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Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, besucht von Léonard Wüst

Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, Foto Ruedy Hollenwäger
Bryan Adams The Ultimate Tour 2018, Hallenstadion Zürich, 20. Juni, Foto Ruedy Hollenwäger

Besetzung:

Bryan Adams und Band

Rezension:

Konzerte ohne „Support Act“ sind eher selten, deshalb aber nicht weniger attraktiv. Auf einen solchen verzichtete die Legende Bryan Adams im sehr gut gefüllten Hallenstadion an diesem Abend, nahm sich aber die Freiheit, 15 Minuten später als angekündigt die Bühne zu entern. Im Zusammenspiel mit seinen ausgezeichneten Mitmusikern legte er aber unmittelbar ein forsches Tempo aufs Parkett, bot fadengraden Rock ’n‘ Roll vom Feinsten und reihte grad mal fünf Songs, von „Ultimate Love“, „Can`t stop this“, über „Run to you“ und „Go down rockin‘“  bis zu „Haeven“ aneinander zum Anfang, heizte dadurch das Publikum so richtig an.

Angenehmer Verzicht auf bombastisch aufgeblähte Bühnenshow und Playback

Bryan Adams bei seinem energiegeladenen Auftritt © Juergen Fuchs
Bryan Adams bei seinem energiegeladenen Auftritt © Juergen Fuchs

Anstelle einem heute so üblichen, meines Erachtens gar betrügerischem Playbackeinsatz, rifften Adams, Leadgitarrist Keith Scott und der Bassist Norm Fisher ihre Wanderbalken (im Fachjargon Gitarren genannt), strapazierte Drummer Mickey Curry seine diversen Schlagunterlagen, die vor ihm aufgebaut waren. Dazu legte Keyboarder Gary Breit einen breitaufgefächerten, unaufdringlichen Notenteppich, auf dem die andern virtuos zu spazieren wussten. Im Kontext mit des Kanadiers unverwechselbaren Stimme, waren so die besten Voraussetzungen für einen tollen Konzertabend gegeben, was er denn auch wurde. Bryan Adams arbeitet mit einer simplen Stage, die nur vom Licht und den Schwarz/Weiß-Projektionen im Hintergrund lebt – und natürlich von der Energie des Rockers und seiner erstklassigen Band, der nach wie vor Leadgitarrist Keith Scott aus Vancouver angehört.

Überraschende Metamorphose vom Balladeninterpreten zum Power – Rocker

Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott
Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott

Im ersten Konzertdrittel war nichts mit Balladen, da wurde auf der Bühne gepowert, ein vorwärtstreibender Sound, gespickt mit kurzen Gitarrensoli eines bestens aufgelegten Leadgitarristen Keith Douglas Scott, der auch seinen Part als Backgroundsänger souverän wahrnahm.

Etwa in der Mitte des Konzertes dann der zeitlose Ohrwurm „Summer of ’69“, den er sich nicht für die Zugaben aufhob, sondern damit das Publikum zum Mitsingen – und Klatschen animierte. Darauf wurde es wieder rockiger mit zwei akustischen Stücken, bevor mit dem Intro zu „Everything I do“, dann das Schwenken tausender beleuchteter Handydisplays und von einigen wenigen, nicht mehr zeitgemässen, angezündeter Feuerzeuge begann.

Tolle Stimmung im proppenvollen Hallenstadion

Brian Adams Szenenfoto HallenstadionTrotzdem mutierte das Konzert nie zu einem Mainstream-Happening, war aber trotzdem eine runde Sache, ohne Ecken und Kanten – aber die hat ohnehin niemand erwartet. Die Songs von Adams haben keine Widerhaken, sondern sind feine Delikatessen, für die das Publikum seit Jahrzehnten dankbar ist.

Obwohl seine Balladen einfach und gefällig gestrickt sind, ohne hochkomplizierte Akkorde, sind es doch nicht bloss seichte Weichspüler, einige sind/wurden gar Ecksteine der Pop/Rockmusik der letzten drei Dekaden.

Auch reine Akustiknummern hatten ihren Platz

Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott
Brian Adams und Leadgitarrist Keith Douglas Scott

Zwischendurch präsentierten die Musiker auch mal rein akustische Nummern, die sie gekonnt und engagiert nutzten, um ihr instrumentales Können zu demonstrieren. Einen seiner allergrössten Hits, „Please forgive me“,  hat er erstaunlicherweise nicht performt. Nach fast 30 Songs, einem „Best of Bryan Adams“, war Schluss, natürlich nicht, ohne die vom gutaufgestellten Auditorium vehement herbei geklatschte Zugabe.

Ein paar Videotrailer der Show:

www.youtube.com/watch?v=aLgI44GWJQo&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=zOY_eyaw9uI&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=wwpB2-4OOGE&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=snoQaADGHR8&feature=youtu.be

www.youtube.com/watch?v=l41nbiH3HnA&feature=youtu.be

Fotos: Léonard Wüst www.leonardwuest.ch

http://www.abc-production.ch/index und

https://www.bryanadams.com/

Kleine Fotodiashow des Events:

fotogalerien.wordpress.com/2018/06/21/bryan-adams-the-ultimate-tour-2018-hallenstadion-zuerich-20-juni-besucht-von-leonard-wuest

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Lucerne Festival Strings, 4. Saisonkonzert Konzert Reihe Luzern KKL Konzertsaal,Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung Daniel Dodds, Violine & Leitung (Orchesterwerke) , 17. Juni 2018, besucht von Léonard Wüst

Lucerne Festival Strings
Lucerne Festival Strings

Besetzung und Programm:

Lucerne Festival Strings, Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung
Daniel Dodds, Violine & Leitung (Orchesterwerke)

  • Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73
  • Stephan Hodel: Auftragswerk, UA
  • Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36

 

Rezension:

Grundsätzliches über den Solisten Rudolf Buchbinder

Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung Klavierkonzert
Rudolf Buchbinder, Klavier & Leitung Klavierkonzert

Der ausgewiesene Beethoven Spezialist wurde als Fünfjähriger jüngster Student an der Hochschule für Musik in Wien. Sein erstes öffentliches Konzert gab er mit neun Jahren. 1958 wurde er an der Musikhochschule Wien in die Meisterklasse von Bruno Seidlhofer aufgenommen, der auch Friedrich Gulda angehörte. 1961 gewann er, 15-Jährig, mit dem Wiener Klaviertrio den 1. Preis beim ARD Musikwettbewerb des Bayerischen Rundfunks, München. 1962 erhielt er die Lipatti-Medaille.

1. Konzertteil Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73

Als Beethoven im Jahr 1809 sein 5. Klavierkonzert schrieb, war er von Kriegslärm umgeben. Napoleon Bonaparte stand mit seinen Truppen vor Wien. Das wirkte sich in zweierlei Hinsicht auf die Arbeit des Komponisten aus. Zum einen war die wirtschaftliche Existenz Beethovens unsicher geworden, weil sein Mäzen, Erzherzog Rudolf, die Stadt verlassen hatte und als Geldgeber nicht mehr zur Verfügung stand. Zum anderen nahm der Kriegslärm unmittelbar Einfluss auf Beethovens Schaffensprozess. Am Ende war ein Stück entstanden mit einer für das Genre ungewöhnlich neuen Form, in der der Solist zwischen heroischen und friedfertigen Momenten wechselt.

In England trägt das Konzert den Beinamen „Emperor“, also „Kaiser“ oder „Herrscher“. Der Pianist Lars Vogt sieht darin die „Befreiung des Individuums“: Kühn und wild kann sich der Solist am Klavier Freiheit erkämpfen. Freies Fantasieren bestimmt auch die lyrischen Teile.

Das 5. Klavierkonzert widmete Beethoven seinem grossen Gönner Erzherzog Rudolph, der bei der Uraufführung am 13. Januar 1811, bei einem halböffentlichen Konzert im Wiener Palais des Fürsten Joseph Lobkowitz,  auch gleich als Solist agierte.

Die „Strings“ hatten sich auf der Bühne eingerichtet, die Instrumente noch justiert und begrüssten dann, gemeinsam mit dem Publikum den Solisten des Abends, einen der ausgewiesen weltbesten Beethoven Klavier Interpreten, Rudolf Buchbinder.

Der Kopfsatz beginnt mit einer für die Wiener Klassik völlig neuen Einleitung – mit einem Es-Dur-Dreiklang des Orchesters, worauf das Klavier mit einer virtuosen auskomponierten Kadenz einsetzt. Hier schon setzte Buchbinder eine markante Duftnote und liess seine rechte Hand nur so über die Tasten fliegen, mittels Kopfbewegungen mit dem Orchester korrespondierend.

Schon bald nach dem Thema des ersten Satzes, das sich an die explosive Einleitung anschließt, wandelt sich das musikalische Wechselspiel zwischen Solist und Orchester in fast intime, kammermusikalische Momente.

Vor allem im langsamen Satz finden sich ungemein zarte, lyrische und suchende Momente, „Ausblicke in die Ewigkeit“ (Zitat Lars Vogt). Die weit ausschweifenden Kantilenen lassen den romantischen Klavierstil Frédéric Chopins vorausahnen. Auch zu Franz Liszt ist es nicht mehr weit. Entfernte Tonarten, rhythmisch herausfordernde Motive und dynamische Extreme bestimmen die musikalische Entwicklung. Unerwartet entpuppt sich ein absichtslos aufgefächerter Es-Dur-Dreiklang als triumphales Rondo-Thema des dritten Satzes. Die aufsteigende Bewegung überschlägt sich geradezu vor Freude.

Es gibt in dem Konzert noch eine ganz andere Seite. Ein Pianissimo im Solopart gegenüber Pizzicato bei den Streichern oder gegenüber einem einzelnen Blasinstrument. Diese Intimität ist sehr extrem. Ein Kontrast zu dem volltönenden symphonischen Charakter. Und das ist die Schwierigkeit bei der Interpretation. Nämlich diese beiden Gegensätze überzeugend herauszuarbeiten. So, dass sie auch zusammen funktionieren. (Paul Lewis, Pianist.)

Solist Rudolf Buchbinder überzeigt mit seinem virtuosen Spiel

Im Adagio un poco moto gleiten die Töne des Klaviers schwebend leicht über dem Klangteppich des Orchesters dahin, womit sich eine einzige große Idylle erschliesst.

Das Finale greift nicht mehr die martialische Seite des ersten Satzes auf. Es hat, ähnlich wie die Schlusssätze der anderen Klavierkonzerte Beethovens, tänzerischen Charakter. Die große Spannung, die dem Anfang des Konzerts innewohnte, hat sich gelöst. Buchbinder überzeugte durchwegs, ob mit den wuchtigen Harmoniesetzungen, den fulminanten, perlenden Läufen, ob mit den  filigranen Tremoli, den kraftvollen Staccati. Er spielte präzis, gefühlvoll und doch voller Dynamik, mit der nötigen Zurückhaltung oder energischem Vorantreiben,  wo geboten.

Gebannt, fast berauscht beeindruckt applaudierte das Auditorium dieser Interpretation durch den brillanten Solisten, der von einem ausgezeichneten Orchester supportiert und getragen wurde.

Als vehement geforderte Zugabe gab der österreichische Virtuose dann noch das Finale von Beethovens – Sonata op.31/2 „Sturmsonate“, was wiederum mit langanhaltendem Applaus und einigen Bravorufen gewürdigt wurde.

2.Konzertteil: Uraufführung PC 24, ein musikalischer Alpenflug (Stephan Hodel *1973)

Konzertmeister Daniel Dodds Foto DorotheeFalke
Konzertmeister Daniel Dodds Foto DorotheeFalke

Nachdem im ersten Konzertteil der Solist gleich auch die Leitung innehatte, übernahm für den zweiten Teil Daniel Dodds das Zepter, respektive den symbolischen Taktstock. Er tat dies ausnahmsweise stehend, nicht sitzend, wie man das sonst von ihm gewohnt ist. Wahrscheinlich war das der Uraufführung des Werkes von Stephan Hodel geschuldet.

David Dodds hatte den Geistesblitz über die Entstehung des ersten Schweizer Businessjets PC 24 der Pilatus Werke Buochs ein Musikstück schreiben zu lassen, als er bei einem Spaziergang durch Luzern, ein Plakat mit dem Foto des Jets sah.

PC-24, ein musikalischer Alpenflug von Stephan Hode
PC-24, ein musikalischer Alpenflug von Stephan Hode

Wie Konzertmeister Daniel Dodds erläuterte, beschreibt das Werk musikalisch die Entstehung des Flugzeugs, von den ersten Skizze, über die Planung, den Bau, die Testflüge  bis zum Flug über die  Alpen und das Verschwinden in ferne Welten. Dodds beschrieb die Komposition so gut, dass auch wir Nichtmusikwissenschafter anschliessend diese Intuitionen des Komponisten problemlos nachvollziehen konnten.

Komponist Hodel lässt die Düsentriebwerke aufheulen, die Luft flirren, den Flieger beschleunigen, sich majestätisch in die Lüfte erheben. Die Strings konnten die Ideen des Komponisten perfekt umsetzen, sodass man die ganze Tondichtung vor dem geistigen Auge präsent hatte. Hätte man noch Kerosin gerochen, wär die Illusion perfekt gewesen.

Auch diese eher ungewöhnlichen  Klänge gefielen dem Publikum im gutbesetzten Konzertsaal und es spendete dementsprechend Applaus, sodass sich am Schluss auch noch Komponist  Stephan Hodel auf der Bühne feiern lassen konnte.

Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36

Für diese kehrt  Daniel Dodds  wieder auf seinen Stuhl zurück und leitet die Sinfonie von  seinem Pulte aus, so auch demonstrierend, welch grosses Vertrauen er in seine Mitmusiker hat.

Das Orchester spielte sich souverän durch die Partitur, in der Beethoven im ersten Satz viel Lebensfreude und Euphorie vermittelt, während er die Musiker sich im zweiten Satz, dem Larghetto,  menuettartig, tänzerisch, aber bedächtig bewegen lässt.

Der Konzertmeister gewährte den einzelnen Instrumenten für ihre jeweiligen Solosequenzen auch genügend Raum und die Strings unterlegten dieselben immer mit einem kongenialen Klangteppich.

Die beiden finalen Sätze waren dann ein Schaulaufen für die Musiker, die für diesen tollen Konzertabend einen langanhaltenden, stürmischen Applaus ernten durften.

Text: www.leonardwuest.ch Fotos http://www.festivalstringslucerne.org/de/home

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Migros – Kulturprozent – Classics, Tournee VII Wiener Symphoniker, Tonhalle Maag Zürich, 9. Juni 2018, besucht von Léonard Wüst

Wiener Symphoniker Foto Andreas Balon
Wiener Symphoniker Foto Andreas Balon

Besetzung und Programm:

Wiener Symphoniker

 

Rezension:

Philippe Jordan Chefdirigent der Wiener Symphoniker
Philippe Jordan Chefdirigent der Wiener Symphoniker

Wir wollen nicht die zweiten Philharmoniker sein“ – dieser Satz des c zeigt, wohin die Reise für die Wiener Symphoniker gehen soll. In ihrer Eigenschaft als Konzertorchester der Stadt Wien mangelte es den Symphonikern lange am eigenen Profil, nicht aber an der Qualität. Die Uraufführungen bedeutender Werke wie Bruckners Neunter oder Mahlers Sechster beweisen es, ebenso die langjährige Zusammenarbeit mit Dirigenten wie Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch oder Georges Prêtre. Das grosse spätromantische Repertoire ist bei den Wiener Symphonikern in den besten Händen Als Kulturbotschafter Wiens unternimmt das Orchester jährlich mehrere Konzerttourneen ins europäische und aussereuropäische Ausland. Auch das Engagement beim Theater an der Wien (seit 2006) soll zur erwähnten Profilschärfung beitragen.

Die Wiener sind auch das Residenzorchester der Bregenzer Festspiele, dort hört man sie auf der Seebühne nur, sieht sie aber nicht, da sie unter der Bühne platziert sind.

Grundsätzliches zum Konzertprogramm:

Strauss ist,  ebenso wie Beethoven,  ein «Orchester-Komponist», dessen bisweilen üppige Partituren aufzufächern für jeden Dirigenten eine anspruchsvolle Tätigkeit darstellt. Das zweite Werk , Strauss’ «Heldenleben», trägt mit Klangfarben und seinem oft als egomanisch verschrieenen Strauss’schen Klangpathos vielleicht noch dicker auf als der dürre Ritter von der traurigen Gestalt.

1. Konzertteil mit Richard Strauss – Don Quixote op. 35,

Gautier Capuçon Solist am Cello
Gautier Capuçon Solist am Cello

Die, im Jahre 1897 in München komponierten phantastischen Variationen über ein Thema ritterlichen Charakters, wurden am 8. März 1898 in Köln unter der Leitung von Franz Wüllner uraufgeführt. Die Partitur enthält ursprünglich kein Programm, doch hat der Komponist zu den einzelnen Abschnitten des Werks nachträglich kurze programmatische Erläuterungen zum besseren Verständnis verfasst.

Anton Sorokov  1.  Konzertmeister der Wiener Symphoniker
Anton Sorokov 1. Konzertmeister der Wiener Symphoniker

Feines Intro mit Holzbläsern und weichen Violinen, Übernahme des Motivs durch die Klarinette, die abgelöst wird durch die Violinen, die ihrerseits durch die Oboe abgelöst wird, bevor die Blechbläser kurz das Kommando übernehmen, gefolgt vom Piccolo, der Oboe, die zurückführt in den Schoss des Gesamtorchesters

Die zweite Variation schildert eine Episode, in der Don Quijote (dargestellt vom Cello) einer Schafherde begegnet und sie für eine herannahende Armee hält. Strauss setzt dissonantes Flatterzungenspiel ein, um das Blöken der Schafe nachzuahmen. Dies ist eines der ersten Vorkommen dieser Spieltechnik. Der Solist am Cello, Gautier Capuçon, bringt vor allem in lyrischen Passagen sein Violoncello zum Singen, kann als Ritter von der traurigen Gestalt auch mal ungestüm brummen, mal quietschen, findet sich dann wieder in fast glückseliger Traurigkeit.

Solist mit der Viola Herbert Müller
Solist mit der Viola Herbert Müller

Eingebettet im souveränen Orchester, magistral geleitet von Philipp Jordan, spielten sich die drei Solisten zu wahrer musikalischen Magie, es entstanden subtile Dialoge von Cello, 1. Geige (Anton Sorokow) und Viola (Herbert Müller), bei denen alle drei gleichberechtigt agieren konnten, mit Capuçon als „Primus inter Pares“. In der Folge unterordneten sich die Solisten und standen wieder ganz im Dienste des Ganzen als solches, als vollwertige Bestandteile des Gesamtklangkörpers. Nach einer kurzen Soloüberführung der Oboe driftet der Komponist fast etwas ins ungarisch, zigeunerhafte ab, wird fast rührselig, was wiederum Capuçon sehr gut ausdrücken kann, ohne ins Weinerliche zu verfallen, sondern einfach schön traurig.

2. Konzertteil mit Richard Strauss – Ein Heldenleben op. 40

Dirigent Philippe Jordan
Dirigent Philippe Jordan

Das Thema des Helden, das erstmals unisono von den Hörnern und Celli gespielt wird, erinnert mit seiner schnell aufsteigenden Melodieführung an das Eingangsthema der dritten Sinfonie von Ludwig van Beethoven (Eroica): Der Es-Dur-Dreiklang überstreicht fast vier Oktaven und wird von den Hörnern während des gesamten Themas parallel aufgegriffen. Ein kontrastierendes, lyrisch geprägtes Thema taucht erstmals in H-Dur in den hohen Streichern und Bläsern auf, gefolgt von einem zweiten heroischen Motiv, das von einer stufenweise absteigenden Quarte eingerahmt wird. Trompetensignale verkünden den Aufbruch des Helden zu seinen Abenteuern mit einem Dominant-Septakkord, gefolgt von einer unerwarteten, dramatischen Generalpause, der einzigen ausgedehnten Stille Periode des gesamten Werks.

In dieses Werk hat Strauss ungewöhnlich viele Solosequenzen für die 1. Geige hineingeschrieben, die vom russisch stämmigen Konzertmeister Anton Sorokow (*1978 in Moskau) technisch perfekt und sehr ausdrucksstark vorgetragen wurden. Notabene alles sitzend und lächelnd, als ob dies die leichteste Sache der Welt wäre.

Anton Sorokow mit einem Cellisten, Foto aus der Sendung Stars von Morgen des ORF 2002
Anton Sorokow mit einem Cellisten, Foto aus der Sendung Stars von Morgen des ORF 2002

Anton Sorokow spielt auf einer Violine von Giuseppe Guarneri del Gesù, Cremona 1731, mit dem Beinamen „Ex Sorkin“ aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbank. Nebenbei ist er auch noch Professor an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Auch in diese Komposition lässt Strauss immer etwas tsiganhaftes einfliessen. Reminiszenzen an die, auch distanzmässige, Nähe zur ungarischen Volksmusik? Der Dirigent geleitete souverän, voll engagiert, teilweise auch, trotz Frack,  mit vollem Körpereinsatz durch die Partitur, motivierte seine Mitmusiker mittels Gesten, Mimik und energischem Führen des Taktstockes zur Höchstleistung. Das Publikum, mehrheitlich eher gesetzteren Alters in der ausverkauften Tonhalle Maag, erfreute sich beim Schweizer Dirigenten Philippe Jordan an präzise herausgearbeiteten Details der Interpretation, die nicht Selbstzweck sind, sondern die er schlüssig in die Gesamtdramaturgie seiner Interpretation einbindet, sowie an den aussergewöhnlichen musikalischen Leistungen von Solisten und Orchester. Es belohnte diese denn auch mit langem, nicht endendem Applaus, der die Protagonisten noch zur Zugabe animierte, die mit dem „Ungarischen Tanz“ von Johannes  Brahms fulminant ausfiel und erneut Applauskaskaden auslöste.

Tonhalle Maag Konzertsaal Foto Hannes Henz
Tonhalle Maag Konzertsaal Foto Hannes Henz

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/  

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Spiel auf dem See 2021 und 2022 Madame Butterfly folgt auf Rigoletto Beliebte Puccini-Oper auf der Seebühne

Rund sechs Wochen vor Start der 73. Saison am Bodensee haben die Bregenzer Festspiele die Seebühnen-Programmplanung bis ins Jahr 2022 abgeschlossen.

Spiel auf dem See Bregenz, Bühnenbild Turandot
Spiel auf dem See Bregenz, Bühnenbild Turandot

Als Spiel auf dem See zeigt das Festival in den Sommern 2021 und 2022 Madame Butterfly von Giacomo Puccini. Die 1904 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper wird erstmals bei den Bregenzer Festspielen gezeigt. Für die Regie zeichnet Andreas Homoki verantwortlich, das Bühnenbild entwirft Michael Levine. Beide sind erstmals bei den Bregenzer Festspielen tätig.

Die Oper setzt die Reihe beliebter Puccini-Werke auf der Seebühne fort. Nach La Bohème (2001/02), Tosca (2007/08) und Turandot, zuletzt gezeigt 2015 und 2016, steht mit Madame Butterfly die vierte Oper des aus Lucca in der Toskana stammenden Komponisten auf dem Spielplan.

Im kommenden Sommer ist erneut Carmen auf der Seebühne zu sehen, 2019 und 2020 zeigt das Festival Rigoletto von Giuseppe Verdi.

„Drama um Liebe, Verrat und Entsagung“
„Mit seiner wirkungsvollen und einfühlsamen Musik hat Giacomo Puccini der tragischen Frauenfigur Cio-Cio San in Madame Butterfly ein ergreifendes Denkmal gesetzt. Die Naturschilderungen und der hoffnungsvolle Blick Butterflys auf die Weiten des Meeres, machen den Bodensee zu einem idealen Hintergrund für das Drama um Liebe, Verrat und Entsagung“, sagt Intendantin Elisabeth Sobotka.

Die Premiere ist für 21. Juli 2021 geplant, die letzte Vorstellung des Sommers 2021 soll am 22. August über die Bühne gehen.

Rigoletto 2019 und 2020 auf Seebühne
Direkt nach Ende des kommenden Festspielsommers beginnt mit dem Abbau des Carmen-Bühnenbildes der Aufbau der Rigoletto-Kulisse. Die Verdi-Oper wird bekanntermaßen in den Jahren 2019 und 2020 in der Regie und im Bühnenbild von Philipp Stölzl auf der Seebühne gezeigt. Tickets sind ab 20. August 2018 verfügbar, dem letzten Spieltag der diesjährigen Saison.

Drei Viertel der 210.000 Carmen-Tickets verkauft
Carmen steht im diesjährigen Sommer 29 Mal auf dem Spielplan, Wiederaufnahme-Premiere ist am 19. Juli. Derzeit sind rund 75 Prozent der 210.000 Seebühnen-Tickets verkauft. Tags zuvor eröffnet die Oper im Festspielhaus und österreichische Erstaufführung Beatrice Cenci von Berthold Goldschmidt die Bregenzer Festspiele 2018.

Madame Butterfly: Leidenschaftliche, überwältigende Melodien
Madame Butterfly erzählt ein ergreifendes und berührendes Drama des japanischen Mädchens Cio-Cio San, die an einen wohlhabenden US-amerikanischen Marineleutnant verheiratet wird. Für die Liebe ihres Lebens nimmt sie den christlichen Glauben ihres Ehemannes an und bricht sämtliche Bande zu ihren Verwandten ab. Puccinis leidenschaftliche und überwältigende Melodien blicken tief in die Gefühlswelten seiner Figuren.

Der aus Deutschland stammende Regisseur Andreas Homoki ist seit 2012 Intendant des Opernhauses Zürich, darüber hinaus inszeniert er weltweit an renommierten Opernhäusern, so unter anderem an der Bayerischen Staatsoper, am New National Theatre Tokyo und beim Festival d‘Aix-en-Provence.

Der kanadische Bühnenbildner Michael Levine arbeitete mehrfach mit Homoki zusammen. Er ist ebenfalls an international renommierten Opernhäusern tätig, unter anderen am Opera House Covent Garden London, an der Metropolitan Opera New York und immer wieder in seiner Heimat für die Canadian Opera Company.

Die Bregenzer Festspiele 2018 finden von 18. Juli bis 20. August statt, Tickets sind erhältlich unter www.bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.

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