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Auch heuer beeindruckt die Seebühne und das Bühnenbild zu Carmen

Bregenzer Festspiele, „Carmen“ auf der Seebühne, 20. August 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Auch heuer beeindruckt die Seebühne und das Bühnenbild zu Carmen
Auch heuer beeindruckt die Seebühne und das Bühnenbild zu Carmen

Musikalische Leitung Jordan de Souza
Inszenierung Kasper Holten
Bühne Es Devlin
Kostüme Anja Vang Kragh
Licht Bruno Poet
Video Luke Halls
Ton Gernot Gögele | Alwin Bösch
Chorleitung Lukáš Vasilek | Benjamin Lack
Choreographie Signe Fabricius
Stuntchoreographie Ran Arthur Braun
Dramaturgie Olaf A. Schmitt

 

Besetzung

Carmen Lena Belkina
Don José  Martin Muehle
Escamillo Andrew Foster-Williams
Micaëla Melissa Petit
Frasquita Jana Baumeister
Mercédès Marion Lebègue
Zuniga Sébastien Soulès
Moralès Rafael Fingerlos
Remendado István Horváth
Dancaïro Adrian Clarke

Stuntmen | Tänzer | Statisten
Bregenzer Festspielchor
Prager Philharmonischer Chor
Kinderchor der Musikmittelschule Bregenz-Stadt
Wiener Symphoniker

Rezension:

Abendstimmung auf der Seebühne, Ankunft Kursschiff
Abendstimmung auf der Seebühne, Ankunft Kursschiff

Carmen in Bregenz, bei Weitem nicht meine erste Carmen, aber mein erstes Mal Bregenz. Und ich muss gestehen, ich hatte meine Vorbehalte: 7000 Besucher, ungedeckte Bühne, wie wohl die Sitzplätze sein würden, die Akustik, die Verhältnisse im Gourmetzelt bei so vielen Menschen? Und da ist da noch meine generelle leise Skepsis gegenüber Produktionen die man «einfach-unbedingt-gesehen-haben-muss».

Vorneweg; alle Bedenken haben sich zerschlagen, was eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Hinter dem Ganzen steckt eine jahrzehntelange Erfahrung und die ist omnipräsent.

 

Die Natur hilft mit

Seebühne tagsüber
Seebühne tagsüber

Die Möglichkeit, am Nachmittag den «Schauplatz» anzusehen, ist spannend und macht neugierig. Die beiden Hände, die da aus dem Wasser ragen, die Nägel mit abgeblättertem Lack, das fliegende Kartenspiel zwischen den Fingern, darüber hat man viel gelesen seit Beginn der Spielzeit. Das sieht imposant aus, aber auch etwas leblos im grellen Tageslicht. Die Tribüne ist riesig, aber trotzdem überschaubar. Am frühen Abend dann ein farbiges Gewusel vor dem Festspielhaus, aber es herrscht eine festliche Stimmung, im Gourmetzelt eine gemütliche Atmosphäre, freundlicher Service und es kommt nie ein Gefühl von «Masse» auf. Da gibt es praktisch kein Anstehen, alles ist perfekt orchestriert, läuft vor sich hin. Dazu kommt das herrliche Wetter, der Himmel hinter den Händen, welche nun bereits sehr viel lebendiger wirken im Abendlicht, gibt sich unglaublich Mühe, ein Maximum aus seiner Farbpalette herauszuholen. Die Tribüne füllt sich, da ist keine Eile zu spüren, das Meer an Köpfen erinnert je länger je mehr an einen riesigen, grob gewobenen Teppich. Und während die untergehende Sonne einen immer spektakuläreren Kulissenhintergrund kreiert, kommt die MS München beinahe lautlos über den silbrig grauen See geglitten und ein nicht enden wollender Strom von schwarzen Silhouetten ergiesst sich aus ihrem Bauch über den Steg Richtung Tribüne.

 

Ein Fest der Sinne

Szenenfoto Carmen
Szenenfoto Carmen

Der Einstieg ist gelungen, die Natur hat sich ihre eigene Ouvertüre gegönnt. Pünktlich erklingen dann die ersten Töne der musikalischen Ouvertüre und es zeigt sich, auch die Akustik ist tadellos! Und nun läuft der  Abend von Bild zu Bild, von Szene zu Szene, eine  Farbsymphonie, ein Spektakel für alle Sinne. Alles ist da, von wunderbar farbigen Tutti-Szenen bis hin zu intimen Momenten trotz Grösse der Bühne, von eindrucksvollen Stunteinlagen über künstlichen Regen, geräuschlose Feuerwerke, Boote, die mit blinkenden Laternen aus dem Nichts erscheinen, das ist mehr als Oper, das ist auch Unterhaltung pur. Anfänglich wagt sich noch eine neugierige Ente von links ins Bühnenbild, rechtzeitig zur Arie «L’amour est un oiseau rebelle» und schafft ihren Abgang punktgerecht rechts nach der ersten Strophe. Danach flirrt noch ab und zu eine Fledermaus vor der Bühne durch. Und dann schaut man nur noch gebannt auf diese spektakuläre Kulisse, die riesigen Karten, die abwechslungsweise Spiel- und Tarotkarten, Projektionsfläche für Bilder, für  Videoeinlagen der Sängerinnen und Sänger werden, man bewundert das das unglaubliche Wasserballett, die waghalsigen Stunts auf und über den Karten. Die kleinen Figuren, die da ganz oben auf den Spielkarten herumturnen, wirken im Nachthimmel wie Kobolde.

 

Tolle Solisten

Szenenfoto Carmen
Szenenfoto Carmen

Die Sängerinnen und Sänger überzeugen ebenfalls, allen voran an diesem letzten Abend Lena Belkina als Carmen, dunkel, verführerisch, provozierend, Martin Muehle als Don José mit dem nötigen Schmelz aber auch dem nötigen Schmerz in der Stimme, Mélissa Petit als Micaëla, klar und bestimmt und Andrew Foster-Williams (Escamillo), anfänglich mit etwas Mühe, nicht vom Orchester überdeckt zu werden, aber mit zunehmend mehr Kraft und Ausdruck.

 

Abendstimmung auf der Seebühne
Abendstimmung auf der Seebühne

Einziger kleiner Vorbehalt: Wegen der Distanz zu den Akteuren bleiben der mimische Ausdruck und somit die Gefühle ab und zu etwas auf der Strecke. Stimme und Gesang reichen nicht immer aus, diese zu transportieren. Abgesehen davon war diese erste Bregenz-Erfahrung aber in jeder Hinsicht ein voller Erfolg und ja, es ist so: Man muss diese Produktion unbedingt gesehen haben, die Möglichkeit dazu bietet sich wieder ab 19. Juli 2018.

 

Fotodiashow von Dietmar Mathis:

www.fotogalerien.wordpress.com/2017/08/13/bregenzer-festspiele-carmen-spiel-auf-dem-see-fotodiashow-von-dietmar-mathis/

Text: www.gabrielabucher.ch  Fotos: bregenzerfestspiele.com/de

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Maurizio Pollini, Solist am Piano

Lucerne Festival, Rezital 1 – Klavier Maurizio Pollini, 21. August 2017, besucht von Gabriela Bucher – Liechti

Maurizio Pollini, Solist am Piano
Maurizio Pollini, Solist am Piano

Besetzung und Programm:

Robert Schumann (1810–1856)
Arabeske C-Dur op. 18
Allegro h-Moll op. 8
Fantasie C-Dur op. 17
Frédéric Chopin (1810–1849)
Nocturne f-Moll op. 55 Nr. 1
Nocturne Es-Dur op. 55 Nr. 2
Klaviersonate Nr. 3 h-Moll op. 58

 

Rezension:

Er kommt leicht gebückt auf die Bühne, setzt sich an seinen Flügel und beginnt mit Schumanns Arabeske in C-Dur op. 18. Eine «reizende kleine Nichtigkeit» wurde sie auch schon genannt, «mit leichter Geste hingeworfen». So hätte man sie sich gewünscht, ganz so kam sie aber nicht daher. Da war teilweise etwas Verwaschenes, Unpräzises in Pollinis Spiel, es fehlte an Ausdruck. Dasselbe im Allegro in h-Moll op. 8 und später teilweise auch in der Fantasie C-Dur op. 17. Ab und zu blitzten zwar expressiv-melancholische Momente auf in der Fantasie und Pollini brachte seinen Flügel durchaus zum Singen. Irgendwie wollte dieser Schumann aber nicht auf Touren kommen, es fehlte das Drängende, die Leidenschaft, als entspräche diese Musik nicht mehr ganz Pollinis Lebensabschnitt. Der Funke sprang nicht wirklich, obwohl seine Finger immer noch verblüffend virtuos über die Tasten fliegen, man spürte auch eine ganz leichte Ratlosigkeit im Publikum.

 

Maurizio Pollini c Cosimo Filippini
Maurizio Pollini c Cosimo Filippini

Anders im zweiten Teil mit Chopin, wo er sicherer, expressiver und ausgeglichener scheint. Er setzt die zwei Nocturnes op. 55 Nr. 1 und Nr. 2 leicht-luftig in den Saal, reiht die Töne perlend aneinander, kleine Ungereimtheiten fallen weniger auf und es entsteht ein Zwiegespräch zwischen Pollini und Chopin, was auch das Publikum spürt. Da ist mehr Gefühl in den sanften Tönen, eine Leichtigkeit in den Phrasierungen, Chopin geht ihm leicht von der Hand, da versinkt er drin und geht gleichzeitig darin auf. Jetzt ist auch die Spannung da im Publikum, die Stille hat eine ganz andere Qualität und der Applaus ist unendlich viel grösser als nach dem ersten Teil. Mit einer Standing Ovation bedankt sich das Publikum beim Altmeister, mit zwei ausschweifenden Zugaben, ebenfalls von Chopin, bedankt dieser sich beim Publikum und geht danach immer noch leicht gebückt aber mit einem milden Lächeln von der Bühne.

Text: www.leonardwuest.ch  Fotos: www.lucernefestival.ch

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Kuratorin Sara Zeller begrüsst Niklaus (Knox) Troxler im Garten des Sankt Urbanhofes Sursee

Vernissage «World Wide Willisau-Retrospektive Niklaus Troxler» Sursee, 19. August 2017, besucht von Léonard Wüst

Kuratorin Sara Zeller begrüsst Niklaus (Knox) Troxler im Garten des Sankt Urbanhofes Sursee
Kuratorin Sara Zeller begrüsst Niklaus (Knox) Troxler im Garten des Sankt Urbanhofes Sursee

Voller Theatersaal mit begeisterten Zuhörern

Irène Schweizer und Pierre Favre
Irène Schweizer und Pierre Favre

Sie klangzaubern noch immer, als wär die Zeit stehen geblieben, die wohl grössten Ikonen der schweizerischen Jazzszene, die Pianistin Irène Schweizer (*1941) und der Perkussionist Pierre Favre.(*1937), die übrigens, als sie für die Firma Paiste in Nottwil tätig waren, von 1967 bis 1971 beide in Sursee lebten, der Region, aber natürlich besonders auch Niklaus Troxler, dem Gründer des Jazz Festivals Willisau  und damit auch Pionier und Wegbereiter für viele Schweizer Jazzmusiker, immer noch eng verbunden sind. Während dieser Zeit gründete Pierre Favre sein Trio, in dem auch Irène Schweizer mitspielte. Jenes Trio bedeutete dann in Willisau 1968 den Wendepunkt zum Freien Jazz.

Und dieser Niklaus Troxler, liebevoll „Knox“ genannt und mittlerweile weltweit unter diesem Namen bekannt, war ja der Grund für dieses, von der Stiftung Somehuus Sursee initiierten und organisierten Gratiskonzertes, für das die Stiftung Stadttheater Sursee ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellte.

Vorgängig traf man sich in den Räumlichkeiten des Surseer Stadtmuseums Sankt Urbanhof zur Vernissage «World Wide Willisau-Retrospektive Niklaus Troxler».

Anwesend waren, nebst Gastgebern und Geehrtem, viel lokale und regionale Prominenz, Weggefährtinnen, dazu die üblichen Verdächtigen und natürlich auch die „Adabeis“.

Warum einem fremden Fötzel aus dem Luzerner Hinterland im doch weit bedeutenderen Bauchnabel der Luzerner Landschaft, dem auch  „Versailles von Luzern“ genannten Sursee, so viel Ehre zuteil wurde sei kurz geschildert.

Vorgeschichte:

Somehuus Stiftungsräte von links nach rechts Simon Lipp, Brigitte Buchs, Kurt Schäfer, Emil W. Scherer, Annelies Strobel, Hanspeter Stalder, Lisa Birrer, Paul Tschopp, Edith Budmiger
Somehuus Stiftungsräte von links nach rechts Simon Lipp, Brigitte Buchs, Kurt Schäfer, Emil W. Scherer, Annelies Strobel, Hanspeter Stalder, Lisa Birrer, Paul Tschopp, Edith Budmiger

Als im Jahre 1992 die Renovation des Kleintheaters „Soomehuus“ in Sursee anstand, brachte Werner R. Hess, damaliger Besitzer des Hauses, die Idee aufs Tapet, den, auch in Sursee sehr bekannten, Grafiker und Künstler „Knox“ aus Willisau anzufragen, ob er willens sei, die Fassade des Soomehuusgebäudes neu zu gestalten. Dieser zeigte sich willens und bereit, diese Aufgabe wahr zu nehmen. Seitdem ist dieses, so speziell individuell bemalte Gebäude ein absoluter Hingucker und aus der preisgekrönten Sorser Altstadt nicht mehr wegzudenken. Gestaltet von der Persönlichkeit „Knox“, der als erster noch lebender Schweizer Künstler im MOMA (Museum of Modern Art) in New York ausgestellt wurde. (Was dem MOMA gut genug ist, ist dem Sorser grad recht)

Landläufig heisst es ja bekanntlich: Viele Köche verderben den Brei!

Im Gegenteil kann man aber hier sagen: Wenn in Sursee Stiftungen sich gegenseitig anstiften, kommt es gut, gar sehr gut heraus! ( massgeblich beteiligt an der Retrospektive sind die Stiftung Somehuus, die Stiftung Sankt Urbanhof Sursee, die Stiftung Stadttheater Sursee, dazu die Stadt Sursee, die Stadt Willisau, das Kulturwerk 118 Sursee und die Kantonsschule Sursee)

Und etwas ganz besonders Erfreuliches: Niklaus „Knox“ Troxler ist einer der wenigen Propheten, der auch im eigenen Land etwas gilt, dem verdiente Anerkennung widerfährt und der auch hierzulande Wert geschätzt wird und „nicht bloss“ in der übrigen ganzen Welt.

Start der Vernissage im Sankt Urbanhof

Die Vernissage im Sankturbanhof Sursee war der Auftakt zu den vielfältigen Veranstaltungen vonArt&Jazz. Gleichzeitig wurden auch die Ausstellungen im öffentlichen Raum und im Somehuus eröffnet.

Programm der Vernissage:

Begrüssung: Paul Tschopp, Stiftungsrat Somehuus Sursee

Grusswort der Stadt Sursee: Heidi Schilliger Menz, Stadträtin, Sursee

Grussworte des Städtchen Willisau: Irma Schwegler-Graber, Stadträtin, Willisau

Würdigung:Thomas K.J. Mejer, Musiker, Dozent Hochschule Luzern, Archivar Jazzarchiv Willisau

Einführung in die Ausstellung:Sara Zeller, Kuratorin

Mit launigen Worten, gewürzt mit manch persönlichen Anekdoten, taten alle Rednerinnen ihrer Freude kund, über diesen Höhepunkt des diesjährigen Surseer Kulturjahres.

Die Initianten haben ein, mit vielen Rosinen gespicktes Programm, auf die Beine gestellt, das noch bis in den Winter hinein dauert. Wer also an der Vernissage nicht dabei sein konnte, dem bleibt ausreichend Zeit und Gelegenheit, noch die Ausstellungen oder das eine oder andere Konzert zu besuchen. Die Aktivitäten sind auf der Homepage des „Somehuus“ ebenso aufgelistet, wie auf derjenigen des „Sankt Urbanhofes“ und über unten eingefügte Links erreichbar.

Ech wetz scho säge: Schwach, ja gar beschämend, dass fast keine Sorser Künstler anwesend waren, um ihrem, halt etwas bekannteren Kollegen, die Ehre zu erwiesen.

World Wide Willisau - Retrospektive Niklaus Troxler
World Wide Willisau - Retrospektive Niklaus Troxler

Nach all den Begrüssungsansprachen widmete man sich dem Aperitif und dem Small Talk, bei dem sich „Knox“ unter die Leute mischte und mit jedem ein paar Worte wechselte, sympathisch, trotz Welterfolgen nicht abgehoben, geerdet wie vor 50 Jahren, als alles begann, seis mit der Kunst und, oder der Musik. Die Leidenschaft für beides ist ihm immer noch eigens, wenn er jetzt, mit eben erreichten 70 Jahren,  auch etwas kürzer tritt. So hat er vor ein paar Jahren die Leitung des Jazz Festivals Willisau an seinen Neffen Arno abgegeben, was ihm doch erlaubt, seinen Unruhestand etwas intensiver zu geniessen und statt in der „wide world“, mal im der „small town“ Sursee vorbei zu schauen. Anschliessend dislozierte man ins Stadttheater zum eingangs beschriebenen Konzert.

Impressionen der Vernissage «World Wide Willisau-Retrospektive Niklaus Troxler» Sursee, 19. August 2017 von Annelis Strobel

fotogalerien.wordpress.com/2017/08/22/impressionen-der-vernissage-world-wide-willisau-retrospektive-niklaus-troxler-sursee-19-august-2017/

Trailer über World wide Willisau

www.arttv.ch/kunst/sankturbanhof-sursee-world-wide-willisau/

Text: www.leonardwuest.ch Fotos: Annelis Strobel und Urs Hubacher

www.troxlerart.ch

www.jazzfestivalwillisau.ch

www.somehuus.ch www.stadttheater-sursee.ch/willkommen

www.sankturbanhof.ch/cms/website.php 

www.facebook.com/Kulturwerk118/

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hanghai Symphony Orchestra

Sinfoniekonzert 10 Shanghai Symphony Orchestra, Di Long Yu Dirigent, Maxim Vengerov Violine, 20. August 2017, besucht von Peter Meyer

hanghai Symphony Orchestra
hanghai Symphony Orchestra

Besetzung und Programm:

Long Yu  Dirigent
Aaron Avshalomov (1894–1965)
Hutongs of Peking
Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840–1893)
Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35
Dmitri Schostakowitsch (1906–1975)
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47

 

Rezension:

Hutongs of Peking, eine selten gespielte musikalische Dichtung

Long Yu  Dirigent
Long Yu Dirigent

Die selten gespielte musikalische Dichtung Hutongs of Peking (1930/31) von Aaron Avshalomov ist die Hommage eines russischen Komponisten an das Leben in den alten Gassen der chinesischen Hauptstadt. Das Werk war in verschiedener Hinsicht ein passender Auftakt im Rahmen des Themas „Identität“ des Lucerne Festivals. Avshalomov, der 1894 geborene Sohn kaukasischer Juden, wuchs in Nikolajewsk am Amur, weit im Osten Sibiriens auf. Nach seiner Studienzeit am Konservatorium in Zürich und einem Zwischenhalt in den USA lebte er lange Zeit in China, wo er sich mit der traditionellen chinesischen Musik auseinander setzte. In den 1940er Jahren war er Chefdirigent des Städtischen Orchesters Shanghai. Hutongs of Peking ist eine musikalische Betrachtung des asiatischen Lebens, jedoch ganz aus dem Blickwinkel einer westlich-romanischen Symphonik. Es war passend, dass am Konzert gerade das Schanghai Symphony Orchestra unter der Leitung von Long Yu, die musikalische Dichtung im Rahmen eines russischen Programms spielte. Das Orchester entwickelte eine gewaltige Steigerung aus einem Piano heraus. Wuchtige, an russische Symphonik erinnernde Bläsersätze, unterstützten Kantilenen der Geigen, welche in Ganztonskalen den Charakter chinesischer Musik vermittelten. Klangflächen wurden prägnante Rhythmen mit besonderen Instrumenten wie Gongs und Becken entgegengesetzt. Schliesslich verklang die Tonmalerei in einem Piano. Die interessante Kombination musikalischer Elemente wirkte wie eine Reise in eine exotische Welt, erinnerte an westliche Orchestermusik für einen asiatischen Film, aus heutiger Sicht war die Wirkung ein wenig plakativ.

 

Maxim Vengerov spielte Tschaikowsky grossartig

Maxim Vengerov  Solist Violine
Maxim Vengerov Solist Violine

Das Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35 schrieb Pjotr Iljitsch Tschaikowsky nach einem psychischem Zusammenbruch im Jahr 1878 in Clarens am Genfersee, wo er sich zur Erholung befand. Der durchaus glückliche, ja sogar euphorisch gestimmte Grundtenor, der den Charakter des Violinkonzerts ausmacht, zeigt, dass Tschaikowsky während des Komponierens – das Werk entstand innerhalb nur weniger Wochen – seine Lebensfreude wieder gefunden hatte. Nach wenig Akzeptanz bei der Uraufführung gehört es heute zu den beliebtesten und meistgespielten Instrumentalstücken der klassischen Musikliteratur. Die Interpretation von Maxim Vengerov in Zusammenarbeit mit dem Shanghai Symphony Orchestra wurde mit Spannung erwartet.

Trotz aller hohen Erwartungen überraschte Vengerov durch Präsenz, Klangschönheit und den Klangreichtum, den er seiner Stradivari zu entlocken verstand. Sein Spiel war dynamisch und auch die filigranen Passagen waren im ausverkauften KKL gut hörbar, trotz Grösse des Orchesters. Sein Spiel, mal süss, mal zart, mal kraftvoll, überzeugte jeden Moment. Der Kadenz im ersten Satz fügte Vengerov eigene Noten hinzu. Diese und der darauf folgende Einsatz des Orchesters mit der Kantilene der Querflöte waren bewegende Momente. Leider wurden die zahlreichen musikalischen Impulse Vengerovs von Dirigent und Orchester wenig aufgenommen. Die Streicher klangen über lange Strecken dumpf und die Begleitung des Orchesters liess Dynamik und ein bewegliches Zusammenspiel vermissen. Trotzdem war das Violinkonzert ein Erlebnis, welches das Publikum mit stehendem Applaus dankte.

Shostakovitch regt zum Nachdenken an

In der Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47 von Shostakovich schlugen das Schanghai Symphony Orchestra unter der Leitung von Long Yu ein neues Kapitel auf. Im Allegretto, welches reich an Stimmungen, filigranen, auch klein besetzten Passagen und raffinierten Rubati ist, blühten Dirigent und Orchester mit einem Mal auf. Die Musik begann zu atmen, der zuvor bisweilen unflexible Klang war verschwunden, er wurde mit einem Mal sinnlich, mit Tiefe versehen, ohne der Struktur der Musik zu schaden. Das Largo folgte innig, expressiv und bewegend, schuf so einen drastischen Kontrast zum folgenden Allegro non troppo. Die Aktualität der Musik wurde dem Zuhörer bewusst und auch die Wichtigkeit von Shostakovich’s musikalischer Rede in der Gegenwart. Die Musik ist in ihrer Doppelbödigkeit mit keinem Ton geeignet ein autoritäres Regime zu glorifizieren. Der vermeintliche Jubel entpuppt sich als erzwungen. Shostakovich schrieb: „Das ist doch keine Apotheose. Man muss schon ein kompletter Trottel sein, dies nicht zu hören.“

Shostakovitch’s bedeutungsvolle und berückende Musik und die Zugabe eines instrumental gespielten chinesischen Volksliedes, mit dem das Orchester das Programm abrundete, wurden vom Publikum begeistert aufgenommen und mit stehenden Applaus verdankt.

Text: Peter Meyer  Fotos: www.lucernefestival.ch

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