Lucerne Festival Ostern 2016: Chorkonzert 3 Le Concert des Nations, 18. März, besucht von Léonard Wüst
Besetzung und Programm:
La Capella Reial de Catalunya, Jordi Savall Dirigent
Hanna Bayodi-Hirt Sopran, Marta Mathéu Sopran
Romina Basso Mezzosopran, Cyril Auvity Tenor, Konstantin Wolff Bass
Marc-Antoine Charpentier (1643–1704) Te Deum H 146
Georg Friedrich Händel (1685–1759) Jubilate Deo D-Dur HWV 279
Antonio Vivaldi (1678–1741) Magnificat G-Dur RV 610
Johann Sebastian Bach (1685–1750) Magnificat D-Dur BWV 243
Tönendes Gotteslob aus vier Ländern lässt Jordi Savall zum Abschluss seiner Luzerner Residenz erklingen: in grosser Besetzung, mit seinem Orchester Le Concert des Nations und seinem Vokalensemble La Capella Reial de Catalunya. Frankreich ist mit Charpentiers unverwüstlichem Te Deum vertreten, dessen schmissiges Prélude als Eurovisionshymne Karriere gemacht hat. Händel wiederum komponierte sein Jubilate Deo 1713 zur Londoner Feier des Friedens von Utrecht. Im zweiten Teil stellt Savall dann zwei grundverschiedene Magnificat-Vertonungen einander gegenüber: Der Italiener Antonio Vivaldi hat den Lobgesang, mit dem die Jungfrau Maria auf die Verkündigung der Geburt Christi antwortet, knapp gefasst, aber dramatisch zugespitzt. Der Leipziger Thomaskantor Johann Sebastian Bach dagegen feiert in seiner berühmten Adaption ein barockes Fest, mit triumphierenden Trompetenklängen und einem verzückten Engelschor – als sängen die himmlischen Heerscharen.
Rezension:

Jordi Savall i Bernadet (1941*) ist nicht nur Musikwissenschaftler, Dirigent und Experte im Bereich der historischen Aufführungspraxis, sondern auch ein weltberühmter Gambist, der auch eigene Kompositionen zur Aufführung bringt. Ebenso ist er, zusammen mit seiner im Jahre 2011 verstorbenen Frau, Sopranistin Montserrat Figueras, Gründer der Capella Reial de Catalunya (1987) und der Formation “Le Concert des Nations“ (1989). Er ist am Lucerne Festival an Ostern 2016 präsent als «Artist-in-Residence»: mit einem weltmusikalisch inspirierten «Dialog der Seelen», einem Solorezital mit der Viola da Gamba und einem barocken Chorkonzert.
Reial. also königlich ist dieser ca. 25 köpfige Chor tatsächlich,
Begleitet vom ca. 20 köpfigen Orchester und unterstützt – ergänzt von den fünf Solist/innen. Stimmgewaltig, trotzdem fein abgestimmt und nuanciert intonierten die Vokalkünstler die vier programmierten Barockwerke, jedem Komponisten und dessen Eigenheiten mehr als gerecht werdend. Fulminant beginnend mit der Prélude des Te deum von Marc – Antoine Charpentier (jedem bekannt als Grundlage der Eurovisionsmelodie). Die gezierte Melodik der routiniert wohlgerundeten Streicher- und Trompetenlauten bringen den harmonischen Klang stilvoll zum Ausdruck. Während bei Charpentier auch noch eine gewisse Relation zu mittelalterlichen Klängen zu erahnen ist, steht die darauf folgende Musik Händels unverwechselbar klar barock in der Musikliteratur. Die Solisten fügten sich alternierend harmonisch in den Gesang der Capella Reial ein, ob solo, im Duett, Terzett oder Quartett. Wunderschöne Koloraturen der beiden Sopranistinnen wechselten mit dem klaren Tenor des französischen Barockspezialisten Cyril Auvity. Grossartig auch der deutsche Bassbariton Konstantin Wolff, schlicht Weltklasse Mezzosopran/Altistin Romina Basso. Ausser dem Tenor gaben alle andern Solisten mit diesem Konzert ihr Debut am Lucerne Festival. Der erste Konzertteil endete mit starkem, langanhaltendem Applaus des beeindruckt, ergriffenen Publikums.
Weiter ging es nach der Pause mit Vivaldis „Magnificat“, erstaunlicherweise orchestriert ohne Tenor und Blechbläser, was aber dem Vortrag nicht abträglich war, denn den restlichen Solisten bot sich dafür reichlich Gelegenheit zum Glänzen.
Dem knapp gefasst, aber dramatisch zugespitzten „Magnificat“ von Vivaldi stand zum Abschluss des Konzertes die Version von J.S. Bach als das barocke Fest, mit triumphierenden Trompetenklängen und einem verzückten Engelschor gegenüber. Beide Versionen überzeugten das sachkundige Auditorium im praktisch ausverkauften Konzertsaal. Die Protagonisten durften denn auch einen kräftigen, langanhaltenden Schlussapplaus entgegen nehmen für diesen einzigartigen Musikgenuss, Kirchenmusik auf allerhöchstem Niveau.
Trailer A. Vivaldi Magnificat in G minor RV 610, Jordi Savall
www.youtube.com/watch?v=DWoKahU0zGs
Text: www.leonardwuest.ch Fotos: www.lucernefestival.ch
www.gabrielabucher.ch Paul Ott:www.literatur.li
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Wolfgang Amadé Mozart (1756–1791) Il re pastore KV 208. Serenata in zwei Akten Konzertante Aufführung in italienischer Sprache | Koproduktion mit U-Live






Text:
Produktionsteam
Norma ist eine tragische Oper in zwei Akten von Vincenzo Bellini. Das Libretto stammt von Felice Romani und beruht auf einem Drama von Louis Alexandre Soumet. Die Uraufführung fand 1831 in Mailand statt. Die Oper spielt in Gallien im ersten Jahrhundert vor Christus. Die Spieldauer beträgt etwa zweieinhalb Stunden.
Belcanto (Schöngesang) im wahrsten Sinne des Wortes, grossartige Stimmen gepaart mit exzellenten schauspielerischen Leistungen, alles unterstützt von einem adäquaten Bühnenbild inklusive passenden Diaprojektionen. Instrumental wie immer grossartig, das von Howard
Arman geleitete Luzerner Sinfonieorchester. Obwohl eher ein Melodram für die weiblichen Stimmen, behaupteten sich der Bassbariton Flurin Caduff als Oroveso und Tenor Carlo Jung-Heyk Cho als Pollione nachhaltig eindrücklich auf der Szene. Leider etwas überlaut, fast schreiend gegenüber Norma hingegen im ersten Duett war Adalgisa (Marie-Luise Dressen). Alles überstrahlt natürlich die sehr lange Cavatine „Casta Diva“ zu der sich Morenike Fadayomi scheinbar mühelos aufschwang. Die Schlüsselarie ist geprägt von unendlichen, elegisch grundierten Kantilenen. Übergrosse Adlerschwingen integriert am Druidenthron visualisieren die aussergewöhnliche gesellschaftliche Stellung der Priesterin Norma in der gallischen Gemeinschaft. Das Drama nimmt seinen Lauf und gipfelt in der fast halbstündigen Schlussszene und dem Tod von Norma und Pollione auf den Scheiterhaufen.
Eine fast perfekte Adaption des Stoffes durch Regisseurin Nadja Loschky, wenn sie auf das Anzünden mittels eines Feuerzeuges und das Rauchen von Zigaretten durch Pollione und Flavio im ersten Akt und Verwendung einer Faustfeuerwaffe zur Bedrohung von Pollione durch Norma verzichtet hätte.
Trotz mehrerer Vorhänge reichte es nicht ganz zu einer stehenden Ovation. Gespannt, wie die originalbesetzte Jutta Maria Böhnert nach ihrer Wiedergenesung den schwierigen Part meistern wird, hat doch ihr Ersatz, Morenike Fadayomi, die Messlatte sehr hoch gelegt.
Kleine Fotodiashow der Produktion vonTanja Dorendorf / T+T Fotografie
Besetzung und Programm: