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Hélène Grimaud in der Elbphilharmonie in Hamburg 2017, © Claudia Hoehne

Hélène Grimaud – Woodlands and Beyond, KKL Luzern, 21. Oktober 2017, besucht von Léonard Wüst

Hélène Grimaud in der Elbphilharmonie in Hamburg 2017, © Claudia Hoehne
Hélène Grimaud in der Elbphilharmonie in Hamburg 2017, © Claudia Hoehne

Besetzung und Programm:

Luciano Berio (1925 – 2003)
«Wasserklavier» aus: 6 Encores
–
Nitin Sawhney (*1964)
Water – Transition 1
–
Toru Takemitsu (1930 – 1996)
«Rain Tree Sketch II»
–
Nitin Sawhney
Water – Transition 2
–
Gabriel Fauré (1845 – 1924)
Barcarolle Nr. 5 fis-Moll op. 66
–
Nitin Sawhney
Water – Transition 3
–
Maurice Ravel (1875 – 1937)
Jeux d’eaux»
–
Nitin Sawhney
Water – Transition 4
–
Isaac Albéniz (1860 – 1909)
«Almería» aus: «Iberia»
–
Nitin Sawhney
Water – Transition 5
–
Franz Liszt (1811 – 1886)
«Les jeux d’eau à la Villa d’Este» aus: «Années de pèlerinage» – Troisième Année
–
Nitin Sawhney
Water – Transition 6
–
Leoš Janácek (1854 – 1928)
«Im Nebel» I
–
Nitin Sawhney
Water – Transition 7
–
Claude Debussy (1862 – 1918)
«La Cathédrale engloutie» aus: Préludes I

 

Rezension:

Hélène Grimaud © Mat Hennek

Vertont Hélène Grimaud Bilder, oder malt ihr Lebenspartner Mat Hennek Musik mit seiner Kamera? Für einmal tanzt die, am 7. November 1969 in Aix-en-Provence geborene französische Pianistin nicht mit den *Wölfen, auch nicht mit Wasser,  wie auf ihrem Album „Water„, das im Januar 2016 bei der Deutschen Grammophon erschien, sondern mit Fotoinstallationen. (*Hélène Grimaud  bezog 1997 in South Salem bei New York ein Haus und richtete ein Wolf Conservation Center ein, das 1999 eröffnet wurde).

Mehrfach preisgekrönte Künstlerin

Hélène Grimaud © Mat HennekHélène Grimaud  wurde u.a. schon 2002 honoriert mit dem französischen „Officier dans l’Ordre des Arts et des Lettres“, den Echo-Klassik-Preisen 2009 und 2013. Im Jahre 2004 erhielt sie den « Victoire d’honneur » der französischen Victoires de la musique. 2009 den Bremer Musikfest-Preis.  Ebenso erfährt ihr Engagement für die Zucht, den Schutz und der Reintegration von Wölfen in natürliche Umgebung grosse Beachtung.

Informationen zu Mat Hennek

Mat_Hennek ©Robert Schultze
Mat_Hennek ©Robert Schultze

Mat Hennek porträtierte viele Grössen der Klassik (Sängerinnen, Dirigenten usw.), arbeitet auch z.B. für große Plattenfirmen und Labels wie Deutsche Grammophon, Four Music, EMI, Sony BMG. Seine Arbeiten wurden u.a. veröffentlicht in folgenden, renommierten Printmedien: Cosmopolitan, Frankfurter Allgemeine Zeitung, GQ, Marie Claire, Max, Playboy, Süddeutsche Zeitung Magazin.

 

Basis des Konzertes sind Werke von acht verschiedenen Komponisten

Nitin Sawhney
Nitin Sawhney

Auf dem Programm standen Werke von acht verschiedenen Komponisten. Zwischen deren Werken erklang jeweils eine der „Transitions“ vom indisch stämmigen Engländer Nitin Sawhney, die er für  Grimauds CD „Water“ geschrieben hatte. Diese Zwischenspiele wurden als Backgroundmusik zugespielt, also nicht von der Pianistin vorgetragen, Das wirkte zu Beginn befremdlich, entwickelte sich aber im Verlauf des Konzertes durch die Fotoinstallationen immer weiter und fügte sich schlussendlich perfekt ins Ganze ein, da sich alle der real gespielten Kompositionen irgendwie auch mit der Thematik „Wasser“ befassten.

Das Thema Wasser, nebst den Fotoprojektionen, im Mittelpunkt

Angefangen bei „Wasserklavier“ von Luciano Berio über „Les jeux d`èau à la Villa d`Este“, bis zum finalen „La Cathédrale engloutie“ von Claude Debussy. Auf die 7 x 7 Meter grosse moderne LED-Leinwand auf der Bühne hinter der Pianistin projizierte Mat Hennek die Bilder seiner Fotoserie „Woodlands“. Durch Überblendungen passte er diese jeweils dem gerade gespielten Stück an, schuf so ein räumliches Bild der Musik.

Glanzlichter der Performance

Hélène Grimaud beim Internationalen Klavierfestival in La Roque d'Anthéron, 2004
Hélène Grimaud beim Internationalen Klavierfestival in La Roque d'Anthéron, 2004

Hélène Grimaud, mit ungewohnt blondem Kurzhaarschnitt, begeisterte nicht nur, aber vor allem, bei den Interpretationen von „Almeria“ (Isaac Albéniz) und „Im Nebel“  von Leos Janacek. Mat Hennek transformiert bei „Les jeux d`èau à la Villa d`Este“ den türkisfarben gischenden Wasserstrudel mittels Überblendungen kontinuierlich in eine lichtdurchflutete Birkenwaldlichtung, bei „Almeria“ die blutrot an den Meeresstrand wogenden Wellen in ein vielschichtiges, transparentes Abendrot über dem Ozean.

Ganz ohne Wölfe geht’s halt doch nicht

Hélène Grimaud
Hélène Grimaud

Beim Janacekschen Nebel erscheint natürlich ein milchiger Morgenwald in den er noch einen Wolf projiziert (Ganz ohne die, von der Pianistin so geliebten Wesen, geht’s dann doch nicht). Diese erscheinen in der Folge immer häufiger auf der Leinwand in den wechselnden Waldlandschaften. Nach dem, das Konzert abschliessende  Debussy Werk „La Cathédrale engloutie“, herrschte Stille.

Etwas ratloses Publikum

Es war sich niemand wirklich schlüssig, ob das Konzert fertig war. Erst nachdem sich Hélène Grimaud von ihrem Schemel erhob, brandete der grosse Applaus durch den Konzertsaal, worauf sie auch ihren Partner Mat Hennek auf die Bühne bat und ihn herzhaft umarmte. Grimaud wurde immer wieder zurück auf die Bühne geklatscht und gewährte schlussendlich doch noch eine Zugabe. Dieses sehr ungewöhnliche, intime Konzertprojekt, so Grimaud in einem Interview, entwickle sich ständig weiter, einige Bilder werden, in gegenseitiger Absprache, neu zugefügt, andere belassen. Es bleibe also, wie beim Wasser und auch der Musik, alles in Fluss.

Trailer Water – Transition 5″ & Franz Liszt „Les Jeux d’eaux à la Villa d’Este

www.youtube.com/watch?v=1OIWA8IcxPE

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: sinfonieorchester.ch/home

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Zentrum MaiHof Foto Ingo Hoehn

Mögen Sie Eulen, Big Bands und J.F.Kennedy? von Anna Rybinski

Zentrum MaiHof Foto Ingo Hoehn
Zentrum MaiHof Foto Ingo Hoehn

Wenn Sie die Frage mit ja beantworten, sind Sie bei uns an der richtigen Adresse!

Das nächste Konzert  von MusikWerk Luzern findet in MaiHof Luzern, am 4. November um 19.00 Uhr statt.

MusikWerk Luzern bietet seinem Publikum diesmal  ein spezielles Programm an:  Jungtalente der Hochschule Luzern werden  Musik von Igor Stravinsky und Leonard Bernstein zum Swingen bringen.

 

Igor Stravinsky in Hollywood,Foto Paul Sacher Stiftung
Igor Stravinsky in Hollywood,Foto Paul Sacher Stiftung

Diese Saison ist bei MusikWerk Luzern dem russischen Jahrhundertgenie Igor Stravinsky gewidmet. Im vierten MaiHof-Konzert erklingen Werke auch aus den späteren Jahren, in denen er  neue Musikrichtungen und Kompositionstechniken ausprobierte und aneignete.

Kaum ein Komponist, der so  unterschiedliche Phasen in seinem Schaffen durchlief, als Igor Stravinsky. Zwischen der russischen Periode, die von der Volksmusik stark beeinflusst war, und den amerikanischen Kompositionen, die im Exil entstanden sind, liegen Welten.

In seiner letzen Heimat, Kalifornien, war er vom allgegenwärtigen amerikanischen Sound, dem Jazz, umgeben. Stravinskys Beziehung zum Jazz fing jedoch schon in seinen frühen Pariser Jahren an. Mit seinem 1945 komponierten  «Ebony Concerto» erreicht seine Affinität zum Jazz einen Höhepunkt, zumindest so, wie  Stravinsky den Jazz für sich interpretierte.  Das Werk  bleibt allerdings in seinem Aufbau fast klassisch.

Nach Arnold Schönbergs Tod nähert er sich auch der Zwölftontechnik an, die er aber selbstverständlich anders auslegt als sein Erfinder: manchmal verspielt, manchmal virtuos.

Die Kompositionen «The owl and the Pussycat», sowie die «Fanfare for a new theatre» zeugen davon.

Schlüsselwerk von Stravinsky

MusikWerk zu Gast in Basel,Foto Benno Hunziker
MusikWerk zu Gast in Basel,Foto Benno Hunziker

Auch ein Schlüsselwerk von Stravinsky für grosses Bläserensemble wird an diesem Konzert erklingen: die «Symphonies d’instruments à vent».

Der Titel ist irreführend: es ist keine Sinfonie! Er meinte nur «zusammenklingend».

24 Blasinstrumente klingen hier zusammen und verschiedene musikalische Bausätze reihen sich aneinander, wie: Glockenmotiv, Choralmotiv, Tanzmotiv und russische Melodien. Diese Komposition hinterliess bei der Uraufführung im Publikum zunächst einen enttäuschenden Eindruck. Die Zuhörer erwarteten die sinnlichen Klänge eines Petruschka oder Feuervogels, stattdessen wurde ihnen ein herbes Musikkonstrukt präsentiert. Ein Kritiker behauptete, der Anfangsteil klänge nach den Schreien eines Esels.

Es leitete aber eine einschneidende Phase in seinem kompositorischen Schaffen ein, wie Stravinsky  selbst bestätigte.

Stravinskys «Elegie» zum Andenken an J.F Kennedy und das Werk «Prelude, Fugue and Riffs» von seinem amerikanischen Zeitgenossen, Leonard Bernstein ergänzen das abwechslungsreiche Programm.

 

MusikWerk in MaiHof,Foto Ingo Hoehn
MusikWerk in MaiHof,Foto Ingo Hoehn

Ob der Anfang der «Symphonies d’instruments à vent» an die Schreie eines Esels erinnert? Klingt das «Ebony concerto» wirklich jazzig?

Das Publikum möge es selbst entscheiden.

Es spielen das Bläserensemble und     Dozente  der Hochschule Luzern – Musik.

https://www.musikwerkluzern.ch/

Text: annarybinski.ch/

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Szenenfoto schwarze Null,Adrian Furrer

Luzerner Theater, Die schwarze Null Zentralschweizer Reportagen von Erwin Koch, Première vom 6. Oktober 2017, besucht von Felicitas Kranich

Die schwarze Null,Zentralschweizer Reportagen von Erwin Koch, v.l.n.r.Adrian Furrer, Maximilian Reichert, Wiebke Kayser Foto Ingo Höhn, Luzerner Theater

Die schwarze Null,Zentralschweizer Reportagen von Erwin Koch, v.l.n.r.Adrian Furrer, Maximilian Reichert, Wiebke Kayser Foto Ingo Höhn, Luzerner Theater

 

Produktion und Besetzung:

Inszenierung: Ivna Žic Raum und Video: Martina Mahlknecht Kostüme und Objekte: Sophie Reble Reportagen: Erwin Koch Licht: Marc Hostettler Dramaturgie: Julia Reichert

 

Rezension:

Szenenfoto schwarze Null,Adrian Furrer
Szenenfoto schwarze Null,Adrian Furrer

Nach dem mutigen Unterfangen eine Novelle des 19.Jahrhunderts in ein zeitgenössisches Grusical umzugiessen, unternahm das Luzerner Theater ein weiteres Wagnis: Die Inszenierung von Reportagen von Erwin Koch. Der bekannte Luzerner Journalist liefert mit fünf ausgewählten Geschichten sowie einer eigens für den Anlass geschriebenen Anekdote den Stoff für einen «Totentanz aus der Agglomeration», so der Untertitel. Die Analogie von «schwarzer Spinne» zu «schwarzer Null» ergibt sich also aus der Verstrickung des Menschen in Schuld und Schulden als archaisches Muster der Conditio Humana.

Was das Leben übrig lässt                

Szenenfoto schwarze Null,  Wiebke Kayser und Maximilian Reichert
Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser und Maximilian Reichert

Indem die Theaterbesucher mitten auf der Bühne Platz nehmen, im Bühnenbild der «schwarzen Spinne» sozusagen, werden sie selbst ein Teil des Welttheaters. Man sitzt auf dem Dorfplatz, mitten im Leben, es ist Fastnacht. Am Narrenbaum wirbeln bunte Bänder. Das Publikum ist vorbereitet auf die Geschichten, die diese Lebensfäden erzählen.

Rezitativer Einstieg in Erwin Kochs Geschichten

Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser
Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser

In Form einer Lesung beginnt die erste Geschichte von Erwin Schröter, dem «Robin Hood» aus Schötz. Er scheint unter einer Fastnachtsmaske selbst anwesend zu sein. Seine Tragik in der Definition des «schuldlos schuldig – Werdens» besteht in seiner Gutherzigkeit. Er wird die schwarze Null verfehlen, aus purer Güte. Die Lesung öffnet sich zum dramatischen Spiel und die musikalische Untermalung gewinnt theatralen Charakter. Erwin Schröter werden wir ganz am Schluss der Aufführung wieder begegnen. Ist das eine kleine Anspielung auf die fehlende Rahmengeschichte des Grusicals?

Beziehungskiste in vier Akten

Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser und Maximilian Reichert
Szenenfoto schwarze Null, Wiebke Kayser und Maximilian Reichert

Die Liebesgeschichte von Doris und Josef unterteilt die Regisseurin Ivna Zic in vier Sequenzen. Sie suchen sich per Internet, verlieben sich, vor der Hochzeit sind noch dringende Geständnisse fällig, existenzieller Art. Geständnisse, die über Ende oder Weiterbestehen der Beziehung entscheiden. Diese radikale Selbstauslieferung wirkt beschämend, anrührend. Doris, die 150 Kilo Lebendgewicht überzeugend gespielt von der grazilen Wiebke Kayser, besticht durch ihre Liebesfähigkeit, die erst klar Schiff machen muss, bevor sie ihren Josef zu heiraten wagt. Er soll wissen mit wem er es zu tun hat. Erst wenn er sie noch will, nachdem er weiss, dass sie in der Spinnwinde (Psychiatrie) war, kann sie mit ihm an den Altar treten. Sie sagt ihm von Anfang an, dass sie mit Männern schlechte Erfahrungen gemacht hat. Maximilian Reichert verkörpert den abgründigen, grundtreuen Josef glaubhaft. Seine Schwäche für Lokunfälle, die er begeistert fotografisch dokumentiert, nimmt man ihm ebenso ab wie seine Kraft sich gegen die ehrabschneidende Entlassung auf raffinierte Art zu rächen. Er befreit sich von der erniedrigenden Last, er findet zur Tat.

Erwin Koch hält auch traurige Geschichten literarisch fest

Die Geschichte vom Selbstmord des Elfjährigen, der eines heiter-hellen Tages von der «hohen Brücke springt ohne Schrei» dürfte die bizarrste Geschichte des Abends und damit ihr dramatischer Höhepunkt sein. Hier wird der Leser von Erwin Kochs Reportagen diesen speziellen Duktus wiedererkennen, der seinen Stil kennzeichnet. Rekonstruierende staubtrockene Beschreibung, so distanziert, dass es bereits schmerzt, detailliert bis in den Nanobereich. Das Rätsel darüber, was Leben auch sein kann, im Extremfall offenbar der Wunsch zu sterben, wird in dieser Geschichte am deutlichsten. Wir blicken in einen Abgrund, dessen klaffender Spalt der Verstand nicht zu überbrücken vermag.

Komisch – tragische Dreieicksgeschichte

Szenenfoto schwarze Null, Maximilian Reichert und Wiebke Kayser
Szenenfoto schwarze Null, Maximilian Reichert und Wiebke Kayser

Albert T., Laura N. und Oskar D. führen eine Menage a trois. Dass da einer zu viel ist, leuchtet allen ein, bis auf den glücklichen, betrogenen Ehemann, der am Leben hängt, gutgläubig und unverwundbar, mehreren Mordversuchen zum Trotz. Einer dieser Mordversuche, der Knollenblätterpilz, spielt eine tragende Rolle. Wir sind wieder im Fastnachtstreiben angelangt, das so grotesk ist wie das Leben selbst.

Kein Wintermärchen auf dem Pilatus

Der letzte Erzählfaden, mit dem die vorigen Geschichten verschnitten sind, widmet sich der letzten Winterwartin auf dem Pilatus. Sie schuldet ihr bitteres «Winterwinterwinterleben» einem unbedachten trotzigen Ausspruch, den sie einst zur Beschwichtigung ihres Vaters geäussert hatte. Mit dem Versprechen, den ersten Mann zu heiraten, der auf den Berg komme, besiegelt sie ihr eigenes grausames Schicksal. Sepp hat nicht gesprochen.

Nach vielen «kalten Abenden», vielen Daten, Jahreszahlen, Uhrzeiten macht sich langsam eine gewisse Müdigkeit im Publikum breit, da fällt dem Erzähler noch jene Anekdote ein, die er auf Schweizerdeutsch zum Besten gibt. Felix G., Jurist und Millionär spart sich selbst zu Tode aus krankhaftem Sparzwang. Die Bezüge bedürfen keiner Erläuterung für den lokalen Theaterbesucher. Wir kehren zurück zu Erwin Schröters Lebensresten, den guten Menschen aus Schötz. Er schafft es nicht sich zu erschiessen.

Unwägbare Wirrungen in unserem Sein

Autor Erwin Koch
Autor Erwin Koch

Das Rätsel der Mechanismen des Lebens bleibt, wir können unzählige Geschichten ausbreiten, sie studieren und analysieren. Wieso sich der eine von seiner Last befreien kann, notfalls durch eine Schuld, während die Bilanz des anderen am Ende seines Lebens unausgeglichen bleibt, werden wir nicht ergründen. Es bleiben Reste, unüberbrückbare Abgründe, Unerklärbares. Ist das ein Plädoyer für das Weitererzählen, für das sich weiter Wundern?

Fazit der Rezensentin

Die Frage der Eignung von Reportagen zur Dramatisierung steht noch aus. Der mutige Inszenierungsversuch lässt Zeit zur Entstehung von dem, was beim Lesen an Intimität zwischen Protagonist und Leser entsteht. Auf der Bühne wird dieses meditative Moment bald zur Beklemmung. Beim Schlussapplaus wirkte selbst der anwesende Autor etwas beklommen neben dem vom Fastnachtstanz im Strohkostüm erschöpften «Josef». Wiebke Kayser hielt die federleichte Spannung bis zuletzt.

Trailer mit Regisseurin Ivna Žic

http://www.luzernertheater.ch/dieschwarzenull

Trailer der Produktion

vimeo.com/237108022

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater

fotogalerien.wordpress.com/2017/10/06/luzerner-theater-die-schwarze-null-zentralschweizer-reportagen-von-erwin-koch-premiere-6-oktober-2017/

Text: Fee Kranich

Fotos: www.luzernertheater.ch,  Ingo Höhn

 

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anz 25 Variationen des Seins Foto Gregory Batardon

Luzerner Teater, Tanz 25: Variationen des Seins Tanz. Musik. Box. Choreographie von Georg Reischl. Uraufführung, Premiere besucht von Gabriela Bucher – Liechti, 15. September 2017

anz 25 Variationen des Seins Foto Gregory Batardon
anz 25 Variationen des Seins Foto Gregory Batardon

Produktion und Besetzung:

Choreographie und Kostüme: Georg Reischl Bühne: Lea Burkhalter Auftragskomposition: Vincent Glanzmann

Tanz Luzerner Theater: Zach Enquist, Shota Inoue, Carlos Kerr Jr., Olivia Lecomte, Dor Mamalia, Sada Mamedova, Aurélie Robichon, Tom van de Ven, Andrea Thompson, Giovanni Insaudo, Sandra Salietti, Valeria Marangelli, Louis Steinmetz, Aurora Stretti

Rezension:

Aurelie Robichon, Dor Mamalia
Aurelie Robichon, Dor Mamalia

Das Luzerner Tanztheater sorgt immer wieder für neue Erfahrungen, so findet «Tanz 25: Variationen des Seins» in der «Box» statt, also auf kleinstem und engstem Raum. Der Choreograph Georg Reischl will, wie in «Tanz 22: Up/Beat», die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Tanz und Musik ausreizen. Musikalisch begleitet werden er und die Tänzerinnen und Tänzer des Luzerner Theaters wieder vom Schweizer Schlagzeuger Vincent Glanzmann. Dieser komponierte speziell für diese Produktion ein Werk für Schlagzeug und elektronische Musik, vermischt mit Alltagsgeräuschen.

Olivia Lecomte GP
Olivia Lecomte GP

Auf schwarzen Teppichläufern rund um eine schneeweise Fläche begeben sich die Besucher auf ihre Stühle, die um diese Fläche herum in zwei Reihen aufgestellt sind. Das weisse Rechteck ist wie eine Projektionsfläche, auf welcher jeder seine Erwartungen ausbreiten kann, direktere und beobachtende Erwartungen dadurch, dass man sich als Publikum gegenüber sitzt. Durch die noch offene Türe leuchtet der Nespresso-Namenszug, Autolichter blitzen auf, verschwinden, Passanten gehen vorbei. Der Alltag mischt sich auch visuell ein ins Geschehen.

 

Begegnungen aus nächster Nähe

Sada Mademowa
Sada Mademowa

Dann kommen die Tänzerinnen und Tänzer auf die Tanzfläche, in ihren selber ausgesuchten Kleidern, «outfits», wie die Tanzdramaturgin Selina Beghetto in ihrer Einführung erklärte: Ein rotes Hängerchen, ein buntes Hemd, ein Tanktop, ein bauchfreies Shirt, eine flatternde Bluse, verschieden farbige Socken. Sie setzen sich auf die Stühle, die auf der Tanzfläche stehen, massieren ihre roten, braunen, grünen Füsse. Dann beginnen sie ihre Reise, anfänglich alle gemeinsam, wie festgeklebt auf ihren Stühlen, stellen sich dem Publikum vor, stellen sich vor das Publikum, sehr nahe, so nahe, dass man nicht wegsehen kann. Sie bewegen sich im Raum, immer mit ihren Stühlen, bis sich einer nach dem anderen löst, ausbricht und sich selber erfährt, sich erfühlt in Bewegungen. Diese sind mal spastisch verkrampft, mal schlangenhaft fliessend, mal erratisch, mal kampfsportartig, dann wieder versonnen und träumerisch. Mal stehen sie zu dritt auf der Fläche und bewegen sich im Gleichklang, mal einzeln, mal alle zusammen, mal als Pas de deux aber immer irgendwie nur sich selber und allein. Besonders eindrücklich die Szene mit Sada Mamedowa und Giovanni Insaudo, wenn sie jede einzelne Note, jedes einzelne Geräusch tanzen, interpretieren und in Bewegung umsetzen, eine perfekte Symbiose von Musik, Geräusch und Tanz.

Verloren im Detail

Olivia Lecomte, Carlos Kerr, Valeria Marangel li, Andrea Thompson
v

Die unglaubliche Nähe der Tänzerinnen und Tänzer hat etwas Faszinierendes, lenkt aber auch ab. Man verliert sich in der Betrachtung einer muskulösen Schulter, eines flatternden Armes, einer zarten Wirbelsäule, man beobachtet fasziniert, wie unterschiedlich ein Fuss aufgesetzt werden kann, wie sich Arme und Beine auf beinahe rätselhafte Weise verschlingen, wie sich ein Körper schlangenartig und mit einer unglaublichen Elastizität (Carlos Kerr Jr.) auf dem Boden bewegt.

Man müsste dieses Stück wohl, drei, vier Mal sehen, wie es auch Beghetto erwähnte, um alle «Variationen des Seins» der verschiedenen Tänzerinnen und Tänzer erfassen zu können. Nach diesem ersten Mal bleiben vor allem das Staunen und die Begeisterung über die unglaubliche Leistung, die Beweglichkeit und die Körperbeherrschung der Tänzerinnen und Tänzer. Direkter und näher kann Tanz wohl selten erlebt werden.

Text: www.gabrielabucher.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

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leonardwuest.ch  Paul Ott:www.literatur.li

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