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Lucerne Concert Band & Les Sauterelles, KKL Luzern, 13. Mai 2017, besucht von Léonard Wüst

Lucerne Concert Band Les SauterellesBesetzung:

Gian Walker
, Leitung
Les Sauterelles
Lucerne Concert Band

 

Rezension:

Immerhin hab ich die „Swiss Beatles“, wie die „Sauterelles“ auch genannt wurden, Ende der 1960er Jahre noch zweimal live erlebt. Beide Konzerte an den damals „Beatabend“ genannten Events, einmal in Nottwil in einem alten, natürlich rauchgeschwängerten, nach viel Bier riechenden alten  Restaurantsaal, dann nochmals im altehrwürdigen Saal des Löwengarten in Luzern, zusammen mit der britischen Kultband  „Casey Jones and The Governors“. Im Gegensatz zu den „Sauterelles, existieren beide Lokale schon längere Zeit nicht mehr.

Lucerne Concert BandDie Lucerne Concert Band, entstanden aus der Feldmusik Luzern, platzierte sich auf der Bühne im fast total ausverkauften Konzertsaal.  Wir wurden zuerst in die 1960er Jahre zurückversetzt, mittels Hörproben aus einer Tagesschausendung von 1964 (Eröffnung der EXPO 1964 in Lausanne) usw. Was sonst noch so los war damals, reportierte die Stimme des „Schnurri der Nation“ Bernard Thurnheer, der dann, zur Überraschung des Publikums, tatsächlich auf die Bühne trat und den Abend anmoderierte. Dies in seiner unnachahmlichen, charmanten Art. Beni Thurnheer c Blick onlineEs sollte also eine Zeitreise in die Musik der 1960er / 1970er Jahre werden, damals, als alles anfing mit der Popmusik auf der ganzen Welt mit u.a. den Beatles, Rolling Stones usw.  und den „Sauterelles“ in der Schweiz im Besonderen. Toni Vescoli gesellte sich zu Thurnheer und gemeinsam liess man etwas Musikhistorie Revue passieren. Hartes Brot mussten die jungen Musiker essen, nebenbei noch bürgerlichen Berufen nachgehen, leben von der Musik, ihr Traum, war noch weit entfernt. Sie bissen sich hartnäckig durch, in öfters wechselnden Besetzungen, mal mit mehr, aber meistens mit weniger Engagements. Ihr Musikstil, zuerst von den, von Toni Vescoli sehr verehrten „Shadows“ geprägt (Grösster Hit „Apache“ im Jahre 1960), hin zu Coverversionen der damals angesagtesten Gruppen, selbstredend u.a. den „Beatles“ und den „Rolling Stones“. Eine besondere Beziehung verband die Band auch mit „Casey Jones and the Governors“, mit denen man durch die Schweiz und mit den Kinks, mit denen man sogar  durch die Schweiz und Österreich tourte, dadurch auch im nahen Ausland bekannt wurde, was auch dort einige Engagements einbrachte. Ein ganz besonderes Erlebnis auch der Gig als Vorgruppe beim legendären Rolling Stones Konzert im Zürcher Hallenstadion am 14. April 1967. (NZZ online: Mit dabei war auch der Sänger Toni Vescoli. Mit den Sauterelles, der damals wohl bekanntesten Schweizer Band, war er erfolgreich im Vorprogramm aufgetreten. Vescoli: «Wir waren die einzige Vorgruppe, die für ihren Auftritt nichts bezahlen musste und nicht ausgepfiffen wurde»). Dann orientierte Beni national, dass die Sauterelles erst nach der Pause auftreten würden, der erste Teil des Konzertabends von der Lucerne Concert Band bestritten werde. Also betrat jetzt auch Dirigent Gian Walker die Bühne und startete mit einem Medley von ABBA Hits das Konzert. Querbeet von Dancing Queen, über Mamma mia, Fernando, The Winner takes it all bis zum finalen 1974 Eurovisionssieger Hammer „Waterloo“.  Viel gute Laune Musik also zum Einstimmen. was Moderator Beni zur folgenden kurzen Zwischenmoderation motivierte: Der am heutigen Abend ebenfalls stattfindende European Song Contest habe ja offensichtlich nicht mehr so die ganz grosse Bedeutung, das sei schon dadurch erwiesen, dass Ihr alle hier im KKL sein. Dann gings weiter im Programm mit dem bekannten Intro von „Smoke on the Water“, mündete schlussendlich in ein aussergewöhnliches  Deep Purple Medley, bei dem auch einige Orchestermusiker die Gelegenheit für ein kurzes Solo bekamen. Beginnend mit Posaune, über eine leicht schräge Saxophonimprovisation, führte Gian Walker schlussendlich in einem furiosen Finale wieder alles zusammen. Hier fügte Thurnheer noch die Anekdote ein, dass die Sauterelles bei einem Konzert in Bern, aufgrund einer Doppelbuchung nicht auftreten konnten, deshalb vom Veranstalter kurzfristig durch „Deep Purple“ ersetzt wurden. Dies aber gar nicht zur Freude des Publikums, für das die „Sauterelles“ die bessere und bekanntere Band war. Dann kündigte er den ultimativen „Sound of the 60ties“ an. Diesen startete die Band rasant mit „Surfin USA“ von den Beach Boys (1963) mit einem schönen Saxophonsolo ergänzt, bevor man auf einen gemütlicheren 6/8 Takt wechselte, eine in der Soulmusik oft gebräuchliche Rhythmusvariante (z. B. When a man loves a woman von Percy Sledge usw.) Hier setzte das Xylophon mit schönen Läufen Akzente, abgelöst durch die Posaune, die auch überführte in die Beatles Hymne „Hey Jude“, deren relativ simple Harmonien durch ein brillantes Gitarrensolo und schöne Bläsersätze veredelt wurden, sehr zum Wohlgefallen des gutgelaunten Publikums, das die Darbietung denn auch begeistert applaudierte. Beni kündigte zum Abschluss des ersten Konzertteils noch ein Medley der „Jackson Five“ an. Dieses beinhaltete  eine schöne Querflötensequenz, gefolgt von Saxophon und kurzer Schlagwerkeinlage, vom Dirigenten in ein furioses Finale geleitet. Das Auditorium feierte die Musiker ausgiebig mit begeisterten Applauskaskaden, entliess diese aber schlussendlich  doch noch in die wohlverdiente Pause. Ebenfalls anwesend andere Koryphäen der Schweizer Musikszene. So grüsste Country Legende Jeff Turner hier und dort Bekannte und Fans, schritt ein anderer mit weissem Pferdeschwanz und im Schottenrock majestätisch durch den Saal.

Toni Vescoli, Gitarre und GesangNach der Pause betraten dann die vier „Heugümper“, seit über 50 Jahren aktiv, die Bühne und starteten das Set mit einem Medley aus Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, dem damals wegweisenden  Kultalbum der Beatles. Weiter mit bekannten Beatles Songs wie „Nowhere Man“, „Paperback Writer“ usw., gefolgt von „Mr. Tambourine Man“ aus der Feder von Bob Dylan. Dazwischen immer einige Anmerkungen von Toni Vescoli, über die Band, seine Mitmusiker, den Werdegang usw. 2012 feiern Les Sauterelles ihr 50-jähriges Jubiläum und veröffentlichen alle ihre alten Hits auf der Kompilation Yesterday. Als Beweis, dass die Band aber nicht von gestern ist, erscheint ein halbes Jahr später Today mit 17 neuen Songs. Auch erklärte der Bandleader, dass alle Mitglieder der Gruppe über sängerische Qualitäten verfügen und so liess er diese denn auch demonstrieren. Den Anfang machte der jüngste der Altrocker, Gitarrist Peter Glanzmann (*1951), gefolgt vom, mit Jahrgang 1941, ältesten, dem Bassisten Freddy Mangili. Dieser intonierte mit „Cadillac“ einen Song von Vince Taylor, der in den 1960er Jahren von vielen Bands gecovert wurde und eines der Highlights im damaligen Repertoire der „Sauterelles“ war. Dafür erntete Mangili einen grossen Sonderapplaus. Auch Schlagzeuger Düde Dürst (*1946) durfte seine gesanglichen Fähigkeiten noch demonstrieren, bevor man ein Medley der legendären "Kinks" zum Besten gab, frenetisch bejubelt vom hingerissenen Publikum eher reiferen Alters. Es folgte der erste Hit der Band, das rein instrumentale „Hongkong“, 1965 Nr. 1 in der Schweizer Hitparade, danach „Dream machine“ und diverse weitere Songs, die bei den Zuhörern emotionale Erinnerungen hervorriefen und begeisterten, was sich schlussendlich in einer stehenden Ovation äusserte. Beni Thurnheer, wieder auf die Bühne geeilt, versicherte, dass dies noch nicht das Ende der Fahnenstange sei. Als besondere Delikatesse, würden jetzt die „Sauterelles“ noch zusammen mit der Lucerne Concert Band ein paar Stücke spielen. Nachdem die Orchestermusiker ihre Plätze wieder eingenommen hatten, beorderte Beni auch noch den Dirigenten zurück auf die Bühne und schon gings los mit „Here we are again“. Mit „Heavenly Club“ aus dem Jahre 1968 durfte natürlich der grösste Hit der Kultband nicht fehlen, grossartig arrangiert für das gutgelaunte, ausgezeichnete Orchester, von Toni Vescoli (*1942) noch immer mit grosser Inbrunst gesungen. Da brachen alle Dämme, das Publikum feierte die Künstler mit einer „Standing Ovation“ und Bravorufen.

Düde Dürst, Schlagwerk und GesangDies animierte Beni Thurnheer, die Musiker für ihn als Zugabe noch die Hymne des 1960er Jahre schlechthin zu spielen: „All you need is love“ der Beatles aus dem Jahre 1967. Dem Wunsch entsprachen die Aufgeforderten, sehr zur Freude des Auditoriums, das jetzt schier aus dem Häuschen geriet, worauf eine erneute stehende Ovation losbrach und als weitere Zugabe nochmals „Heavenly Club“ gewährt wurde. Peter Glanzmann, Keyboard, Schlagwerk und GesangEin sehr gelungener Konzertabend, voll Nostalgie, längst vergessen geglaubte Erinnerungen wachrufend und der die hohen Erwartungen mehr als erfüllte.

Kleine Fotodiashow von Priska Ketterer:

fotogalerien.wordpress.com/2017/05/14/impressionen-von-lucerne-concert-band-les-sauterelles-kkl-luzern-13-mai-2017-besucht-von-leonard-wuest/

Freddy Mangili Bass und GesangCadillac:

www.youtube.com/watch?v=PP2R54Hr7m0

Sauterelles Hörproben:

www.sauterelles.ch/shop.php?o_id=1&a_id=5&album_id=1

Heavenly Club:

www.youtube.com/watch?v=ukwglcxgNAw

Veranstalter und Fotos. www.fml.ch/ & www.fml.ch/index.php/concertband

www.sauterelles.ch/index.php  www.vescoli.ch/

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Michel Camilo/Tomatito Duo, KKL Luzern, 7. Mai 2017, besucht von Léonard Wüst

Michel Camilo &Tomatito DuoMichel Camilo, Piano – Tomatito, Gitarre

Grundsätzliche Informationen des Veranstalters:

Aller guten Dinge sind drei: Es begann mit «Spain». Dann kam «Spain Again». Und jetzt kommt – wie könnte es anders sein – «Spain Forever»! Keine Frage: Der Jazz-Pianist Michel Camilo, der auch im Klassik-Bereich Erfolge feiert, und der von Paco de Lucia entdeckte Flamenco-Gitarrist Tomatito sind zwei Vollblutmusiker, die mit einigem Gefühlsüberschwang agieren. Hier haben zwei heissblütige und draufgängerische Mega-Virtuosen zueinander gefunden, die sich beide für neuartige und aufregende musikalische Fusionen begeistern, die nicht nur Jazz und Flamenco, sondern auch Salsa, Merengue, Samba, Tango und Calypso umfassen. Zwischen Camilo und Tomatito fliegen die musikalischen Ideen manchmal so schnell hin und her, dass man als Zuhörer nicht mehr aus dem Staunen herauskommt.

Kurzbiografie Michel Camilo:

Michel CamiloMichel Camilo, 1954 in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik geboren, Er nahm am dortigen Nationalen Konservatorium klassischen Klavierunterricht und wurde im Alter von 16 Jahren Mitglied des Nationalen Sinfonieorchesters der Dominikanischen Republik. 1979 zog er nach New York um und besuchte dort auch die „Juilliard School of Music“ wurde u.a. schon mit dem Grammy, dem Latin Grammy und dem Emmy Award ausgezeichnet. Camilo ist auch in der klassischen Musik zuhause.

 

Kurzbiografie Tomatito: Tomatito, am 20. 8. 1958 in Almería  als José Fernández geboren, wurde als junger Gitarrist vom legendären Paco de Lucia (1947 – 2014), dem Großmeister der Flamenco-Gitarre, in einem Flamencolokal entdeckt, von Camarón de la Isla (1950 – 1992), einem sehr bekannten Flamenco-Sänger. gefördert und gilt als einer der Pioniere des Flamenco Nuevo.

Er wurde 1997 mit der von Andalusien offiziell mit der Medalla de Plata“ ausgezeichnet. Für sein Album „Paris 1987“ erhielt er  den Latin Grammy als bestes Flamenco-Album, im Jahr 2000, zusammen mit Michel Camilo, für „Spain“ den Grammy Latino für das beste Jazz-Album, auch schrieb er mit an der Filmmusik für den deutschen Film „Bin ich schön?“ von Doris Dörrie.

Rezension:

TomatitoWas zuerst nach iberischem Musikstil tönt, löst sich schnell auf, findet sich wieder in den Traditionen des Swing Jazz,  einer Fusion aus Flamenco und Oscar Peterson. Handwerklich tadellos, leider etwas eintönig, liess das Set zu Beginn jede Spannung vermissen. Die beiden Künstler performten Songs aus ihren sehr erfolgreichen Alben, ausschliesslich Eigenkompositionen, keine einzige Coverversion anderer zeitgenössischen Musiker. Angekündigt waren auch Variationen von Merengue, Tango, Salsa. In diese Region stiessen aber die beiden nie vor, zu sehr verzettelten sie sich in Kostproben ihrer, unbestrittenen technisch sehr hochstehenden Virtuositäten. Erst wenn sie in langsameren, balladesken Stücken aufeinander eingingen, erahnte man, welch grosses Potential sie brachliegen liessen. Das zeigte sich dann doch noch bei ihrer Version von  Erik Saties (1866 – 1925): Gymnopédie No. 1. Schade, dass sie danach wieder zu seichtem, bedeutungslosen musikalischem Bargeplauder zurückkehrten. Das sachkundige Publikum wär die andere Reise sicher gerne mitgegangen. Seis drum, ein Genuss für die Ohren war es allemal, die Ankündigungen aber hatten mehr versprochen. Am Schluss war das Publikum dennoch zufrieden, bedankte es sich doch mit einer  stehenden Ovation bei den Künstlern.

www.michelcamilo.com/

Ein Konzert von: www.allblues.ch in Zusammenarbeit mit dem Jazz Club Luzern

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Luzerner Theater, Tanz 24: Timeless, Première 6. Mai 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Tanz 24 Foto , Gregory BatardonProduktionsteam und Besetzung:

Choreographie: Crystal Pite Choreographie: Bryan Arias Choreographie: Tsai Po-Cheng Tanz Luzerner Theater: Martina Consoli, Zach Enquist, Rachel P. Fallon, Shota Inoue, Carlos Kerr Jr., Rachel Lawrence, Olivia Lecomte, Dor Mamalia, Sada Mamedova, Salome Martins, Aurelie Robichon, Enrique Saez Martinéz, Tom van de Ven, Dario Dinuzzi, Andrea Thompson

 

Rezension:

Die Ballettfreunde hatten sich eingefunden letzten Samstag, gespannt darauf, was Tanz 24:Timeless bringen würde. Die Erwartungen waren hoch nach den vergangenen hervorragenden Produktionen. Drei verschiedene Choreografien standen auf dem Programm, zwei Uraufführungen und eine Schweizer Erstaufführung. Eine Herausforderung fürs Ensemble, wie die Dramaturgin Simone Günzel in ihrer Einführung erklärte, ein Glücksfall fürs Publikum, wie sich herausstellte.

Action Movie auf der Bühne

Im ersten Stück «Niflheim», »Nebelheim» auf Deutsch, liess sich der junge Taiwanesische Choreograph Po-Cheng Tsai von asiatischer Mythologie und Action-Filmen inspirieren. Beides ist spür-, hör- und sichtbar. Die Tänzer tragen alle dieselben schwarzen Kleider, Masken und weisse Zöpfe. Gesichter erkennt man keine und mit der speziellen Beleuchtung verschmelzen die Kleider oft mit dem schwarzen Hintergrund, sodass man vor allem tanzende Arme und Beine sieht. Das erzeugt einen ganz speziellen Effekt, magisch bereits in den ersten Minuten. Die Figuren erinnern gleichzeitig an Hexen, Feen und asiatische Krieger und es entstehen unglaublich dichte, stimmungsvolle, starke Gruppenbilder. Die Musik stammt von Ming-Chien Li, eines in ganz Asien bekannten Filmkomponisten. «Action auf der Bühne» wolle er, habe der Choreograph dem Komponisten erklärt, und die gibt es auch. Mal wähnt man sich auf in einer Waldlichtung, wo bei Nacht und Nebel eine Beschwörung stattfindet. Die zeitlupenartigen Bewegungen haben gleichzeitig etwas Samtweiches und doch unglaublich Kraftvolles. Mal liefern sich die Krieger Kraftdemonstrationen und wenn sie dann im letzten Teil mit wallenden, schwarz-goldenen Röcken über die Bühne wirbeln wie Derwische, ist die Magie perfekt, das Bild betörend schön, vollkommene Eleganz. Das Publikum war hin und weg und der Applaus langanhaltend.

Unabwendbares Ende

Das zweite Stück «A picture of you falling» stammt von der preisgekrönten Kanadierin Crystal Pite. Sandra Marin Garcia, welche den männlichen Part selber schon getanzt hat, hat es mit dem Luzerner  Ensemble einstudiert. Es ist, wie im Programm beschrieben, die Dekonstruktion einer Beziehung. Mann und Frau  bewegen sich anfänglich einsam in Lichtkegeln, treffen dann aufeinander, suchen sich, erinnern sich, suchen Erlösung und Befreiung. Dies zu einer Frauenstimme, die immer wieder dieselben Sätze wiederholt, die Stimmung beschreibt. Und wenn sie vom offenen Fenster erzählt, vom Wind, von den Vorhängen und dem Geruch nach Salz, spürt und sieht man das selber, fühlt sich aber gleichzeitig als Voyeur, der durch eben dieses Fenster den beiden zuschaut. Man leidet mit ihnen und begleitet sie im Scheitern. Beklemmend schön und wunderbar interpretiert von Aurélie Robichon und Zach Enquist, mit einer gewissen Distanz und gleichzeitig einer unglaublichen Intensität.

Grossartiges Ensemble

Beim letzten Stück «Viewpoints» des amerikanischen Choreographen Bryan Arias tragen die Tänzer am Anfang riesige Masken. Darunter scheinen die Körper wie jene von Puppen. Ihre synchronen Bewegungen zum Lied «it seems a mighty long time» erinnern an eine Seniorentruppe, die einen Tanz einstudiert hat. Die riesige, blaue Wolke über ihren Köpfen verstärkt die Komik der Szene.

Dann platzt die Wolke, die Masken fallen und es folgen verschiedene Solis, Pas de Deux und Gruppensequenzen. Die Bühne erinnert an eine grosse, leere Fabrikhalle, die Musik besteht aus Geräuschen, Rhythmen, teilweise wie Maschinenlärm. Und wenn die Tänzerinnen und Tänzer sich ineinander verweben, sich winden und drehen, ohne den kleinsten Bruch in den Abläufen, wenn dies alles fliessend ineinander übergeht, erinnert das an ein kunstvolles Räderwerk, wo jeder Teil den anderen in Bewegung hält, antreibt, weiterbringt. Gerade in diesem Stück kann das Ensemble sein ganzes Können zeigen und beweist, dass es auch in dieser vor noch nicht allzu langer Zeit erneuerten Besetzung wieder zu einem unglaublich homogenen Ganzen zusammengewachsen ist. Die Erwartungen wurden erfüllt, einmal mehr, das Premierenpublikum zeigte sich begeistert.

Kleine Fotodiashow der Produktion von Ingo Gregory Batardon, Luzerner Theater:

fotogalerien.wordpress.com/2017/05/06/luzerner-theater-premiere-tanz-24-timeless-samstag-6-mai-2017/

Kurzer Trailer der Produktion und Interviews:

http://www.luzernertheater.ch/timeless

 

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: luzernertheater.ch

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Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia KKL Luzern, 5. Mai 2017, besucht von Léonard Wüst

Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa CeciliaBesetzung und Programm:

Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia

Sir Antonio Pappano (Leitung)
Yuja Wang (Klavier)

Konzertprogramm

Programm Zürich und Luzern
Gioacchino Rossini
Ouvertüre zur Oper „Die Belagerung von Korinth“
Peter Tschaikowski
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 b-Moll op. 23
Ottorino Respighi
Fontane e Pini di Roma

Rezension:

Sir Antonio Pappano (Leitung)Zum Auftakt die Ouvertüre zu Rossini`s „Die Belagerung von Korinth“, die nicht grad zu den bekanntesten Werken des Komponisten gehört, aber die unverkennbar  typische Orchestrierung des Italieners beinhaltet. Es war denn auch eine Art lockerer Aufgalopp, souverän vom gutgelaunten Orchester dargeboten, vom Auditorium mit freundlichem Applaus bedacht. Einstimmung des Publikums auf den unbestrittenen Star dieses Abends, die chinesische Ausnahmepianistin Yuja Wang. Für diese wurde denn auch der Konzertflügel an den richtigen Platz gerückt, dessen Stimmung durch den Konzertmeister nochmals kurz überprüft. Dann, mit etwas Spannung steigernder Verzögerung, betrat die Künstlerin, gewandet in ein sehr enges, hellgrünes Abendkleid, die Bühne. Dirigent Sir Antonio Pappano schloss sich mit Augenkontakt kurz mit der Chinesin, geleitete dann das Orchester in das Konzert mit dem so bekannten Leitmotiv zu dem dann Yuja Wang die mächtigen Harmonien setzte, später die präzisen, perlenden Läufe folgen liess, sich wieder einzubinden wusste in den Schoss des Orchesters, besonders eindrücklich in den Dialogen mit den Bläsern nach ca. fünf Minuten des ersten Satzes, bevor sie die, von Tschaikowsky eingefügten Solosequenzen nutzte, um ihre stupende Technik zu demonstrieren. Der Komponist äusserste sich nur ein einziges Mal zu diesem Werk, in einem Brief an seine Gönnerin Ndjeschda von Meck sah er das Verhältnis von Klavier und Orchester als „Kampf zweier ebenbürtigen Kräfte“ in diesem Ringen stecke viel Poesie und eine Unmenge verführerischer Kombinationsmöglichkeiten. Diese Kombinationsvarianten ermöglichten den Protagonisten denn auch eine differenzierte, sehr persönliche Interpretation dieses Meisterwerks der Musikliteratur. So bediente sich die Pianistin zu Beginn des zweiten Satzes selten des Pedals, wahrscheinlich wollte sie damit die Arpeggien nicht verwischen. Yuja Wang, früher eher ein vor Vitalität sprühendes Energiebündel, ist gereift, ordnet sich ein, wirkt nie überaus dominant. Sie setzt die Ausrufezeichen nicht mehr nur mit ihrer Technik, beweist viel Einfühlungsvermögen, stellt die Harmonie mit dem Orchester ins Zentrum. Dadurch erschliesst sich eine perfekte Klangwelt, ermöglicht auch durch das souveräne römische Orchester.

Solistin am Piano Yuja Wang Photo © Felix BroedeDas Auditorium zollte diesem eindrücklichen Hörgenuss denn auch kräftigen stürmischen Applaus, der in einer stehenden Ovation endete. Yuja Wang zeigte sich mit zwei kurzen Zugaben dafür erkenntlich und verabschiedete sich mit einem strahlenden Lächeln vom Publi

2. Konzertteil: Römer für Rom

Mit “Fontane e Pini di Roma“ von Ottorino Respighi packte das Römer Orchester die Gelegenheit, Werke dieses, zu Unrecht verkannten italienischen Komponisten, nachdrücklich in Erinnerung zu rufen und diese acht kurzen Kompositionen im rechten Licht zu positionieren. Dabei liefen Orchester und Dirigent zu absoluter Höchstform auf. Besonders eindrücklich bei „Pinien neben den Katakomben“, mit den tiefen Streicherklängen, überführend in eine, an gregorianischen Chorgesang erinnernde Trompetenmelodie, die vergangene Zeiten aufleben lässt. Bei „Pini del Gianicolo“, wo auch, zu ganz zarten Violin Trillern,  original Nachtigallengesänge ab Tonband zugespielt werden. Gekrönt mit dem finalen „Pinien der Via Appia“, beginnend mit dumpfen Paukenschlägen, ergänzt mit tiefen Klavier – und Kontrabasstönen, entwickelt sich ein triumphaler, empirischer Marsch, der, Zitat des Komponisten, dem Zuhörer vor dem inneren Auge, den Ruhm des alten Rom aufleben lassen soll. Den besonderen Effekt erreicht Pappano, indem er Bläser paarweise auf die zwei Balkonseiten und ebenso auf der Orgelempore platziert. Unter deren Geschmetter, ähnlich altrömischen Posaunen (Buccinen), naht ein Konsul mit seinem Heer, um im Glanz der neuen Sonne zur Via Appia und im Triumph aufs Kapitol zu ziehen. Die Intentionen des Komponisten und dessen Visionen umzusetzen, gelingt den Musikern auf unnachahmliche Art. Das Orchester, so massgebende Kritiker, hat sich unter Pappano zu einem der besten, wenn nicht gar zum besten, italienischen Klangkörper entwickelt. Fazit, um beim Römischen zu bleiben: Quod erat demonstrandum. Das Publikum war dezidiert auch dieser Meinung und applaudierte die Künstler zu einer Zugabe, gewährt in Form von  „La valse triste“ von Jean Sibelius. Die Zuhörer gaben sich noch nicht zufrieden und spendeten so lange Applaus, bis noch die furiose Ouvertüre des „Wilhelm Tell“ zum krönenden Konzertabschluss intoniert wurde.

Nachtrag:

Vielleicht ging Respighi nebst den Erneuerern Schönberg und der „Neuen Wiener Schule“, Igor Strawinsky und den französischen Avantgardisten wie etwa Claude Debussy oder  Maurice Ravel etwas unter mit seinen der Tradition verpflichteten Werken.

Text: www.leonardwuest.ch

Fotos: http://www.migros-kulturprozent-classics.ch/de/Home

Link auf Lucerne Festival am Piano 2011, 2. Klavierrezital mit Yuja Wang, 23.11.2011

innerschweizonline.ch/wordpress/lucerne-festival-am-piano-2011-2-klavierrezital-mit-yuja-wang-23-11-2011/

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