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Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Luzerner Theater, Roméo et Juliette Eine romantische Oper von Charles Gounod, Premiere, 2. November 2018, besucht von Léonard Wüst

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Produktionsteam

Regisseur Vincent Huguet
Regisseur Vincent Huguet

Musikalische Leitung: Clemens Heil Inszenierung: Vincent Huguet Bühne: Aurélie Maestre Kostüme: Clémence Pernoud Licht: Bertrand Couderc Dramaturgie: Rebekka Meyer Choreinstudierung: Mark Daver

Besetzung:

Diego Silva (Roméo) Regula Mühlemann (Juliette) Sarah Alexandra Hudarew (Gertrude) Robert Maszl (Tybalt) Flurin Caduff (Graf Paris) Jason Cox (Graf Capulet) Martin Roth (Grégorio) Abigail Levis (Stéphano) Kihun Koh (Benvolio) Bernt Ola Volungholen (Mercutio) Vuyani Mlinde (Frèrè Laurent) Chor und Extrachor des LT Luzerner Sinfonieorchester

Rezension:

Die Vorfreude war gross in Luzern, aber natürlich ebenso die Erwartungen. So wohnte denn auch „tout Lucerne“ der Premiere bei, die natürlich ausverkauft war. Was nach der Programmierung der Gounod Oper fast etwas nach „Mühlemann Gala“ roch, erwies sich anlässlich der Première als kompaktes Ganzes, agierten doch alle andern Beteiligten auf Augen- bzw. Stimmhöhe mit der weltweit gefeierten Lokalmatadorin.

Heimspiel für die weltweit gefeierte Sopranistin

Regula Muehlemann als Juliette Foto Marco Sieber
Regula Muehlemann als Juliette Foto Marco Sieber

Mühlemann „Back tot he roots“. Die Adligenswilerin kehrt als Juliette in Vincent Huguets Inszenierung von «Roméo et Juliette» auf die Theaterbühne ihrer Heimatstadt zurück, wo sie ihre ersten Bühnenerfahrungen sammelte. Diego Silva gibt in Luzern sein Rollendebüt als Roméo. «Brautnacht, süsse Nacht der Liebe! Das Schicksal hat unaufhörlich uns verbunden. Oh Lust zu leben, oh übermächtiger Zauber! Dein süsser Blick lässt mich erbeben, deine Stimme raubt die Sinne mir. Deine glühenden Küsse erschliessen mir den Himmel. Die Seele habe ich dir gegeben, dir, nur dir.» Wenn die Stimmen von Roméo und Juliette ineinander verschmelzen, ist das pures Glück und düstere Vorahnung zugleich: Zu Recht, denn der heranbrechende Tag wird ihr letzter sein. Charles Gounods 1867 in Paris uraufgeführte Oper über das Liebespaar schlechthin ist mit seinen rasanten Tanzmusiken, Kampfszenen, intimen Duetten und farbenreichen Koloratur- Arien eine der emotionalsten Bearbeitungen des Shakespeare’schen Stoffes überhaupt. In der Inszenierung von Vincent Huguet stehen die beiden jungen Liebenden für eineGeneration, die alten Hass vergessen und einander und das Leben lieben will. Dafür bringt der französische Regisseur ein Luzerner Liebespaar der ganz besonderen Art auf die Bühne des LT.

Regula Mühlemanns starke Präsenz als Juliette

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Regula Mühlemann ist Juliette. Die gebürtige Luzernerin startete ihre Karriere in der Luzerner Kantorei, studierte an der Hochschule ihrer Heimatstadt und ist heute weltweit an allen bedeutenden Konzertsälen und Opernbühnen zu Hause. Diego Silva gab sein Debüt in «Roméo et Juliette» an der New Yorker Metropolitan Opera – dort als Tybalt. Sein Rollendebut als Roméo gibt er auf der Bühne des Luzerner Theater. Das Luzerner Sinfonieorchester stand unter dem souveränen, wohltuend zurückhaltenden Dirigat von Musikdirektor Clemens Heil.

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Regula Mühlemann und Diego Silva sind nicht nur ein stimmlich, sondern auch darstellerisch passendes tragisches Liebespaar. Wunderbar wie sie sich in ihre Verliebtheit fallen lassen. Imponierend wie sicher und markant der mexikanische Tenor seine Partie mit Leben und vokaler Leidenschaft ausfüllt. Vom Liebesversprechen „Ah! Ne fuis pas encore“ bis zum Liebestod „Viens, fuyons au bout de monde“ ließen sich die beiden Sänger im Zentrum beherzt aufeinander ein. Aber nicht nur die Titelhelden überzeugen: Sarah Alexandra Hudarew als Juliettes gouvernantenhafte Amme und Robert Maszl als Scharfmacher Tybalt auf der Seite der Capulets. Bei den Montagues brilliert Abigail Lewis in der „Hosenrolle“ von Romeos Pagen Stéphano, während Bernt Ola Volungholen und Kihun Koh als Romeos rauflustige Freunde Mercutio und Benvolio mit ihrer Bühnenpräsenz punkten. Vuyani Mlinde ist der trinkfeste Pater Laurent, den Romeo als Verbündeten seiner Liebe erstmal auf Trab bringen muss. Bernt Ola Volungholen und Robert Maszl duellierten sich „Hollywood stuntreif“ bevor sie nacheinander, genauso bühnenreif, das Zeitliche segneten.

Hommage an Renaissance Ikone Michelangelo

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

Die Situation, als Julia in einen todähnlichen Schlaf fällt, stellt Regisseur Vincent Huguet dar, wie eine Hommage an die „Pieta“ von Michelangelo Buonarotti. Das Bühnenbild recht düster gehalten, mit den vielen Statuen und Büsten, die Vergangenheit heraufbeschwörend, von der sich die beiden Liebenden verabschieden und die jahrzehntelange, zuweilen gar tödliche Feindschaft der beiden Clans der Capulets und Montagues beenden wollen. Dem steht, nebst der Tradition, auch noch die, von Julias Vater  vorbestimmte Hochzeit seiner Tochter mit deren Verehrer Paris diametral entgegen. Da sind die grossen Konflikte vorprogrammiert, das Drama nimmt unweigerlich seinen vorbestimmten Lauf.

Auch andere setzten Glanzpunkte

Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn
Romeo et Juliette Szenenfoto von Ingo Hoehn

In der Rolle des Vaters glänzt Jason Cox sowohl schauspielerisch wie gesanglich. Ebenso überzeugend Vuyani Mlinde als Frère Laurent.

Das Premierenpublikum geizte nicht mit Szenenapplaus, einige davon sogar garniert mit Bravorufen. Dieser Szenenapplaus fiel natürlich besonders gross aus, wenn Regula Mühlemann  in ihren Koloraturpassagen brillierte.

Trotz allem, das tragische Ende ist seit über 400 Jahren nicht abzuwenden, aber obwohl die beiden Liebenden durch gemeinsamen Suizid sterben, bleiben sie weiterhin unsterblich, noch ein bisschen mehr vielleicht, dank der in allen Belangen gelungenen Produktion am Luzerner Theater.

Der grosse Schlussapplaus mündete schlussendlich in eine „Standing Ovation“, an dem auch die Produktionsverantwortlichen teilhaben durften.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Hoehn:

fotogalerien.wordpress.com/2018/11/03/luzerner-theater-romeo-et-juliette-eine-romantische-oper-von-charles-gounod-premiere-2-november-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Kurzer Trailer der Produktion:

https://www.luzernertheater.ch/romeoetjuliette

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos:  Ingo Hoehn www.luzernertheater.ch

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Ein Buch trifft die Stimmung des Sees, von Willi Bürgi, Sursee

Buchhändler Samuel Budmiger gratuliert Marietheres Bürgi für die gelungene Vernissage.

Buchhändler Samuel Budmiger gratuliert Marietheres Bürgi für die gelungene Vernissage. 

In Sursee fand die Buchvernissage eines Werkes von Louis Gut statt, das der Autor in den 1920er Jahren zwar mit viel Fleiss komponiert hat, das er aber in ein Album legte, statt es zu veröffentlichen.

Im Rückblick erweist sich sein Bild des Sempachersees als stimmiges Dokument einer Zeit, die zwar die «Errungenschaften» der modernen Technik feierte, sich aber auch vor deren Entwicklung fürchtete.

Applaus für die LektorInnen Marietheres Bürgi und Rolf Winz (hinten).

Applaus für die LektorInnen Marietheres Bürgi und Rolf Winz (hinten).

Louis Gut (1886 – 1957) beschrieb damals den See im Stil der späten oder der neuen Romantik, liess aber immer wieder durchblicken, auf welchem Grat sich der Mensch bewegte. Die Zerstörungen und die Abartigkeit des Ersten Weltkrieges im Rücken, wagte er es nicht mehr, an eine heile Welt zu glauben, und fiel in seinen Gedichten immer wieder in die menschlichen Abgründe hinab.

Kompromissloser hielt er an der stillen Natur auf seinen Bildern fest. Zwar klingt auch da die labile Stimmung der Jahrhundertwende an, aber er drückt sie im Stil der Zeit (Böcklin und Segantini) aus. Seine Fotos vom stillen See sind unzweifelhaft von den Künstlern seiner Zeit beeinflusst und strahlen deren Kraft aus.

Guts Buch zum Sempachersee ist nun im neuen Kleinverlag «Edition Waldburga» erschienen. Es stiess bei der Präsentation in der Buchhandlung am Untertor in Sursee auf ein sehr positives Echo und rief Erinnerungen wach – an Zeiten, in denen die Schweizer Mittellandseen noch nicht unter dem heutigen Dichtestress standen. Die Seen spielten noch eine Hauptrolle im Gefüge der Landschaften. Heute versinken sie allzu leicht im Lichtermeer der zusammenhängenden Siedlungen an ihren Ufern. Dass man am Sempachersee diese Stille noch heute erahnen und erleben kann, macht ihn und wenige andere Seen noch immer zum Magneten für die Menschen.

Viele gespannte Zuhörerinnen und Zuhörer vor prachtvoller Buchkulisse

 Viele gespannte Zuhörerinnen und Zuhörer vor prachtvoller Buchkulisse

Louis Gut war bis in die zehner Jahre Bauer in Kaltbach bei Sursee und zog 1923 als Privatmann nach Sursee an den See. Hier konnte er endlich dem nachhangen, was seit Jahren seine Leidenschaft war, dem Dichten und Denken, wie er es bei den deutschen Klassikern zuhause gelernt hatte. An seinem neuen Ort erarbeitete er zunächst dieses lyrische und historische Porträt des Sees.

Louis Gut, Mein stiller See. Poetische Texte und Fotos aus den zwanziger Jahren. Edition Waldburga, Sursee, 84 Seiten. Fr. 20.-

Zu beziehen in der Buchhandlung oder direkt beim Verlag:

Edition Waldburga

Bellevueweg 2

6210 Sursee

Tel. 041 921 27 92, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein., www.edition-waldburga.ch

 

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Orchestre Révolutionnaire et Romantique/Monteverdi Choir

Orchestre Révolutionnaire et Romantique/Monteverdi Choir KKL Luzern, 30. Oktober 2018, besucht von Léonard Wüst

Orchestre Révolutionnaire et Romantique/Monteverdi Choir
Orchestre Révolutionnaire et Romantique/Monteverdi Choir

Besetzung und Programm:

Orchestre Révolutionnaire et Romantique/Monteverdi Choir

Rezension:

Monteverdi Chor
Monteverdi Chor

Der Tod des von Verdi hochgeschätzten Dichters Alessandro Manzoni 1873 veranlassten Verdi, die Totenmesse zu vertonen. Die Uraufführung in der Kirche San Marco in Mailand am 22. Mai 1874 war ein Ereignis von nationaler Bedeutung. Verdis Kirchenmusik beeindruckte durch ihre opernhafte Grösse und Dramatik (besonders im «Dies irae»). Andere wieder, die Kirchenmusik als eher intime Musik verstehen, waren befremdet, wie Hans von Bülow, der im Requiem eine «Oper im Kirchengewande» sah. Im Requiem vertont Verdi eine einzige große Drohung, nämlich, dass der schwer sündenbeladene Mensch am „Tag des Zorns“ vor dem Jüngsten Gericht antreten muss, verängstigt um Gnade fleht, um der Hölle noch zu entgehen.

Niederschmetternde Wirkung der Interpretation durch Gardiner

Sir John Eliot Gardiner (Dirigent)
Sir John Eliot Gardiner (Dirigent)

Die Wirkung die der, im Jahre 1998 von Prinz Charles zum Sir geadelte John Eliot Gardiner erzielt, ist alles andere als ein angenehmes, gar unterhaltsames Hörvergnügen – sie ist verstörend brutal. Diese Interpretation will erschüttern, und sie tut es in jeder Sekunde. Bar allen Romantischen, konfrontiert der Komponist den Zuhörer mit der existentiellen Angst vor dem eigenen Tod.

Prädestiniertes Orchester für dieses Gewaltwerk

Ann Hallenberg (Mezzosopran)  Foto Oerjan Jakobsson
Ann Hallenberg (Mezzosopran) Foto Oerjan Jakobsson

Das Orchestre Révolutionnaire et Romantique bildet eine Einheit, wie es jedes große Orchester tut, wie es ja der Sinn eines Orchesters ist, doch an jedem Opernabend, in jedem Konzert, gibt es hier und da eine Schwäche, eine klitzekleine Unsauberkeit, die gerade gehört schon wieder vergessen ist. Einfach diese kleine Menschlichkeit, doch zumindest heute war hier alles perfekt, saß jeder Bogenstrich, jeder Ton, gab es keine Unstimmigkeit im Tempo zwischen Musikern und Sängern.

Gianluca Buratto (Bass)
Gianluca Buratto (Bass)

Dies gilt auch für den Monteverdi Chor, der nicht nach viele verschieden Stimmen klang, sondern einfach homogen. So wurden die a-capella gesungenen Passagen, so kurz sie auch sein mögen, zu einem zarten Genuss für die Ohren, gleich- bei dem Vergleich mit dem Lebensspender „Wasser“ zu bleiben,- einem sanften Sommerregen und die machtvollen, immer wiederkehrenden Fortissimo-Passagen besonders des „Dies irae“, aber auch des „Lacrimosa“oder noch mehr des doppelchörigen „Sanctus“ reißen den Zuhörer mit, wie mittlere bis hohe Sturmwellen. Es ist eben ein Markenzeichen Verdis, das nicht nur für sein kirchliches Werk gilt: Er ist ein Meister der Chöre.

Vier Solisten. Nicht mehr, nicht weniger als vier Teile eines vielteiligen Ganzen

Corinne Winters (Sopran)  Foto Fay Fox
Corinne Winters (Sopran) Foto Fay Fox

Doch er ist auch ein Meister der ausdrucksstarken Solostücke, Duette und Quartette für Solisten, die ihr Handwerk sowohl mit ihrer Stimme, als auch mit Seele und Herz ausüben. Und davon standen vier hervorragende auf der Bühne, platziert neben dem Dirigenten. Eigentlich unfair, den Bassisten besonders zu erwähnen, aber Gianlucca Buratto stach, nebst Mezzosopranistin Ann Hallenberg, besonders ins Ohr. So volltönend wie Burattos Bass so hell ist die Stimme des litauischen Tenors Edgaras Montvidas. Sein  „Ingemisco“ berührt, gerade auf Grund des hellen Timbres, dass eher den Eindruck eines Jünglings vermittelt der darum bittet, auf die „rechte Seite“ gestellt zu werden, als an einen sündigen Mann. Montvidas Stimme ist lyrisch und doch kraftvoll. Reif, voll und von einem ungewöhnlich großem Umfang ist die Stimme von Mezzosopranistin Ann Hallenberg. Ihre Stimme klingt ungewöhnlich, hat Widererkennungswert und sie harmoniert in Klang, Hingabe und im Ausdruck auf wunderbare Weise mit der amerikanischen Sopranistin Corinne Winters. In ihren gemeinsamen Passagen, dem „Recordare“, wie dem „Agnus die“ scheinen sie wie zwei Wellen, die zu einer werden. Beide Künstlerinnen berühren auch einzeln mit ihrem Gesang, doch gemeinsam klingen sie vollkommen, atmen über weite Teile gar im Einklang. Winters Sopran ist von einer Reinheit, bei der sich in diesem christlichen Werk, das Adjektiv „engelsgleich“ geradezu aufdrängt. Sie führt ihre Stimme mit einer Leichtigkeit in kristallklare Höhen, doch weder die Tiefen, noch die Mittellagen scheinen ihr Schwierigkeiten zu bereiten. Ihre Emphase und Hingabe berührt spätestens bei ihrem letzten „Libera me“ so tief, dass es den Zuhörer wohlig fröstelt.

Edgaras Montvidas (Tenor)  Foto Rokas Darulis
Edgaras Montvidas (Tenor) Foto Rokas Darulis

Das Auditorium im praktisch vollbesetzten Konzertsaal zeigte sich denn auch begeistert von diesem Gesamtkunstwerk und belohnte die Protagonisten mit einer stehenden Ovation, was diese sichtlich erfreute.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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Impression der Produktion

Teatro alla Scala Milano, La finta giardiniera, W.A. Mozart, 23. Oktober 2018, besucht von Léonard Wüst

Impression der Produktion
Impression der Produktion

Produktion und Besetzung:
Dirigent Diego Fasolis, Staging Frederic Wake-Walker,

Sets and costumes Antony McDonald, Lights Lucy Carter

Podestà Kresimir Spicer, Sandrina Hanna-Elisabeth Müller, Arminda Anett Fritsch, Belfiore Bernard Richter, Ramiro Lucia Cirillo, Serpetta Giulia Semenzato, Nardo Mattia Olivieri

Rezension:

Impression der Scala innen
Impression der Scala innen

Der Traum eines jeden Opernfans, der Besuch einer ebensolchen im „Teatro alla Scala“ in Mailand. Am 23. Oktober war es für mich endlich soweit. Nachdem die ersten drei Tage meines Aufenthaltes in Mailand nicht grad unter einem günstigen Stern standen, freute ich mich umso mehr auf den ersten Abend im „Teatro alla Scala“, dem weltberühmten „Tempel der Oper“. Da es sich ja äusserst gut macht, einen Tempel in Begleitung einer Göttin zu betreten, hatte ich im Vorfeld dafür gesorgt, dass mir eine ebensolche, in der Person von Esther Ottiger, Frau eines guten Kollegen, zur Seite stand. Nach dem typisch italienischen Nachtessen in einem der nahegelegenen Restaurants, begaben wir uns frühzeitig zum Kassabereich im linken Gebäudeteil. Schon fast nicht mehr überraschend, dass ich auf der Presseliste nicht aufgeführt war. Glücklicherweise hatte ich die Akkreditierungsbestätigung (für 2 Personen) ausgedruckt, sodass wir die Tickets nach einigem hin und her und diversen Telefonaten ausgehändigt erhielten und uns ins Foyer zur Abholung eines Programms begaben. Fast ehrfürchtig betraten wir dann die heiligen Hallen, den grossen Saal der „Scala“, nahmen Platz auf unseren Plätzen der besten Kategorie. Wir waren bei weitem nicht die einzigen „Frischlinge“ wie ein Rundumblick bestätigte. Bald ertönten auch schon die ersten Takte der Ouvertüre durch das, unter der Leitung von Diego Fasolis auf historischen Instrumenten spielenden, Orchestra del Teatro alla Scala.

Verwirrende, verworrene Irrwege der Liebe im passenden Bühnenbild

Die zwei Scala Frischlinge gespannt auf die Vorstellung wartend
Die zwei Scala Frischlinge gespannt auf die Vorstellung wartend

Dann Vorhang auf: ein wunderbar ästhetisches Bühnenbild: eine Art Patio in einem feudalen herrschaftlichen Haus. Der Diener Nardo, der die vermeintliche Gärtnerin Sandrina (die in Wirklichkeit die Gräfin Violante Onesti ist) begleitet, ist selbst Gärtner und kümmert sich um Kakteen. Er ist verliebt in das Dienstmädchen Serpetta, die von ihm jedoch nichts wissen will, weil sie ein Auge auf Don Anchise (Il Podestà) geworfen hat. Dieser hat eine Nichte, Arminda, welche er mit dem Conte Belfiore vermählen will. Letzterer hatte in einem Anflug von Leidenschaft die Gräfin Onesti tätlich angegriffen. Da er annahm, sie ermordet zu haben (!), floh er. „Sandrina“ versucht (aus Rache oder aus Liebe?), seine Spur aufzunehmen und hat sich deswegen als Gärtnerin einstellen lassen. „Zufällig“ begegnen sie sich beim Podestà. Um das ganze Wirrwarr noch unübersichtlicher zu machen, wohnt in diesem Hause auch noch Ramiro, ein ehemaliger Liebhaber von Arminda, der sie noch immer liebt… Dreimal darf jetzt geraten werden, welche Paare sich am Schluss der Oper zusammenfinden!

Komponist Mozart und Librettist Stierle als Vorreiter des Feminismus?

Der Salon, in dem sich die Geschichte abpielt
Der Salon, in dem sich die Geschichte abpielt

So verworren das auch klingt, erstaunlich feministisch ist doch der Text. Die Männer sind allesamt ziemliche Weichlinge; die Frauen haben das Zepter in der Hand. Die Musik von Mozart ist wunderbar leicht, trägt die Komödie, schlägt aber auch in Ernsthaftigkeit um oder wird poetisch, symphonisch (beim Erwachen der beiden Liebenden Violante und Belfiore z.B.). Obwohl Mozart dieses Werk bereits 1774 komponierte, sind daraus bereits „Figaro“ und „Così“ wie auch „Don Giovanni“ zu erahnen. Librettist Johann Franz Xaver Stierle stellte poetisch der „Giardiniera“ (Gärtnerin) den Herrn Belfiore (Schönblume) zur Seite.

von links Arminda, Belfiore, Marchesa, Ramiro
von links Arminda, Belfiore, Marchesa, Ramiro

Die ersten beiden Akte enthalten großangelegte, effektvolle Finali. Im zweiten Akt fasst Mozart das Finale mit mehreren vorhergehenden Arien und Rezitativen zu einer großen, die Grenzen der zeitgenössischen Nummernopern sprengenden Szene zusammen.

Auftragskomposition für einen Karneval

Die 7 Protagonisten auf der Bühne der Scala
Die 7 Protagonisten auf der Bühne der Scala

Mozart komponierte diese Boulevardkomödie im Alter von grad mal 18 Jahren als Auftragswerk für den Münchner Karneval. An der Scala präsentiert sich die „Giardiniera“ in einer äusserst amüsant, rasanten Inszenierung von Frederic Wake-Walker mit überragenden Stimmen, bei der einem, trotz einer Länge von 3 ½ Stunden, inkl. Pause,  nie langweilig wurde, umgesetzt im Bühnenbild von Antony McDonald, der ebenfalls für die  Entwürfe der Kostüme zeichnete. Dies in einer Koproduktion mit der Glyndebourne Festival Production. Hanna-Elisabeth Müller als Giardiniera glänzte ebenso wie Annett Fritsch als ihre Konkurrentin. Lucia Cirillo, in der Rolle des Ramiro, dank grossem schauspielerischen Rucksack, eine prädestinierte Mezzosopranistin für „Hosenrollen“, hat sie doch auch die Rolle des Octavian im Rosenkavalier von Richard Strauss in ihrem Repertoire. Auch die andern Protagnistinnen zeigten sich von ihrer besten Seite, unterstützt von einem grossartigen Hausorchester unter der magistralen Leitung des 1958 in Lugano geborenen Diego Fasolis. Eine Opera buffa, wie sie sein muss, ein vergnüglicher Abend mit wunderschöner Musik, einem homogenen Ensemble und einer Inszenierung, die das schwierig umzusetzende Werk zugänglich macht. Das Publikum zeigte sich denn auch beeindruckt und war begeistert, wie sich aus dem langanhaltenden Schlussapplaus schliessen liess.

Die Protagonisten geniessen den Schlussapplaus
Die Protagonisten geniessen den Schlussapplaus

Kleine Fotodiashow der Produktion:

fotogalerien.wordpress.com/2018/10/14/la-finta-giardiniera-von-w-a-mozart-teatro-alla-scala-milano-23-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Link auf Ernani von G. Verdi an der Scala, 25. Oktober 2018

https://innerschweizonline.ch/wordpress/teatro-alla-scala-mailand-ernani-giuseppe-verdi-25-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Link auf Stadtrivalenderby Inter Mailand vs. AC Mailand, Giuseppe-Meazza-Stadion Mailand, 21. Oktober 2018, besucht von Léonard Wüst

https://innerschweizonline.ch/wordpress/stadtrivalenderby-inter-mailand-vs-ac-mailand-giuseppe-meazza-stadion-mailand-21-oktober-2018-besucht-von-leonard-wuest/

Link auf Mailandstory Teil 2: Thelonious Sphere „T. S.“ Monk, Jr. Konzert, Leonardo3 Museum usw.

https://innerschweizonline.ch/wordpress/mailandstory-teil-2-thelonius-monk-konzert-leonardo3-museum-usw/

Fotos: Esther Ottiger, Léonard Wüst und

http://www.teatroallascala.org/en/index.html

Text und Fotos : www.leonardwuest.ch

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