dassesse
Violoncelle François Guye
Piano Sergey Koudriakov

Rezension:

Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon
Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon

«Vertige romantique» zu Deutsch «Romantischer Taumel» ist der Titel der neusten Ballettproduktion des Genfer Theaters. Zum Saisonende hat sich die Opéra des Nations etwas Spezielles ausgedacht: Tänzerinnen und Tänzer des Ensembles werden live begleitet. Im ersten Teil vom Pianisten Sergey Koudriakov und der Mezzo-Sopranistin Irina Shishkova, sie interpretieren Werke von Robert Schuman  und Piotr Iljitsch Tschaikowski. Im zweiten Teil vom selben Pianisten, der Violonistin Claire Dassesse und dem Cellisten François Guye. Sie spielen das Trio für Klavier und Streicher Nr. 2 Opus 100 von Franz Schubert.

Faszinierende Tanzsprache

Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon
Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon

«Fallen», das erste Stück, stammt vom amerikanischen Choreografen Andrew Skeels.  Eingestimmt wird das Publikum mit der «Träumerei» aus den Kinderszenen von Robert Schumann. Dann öffnet sich der Vorhang auf eine Bühne mit schattenhaften Bäumen und einem Tänzerensemble ganz in Schwarz. Alle tragen das exakt gleiche Kostüm und verschmelzen so ab und an mit dem Bühnenbild. Dann liegt der Akzent auf den Händen und den Gesichtern, was die spezielle Tanzsprache von Skeels noch unterstreicht. Über das ganze Stück spielt er mit Wellenbewegungen. Mal beginnen diese am Ende einer Reihe, mal mitten in der Gruppe, mal in einem Kreis. Mal sind es nur die Hände, mal die Köpfe die sich bewegen, mal Arme, Beine, ganze Körper. Die Tänzer winden sich, verschlingen sich ineinander, voneinander weg, dies in einer unglaublichen Präzision und mit viel Eleganz und Anmut. Ab und zu schält sich eine Tänzerin, ein Tänzer für ein Solo oder einen Pas-de-Deux aus dieser wogenden Menge.

Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon
Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon

Die Bewegungen erinnern mal ans Kinderspiel «Schere, Stein, Papier», mal an Tasten eines Klaviers,  mal an die Hämmer im Innern des Flügels, wenn sie bei einem rasanten Lauf kurz aufschnellen um gleich wieder zurückzufallen. Die Klaviersolis unterstreichen diesen Eindruck, die perlenden Töne werden aufgenommen und in Bewegung übertragen, eine tiefe, fliessende Eleganz, melancholisch, dunkel, faszinierend. Am Ende fallen sich Tänzerinnen und Tänzer einer nach dem anderen in die Arme und gleichzeitig aus dem Stück heraus.

Der König ist not amused

Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon
Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon

Ganz anders «Return to Nothingness» der slowakischen Choreografin Natalie Horecna. Hier wird die Geschichte eines Königs erzählt, der sich über nichts mehr freuen kann, über nichts mehr lacht. Nicht mal über seinen Diener in kurzen Hosen, Frack und roten Turnschuhen, auch nicht über die Kapriolen der drei Herren in Anzügen oder der Damen in hübschen Deux-Pièces. Der König ist «not amused». Erst als fünf weiss gekleidete junge Mädchen erscheinen, wendet sich das Blatt. Der König zeigt Interesse an einer von ihnen, verliebt sich, lebt wieder. Während die Geschichte anfänglich klar erkennbar ist, entgleitet sie einen später etwas. Man fragt sich, was es mit dem Titel auf sich hat und bleibt etwas ratlos. Ob es die Erzählweise ist, oder ob das das wunderschön interpretierte Trio Schuberts zu fest ablenkt? Tatsache ist, dass die Emotionen, die durchaus aufkamen im ersten Stück, im zweiten etwas auf der Strecke bleiben.

Hochrangiges Tänzerensemble und exzellente Musiker

Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon
Szenenfoto der Produktion von Gregory Batardon

An den Tänzerinnen und Tänzern kann es nicht liegen, sie zeigen Höchstleistungen. Mit Live-Musik zu tanzen bedingt unglaubliche Konzentration und Einfühlvermögen. Dasselbe gilt für die Musiker, die sich genauso einfühlen und die richtige Dosierung finden müssen zwischen Begleitung und konzertanter Aufführung.

Für mich war es eine erste, spannende Kontaktaufnahme mit dem Genfer Ballett, welche Lust und neugierig auf mehr gemacht hat.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Grégory Batardon:

fotogalerien.wordpress.com/2018/07/01/ballet-vertige-romantique-opera-des-nations-genf-besucht-von-gabriela-bucher-liechti-szenenfotos-der-produktion-von-gregory-batardon/

Trailer der Produktion:

youtu.be/aB1ikxtNglQ

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: www.geneveopera.ch

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Hochschule Luzern , Master-Abschlusskonzerte 2018 Klassik im KKL Luzern, 19. Juni, besucht von Léonard Wüst

Luzerner Sinfonieorchester 2017 Foto Vera Hartmann
Luzerner Sinfonieorchester 2017 Foto Vera Hartmann

Besetzung und Programm:

Julia Köhl, Flöte
Lucie Kanková, Gesang
Yu-Hsuan Kuo, Flöte
Marija Bokor, Klavier
Andrey Cholokyan, Oboe
Anna Zaychenko, Klavier

Luzerner Sinfonieorchester 
James Gaffigan, Leitung
 

Werke von Wolfgang Amadé Mozart, Antonín Dvořák, Carl Reinecke, Peter I. Tschaikowsky, Bernd Alois Zimmermann, Frank Martin, Gaetano Donizetti und Robert Schumann

Grundsätzliche Informationen:

Das Solistenkonzert ist der Höhepunkt der künstlerischen klassischen Ausbildung an der Hochschule Luzern – Musik: Nach Abschluss des sehr anspruchsvollen Studiengangs «Solo Performance» treten die Absolventinnen und Absolventen ins Berufsleben. Ausgewählte Studierende erhalten die Möglichkeit, sich mit dem Luzerner Sinfonieorchester im Konzertsaal des KKL Luzern zu präsentieren.

Dargeboten wurden folgende Werke durch nachgenannte Interpretinnen:

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), Konzert  für Flöte und Orchester
Julia Köhl, Querflöte
Klasse Pirmin Grehl

Antonín Dvořák (1841 – 1904), Arie „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“
Lucie Kanková, Gesang Sopran
Klasse Barbara Locher

Carl Reinecke (1824 – 1910), Ballade g – Moll für Flöte und Orchester
Yu – Hsuan Kuo, Querflöte
Klasse Pirmin Grehl/Sarah Rumer

Peter Iljitsch Tschaikowsky (1840 – 1893), 1. Satz des Klavierkonzert Nr. 1 b – moll Marija Bokor, Klavier

Klasse Konstantin Lifschitz

Bernd Alois Zimmermann (1918 – 1970), Konzert für Oboe und kleines Orchester
Andrey Cholokyan, Oboe
Klasse Ivan Podyomov

Frank Martin (1890 – 1974), Ballade für Flöte und Orchester

Yu – Hsuan Kuo, Querflöte
Klasse Pirmin Grehl/Sarah Rumer

Gaetano Donizetti (1797 – 1848), Arie „Ah! Tardai troppo – o luce di quest`anima“ aus „Linda di Chamounix“

Lucie Kanková, Gesang Sopran
Klasse Barbara Locher

Robert Schumann (1810 – 1856), Klavierkonzert a – Moll

Anna Zaychenko, Klavier

Klasse Konstantin Lifschitz

Rezension:

Dirigent James Gaffigan
Dirigent James Gaffigan

Das Solistenkonzert der HSLU im Konzertsaal des Kunst – und Kongresszentrum Luzern (KKL) ist für mich immer so etwas wie die ultimative Einstimmung auf das ungefähr einen Monat später beginnende Lucerne Festival im Sommer, ist es doch sehr gut möglich, dass eine der Solistinnen, als Mitglied eines renommierten Orchesters wieder einmal hier auftreten, wird im Rahmen eben dieses, oder eines anderen Lucerne Festivals. Das diesjährige Programm listete je zwei Solistinnen mit der Querflöte und dem Piano, sowie eine Sopranistin und einen Oboisten.

Basis für die musikalischen Höhenflüge der Solisten ist die kongeniale, freundschaftliche Begleitung durch das Residenzorchester des KKL Luzern (früher Luzerner Sinfonieorchester) unter der Leitung von James Gaffigan, welches die Musikschüler optimal unterstützt und mitträgt.

Julia Köhl, Querflöte  mit dem Konzert  für Flöte und Orchester von
Wolfgang Amadeus Mozart

Julia Köhl, Solistin Flöte
Julia Köhl, Querflöte

Einen stimmigen Auftakt des Abends bereitete uns Julia Köhl mit ihrer Interpretation des typisch Mozartschen Gassenhauers. Sie gestaltete den Solopart klar strukturiert, der Dialog mit dem hier klein besetzten ­Orchester wurde klangvoll ausgereizt, und in den Kadenzen liierte die Solistin stupende Virtuosität mit schwebenden Kantilenen. Besonders erwähnenswert die tänzerischen Passagen im Rondo, die sie, im kongenialen Zusammenspiel mit dem Orchester, besonders eindrücklich interpretierte.

Lucie Kanková, Gesang Sopran mit der Arie „Lied an den Mond“ aus „Rusalka“ und im 2. Konzertteil mit der Arie „Ah! Tardai troppo – o luce di quest`anima“ aus „Linda di Chamounix“.

Solistin Gesang, Lucie Kanková
Solistin Gesang, Lucie Kanková

Die, in ein türkisfarbenes Abendkleid gehüllte Sopranistin überzeugte mit der (schwierigeren) Donizetti Arie weit mehr als mit Dvořáks Rusalkalied. War sie vorher noch etwas gehemmt, agierte sie jetzt selbstbewusster, war auch in hohen Lagen und in den Koloraturen bombensicher, unterstrich das auch mit Mimik und Gestik, spielte so auch ihr darstellerisches Talent aus.

Yu – Hsuan Kuo, Querflöte, Kompositionen von Carl Reinecke und Frank Martin

Solistin Flöte, Yu-Hsuan Kuo, Foto Alice Moraz
Solistin Flöte, Yu-Hsuan Kuo, Foto Alice Moraz

Die Flötistin Yu-Hsuan Kuo (auch sie mit zwei Auftritten),  überzeugte mit höchst variablem Ton in Carl Reineckes Ballade g-Moll, aus dem dunklen Beginn mit Pauken und Horn entwickelte sie die hochromantischen Themen zart und weich. Aus innerster Empfindung spielte sie auch die Ballade von Frank Martin, kostete jeden Ton voll aus, und die virtuosen Läufe klangen so durchsichtig wie strahlend glänzend: eine grandiose Interpretation über dem grossartigen Klangteppich des Orchesters.

Marija Bokor, Klavier , 1. Satz aus Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll

Solistin am  Piano Marija Bokor
Solistin am Piano Marija Bokor

Marija Bokor setzte ihr kraftvolles Spiel in den gewaltigen Akkordfolgen in Szene, variierte, für meinen Geschmack, etwas zu wenig bei den leiseren Tönen, die der Komponist auch in die Partitur geschrieben hat. Natürlich agierte die Künstlerisch technisch überragend, liess aber etwas das Herz vermissen, sodass die Wiedergabe etwas blutleer wirkte. Das Publikum hatte aber Gefallen am mächtigen Tschaikowsky und applaudierte dementsprechend.

Andrey Cholokyan, Oboe, Konzert für Oboe und kleines Orchester von Bernd Alois Zimmermann

Andrey Cholokyan, Solist Oboe
Andrey Cholokyan, Solist Oboe

Er, einziger Mann unter den Solistinnen, war die Entdeckung des Abends, trotz, oder eben, wegen des eigentlich eher unspektakulären Instruments das er spielt, auch, weil er quasi ununterbrochen gefordert war in dieser Komposition von Bernd Alois Zimmermann mit seiner Zwölftonreihe und Dissonanzen und nicht bloss in kurzen Solopassagen. Hier boten Solist und Orchester ein rhythmisch verbundenes Zusammenspiel, in dem sie die vielschichtigen Klangfarben von atonal bis impressionistisch exemplarisch intonierten.

Anna Zaychenko,Klavier, Klavierkonzert a – Moll von Robert Schumann

Solistin am Klavier, Anna Zaychenko
Solistin am Klavier, Anna Zaychenko

Um etliches weicher und differenzierter, im Gegensatz zu Marija Bokor vorher mit dem Tschaikowsky, kam das Spiel der jungen Russin daher. Dennoch überzeugte sie schon beim Intro, setzte die Harmonien mit der richtigen Dosis an Dynamik, lauschte der Replik durch die Oboe (eine Tonfolge, welche wahrscheinlich die mexikanische Komponistin Consuelo Velázquez zu ihren Welthit „Besame mucho“ inspiriert hat). Die Solistin blieb ihrer Linie treu, sichtlich auch zur Freude des Dirigenten, welcher sie mit seinem Klangkörper nachhaltig beim ihren Vortrag supportierte.

Alle Solisten wurden vom Auditorium mit verdientem grossem Applaus belohnt, in dem natürlich auch das souveräne Orchester unter der Leitung von James Gaffigan eingeschlossen war.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home     und www.hslu.ch     

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