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Opéra des Nations Genf, Don Giovanni, Première 1. Juni 2018, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Grand Théâtre de Genève, Don Giovanni, Foto Carole Parodi
Grand Théâtre de Genève, Don Giovanni, Foto Carole Parodi

Produktion und Besetzung:

Musical Director Stefan Soltesz
Stage Director David Bösch
Set Designer Falko Herold
Costumes Designer Bettina Walter
Lighting Designer Michael Bauer
   
Don Giovanni Simon Keenlyside
Leporello David Stout
Donna Anna Patrizia Ciofi
Donna Elvira Myrtò Papatanasiu
Don Ottavio Ramón Vargas
Commendatore Thorsten Grümbel
Zerlina Mary Feminear*
Masetto Michael Adams
Grand Théâtre Opera Chorus
Director Alan Woodbridge
 
Orchestre de la Suisse Romande

 

Rezension:

Im ausverkauften «Grand Théâtre de Genève» fand letzten Freitag die Premiere von Don Giovanni statt.

DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi
DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi

Der Vorhang öffnet sich auf eine Bühne auf der Bühne,  ein paar alte Theater-Stühle stehen herum, ein paar trockene Grasstauden, das Ganze ist in sanftes Hellblau getaucht. Dieses Bühnenbild verändert sich nur insofern, als dass nachfolgend alle Spuren des Geschehens darauf zurückbleiben, sodass schlussendlich ein ziemliches Chaos herrscht: Kaputte Flaschen, Bartische mit leeren Gläsern, Konfetti, umgestossene Kisten und auch ein Teil der Asche des Commendatore.

Begeisternde Inszenierung

DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi
DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi

Regisseur David Bösch lässt es teilweise ziemlich krachen auf der Bühne und scheint sich dabei auch köstlich zu amüsieren. Don Giovanni bedient sich einer Polaroid-Kamera, um seine Eroberungen zu dokumentieren, zur Arie von Leporello über eben diese Eroberungen stolpern erschöpfte junge Frauen in zerrissenen Kleidern über die Bühne und winken müde mit der Fahne der jeweiligen Nation. Donna Anna tackert ein «Wanted»-Plakat von Don Giovanni an die Wand, Champagner wird aus Schuhen getrunken, Zerlinas-Hochzeitsschleier dient Don Giovanni als Stierkampf-Tuch um Donna Elvira zu reizen. Der Commendatore bleibt über das ganze Stück präsent, nach seinem Tod in Form einer schwarzen Urne, die entweder Don Ottavio oder Donna Anna mit sich rumtragen, später dann eben als Asche auf der Bühne. Das ist alles amüsant, entstaubt, «giocoso» eben, trotzdem wirkt es nicht derb.

DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi
DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi

Die Kostüme von Bettina Walter sind eine Augenweide, wunderschöne weite Röcke aus edlen Stoffen, ein absolutes Highlight der erste Auftritt von Donna Elvira in ihrem eleganten, cremefarbenen Mantel, passendem Hut, Sonnenbrille und schwarzem Koffer – ein Bild wie aus einer Modezeitschrift der 60iger Jahre.

Exzellentes Sängerensemble

DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi
DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi

Und dann ist da die hochrangige Besetzung: David Stout als liebenswerter Leporello, agil, verspielt, mit grosser Bühnenpräsenz und schönem, expressiven Bariton. Ramón Vargas als Don Ottavio mit kräftigen Tenor, als Charakter aber etwas farblos, ein Anhängsel von Donna Anna. Bemüht aber etwas unbeholfen und man versteht, dass Donna Anna noch ein Jahr warten will bevor sie sich von ihm den Ring an den Finger stecken lässt. Patrizia Ciofi als Donna Anna modelliert ihre Stimme bis ins Letzte und vermittelt so ihre Verletztheit und ihre Trauer. Myrtò Papatanasiu ist eine angriffslustige, feurige Donna Elvira, Mary Feminear eine verspielte Zerlina, fein und zart, die aber genau weiss, was sie will und wie sie es will mit ihrem Masetto, Michael Adams, einem etwas verloren wirkenden Bauernbug in seinen zu grossen Hosen und dem Wams.

DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi
DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi

Und dann ist da natürlich der grossartige Simon Keenlyside. Nebst seiner unglaublichen Stimme hat er eine ebenso unglaubliche Bühnenpräsenz: Genau so könnte er gewesen sein, dieser Don Giovanni, etwas ins Alter gekommen aber immer noch sehr attraktiv,  dabei aber rücksichtslos, rastlos, ungeduldig, getrieben. Schnell eine Linie reinziehen, mit der Hand durchs halblange Haar und weiter, zur nächsten Beute, zur nächsten Eroberung, ja keine Zeit verlieren, ja keine Komplikationen mit den Frauen. Das alles liest sich in Keenlysides Gesicht, in seinen Gesten. Gefühlvoll ist er nicht, sein Don Giovanni, aber authentisch, direkt und faszinierend in dieser Direktheit. Nach dem Grande Finale taucht er nochmal kurz auf und hält die «Scena Ultima»  auf einem Polaroid-Foto fest.

DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi
DonGiovanni Szenefoto von Carole Parodi

Das Orchestre de la Suisse Romande unter Stefan Soltesz ist perfekte Begleitung für dieses hochkarätige Ensemble.

David Bösch ist eine sehr unterhaltsame Inszenierung gelungen, mit überraschenden Ideen und Effekten, jung, frisch, frech – so könnte Oper auch für ein jüngeres Publikum aufgehen und verständlich werden. Schöne Kostüme, die unvergleichliche Musik von Mozart – die Reise nach Genf würde sich durchaus lohnen, wären nicht bereits alle Vorstellungen ausverkauft.

Kleine Fotodiashow DonGiovanni Szenefotos von Carole Parodi:

fotogalerien.wordpress.com/2018/05/31/opera-des-nations-genf-don-giovanni-premiere-1-juni-2018-besucht-von-gabriela-bucher-liechti/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: www.geneveopera.ch

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Katy Perry «WITNESS: The Tour»Hallenstadion Zürich, 1. Juni 2018, besucht von Léonard Wüst

Katie Perry im Hallenstadion Zürich, 1. Juni 2018, Foto Ruedy Hollenwäger
Katie Perry im Hallenstadion Zürich, 1. Juni 2018, Foto Ruedy Hollenwäger

Besetzung:

Katie Perry und Band

Support-Act: Tove Styrke

 

Rezension:

„WITNESS: The Tour“ ist Perrys erste Tour seit der „Prismatic“-Welttournee 2014/15. Damals spielte die Musikerin ein Mammut-Programm von 150 Konzerten.

Mit ihrem Album «Witness» findet Katy Befreiung in den Veränderungen ihres eigenen Lebens und in der Welt um sie herum, in dem sie Songs liefert, welche sowohl die Gedanken als auch die Bewegung inspirieren. Die bislang veröffentlichten Singles wie das platinveredelte «Chained To The Rhythm» mit Skip Marley und der neue Song «Bon Appétit» mit Migos und «Swish Swish» feat. Nicki Minaj zeigen die musikalische und thematische Bandbreite des neuen Albums.

Bombastische Bühnenshow im „Wädlitempel“

Support-Act Tove Styrke
Support-Act Tove Styrke

Nach der, als Support Act engagierten Tove Styrke, bei der die Tontechniker den „leiser“ Regler nicht gefunden hatten, deshalb überschlug sich und widerhallte alles, dauerte es geschlagene 50 Minuten bevor sich der Main Act, also Katie Perry auf die Bühne bequemte, dies tat sie dann aber schwebend  aus einem Sternengerüst heraus und hernieder, dabei eine Kurzversion des Show Intros „Witness“ intonierend, um eine zweistündige Show zu zelebrieren, Auf der riesigen Showbühne hatte sich bereits ihre Band platziert. Diese bestand aus je einem Keyboarder, Schlagzeuger und Bassisten, ergänzt durch zwei Gitarristen und eine Gitarristin.

Der Sängerin Hang zur Reizüberflutung.

Katy Perry auf ihrer Welttournee  Witness The Tour  Bild  Paul Bergen Keystone
Katy Perry auf ihrer Welttournee Witness The Tour Bild Paul Bergen Keystone

Der in rosa Zuckerwatte gepackte Girlie Event im Zürcher Hallenstadion lockte sehr viele Besucher an, die Halle war praktisch ausverkauft. Die Zielgruppe, kreischende weibliche Teenies samt mütterlichem Anhang bevölkerte die Halle. Die Künstlerin betet eine bemerkenswerte physische Leistung, mit den Tanzeinlagen und all den anstrengenden Turneinlagen, auch nicht jederfau Sache, wie sie sich meterhoch über dem Hallenboden ungesichert auf einer Schaukel durch den Raum schweben lässt.

Ein richtiges Mutter mit Teenie Töchtern Konzert

Katy Perry auf ihrer Welttournee Witness The Tour, Szenenfoto
Katy Perry auf ihrer Welttournee Witness The Tour, Szenenfoto

In Zürich führt Perry ein halbes Dutzend knalliger Kostüme vor, spielt ein bisschen Gitarre und schlägt das Rad, während die sechs Musiker und acht Tänzerinnen um sie herumwirbeln. Ausserdem gondelt sie auf einem Planeten durch die Halle, wird von überdimensionalen Salz- und Pfefferstreuern gewürzt und bei «I Kissed a Girl» – ihrem ersten Hit von 2008 – von einem ebenso riesigen Kussmund verschlungen. Dazwischen übt die Entertainerin ein paar Brocken Schweizerdeutsch («Hoi zäme! – Heb Pfrässi!») und wirft mit einem Vater-Sohn-Fanduo überdimensionale Basketbälle in einen Korb. Irgendwann kommt dann auch der legendäre Left Shark auf die Bühne, jener aus dem Takt geratene Tanz-Haifisch von Perrys Super-Bowl-Auftritt 2015, der jetzt mit den Füssen Piano spielen kann.

Katy Perry auf ihrer Welttournee Witness The Tour, Szenenfoto
Katy Perry auf ihrer Welttournee Witness The Tour, Szenenfoto

Leider dauert diese Sequenz überlang und die Stimmung lässt hörbar nach. Die Musik dringt über weite Strecken übersteuert und matschig aus den Boxen, Hauptsache, es steppen die Riesenflamingos oder es wird Poledance an übergrossen Blumen vollführt. Erst bei ruhigeren Nummern wie «Into Me You See» spürt man so etwas wie Anmut und Kraft. Nur: Eigentlich wollte Katy Perry ja seit der letzten US-Präsidentschaftswahl, bei der sie Hillary Clinton supportete, viel weniger Budenzauber fabrizieren und stattdessen «purposeful pop» machen – also entschlossener, aktueller und kantiger klingen. Davon ist in Zürich wenig zu spüren, es sei denn, man entdecke Abgründiges darin, wenn die Sängerin «bubbles» auf «troubles» reimt, während sie durch ihr überzuckertes Fantasieuniversum swisht.Die Stimme in den hohen Passagen eher etwas wackelig und professionell vom Play-back abgelöst – eben mehr Show als Stimme. Diese war aber wirklich gigantisch. Und wer geht schon an ein Konzert der hübschen Dame, um nur Ihre Stimme zu hören? Den Fans hats gefallen und sie sparten denn auch nicht mit Applaus und lautem Kreischen, bis sie ihre Zugaben bekamen. Das Ganze ist eine Mischung aus Disneyworld, Moulin Rouge Revue, Cirque du Soleil und Friedrichstadtpalastshow

Ein paar Videotrailer der Show:

https://youtu.be/Mgr6I74ZggY

https://youtu.be/6SADgpUClkAh

https://youtu.be/3glCsuH9TfI

https://youtu.be/g4xkiQ4RORc

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:

http://www.abc-production.ch/index und

www.katyperry.com

 

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Luzerner Sinfonieorchester, Unbekannte Schätze russischer Musik am Zaubersee gehoben

Intendant Numa Bischof Ullmann Foto Ingo Hoehn

Acht Konzerte an drei Veranstaltungsorten und ein begeistertes Publikum.
Die siebte Ausgabe des Zaubersee-Festivals bot zahlreiche Meisterwerke sowie unbekannte Schätze russischer Komponisten und festigte seinen Ruf als hochkarätiges Kammermusikfestival für russische Musik.

Von Mittwoch, 30. Mai bis Sonntag, 3. Juni veranstaltete das Luzerner Sinfonieorchester die siebte Ausgabe des Zaubersee-Festivals. In sieben Kammermusikveranstaltungen im Hotel Schweizerhof und in der St. Charles Hall Meggen traten Künstler wie die Cellisten Mischa Maisky, Truls Mørk und Christian Poltéra, die Mezzosopranistin Ekaterina Semenchuk oder die Pianisten Behzod Abduraimov und Stanislas Ioudenitch auf.

Behzod Abduraimov und Luzerner Sinfonieorchester_©Ingo Hoehn

Im Rahmen eines Sinfoniekonzerts im KKL Luzern gelangte unter der Leitung von James Gaffigan das zweite Klavierkonzert von Sergei Rachmaninoff zur Aufführung. Das Publikum bedankte sich dafür beim Luzerner Sinfonieorchester und beim Solisten Behzod Abduraimov mit stehenden Ovationen. Abduraimov, der erste Artist in Residence am Zaubersee-Festival, zeigte sich während der fünf Tage nicht nur im grossen Konzertrepertoire, sondern auch als versierter Kammermusiker und als Rezitalist.

Am Zaubersee wurden dieses Jahr aber auch unbekannte Schätze geborgen: In einer Welturaufführung spielte das Quatuor Danel die beiden Werke Improvisation und Romanze von Mieczyslaw Weinberg. Weinberg (1919-1996) nahm in der sowjetischen Musikszene zwar eine Aussenseiterrolle ein, inspiriert Musiker aber bis heute. Ebenfalls neuartig und aussergewöhnlich waren die Einführungen von Musikwissensschaftlerin und Cambridge-Professorin Marina Frolova-Walker sowie von Parfum-Experte Luca Turin.

 

Numa Bischof Ullmann, Künstlerischer Direktor und Gründer des Festivals Zaubersee, zeigt sich denn auch sehr zufrieden: «Die siebte Ausgabe von Zaubersee ist absolut gelungen». Die Auslastung lag mit nahezu 90% so hoch wie nie. Insgesamt zählte das Festival an den acht Konzerten rund 3‘000 engagierte Zuhörende, die aus der ganzen Schweiz wie auch aus dem Ausland nach Luzern reisten. Die gute Auslastung der Konzerte und die Rückmeldungen der Besucher zeigen, dass sich die Umbenennung des Festivals in «Kammermusikfestival russischer Musik in Luzern» gelohnt hat. «Das Publikum erhält so eine klarere Idee vom Inhalt des Zaubersee-Festivals», ist Bischof Ullmann überzeugt.  www.sinfonieorchester.ch

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Migros – Kulturprozent – Classics, Extrakonzert II Sächsische Staatskapelle Dresden, KKL Luzern, 31. Mai 2018, besucht von Léonard Wüst

Sächsische Staatskapelle Dresden
Sächsische Staatskapelle Dresden

Besetzung und Programm:

Sächsische Staatskapelle Dresden

    •  

      Carl Maria von Weber – Ouvertüre zur Oper „Oberon“

 

Rezension:

Die Sächsische Staatskapelle Dresden ist wohlbekannt in der Innerschweiz und jährlich an einem der Lucerne Festivals präsent und ebenso im Rahmen von Tourneen des Migros – Kulturprozent – Classic, wie an diesem Abend, in Begleitung des russischen Klaviervirtuosen Denis Mazujew (*11. Juni 1975 in Irkutsk).Auch der Russe ist in Luzern wohlbekannt und gern gesehen, bzw. gern gehört. Die Protagonisten wurden an diesem Migros Kulturprozent  Classics Konzert  im total ausverkauften Konzertsaal des KKL mit enthusiastischem Applaus willkommen geheissen. Karten für das Konzert wurden auf dem Europaplatz vor dem KKL fast wie Wertschriften gehandelt.

Brillanter Konzertauftakt mit Carl Maria von Webers Oberon Ouvertüre

Christian Thielemann, Dirigent
Christian Thielemann, Dirigent

Die am 12. April 1826 unter der musikalischen Leitung des Komponisten im Royal Opera House Covent Garden in London uraufgeführte Ouvertüre ist eher selten in einem Konzertprogramm gelistet, schade, hat sie doch, wenn so brillant wie von den Sachsen vorgetragen, einiges zu bieten. Beginnend mit romantischen Hornklängen und sanften Violinen, unterstützt von kurzen Einwürfen der Oboe und der Klarinetten, weitergeführt durch Trompetenklänge, alles schlussendlich unterlegt von den Streichern. Diese übernehmen schliesslich vehement das Diktat und absolvieren einige furiose Passagen, sodass man  vor seinem geistigen Auge, förmlich die Elfen über die Konzertbühne schweben sah. Thielemann, höchst konzentriert und angespannt, führte zügig durch die Partitur. Die Musiker wurden für diesen aussergewöhnlich furiosen Start in den Konzertabend mit grossem, stürmischem Applaus bedacht.

Franz Liszt – Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 A-Dur

Denis Matsuev Solist am Klavier
Denis Matsuev Solist am Klavier

Das zweite Klavierkonzert von Franz Liszt ist, für diesen Komponisten, eher untypisch, da viel weniger kaskadenartige Staccato als die andern seiner Werke, weniger für den spektakulären Effekt geschrieben und ruhiger, trotzdem technisch äusserst anspruchsvoll.

Nachdem der Steinway Flügel gerichtet war, betrat, unter grossem Applaus, der Solist des Abends, Denis Matsuev, die Bühne. Das Orchester baut die Komposition, beginnend durch die Holzbläser, langsam feierlich dramatisch auf, in die der Solist dann einige flinke Läufe einfügt, die überflogen werden von einer Solosequenz des Horns, bevor der Pianist einige donnernde Tonkaskaden hin hämmert, die dann vom Orchester aufgefangen und weitergetragen werden. Matsuev, eher der Stoiker, agiert  kaum mit Körper und Gesten, was weniger stark nach aussen transportiert, wie schwierig die Partitur ist. So kommt dieses Werk weniger spektakulär rüber, als dies bei einem extrovertierten Showpianisten wie z.B. lang Lang der Fall ist. Der feinfühlige Russe dagegen, feilt lieber an den Nuancen in den ruhigeren Passagen, die er akzentuiert herausarbeitet, wie er es besonders ergreifend im Dialog mit dem Cello (Friedwart Christian Dittmann) zelebrierte.

Die Künstler, insbesondere der Solist durften einen verdienten, langanhaltenden Applaus entgegennehmen, die den Pianisten immer wieder auf die Bühne zurück rief, bis er doch noch eine kurze Zugabe gewährte und dann das begeisterte Publikum in die Pause entliess

2. Konzertteil Johannes Brahms – Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Hier kam die personelle, aber auch musikalische Grösse des Orchesters voll zum Tragen, manchmal drohte die Ausführung durch Thielemann aber fast ins Brachiale zu kippen, besonders in den Tutti wo er mittels vollem Körpereinsatz das Orchester vorwärtspeitschte, wogegen er die solistischen Passagen fein und gefühlvoll herausarbeitete, die Anleitungen nur mittels Fingerzeichen, Kopfbewegungen und Mimik vermittelte

Zu Beginn der Sinfonie heben die Geigen an mit einer getragenen Sehnsuchtsmelodie, die scheinbar aus dem Nichts kommt. Und doch ist bereits hier Brahms, der Konstrukteur, am Werk, denn das Intervall der Terz, das dieser Melodie zugrunde liegt, prägt den weiteren Verlauf der Sinfonie entscheidend. Im 1. Satz beherrscht es die Entwicklung, kehrt in den Folgesätzen sporadisch wieder, und wenn im Finale das düstere Chaconne-Thema erklingt, besteht auch hier die Basslinie aus einer wuchtigen Terzen Kette.

Der Sachsen fulminanter Ritt durch die Brahmsche Partitur

Dem Auditorium schien dieser Ritt durch die Partitur in der von den Protagonisten gebotenen Rasanz und Lautstärke, der in einem furiosen Finale endete, gefallen zu haben, überhäufte es die Sachsen doch mit tosendem Applaus und vereinzelten Bravorufen, auch die einzelnen Register durften sich über einen Extraapplaus freuen, zu einer stehenden Ovation reichte es aber nicht ganz.

Christian Thielemann, der Hans Dampf in allen Gassen?

Christian Thielemann Dirigent
Christian Thielemann Dirigent

Der ausgewiesene Wagner Spezialist Christian Thielemann ist, nebst seiner Tätigkeit bei der Sächsischen Staatskapelle und an der Semper Oper, ja auch noch musikalischer Direktor der Bayreuther Festspiele und ebensolcher bei den Osterfestspielen in Salzburg, wo „sein“ Orchester auch gleich noch das Residenzorchester ist. Zudem wird Christian Thielemann 2019 das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigieren. Zudem hat er viele Berufungen, als Gastdirigent bei einigen der weltbesten Orchestern tätig zu sein, also ein dicht gedrängtes Programm für den 59jährigen, gebürtigen Westberliner.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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