Das Projekt ist selbst aussergewöhnlich: Die Autorin und Journalistin Fatima Vidal möchte eine Reihe von Frauenporträts zu einem virtuellen Buch zusammenfügen. Ihr Vorhaben ist, 100 Persönlichkeiten vorzustellen, die ihre Bestimmung gefunden und ihre Träume verwirklicht haben. Auch, wenn sie sich ganz besondere Ideen und Wünsche in den Kopf setzten. Um Hüttenwartin, Erfinderin, Lokführerin, Schmiedin zu werden oder eine spezielle Sportart auf Weltniveau auszuüben: Den Frauen in unserer Gesellschaft ist alles möglich, wenn der Wille da ist.
Fatima Vidal Autorin und Verlegerin, Eigenaufnahme
Jeder Werdegang ist einmalig; die Suche nach den Interviewpartnerinnen geht quer durch das Land, in allen Schichten und Berufen. Die Seite ist für alle zugänglich und für uns alle lehrreich. http://100frauen.ch/
Die Autorin Fatima Vidal schreibt über Ihr Projekt:
Simonetta Sommaruga Bundesrätin, Foto EJPD Sebastian Magnani
Maya Graf, Nationalraetin GP BL. Foto Béatrice Devènes
Geplant sind 100 kurze Porträts und Interviews von bemerkenswerten Frauen, die in der Schweiz leben oder einen starken Bezug zur Schweiz haben. Stellungnahmen von heutigen Frauen, die in Politik, Sport, Kultur, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft eine wichtige Rolle spielen: junge oder alte, Akademikerin, Handwerkerin, Ausländerin, Schweizerin, Pilotin oder Seefahrerin. Frauen mit besonderen Lebensläufen und in all ihrer Vielfalt. Texte, die Mut machen, den eigenen Weg konsequent zu gehen.
Zu einem späteren Zeitpunkt soll zusätzlich ein gedrucktes Buch erscheinen.
Trägerverein des Projektes ist der Verein «Frauen in der Schweiz».
Oper Schloss Hallwyl, «La Cenerentola» von Gioacchino Rossini, Foto Ingo Hoehn
Besetzung:
Argovia Philharmonic, Musikalische Leitung Markus Hein, Douglas Bostock
Angelina Wioletta Hebrowska
Don Ramiro John-Colyn Gyeantey
Dandini Alexandre Beuchat
Alidoro Yoshiaki Kimura
Don Magnifico Noe Colin Arvizu
Clorinda Leonor Amaral
Tisbe Anna Nero
Rezension:
v.r.n.l.Dirigent Douglas Bostock, Regisseur Johannes Pölzgutter, Kostüme Janina Ammon und Bühne Manuel Kolip
„La Cenerentola“, die zauberhafte musikalische Märchenerzählung des Aschenputtels von Gioacchino Rossini wird in ebenso märchenhafter Kulisse gespielt. Das Schloss Hallwyl, ein Wasserschloss, befindet sich auf zwei Inseln im Aabach bei Seengen im Luzerner Seetal, ist seit 1925 öffentlich zugänglich und seit 1994 im Besitz des Kantons Aargau und so auch Teil des Museums Aargau. Seit 2012 führt der Verein Oper Schloss Hallwyl alle drei Jahre eine Oper im Hof der Burg auf. Bis jetzt kamen folgende Werke auf die Schlossbühne:
2003 | Mozarts “Die Entführung aus dem Serail”
2006 | Bizets “Die Schöne von Perth”
2009 | Bedřich Smetanas “Die verkaufte Braut”
2012 | Il Barbiere di Siviglia von Gioachino Rossini
2015 | Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart
Schwungvolle Inszenierung im Schlosshof
Argovia Philharmonic
Regisseur Johannes Pölzgutter inszeniert zügig, was den durchwegs quirligen Akteuren in die Karten spielt. Diese überzeugen denn auch, nebst mit gesanglichem Können, durch aussergewöhnliche schauspielerisch – komödiantische Talente.
Dies im, von Manuel Kolip konzipierten, farbenfrohen Bühnenbild, in passenden, von Janina Ammon ausgewählten Kostümen bei besten äusseren Bedingungen vor einem gutgelaunten Auditorium auf der vollbesetzten, ca. 550 plätzigen Tribüne.
La Cenerentola, Bühnenbild
Dass Bühnenbild ist zweistöckig, oben das Schloss des Prinzen, also eh die Ebene der Elite, unten das Zuhause des verarmten Adeligen „Don Magnifico“ (Noé Colin Arvizu) mit seinen zwei Töchtern Clorinda (Leonor Amaral) und Tisbe (Anna Nero), sowie Cenerentola (der ev. dritten Tochter).
Verwirrspiel im Dienst der höfischen Brautschau
Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn
Um unerkannt eine geeignete Braut auszusuchen, bedient sich der Prinz „Don Ramiro“ (John-Colyn Gyeantey) der Identität seines Dieners „Dandini“ (Alexandre Beuchat), der seinerseits, wenn auch widerwillig, in die Rolle des Prinzen schlüpft.
Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn
Der Prinz lädt zu einem Empfang, um nach geeigneten Kandidatinnen Ausschau zu halten. Unter den geladenen u.a. auch Don Magnifico mit seinen beiden heiratswilligen überkandidelten Töchtern. Während diese sich kosmetisch, Frisur technisch und Kleidermässig auf Hochglanz aufpeppen und stylen, muss sich deren Stiefschwester Cerentola (Wioletta Hebrowska) mit Hausarbeiten abmühen und Dienstmagd spielen. Nachdem ihr Vater Don Magnifico ihrem Wunsch, ebenfalls mit zu kommen auf das Schloss, nicht entsprochen hat, schleicht sie sich heimlich in die Nähe des Fürstensitzes und trifft dort zufällig auf den als Diener getarnten Prinzen. Die beiden sind sich sofort mehr als sympathisch, womit das Märchen so richtig beginnen kann.
„Alidoro“ (Yoshiaki Kimura), der Mentor des Prinzen, schleust Cenerentola, verkleidet als geheimnisvolle Unbekannte, ins Geschehen auf dem Schloss ein.
Castingshow der heiratswilligen Damen
Cenerentola, Szenenfoto von Ingo Hoehn
„Dandini“, der vermeintlich Heiratswillige, hatte sich inzwischen der aufdringlichen Avancen der beiden Schwestern erwehrt, die sich ihm an den Hals werfen wollten und schlägt ihnen als möglichen Bräutigam seinen Kammerdiener vor, was diese aber, da nicht ihrem Stande gemäss, empört zurückweisen. Daraufhin gesteht Cenerentola dem falschen Prinzen, dass sie seinen Kammerdiener liebt. Besagter „Don Ramiro“, der unter all den brautwilligen Damen nichts ihm zusagendes entdeckt hatte, hört dies und erwidert das Liebesgeständnis. Noch dauert es aber seine Zeit, bis alle Fäden entwirrt sind und schlussendlich alles für alle ein gutes Ende findet.
Souveränes Orchester in einem ungewöhnlichen Orchestergraben
Dirigent Douglas Bostock
Dirigent Douglas Bostock, mit seinem Orchester, der „Argovia Philharmonic“, unter der Bühne platziert, leitet souverän durch die Partitur, bereitet so den Sängern/Schauspielern das Terrain, auf dem diese glänzen können. Das zügige variantenreiche Spiel animierte die Akteure auf der Bühne zu Höchstleistungen. Das Ensemble agierte mit überschäumender Spielfreude, viel Schalk und ausdrucksstarker Mimik und Gestik.
Wioletta Hebrowska als Cenerentola
Das begeisterte Publikum belohnte diese aussergewöhnliche Parforceleistung denn auch mit viel Szenenapplaus nach fast jeder Arie und einem Beifallssturm zum Schluss der die Protagonisten sichtlich erfreute und strahlen liess. Für einen Extraapplaus gesellten sich auch noch Dirigent, Regisseur usw. zu den Bühnenakteuren und liessen sich zu Recht feiern.
Der erste Ton der Aufführung des Vortags ist noch nicht einmal erklungen, beginnt schon der Countdown für die darauf folgende Carmen-Vorstellung. Um das Bregenzer Spiel auf dem See sicherzustellen, gilt unter anderem für alle Mitwirkenden eine vertragliche 50-Kilometer-Regel. Aus guten Gründen sind die Rollen mehrfach besetzt.
Während ihres Engagements bei den Bregenzer Festspielen sollen sich Künstler nur innerhalb eines 50-Kilometer-Radius um Bregenz aufhalten. „Fällt jemand kurzfristig aus, soll der Ersatz schnell hier sein“, erklärt Operndirektorin Susanne Schmidt, „viele mieten sich für ihre Zeit in Bregenz ein Fahrrad – das empfehlen wir auch –, weil das die schnellste Art ist, sich zwischen Lochau–Bregenz–Hard zu bewegen.“
Steigender Adrenalinspiegel
Passieren kann immer was und das Zeitfenster knapp werden. Selbst wenn man weiß, wo sich die gesuchte Person in der Nähe aufhält. Susanne Schmidt: „Vergangenes Jahr hatten wir so etwas erlebt. Eine Sängerin hatte sich zwei Stunden vor Beginn warm gesungen und gemerkt, dass die Stimme nicht ganz ansprach. Ihre Kollegin, die einspringen sollte, war für uns bei einem Sponsoring-Event auf der Hohentwiel weit auf dem Bodensee. Keine Handy-Verbindung. Unser Bühnenmeister erreichte dann den Kapitän über Funk. So konnte sich die Sängerin innerlich schon darauf einstellen, dass Kostüm und Maske bereits auf sie warten, sobald sie am Steg anlegt. Das sind Vorkommnisse, die möchte man nicht zu oft haben. Da steigt dann schon das Adrenalin.“
Zu den Vorkehrungen gilt für das Spiel auf dem See folgende Daumenregel: Wer große Arien und Duette hat, wird dreifach besetzt, die anderen Rollen werden zweifach besetzt. „Selbst wenn alles glatt läuft, möchten wir nicht, dass jemand die großen Rollen jeden Abend singen soll. Das wäre zu belastend. Das muss man auf mehrere Schultern verteilen. Mal ist es eine sehr trockene Nacht, mal kann es kalt werden, und die Künstler wissen, bei uns wird am Ende getaucht… sie werden richtig nass! Deshalb kann es immer vorkommen, dass sich jemand verkühlt. Dann brauche ich einen Puffer.“
„Unser Masterplan“
Es ist eine riesige Excel-Tabelle („Unser Masterplan“, Schmidt), auf der vor 14 Tagen die Einsätze aller Künstler fixiert wurden. Im Verlauf des Probenprozesses wurden dazu für die drei Hauptrollen feste Trios gebildet und gleichmäßig auf die Festspielsaison verteilt: „Der gleiche Don José singt mit der gleichen Carmen und der gleichen Micaëla.“ Soweit die Theorie. Sie geht nicht immer auf, wenn eine Künstlerin oder ein Künstler zwischendurch zu einem Konzert, zu einem Vorsingen oder einer CD-Aufnahme muss. Die Kernfrage für die Operndirektorin lautet dann, tauscht man dann das ganze Trio auf einen anderen Platz oder nimmt man nur die eine Person heraus? „Carmen und Don José tausche ich lieber gemeinsam, weil sie für den Sterbeakt, die Ertränkungsszene gut aufeinander eingespielt sind.“ Geprobt wird dennoch auch über Kreuz, damit alle aneinander gewöhnt sind.
Bei Anruf „under the weather“
Um Carmen glatt über die Bregenzer Seebühne zu bringen, stehen an Aufführungstagen rund 400 Personen im Einsatz. Der organisatorische Aufwand im Hintergrund ist entsprechend groß. Allein auf der Seebühne müssen etwa 250 Mitwirkende, Techniker und „gute Geister“ zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. „Unsere Bibel“, erläutert Susanne Schmidt, „ist der ,Tagesprobenplan’, der soll idealerweise bis 15 Uhr für den Folgetag rausgehen.“ Erfahrene Künstler merken sehr früh, dass sich eine Erkältung anschleicht und rufen schon am Vortag an. Dann wird ein Kollege oder eine Kollegin auf „Stand-by“ gesetzt. Hier kommt wieder die 50-km-Regel ins Spiel. „Ansonsten heißt es, sie sollen sich bis 12 Uhr am Tag der Aufführung melden, ob sie sich unwohl fühlen, ,under the weather’, wie man englisch sagt. Ansonsten gehen wir davon aus, dass die geplante Besetzung abends singt.“
Dass das Räderwerk schon mehr als 24 Stunden in Gang gesetzt wird, „ist dann besonders wichtig, wenn wir einen wirklich dauerhaft kranken Sänger haben und vielleicht einen neuen einfliegen und ihn nachproben müssen.“ Eine absolute Ausnahme, aber auch sie gab es schon. In einem solchen Fall muss man mit dem Team besprechen, wann man ihn am nächsten Vormittag, Mittag oder Nachmittag einstudiert.
„Sie sind sehr basic, das ist alles andere als glamourös“, sagt Susanne Schmidt. Auch die Statisten und Choristen werden auf der Seebühne vorbereitet, nachdem sie sich Kontaktperson für die Künstler ist die Company Managerin. Sie schaut auch dazu, ob alle pünktlich in der Maske sind und hakt notfalls nach. Eigene WhatsApp-Gruppen dämpfen den Stresspegel. Maskentermin für die meisten großen Rollen ist etwa zwei Stunden vor Beginn im Festspielhaus. Für Feindetails sowie aufwändige Kostüme wird in den kleinen Garderoben auf der Seebühne Hand angelegt. Dort gibt es keine Klimaanlage oder Heizung. in einem schalterähnlichen Minibüro angemeldet haben. So wird sichergestellt, dass niemand fehlt. Am längsten Zeit haben die Wiener Symphoniker und der Prager Chor. Sie agieren im Festspielhaus und kommen bereits in ihrer Arbeitskleidung. Für sie ist Deadline eine halbe Stunde vor der Ouvertüre.
Dann, wenn alle, die am See singen, über den Steg sein müssen. Das Publikum soll vom Gewusel, das einer so großen Produktion vorangeht, unbehelligt bleiben.
Standleitungen zu den Wetterwarten
Die Operndirektorin ist in der Regel ab 19 Uhr im Areal. 20 Uhr ist Fixtermin in einem zum See offenen Fensterraum, den die Bregenzer Festspiele „Wetterküche“ getauft haben. Über die Bildschirme laufen Wetterprognosen und es existiert eine Telefonverbindung zur Wetterwarte Nach Zürich. Von ihnen lässt sich das Team bestätigen, ob man die Radarbilder richtig interpretiert hat. „Wenn das Wetter ruhig ist, zerstreuen wir uns alle noch einmal, gehen unseren Sachen nach, rufen in der Maske ,Toi! Toi! Toi!’. Ist es unruhig, dann kleben wir oft in der Wetterküche fest. Dann muss man die Platzsprecherin informiert halten, den Abendspielleiter und natürlich das Publikumsservice“, schildert Susanne Schmidt die wenigen Abende, die eine À-la-minute-Entscheidung erfordern, ob gespielt werden kann oder nicht. Gewitter und eine bestimmte Windstärke sind No-gos.
Fahrplan für Alternative
Carmen ist open-air. Das beeinflusst auch den Ablauf in Details wie diesen: Tritt der Torero heute Abend im Boot stehend auf oder einfach von links auf der Bühne? Das hängt vom vorausgesagten Wellengang ab. Auch für diese Entscheidung ist der Zeitpunkt in einem eigenen Fahrplan für die alternative Regie festgesetzt.
Autor: Albert J. Welti (1894 – 1965) Hauptdarsteller und Textbearbeitung: Hanspeter Müller-Drossaart Regie: Livio Andreina Ausstattung: Anna Maria Glaudemans
Laienschauspieler und Laienschauspielerinnen aus der Region
Rezension:
Grundsätzliches zum Stück:
Alles friedlich, also heile Welt in Friedlichwil
Das Stück spielt im fiktiven Friedlichwil in den 1950er Jahren. Der letzte Nachkomme der Steinhauerfamilie Murer flüchtete vor längerer Zeit aus dunklen Gründen nach Amerika. In der Heimat verbreitete sich das Gerücht, er sei dort in einen Mordfall verwickelt. Wieder zurückgekehrt, lebt Murer verschlossen und zurückgezogen im aufgelassenen Steinbruch in einer Hütte. Er wird regelmässig von einem jungen Mädchen und einem geistig beschränkten Knaben besucht. Angestachelt vom Dorflehrer will die dörfliche Gemeinschaft die beiden Kinder, die sich scheinbar grundlos zum knorrigen Murer hingezogen fühlen, dazu zwingen, sich nicht mehr bei dem gefährlichen Sonderling aufzuhalten. Da kommt die Wahrheit an den Tag. Ein Stück universeller Dorfgeschichte um Vorverurteilung und geistige Enge, und um die Rehabilitierung eines Schuldlosen.
Da wird gespielt:
Murer vor seiner einfachen Hütte, seinem Zuhause, im Steinbruch
Der, Spielort von „Steibruch“ ist ideal gelegen. Er befindet sich nur wenige Meter vom Eingang Ost des Freilichtmuseums Ballenberg (Brienzwiler) entfernt in stotzigem Gelände unter der Kapelle aus Turtig/Raron (Kanton Wallis). Er ist in fünf Gehminuten zu Fuss erreichbar und man setzt sich auf die Tribüne mit über 700 geschützten Zuschauerplätzen. Hauptdarsteller Hanspeter Müller – Drossaart als „Murer“ ist der einzige Profischauspieler. An seiner Seite agieren 37 hochmotivierte Laienschauspielerinnen und Schauspieler, grossteils aus der näheren Umgebung, von denen die meisten schon seit vielen Jahren jeweils auf dem Ballenberg mitwirken. Dies tun sie, im perfekt nach Anna Maria Glaudemans Ideen gefertigtem Outfit und ihren Vorstellungen entsprechend hergerichtetem Spielort, unter der souveränen Leitung des bewährten Freilufttheaterspezialisten, Regisseur Livio Andreina.
Das alljährliche Ritual vor der Première
Vereinspräsident, Nationalrat Lorenz Hess
Ausnahmsweise beim Eingang Ost, statt wie gewohnt beim Eingang West des Freilichtmuseums Ballenberg bei Brienz, hiess der Präsident des Vereins Landschaftstheater Ballenberg, Nationalrat Lorenz Hess, die illustre, gutgelaunte Schar der Premierenbesucher mit launigen Worten herzlich willkommen, dies bei allerbesten Wetterverhältnissen. Auch bedankte er sich bei Sponsoren, Gönnern, Mitwirkenden und allen andern, die auf irgendeine Art in das Projekt involviert sind. Ganz besonders begrüsste Hess einige anwesende Prominente, sowie die Medienvertreter, darunter eine Equipe des Schweizer Fernsehens. Ebenso erwähnte er, dass nächstes Jahr ein Jubiläum ansteht, dass man nämlich mit „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ von Gottfried Keller, bereits die 25. Produktion in Angriff nehmen werde. Zudem feiere man bereits in diesem Jahr folgende Jubiläen: 50 Jahre Stiftung Ballenberg und 40 Jahre Eröffnung Freiluftmuseum Ballenberg.
Peter Flück, Präsident Stiftung Ballenberg Freilichtmuseum der Schweiz
Anschliessend richtete auch noch Peter Flück, Berner Grossrat und Präsident des Stiftungsrates Freilichtmuseum Ballenberg, einige Worte an die Besucher.
Das Geschehen im „Steibruch“
Die Darsteller und Darstellerinnen drücken ihre Emotionen mit sich wiederholenden Chorgesängen aus
Das, an der Landesausstellung 1939 in Zürich äusserst erfolgreich uraufgeführte und später, mit Heinrich Gretler und der jungen Maria Schell in ihrer ersten Filmrolle auch verfilmte Mundartdrama „Steibruch“ von Albert J. Welti, wurde von Hauptdarsteller Hanspeter Müller-Drossaart für die Ballenberg Inszenierung adaptiert. Er verfasste dafür eine berndeutsche Fassung für rund 40 Rollen inklusive Chor.
Die Geschichte in Kurzfassung
Es brodelt hinter der aufgesetzten Fassade
In einem Satz: Eine Dorfgeschichte um Vorverurteilung und geistige Enge, und um die Rehabilitierung eines Schuldlosen. Arnold Murer kehrt nach einem langen Auslandsaufenthalt in den USA in sein Heimatdorf Langnach (am Ballenberg Friedlichwil) in der Schweiz zurück. Dort meint jeder zu wissen, dass er in Amerika 14 Jahre wegen Mordversuchs im Gefängnis gesessen hat, obwohl er immer von sich behauptete, unschuldig zu sein. Murer richtet sich etwas abseits des Dorfes in einer heruntergekommen Unterkunft beim Steinbruch ein und beginnt dort, wie ein Einsiedler zu leben. Die Menschen im Dorf ächten ihn und hoffen, ihn bald wieder loszuwerden. Nur der geistig behinderte Näppu und das dreizehnjährige Mädchen Meitschi nähern sich dem Mann und beginnen vorsichtig, eine Beziehung zu ihm aufzubauen.
Das Drama nimmt seinen Lauf
Die Lage spitzt sich immer mehr zu. Murer hadert mit sich, mit Gott und der Welt
Das Theater beginnt mit der Dorfgemeinschaft, die den Spielplatz einnimmt und die heile Welt vermittelt. «Geng gärn guet hei miir s da hie, guet hei mer s», singen sie. Da ist die Welt noch in Ordnung, zumindest oberflächlich. Nur kurze Zeit lässt uns das Geschehen glauben, dass sich hier das unantastbare Glück des Lebens abspielt, aber die Fassade bröckelt, zerfällt in Kürze. Eine harte Realität mit Ausgrenzung, Unverständnis, Übergehen, Getratsche hält im Steinbruch Einzug. Die Charaktere werden seziert, manchmal moralisch blossgestellt, gelegentlich, mit verstärkendem Chorgesang, etwas überzeichnet.
Lang gehütete Geheimnisse werden offenbart
Gmeindamme Hotz (Rolf Zumbrunn, links) spielt eine zentrale Rolle im Leben Murers, er will ihm auch helfen aus der verzwickten Lage.
Von Gemeindeammann Hotz, Meitschi`s Pflegevater, erfährt Murer, dass er der Vater dessen Pflegetochter und ebenso des Aussenseiters Näppu ist. Er verschweigt es jedoch dem Mädchen, weil er sich um ihren guten Ruf sorgt. Als der Lehrer Kiburz versucht, Meitschi in eine Besserungsanstalt zu stecken, muss Murer dem Gemeindeammann versprechen, Meitschi nicht wiederzusehen.
Das Mädchen taucht aber dennoch bei ihm auf und die beiden werden vom Gemeindeammann und dem Lehrer gestellt. Das Meitschi erfährt, dass es die Tochter Murers und somit auch die Halbschwester von Näppu ist, den sie nicht ausstehen kann. Sie rennt davon, in die Nacht hinaus. Später am Abend versucht Murer seinen Sohn zu erschiessen. Der erkennt die Gefahr und rennt in Panik davon.
Während die Suche nach Meitschi andauert, findet Lehrer Kiburz einen Brief des amerikanischen Konsulats, der die Unschuld Murers beweist. Er liest ihn und rennt sofort zum Steinbruch, um sich bei Murer zu entschuldigen. Gemeinsam gehen der Gemeindamann, der Lehrer und Murer auf die Suche nach Meitschi. Sie finden sie schliesslich am Flussufer, wo sie sich mit Näppu angefreundet hat.
Eine Parallele und Metapher auf das aktuelle Weltgeschehen?
Näppu und das Meitschi suchen immer wieder gerne den Steinbruch auf und geraten dabei andauernd in Clinch
Das Stück endet damit, dass Murer und Meitschi gemeinsam den in einem Wagen schlafenden Näppu zur Unterkunft im Steinbruch ziehen und hinterlässt eine optimistische Note bezüglich ihrer Zukunft zu dritt. Ein fast schon kitschiges Happy End relativiert die vorher ungeschönt dargestellte Realität, die auch als eine Metapher auf das heutige Weltgeschehen verstanden werden kann, vielleicht auch will und/oder soll.
Verdienter Lohn für die Protagonisten des „Steibruchs“
v.l.n.r. Meitschi, Murer, Näppu
Larina Jessica Amacher als „Meitschi“ und Julian Kobler als „Näppu“, die alternierend mit Olivia Zumbrunn und Gilles Antenen die Rollen verkörpern, wie überhaupt das gesamte Ensemble, boten eine eindrückliche Leistung, agierten jederzeit auf dem Niveau von Hauptdarsteller Hanspeter Müller – Drossaart, Livio Andreina bespielte die Szenerie mit überraschenden Einfällen, kluge Dialoge unterstrichen mit beindruckender Mimik und Gestik der Akteure, liessen die Zuschauer mal nachdenklich grübeln, bei einigen Dialogen schmunzeln, dann wieder hilf – und ratlos nachdenklich zurück, das Ganze aber nie mit erhobenem Zeigefinger, aber trotzdem kamen gewisse Reflektionen des eigenen Verhaltens rüber.
Alt Bundesrat und Ballenberg Mäzen Chirstoph Blocher mit Ehefrau Silvia
Für ihr authentisches Spiel, ihre eindrückliche Interpretation der Intentionen von Hanspeter Müller – Drossaart ernteten die Protagonisten, mitsamt dem Produktionsteam, einen verdienten, starken, langanhaltenden Applaus des Publikums (darunter auch so prominente Persönlichkeiten wie alt Bundesrat Christoph Blocher mit Gattin Silvia), inklusive einer partiellen stehenden Ovation.
Kleine Fotodiashow der Produktion von Markus Flück: