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Gesundheit

Wie viele Menschen sind immun gegen das neue Coronavirus? Robert Koch- Institut startet bundesweite Antikörper-Studien

Wie weit ist das neue Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland tatsächlich
verbreitet? Wie viele Menschen haben bereits eine Infektion durchgemacht
und sind jetzt zumindest für eine gewisse Zeit immun? Das wollen
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts in
mehreren großangelegten Studien herausfinden.

Untersucht wird, ob sich im Blut der Studienteilnehmer Antikörper gegen
SARS-CoV-2 nachweisen lassen – ein sicherer Hinweis auf eine durchgemachte
Infektion. „Von diesen Studien erwarten wir uns ein genaueres Bild über
das SARS-CoV-2-Geschehen in Deutschland“, sagt Prof. Lothar H. Wieler,
Präsident des RKI. Es ist bisher nicht bekannt, wieviele Menschen in
Deutschland eine Infektion tatsächlich durchgemacht haben und damit immun
sind. Die Infektion verläuft häufig mild oder sogar unbemerkt. „Die
Ergebnisse der Antikörper-Studien sind von großer Bedeutung, um den
Verlauf und Schwere der Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit
der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können“, unterstreicht
Wieler.

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 ist in Deutschland meldepflichtig. Die
offiziellen Meldezahlen (siehe u.a. Dashboard <https://corona.rki.de>)
spiegeln aber nur einen Teil der SARS-CoV-2-Infektionen wieder. Nicht
jeder Infizierte entwickelt so starke Symptome, dass er zum Arzt geht, und
nicht jeder mit Symptomen wird getestet. Mit den derzeit eingesetzten PCR-
Tests lässt sich außerdem nur eine akute Infektion nachweisen: Der Test
detektiert das Erbgut des Virus, meist in Rachenabstrichen.

Bei Antikörper- oder serologischen Studien wird das Blut der Probanden auf
Antikörper gegen SARS-CoV-2 untersucht. Antikörper lassen sich frühestens
ein bis zwei Wochen nach der Infektion nachweisen; entsprechende
Labortests sind erst seit kurzem verfügbar.

Das RKI startet in Kürze Untersuchungen an Blutspendern und Menschen in
einigen COVID-19-Ausbruchsgebieten. Längerfristig ist eine bundesweite
repräsentative Studie geplant. Bei der Laboranalytik arbeitet das RKI eng
mit dem von Prof. Christian Drosten geleiteten Institut für Virologie der
Charité – Universitätsmedizin Berlin zusammen. Die Studien im Überblick:

Serologische Untersuchung an Blutspendern in Deutschland: In
Zusammenarbeit mit den Blutspendediensten werden regelmäßig Blutproben von
Erwachsenen aus ganz Deutschland auf Antikörper untersucht. So können
Rückschlüsse auf die Verbreitung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung gezogen
werden. Ab voraussichtlich kommender Woche sollen alle 14 Tage ca. 5.000
Blutproben untersucht werden. Erste Ergebnisse werden Anfang Mai 2020
erwartet.

Seroepidemiologische Studien an mehreren besonders betroffenen Orten
(„Hotspots“) in Deutschland: Ziel der örtlich begrenzten Studien ist es,
durch die Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in repräsentativen
Stichproben der Einwohner die Immunität in der Bevölkerung vor Ort
abzuschätzen. Auch der Anteil asymptomatischer Infektionen und
Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Bevölkerung sollen besser
abgeschätzt werden. In jedem Ort werden etwa 2.000 Probanden ab 18 Jahre
mehrfach untersucht, die Probanden werden zusätzlich u.a. zu klinischen
Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten, Lebensumstände und
psychischer Gesundheit befragt. Studienbeginn ist Mitte April 2020, mit
ersten Ergebnissen ist im Mai 2020 zu rechnen. Bei der Planung und
Durchführung dieser so genannten „Hotspot“-Studien arbeitet das RKI mit
Forschern um Prof. Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für
Infektionsforschung in Braunschweig zusammen.

Bundesweite bevölkerungsrepräsentative seroepidemiologische Studie: Durch
die Bestimmung von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 in einer bundesweit
repräsentativen Stichprobe soll die tatsächliche Verbreitung, Immunität,
der Anteil asymptomatische Infektionen, die tatsächliche Sterberate und
Risikofaktoren für einen schweren Verlauf in der Bevölkerung in
Deutschland besser abgeschätzt werden. Untersucht werden sollen 15.000
Personen ab 18 Jahre an 150 Studienorten, die Probanden werden zusätzlich
u.a. zu klinischen Symptomen, Vorerkrankungen, Gesundheitsverhalten,
Lebensumstände und psychischer Gesundheit befragt. Studienbeginn ist
voraussichtlich Mitte Mai 2020, erste Ergebnisse werden im Juni 2020
erwartet.

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"Aktuelle Herausforderungen in der Langzeitpflege"

Auch wenn die aktuelle Zeit in der Corona-Krise einige gravierende
Einschränkungen mit sich bringt, so bietet sie auch Chancen über
christliche Werte, Begriffe wie Solidarität, Nächstenliebe oder
Dankbarkeit (neu) nachzudenken und hebt die Wichtigkeit (guter) Pflege
nochmal auf eine neue Bedeutungsebene. Die Philosophisch-Theologische
Hochschule Vallendar (PTHV) veröffentlicht ab sofort regelmäßig
erscheinende Impulse und Interviews mit Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern  der PTHV und liefert damit geistige Anregungen zu
drängenden Fragen im Rahmen der Corona-Krise für Kirche, Gesellschaft und
Politik.

Interview mit:

Prof. Dr. Hermann Brandenburg, Lehrstuhl für Gerontologische Pflege an der
PTHV und Dr. Hanno Heil, Lehrbeauftragter für Pastoraltheologie und
Diakonische Theologie an der PTHV: Aktuelle Herausforderungen in der
Langzeitpflege

1. Hr. Heil: Sie waren über zwölf Jahre Vorstandsvorsitzender eines großen
Wohlfahrtsverbands. Der hat über 1000 Einrichtungen der stationären,
ambulanten und teilstationären Pflege. Wie stellt sich aktuell die
Situation dar? Ich habe gehört, dass ca. 300.000 Pflegepersonen aus
Osteuropa das Land zurzeit verlassen. Wie gelingt es da überhaupt noch die
Versorgung alter Menschen zur Hause sicherzustellen?

Dr. Hanno Heil: Ganz aktuell sorgt sich der Verband um die Ausstattung der
Einrichtungen mit Schutzausrüstung, denn die Vorräte gehen zur Neige und
die angekündigten Lieferungen von Bundes- und Landesregierungen erreichen
bislang nicht die Adressaten. Hier entsteht gerade eine große
Verunsicherung in den Einrichtungen und Diensten und Unverständnis bei den
An- und Zugehörigen aus. Der Verband hat diese Situation dem
Pflegebevollmächtigten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus
vorgetragen und um dringende Abhilfe gebeten. Dabei hat er auch auf
Probleme mit der Liste der Ansprechpartner in den Bundesländern aufmerksam
gemacht, die die Bedarfe der Dienste und der Einrichtungen entgegennehmen
und für eine schnelle Verteilung sorgen sollen. Beispiele falscher
Ansprechpartner sowie falscher oder fehlender Verteilung wurden benannt.
Herr Westerfellhaus hat auch umgehend geantwortet und mitgeteilt, dass er
das Thema im Krisenstab und in den anderen Gremien im Bundesministerium
für Gesundheit platziert habe. Er hat dort darauf hingewiesen, dass auch
an kleinere Pflegedienste und -einrichtungen, die nicht die logistische
Unterstützung großer Trägerverbände haben, gedacht werden muss. Neben den
Beschaffungsaktivitäten des Bundesministeriums für Gesundheit sind hier
natürlich auch die Länder gefordert. Die Verteilung der bundesweit
beschafften Schutzausrüstungen erfolgt ja über die Länder und die
Kassenärztlichen Vereinigungen.

2. Und wie ist das in den Heimen? Man kann ja keine Besuche mehr machen.
Was bedeutet dies für die Bewohner vor Ort, aber auch für die
Mitarbeiter/innen? Wie reagiert das Management?

Dr. Hanno Heil: Die Situation der ausfallenden Besuche ist für
Pflegebedürftige wie Angehörige eine große Belastung. Aber eine Ansteckung
muss in den Pflegeheimen dringend vermieden werden. Das Management sorgt
z.B. dafür, dass innerhalb der  Teams soweit möglich die
Sicherheitsabstände eingehalten werden und ausreichend
Desinfektionsmaterial vorhanden ist. Es sorgt auch dafür, dass
Stationsteams so separiert werden, dass bei einem Infektionsfall auf einem
Wohnbereich, andere Wohnbereiche weiter betrieben werden können.

3. Und die Tagespflege? Wie gestaltet sich denn jetzt der Alltag von alten
und pflegebedürftigen Menschen? Und wie ist es mit den Angehörigen?

Dr. Hanno Heil: Die Schließung der Tagespflegeeinrichtungen ist eine sehr
schwierige Situation –  aus wirtschaftlichen Gründen und für die
Angehörigen, weil ein wichtiges Element der Entlastung im Alltag wegfällt.
Mir fehlt der Überblick, wie die Familien das im Einzelnen hinbekommen.
Aber das ist in Zeiten, da auch die familiären und nachbarschaftlichen
Kontakte eingeschränkt sind, besonders herausfordernd.

4. Das Pflegethema ist ja in aller Munde. Was bedeutet dies für Ihren
Verband insgesamt? Ist das eine Chance?

Dr. Hanno Heil: Der Verband schaut schon in die Zukunft und hat auf eine
allgemeine TODO-Liste für die Zeit nach der Corona-Pandemie z.B. Themen
gesetzt, etwa die regionale Produktion von Schutzausrüstung, eine klar
strukturierte Vorratshaltung derselben und Verteiloptionen in Ländern und
Kommunen sowie die Refinanzierung dieser Maßnahmen und diverser
Schutzausrüstungen. Lobbythemen, die wir schon seit Jahren vertreten
haben, wie z.B. eine angemessene personelle Ausstattung der ambulanten und
stationären Pflege werden in Zukunft sicher in einen anderen Kontext
eingebracht werden können.

5. Hr. Brandenburg: Sie sind seit fast 15 Jahren Mitglied der
Pflegewissenschaftlichen Fakultät hier in Vallendar. In den Medien ist
sehr viel die Rede von den „Helden des Alltags“. Wie kommt das bei Ihnen
an? Und was bedeutet dies eigentlich?

Prof. Dr. Hermann Brandenburg: Zunächst einmal kommt das sehr positiv bei
mir an. Wenn ich Menschen auf Balkons sehe, die den „Helden des Alltags“ –
und dazu gehört ja auch die Pflege – applaudieren, dann finde ich das
natürlich gut. Aus diesen Aktionen spricht eine Wertschätzung für die
Pflege, sie wird im öffentlichen Raum positiv wahrgenommen. Das ist
deswegen wichtig, weil üblicherweise in der Medienberichterstattung häufig
der Finger in die Wunde gelegt wird und auf Missstände verwiesen wird. Die
entsprechenden Filmbeiträge, Diskussionen und die dann folgende Empörung
im Netz sind bekannt. Aber ich frage mich eben auch, wie nachhaltig und
politisch wirksam diese Inszenierungen sind. An dieser Stelle ist es sehr
wichtig, dass die entsprechende Botschaft auch in der Politik ankommt.
Offensichtlich ist das auch der Fall, denn selbst der Bundespräsident hat
vor kurzem explizit diesen „Helden des Alltags“ gedankt. Ich hoffe nur,
dass diesem Dank auch Taten folgen und die bereits auch vor der Corona-
Krise skandalöse Arbeitssituation in der Pflege substantiell verbessert
wird.

6. Und wie wird es weitergehen mit der pflegerischen Versorgung in unserem
Land? Wie blicken Sie in die nahe Zukunft?

Prof. Dr. Hermann Brandenburg: Ich arbeite an einer katholischen
Hochschule, da leben wir immer in der Hoffnung. Von daher blicke ich
positiv in die Zukunft. Natürlich – die Krise ist mit erheblichen
Herausforderungen verbunden. Das gilt im Moment vorrangig in den Klinken,
Pflegeheimen und der ambulanten Versorgung. Ein Bereich, der mir aber auch
große Sorgen macht, ist die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen zu
Hause. Wir wissen, dass etwa 300000 osteuropäische Haushalts- und
Pflegehilfen unser Land verlassen haben – aus Angst vor dem Corana-Virus.
Aber wie können wir die Versorgung dieser überwiegend alten Menschen
sicherstellen? Entsprechende professionelle Netzwerke über die Kammern und
die Robert Bosch Stiftung haben sich bereits etabliert. Aber das wird eine
Herkulesaufgabe werden.

Insgesamt gehe ich davon aus, dass die aktuelle Krise nicht monatelang
anhalten wird. Die Politik wird auf die Situation differenziert reagieren
müssen. Im Moment steigen die Infektionen noch. Aber wenn der Höhepunkt
überschritten ist, dann wird man die Einschränkungen wieder lockern
(müssen). Aber wenn daraufhin die Infektionszahlen wieder steigen, dann
wird dies wieder neue Restriktionen zur Folge haben. Das alles wird so
noch eine Zeitlang weitergehen. Kurz und gut – die ganze Geschichte wird
uns noch monatelang beschäftigen. Und es ist wichtig, dass diese Zeit nun
für ein Moratorium im Sinne der Pflege genutzt wird. Es sollte der Politik
deutlich gemacht werden, dass wir im Hinblick auf die Pflege nicht mehr
mit (sehr) kleinen Schritten vorwärts kommen, sondern einen großen Wurf
brauchen.

7. Wie muss man sich diesen großen Wurf vorstellen?

Prof. Dr. Hermann Brandenburg: Ich nenne drei Stichworte: Die Bezahlung im
Pflegesektor ist nach wie sehr heterogen, hier muss es Vereinheitlichungen
und Nachbesserungen geben. Eine vollzeitbeschäftigte Altenpflegerin
verdiente 2017 brutto knapp 2.900 Euro im Westen Deutschlands, im Osten
nur 2.400 Euro. Verglichen mit dem Median der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten sind dies 15 Prozent weniger in West- und 10 Prozent weniger
in Ostdeutschland. Altenpflegehelfer/innen verdienen sogar 40 Prozent
weniger als der Median. Hr. Zetsche hat mit 9.8 Millionen Euro jährlich
etwa das 300fache wie diese Altenpfleger/innen. Ich möchte an dieser
Stelle keine Neiddebatte provozieren und gönne Hr. Zetsche ein gutes
Auskommen. Aber können Sie mir bitte sagen, wer diese Relation belastbar
begründen kann? Niemand!  Ein bundesweiter Tarifvertrag ist nach meiner
Auffassung ein absolutes Muss. Hinzu kommt die Notwendigkeit der
Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der Pflege. Hier muss sich auch
einiges ändern. Eine mitarbeiterorientierte Personal- und
Organisationsentwicklung ist für mich ein elementarer Bestandteil guter
Pflegeorganisationen. Die Debatte um den Personalnotstand zeigt ja auch,
dass kreative Lösungen möglich sind und die Rufe nach ausländischen
Mitarbeitern allein zu wenig ist. Schließlich – drittens – müssen seitens
der Politik grundlegende Fragen der Gestaltung des Pflege- und
Versorgungssektors angepackt werden. Ein Blick ins Ausland, vor allem die
skandinavischen Länder, hilft uns hier weiter. Die öffentliche Hand, vor
allem die Kommune, ist hier in eine zentrale Verantwortung eingebunden.
Bei uns liegt der Anteil der öffentlich verantworteten Pflegeheime nur
noch bei wenigen Prozent, Hier muss meiner Auffassung nach das Rad
zurückgedreht werden, eine weitere Privatisierung und Kommerzialisierung
des Pflege- und Versorgungsbereichs gestoppt werden. Und damit verbunden
gilt: Die Gemeinwohlorientierung muss in unserem Land politisch wieder
stärker auf die Agenda gerückt werden.

8. Momentan hat das Pfegethema ja Konjunktur. Wie ist das im Hinblick auf
die Professionalisierung des Pflegeberufs einzuschätzen, auch bzgl. der
Akademisierung?

Prof. Dr. Hermann Brandenburg: Sie sprechen einen sehr wesentlichen Punkt
an. Denn ohne eine weitere Aufwertung des Pflegeberufes wird es nicht
gehen. Und das bedeutet für mich nicht nur, dass man öffentlich der Pflege
applaudiert, sondern Aufgabenprofil, Kompetenzen und
Entscheidungsbefugnisse des Pflegeberufs erheblich ausweiten muss. In
Deutschland haben wir nach wie vor ein arztzentriertes Gesundheitssystem.
Jede Inkontinenzversorgung muss vom Arzt abgezeichnet werden, obwohl die
betreuende Pflegefachkraft viel besser weiß, was erforderlich ist und was
nicht. Die Machtverteilung zwischen Ärzten und Pflegenden muss verändert
werden, die Pflegekammer ist der erste Schritt. Ich hoffe, dass in Kürze
eine bundesweite Pflegekammer möglich sein wird. Die Ausbildungsreform ist
in Gang gesetzt worden, eine generalistische Ausbildung war notwendig.
Aber jetzt kommt es darauf an weitere Impulse zu setzen, dazu gehört vor
allem die Akademisierung des Pflegeberufs. Es ist ein Skandal, dass
bundesweit nicht mehr als 0,6 Prozent der Pflegenden akademisiert sind.
Der Wissenschaftsrat hat vor fast 10 Jahren bereits einen Anteil von 10-20
Prozent gefordert, hiervon sind wir noch weit entfernt. Wir brauchen wir
einen Schub für die Hochschulen, vor allem auch für die universitäre
Qualifizierung. In den deutschsprachigen Ländern (Österreich, Schweiz,
Deutschland) gibt es insgesamt 54 medizinische Fakultäten, weitere sind im
Aufbau. Es gibt aber nur eine einzige pflegewissenschaftliche Fakultät,
das ist schlichtweg zu wenig. Wenn wir wirklich Innovationen im
Gesundheitswesen wollen – ich denke hier z.B. an Innovationszentren in der
Langzeitpflege oder sog. „Teaching Nursing Homes“ – dann muss hier Gas
gegeben werden.

Information zur PTHV:
Die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV) ist eine
kirchlich und staatlich anerkannte wissenschaftliche Hochschule (im Rang
einer Universität) in freier Trägerschaft. Die Gesellschafter der PTHV
gGmbH sind die Vinzenz Pallotti gGmbH und die Marienhaus Holding GmbH.
Rund 50 Professoren und Dozenten forschen und lehren an der PTHV und
betreuen etwa 500 Studierende beider Fakultäten.

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Diabetespatienten mit COVID-19-Erkrankung: DDG gibt praktische Handlungsempfehlungen zur Diabetesversorgung heraus

Aufgrund der hohen Infektionsrate bei Diabetespatientinnen und
-patienten stellt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) Ärztinnen und
Ärzten praktische Empfehlungen zum Diabetes-Management bei einer
COVID-19-Erkrankung zur Verfügung. Insbesondere sei auf Wechselwirkungen
zwischen antidiabetischen und antiviralen Medikamenten sowie mögliche
Komplikationen bei oralen Antidiabetika zu achten. Noch ist unklar, ob es
einen kausalen Zusammenhang zwischen einem Diabetes und der
COVID-19-Erkrankung gibt. Einzelne wissenschaftliche Arbeiten deuten
darauf hin.

Berlin – Zu den häufigsten Begleiterkrankungen des Coronavirus SARS-CoV-2
zählen ein Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Für diese
Betroffenen besteht im Falle einer Virusinfektion ein erhöhtes Risiko für
einen schweren Krankheitsverlauf mit akutem Lungen- oder
Multiorganversagen. Aufgrund der hohen Infektionsrate bei
Diabetespatientinnen und -patienten stellt die Deutsche Diabetes
Gesellschaft (DDG) Ärztinnen und Ärzten praktische Empfehlungen zum
Diabetes-Management bei einer COVID-19-Erkrankung zur Verfügung.
Insbesondere sei auf Wechselwirkungen zwischen antidiabetischen und
antiviralen Medikamenten sowie mögliche Komplikationen bei oralen
Antidiabetika zu achten. Noch ist unklar, ob es einen kausalen
Zusammenhang zwischen einem Diabetes und der COVID-19-Erkrankung gibt.
Einzelne Arbeiten deuten beispielsweise auf eine mögliche Beziehung
zwischen Coronavirus-Infektionen, ACE2-Expression und Glukosestoffwechsel
hin. Klinische Studien hierzu stehen jedoch noch aus.

Um Menschen mit Diabetes während der Coronavirus-Pandemie bestmöglich zu
versorgen, hat die DDG praktische Handlungsempfehlungen für das Diabetes-
Management von Patientinnen und Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung
veröffentlicht. „Insbesondere in der Betreuung von Diabetespatienten mit
häufigen Komorbiditäten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Adipositas oder
Bluthochdruck kann eine effektive Diabetestherapie ausschlaggebend dafür
sein, Komplikationen in Folge des Coronavirus zu umgehen“, betont DDG
Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer.

„Grundvoraussetzungen für Diabetespatienten sind zunächst eine gute
Blutzuckereinstellung, eine Überwachung möglicher Anzeichen für eine
Ketoazidose oder Laktatazidose sowie des Blutdrucks“, bilanziert Kellerer
die Handlungsempfehlungen. Insbesondere Frauen mit einem
Schwangerschaftsdiabetes, Menschen mit Typ-1-Diabetes und Patienten mit
Komorbiditäten sollten bei einer COVID-19-Erkrankung hinsichtlich ihres
Diabetes engmaschig betreut werden. „Hierzu bietet sich auch eine
telefonische oder telemedizinische Versorgung per Videosprechstunde an“,
so die ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am
Marienhospital Stuttgart.

Bei einer intensivmedizinischen Betreuung von Menschen mit Diabetes ist
insbesondere die medikamentöse Therapie individuell und flexibel
anzupassen. Die Autorinnen und Autoren betonen die möglichen
Wechselwirkungen von antidiabetischen und antiviralen Medikamenten sowie
eventuelle Nebenwirkungen oraler Antidiabetika. „Im Falle eines schweren
Krankheitsverlaufs bei COVID-19 ist anzuraten, eine eventuell
vorbestehende orale Medikation durch eine Insulinbehandlung zu ersetzen“,
rät Professor Dr. med. Jochen Seufert, Leiter der Abteilung Endokrinologie
und Diabetologie am Universitätsklinikum Freiburg und Mitautor der
Handlungsempfehlung. Insulin gehe weniger mit Komplikationen wie
Ketoazidose oder Laktatazidose einher und sei zudem besser mit antiviralen
Medikamenten wie Hydroxychloroquin kombinierbar. „Die Überwachung der
Blutglukosewerte ist mit einer Insulintherapie zudem wesentlich einfacher.
Bei intensivmedizinischer Betreuung kann mit einem Insulinperfusor
gearbeitet werden, der dem Patienten regelmäßig Insulin verabreicht.“ Bei
Fieber sowie eingeschränkter Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme empfehlen
die DDG Experten, eine bestehende Therapie mit SGLT2-Inhibitoren oder
Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes vorerst auszusetzen.

Idealerweise sollte der Blutglukosewert von infizierten Diabetespatienten
zwischen 70 und 180 mg/dl oder 3,9 und 10 mmol/dl und der
Langzeitblutzuckerwert HbA1c unter 7,5 liegen. Bei intensivmedizinisch
betreuten Patienten ist ein Blutzuckerwert zwischen 140 und 180 mg/dl
beziehungsweise 7,8 bis 10 mmol/dl anzustreben. Der Blutdruck sollte
sowohl bei milden sowie schweren Verläufen 135/85 mmHg möglichst nicht
übersteigen.

Die Experten empfehlen zudem, alle COVID-19 erkrankte Personen
hinsichtlich eines nicht -bekannten Diabetes zu untersuchen. „So können
die behandelnden Ärzte ausschließen, dass es zu stoffwechselbedingten
Komplikationen im Krankheitsverlauf kommt und rechtzeitig gegenlenken“,
betont Kellerer. Unabhängig von einer Infektion mit dem Coronavirus
empfiehlt die DDG ein Diabetes-Screening per HbA1c-Bestimmung bei allen
klinischen, aber auch ambulanten Patienten über 50 Jahren. Denn den rund
sieben Millionen diagnostizierten Diabetespatienten stehen etwa 1,3
Millionen Menschen gegenüber, die von ihrer Diabeteserkrankung noch nichts
wissen.

Die „Praktischen Empfehlungen zum Diabetes-Management bei Patientinnen und
Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung“ beziehen sich auf Erwachsene. Für
Kinder und Jugendliche gelten die Behandlungsstrategien und Dosisangaben,
die in der DDG-Leitlinie "Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des
Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter" festgelegt sind.

Informationen:

- Positionspapier der Deutschen Diabetes Gesellschaft „Praktische
Empfehlungen zum Diabetes-Management bei Patientinnen und Patienten mit
einer COVID-19-Erkrankung“
https://www.deutsche-diabetes-
gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/2020/20200403_Positionspapier_COVID19_final_1.pdf

- Offizielle Quellen mit medizinischen Informationen zu COVID-19 für
diabetologisches Fachpersonal und Patienten
https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/ueber-uns/update-
coronacovid-19.html

- Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG: https://www.deutsche-
diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/praxisempfehlungen

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Neues Informationsblatt für Angehörige von Krebspatienten

Helfen und sich helfen lassen - neues Informationsblatt vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsfoschungszentrums

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein Schock. Das gilt auch für Partner, Familienangehörige und Freunde von Krebspatienten. Neben der Sorge und dem Impuls, den anderen zu unterstützen, fühlen sich viele in dieser Situation zunächst unsicher und überfordert. Die Angst, im Miteinander etwas falsch zu machen, ist groß. Zur Unterstützung von Angehörigen und Freunden hat der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums ein neues Informationsblatt mit dem Titel „Für Angehörige von Krebspatienten: Helfen und sich helfen lassen“ entwickelt.  

Studien zeigen, dass emotionale und psychosoziale Belastungen von Angehörigen und Krebspatienten in ihrem Ausmaß vergleichbar sind. Handelt es sich um eine fortgeschrittene Erkrankung, ist für Angehörige die Situation besonders schwer: Zur Sorge um die Betroffenen und die gemeinsame Zukunft kommen viele organisatorische Fragen und die Belastung durch die Pflege und Versorgung. Vielen Angehörigen fällt es zudem schwer, über Krebs zu sprechen. Wie findet man die richtigen Worte? Wie umgehen mit der Angst, die Partnerin, den Freund oder die Mutter zu verlieren und gleichzeitig für den anderen stark sein zu wollen? In der Versorgung kommen Angehörige von Krebspatienten und ihr Bedarf an Informationen und psychosozialer Unterstützung häufig zu kurz. „Vor diesem Hintergrund war uns das neue Informationsblatt ein wichtiges Anliegen. Es gibt Angehörigen Orientierung und zeigt auf, wie wichtig es ist, auf die eigenen Kräfte zu achten“, so Dr. Birgit Hiller vom Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Das Informationsblatt „Für Angehörige von Krebspatienten. Helfen und sich helfen lassen“ steht zum Download unter https://www.krebsinformationsdienst.de/service/iblatt/iblatt-angehoerige.pdf?m=1581944207& bereit, kann aber auch unter krebsinformationsdienst@dkfz.de bestellt werden.  

Weitere Tipps für Angehörige 

Die Kliniksozialdienste beraten nicht nur zu psychosozialen Themen, sondern informieren auch über Unterstützungsmöglichkeiten, Pflege und finanzielle Absicherung. In vielen Krankenhäusern gibt es zudem spezielle psychoonkologische Beratungsangebote, die teilweise auch von Angehörigen genutzt werden können. Regionale Krebsberatungsstellen stehen ebenfalls Familien und Freunden offen. Wichtige Ansprechpartner können außerdem regionale Selbsthilfegruppen sein. Adressen nennt der Krebsinformationsdienst am Telefon, per E-Mail oder über www.krebsinformationsdienst.de. Nur mit einer Vorsorgevollmacht  können Angehörige stellvertretend für den Krebspatienten handeln. Sie ist Voraussetzung, um etwa die Post öffnen zu können, Gespräche mit der Bank zu führen oder Auskünfte der behandelnden Ärzte einzuholen.

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