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Ives Wüthrich, Alina Vimbai Strähler, Lukas Darnstädt, Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Sophia Borsani, Foto Ingo Höhn

Luzerner Theater, Die schwarze Spinne, Ein Grusical nach Jeremias Gotthelf, Premiere 29. September 2017, besucht von Léonard Wüst

Ives Wüthrich, Alina Vimbai Strähler, Lukas Darnstädt, Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Sophia Borsani, Foto Ingo Höhn
Ives Wüthrich, Alina Vimbai Strähler, Lukas Darnstädt, Verena Lercher, Jakob Leo Stark, Sophia Borsani, Foto Ingo Höhn

Produktion und Besetzung

Inszenierung: Barbara-David Brüesch Bühne: Alain Rappaport Musikalische Leitung: Knut Jensen Licht: Marc Hostettler Dramaturgie: Hannes Oppermann Dramaturgie: Anita Augustin Kostüme: Geraldine Arnold Video: Georg Lendorff

Verena Lercher (Christine) Lukas Darnstädt (Grüner / Erzähler) Christian Baus (Pfarrer) Thomas Douglas (Ritter von Stoffeln) Jakob Leo Stark (Hornbachbauer) Sofia Elena Borsani (Elsi) Alina Vimbai Strähler (Bäuerin) Yves Wüthrich (Hans) Hannes Junker (Live Musik) Statisterie des LT

Anlässlich der Einführung erläuterte Dramaturg Hannes Oppermann, dass man sich u.a. durch den Kult Horrorfilm „Sleepy Hollow“ des Regisseurs Tim Burton und die Spielweise und Mimik von Buster Keaton inspirieren liess. Gotthelf habe ja durchaus die „Schwarze Spinne“ im Stil eines Howard Phillips Lovecraft oder Edgar Allan Poe (1809 – 1849)  verfasst. Lovecraft (1890 – 1937), der amerikanische Schriftsteller, gilt bis heute als einer der weltweit einflussreichsten Autoren im Bereich der phantastischen und anspruchsvollen Horrorliteratur.

Rezension:

Christine als Spinne (Verena Lerche)
Christine als Spinne (Verena Lerche)

Klassiker umzuschreiben kommt selten gut, ausser man postuliert das Ganze als Parodie und inszeniert es dementsprechend. Im Stückbeschrieb tönt es gut, sogar sehr gut, dass man die Parabel auch in die heutige Zeit umdeuten könne. Ist es das Fremde, das uns das Unglück bringt? (Bei Gotthelf in den Personen der Christine, die aus dem fernen Lindau am Bodensee ins Emmental kam und des herrschenden, nicht einheimischen Lehnherrn Ritter von Stoffel). Oder ist es bloss die Angst vor dem Fremden unbekannten, die Argwohn und Unbehagen auslöst und die Einheimischen verstört? Man kann es wenden und drehen wie man will, im gedanklichen Hintergrund lauert immer die Spinne, die einem, auch wenn man nicht unter einer ausgeprägten Arachnophobie leidet, als etwas Unheimliches und Gefährliches präsent ist. Entweder man bleibt bei Gotthelf und inszeniert dramatisch, oder man parodiert und  macht einen Horrorklamauk daraus. Am Luzerner Theater macht man weder das eine, noch das andere, sondern versucht einen Mittelweg einzuschlagen, wie sich erweisen wird, ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Der Teufel, alias der Grüne, rettet alles

Der Grüne (Lukas Darnstädt) im Mondschein. (Bild Ingo Hoehn)
Der Grüne (Lukas Darnstädt) im Mondschein. (Bild Ingo Hoehn)

„The Castle is ready, the Castle is nice, aber es isch z’heiss“ lautet die Begründung von Schlossherr von Stoffel (Thomas Douglas), weshalb die Dorfbewohner 100 Schatten spendende Buchen auf den Schlosshügel bringen sollen.

Rettet der Teufel in Gotthelfs Parabel die Dorfgemeinschaft vor den unmöglichen Forderungen und den drohenden Repressalien ihres Lehnherrn, des Ritters von Stoffel, ist es bei dieser Adaption und Umsetzung als „Grusical“ das ganze Stück, ja der Theaterabend, der durch die Verkörperung von Lukas Darnstädt in der Rolle des fiesen, hinterlistigen, und trotzdem auf teuflische Art charmanten Jägers (des Grünen) zu verdanken, dass das Ganze nicht in einem Desaster endet. Wenn schon als „Grusical“ deklariert, sollte es mich auch gruseln, oder, wenn als Parodie angedacht, sollte es so karikieren, dass ich zumindest schmunzeln, gar lachen kann. Leider bewirkt es weder das eine, noch das andere. Die Rezitate, die den Schauspielern in den Mund gelegt werden, mal auf Englisch, hochdeutsch oder im Dialekt zu platt, vorhersehbar, ohne Wortwitz. Es ist sicher nicht einfach, einen hochdramatischen Stoff wie die „Schwarze Spinne“ umzufunktionalisieren, deshalb sollte man das besser sein lassen. Wie wärs nächstesmal mit einem von Grund auf selbstverfassten Ur – Emmentaler Spiderman (angewandter Geschlechterrollentausch), statt Gotthelfs Spinne abzuschlachten?

Zur Musik: Die Formation: Keyboard (Kenneth Niggli), Schlagzeug (Hannes Junker), Kontrabass (Madlaina Küng) und Hackbrett (Nayan Stalder). Die Kompositionen von Knut Jensen erinnern mal an Andrew Lloyd Webber Melodien, mal hat man den Eindruck, dass der Landamme tanzt.

Keine Profilierungsmöglichkeiten für die Schauspielerinnen

An den Schauspielern liegt es nicht, zu wenige Gelegenheiten, um wirklich zu agieren und rezitieren. Nebst dem Teufel noch etwas in Erscheinung traten Verena Lercher als unangepasste, selbstbewusste Emanze Christine, Christian Baus als Bibelverse zitierender, Respekt einfordernder Pfarrer und der mal rüpelhafte, mal weinerliche Thomas Douglas  als Burgherr von Stoffel mit seiner kläffenden Schar von Wachhunden, dazu das gesamte Ensemble bei einer kurzen Sequenz in angedeuteter Zeitlupe mit brillantem Lichtdesign, das für kurze Zeit Hoffnung aufkeimen liess, dass doch noch etwas Spannendes passieren würde.

Entsprechend verhalten denn auch der Schlussapplaus eines Publikums, das schon während der ganzen Vorstellung unruhig und verstört wirkte.

Fazit des Experimentes:

Für ein „Grusical“ zu wenig gruusig, kein Gänsehautfeeling, für ein „Musical“ zu wenig spritzig, fast kein Gesang und ohne Tanz. Der einzige Gewinner der Inszenierung ist Lukas Darnstädt, der sich schon fast in Klaus Maria Braundauer Manier sensationell als Emmentaler „Mephisto“ profilieren konnte.

 

Text: leonardwuest.ch

Fotos: www.luzernertheater.ch

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Höhn, Luzerner Theater

fotogalerien.wordpress.com/2017/09/30/luzerner-theater-die-schwarze-spinne-ein-grusical-nach-jeremias-gotthelf-premiere-am-29-september-2017/

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Norma, Staatstheater Nürnberg

Norma,Melodramma in zwei Akten von Vincenzo Bellini, Staatstheater Nürnberg, 22. September 2017, besucht von Léonard Wüst

Norma, Staatstheater Nürnberg
Norma, Staatstheater Nürnberg

Besetzung:

Marcus Bosch (Musikalische Leitung), David Yim (Pollione), Alexey Birkus (Oroveso), Hrachuhí Bassénz (Norma), Ida Aldrian (Adalgisa), Theresa Steinbach* (Clothilde), Yongseung Song (Flavio), Severin Arndt (Kinder), Staatsphilharmonie Nürnberg, Chor des Staatstheater Nürnberg

 

 
Hrachuhí Bassénz (Norma)
Hrachuhí Bassénz (Norma)

Die «Norma „in Nürnberg ist eine Koproduktion mit dem Théâtre des Champs-Élysées und der Opéra de Saint-Etienne.

Grundsätzliches zu Bellinis Komposition

David Yim (Pollione)
David Yim (Pollione)

Es ist das Meisterwerk von Vincenzo Bellini und er selbst hielt sie für „die beste seiner Opern“: „Norma“ von 1831. Auch heute noch ist „Norma“ die bekannteste Oper des Komponisten und mit der Arie „Casta Diva“ verbindet sich der Höhepunkt belcantistischen Könnens und musikdramatischer Rührung – vielleicht auch wegen der leichtgängigen Assoziation von der angerufenen keuschen Göttin der Oper mit einer dramatischen Operndiva vom Format einer Maria Callas oder neuerdings Cecilia Bartoli.

Stéphane Braunschweigs Inszenierung am Staatstheater Nürnberg

Die Nürnberger Inszenierung, vor ausverkauften Rängen,  überzeugt mit hervorragenden Interpretinnen, einem schlichten, dennoch aussagekräftigen Bühnenbild und hervorragender orchestraler Umsetzung der Bellini Komposition durch die Staatsphilharmonie Nürnberg (Leitung Marcus Bosch). Unterstützt vom ausgezeichneten Chor des Staatstheaters konnten die Solistinnen und Solisten ihre Stärken voll umsetzen. Die Stimme der armenischen Sopranistin Hrachuhí Bassénz  in der Titelrolle verfügt über ein dunkles weiches Timbre, wodurch die Arie „Casta Diva“ mysteriöser, noch geheimnisvoller daherkommt, als bei andern Sopranistinnen üblich. Ebenso  kontrastiert  Bassenz‘ farbkräftiger, volumenreicher Sopran perfekt zur hellen und klaren Stimme Ida Aldrians als Novizin Adalgisa.

Ida Aldrian (Adalgisa)
Ida Aldrian (Adalgisa)

Die Adalgisa wird zunehmend wieder, wie von Bellini komponiert, mit lyrischen Sopranistinnen besetzt, statt, wie bis vor ein paar Jahren üblich, mit Mezzosopranistinnen. Auffallend auch die steigende Anzahl südkoreanischer Tenöre in Europa. In Nürnberg waren beide Tenorrollen mit Südkoreanern besetzt, die sich gegen die starken Bellini Frauen mehr als nur zu behaupten wussten.

Auch alle Nebenrollen waren perfekt besetzt, besonders sympathisch natürlich immer die beiden Kinder der Norma, die den rauschenden Extra Applaus am Schluss sichtlich genossen und um die Wette strahlten.

Männer auf Ohrenhöhe mit den Bellini Frauen

Ein gut aufgelegter David Yim als Pollione machte die Duette und Terzette der Nürnberger Inszenierung zu starken Kontrapunkten gegen die sonst fast übermächtige „Casta Diva“.

Alexey Birkus (Oroveso)
Alexey Birkus (Oroveso)

Zu Beginn beherrschte Normas Vater Oroveso  (Alexey Birkus) mit seinem kräftigen, sehr gut artikulierten Bass die Szene. Zusammen mit dem Chor singt und agiert er am Versammlungsort der Gallier in der düsteren, grau – blauen Kulisse, für die Stéphane Braunschweig zeichnet und in der er inszeniert.

Das Publikum würdigte die bravourösen Leistungen mit begeistertem stürmischem Applaus, zu einer stehenden Ovation reichte es nicht ganz.

Von den „Städtischen Bühnen Nürnberg“ zum Staatstheater

Ein Prachtbau mit einem klassischen Opernhaus Interieur, also viel bordeaux, golden, Stuck, drei Balkone, sechs Logen, drei auf beiden Seiten, wovon jeweils die oberste für die Beleuchtungselemente (Scheinwerfer usw.) genutzt werden.

Am 21. Mai 2003 verkündete Ministerpräsident Edmund Stoiber die Beteiligung des Freistaates Bayern zur Hälfte an den Kosten des Vier-Sparten-Hauses. Damit wurden die Städtischen Bühnen Nürnberg zum Staatstheater Nürnberg erhoben. Mit der Gründung einer Trägerschafts-Stiftung am 1. Januar 2005 trat diese Regelung und Auszeichnung in Kraft.

Zum Vergleich unsere andern Norma Rezensionen der letzten Jahre

Norma Vincenzo Bellini, Gran Teatre del Liceu Catalàna Barcelona, besucht von Léonard Wüst, 12. Februar 2015

https://www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/67227674-norma-vincenzo-bellini-gran-teatre-del-liceu-catalana-barcelona-besucht-von-leonard-wuest-12-februar-2015

Luzerner Theater Vincenzo Bellini`s „Norma“, Première, 12. März 2016, besucht von Léonard Wüst

https://www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/67237390-luzerner-theater-vincenzo-bellini-s-norma-premiere-12-maerz-2016-besucht-von-leonard-wuest

Genf OPERA DES NATIONS – NORMA, Première, 16. Juni 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

https://www.bochumer-zeitung.com/de/magazin-magazin/lifestyle/87234135-genf-opera-des-nations-%E2%80%93-norma,-premi%C3%A8re,-16-juni-2017,-besucht-von-gabriela-bucher-%E2%80%93-liechti

 

Fotogaleriendiashow Norma, Szenenfotos
 
 
 

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Lucerne Festival, die Kompositionsaufträge der Roche Young Commissions 2019 gehen an Marianna Liik und Josep Planells Schiaffino

Marianna Liik und Josep Planells Schiaffino c Nik Hunger
Marianna Liik und Josep Planells Schiaffino c Nik Hunger

Marianna Liik und Josep Planells Schiaffino erhalten die Kompositionsaufträge der Roche Young Commissions 2019. Wolfgang Rihm, der künstlerische Leiter der Lucerne Festival Academy, hat die beiden jungen Künstler ausgewählt, am 4. September wurden sie bei Roche offiziell empfangen. Liik und Planells Schiaffino werden bis 2019 je ein Werk komponieren, an dem sie im Sommer 2018 zusammen mit Rihm und dem Orchester der Lucerne Festival Academy arbeiten. Die Uraufführung der Werke findet im Rahmen des Sommer-Festivals 2019 statt.

Die Roche Young Commissions wurden 2013 erstmals als einzigartige Kooperation zwischen Roche, Lucerne Festival und der Lucerne Festival Academy ins Leben gerufen. Seit 2003 werden im Rahmen der Roche Commissions Werke an weltweit renommierte Komponisten in Auftrag gegeben, mit den Roche Young Commissions wurde die Partnerschaft erweitert. Die Werke der Roche Commissions und der Roche Young Commissions werden jeweils alternierend alle zwei Jahre uraufgeführt. 2015 erhielten Lisa Streich und Matthew Kaner den Kompositionsauftrag der Roche Young Commissions 2017. Die Werke Segel von Streich und Encounters von Kaner wurden vergangenen Samstag, den 2. September unter der Leitung von Gregor Mayrhofer und Jeffrey Means zusammen mit dem Orchester der Lucerne Festival Academy uraufgeführt.

Die 1992 geborene Estin Marianna Liik schloss 2017 das Masterstudium in Komposition an der Estonian Academy of Music and Theatre bei Helena Tulve and Margo Kõlar ab. Sie besuchte Meisterkurse bei Wim Henderickx, Fausto Sebastiani, Daniele Bravi, Bryan Christian, Niels Rosing-Schow und Ivan Fedele. Liik schrieb bereits Werke für Orchester und Ensembles wie dem Estonian National Symphony Orchestra und dem finnischen Uusinta Ensemble. Sie durfte zahlreiche Aus-zeichnungen entgegennehmen, darunter den zweiten Preis beim International Rostrum of Com-posers 2013 in Prag, den WDR Filmscore Award 2014 beim Soundtrack_Cologne 11 sowie zusammen mit Leika Leemets den Preis des EK:Labor 2016 (Estländisches Programm für junge Musikproduzenten) mit dem Werk «Commentarium».

Josep Planells Schiaffino, 1988 in Valencia geboren, studierte Komposition an der Berliner Hochschule für Musik «Hanns Eisler». Seine Werke wurden von diversen Formationen gespielt, darunter das Ensemble Modern, das Ensemble der Lucerne Festival Academy, das WDR Sinfonie-orchester Köln und die Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken. Planells Schiaffino wurde mit dem Hanns-Eisler-Interpretationspreis 2015 für sein Werk «Vier Stücke» ausgezeichnet. Er erhielt ausserdem den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes 2013 und den dritten Preis des Felix Mendelssohn Bartholdy Hochschulwettbewerbs 2014 der Universität der Künste Berlin. Erfahrungen als Dirigent sammelte er bereits bei Fred Butkiewicz in Berlin, Peter Rundel in Porto und Peter Eötvös in Budapest und München. www.lucernefestival.ch

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IImage by Don Wong and Courtesy of the Weisman Art Museum at the University of Minnesota

Vertraute Fremde – Meisterwerke am Ufer des Mississippi, Kolumne von Anna Rybinski

IImage by Don Wong and Courtesy of the Weisman Art Museum at the University of Minnesota
Image by Don Wong“ and „Courtesy of the Weisman Art Museum at the University of Minnesota

Museum von Frank Gehry

 

Die amerikanischen Zwillingsstädte (twin cities), Minneapolis und St. Paul im Staat Minnesota, sind voneinander vom mächtigen Strom Mississippi getrennt. Früher war er Nordamerikas  wichtigste Verkehrsstrasse und dank den Wasserfällen an seinem oberen Lauf ein Energielieferant ohnegleichen. Hierher wurde sogar aus dem  Süden Getreide stromaufwärts transportiert – die Mühlen arbeiteten effizient und brachten den Bewohnern Wohlstand und Reichtum. Bald nannte man  Minneapolis die »Mehlhauptstadt« Amerikas.
Die Stadt hat eine Fülle von interessanten Museen, unter ihnen gibt es ein wahres Juwel neueren Datums – es thront am Ostufer des Mississippi auf einem kleinen Hügel, mit wunderbarer Aussicht über den Fluss und Downtown Minneapolis.

Skulptur »Dawn« von Niki de Saint Phalle Image courtesy of the Weisman Art Museum, University of Minnesota.
Skulptur »Dawn« von Niki de Saint Phalle Image courtesy of the Weisman Art Museum, University of Minnesota.

Die Rede ist vom WAM  -The Frederic R. Weisman Art Museum.  Es   ist ein integraler Teil von University of Minnesota, 1993 mitten im Universität-Campus erbaut. Bei dessen Anblick hatte ich ein Aha-Erlebnis: Wir kennen es ja  schon! In der Tat, aus Bilbao.  Nur wurde dieses Gebäude vier Jahre vor dem weltberühmten Guggenheim-Museum gebaut! Die  Ähnlichkeit  der beiden sticht ins Auge: Die glänzende Stahlfassade, die schrägen Wände, die unerwarteten Rundungen … sie scheinen gar nicht von einem Reissbrett zu stammen, hier ist so gut wie nichts im Lot!  Es ist ein Gebäude wie aus dem Märchenbuch. Man kann sich daran kaum sattsehen; es ist aus jedem Winkel  überraschend und bezaubernd. Unverwechselbare Schönheit  à la Gehry.

Das Museum selbst wurde 1934  gegründet; damals standen bloss einige Säle in einem Auditorium zur Verfügung. Die kleine »Universität Galerie« wurde gut besucht, Schenkungen  bereicherten die Sammlung –  bald träumte man von einem  eigenen Gebäude. Es dauerte jedoch Jahrzehnte, bis es so weit war. Der Geschäftsmann, Kunstsammler und Philanthrop Frederic R. Weisman half schliesslich, diesen Traum zu verwirklichen. Er hat mit diesem  Museum die Studenten seiner Heimatstadt und seiner Universität wahrhaft  grosszügig beschenkt!

Bald war auch der Architekt gefunden – der zweite Glücksfall  -  die Planer haben mit Frank Gehry  für die Zukunft entschieden. Die Sammlung weist  inzwischen über 25.000 Exponate auf. Private Mäzene garantieren den freien Zugang für alle Besucher. Ursprünglich als ein Museum für amerikanische Kunst gedacht, wurde mit Werken aller Epochen und Nationen bereichert. Zu meiner Freude habe ich neben antiken griechischen Vasen sogar die farbig-fröhliche Skulptur  »Dawn« von Niki de Saint Phalle entdeckt.

 

Theater von Jean Nouvel

Das Guthrie Theater, gebaut von Jean Nouvel Privataufnahme der Kolumnistin
Das Guthrie Theater, gebaut von Jean Nouvel Privataufnahme der Kolumnistin

Die Quadratur des Kreises: Dieser Begriff ist, wie wir wissen, zur Metapher für eine unlösbare Aufgabe geworden. Aber aus einem Viereck einen Kreis zu machen ist anscheinend möglich, ich habe es mit eigenen Augen gesehen: Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern existiert in Amerika nämlich in Rundform. Die Fenster, das Material, die dunkelblaue Farbe: alles so bekannt und wiederum so unverwechselbar! Als Luzernerin musste ich die Augen reiben und nach einer Erklärung suchen, die schnell gefunden wurde: Der Architekt war auch hier Jean Nouvel.
Es ist das neue Guthrie Theater, erbaut 2006 (also 5 Jahre nach KKL),  gleichfalls am Ufer des Mississippi.
Hier einige Angaben und Fotos zu dessen Geschichte.
Der berühmte britische Regisseur, Sir Tyrone Guthrie (1900-1971) wollte seine innovativen Vorstellungen in Amerika, in einem speziell für ihn errichteten Theater verwirklichen. Die reiche Stadt Minneapolis bot ihm diese Möglichkeit und das erste Guthrie-Theater wurde 1963 erbaut. Das Haus galt aber nach etlichen Jahrzehnten nicht mehr als zeitgemäß, ein neues Gebäude musste her. Dem Architekten stand diesmal eine exklusive Lage zur Verfügung, am Ufer des Mississippi, direkt neben dem berühmten ›Mill-District‹, wo früher die berühmten Mühlen  arbeiteten.
Guthrie,  der  für seine Shakespeare –Inszenierungen  weltweit gelobt wurde, liess das Theater   in Minneapolis auch in Rundform bauen, nach dem Vorbild des berühmten Globe in London.  Die einzige Bedingung für den neuen Architekten war demnach der runde Grundriss.  Nouvel suchte - wen wundert es? -  die Verbindung mit dem Wasser, wie in Luzern. Die hohe Uferpartie machte es hier jedoch unmöglich, direkt am Fluss zu bauen. Er entwarf also eine halbe Brücke, die quasi im Nichts endet, die ›endless bridge‹, die aus dem Gebäude hinausragt, um wenigstens so weit wie möglich über das Wasser zu gelangen.
Ich muss gestehen, dieser seltsame Schnabel schockierte mich zuerst. An der Grenze der technischen Möglichkeiten, wie das Dach vom KKL, allerdings ohne dessen kühne Eleganz. Aber den Besuchern bietet die Plattform eine wunderbare Aussicht über die ehemaligen Mühlen, die heute das Museum-Distrikt bilden, den St. Anthony Wasserfall und über das andere Ufer.

Die unvollendete Brücke des Guthrie Theater Privataufnahme der Kolumnistin
Die unvollendete Brücke des Guthrie Theater Privataufnahme der Kolumnistin

Der Gebäude-Komplex umfasst drei Theaterräume in verschiedenen Größen, Bars, Restaurants und eben diese Aussichtplattform, die Touristen und Spaziergänger magisch anzieht.
Wer einmal nach Minneapolis reist, sollte auch ein anderes Museum besuchen, das starke Beziehung zur Schweiz hat. Das Architekturbüro Herzog & de Meuron Basel war für ein weiteres Wahrzeichen der Mississippi-Metropole verantwortlich, für den neuen Trakt des Walker Art Center.
Der Bundesstaat Minnesota hat übrigens weit mehr als 10.000 Seen, obwohl er den stolzen Rufnamen  vom  »Land of 10,000 Lakes« trägt. Wie viel? So genau wissen es die Einheimischen auch nicht. Also Wasser, soweit das Auge reicht - früher ein Segen für die Ureinwohner, später für die Einwanderer, noch später für die Grossindustrielle.

Mir scheint,  die Geschichte der Neuen Welt ist nicht viel anders als die unsere.

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