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Mnozil Brass, KKL Luzern, 10. Mai 2018, besucht von Léonard Wüst

Mnozil Brass
Mnozil Brass

Besetzung:

Thomas Gansch, trumpet/flügelhorn – Robert Rother, trumpet/flügelhorn – Roman Rindberger, trumpet/flügelhorn – Leonhard Paul, trombone/bass trumpet – Gerhard Füssl, trombone – Zoltan Kiss, tenor/alto trombone – Wilfried Brandstötter, tuba

Rezension:

Grundsätzliches über die Formation:

Mnozil Brass Gruppenfoto-mit-Plakat Cirque
Mnozil Brass Gruppenfoto-mit-Plakat Cirque

Die Musiker lernten sich als Studenten an der Musikuniversität Wien beim Musikantenstammtisch im „Mnozil“, einem ehemaligen Wirtshaus im 1. Bezirk in Wien, kennen. 1992 entwickelte sich aus der losen Musikantenstammtisch-Spielerei diese Formation. Das Repertoire des Bläserseptetts umfasst typische Blasmusik, Schlager, Jazz und Popmusik bis hin zu Oper und Operette. Ihre Auftritte werden durch komödiantische Einlagen sowie durch Gesangsdarbietungen im Stile eines Musik-Kabaretts ergänzt. Mnozil Brass, die laut Eigenbeschreibung „lustigste Brass Band der Welt“, in jedem Fall Vorreiter in der zu dieser Zeit anlaufenden Welle Grenz- und Genre-überschreitender Bläsercombos. „Kein Ton zu hoch, keine Lippe zu heiß und keine Musik zu minder“, lautete ihr Schlachtruf des Septetts, den sie seither umfänglich mit Leben erfüllen. Mit musikkabarettistischen Nummernrevuen wie „Zimt“, „Smoke“ oder „Seven“, für die sie von Kritikern den Titel „Monty Pythons der Blasmusik“ und Preise wie den „Salzburger Stier“ bekamen, mit den Operetten- und Opernparodien „Das trojanische Boot“ (für die Ruhrtriennale geschrieben), „Irmingard“ und „Hojotoho“ (bei den Bayreuther Festspielen uraufgeführt), mit dem Krimi-Dramolett „Blofeld“ oder mit dem Soundtrack zum Kinofilm „Freundschaft“.

Cirque“, das aktuelle Programm ist, wie der Name schon andeutet,   eine Revue

Mnozil Brass
Mnozil Brass

„Cirque“ heißt der neueste Streich der sieben Blechbläser von Mnozil Brass, die – wie immer die Grenzen ihrer Instrumente auslotend – die Manege betreten, um dem Affenzirkus des Alltags Musik und Humor entgegen zu setzen und ihn so in einen kleinen, feinen Flohzirkus zu verwandeln und sei es nur für wenige Stunden…Die Welt ist rund. Der Mensch lacht. Kurz: Die Welt ist ein Zirkus. Eben un Cirque. Hört sich besser an.

Musik gemixt mit Slapstick, geht das?

Mnozil Brass
Mnozil Brass

Das funktioniert nur, wenn es so gekonnt gemacht wird, wie das die sieben  Wiener Blechbläser von „Mnozil Brass“ tun, sonst kann das schnell mal ins Lächerliche kippen. Stühle liegen verstreut auf der Bühne, da betritt ein Gelb – belatzthoster die Bühne, die Trompete in der einen, eine Baccararose in der andern Hand. Während er die Rose so entblättert, nach dem Ritus: Sie liebt mich, sie liebt mich nicht, entern die andern sechs Bandmitglieder die Bühne. Sie tun dies unter Intonation der „Melodie in F“ von Franz Liszt. Alle Musiker in äusserst schrägen Outfits und mit skurrilen Bewegungsabläufen und teils akrobatischen Verrenkungen.

Die Leitmelodie von „Der dritte Mann“ aus dem gleichnamigen, in Wien spielenden Film, dient als Parodiegrundlage für die nun folgenden chaotischen Aktionen, Turbulenten und Verwirrungen auf der Bühne. es folgen noch weitere, weniger bekannte Melodien, zu denen die einzelnen Musiker ihr individuelles Können demonstrieren können.

2. Konzertteil: Eine grandiose Version der „Fledermaus“ von Johann Strauss.

Mnozil Brass
Mnozil Brass

Fulminant geht es nach der Pause weiter, mit einem Leitmotiv der „Fledermaus“ erhalten die Protagonisten auch die Gelegenheit, ihr hohes musikalisches Niveau unter Beweis zu stellen und das Publikum zu begeistern. Und dass sie ihre Instrumente meisterhaft beherrschen, demonstrieren sie Stück für Stück, daneben garnieren sie diese auch noch mit viel gutem Klamauk, auch mal Ironie und gar Poesie. Beispielweise mit dem Tanz der Seifenblasen, ein ganz starker Moment der Show, die wahrlich nicht arm an Höhepunkten ist.

Musikalisch komödiantisch hochstehender Zirkus, gewürzt mit etwas Poesie

„Cirque“ ist, wie der Name schon andeutet, wieder mal eine Revue, in der die halbe Musikgeschichte verwirbelt und in Bilder und Geschichten aus der Zirkuswelt gekleidet wird. Ein „Erkennen Sie die Melodie“ in der Manege sozusagen, angespielt von einigen der weltbesten ihres Fachs, die sonst in renommierten klassischen und Jazz-Ensembles spielen. Pantomime, Slapstick und viel Clownerie verbinden sich mit der Musik, etwa wenn die Band ein imaginäres Grammophon einschließlich Leiern und Springen der Platte nachahmt. Hochvirtuos, hochkomisch und auch mal tief berührend, zum Beispiel,  wenn zum Abschluss der Trompeter Thomas Gansch als weißer Clown vergeblich versucht, ein Zauberer zu sein.

Zum Schluss setzen sie die Musiker noch an den Bühnenrand, blödeln und spielen noch etwas, werden lange gefeiert und beklatscht und gewähren noch eine Zugabe.

Trompeter Thomas Gansch als weißer Clown,Foto DANIELA MATEJSCHEK)
Trompeter Thomas Gansch als weißer Clown,Foto DANIELA MATEJSCHEK)

Einer nach dem andern verlässt das Rampenlicht, übrig bleibt der weisse Clown, der sich jetzt mit seinen Zaubertricks einen Extraapplaus ergattern möchte, aber eben, er  versucht vergeblich, den Trick nachzuahmen, den sein Kollege vorher so spielerisch einfach hingezaubert hat. Das Publikum leidet mit bei seinen unzähligen vergeblichen Versuchen, nur der auf die Bühne zurückgekehrte richtige Zauberer zeigt unverhohlen seine Schadenfreude und kann es nicht lassen, den Trick nochmals zu demonstrieren, seine vermeintliche Überlegenheit zur Schau zu stellen. Ein letztes Mal entern die Blechbläsercomedians die Bühne und geben noch eine fulminante Zugabe, die auch den weissen Clown zu trösten vermag. Diesen versöhnlichen Ausklang feiert das Auditorium erneut mit grossem, langanhaltendem Applaus, teilweise sogar mit stehender Ovation, zu der es von den Protagonisten mittels Gesten demonstrativ aufgefordert wurde.

Trailer: MNOZIL BRASS – CIRQUE // Teatro Nuevo Apolo (Madrid)

www.youtube.com/watch?v=yM7ydPhn880

www.youtube.com/watch?v=SgbNSUjAeug

www.youtube.com/watch?v=EU5nGBzNUzA

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.allblues.ch

und http://mnozilbrass.at/

Ein Konzert von www.allblues.ch und https://www.kkl-luzern.ch/de/

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Goran Bregovic & his Wedding & Funeral Band, KKL Luzern, 8. Mai 2018, besucht von Léonard Wuest

Goran Bregovic & his Wedding & Funeral Band
Goran Bregovic & his Wedding & Funeral Band

Besetzung:

Goran Bregovic, vocals/guitar The Gypsy Brass Band: Muharem Redzepi, trad.drums/vocals – Bokan Stankovic, trumpet – Dragic Velickovic, trumpet – Stojan Dimov, sax/clarinet – Milos Mihajlovic, trombone – Aleksandar Rajkovic, trombone The Bulgarian Voices: Ludmila Radkova-Trajkova, Daniela Radkova-Aleksandrova

Rezension:

Speziell schon der Beginn des Konzertes, marschierten doch die Bläser, zuerst die zwei Trompeter, dann die zwei Tubas, vom hinteren Teil des Saales, ihre Instrumente spielend, nach vorne auf die Bühne, wo bereits die anderen Bandmitglieder Aufstellung genommen hatten, der Schlagzeuger und Bregovic sitzend, dazu die zwei Sängerinnen Geschwister Radkowa in bulgarische Trachten gehüllt und der Saxophonist/Klarinettist Stojan Dimov. Dann waren sehr ungewohnte Klänge zu hören im Konzertsaal des KKL Luzern. Brachiale, archaische Melodien, nicht wie die übliche Balkanmusik mit vielen Gypsiejazz – und Klezmerbezügen, sondern geradeaus, stramm und laut. Das Programm ging quer durch die letzten CD-Veröffentlichungen, einiges stammt aus „Champagne for Gypsies“ und „Three Letters from Sarajevo“, wobei der grösste Teil des Gesangsparts vom Drummer Muharem Redzepi übernommen wurde.

Ausgelassene Partystimmung im ehrwürdigen Konzertsaal des KKL Luzern

Goran Bregovic
Goran Bregovic

Im Sommer soll eine neue CD erscheinen, von der wohl auch das eine oder andere Stück gespielt wurde, aber das ging im allgemeinen Trubel ein wenig unter. Denn wie immer beim „Orchester für Hochzeiten und Beerdigungen“ steigerte sich die Partystimmung von Stück zu Stück, bis in der zweiten Hälfte das Publikum stehend das Konzert mitverfolgte, tanzte, kreischte und klatschte. Das Orchester, welches jährlich ca. 100 Konzerte gibt und in wechselnden Besetzungen auftritt, kann, ergänzt durch Sänger des Männerchors der Serbisch-orthodoxen Kathedrale in Sarajevo, schon mal über 40 Personen umfassen. Die Band ist so erfolgreich, dass dieses Konzert das einzige ist in der Schweiz in diesem Jahr. Zum Bandleader: Goran Bregović, der einen kroatischen Vater und eine serbische Mutter hat, bezeichnet sich selbst weiterhin als Jugoslawe. Darüber hinaus ist seine Frau Dženana Bosniakin.  Nachdem er seit Anfang der 1990er in Belgrad und Paris lebte, hat er sich im Juli 2011 dazu entschlossen, mit seiner Frau und seinen Kindern in seine Heimatstadt Sarajevo zu ziehen.

Aufgepeitschtes Publikum tanzt ab

Die Sängerinnen Ludmila und Daniela Radkova
Die Sängerinnen Ludmila und Daniela Radkova

Das Publikum, im praktisch ausverkauften Saal, liess sich mitreissen, selbst Frauen und Männer im Rentenalter tanzten mit und liessen sich zum mitklatschen animieren. Die hellen Stimmen der bulgarischen Sängerinnen konterkarierten ab und zu den Rhythmus der Trommel oder der E-Gitarre, aber meist machten die Bläser die Musik, regten die Damen zum gewagten Hüftschwung auf azurblauen High-Heels an oder versetzten die Grossmutter mit dem Ausdruckstanz in Trance. Nach etwa zwei Stunden und der Präsentation des Orchesters kamen die erwarteten Zugaben, von denen dann zum Schluss „Kalaschnikow“. Das Publikum tobt, der Saal bebt. Zu einer Polonaise durch das KKL, wie beim Konzert 2002, kam es dann aber doch nicht, aber tanzbar ist Bregovićs  Musik allemal und an Balkanpartys sind seine Songs nicht wegzudenken.

 

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: www.allblues.ch

und http://www.goranbregovic.rs/

Ein Konzert von www.allblues.ch und https://www.kkl-luzern.ch/de/

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Migros – Kulturprozent – Classics, Mariinsky Orchestra, KKL Luzern, 6. Mai, besucht von Léonard Wüst

Mariinsky Orchestra Leitung Valery Gergiev
Mariinsky Orchestra Leitung Valery Gergiev

Besetzung und Programm:

Mariinsky Orchestra

Valery Gergiev (Dirigent)

 

Rezension:

Valery Gergiev, Dirigent
Valery Gergiev, Dirigent

Das Mariinsky Orchestra, Hausorchester des gleichnamigen Theaters in Sankt Petersburg, war schon mehrmals u.a. im Rahmen der Migros – Kulturprozent – Classics in der Schweiz auf Tournee und hat starke Duftnoten gesetzt. Nun, diesmal mit Werken des in Sankt Petersburg verstorbenen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski und mit der 6. Sinfonie, einem Werk, das ebendort am 28. Oktober 1893 uraufgeführt wurde, markierten sie noch mehr Präsenz und überzeugten, unter dem souveränen Dirigat ihres Chefdirigenten Valery Gergiev, auf der ganzen Linie. obwohl es dramaturgisch geschickter gewesen wäre die 1. Sinfonie im zweiten Konzertteil, dafür die 6., die sogenannte „Pathétique“ im ersten Konzertteil zu programmieren. Dies, weil diese nicht in  furioses Finale mündet, sondern eher unspektakulär, gar fast unbemerkt endet, ähnlich der „Abschiedssinfonie“ von Joseph Haydn. Valery Gergiev führte meist nur mit Fingerzeichen, Händeschütteln und Kopfbewegungen durch die Partitur. Das Orchester stellte er ungewöhnlich auf, platzierte die Bratschen vis à vis den ersten Violinen. Die Bratschen spielen denn auch eine bedeutendere Rolle in Tschaikowskis 1. Sinfonie als in anderen Werken.

1. Konzertteil 1. Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Olga Volkova, Konzertmeisterin im ersten Konzertteil
Olga Volkova, Konzertmeisterin im ersten Konzertteil

Die Erste beginnt nicht mit einer langsamen Einleitung, sondern es setzt sogleich die Exposition ein. Soloflöte und Solofagott tragen im Doppeloktavabstand das melancholische Hauptthema über einem Tremolo Hintergrund der Violinen vor. Es wird von Bratschen und tiefen Streichern aufgegriffen und erreicht alsbald einen Höhepunkt. Das darauf folgende Seitenthema der Soloklarinette (D-Dur) ist mit dem Hauptthema motivisch verwandt. Ein drittes strahlendes Thema im Blech schließt die Exposition ab. Die Durchführung beschäftigt sich vor allem mit der Entwicklung des Hauptthemas in mehreren Steigerungswellen. Besonders kunstvoll ist bereits in dieser frühen Sinfonie die Rückleitung zur Reprise über einem Orgelpunkt der Bläser. In seiner 6. Sinfonie wird Tschaikowski ein ähnliches Verfahren anwenden, wenn auch ungleich dramatischer. Die Reprise selbst verläuft regulär. Eine kurze Coda beendet den formal abgerundeten Satz. Dirigent Gergiev konnte das Potential seines  sehr grossen Orchesters voll ausschöpfen, hatte Komponist Tschaikowski doch sehr üppig instrumentiert. Er tat dies aber nicht nur in Form von simpler Lautstärke, sondern wusste ausgezeichnet auch weichere, leisere Sequenzen auszutarieren.

Ungewöhnliche Umbesetzung für den 2. Konzertteil

Lorenz Nasturica-Herschcowici, Konzertmeister im zweiten Konzertteil
Lorenz Nasturica-Herschcowici, Konzertmeister im zweiten Konzertteil

Nach der Pause löste der erste Gastkonzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcowici  (leitet das Stradivari-Ensemble des Mariinsky Theaters) Olga Volkova als Konzertmeister ab. Er spielt eine Geige von Antonio Stradivari, „Rodewald“ von 1713 und agierte, rein körperlich gesehen, viel intensiver als Olga Volkova. Diese sichtliche Spielfreude übertrug sich hörbar auch auf das Orchester, welches so wachgerüttelt und zu engagierterer Spielweise animiert wurde.

2. Konzertteil 6. Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Charakteristisch beim letzten Werk von Tschaikowski ist der für Sinfonien ungewöhnliche, langsame Schlusssatz, dessen Ende an ein Requiem erinnert. Der 2. Satz, in Anlehnung an russische Volksmusikweisen im 5/4-Takt Tschaikowski betrachtete die Sinfonie als seine persönlichste und wichtigste Komposition. Die Uraufführung wurde verhalten aufgenommen. Tschaikowski, der 9 Tage nach der Uraufführung, die er in Sankt Petersburg selber dirigiert hatte, im Alter von 53 Jahre überraschend verstarb, erlebte den späteren Siegeszug der Sinfonie nicht mehr. Nach der Coda herrschte ungewöhnlich lange Stille, erst als der Dirigent tief durchatmete und etwas einsackte, begann der langanhaltende starke Schlussapplaus. Dieses Inneharren des Publikums ist eben der Tatsache geschuldet, dass die 6. Sinfonie nicht so spektakulär endet, wie man das sonst bei Sinfonien gewohnt ist.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

Homepages der andern Kolumnisten: annarybinski.ch  https://noemiefelber.ch/

www.gabrielabucher.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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Luzerner Theater, Väter, von und mit Luzerner Männern, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Luzerner Theater, Väter Foto Ingo Hoehn
Luzerner Theater, Väter Foto Ingo Hoehn

Besetzung und Produktion : Luzerner Männer

Inszenierung: Maximilian Merker Bühne und Kostüme: Sara Giancane Licht: Clemens Gorzella Dramaturgie: Martin Bieri, Angela Osthoff

Rezension:

Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn
Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn

Auf der Bühne des Luzerner Theaters stehen und liegen ein paar weisse Latten, Wände und Platten. Ein leiser Schauder: Die Elemente müssen zu einem dieser Do-it-yourself Möbel gehören! Sechs Männer erscheinen, der Schauder geht über in Neid. Zu sechst und dazu noch Männer…so ist das natürlich zu schaffen. In kürzester Zeit steht dann auch das Kinder-Hochbett, keine Schraube bleibt übrig, stabil ist es ebenfalls. Männersache eben doch, oder Vätersache? Ein Klischee, sicher, etliche Klischees werden demontiert im Stück «Väter» im Luzerner Theater.

Die neuen Väter

Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn
Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn

Während das Kinderzimmer auf der Bühne langsam Form annimmt, erzählen die sechs Väter, alles Laien, anfänglich von ihren eigenen Vätern und ihrer Beziehung zu diesen. Der 72-jährige Germanist Markus hat, oder hatte, ein anderes Verhältnis zu seinem Vater als der 34-jährige Journalist Michael, die Vaterrolle hat sich verändert über die Jahre. Die verschiedenen sozialen Hintergründe ändern ein Vaterbild ebenfalls; ein „Büezer“ lebt, denkt und reagiert anders als ein Arzt. Gewertet wird jedoch nicht, lediglich festgestellt. Dann werden die sechs zu ihren eigenen Kindern und erzählen, was sie von ihren Vätern halten. Da wäre es interessant zu erfahren, wie weit sich das deckt mit dem, was die Kinder selber denken…!  Aber vor allem erzählen sie von ihrer Vaterrolle, wie sie die Schwangerschaft, die Geburt, die ersten Monate mit den Kindern erlebt haben. Unterschiedlichste Lebensmodelle werden angesprochen, der Einfluss einer Scheidung wird thematisiert, der Tod der Mutter der Kinder, wie sich ihr Berufsleben, ihre Freizeitgestaltung, ihre Schlafgewohnheiten verändert haben. Klar wird dabei: Die neuen Väter sind anders, was zugegebenermassen teilweise auch eine subjektive Wahrnehmung sein und mit dem eigenen Alter zu tun haben mag.

Unaufgeregte Geschichten

Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn
Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn

Man hört ihnen gerne zu, die sechs bewältigen ihren Auftritt unverkrampft, eine lockere Erzählrunde bei einer Flasche Bier und Popcorn, unterstützt durch gesangliche Einlagen eines Männer-Quartetts. Da stehen sechs engagierte Väter und man freut sich, dass und wie sich die Vaterrolle im Lauf der Jahre verändert hat! Die Geschichten sind unspektakulär aber durchaus berührend, haben nichts belehrendes, sind lebensnah und realistisch. Man erkennt sich, sieht sich bestätigt, ist überrascht, vergleicht, staunt, das macht das Stück aus.

Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn
Vaeter Szenenfoto Ingo Hoehn

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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