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Gesundheit

Expertinnen und Experten für seltene Erkrankungen der Haut

Forum „Seltene Erkrankungen der Haut“ präsentiert sich auf der 50. Tagung
der DDG

Berlin, 1. Mai 2019 – Eine Erkrankung gilt als selten, wenn weniger als
fünf Personen von 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern betroffen sind. In
Deutschland sind etwa vier Millionen Menschen von einer seltenen
Erkrankung betroffen. So selten sind diese Erkrankungen also gar nicht.
Insgesamt gibt es etwa 7.000 verschiedene seltene Erkrankungen. Die Haut
ist davon häufig betroffen: Bekannt sind mehr als 400 diverse
Hauterkrankungen, die als selten gelten.

Fehlende Expertise bei seltenen Krankheitsbildern
Seltene Erkrankungen können alle menschlichen Organe betreffen und die
Symptome sind sehr unterschiedlich. Eines verbindet die Betroffen: Häufig
wird die Krankheit zu Beginn nicht erkannt. Sie wird unterschätzt, weil
niemand die zahlreichen seltenen Erkrankungen überblicken kann. Es gibt
wenige Informationen sowie kaum Expertinnen und Experten.

„Wie bei jeder Erkrankung ist es auch bei seltenen Hauterkrankungen
wichtig, schnell eine klare Diagnose zu stellen und Informationen über den
Krankheitsverlauf zu erhalten“, berichtet Prof. Dr. Dr. Leena Bruckner-
Tuderman, Klinikleiterin am Universitätsklinikum Freiburg aus der Praxis.
Nur so könne wirksam behandelt werden. Für Dermatologinnen und
Dermatologen bestehe die Herausforderung darin, seltene Hauterkrankung im
Blick zu behalten und entsprechende Informationen und Expertisen zu
finden. Diese konzentrieren sich meist in Zentren für seltene Erkrankungen
an den Universitätskliniken oder in anderen großen Krankenhäusern. Nach
einer Diagnosestellung werden Behandlungspläne erstellt, die dann
gemeinsam mit Unterstützung der hausärztlichen und fachärztlichen
Versorgung am Wohnort durchgeführt werden.

Expertinnen und Experten für seltene Erkrankungen der Haut
Das Forum „Seltene Erkrankungen der Haut“ der Deutschen Dermatologischen
Gesellschaft (DDG) beschäftigt sich mit dem Thema und bereitet
Informationen für Betroffene, Ärztinnen und Ärzte auf.  Im Forum sind
Expertinnen und Experten aus mehr als 15 Kliniken aktiv beteiligt. Sie
verfügen über Expertisen für die größten Gruppen der seltenen
Hauterkrankungen, wie zum Beispiel Epidermolysis bullosa,
Verhornungsstörungen, Ektodermale Dysplasien, Hidradenitis suppurativa,
Autoimmunerkrankungen und Autoinflammatorische Erkrankungen sowie seltene
Haarkrankheiten und seltene Hauttumorerkrankungen. Über die Webseite der
DDG (www.derma.de) stehen diese Expertinnen und Experten kompetent für
eine schnelle Diagnosefindung und Behandlungsplanung zur Verfügung.

Netzwerk sichert schnelle Diagnose und Behandlung
Die Expertinnen und Expertin im Forum „Seltene Erkrankungen der Haut“ sind
national und international sehr gut vernetzt und können bei extrem
seltenen Diagnosen Kontakte zu weiteren entsprechend spezialisierten
Dermatologinnen und Dermatologen im In- und Ausland vermitteln. Alle diese
Expertinnen und Experten nehmen an der 50. Tagung der DDG vom 1. bis zum
4. Mai 2019 teil. Sie präsentieren vielseitige neue Erkenntnisse und
Informationen zu Ursachen, verbesserter Diagnostik, Krankheitsmanagement
und neuartigen Therapiemöglichkeiten bei seltenen Erkrankungen der Haut.
Fachärztinnen und Fachärzte für Dermatologie können Kontakt zu
Expertinnen, Experten und dem Netzwerk knüpfen.

Evidenzbasierte Therapien für seltene Erkrankungen der Haut
Auf der 50. Tagung der DDG werden neu entwickelte evidenzbasierte
Therapien für seltene Hauterkrankungen vorgestellt, die schon mehrfach in
klinischen Studien evaluiert werden. Denn gerade weil eine Heilung
seltener Erkrankungen bislang selten erreicht wird, ist die Teilnahme an
klinischen Studien für viele Betroffene eine gute Möglichkeit, erstmalig
wirksame Therapien zu erhalten.

Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche
Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700
Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung
auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich
zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie,
Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen
Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen
Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die
Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung
von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und
internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im
deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie
Stipendien.

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Neues zu blasenbildenden Autoimmunerkrankungen der Haut

Deutsche Dermatologische Gesellschaft präsentiert wissenschaftliche
Erkenntnisse

Berlin, 1. Mai 2019 – Blasenbildende Autoimmunerkrankungen sind seltene,
jedoch lebensbedrohliche Erkrankungen der Haut und Schleimhäute. Bei
diesen Hauterkrankungen bilden Zellen des Immunsystems (Plasmazellen)
bestimmte Eiweiße (Antikörper). Diese Antikörper schädigen mit den
körpereigenen T-Zellen Strukturen die Haut. Die Oberhaut (Epidermis) löst
sich und es bilden sich Blasen auf der Haut. Die Expertinnen und Experten
der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft präsentieren auf ihrer 50.
Tagung vom 1. bis zum 4. Mai 2019 im Berliner CityCube neue
wissenschaftliche Erkenntnisse zu bullösen Dermatosen (Pemphigus), den
blasenbildenden Autoimmunerkrankungen.

Serologische Testungen bei blasenbildenden Autoimmunerkrankungen
Prof. Dr. Hertl, Direktor der Hautklinik am Universitätsklinikum Marburg
und Experte für bullöse Dermatosen, gibt Einblick in den aktuellen Stand
der dermatologischen Forschung. „Durch ein besseres Verständnis für die
Entwicklung dieser Erkrankungen können wir blasenbildende
Autoimmunerkrankungen jetzt mit handelsüblichen, serologischen
Testsystemen viel spezifischer diagnostizieren.“ Hierbei können die
entsprechenden Antigene und Antikörper nachgewiesen werden. Die meisten
bullösen Dermatosen werden immunsuppressiv, also durch die Unterdrückung
des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem) behandelt. Das erfolgt
entweder mit sogenannten Glukokortikoiden oder im Anschluss an eine
konservative Behandlung durch adjuvant eingesetzte Immunsuppressiva bis
zum Rückgang der Krankheitssymptome. Die Mortalität (Sterblichkeit) bei
diesen Autoimmunerkrankungen konnte auf diesem Weg deutlich gesenkt
werden. Allerdings weisen systemische Glukokortikoide nicht unerhebliche
Begleitwirkungen auf. Dazu gehören Diabetes mellitus, arterielle
Hypertonie, Magen-Darm-Geschwüre, Osteoporose sowie eine erhöhte
Infektanfälligkeit.

Studien zeigen Remission von Autoimmundermatosen
Für die Behandlung von Autoimmundermatosen wurde vor kurzem der
monoklonale Antikörper Rituximab als First Line-Therapie zugelassen.
Prospektive Studien zeigten unter Rituximab langfristige Remissionen der
Autoimmundermatosen. Es laufen weitere klinische und präklinische Studien
mit dem Ziel, die autoreaktiven T- und B-Zellen sowie Autoantikörper bei
Patientinnen und Patienten mit einer bullösen Dermatose zu eliminieren.

Chronischer Juckreiz – Indiz für Dermatoserisiko
Das bullöse Pemphigoid ist die häufigste blasenbildende Hauterkrankung im
fortgeschrittenen Erwachsenenalter. Aufgrund verschiedener Komorbiditäten
zeigt sich hier eine hohe Mortalität im Altersgruppenvergleich. Als
Kardinalsymptom gilt ein chronischer Juckreiz, der mit vielgestaltigen
Hautveränderungen verbunden ist. Es hat sich gezeigt, dass ältere Menschen
mit Juckreiz-assoziierten Hauterkrankungen bereits Serumautoantikörper
gegen die Autoantigene der Haut aufweisen können. Damit besteht
möglicherweise ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer blasenbildenden
Autoimmunerkrankung, des bullösen Pemphigoids.

Klinische Erfahrungen mit Immunsuppressiva
Therapeutisch zeigen sowohl systemische als auch lokal angewandte
Glukokortikoide eine ähnliche klinische Wirksamkeit. „Die Wahl der
Therapie orientiert sich am Versorgungszustand der Patientin oder des
Patienten“, so Prof. Dr. Hertl. Als adjuvante steroidsparende
Immunsuppressiva werde bei einem Pemphigoid Dapson, Azathioprin,
Methotrexat und Doxycyclin gegeben. Eine kürzlich publizierte Studie legt
nahe, dass Doxycyclin einen gleichwertigen therapeutischen Effekt wie die
systemischen Glukokortikoide aufweist. Dabei sei zu berücksichtigen, dass
Glukokortikoide um 30 Prozent stärker entzündungshemmend wirken, so Hertl
weiter.

Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche
Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700
Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung
auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich
zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie,
Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen
Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen
Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die
Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung
von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und
internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im
deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie
Stipendien.

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Neue Therapiestrategien bei Hautkrebs in Deutschland

Vorstellung auf der 50. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

Berlin, 1. Mai 2019 – Aktuelle Statistiken des Robert Koch Institutes
zeigen, dass die Neuerkrankungszahlen von Hautkrebs in Deutschland
jährlich weiter ansteigen. Dies gilt sowohl für den sogenannten schwarzen
Hautkrebs (malignes Melanom) als auch für den hellen Hautkrebs
(Plattenepithelkarzinom und Basalzellkarzinom). Dennoch bleibt die
Sterberate (Mortalitätsrate) beim malignen Melanom der Haut stabil. Beim
sogenannten hellen Hautkrebs ist die Sterblichkeit sogar gesunken. Beides
ist ein Indiz dafür, dass die Hauttumore frühzeitiger und damit in einem
prognostisch günstigeren Stadium entdeckt werden. Zudem konnten
insbesondere beim schwarzen Hautkrebs, aber auch beim hellen Hautkrebs, in
den vergangenen zwei Jahren weitere therapeutische Fortschritte erzielt
werden. (Quelle: Krebs in Deutschland für 2013/2014, Robert Koch Institut
und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V.,
2017:
https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2017/krebs_in_deutschland_2017.pdf?__blob=publicationFile)

Neue Therapiestrategien bei schwarzem Hautkrebs
Zu den wichtigsten Neuerungen in der Therapie von schwarzem Hautkrebs
zählt die Zulassung neuer adjuvanter Therapiestrategien bei einem
fortgeschrittenen Melanom. Adjuvante Therapien erfolgen im Anschluss an
die operative Entfernung des Primärtumors und sämtlicher Metastasen. Dies
bezieht sich vor allem auf die Tumorstadien III und IV. In diesen Stadien
hat der Patient zwar keine messbaren Metastasen mehr, aber ein extrem
hohes Risiko auf ein Rezidiv. Um einen solchen Rückfall (Rezidiv) zu
vermeiden, wurden zwei unterschiedliche Therapieprinzipien zugelassen und
in den Kliniken begonnen: Zum einen die Behandlung mit einem Antikörper
gegen das PD1-Molekül, der das körpereigene Immunsystem gegen den Tumor
mobilisiert. „Unsere dermatologischen Studien zeigen hier eine
50-prozentige Senkung des Rückfallrisikos bei unseren Patientinnen und
Patienten“, resümiert Prof. Dr. med. Alexander Enk. (Quelle für PD-1:
Adjuvant Nivolumab versus Ipilimumab in Resected Stage III or IV Melanoma,
Weber Jeffrey, N Engl J Med 2017,
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1709030; Quelle für MEK:
Adjuvant Dabrafenib plus Trametinib in Stage III BRAF-Mutated Melanoma,
Georgina V. Long, N Engl J Med 2017,
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1708539)

Antagonisten reparieren Melanome
Eine weitere Therapiestrategie ist der Einsatz sogenannter MEK/BRAF-
Antagonisten bei bestimmten Mutationsmustern im Melanom. Über eine
molekulare Testung muss zunächst festgestellt werden, ob beim Patienten
eine entsprechende Mutation vorliegt. Die Antagonisten reparieren quasi
diese Mutationen. Auch hier wird das Rückfallrisiko der Patienten
erheblich gesenkt. Die Behandlung kann in Tablettenform erfolgen. Beide
Therapiestrategien sind ausgesprochen wirksam und stellen einen weiteren
therapeutischen Durchbruch bei der Behandlung von Patienten mit einem
malignen Melanom dar. Eine Weiterentwicklung dieser adjuvanten
Therapiestrategien sind die neoadjuvanten Strategien. Sie befinden sich
derzeit in klinischen Tests.

Neoadjuvante Strategien – Antikörper gegen Hautkrebs
Neoadjuvante Strategien kommen in fortgeschrittenen Tumorstadien zum
Einsatz. Hierbei wird ein Patient zunächst medikamentös mit den
Antikörpern gegen das PD1-Molekül und das CTLA4-Molekül behandelt. Erst im
Nachgang werden die gegebenenfalls noch vorhandenen Restbefunde des Tumors
operativ entfernt. Diese Behandlungsstrategie hat sich als günstiger
erwiesen. Denn sie wartet nach einer operativen Tumorbehandlung nicht erst
die Weiterentwicklung des Tumors oder die Bildung von Metastasen
(Tumorprogress) ab.

Innovative Therapien im fortgeschrittenen Tumorstadium
Vor allem für das Stadium IV (fortgeschrittenes Tumorstadium) sind derzeit
weitere moderne Therapien insbesondere im Sinne der neuen Antikörper-
Therapien, beispielsweise anti-LAG3, an den großen deutschen
Hauttumorzentren in der klinischen Prüfung.

Neue Perspektiven für die Risikogruppe der Outdoorworker
Nach der Anerkennung des Plattenepithelkarzinoms (heller Hautkrebs) als
Berufskrankheit bei den sogenannten Outdoorworkern werden zunehmend
Krankheitskosten durch die Berufsgenossenschaften übernommen. Für die
Behandlung stehen inzwischen neue Therapiemöglichkeiten auch für die
metastasierten Stadien des Plattenepithelkarzinoms zur Verfügung.
Ähnlich wie beim Melanom basieren die Therapien auf Antikörperstrategien
(PD1, PDL1). Sie sollen das körpereigene Immunsystem gegen die Tumorzellen
mobilisieren und damit helfen, auch metastasierte Tumoren zur Abheilung
oder unter Kontrolle zu bringen. Diese neuen Therapieansätze werden
derzeit in klinischen Studien weiter überprüft. „Wir rechnen mit einer
baldigen Zulassung einiger dieser Antikörper für die Behandlung des
metastasierten Plattenepithelkarzinoms“, hofft Prof. Dr. Enk.

Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche
Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700
Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung
auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich
zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie,
Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen
Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen
Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die
Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung
von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und
internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im
deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie
Stipendien.

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Entwicklung von Hautinfektionen

Breitbandantibiotika begünstigen Wachstum resistenter Bakterien
Bakterielle Infektionen der Haut und des
Weichgewebes gehören weltweit zu den häufigsten Infektionen des Menschen.
Dazu gehören beispielsweise Erysipel (Wundrose), Phlegmone und Abszesse.
Sie sind in vielen Ländern der zweithäufigste Anlass für eine Verordnung
von Antibiotika. Die Haut bietet auf etwa 1,5 m2 eine große Angriffsfläche
für die verschiedensten Infektionserreger. Gleichzeitig ist die gesunde
Haut mit Billionen Bakterien, Milben und Pilzen besiedelt. Der Lebensraum
dieser Mikroorganismen oder deren Gene werden als Mikrobiom der Haut
bezeichnet.

Chronische Wunden und Infektionen
Mit zunehmendem Lebensalter treten häufiger chronische Wunden auf. Sie
sind eine häufige Ursache von bakteriellen Infektionen. Chronische Wunden
können sich aus kleinen oberflächlichen Läsionen wie nässendem
Hautausschlag (Impetigo) oder Fußpilz, aber auch aus schwerwiegenden
Verletzungen der Hautoberfläche entwickeln. Hauptsächlicher Erreger ist
das Bakterium Staphylokokkus aureus (S. aureus), der auch ein relevanter
Erreger lebensbedrohlicher systemischer Infektionen ist. In Europa liegt
die Anzahl der neu auftretenden Staphylokokkus aureus-bedingten Sepsen bei
ungefähr 200.000 pro Jahr.

Einsatz von Antibiotika bei Hautinfektionen
Da der Staphylokokkus aureus häufig in Haut- und Weichgewebeinfektionen
vorkommt, aber auch als kolonisierender Erreger in der Nase, hat das
Bakterium mit seiner Resistenz gegen Methizillin (sog. MRSA) und andere
Antibiotika eine besondere Bedeutung. Antibiotika sind durch ihre direkte,
kurative Wirkung auf die Infektionserreger aus der Behandlung von
Hautinfektionen nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig wirken sie jedoch
auch gegen andere, „nützliche“ Bakterien des Mikrobioms. „Ein unnötiger
Einsatz von Breitbandantibiotika bei Haut- und anderen Infektionen
begünstigt das Wachstum resistenter Bakterien in Geweben, die nicht von
einer Infektion betroffen sind, beispielsweise im Darm“, so Prof. Dr. Cord
Sunderkötter, Direktor der Klinik für Dermatologie und Venerologie am
Universitätsklinikum Halle. Die verordneten Antibiotika sollten daher so
gezielt und schmal wie möglich wirken und rechtzeitig, adäquat lang und in
ausreichend hoher Dosis eingesetzt werden. Um diesen Forderungen gerecht
zu werden, hat die Deutsche Gesellschaft für Dermatologie (DDG) an
entsprechenden Leitlinien mitgearbeitet. Auf der 50. Tagung der DDG vom 1.
bis zum 4. Mai 2019 in Berlin werden einige Empfehlungen thematisiert.

Anstieg der Skabies
Die Diagnose Skabies (Krätze) wird in Deutschland in den letzten Jahren
auffallend häufig gestellt. Auch der Verbrauch an Antiskabiosa ist
deutlich gestiegen. Da die Skabies in Deutschland nicht meldepflichtig
ist, können diese nicht bewiesen und genau quantifiziert werden. Die
Ausbreitung einer Skabies wird in vielen Teilen der Welt durch ein
Zusammenleben auf engem Raum bei mangelnden hygienischen Bedingungen
begünstigt. In Deutschland sind solche Verhältnisse nur selten
anzutreffen, daher müssen hier zusätzliche Gründe vorliegen. Eine
Expertengruppe hat mögliche Ursachen herausgearbeitet, bewiesen ist
bislang keine davon. Da Skabies unter anderem während Intimkontakten
übertragen wird, ist Promiskuität ein bekannter Risikofaktor für Skabies.
Ein Grund für den Anstieg könnte daher im Zusammenhang mit der wieder
ansteigenden Zahl von sexuell übertragbaren Infektionen gesehen werden.
Außerdem sind Kinder eine unterschätzte Infektionsquelle, denn bei ihnen
ist die Prävalenz tendenziell höher als bei Jugendlichen und Erwachsenen.
Sie weisen meist mehr Milben auf, werden dahingehend oft unzureichend
behandelt und haben untereinander und zu Familienangehörigen einen
intensiveren Körperkontakt. Durch Kinder könnte sich eine Skabies also
leichter weiterverbreiten. Um solche kausalen Beziehungen zu verifizieren
seien aufwendige epidemiologische Studien notwendig, so Prof. Dr.
Sünderkötter.

Resistenz gegen Antiskabiosa
Mit der Zunahme der Skabies gehen Beobachtungen einher, denen zufolge die
Milben gegenüber dem Antiskabiosum der ersten Wahl (Permethrin)
unempfindlicher geworden sein sollen. Für einen ausbleibenden
Therapieerfolg gäbe es drei mögliche Erklärungen: 1) eine fehlerhafte
Anwendung, 2) eine Re-Infestation (Re-Infektion) infolge der
ausgebliebenen, wichtigen Behandlung von Kontaktpersonen und 3) eine
tatsächliche Unempfindlichkeit von Skabiesmilben gegenüber bestimmten
Antiskabiosa. Während es für die ersten beiden Möglichkeiten Belege gibt,
ist eine Unempfindlichkeit von Krätzemilben methodisch schwierig
nachzuweisen (anders als bei den Antibiotikaresistenzen der Bakterien).

Prävention durch Impfen
Schließlich rät Prof. Sunderkötter zur konsequenten Infektionsvorbeugung
durch Impfen: „Impfungen sollten wann immer empfohlen und so früh wie
angegeben durchgeführt werden.“ Dazu gehöre auch die Impfung gegen
„Warzenviren“ (humane Papillomviren). Sie schützten auch vor bestimmten
Krebsformen, wie dem Gebärmutterhalskrebs und vor manchen Karzinomen am
Penis oder im Rachenraum. Seit dem 30. November 2018 ist die HPV-Impfung
auch für Jungen Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen
Krankenkassen. Ein weiterer in diesem Jahr zugelassener und empfohlener
Impfstoff zielt auf die Vermeidung der schmerzhaften Gürtelrose (Herpes
zoster) ab.

Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche
Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700
Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung
auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete. Die DDG bemüht sich
zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie,
Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen
Teilgebiete. Hierzu dienen z. B. die Durchführung von wissenschaftlichen
Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die
Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung
von Forschungsvorhaben. Darüber hinaus fördert die DDG nationale und
internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im
deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie
Stipendien.

Eröffnungsveranstaltung der 50. DDG-Tagung
Die Eröffnung der 50. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft
zum Internationalen Tag der Hautgesundheit findet am 1. Mai 2019 von 18
bis 21 Uhr im Marshall Haus statt. Für weitere Auskünfte stehen die DDG-
Geschäftsstelle und die DDG-Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung.

Kongressprogramm
Das Kongress-Hauptprogramm ist abrufbar unter:
https://www.derma.de/fileadmin/derma/veranstaltungen/ddg-
tagungen/DDG2019_Hauptprogramm_Internet.pdf
oder als App kostenfrei erhältlich in jedem App Store:
https://www.derma.de/de/fuer-aerzte/50-ddg-tagung/programmapp/

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